Versorgung
21. Oktober 1955
Versorgung [V 15/55]
In der Zeit vom 8.10. bis 15.10.1955 erhielt der Kreis Templin, [Bezirk] Neubrandenburg, von einer Sollmenge von 3 t Fleisch nur 400 kg.
In Templin gibt es kein Fleisch und keine Wurstwaren. Von dem Zubringerbetrieb Schlachthof Prenzlau wird angegeben, dass das auf den schlechten Viehaufkauf zurückzuführen ist.
In Leipzig sowie in den Kreisen Altenburg, Grimma und Döbeln fehlen Fleisch und Wurstwaren auf HO-Basis.1
In Grimma ist eine Fleischbevorratung (Marken und HO) nur noch für drei bis vier Tage vorhanden.
In den letzten Tagen hat sich die Ernährungslage in den Kreisen Görlitz, Riesa und Sebnitz, [Bezirk] Dresden, verschlechtert.
So ist z. B. in Görlitz die Margarine auf HO-Basis vergriffen. Eine Aufstockung für das IV. Quartal 1955 ist nicht möglich, da im IV. Quartal allgemein eine Kürzung vorgesehen ist. Zurzeit gibt es keine HO-Butter, Speck und Margarine. Die Stimmung der Bevölkerung hat sich dadurch verschlechtert, da sie aufgrund des herannahenden Weihnachtsfestes größere Fettmengen einkaufen will.
Im Kreis Riesa und Sebnitz besteht weiterhin ein großer Engpass an Butter, Margarine und Speck.
Durch das Großhandelskontor2 Lauter, Kreis Aue,3 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, gibt es Schwierigkeiten in der Belieferung der VST mit Fetten. Zum Beispiel erhielt eine VST in Beierfeld 20 Stück Butter auf Marken. An diesem Tag verlangten ca. 90 Personen Butter, sodass die VST gezwungen war, in anderen VST Butter auszuleihen.
In Leipzig sowie in fast allen Kreisen des Bezirkes kann der Bedarf an HO-Margarine und HO-Butter nicht gedeckt werden. So standen z. B. in Schmölln am 20.10.1955 nach Anlieferung von Butter an einem HO-Kiosk im Stadtzentrum über 100 Käufer.
Im Kreis Bernburg, [Bezirk] Halle, ist der Bedarf an Margarine sehr groß, weil durch die Stockung in der Versorgung von der Bevölkerung wieder Margarine auf Vorrat gekauft wird.
In Bärenfels,4 [Kreis] Dippoldiswalde, [Bezirk] Dresden, besteht ein starker Mangel an Butter. Auch an anderen Fetten mangelt es.
Unter der Bevölkerung von Zittau, [Bezirk] Dresden, herrscht eine große Unzufriedenheit, da die Einkellerungskartoffeln noch nicht eingetroffen sind. Werktätige bringen zum Ausdruck, dass sie solange, wie es keine Kartoffeln gibt, sich von allen Veranstaltungen fernhalten wollen.
Die KG Riesa erhält keine Kartoffeln zur Einkellerung.
Im Kreis Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, ist die Einkellerungsaktion ins Stocken geraten. Ein großer Teil der Bevölkerung hat bis jetzt ihre Einkellerungskartoffeln noch nicht.
Ebenso ist das in Stalinstadt5 der Fall. Die Bevölkerung beklagt sich darüber, dass sie stundenlang vor den VST warten müssen, um ihre Einkellerungskartoffeln zu erhalten. Außerdem wird die Qualität der Kartoffeln bemängelt.
Warenverderb
Im Kühlhaus Stralsund, [Bezirk] Rostock, sind 5 000 Eier verdorben. Diese Eier werden dem Schweineaufzuchtbetrieb zugeführt. Am 20.10.1955 wurde berichtet, dass weitere 6 000 Eier der Schweinemästerei Andersdorf übergeben werden mussten.
Der Kreis Templin, [Bezirk] Neubrandenburg, sollte vom Absatzkontor für Fisch ein Waggon Fisch erhalten. Dieser Waggon musste jedoch verworfen werden.
In der VST 101 Demmin, [Bezirk] Neubrandenburg, sind Waren im Werte von 1 676 DM verdorben. Es handelt sich hierbei um Margarine, Weizengries, Dorschleber, Waschpulver, Alkohol, Schokolade und kosmetische Artikel.
133 Schweine, die von der Mästerei Köthen, [Bezirk] Halle, an den Schlachthof Dessau als Staatsreserven geliefert wurden, mussten vom Tierarzt verworfen werden, da die Tiere nach der Schlachtung einen zu starken Geruch und Geschmack nach Fisch aufwiesen.
Belieferung mit Südfrüchten
In den Kreisen Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, und Grimmen, [Bezirk] Rostock, ist die Bevölkerung über die unzureichende Belieferung mit Südfrüchten unzufrieden.
Zum Beispiel erhielt die Importzentrale Stralsund für den Kreis Grimmen von 2,5 t Soll bisher nur 300 kg geliefert.
In Stralsund gibt es ausreichend Zitronen, Butter usw.
In Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt[/Oder] fehlt es an schwarzem Tee, Bohnenkaffee und Südfrüchten.
Die Bevölkerung des Kreises Rathenow, [Bezirk] Potsdam, beklagt sich darüber, dass sie so wenig Wein angeliefert bekommen, während in anderen Kreisen genügend vorhanden ist.
Belieferung mit Textilien
Im Kreis Grimmen, [Bezirk] Rostock, ist die Versorgung der Bevölkerung mit Bettwäsche unzureichend.
Vonseiten der HO und Konsum-Warenhäuser6 Halle wird über die vorhandenen Überplanbestände Klage geführt. Es wird die Meinung vertreten, dass das Ministerium für Handel und Versorgung eine Preisänderung für diese Waren erlassen muss.
Es handelt sich hierbei hauptsächlich um Textilien und Schuhwaren.