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Versorgung

7. November 1955
Versorgung [V 22/55]

Einkellerungsaktion

Große Beunruhigung herrscht darüber unter der Bevölkerung des Kreises Bitterfeld, [Bezirk] Halle. Der jetzige Stand der Einkellerung liegt bei 81,9 %. Im Kreismaßstab werden noch 4 000 t benötigt. Der größte Teil der Bevölkerung im Kreis Strausberg, [Bezirk] Frankfurt/Oder, hat noch keine Einkellerungskartoffeln.

Missstimmung herrscht unter der Bevölkerung von Quedlinburg, [Bezirk] Halle, weil ein Teil noch keine Winterkartoffeln hat. Auf dem Güterbahnhof Quedlinburg lagern jedoch einige hundert Zentner Kartoffeln, die jedoch nur schleppend verteilt werden.

Fleischversorgung

Vom Rat des Kreises Neubrandenburg, Abteilung Handel und Versorgung, ist erneut eine Verkaufssperre für HO-Fleisch1 ausgesprochen worden, da sonst die Belieferung der Fleischmarken nicht gesichert ist.

Ebenso bildet im Bezirk Magdeburg die Fleischversorgung im IV. Quartal einen Schwerpunkt. Besondere Schwierigkeiten in den Grenzgemeinden treten in Erscheinung.

Im Kreis Neuruppin, [Bezirk] Potsdam, sind in der Fleischversorgung ebenfalls Schwierigkeiten aufgetreten. Um diese Schwierigkeiten zu überwinden, werden die Reserven angegriffen, die für Januar und Februar 1956 bestimmt waren.

Schwierigkeiten in der Fleischversorgung bestehen auch im Kreis Hainichen, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt. Der Fleischbedarf beträgt täglich 7 t. Es können jedoch pro Woche nur 14 t geliefert werden. Das bedeutet, dass an fünf Tagen kein Fleisch vorhanden ist. Ein weiteres Aufkommen durch die Viehaufkäufe ist nicht zu erwarten, da fast sämtliche Bauern im Kreisgebiet das schlachtreife Vieh abgegeben haben.

Warenverderb

Die vom VEB Kühlhaus Dresden gelieferten 3 t Rindfleisch an die KG2 Niesky waren stark schmierig und wurden aus diesem Grunde zum Verkauf abgelehnt. Die KG lieferte dieses Fleisch zur weiteren Verarbeitung dem VEB Schlachthof Görlitz. Eine neue Überprüfung im Schlachthof am 5.11.1955 ergab, dass von diesen 3 t ca. ein Drittel für die menschliche und tierische Ernährung unbrauchbar, ein Drittel noch als Hundefutter und der Rest als Freibankfleisch3 verkauft werden konnte.

Fettversorgung

Im Bezirk Magdeburg besteht weiterhin ein Mangel an HO-Margarine. Aus dem Kreis Schleiz, [Bezirk] Gera, wird berichtet, dass sich am 2.11.1955 beim Verkauf von HO-Butter vor den Geschäften Käuferschlangen bis zu 70 Personen bildeten. Es kam dabei zu Auseinandersetzungen und Schlägereien.

In Meerane, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, standen am 3.11.1955 vor einem HO-Wismutgeschäft ca. 70 Frauen nach HO-Butter. Die Frauen waren über die schlechte Versorgung allgemein empört.

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