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Veröffentlichung von Verbrechen von Kriegsverurteilten

30. Dezember 1955
Stellungnahme der Bevölkerung zu den Veröffentlichungen über die durch Kriegsverurteilte begangene Verbrechen [Information M 33/55]

Nach der Veröffentlichung von Verbrechen, die Kriegsverurteilte1 verübten,2 kam es mehrfach – vor allem unter den Arbeitern – zu heftigen Diskussionen. Darin kommt die tiefe Abscheu zum Ausdruck, die man gegenüber diesen Verbrechern hat. In der Mehrzahl wird Unverständnis darüber geäußert, dass diese noch leben und man fordert, dass hier Todesstrafen ausgesprochen werden müssten.

In Einzelfällen nimmt man Bezug auf Häftlinge in den Strafvollzugsanstalten der DDR und es heißt, dass man diese hätte entlassen sollen und nicht die Kriegsverbrecher.

Folgende Beispiele können als charakteristisch betrachtet werden:

Einige Arbeiter aus Zeulenroda, [Bezirk] Gera, äußerten: »Wenn sie solche Verbrechen durchgeführt haben, hätte man sie doch gleich zum Tode verurteilen sollen und hinrichten lassen. Denn wenn diese Personen nach Westdeutschland kommen, werden sie ihren alten Weg wieder beschreiten. Wir sind nicht damit einverstanden, dass man solche Verbrecher entlässt.«

Drei Schlosser aus dem VEB Werkstoff-Prüfmaschinenwerk Leipzig: »Die Kriegsverurteilten werden sich trotz ihrer Verurteilung nicht bessern. Wenn sich ihnen noch einmal die Gelegenheit bieten würde, würden sie wieder solche Verbrechen begehen, denn das sind keine Menschen mehr, die solche Gräueltaten begangen haben.«

Einzelbeispiel:

In einer Bauernversammlung der Gemeinde Zottewitz,3 [Bezirk] Dresden, sagte ein Bauer (CDU): »Ich kann nicht verstehen, dass man den Talkenberg4 wegen Fund von Waffen enteignet hat; weil man andererseits jetzt erleben muss, dass [man] Kriegsverurteilte, die Tausende von Menschen auf dem Gewissen haben, freilässt. Hier muss ein Schlussstrich gezogen werden, denn diese Verbrecher sind doch viel gefährlicher.«

Aus Kreisen von Geschäftsleuten aus Gera werden negative Beispiele bekannt, dass man unserer Presse keinen Glauben schenkt.

Zum Beispiel sagte der Fuhrunternehmer Puschendorf5 aus Caaschwitz,6 [Kreis] Gera: »Die Bilder im ›Neuen Deutschland‹7 entsprechen nicht den Wahrheiten. Denn wer hätte schon daran gedacht und wer hätte zum Kriegsende die Gelegenheit gehabt, so etwas zu fotografieren. Es ist ja doch alles Schwindel.«

Ein anderer Geschäftsmann sagte: »Die letzten Enthüllungen in der Presse über die von der Sowjetunion übergegebenen Kriegsverurteilten sind ja doch nur Schwindel. Man kann heute nach zehn Jahren so etwas schreiben, und ob alles wahr ist, kann niemand sagen.«8

Verhalten der unseren Straforganen übergebenen Kriegsverurteilten

Entlang der Bahnstrecke, die von dem Transport mit nicht entlassenen Kriegsverurteilten befahren wurde, wurden mehrere von den Kriegsverurteilten geschriebene Zettel gefunden. Darin wurde an die Finder appelliert, sie sollten »ein deutsches Herz haben« und die Angehörigen davon verständigen, dass sie (die Kriegsverurteilten) »nach Bautzen ins Gefängnis verschleppt werden«.

Nachstehend werden die Texte einiger Zettel aufgeführt:

  • »Achtung Heimkehrertransport! 280 deutsche Kriegsgefangene aus Sibirien werden nach Bautzen ins Gefängnis verschleppt. Bitte, lieber Finder, benachrichtige meine Frau, denk an Weihnachten.«9

  • »Wir sind 270 Gefangene aus der SU auf Transport in ein Gefängnis der DDR. Am Weihnachtsabend bleiben unsere Frauen und Kinder ohne Mann und Vater. Schreibt ihnen wenigstens, wo wir geblieben sind.«

Insgesamt wurden sieben Zettel gefunden, die sinngemäß alle vorstehenden Texte enthalten.

Folgende Adressen wurden genannt:

  • Anni Möhring,10 Berlin-Charlottenburg, [Straße, Nr.]

  • [Vorname 2] Birkenhauer,11 Berlin-Tempelhof, [Straße, Nr.] (Absender Heinz B…)

  • [Vorname 3] Marosky,12 Berlin-Charlottenburg, [Straße, Nr.]

  1. Zum vorherigen Dokument Rückführung von Zivilpersonen aus der UdSSR

    24. Dezember 1955
    1. Bericht zur Rückführung von Zivilpersonen aus der UdSSR [Information M 32/55]