Versorgung
28. Oktober 1955
Versorgung [V 18/55]
Kartoffelversorung
Im Bezirk Rostock geht die Kartoffeleinkellerung wegen zu langsamer Anlieferung nicht schnell genug vor.
Ebenso ist es im Bezirk Dresden.
In Demitz-Thumitz,1 [Kreis] Bischofswerda, sind diejenigen, die ihre Kartoffeln im Konsum2 bestellt haben, stark verärgert. Die Kartoffelbelieferung ist im Kreis gesperrt, da dieser seinen Ausfuhrverpflichtungen nicht nachgekommen ist.
Im Süden des Bezirkes wurden die letzten Kartoffeln am 5.10.1955 angeliefert, vorläufig bestehen keine Aussichten auf weitere Anlieferungen.
In Bernburg, [Bezirk] Halle, haben viele Einwohner noch keine Winterkartoffeln. Bei dem VEAB werden schon Kartoffeln eingemietet, obwohl die Bevölkerung noch keine hat. Bei der letzten Kartoffelausgabe musste die VP eingreifen, weil die Käufer sich schlugen.
In Mannsfeld, [Kreis] Hettstedt, haben ca. 20 % der Einwohner noch keine Einkellerungskartoffeln.
Schwierigkeiten bei der Einkellerungsaktion gibt es auch im Bezirk Schwerin.
Fleischversorgung
In den Kreisen Borna und Geithain, [Bezirk] Leipzig, besteht ein Engpass in der Fleisch- und Wurstbelieferung auf HO-Basis.3
Ebenso gibt es diesbezüglich Schwierigkeiten in den Bezirken Schwerin und Neubrandenburg.
Versorgung mit HO-Butter und HO-Margarine
Im Kreis Senftenberg, [Bezirk] Cottbus, fehlt es weiterhin an HO-Butter, HO-Margarine und HO-Fetten.
In der vergangenen Woche erhielt z. B. eine Konsumverkaufsstelle in Schwarzheide 20 Stück HO-Butter. Vor Eintreffen der Ware standen bereits ca. 100 Hausfrauen an.
Im Bezirk Gera kommt ebenfalls nur wenig HO-Butter und Margarine zum Verkauf.
Selbst wenn größere Mengen angeliefert werden, reichen diese nicht aus.
So wird z. B. aus Lobenstein berichtet, dass in einer HO-Verkaufsstelle die letzte Lieferung von vier Zentnern Margarine, die früher eine Woche gereicht haben, jetzt in wenigen Stunden verkauft werden.
Auf Veranlassung des Rates des Bezirkes Halle sind im Kreis Bitterfeld im IV. Quartal 1955 20 t Margarine gekürzt worden. Bei dem derzeitigen Kontingent hätte der Bedarf gerade gedeckt werden können.
Aus diesem Grunde werden gerade vor Weihnachten Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung mit Margarine auftreten.
Die Margarineknappheit in den Geschäften von Karl-Marx-Stadt hat zur Folge, dass dort, wo welche hereinkommt, größere Mengen gekauft werden, sodass es zu einer Beunruhigung unter der Bevölkerung kommt.
Im Bezirk Leipzig besteht weiterhin ein Mangel an HO-Butter und HO-Margarine.
Versorgung mit verschiedenen Lebensmitteln
In verschiedenen Kreisen des Bezirkes Magdeburg gibt es keinen Käse, keine Marmelade, keinen Honig und Sirup zu kaufen.
In den Kreisgebieten Langensalza und Worbis, [Bezirk] Erfurt, gibt es Schwierigkeiten in der Belieferung mit Margarine, Speck, Fett und Eiern.
In Stalinstadt,4 [Bezirk] Frankfurt/Oder, halten Versorgungsschwierigkeiten weiterhin an: Es gibt nach wie vor keine Zwiebeln und Eier.
Aus dem Bezirk Dresden wird berichtet, dass Schwierigkeiten in der Versorgung im IV. Quartal 1955 eingetreten sind, da Eier um 33 %, Fleisch um 1 000 t und Margarine um 200 t gekürzt werden. Die Lage wird sich umso schlimmer auswirken, da bereits im III. Quartal Vorgriffe auf den IV. Quartal getätigt werden mussten.
In der MTS Rodenwalde,5 Kreis Hagenow, [Bezirk] Schwerin, verweigerten acht Beschäftigte die Arbeitsaufnahme, weil die dortige Konsum-Verkaufsstelle am 24.10.1955 wegen Inventur geschlossen war und in den vorhergegangenen Tagen am 22., 23. und 24.10.1955 keine Lebensmittel zu erhalten waren.
Sie erklärten, dass sie nur deshalb ihre Arbeit niederlegten, um die höheren Stellen darauf aufmerksam zu machen, dass in den ländlichen Gemeinden nicht immer die Warenbereitstellung kontrolliert wird.
Überplanbestände
Die HO-Industriewaren in Eisleben, [Bezirk] Halle, sind Überplanbestände von 1,7 Millionen DM zu verzeichnen. Es handelt sich vorwiegend um Herren- und Damenmäntel, Trikotagen sowie um Schuhwaren aus Schweinsleder mit Gummisohle.
In der Abteilungsleiterbesprechung am 22.10.1955 wurde ein Kampfplan erarbeitet mit dem Ziel, bis Jahresende die Überplanbestände abzusetzen.
Im gesamten Bezirk Dresden lagern Industriewaren im Werte von 29 Millionen DM als Überplanbestände.
Auf der finanzökonomischen Konferenz wurde beschlossen, diese Überplanbestände bis spätestens 31.12.1955 abzusetzen.
Im VEB Lederwerk Neustadt-Glewe, Kreis Ludwigslust, [Bezirk] Schwerin, lagern seit 1½ Jahren vier Waggons Lederschuhe aller Größen. Diese wurden von der Dld. 26 – Leder Malchin eingelagert.
Warenbereitstellung für das Weihnachtsfest
Im Handelsbereich der HO-Wismut7 – Gera – ist noch keine Übersicht der Importwaren betreffs des Weihnachtsfestes bekannt. Man rechnet damit, dass eine Kontingentzuweisung kurz vor dem Fest erfolgt und damit eine Missstimmung unter der Bevölkerung hervorgerufen wird.