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Analyse: Schwierigkeiten Industrie

[ohne Datum]
Schwierigkeiten in der Industrie [Analyse Nr. 9/55]

Braunkohlen- und Brikett-Industrie:

Die Belieferung der Brikettfabriken mit Rohkohle ist besonders im Bezirk Cottbus als nicht gut zu bezeichnen, da die betreffenden Grubenbetriebe das gesetzte Plansoll nicht erfüllen, sodass die Geräte nicht entsprechend ausgelastet werden können und das Zugspiel dadurch nicht entsprechend geregelt ist.

Für die Wintermonate ist noch nicht die entsprechende Abraumdecke freigelegt worden, um die notwendige Rohkohle zur Verfügung zu haben.

In allen Braunkohlenbetrieben des Revieres Senftenberg bestehen besondere Schwierigkeiten in der Material- und Rohstoffversorgung.

Insbesondere fehlt es diesen Betrieben an Schrauben, Muttern aller gangbaren Größen für den Bergbau, Nieten, Meißelstahl,1 feine Spiralfedern, Laufrädersterne, Federringe, Lagerschalen für Großraumbagger, Buchsen, Kugellager, Mittel- und Grobbleche, Gleise sowie Draht für Motorentwicklung. Als besonderer Schwerpunkt im Bergbau ist die ungenügende Belieferung mit Schwellen und Gleisanlagen zu bezeichnen. Gleiche Schwierigkeiten bestehen auch in den Braunkohlen- und Brikettfabriken des Bezirkes Leipzig.

Textil-Industrie:

In den wichtigen Betrieben der Textilindustrie der Bezirke Cottbus, Dresden und Karl-Marx-Stadt sind zurzeit Schwierigkeiten in der Rohstoffversorgung, insbesondere mit Rohstoff-Wolle zu verzeichnen, da die Importe nicht termingemäß geliefert werden und zum anderen die eingeführten Importe nicht dem Sortiment der Feinheit entsprechen. Die Auswirkungen gehen dahin, dass aufgrund der Mangeleinführung von Importwolle Aufstockung der Zellstoffgewebe vorgenommen werden muss. Dadurch entstehen Überplanbestände in den Konfektions- und Produktionsbetrieben, da die Handelsorgane die Stoffe nicht abnehmen.

In den Tuch- und Hutbetrieben ist der Zustand ähnlich. Es ist laufend zu verzeichnen, dass aufgrund von Verzögerungen in der Anlieferung Rohstoffmangel auftritt, was zu Verzögerungen in der Produktion führt. Obwohl mit dem DIA Verträge abgeschlossen sind, erfolgt jedoch erst eine neue Lieferung, wenn die Werkleitungen einige Male die zuständigen Stellen in Berlin aufgesucht und den Ernst der Lage des Betriebes mitteilten. Auf diese Weise mussten die Betriebe schon öfters Konventionalstrafen zahlen, obwohl diese Betriebe dabei keine Schuld tragen.

Die Situation in der Textil-Industrie des Bezirkes Karl-Marx-Stadt ist durch außerordentlich hohe Überplanbestände gekennzeichnet. Teilweise sind die Lager der Betriebe bereits überfüllt, weil die Großhandelskontore2 infolge angeblicher Absatzschwierigkeiten keine neuen Bestände mehr aufnehmen.

Die Überplanbestände entwickelten sich von 9 Mio. auf 27,5 Mio. DM, Grundmaterial von 3 Mio. auf 8,9 Mio., unvollendete Produkte von 2,3 Mio. auf 13,3 Mio., vollendete Produkte von 2 Mio. auf 14 Mio.

Die Hauptursachen der Überplan-Bestandsbildung liegen darin, dass der Handel die Waren nicht abnimmt. Er begründet dies damit, dass er noch genügend Waren in den jeweils betreffenden Positionen am Lager hat.

An Überplanbeständen per 31.7.1955 sind vorhanden:

  • Bekleidungs- und Wäschestoffe DM 53 653 000,

  • Haushalt-Textilien DM 35 522 000,

  • Trikotagen DM 146 143 000,

  • Konfektion DM 82 550 000,

  • Arbeitsbekleidung mit Akzise DM 1 899 000,

  • Leibwäsche DM 7 740 000,

  • insgesamt DM 327 507 000.

Im Jahre 1954, per 31.7., waren Überplanbestände in Höhe von 106 174 000 DM vorhanden. Die Überplanbestände in der VDK Handelsniederlassung Karl-Marx-Stadt betragen 19 880 900 DM.

Davon sind von der Deutschen Notenbank für Saisonware 3 600 000 DM Kredit gegeben worden.

Bauindustrie:

In der Bauindustrie, besonders auf den Großbaustellen, macht sich bemerkbar, dass die vorhandenen Maschinen überaltert sind und die Entwicklung moderner Baumaschinen zu langsam voranschreitet.

Das wirkt sich dahingehend aus, dass die vorgesehenen Bauzeiten alle überschritten werden. Des Weiteren ist noch der Zustand zu verzeichnen, das in vielen Fällen immer noch die baureifen Unterlagen fehlen, wie z. B. im Projektierungsbüro Berlin, wo bis jetzt noch keine Aufträge vorliegen, mit welchen Projekten sich die Vorprojektierung für 1956 zu beschäftigen hat. Ähnlich ist es in fast allen Bezirken. Das führt dazu, dass die Rohbaubetriebe nicht in der Lage sind, ihre Bauleistungsverträge abzuschließen. Weiterhin ist eine starke Fluktuation von Baufach- und Hilfsarbeitern in berufsfremde Industriezweige sowie in die private Bauindustrie zu verzeichnen, die angeblich höhere Löhne zahlt. Diese Erscheinung ist in allen Bezirken festzustellen.

Diese Tatsache ist auch besonders im Landbauprogramm zu verzeichnen, wo die Bauarbeiter mit Hinweis auf die weit abliegenden Arbeitsstellen ihre Arbeit kündigen. Gleichzeitig ist jedoch im Rahmen des Bauprogramms noch zu verzeichnen, dass es Mangel an Zement, Splitt und Rundeisen gibt, was die Einhaltung der Termine infrage stellt.

In der Bauindustrie besteht außerdem ein ungesundes Verhältnis in der Anzahl der Angestellten zu der Anzahl der Arbeiter.

So sind z. B. im

  • VEB Hochbau Berlin von 3 000 Beschäftigten 500 Angestellte,

  • VEB Industriebau Berlin von 2 000 Beschäftigten 600 Angestellte,

  • VEB Tiefbau Berlin von 6 000 Beschäftigten 700 Angestellte,

  • VEB Volksbau Berlin von 2 200 Beschäftigten 520 Angestellte.

Ähnlich ist auch das Verhältnis in den Baubetrieben der Bezirke.

Chemie-Industrie:

In der chemischen Industrie wirkt sich die mangelhafte Rohstoff- und Materialversorgung nachteilig auf die Produktion aus. So fehlt es im Elektro-Chemie-Kombinat Bitterfeld vor allen Dingen an PVC zur Herstellung von Kunststoffen. Die Lieferung vom Buna-Werk erfolgt nicht regelmäßig genug.

Gleichfalls fehlt es an dem vom Buna-Werk gelieferten Kresol,3 an Phosphorsäure aus dem Stickstoffwerk Piesteritz und Chlorkalium aus dem Eisenacher Gebiet, was nicht qualitätsmäßig geliefert wird. In der Filmfabrik Wolfen fehlt Wollzelon4 und P.C.U.5, mit dessen Lieferung das Buna-Werk nicht nachkommt. Die Wollzelonanlage, welche am 1.10.1955 in Betrieb genommen wird, ist somit infrage gestellt.

Im Leuna-Werk »Walter Ulbricht« wirken sich die stockenden Öleinfuhren aus Österreich negativ aus. Das Gleiche trifft zu auf das Eisenhüttenwerk Thale, wo das für das Emaillegeschirr benötigte Borax6 nicht vorhanden ist. Aufgrund dessen können die Exportaufträge in Emaillegeschirr vom Eisenhüttenwerk Thale nicht erfüllt werden.

Die gleichen Erscheinungen sind auch in den Keramikwerken in den einzelnen Bezirken vorhanden, die Borax für die Glasur benötigen und bereits Beanstandungen ausländischer Abnehmerfirmen erfuhren.

Zur Herstellung von Synthese fehlt es an Kobalt und Kieselgur7 in den jeweiligen Synthesewerken.

Kalibergbau:

Die Erfüllung der Produktionspläne im Kalibergbau wird gehemmt durch Mangel an Förderwagen-Achsen, durch den die Betriebe nicht in der Lage sind, die notwendigen Reparaturen durchzuführen.

Außerdem fehlt es an Hochmaschinenersatzteilen sowie Schrauben.

Nachteilig wirkt sich im Kalibergbau das Bestehen unterschiedlicher Arbeitsnormen aufgrund der Lage der jeweiligen Betriebe aus. Aufgrund dessen ist besonders in den Betrieben »Einheit«8 und »Marx-Engels«9 eine starke Fluktuation an Arbeitskräften zu verzeichnen.

Werften:

Sehr nachteilig auf die Produktion der Werften wirkte sich die zu späte Bestätigung des Produktionsplanes aus, da die Werften vordem nicht in der Lage waren, ihre Bestellungen rechtzeitig bei den Zulieferbetrieben aufzugeben. Aufgrund dieser Lage besteht der größte Engpass gegenwärtig in der Zulieferung von Aggregaten, Maschinen, Elektromaterial usw., die nicht auf den Werften hergestellt werden können.

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    22. Oktober 1955
    Zusammenfassung der Berichte über die Ankunft und Weiterleitung der zurückgekehrten Kriegsverurteilten. 1. Bericht [Information M 21/55]

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    21. Oktober 1955
    Versorgung [V 15/55]