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Analyse: Stimmung in den Betrieben

20. Oktober 1955
Die Stimmung der Arbeiter in den Betrieben [Analyse Nr. 1/55]

Die zurzeit unter einem Teil der Werktätigen der Industrie und Verkehrsbetriebe bestehende Unzufriedenheit, besonders über die allgemeine Lebenslage, wird vielfach von den Lohnfragen bestimmt.

Und zwar insofern, weil die Meinung vorherrscht, ganz besonders unter einem Teil der Eisenbahner und Bauarbeiter sowie überhaupt bei den Beschäftigten der unteren Lohngruppen, dass ihre Entlohnung zu niedrig sei und nicht den Lebenshaltungskosten in der DDR entsprechen würde. Demzufolge besteht in einer ganzen Reihe von Betrieben und Objekten unter den Betroffenen eine schlechte Stimmung.

So äußerten sich auf einer vorbereiteten Versammlung zu einer Ökonomischen Konferenz1 der Bau-Union Magdeburg einige Bauarbeiter dahingehend, dass der Lohn in der DDR zu niedrig ist gegenüber dem Verdienst von 2,30 [DM] die Stunde eines Maurers oder Zimmerers in WD und dass dadurch viele Bauarbeiter in den Schwermaschinenbau gehen, da sie dort mehr verdienen würden.

Im Zellwollbetrieb des VEB Kunstfaserwerkes »Wilhelm Pieck«2, [Bezirk] Gera, sind die Beschäftigten über ihre Entlohnung unzufrieden. Es werden von ihnen immer wieder Vergleiche zum Vorjahr gezogen und dabei erklärt, dass sie über 80,00 bis 100 DM mehr verdient hätten.

Zur Stimmung unter den Eisenbahner sei als Beispiel die Diskussion eines Eisenbahners aus Laucha angeführt, der sagte, »wir erhalten monatlich 212 DM ausgezahlt. Seine Tochter dagegen, die im RFT Sonneberg arbeitet, verdient 400 DM Leistungslohn.«

Allerdings ist die Entlohnung nicht der ausschließliche Grund der Unzufriedenheit bei den Werktätigen. Eine besondere Rolle dabei spielt auch die gegenwärtige Versorgungslage. Die Diskussionen werden durch diese augenblicklich schwierige Lage bestimmt und sind ausschließlich negativ. Selbst der DDR positiv gegenüberstehende Personen erklären, dass es so nicht mehr weitergehen kann und bald eine Änderung herbeigeführt werden muss. Zehn Jahre nach Kriegsende dürfte es nicht mehr vorkommen, dass sich die Menschen in der DDR sogar nach Kartoffeln anstellen müssen.

So wurde von einer Arbeiterin aus dem VEB Gardinenveredlungswerk Sehma3 geäußert, dass es schon wochenlang keine Kartoffeln gäbe im Betrieb, jedoch auf die Erfüllung der Norm gesehen würde. Wenn sich das nicht ändert, würden bestimmt die Leistungen sinken.

In den ersten Jahren nach dem Kriege hätte man für solche Zustände noch Verständnis aufgebracht, aber nach zehn Jahren Planwirtschaft müsste es doch klappen und eine geregelte Versorgung vorhanden sein. Es würde jedoch ständig an irgendetwas fehlen, ob im Laden oder im Betrieb.

Ähnlich ist die Stimmung auch in anderen Betrieben, wobei jedoch größtenteils den unteren Organen die Schuld gegeben wird.

Entscheidend auf die schlechte Stimmung unserer Werktätigen wirken sich auch die betrieblichen Schwierigkeiten aus. Im BKW Senftenberg-Cottbus treten in der Erfüllung der Produktion große Schwierigkeiten auf. Die Ursache dafür ist die schlechte Rohkohlenbelieferung und zum anderen der starke Feuchtigkeitsgrad, den die Rohkohle aufweist. Dadurch treten Betriebsstörungen und Arbeitserschwernisse für die Kumpel ein. Diese Schwierigkeiten verursachen eine Mehrarbeit für die Kumpels, was eine schlechte Stimmung in allen Abteilungen zur Folge hat. Dazu kommt noch der Entzug der Branntweinzuteilung4 bei Nichterfüllung des Plansolls, der Abbau der Erschwerniszulage und die finanzielle Einbuße bei Nichterfüllung des Planes. Ähnlich ist es auch in Bezug auf die Rohstofflieferungen in allen Industriezweigen.

So werden im VEB Ziehwerk Brotterode Diskussionen geführt wie: »Weshalb sollen wir noch besser und mehr arbeiten, wenn hierzu die Voraussetzungen fehlen. Wir wollen gern die Pläne erfüllen und übererfüllen, aber wenn wir kein Rohmaterial bekommen und unsere Maschinen stillstehen, ist dies nicht möglich. Dann können wir nicht dazu beitragen, unseren Lebensstandard zu verbessern«, die in allen Industriezweigen geführt werden.

Dabei wird zum Ausdruck gebracht, dass diese Zustände nur in der schlechten Planung der Ministerien ihre Ursache haben.

In gleicher Weise führen die Absatzschwierigkeiten der Betriebe zu negativen Diskussionen. So hat z. B. das Großhandelskontor5 für Textilwaren, Niederlassung Berlin C 2, Ware im Werte von 200 000 DM rückgängig gemacht. Aufgrund dieser Lage im Betrieb VEB »Vinora«6 in Hohenstein-Ernstthal sind die Arbeiter missgestimmt und äußern:

»Letzten Endes kommt es noch so weit, dass wir unsere hergestellten Waren selbst kaufen müssen, da keine Abnehmer vorhanden sind. Bei uns heißt es immer mehr produzieren, aber wir wissen doch bald nicht mehr, wohin mit der Ware. Es kommt ja sogar vor, dass Arbeiter wegen Arbeitsmangel nach Hause geschickt werden. Da wird es ja unmöglich gemacht, den Plan zu erfüllen.«

Ähnlich ist es auch in anderen Industriezweigen. So lagern gegenwärtig noch 1 000 t Einweckgläser im VEB Glaswerk Großräschen, die von den Handelsorganen nicht abgenommen werden, und es besteht die Meinung im Betrieb, dass das Werk eines Tages die Produktion einstellen muss.

Unzufriedenheit zeigt sich auch in einer ganz anderen Reihe von Betrieben der verschiedenen Industriezweige über die Zahlung der Quartalsprämien an die Wirtschaftsfunktionäre7 der Betriebe.

Die Diskussionen richten sich jedoch nicht grundsätzlich gegen das Prämiensystem, sondern nur dagegen, dass die leitenden Angestellten so hohe Summen und die Arbeiter nur kleine Beträge oder auch gar nichts bekommen. Unter den Arbeitern herrscht dazu die Stimmung, dass sie die Pläne erfüllen und die Angestellten die hohen Prämien dafür einstecken.

Besonderen Anlass gibt dazu die Aufschlüsselung wie z. B. im VEB Papierwerk Grünhainichen, wo die Arbeiter 50,00 bis 70,00 DM und die Wirtschaftsfunktionäre bis 1 000 DM Prämie erhielten.

Zur Missstimmung in den Betrieben führt auch immer wieder die Frage der technischen Normen, die teils zurückzuführen ist auf Unklarheiten unter den Arbeitern, teils auch auf nicht richtiges Herangehen an Normenfestlegungen, wo sich diese notwendig machen.

So z. B. müssen im VEB Oberlausitzer Baumwollweberei Neusalza-Spremberg, Werk 5 Löbau, technisch begründete Normen8 eingeführt werden, da noch keine bestehen, weil der Betrieb erst 1954 volkseigen wurde. Die Arbeiter zeigen sich deshalb ablehnend, weil sie vorher nicht genügend von der Richtigkeit und Notwendigkeit der Einführung dieser Normen überzeugt worden sind. Es wurde beschlossen, ab 15.8.1955 die neuen Normen einzuführen und drei Tage vorher probeweise danach zu arbeiten. Von den Arbeitern wird deshalb zum Ausdruck gebracht, dass so etwas unsere Partei und Regierung nicht will, wie man hier gegen die Arbeiter vorgeht. Von den Arbeitern wird auch deshalb die neue Norm abgelehnt.

Negative Stimmung unter den Arbeitern und Angestellten der Reichsbahn löste die Einschränkung der Freifahrtscheine9 nach Westdeutschland aus. In den meisten Fällen zeigen die Betroffenen kein Verständnis für diese Maßnahme, was aber in erster Linie auf ungenügende Aufklärung und vielfach auf die administrative Art und Weise der Ablehnung zurückzuführen ist. Diese Meinung brachten auch die Eisenbahner der Insel Rügen zum Ausdruck, als sie sagten:

»Die Einschränkung der Freifahrtscheine ist richtig, aber nicht in jedem Fall. Es gibt dabei Grenzfälle, wo der eine oder andere nach drüben fahren muss. Deshalb sollte man nicht dogmatisch handeln. Die Eisenbahner hängen an ihren Freifahrtscheinen, die ihnen auch keiner nimmt, denn sie können in der DDR fahren, wohin sie wollen. In der Frage mit der Genehmigung10 nach Westdeutschland müssten vorher überall Versammlungen durchgeführt werden und anhand von Beispielen den Eisenbahnern klargemacht werden, warum sie nicht mehr nach den Westen fahren sollen. Dies wurde versäumt.«

Deshalb gibt es jetzt auch Anzeichen, dass Eisenbahner bis zu den Übergangsstellen Freifahrtscheine lösen und sich dann im Westen einen Freifahrtschein zur Weiterfahrt ausstellen lassen.11

Außerdem kommt es aufgrund ständiger Änderungen des Produktionsplanes durch die HV Schiffbau zu großen Terminverzögerungen.

Alle Bemühungen vonseiten der Werftleitungen, einen Serienbau für die einzelnen Werften zu erreichen, wurden bisher durch die HV Schiffbau nicht beachtet. Im Augenblick ist zu verzeichnen, dass drei Werften Trawler bauen. Jede Werft war deshalb gezwungen, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen, wodurch erhebliche Kosten entstanden.

Die durch die Zubringerbetriebe gelieferten Hauptmaschinen weisen bei der Erprobung erhebliche Mängel auf, wodurch die Werft gezwungen ist, Nacharbeiten durchzuführen.

Außer den angeführten Beispielen der nicht termingerechten Anlieferung der benötigten Maschinen und Aggregate gibt es auf allen Werften Schwierigkeiten in der Beschaffung von Normteilen, Walzmaterialien, Elektromaterial usw. Die Werften sind gezwungen, Normteile wie Nieten und Schrauben selbst herzustellen, da es trotz Einschaltung der HV Schiffbau nicht gelang, die Werften mit Normteilen zu beliefern. Ebenso verhält es sich mit Schottverschraubungen, Gewindestützen und Schweißverschraubungen.

Weiterhin besteht Mangel an Schiffsblechen sowie Riffelblechen.

Die Werften an der Elbe, Oder und Spree haben Holzmangel, da die HV Schiffbau die Kontingente nicht freigibt. Außerdem haben sie durch Stromabschaltungen hohen Arbeitsausfall.

Wismut:12

Die Wismut-Betriebe werden im unzureichenden Maße mit Installationsmaterial beliefert. Dadurch wird Installationsmaterial eingebaut, was den Bergbausicherheitsbestimmungen nicht entspricht.

Außerdem erfolgen in diesen Betrieben Belieferungen mit porösem und brüchigem Bohrstahl, Bohrkronen und Gezähe,13 was sich nachteilig auf die Produktionserfüllung auswirkt. Ferner fehlt es in diesen Betrieben an Ersatzteilen für den Untertagebetrieb.

Fahrzeugbau:

In den Betrieben des Fahrzeugbaues kommt es zu Schwierigkeiten in der Produktion durch Fehlen von Material. Den Mercedes-Werken in Zella-Mehlis fehlt es an Schnittplattenstahl boldi 200014 sowie Bandstahl aus dem Westen. Weiterhin fehlt es in fast allen Fahrzeugbaubetrieben an Buntmetall, da das Walzwerk Hettstedt seinen Lieferbedingungen nicht nachkommt. Ungünstig wirken sich auch die dauernden Planänderungen durch den DIA aus, wodurch die Fachkräfte nicht genügend ausgelastet werden können und Fluktuation eintritt. So wurden durch den DIA für 1956 2 000 Stück »Melitta« Rechenmaschinen15 für den Export im Ernst-Thälmann-Werk Suhl16 bestellt, jedoch später aus dem Plan gestrichen, sodass für 1956 für diese Rechenmaschinen kein Absatz vorhanden ist.

Ähnlich verhält es sich mit dem Bau der Moped-Räder. Der Bau der Moped-Versuchsräder verlief ohne Schwierigkeiten. Die Produktion wurde genehmigt, jedoch später durch die Hauptverwaltung wieder zurückgezogen, weil das Tretlager angeblich nicht den Anforderungen entspreche. Bei Vorsprache der Werkleitung beim stellvertretenden Minister Böhm17 im Ministerium für Maschinenbau wurden folgende Verhaltungsmaßregeln [sic!] durch den persönlichen Referenten gegeben.

»Übt keine Kritik an den Entscheidungen des Genossen Böhm, das kann er nicht vertragen. Wenn ihr was erreichen wollt, kritisiert nicht, sondern versucht es auf die ruhige Tour, dann erreicht ihr bestimmt das, was ihr wollt.«

In beiden Fällen entstand den Betrieben größerer finanzieller Schaden. Allein im VEB Simson von einer Million DM.

Fischwirtschaft:

Die Fischkombinate haben Mangel und Schwierigkeiten in der Ausrüstung der Fangfahrzeuge mit Netzen. Das Fischkombinat Rostock bezieht die Rohware für die Anfertigung von Netzen aus Westdeutschland. Die Rohware wird über den DIA eingekauft. Das Garn, welches vom DIA eingekauft wird, entspricht nicht den Anforderungen für unsere Fischerei. Das Garn hat eine sehr schlechte Qualität. So wurden den unlängst bezogenen 40 t Manillagarn18 20 t für die Herstellung von Netzen als unbrauchbar erklärt.

Von den Kapitänen wird angeregt, nicht nur Rohware von Westdeutschland, sondern fertige Netze zu beziehen. Obwohl der Anschaffungspreis der fertigen Netze höher ist, bringt der erhöhte Fang der Volkswirtschaft auch einen höheren Nutzen. Eine weitere Schwierigkeit bei den Heringsnetzen besteht darin, dass kein geeignetes Imprägnierungsmittel vorhanden ist, sodass die Netze im Wasser zu schwer werden und zu tief schleppen. Das Imprägnierungsmittel ist ebenfalls durch den DIA zu beziehen möglich.

Besonders schlecht war in den letzten Wochen der Absatz von Fisch. Durch den Import aus dem Ausland und Westdeutschland musste sämtlicher hiesiger Fisch zwangsdisponiert werden. Die Zwangsdisponierungen traten besonders in den Monaten Juli/August auf, da zu dieser Zeit ebenfalls große Mengen an Hering durch Importe bezogen wurden, denn der Importfisch blockierte zum Teil unsere Kühllager und zum Teil auch die Verarbeitungsbetriebe. So konnte es vorkommen, dass wertvoller Fisch, besonders Rotbarsch, verstärkte Wertminderung aufzuweisen hatte und nicht in den Handel gebracht werden konnte. So mussten mehrere Tonnen der Fischmehlfabrik zugeleitet werden. Besonders machte sich dieser Umstand in Saßnitz bemerkbar, wo 400 Fässer seegesalzener Heringe durch die Stauung verdarben. Die Arbeiten der Forschungsinstitute gehen sehr langsam voran. Im Fischkombinat Rostock und Saßnitz wurden bisher vonseiten der Forschungsinstitute keine Verbesserungen in technischer Hinsicht vorgenommen. Es fahren zwar vielfach Biologen in die Volksrepubliken um Erfahrungen zu sammeln, jedoch werden keine Auswertungen dieser Reisen vorgenommen. Die Ursachen liegen begründet darin, dass den Forschungsinstituten durch das Ministerium für Lebensmittelindustrie freie Hand gelassen wird.

Schwerindustrie:

Im Karl-Marx-Werk Magdeburg19 ist nur noch eine Planauflage und Auftragsdecke bis Oktober 1955 vorhanden. Sollten bis dahin dem Werk keine neuen Aufträge zugehen, ist das Werk gezwungen, die Stahlgießerei stillzulegen. Dieser Zustand ist darauf zurückzuführen, dass das Werk einen höheren Preis pro Tonne Stahlguss berechnet als andere VEB. Das Karl-Marx-Werk muss laut Preisanordnung 14120 pro Tonne 1 880 DM in Rechnung stellen, wogegen für andere Gießereien laut PAO 2222/000221 der Preis pro Tonne nur 1 500 DM beträgt. Die bisherigen Besteller, die ihre Aufträge zurückzogen, erklären, dass sie dem Werk wieder neue Aufträge erteilen werden, wenn das Werk den Stahlguss wie andere Betriebe bis 1 500 DM liefert. Die HV Leichtmaschinenbau Halle hat bisher nichts unternommen.

Infolge Auftragsmangel sind die Großmaschinen in der mechanischen Dreherei nicht ausgelastet. Außerdem fehlt es in dem Betrieb an Stahl 52,22 welcher für das Baggerprogramm benötigt wird.

Im Ernst-Thälmann-Werk Magdeburg23 besteht folgende Situation:

Während sich im Jahre 1954 die Hauptlast der Produktion auf Walzwerkeinrichtungen und Zementfabrikeinrichtungen konzentrierte, ist im Jahre 1955 die Produktion mehr auf kleinere Maschinenbauausrüstungen konzentriert. Während 1954 die Großdrehbänke ein Engpass waren, wurden infolge der jetzigen Produktion die kleineren Drehbänke zu einem Engpass. So stehen im Ölmaschinenbau eine Langhobelmaschine, im Kranbau ein Horizontalbohrwerk, eine 4 m Karussellbank, im Schwermaschinenbau eine Großdrehbank, zwei Karusselldrehbänke sowie eine Reihe anderer Maschinen, infolge fehlender Aufträge still. In der Schmiede sind es bis zu 50 % aller Maschinen und die große 3 000 t Presse ist nicht mehr ausgelastet, seitdem nicht genügend Aufträge erteilt und ein Teil zurückgezogen wurde.

Dem SM Kirow-Werk in Leipzig24 fehlen 300 t Walzmaterial verschiedener Abmessungen, da von der zuständigen Hauptverwaltung die Kontingente zu niedrig gehalten werden. Ähnlich ist es in anderen gleichartigen Betrieben der Republik.

Der Arbeitsablauf der Stahlwerke in der DDR leidet unter der ungleichmäßigen Belieferung mit Stahl. Dieser Umstand tritt besonders im Eisenhüttenkombinat Stalinstadt25 in Erscheinung.

Maschinenbau:

Fast ausschließlich alle Maschinenbaubetriebe der DDR sind an der Erfüllung ihrer Aufträge gehindert, da es in diesen Betrieben an Emaillefruiden,26 Chromnickeldraht, Automatenstahl, Schrauben und Walzmaterial fehlt. Außerdem wirkt sich hinderlich für die Betriebe aus, dass sie zu wenig Entwicklungsaufträge und Geld zur Durchführung von Entwicklungen erhalten.

Der VEB »Wilhelm Friedel« Karl-Marx-Stadt27 hatte eine gut eingerichtete Produktion von Klein-Drehmaschinen. Alle Arbeiter waren ausgelastet und die Planerfüllung garantiert. Kurzfristig erhielt dieser Betrieb die Anweisung vom Ministerium für Maschinenbau, die Produktion unverzüglich auf Getriebe für Lkw umzustellen.

Der Betrieb verfügte nicht über die Räumlichkeiten und über Härteanlagen. Laut Anweisung des Ministeriums musste projektiert werden, obwohl der Bau einer neuen Werkhalle für einen Härteraum enorme Schwierigkeiten bereitet.

Steinkohlebergbau:

Seit kurzer Zeit macht sich in den Betrieben des Steinkohlen-Bergbaues eine starke Fluktuation von Arbeitskräften bemerkbar.

In den meisten Fällen ist dabei festzustellen, dass die Arbeitskräfte ihre Arbeitsstellen innerhalb der Steinkohlenwerke wechseln. So wird nach Arbeitsstellen besonders gesucht, wo zurzeit Lohnkürzungen und Normenveränderungen weniger vorgenommen werden.

An Materialschwierigkeiten gibt es vor allen Dingen in den Steinkohlenwerken Martin Hoop28 und Karl-Marx-Werk29 Zwickau große Engpässe an Blas-Versatzrohren, Schrauben, Muttern sowie Signaldrähte. Bei einer Zentrallagerung von Ersatzteilen könnten Tausende von Mark eingespart werden. Dadurch würde das Herumfahren in den einzelnen Betrieben nach den notwendigen Ersatzteilen wegfallen und auftretende Betriebsstörungen könnten schneller überwunden werden.

Arbeit der Ministerien:

In Bezug auf die Materialwirtschaft in den Ministerien Allgemeiner Maschinenbau und Schwermaschinenbau ist zu sagen, dass vereinzelte wichtige Rohstoffe zu spät zur Verarbeitung in die Produktion kommen. Zum Beispiel fehlt es besonders an Zink, Blei und Kupfer. Ein weiterer Faktor, der sich auf den Industriezweig des Maschinenbaues hemmend ausgewirkt hat, sind die Planverschiebungen im April/Mai des Jahres. Zum gleichen Zeitpunkt wurden große Exportverträge, die bereits im Plan 1955 festgehalten waren, annulliert. Dieses führte dazu, dass ein Teil der Betriebe des Ministeriums für Maschinenbau nicht voll ausgelastet ist, dass ein Überhang an Arbeitskräften besteht und das führte außerdem zu Unzufriedenheiten unter den Werktätigen und der Intelligenz.

Die Abteilungen Forschung und Entwicklung der einzelnen Hauptverwaltungen und zentralen Abteilungen der Ministerien Schwermaschinenbau und Allgemeiner Maschinenbau werden ihren Aufgaben, die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in den einzelnen Instituten und Betrieben zu kontrollieren und anleitend zu helfen, nicht gerecht. Zurzeit sind diese Abteilungen nur Registrierstellen. Diese Abteilungen sind zurzeit unterbesetzt.

Auf dem Sektor der Chemie des Ministeriums für Schwerindustrie gibt es Schwierigkeiten, da die Importe nicht rechtzeitig und kontinuierlich einlaufen. Das bezieht sich in erster Linie auf Erdöl, Naturkautschuk, Rohphosphate.

In der Kaliindustrie gilt es festzustellen, dass die vorgesehene und notwendige Mechanisierung nicht durchgeführt worden ist. Im Bereich der Hauptverwaltung Kohle gibt es Schwierigkeiten in der Erfüllung der Abraumbewegungspläne. Wenn für die Winterperiode nicht genügend freigelegte Kohle vorhanden ist, wird sich bei schnell eintretendem Frost die Gewinnung von Kohle erschweren und es können Schwierigkeiten in der Brennstoffversorgung entstehen.

Nach einer Meldung soll die Lage in der Energiewirtschaft katastrophal sein, da erstens der Energiebauplan nicht erfüllt wurde, zweitens viele Maschinen, obwohl vorgesehen, im Frühjahr 1955 nicht generalüberholt wurden und daher ausgefallen sind, drittens sich der Strombedarf der Industrie erhöht hat und die Energiebewirtschaftung nicht Schritt gehalten hat und viertens die geplante Reparaturzeit bis zu 75 % zu niedrig angesetzt wurde als tatsächlich notwendig gewesen wäre und überhaupt anzahlmäßig zu wenig Generalreparaturen vorgesehen sind.

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