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Versorgung

4. November 1955
Versorgung [V 21/55]

Kartoffelversorgung

Im Bezirk Magdeburg sind noch immer große Rückstände bei der Kartoffelbelieferung zu verzeichnen.

Die HO-Lebensmittel1 in Wolmirstedt benötigt zur Einkellerung für die Bevölkerung 311 t Kartoffeln, geliefert wurden bisher ca. 240 t, sodass noch 71 t fehlen.

Für Großverbraucher ist eine Menge von 68,5 t vorgesehen, geliefert wurden bisher 29 t.

Durch Beschluss des Rates des Bezirkes sollte die Einkellerung bis zum 20.10.1955 abgeschlossen sein. Seit dem 24.10.[1955] geht die Belieferung mit Kartoffeln nur noch ganz schleppend vor sich. Die HO erhält an manchen Tagen eine Menge von nur 3 bis 5 t, sodass es zu Schlangenbildungen kommt.

Im Kreis Oschersleben ist die Kartoffeleinkellerung erst mit 65 t erfüllt. Die Versorgung der Großverbraucher ist nur mit 9,5 t gewährleistet.

Im Büro der Stadt-Konsumgenossenschaft kam es bereits zu unliebsamen Auseinandersetzungen mit einigen Kunden, wo die Rückzahlung der bereits eingezahlten Gelder bzw. eine Teillieferung von Kartoffeln verlangt wird.

In Stralsund, [Bezirk] Rostock, werden zur Einkellerung täglich 300 t benötigt. In den letzten Wochen wurden jedoch nur insgesamt 600 t geliefert, sodass allein in dieser Woche ein Rückstand von 1 500 t zu verzeichnen ist.

Am 14.10.1955 war der Bedarf zu 38 % gedeckt, wogegen im Jahre 1954 61 % erfüllt waren.

Die ungenügende Kartoffelversorgung ist auf die schlechte und unkonzentrierte Arbeit der Erfassungsorgane zurückzuführen. Es mangelt an dem richtigen Einsatz der vorhandenen Fahrzeuge, sodass die Kartoffeln auf den Feldern liegen.

Schwierigkeiten bei der Einkellerung ergeben sich noch in den Kreisen Aschersleben und Quedlinburg, [Bezirk] Halle.

Im Kreis Zeitz, [Bezirk] Halle, treten jetzt Schwierigkeiten in der Versorgung mit Speisekartoffeln auf.

Ebenso ist es im Kreis Meißen, [Bezirk] Dresden. Dort ist das Ergebnis der Einkellerungsaktion per 30.10.1955 bei dem Einzel- 53,7 % und bei dem Großverbraucher 44,7 %.

In der Stärkefabrik Dallmin,2 Kreis Perleberg, [Bezirk] Schwerin, lagern zurzeit 4 000 t Kartoffeln, wovon 2 000 t Speisekartoffeln sind.

Nach heftigen Diskussionen seitens der Bevölkerung wurde vom Rat des Bezirkes die Genehmigung erteilt, diese Speisekartoffeln an die Bevölkerung zu verteilen.

Da die Kartoffeln zum größten Teil angefroren sind, veranlasste der Bürgermeister von Karstädt, dass die Bauern in seinem Bezirk ab sofort der Stärkefabrik keine Speisekartoffeln mehr anliefern sollen, sondern dem VEAB für die Einkellerungsaktion zur Verfügung zu stellen.

Aufgrund dieser Maßnahme fühlt sich der Betriebsleiter veranlasst, dem Bürgermeister schriftlich mitzuteilen, dass seine Maßnahme gesetzwidrig wäre und er die notwendigen Schritte gegen ihn einleiten will.

Fettversorgung

Ein besonderer Schwerpunkt bildet im Bezirk Rostock die Versorgung mit Butter auf HO-Basis, wodurch unter der Bevölkerung Diskussionen ausgelöst werden, in denen zum Ausdruck kommt, »wenn es jetzt schon keine Butter gäbe, wie soll es dann erst im Winter und im Frühjahr werden«.

Der Mangel an Butter ist nach Angaben der Abteilung Handel und Versorgung beim Rat des Kreises Stralsund auf eine falsche Verteilung zurückzuführen. Es wurde nicht berücksichtigt, dass in Stralsund durch die Schwerpunktbetriebe eine höhere Kaufkraft wie in anderen Städten vorhanden ist.

Im Bezirk Gera ist die Versorgung mit HO-Butter und HO-Margarine noch unverändert.

Aus dem Kreis Haldensleben, [Bezirk] Magdeburg, wird bekannt, dass besonders im Grenzort Weferlingen ein Mangel an Margarine besteht. Bereits seit einigen Monaten wird pro Haushalt monatlich ein halbes Pfund Margarine ausgegeben.

In Zittau wurde der Bevölkerung von drei HO-Verkaufsstellen mitgeteilt, dass um 16.00 Uhr Butter verkauft wird. Bereits um 14.30 Uhr standen ca. 250 Personen vor den Geschäften.

Fleischversorgung

In der Bergarbeitersiedlung in Beensdorf, Kreis Eisleben, [Bezirk] Halle, sind die Hausfrauen über die Belieferung mit HO-Fleisch unzufrieden. Es wurde Gefrierfleisch angeboten, was aber unappetitlich war und zum Teil schon stank.

Im Kreis Aschersleben gab es Schwierigkeiten in der Versorgung mit Fleischkonserven. Die Firmen Venag-Halberstadt3 und die Fleischwarenfabrik Eisenberg4 teilten der HO mit, dass sie wegen mangelnden Anfalls von Frischfleisch nicht in der Lage sind, die vertraglich gebundenen Mengen an Fleisch- und Wurstkonserven termingemäß zu liefern. Voraussichtlich können sie erst im Dezember liefern.

Auch das Kontor5 für Import und Lagerung teilte der HO mit, dass die dort vertraglich gebundenen Fleisch- und Wurstkonserven aus Importen auch erst im Dezember geliefert werden können.

Die Schwierigkeiten in der Fleischversorgung halten in den Kreisgebieten des Bezirkes Erfurt ebenfalls noch an.

In den letzten Wochen traten im Bezirk Schwerin in der Fleischversorgung Schwierigkeiten auf.

In den letzten Tagen fehlten in Schwerin-Stadt 37 t Fleisch, im Kreis Hagenow 20 t, im Kreis Güstrow 20 t und im Kreis Perleberg 13 t.

Im Kreis Templin, [Bezirk] Neubrandenburg, wurde für das IV. Quartal die Fleischmenge gegenüber dem III. Quartal um 13 t gekürzt.

Im Kreis Ilmenau, [Bezirk] Suhl, ist die Fleischversorgung im IV. Quartal schlecht, weil das Kontingent auf HO-Basis gekürzt wurde und ein Teil für den Weihnachtseinkauf reserviert werden soll, sodass im November weniger Fleisch verkauft werden kann.

Lebensmittelmangel

In der Gemeinde Zarnekow, Kreis Malchin, [Bezirk] Neubrandenburg, besteht eine große Nachfrage nach HO-Zucker, Marmelade, Kunsthonig sowie Schmalz auf Markenbasis.

Ebensolche Schwierigkeiten werden aus dem Kreis Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, gemeldet.

Im Kreisgebiet Haldensleben, [Bezirk] Magdeburg, besteht ein Mangel an Margarine, Honig, Sirup, Käse, Hülsenfrüchte, Seifenpulver sowie Fleisch und Wurstwaren.

In Stralsund, [Bezirk] Rostock, gibt es schon seit Wochen keine Eier auf HO-Markenbasis.

Im Kühlhaus Stralsund dagegen wurden bisher über 20 000 Eier der Schweinemästerei zur Verwertung übergeben, da sie durch falsche Lagerung ungenießbar geworden waren.

Für das IV. Quartal werden dem Kreis Templin, [Bezirk] Neubrandenburg, 41 000 Stück Eier geliefert. Das entspricht im IV. Quartal pro Kopf ein Ei.

Zwiebelversorgung

Unter der Bevölkerung im Kreisgebiet Meiningen, [Bezirk] Suhl, gibt es bereits seit einigen Wochen keine Zwiebeln.

Ebenso treten diesbezüglich Schwierigkeiten in Berlin auf.

Angsteinkäufe

Durch die mangelnde Warenbereitstellung gibt es im Kreis Bischofswerda die ersten Anzeichen von Angsteinkäufen.

Von einigen Personen wurden fünf Pfund Margarine und 30 Eier verlangt.

Warenverderb

Am 1.11.1955 holte der Konsum6 Niesky, [Bezirk] Dresden, 3 t Rind- und 1 t Schweinefleisch vom VE-Kontor Kühlhaus Dresden ab.

Die 3 t Rindfleisch waren nicht mehr einwandfrei und es konnten ca. 20 % für die Weiterverarbeitung nicht in Anspruch genommen werden.

Überplanbestände

Durch die Leitung der Deutschen Notenbank Dresden wird bekannt, dass gegenwärtig im Dresdner Bezirk Überplanbestände von Industriewaren in Höhe von insgesamt 85 Mio. DM7 vorhanden sind.8

Dies unterteilt sich in 72 Mio. DM Textilen und 13 Mio. DM Schuhwaren.

Von der HO-Wismut9 Auerbach wird berichtet, dass vor allem in Textilien und Lederwaren große Überplanbestände vorhanden sind. So sind in zwei Textilverkaufsstellen der HO-Wismut Auerbach 250 000 DM Überhänge. Auch ist die Versorgung seitens der HO Wismut gegenwärtig äußerst schlecht.

Warenbereitstellung für das Weihnachtsfest:

In der am 1.11.1955 durchgeführten Sitzung beim Rat des Kreises Sonneberg, [Bezirk] Suhl, Abteilung Handel und Versorgung mit allen Handelsvertretern sowie der Deutschen Notenbank wurde festgestellt, dass die Versorgung der Bevölkerung zum bevorstehenden Weihnachtsfest nicht besser ausfallen wird, als in den bisherigen Jahren.

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