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Versorgung

31. Oktober 1955
Versorgung [V 19/55]

Angsteinkäufe

In fast allen Kreisen des Bezirkes Neubrandenburg gibt es Schwierigkeiten in der Versorgung, vor allem mit Fleisch, Butter, Margarine und Eiern.

Aus diesem Grunde treten besonders in den Kreisen Demmin und Malchin Angstkäufe auf. Zum Beispiel war in der Kleinstadt Neukalen, Kreis Malchin, zu verzeichnen, dass sich mehrere Hausfrauen Stühle mitbrachten und sich vor die VST mit der Bemerkung setzten, nicht eher die VST zu verlassen, bis sie HO-Butter1 oder Margarine erhalten würden.

Beim Verkauf der obengenannten Artikel musste die VP eingreifen, da die Verkäuferinnen nicht mehr in der Lage waren, den Andrang zu bewältigen.

Die Lehrlinge des MTS-Lehrkombinats Malchin haben ein Schreiben an die Betriebsleitung verfasst, in dem sie eine bessere Versorgung fordert.

Die Leitung des MTS-Lehrkombinates brachte zum Ausdruck, dass sie weder2 ausreichend Marmelade noch andere Fettigkeiten haben, um die Brote zu beschmieren.

In Demmin wurden am 27.10.1955 3 t Margarine ausgeliefert, die bis 12.00 Uhr mittags restlos ausverkauft waren. Diese Mengen hätten bei einem normalen Verkauf zwei bis drei Tage gereicht.

HO-Butter und HO-Margarineversorgung

Die HO-Butter- und HO-Margarineknappheit hält in den im letzten Bericht3 genannten Bezirken weiterhin an.

In den Kreisen Jüterbog und Neuruppin fehlt HO-Butter.

Aus dem VEB Jutewerk Triebes, [Bezirk] Gera (ca. 500 Belegschaftsmitglieder), wird berichtet, dass dieses Werk in der letzten Woche nur 23 kg Butter und 60 kg Margarine zum Verkauf erhalten hat.

Als die Anlieferung im Werk bekannt wurde, liefen viele Frauen von ihren Arbeitsplätzen weg, um ein Stück Butter zu erhalten.

Ähnliche Fälle wurden auch aus anderen Kreisen des Bezirkes berichtet.

Ein Engpass an HO-Margarine und Butter wird auch aus den Kreisen des Bezirkes Potsdam bekannt. Eine Abänderung ist hier noch nicht vorauszusehen, da zum Teil die Planmengen der einzelnen Kreise storniert wurden.

Aus Zeulenroda, Bezirk Gera, wird berichtet, dass, wenn einmal ein Posten Margarine oder HO-Butter ankommt, sehr lange Schlangen an den Geschäften zu beobachten sind und die VP eingreifen muss, da es zu Schlägereien unter der Bevölkerung kommt.

Im Kreis Finsterwalde, Bezirk Cottbus, gibt es Landgemeinden, wo es seit Wochen keine HO-Margarine und Butter zu kaufen gibt, wie z. B. in der Gemeinde Rückersdorf. Der gleiche Zustand ist in der Gemeinde Sallgast4 zu verzeichnen. Die Frauen der Gemeinde stehen stundenlang am Laden um ein viertel Pfund Margarine zu erhalten. Sie bringen zum Ausdruck, dass sie ihren Männern trockenes Brot mit zur Arbeit geben müssen.

Fleischversorgung

Im Kreis Querfurt, [Bezirk] Halle, ist in der Versorgung mit Fleisch und Wurstwaren auf HO-Basis ein erheblicher Mangel zu verzeichnen.

Im Kreis Spremberg, [Bezirk] Cottbus, ist zu verzeichnen, dass dort der Abteilung Handel und Versorgung zugesagt wurde, dass sie 50 t Importfleisch zum Verkauf erhalten, die aber bisher noch nicht eingetroffen sind. Sollte das Fleisch bis zum heutigen Tage nicht eintreffen, so ist der Verkauf von Fleisch nicht gewährleistet.

Im Kreis Neuruppin, [Bezirk] Potsdam, besteht seit einiger Zeit ein Engpass an Fleischwaren, nicht nur auf HO- sondern auch auf Markenbasis. Für die Versorgung der Bevölkerung der letzten Dekade fehlen an Lebendvieh 88 t Schwein und 22,5 t Rind.

Versorgung mit verschiedenen Lebensmitteln, Genussmitteln, Bekleidung und Wirtschaftsgegenständen:

Im Kreis Kyritz und Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, fehlt es an HO-Zucker, worüber besonders die Landbevölkerung unzufrieden ist.

Die Bevölkerung der Bezirke Frankfurt/Oder und Potsdam führt Klage über die ungenügende Zwiebelversorgung. Ein ähnlicher Zustand besteht in der Versorgung mit Eiern.

Der Kreis Königs Wusterhausen erhielt aus Importen eine zusätzliche Menge von 18 t Zwiebeln, die laut Anweisung für das II. Quartal 1956 zu lagern sind.

Der Rat des Kreises vertritt die Meinung, dass diese Anweisung nicht richtig ist, denn man sollte von diesen Zwiebeln erst einmal die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen.

Von der HO Hettstedt, [Bezirk] Halle, wird Klage darüber geführt, dass es an Waren wie Bettwäsche, Federn, Haushaltswäsche, gutem Schuhwerk vor allem Porokrepp,5 Herden und Öfen fehlt, was von der Bevölkerung verlangt wird.

In der Gemeinde Bösewig,6 [Bezirk] Halle, wird vom Konsum7 Klage geführt, dass zu wenig Zigaretten in die Verkaufsstellen gelangen und von den Sorten Turf und Casino das Kontingent zu niedrig ist. Des Weiteren gibt es schon längere Zeit keine Marmelade und Süßigkeiten.

Weintrauben

Im Laufe des 27. und 28.10.1955 trafen bei dem VEB Konservenfabrik Frankfurt/Oder 50 t hochwertiger Weintrauben von Bulgarien ein. Weitere 50 t werden noch in Kürze erwartet. Diese Weintrauben sind dazu bestimmt, zu Marmelade verarbeitet zu werden.

Im Handel herrscht ein großer Mangel an Weintrauben und es werden sehr selten Weintrauben der Bevölkerung zum Kauf angeboten. Durch diese unverantwortliche Handlungsweise ist die gesamte Belegschaft der VEB Konsumfabrik empört.

Die politischen Diskussionen hierüber sind negativer Art.

Der Betrieb erhält die Weintrauben zum Preise von 0,50 DM pro kg. Während der Handelspreis 2,80 DM pro kg beträgt. Das bedeutet bei 100 t, welche dieser Betrieb erhielt bzw. erhalten soll, einen Akzise-Verlust von rund 230 Tausend DM. Die Weintrauben wurden dem Betrieb direkt von der Importleitstelle Bad Schandau zugeteilt.

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