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Versorgung

19. Oktober 1955
Versorgung [V 14/55]

In einigen Kreisen des Bezirkes Frankfurt/Oder herrscht unter der Bevölkerung Unzufriedenheit über die Belieferung mit Einkellerungskartoffeln.

So stehen z. B. die Einwohner1 in Rüdersdorf, [Kreis] Fürstenwalde, Schlange danach an. Die Bevölkerung ist dort erst zu ca. 15 % mit Winterkartoffeln versorgt und ist bemüht die Kartoffeln auf einmal einzukellern, da sie nicht mehrere Kartoffelsorten einlagern will.

In Rudolstadt und anderen Kreisen des Bezirkes Gera geht die Einkellerung nur sehr schleppend voran.

Durch die hohen Ausfuhrverpflichtungen (täglich 17 Waggons Kartoffeln) bestehen für den Kreis Kamenz, [Bezirk] Dresden, ernste Bedenken für die reibungslose Belieferung der Bevölkerung mit Einkellerungskartoffeln. Der Handel ist für eine ordnungsgemäße Belieferung nicht in der Lage.

In den Gemeinden Hörnitz und Bertsdorf,2 [Kreis] Zittau, [Bezirk] Dresden, ist die Bevölkerung sehr erregt über die schlechte Kartoffelversorgung. Momentan bekommen nur diejenigen Kartoffeln, die beim Konsum3 angemeldet haben. Die Familien, die bei Bauern ihre Kartoffeln angemeldet haben, werden nicht beliefert, weil die Bauern alles abliefern müssen.

Die Bevölkerung der Gebirgsgemeinden des Kreises Dippoldiswalde bringen zum Ausdruck, dass sie bald Einkellerungskartoffeln haben müssen, weil bei ihnen der Winter früher eintritt als in anderen Gebieten.

Im Kreis Aschersleben, [Bezirk] Halle, ist die Belieferung mit Einkellerungskartoffeln unbefriedigend.

Die Ursache hierfür ist die mangelhafte Anfuhr an die Konsumgeschäfte. Obwohl täglich fünf Waggons gebraucht werden, beträgt die Anlieferung nur ein Waggon.

Im Kreis Aschersleben, [Bezirk] Halle, werden die Konsumfleischereien mangelhaft mit Frischfleisch beliefert. Die planmäßige Lieferung betrug vom 1.1. bis 15.10.1955 40 t, geliefert wurden aber nur 20 t.

Im Kreis Loburg, [Bezirk] Magdeburg, waren am Wochenende kein Fleisch und keine Wurstwaren auf Markenbasis mehr vorhanden.

Das Gleiche ist in einigen Landgemeinden des Kreises Genthin zu verzeichnen.

Im Bezirk Neubrandenburg treten ebenfalls Schwierigkeiten in der Fleischversorgung auf.

Der Anfall an Frischfleisch ist zurzeit so unregelmäßig, dass eine kontinuierliche Versorgung nicht gewährleistet ist. Ebenso ist der Eingang aus Importen auch nur gering.

In Guben, [Bezirk] Cottbus, gibt es wieder genügend Frischfleisch. Die Bevölkerung glaubt jedoch, dass das nur eine vorübergehende Erscheinung sei, um der Bevölkerung während der Genfer Konferenz etwas anbieten zu können. Aus diesem Grunde wurden Fleisch- und Wurstwaren verstärkt eingekauft.

Im Kreis Königs Wusterhausen ist die Versorgung mit HO-Margarine4 nicht gewährleistet.

Die VST haben nicht genügend Margarine bis zum Dekadenschluss vorrätig.

Der Rat des Bezirkes ist noch nicht im Besitze des Quartals-Solls.

Die Versorgung – besonders mit HO-Margarine – hat sich im Bezirk Frankfurt/Oder verschlechtert.

Im Kreisgebiet Schmölln, [Bezirk] Leipzig, besteht auch weiterhin ein Mangel an HO-Butter und HO-Margarine.

Im Stadtgebiet Schmölln kommt es an den Tagen, wo diese Waren angeliefert werden, zu Schlangenbildungen.

Im Kreis Angermünde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, gibt es in den Städten keine Zwiebeln zu kaufen.

In fast allen Kreisen des Bezirkes Potsdam besteht ebenfalls ein Mangel an Zwiebeln. Bisher sind nur geringe Importlieferungen eingetroffen, sodass diese schon nach kurzer Zeit ausverkauft waren.

Im Kreis Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl, ist die Versorgung mit Eiern auf HO- und Markenbasis nicht gesichert. Für das IV. Quartal 1955 bestehen wenig Aussichten auf Anlieferung. Von den Kurgästen, welche Diät verschrieben bekommen haben, werden negative Diskussionen geführt.5

Zurzeit wird im Handel nicht ein einziges Ei angeboten. Dieser Mangel besteht auch in den anderen Kreisen des Bezirkes.

Für das Großhandelskontor6 Eisleben, [Bezirk] Halle, traf ein Waggon Weintrauben aus Bulgarien ein, bei dem eine Verderbgefahr von 55 % bestand. Nach Rücksprache mit dem Rat des Bezirkes wird der Waggon mit dem gesamten Posten zur Brennerei nach Ermsleben abverfügt. Dadurch kann der Gesamtverlust von ca. 23 000 DM etwas verringert werden.

Weiter wurde bekannt, dass sich bei den Handelsorganen des Kreises noch 2,5 t verderbgefährdete Weintrauben befinden.

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    20. Oktober 1955
    Die Stimmung der Arbeiter in den Betrieben [Analyse Nr. 1/55]

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    19. Oktober 1955
    Ernte [L 14/55]