Rückführung von Zivilpersonen aus der UdSSR
24. Dezember 1955
1. Bericht zur Rückführung von Zivilpersonen aus der UdSSR [Information M 32/55]
Am 18.12.1955 traf in Frankfurt/Oder ein Transport mit 729 Erwachsenen und 383 Kindern aus der Sowjetunion ein.1 Da die Kapazität des Lagers Fürstenwalde2 erschöpft war, wurden die Personen mit im Lager Eisenach3 untergebracht, sodass diese wie folgt verteilt wurden: Lager Fürstenwalde 678 Personen, Lager Eisenach 434 Personen, insgesamt 1 112 Personen.
Am 23.12.1955 wurden vom Lager Fürstenwalde ca. 250 Personen nach Westdeutschland entlassen, während bis zum 21.12.1955 103 Personen aus dem Lager Eisenach nach Westdeutschland entlassen werden.
Trotz Einsatz von Agitatoren ist es nicht gelungen, diese Personen von der Weiterreise nach Westdeutschland abzuhalten.
Da aber einige Personen mehrfach ihre Absicht änderten, ist anzunehmen, dass innerhalb der Lager gegen den Verbleib in der DDR gehetzt wurde.
Die Übersiedlung nach Westdeutschland wird oft damit begründet, dass sie sich dort persönliche Vorteile erhoffen bzw. angeblich zu Verwandten und Bekannten wollen.
Unter den nach Westdeutschland gehenden Rückkehrern gab es in Eisenach negative Diskussionen über den Umtausch der von ihnen mitgeführten Geldbeträge (Rubel).
Während in der DDR Verbleibende im Umtausch bis zu 500 DM erhalten und der Rest der Sparkasse ihres zuständigen Wohnortes überwiesen wird, erhalten die nach Westdeutschland Gehenden nur 20,00 DM ausgezahlt und die weiteren Beträge werden auf ein Sperrkonto eingezahlt. Dadurch gibt es negative Diskussionen, wobei sinngemäß zum Ausdruck gebracht wird, ob sie in der SU für andere gearbeitet hätten und warum man ihnen hier das Geld nicht gibt, was sie sich in den zehn Jahren in der SU verdient haben.
Zum Beispiel erhielt eine Frau mit drei Kindern für 4 000 Rubel nur die genannten 20,00 DM.
Vereinzelt wurde die Annahme der 20,00 DM verweigert.
Vom Lager Fürstenwalde wurden keine derartigen Diskussionen bekannt. Die HO erhielt dort einen Umsatz bis 100 000 DM.