Analyse: Kirche
[ohne Datum]
Bericht über den Kampf der Kirche nach der Genfer Konferenz [Analyse Nr. 3/55]
Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Kirche in der gegenwärtigen Periode ihren Kampf gegen unsere Gesellschaftsordnung und gegen die Politik unserer Regierung führt. Dabei ist drastisch zu erkennen, dass besonders die Evangelische Kirche mit ihren Aktionen hervortritt, während die Katholische Kirche ihre Machenschaften nicht so offen führt.
Charakteristische Merkmale ihrer Kampfmethoden sind besonders:
- a.
Die Irreführung kirchlicher Kreise und, soweit möglich, auch anderer Bevölkerungsschichten.
Prinzip dabei ist, politisch wichtige Geschehnisse sowie internationale und Probleme weltgeschichtlicher Bedeutung zu ignorieren.
- b.
Die Bevölkerung von ihrem hauptsächlichen Ziel, der Wiedervereinigung Deutschlands, von dem damit verbundenen Kampf der Nationalen Front1 und darüber hinaus von den Bemühungen zur Sicherung des Weltfriedens fernzuhalten.
- c.
Die bisher errungenen Erfolge auf wirtschaftlichem, kulturellem und gesellschaftlichem Gebiet zu bagatellisieren und zu verschmähen.
- d.
Und schließlich die Politik unserer Regierung als falsch zu bezeichnen.
Von dem Kampf der Kirche nach der Genfer Konferenz2 einige Beispiele:
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Die Verwaltung Groß-Berlin berichtet von einer direkten reaktionären Politik wiederum ausgehend von der Evangelischen Kirche, die jedoch aufgrund ihrer ständigen Bemühungen in diesem Falle nur als am Rande bemerkt betrachtet werden soll.
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Speziell zur Genfer Konferenz sagte der Pfarrer Helmer,3 Köpenick, am 17.7.1955: »Legt die Meinungen der Zeitungen beiseite, denn daran ändert Genf auch nichts. Die Menschen, die zur Konferenz nach Genf fahren, sind nur ›verletzte‹ Größen. Die letzte Größe ist Gott. Kann sein, dass es den Herren wohl gefällt, in Genf eine Einigung zustande kommen zu lassen.«
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Die Predigten der Pastoren Schulz,4 Friedrichsfelde, Dehmel,5 Lichtenberg und Knecht,6 Lichtenberg, sind in ihrer Form und Darlegung der des Helmer angepasst.
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Der Pfarrer Dahms7 von der Evangelischen Kirche Kletzke,8 Bezirk Schwerin, sagt Folgendes zu seiner Gemeinde: »Die Genfer Konferenz steht unter dem Zeichen eines starken Druckes und man muss dafür beten, dass sie unter die Hand Gottes kommt, damit die Entrechteten und Entehrten – gemeint waren die Umsiedler9 – wieder frei werden.« Dahms ist selbst Umsiedler.
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In seiner gleichen Predigt sprach er noch von vielen Menschen, die in sowjetischer Gefangenschaft sein sollen, sowie von 16-jährigen Jugendlichen, die sich in der Verbannung zur Ausführung von Zwangsarbeiten befinden.
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Pastor Timm10 aus Plau, Kreis Lübz,11 schließt sich mit seinen Predigten hetzerischen Inhalts, wenn auch nicht über den Verlauf der Genfer Konferenz, so aber über unsere Gesellschaftsordnung an. In provokatorischer Weise schuldigt er Funktionäre unserer Republik der Kriegspolitik an u. a.m.
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Sonntag vor Beginn der Genfer Konferenz beteten die Geistlichen im Bezirk Cottbus für eine gerechte Entscheidung. Man müsse Gott danken, damit er Gerechtigkeit walten und die Staatsmänner auf der Konferenz Kraft schöpfen lässt. Aufgrund des guten Ergebnisses, was von der Kirche nicht erwartet wurde, hüllt sie sich jetzt in Schweigen.
Diese Feststellung des Schweigens geistlicher Kreise sind mehrfach gemacht worden. Auch diese Merkmale zeugen von dem reaktionären Charakter Geistlicher, die mit ihren Predigten kirchliche Kreise unter der Bevölkerung bewusst irreführen.
Gerade vorliegendes Beispiel zeigt die raffinierten Verwandlungskünste, die mitunter sehr oft angewandt werden.
Die Kirchengemeinde, die sich ideologisch auf das Gelingen der Genfer Konferenz vorbereitet und dafür gebetet hat, erlebt anschließend die Enttäuschung durch ihren Pfarrer, indem er sich über Probleme weltgeschichtlicher Bedeutung in Schweigen hüllt.
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Im Bereich des Bezirkes Erfurt fanden Zusammenkünfte statt, bei denen man Fürbitte-Gebete folgenden Inhalts verrichtete: »Möge Gott die Staatsmänner erleuchten und sie den Weg erkennen lassen, der zum Frieden in der Welt führt, denn nur Gott allein entscheidet die Geschicke der Völker.«
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Nachstehende Predigt des Propstes Staemmler12 aus Wittenberg zeugt durch ihre klare und konkrete Formulierung den Charakter unserer Gesellschaftsordnung feindlich eingestellter Elemente, die im Dienste der Geistlichkeit mit giftigen Reden die Bevölkerung verseuchen.
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Staemmler sagt u. a.: »Wir wollen hoffen und dafür beten, dass Genf für uns Deutsche gute Erfolge bringen möge.« Weiterhin: »Du sollst keine fremden Götter haben neben dir. Heute aber haben wir viele Götter!«
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Die damaligen Zöllner und Sünder sind mit den heutigen Funktionären des Staatsapparates und der Partei zu vergleichen, die mit der Besatzungsmacht mitgehen.
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Man dürfte sich nicht mit diesen Funktionären an einen Tisch setzen, vielmehr sie wie Kranke behandeln.
Vorstehende Auszüge kirchlicher Predigten unmittelbar nach der Genfer Konferenz sind lediglich als Beispiele von den außerdem noch vorliegenden Schilderungen ihrer eigentlichen Kampfmethoden herausgezogen.
Sie sollen vor allem beweisen, wie und in welcher Form man von der Kirche aus herangeht, die noch enorm große Zahl der Kirchenanhänger verhetzt und irreführt.
Ihr eigentlicher Kampf dient mehr oder minder nicht bedingt anfallende Geschehnisse internationalen Maßstabes,13 sondern Wesen und Ziel der gegen unseren Staat und gegen die friedliebenden Völker eingestellten Geistlichen ist die ständige Einwirkung auf nicht nur der Kirche angehörenden Kreise, sondern, soweit möglich, auch auf andere Bevölkerungsschichten entsprechend ihrer eigenen Methode.14
Die Bezirke Potsdam, Neubrandenburg, Dresden, Wismut15 Karl-Marx-Stadt, Magdeburg, Leipzig, Rostock, Suhl und Karl-Marx-Stadt berichten hauptsächlich von bestimmten Aktionen der Kirche gegen die Jugendweihe.16
Sie berichten von der systematischen Verbreitung der »Jungen Gemeinde«, was hauptsächlich seine Ursache in dem Versagen der FDJ-Arbeit hat.
Methode und Grundsatz der kirchlichen Maßnahmen gegen die Jugendweihe sind:
- a.
Drohungen gegenüber Erziehern;
- b.
Drohbriefe an Eltern und Jugendliche;
- c.
Persönliche Beleidigungen (Verräter).
Dazu einige Beispiele:
Der Bezirk Dresden berichtet unter anderem:
Die Hauptarbeit der Kirche richtet sich momentan gegen die Jugendweihe. Bei persönlichen Besuchen der Pastoren bei Eltern von Jugendlichen, die an der Jugendweihe teilgenommen haben, fordern sie die Jugendlichen auf, ihren begangenen »Fehler« wiedergutzumachen, indem sie sich aktiv in den Reihen der »Jungen Gemeinde« betätigen und das bei der Jugendweihe erhaltene Buch Weltall, Erde, Mensch17 abgeben sollen.
Die Drohungen gehen dahinaus, anderenfalls später nicht getraut zu werden, keine Patenschaften annehmen zu dürfen und schließlich Kinder nach der Eheschließung keiner Taufe unterziehen zu können.
Familien selbst wird der Kirchendienst verweigert.
Verschiedentlich hängt man Jugendlichen, die zur Jugendweihe waren, Beleidigungen an, indem man sie Verräter schimpft.
Was Eigenschaften und Organisation der »Jungen Gemeinde« anbetrifft, so ist zu erkennen, dass ihre Grundprinzipien im DDR-Maßstab gleichen Charakter haben.
Wer Mitglied der »Jungen Gemeinde« ist, darf nicht Mitglied der FDJ sein.
Marxismus-Leninismus ist »Gift« für Angehörige dieser Organisation, besagt beispielsweise ein Aufruf des Bischof Dibelius,18 der auch weiter sagt: »Zugehörigkeit zur FDJ ist mit der Zugehörigkeit zur ›Jungen Gemeinde‹ nicht vereinbar. Jeder muss sich entscheiden. Entweder das eine oder das andere. Entweder mit Gott oder gegen Gott!«19
Wo die »Junge Gemeinde« von sich aus nicht aktionsfähig ist, findet sie Unterstützung bei der Kirche, bei Heimabenden, Vorlesungen, Versammlungen, Wanderungen, Veranstaltungen u. a.m. organisiert.
Ziel und Absicht dieser Organisation ist, Jugendliche vom täglichen Kampf um Frieden und Einheit Deutschlands abzuhalten und die FDJ-Arbeit lahmzulegen.