Analyse zur Stimmung der Umsiedler
17. November 1955
Analyse zur Stimmung der Umsiedler [Analyse Nr. 12/55]
Die Stimmung in den Kreisen der Umsiedler1 ist entsprechend ihrer verschiedenen sozialen Herkunft und ihrer jetzigen sozialen Lage sehr unterschiedlich.
Ein Teil der Umsiedler hat sich in der DDR gut eingelebt, unterstützt die Politik unserer Regierung und äußert sich auch positiv zu den politischen Ereignissen, allerdings sind sie häufig zurückhaltend. Diese Umsiedler tragen sich nicht mehr mit dem Gedanken, in ihre alte Heimat zurückzukehren.
Ein größerer Teil der Umsiedler, vorwiegend ältere Personen, hat immer noch Hoffnung auf Rückkehr in ihre alte Heimat. Dabei handelt es sich auch um solche Menschen, die irgendwelchen Besitz in ihrer Heimat hatten. Zum Teil sind es auch solche Menschen, die mit ihrer jetzigen sozialen Lage unzufrieden sind.
Dabei kann nicht übersehen werden, dass gerade die Umsiedler einem sehr starken feindlichen Einfluss durch Westsender, Westverwandtschaft und Hetzschriften unterliegen, was sich auf die Stimmung sehr negativ auswirkt.
Die westlichen imperialistischen Kreise versuchen, die Heimatliebe der Umsiedler, die verhältnismäßig tief verwurzelt ist, für ihre Kriegsvorbereitungen auszunutzen, indem sie eine Propaganda betreiben, die gegen die Oder-Neiße-Friedensgrenze gerichtet ist und das Ziel verfolgt, den Gedanken an eine Rückkehr in die alte Heimat bei den Umsiedlern aufrechtzuerhalten.
Davon ausgehend kann man erkennen, dass die feindlichen Argumente in der Frage der Oder-Neiße-Grenze stark verbreitet sind.
Die Westberliner und westdeutschen Agentenzentralen2 konzentrieren ihre Tätigkeit hauptsächlich auf die Verbreitung von Hetzschriften an die Umsiedler und der Organisierung von Heimattreffen und dergleichen.
I. Stimmung unter den Umsiedlern in der Industrie und auf dem Lande
a) Stimmung der ehemaligen Umsiedler in der Industrie
Die Stimmung unter den Umsiedlern hängt im Wesentlichen davon ab, wie man es verstanden hat, den Umsiedlern zu helfen in der DDR eine neue Heimat zu finden.
Die Mehrheit der Umsiedler in der Industrie hat sich mit der Umsiedlung abgefunden und sie tragen sich nicht mehr mit dem Gedanken in ihre alte Heimat zurückzukehren. In Diskussionen äußern sie sich, dass sie hier gute Verdienstmöglichkeiten haben und an einer Rückkehr in ihre alte Heimat nicht interessiert sind. Es ist auch festzustellen, dass der größte Teil versucht, seinen Produktionsverpflichtungen gerecht zu werden; sie sind an der Planerfüllung interessiert.
Es ist jedoch zu verzeichnen, dass ein Teil der Umsiedler dem westlichen Einfluss stark unterliegt, was sich besonders bei den politischen Diskussionen zeigt. So ist z. B. zu verzeichnen, dass in der letzten Zeit die Diskussionen über die Revision der Oder-Neiße-Grenze verstärkt auftraten.
Man geht sogar so weit und fordert eine Abstimmung über die Oder-Neiße-Friedensgrenze, wobei argumentiert wird, was in der Frage des Saarstatutes3 möglich ist, müsste auch mit der Oder-Neiße-Grenze durchzuführen sein.
Hoffnungen auf Revidierung der Oder-Neiße-Grenze tauchten auch auf, als Adenauer4 in Moskau war.5
Unter den Umsiedlern werden die Verhältnisse in der DDR mit denen in Westdeutschland verglichen, wobei man den Westen verherrlicht und hervorhebt, dass dort die Umsiedler mehr Vorteile haben.
Als Beispiel führt man die Auszahlung der alten Sparguthaben an und die Entschädigung für den ehemaligen Besitz.6
Eine nicht unwesentliche Rolle spielt bei den Umsiedlern in der Industrie die Erlangung der Einreisegenehmigung zum Besuch ihrer Verwandten in der Volksrepublik Polen. Dabei ist oft festzustellen, dass den Umsiedlern große Schwierigkeiten bereitet werden. Was oft zu folgenden Diskussionen führt: »Das nennt man nun Freundschaft, wenn wir nicht einmal die Angehörigen besuchen können.« Diese Diskussionen werden uns z. B. aus dem RFT Fernmeldewerk Nordhausen, [Bezirk] Erfurt, und RAW Kirchmöser, [Bezirk] Potsdam, bekannt.
b) Stimmung der ehemaligen Umsiedler auf dem Lande
Anders wie in der Industrie ist die Stimmung unter den Umsiedlern auf dem Lande. Dort ist größtenteils noch zu verzeichnen, dass die Umsiedler sich noch nicht damit abgefunden haben, dass die DDR ihre Heimat ist. Dort trägt man sich vorwiegend mit dem Gedanken, wieder in die alte Heimat zurückzukehren. Dabei handelt es sich meistens um ältere Personen, die irgendwelchen Besitz in ihrer Heimat hatten.
In diesen Kreisen treten häufig negative Diskussionen zur Oder-Neiße-Grenze und zu anderen politischen Fragen auf.
Oftmals ist auch zu verzeichnen, dass solche Umsiedler den Wunsch, in ihre alte Heimat zu kommen, noch nicht aufgegeben haben, bei denen schlechte Wohnverhältnisse bestehen und die vonseiten der Verwaltungsstellen keine Unterstützung erhalten.
Dabei ist zu bemerken, dass der überwiegende Teil eine Rückkehr in ihre ehemalige Heimat mit Waffengewalt ablehnt, dass sie dann lieber auf eine Rückkehr verzichten wollen.
Die negativen Diskussionen zu politischen Problemen, die auf feindlichen Einfluss zurückzuführen sind, unterscheiden sich nicht gegenüber denen in der Industrie.
Jedoch ist bei den Neubauern noch festzustellen, dass sie vereinzelt die »freie Wirtschaft« fordern.
In Verbindung mit der Ablieferung kommt es auch zur Missstimmung gegen unseren Verwaltungsapparat, weil die Angestellten nicht immer den richtigen Kontakt zu den Neubauern finden.
Dieses tritt besonders im Bezirk Schwerin in Erscheinung.
Unter den Umsiedlern ist teilweise noch zu verzeichnen, dass sie nicht gewillt sind, in die LPG einzutreten und man äußert sich, »in die LPG gehen nur die Bauern, die wirtschaftlich nicht mehr allein weiter können«. Dies tritt besonders im Kreis Torgau, [Bezirk] Leipzig, in Erscheinung.
Einzelne Umsiedler im Kreis Eilenburg, [Bezirk] Leipzig, Haben sich zu Mittel- und Großbauern7 entwickelt. Diese Personen haben eine feindliche Einstellung gegenüber unserem Staat, was sich darin zeigt, dass sie ihr Soll nicht erfüllen, Schwarzschlachtungen durchführen und Fälschungen der Viehkarteien vornehmen.
II. Schwerpunkte
Wo negative Diskussionen besonders auftreten und eine Konzentration von Umsiedlern besteht:
- a)
in VEB und Institutionen
- b)
Städte und Dörfer
Allgemein muss man sagen, dass die negativen Diskussionen mehr von den Umsiedlern aus Schlesien und dem ehemaligen Ostpreußen, weniger von den Umsiedlern aus der ČSR geführt werden.
Demzufolge bilden die Bezirke Frankfurt/Oder und Neubrandenburg besondere Schwerpunkte. Häufig werden derartige Diskussionen von Rentnern, Umsiedlern auf dem Lande und von Arbeitern in der Stadt vertreten. Hauptsächlich treten drei Meinungen auf:
- 1.
Die Oder-Neiße-Friedensgrenze wird nicht anerkannt und man hegt noch Hoffnung auf eine Revidierung.
- 2.
Fordert man eine Abstimmung über die Oder-Neiße-Grenze, ähnlich wie über das Saarstatut.
- 3.
Bei allen Verhandlungen über die Deutschlandfrage erhofft man Verhandlungen über die Oder-Neiße-Grenze, um im Ergebnis in die ehemalige Heimat zurückzukehren.
Schwerpunkte, wo eine Konzentration von Umsiedlern und derartige negative Diskussionen auftauchen, sind:
a) in VEB und Institutionen
- –
Bezirk Halle im VEB »Erich Weinert« in Deuben,8 [Bezirk]Halle; in der Kunststoffabteilung des Elektro-Chemischen Kombinates Bitterfeld (besonders Frauen); in der Poliklinik Dessau, [Bezirk] Halle, besonders aus den Gebieten des ehemaligen Ostpreußen und Oberschlesien, wo die Kirche besonders großen Einfluss ausübt; auf dem Bahnhof Tröglitz, [Kreis] Zeitz (dieser Personenkreis wird bereits operativ bearbeitet).
- –
Bezirk Dresden im VEB Reifenwerk Riesa, [Bezirk] Dresden, Belegschaftsstärke 1 200, davon ca. 500 Umsiedler; im VEB Waggonbau Niesky, [Bezirk] Dresden, Belegschaftsstärke ca. 3 000, davon 650 Umsiedler.
- –
Bezirk Rostock auf dem Bahnhof Pasewalk und Greifswald, [Bezirk] Rostock.
- –
Bezirk Leipzig im VEB Elektrostahlgusswerk Leipzig; im RAW Delitzsch, [Bezirk] Leipzig.
- –
Bezirk Gera VEB Maxhütte Unterwellenborn, [Bezirk] Gera; Keramische Werke Hermsdorf, [Bezirk] Gera.
- –
Bezirk Frankfurt/Oder im Werkverkehr und Wälzlager9 des EKO.10
- –
Bezirk Karl-Marx-Stadt im RAW »7. Oktober« Zwickau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt.
b) in Städten und Dörfern
Die Bezirke Frankfurt/Oder und Neubrandenburg sind als besondere Schwerpunkte zu betrachten.
Wobei allerdings die Kreise Neustrelitz, Pasewalk, Strasburg, Templin und Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, nicht so stark in Erscheinung treten.
Weitere Schwerpunkte sind:
Schwanheide und Boizenburg, [Kreis] Hagenow, [Bezirk] Schwerin; in Weddegast, [Bezirk] Halle (ca. 90 % der Einwohner sind Umsiedler).
Die Gemeinden Pülswerda,11 Camitz,12 Triestewitz,13 Kathewitz, Adelwitz, Nichtewitz, Arzberg, Kötten, Blumberg, Dautzschen,14 [Kreis] Torgau, [Bezirk] Leipzig.
Die Gemeinden Hohen Scharfs, [Bezirk] Rostock, Langenhanshagen, [Kreis] Ribnitz, [Bezirk] Rostock, und Grevesmühlen, [Bezirk] Rostock.
VEB (Kombinat) Löbau,15 [Bezirk] Dresden, und die Teilbetriebe Laucha und Rosenhain, [Kreis] Dippoldiswalde, [Bezirk] Dresden, die Gemeinden Wurzbach, Lehesten, Heinersdorf, [Kreis] Lobenstein, [Bezirk] Gera, in den Kreisen Schwarzenberg, Annaberg und Marienberg, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, in den Gemeinden Hohenlobbese und Bützow, [Kreis] Brandenburg, und die Gemeinde Görzke, [Kreis] Belzig, [Bezirk] Potsdam, die Gemeinden Drüsedau, Lindenberg und Wendemark, [Kreis] Seehausen, [Bezirk] Magdeburg, LPG »Rosa Thälmann« in Sollstedt, [Kreis] Nordhausen, [Bezirk] Erfurt.
III. Ursachen der negativen Einstellung
Die Ursachen für die teilweise negative Einstellung sind
- 1.
Einfluss der Westsender
- 2.
Einfluss der Kirche
- 3.
Feindliche Beeinflussung durch persönliche Westverbindungen
- 4.
Einfluss der durch die Post versandten Hetzschriften
- 5.
Negative Beeinflussung durch Umsiedler-Treffen
- 6.
Die zum Teil noch bestehenden schlechten Wohnungsverhältnisse
- 7.
Bürokratisches Verhalten vonseiten einiger Verwaltungsstellen
Zu 1.
Die wesentlichsten Ursachen der negativen Stimmungen in den Umsiedlerkreisen bestehen durch den Einfluss der Westsender.
Es ist zu verzeichnen, dass gerade in den Kreisen der Umsiedler verstärkt Westsender gehört und zum Diskussionsgegenstand gemacht werden.
Zu 2.
Ein großer Teil der Umsiedler ist sehr stark religiös gebunden. Dies nutzt vor allem die katholische Kirche aus und übt einen starken Einfluss auf die Umsiedler aus.
So ist zu verzeichnen, dass in verschiedenen Gemeinden die starke Teilnahme der Umsiedler an den Gottesdiensten von den Pfarrern zur Hetze gegen die DDR, die Oder-Neiße-Grenze und die ČSR ausgenutzt wird.
Zu 3.
Die negativen Diskussionen haben auch oft ihren Vorsprung durch die feindliche Beeinflussung der Westbesuche aus den Verwandtenkreisen. In diesen Gesprächen wird über die angeblich bessere Unterstützung der Umsiedler vonseiten der Bonner Regierung gesprochen. Daher sind viele Umsiedler der Meinung, dass die Adenauer-Regierung ihre Interessen vertrete und ihnen helfen werde, wieder in ihre alte Heimat zurückzukommen. Auch verherrlicht man im starken Maße die westlichen Verhältnisse.
Zu 4. und 5.
Die Hetzschriften und Umsiedler-Treffen haben starken Einfluss auf die Umsiedler.
Durch die Agentenzentralen in Westdeutschland und Westberlin werden große Mengen Hetzschriften per Post an die Umsiedler versandt. Auch die Verwandten in Westdeutschland senden oft an Umsiedler in der DDR sogenannte »Heimatbriefe« usw.
Es ist auch zu verzeichnen, dass verschiedene Umsiedler mit den Landsmannschaften und Heimatvorständen »direkte Verbindungen haben und sich auch an Treffen in Westdeutschland beteiligen«.
Als eine Auswirkung des Einflusses der Hetzschriften und der durchgeführten Heimattreffen in Westberlin und Westdeutschland kann man die Umsiedler-Treffen bzw. Zusammenkünfte in der DDR bezeichnen.
Zu 6. und 7.
Aus einigen Bezirken werden uns Beispiele bekannt, dass die Umsiedler auf dem Lande und ganz vereinzelt in der Stadt noch schlecht wohnen. Dies führt oft zu Verärgerungen und Missstimmungen. Zum anderen gibt es auch Verwaltungsstellen, die sich gegenüber den Umsiedlern nicht richtig verhalten.
IV. Welchen Einfluss haben die Agentenzentralen auf die Umsiedler
- a)
Hetze der Feindzentralen und Feindsender
- b)
Methoden des Gegners zur Beeinflussung
- c)
Hinweise auf Umsiedler-Treffen in der DDR
a) Hetze der Feindzentralen und Feindsender
In der Hetze der Feindzentralen und Feindsender spielt die Oder-Neiße-Grenze immer wieder eine entscheidende Rolle, um die ehemaligen, aus diesem Gebiet umgesiedelten Menschen mit revanchistischen Gedanken zu beeinflussen und sie für die verbrecherischen Ziele der Feinde zu missbrauchen.16
In den Hetzschriften wird besonders zu den sogenannten »Heimattreffen« in Westberlin Stellung genommen und die Meinung verbreitet, dass die »Aussiedlung unter Bruch der Menschenrechte erfolgt wäre und die Hoffnung auf Rückkehr nicht aufgegeben werden dürfe«. Dadurch soll die Meinung unter den ehemaligen Umsiedlern erweckt werden, dass eine »Revision« der Oder-Neiße-Grenze stattfinden wird. Die Feindsender verbreiten dazu die Hetze, dass es der Volksrepublik Polen »Schwierigkeiten bereiten würde, das Land zu besiedeln, dass große Gebiete brach liegen, die Wohn- und Wirtschaftsgebäude verfallen, die Weiden verunkrauten und Tausend ha Wald durch Brände vernichtet würden«.
Außerdem verbreiten sie die Hetze, dass die noch in Polen lebenden Deutschen auf Rückgabe der Gebiete an Deutschland hoffen und ihre Hoffnung auf eine Abstimmung über diese Gebiete wie 1920 bis 1922 stützten,17 um auf diese Weise auch unter den ehemaligen Umsiedlern den Gedanken an eine Abstimmung zu wecken. In diesem Zusammenhang verweisen sie auf die Abstimmung an der Saar.
Um ihre Hetze zu begründen, führen sie in verleumderischer Weise die Institute für Slawistik in Polen und der DDR an, die dazu errichtet wären, »den Nachweis zu schaffen, dass diese Gebiete slawisches Besitztum waren« und betonen dabei, »dass es nicht möglich wäre, da die deutsche Kultur überwiegt«.
b) Methoden des Gegners zur Beeinflussung der Umsiedler
Eine Methode zur Beeinflussung der Umsiedler ist die Verbreitung von Hetzschriften. Bisher wurden etwa 350 verschiedene Arten von Hetzschriften festgestellt. Als Herausgeber fungieren die Sammelverbände, Landsmannschaften, Berufsvereinigungen, Kirchengemeinden und Heimatgebietsgruppen. Durch die Art der Hetzschriften, wo man sich in der Hauptsache mit Gebräuchen, Erlebnissen und Landschaftsbeschreibungen beschäftigt, versucht man die Heimatgefühle der Umsiedler wieder wachzurütteln, um sie zur Völkerverhetzung zu missbrauchen.
Die Organisierung der sogenannten Heimattreffen ist eine Methode, die Umsiedler als separate Gruppen zu erhalten und eine Vermischung mit der einheimischen Bevölkerung zu verhindern.
Das sogenannte »Gesetz über den Lastenausgleich« ist eine besondere Methode zur Beeinflussung der Umsiedler. Die Umsiedlerverbände legten dabei eine große »Aktivität« an den Tag und versandten auch »Fragebögen« an die Umsiedler in der DDR zur Feststellung von Vermögensschäden, um durch den materiellen Anreiz Interessenten für die Adenauersche »Vertriebenenpolitik« zu werben.18
Die Westberliner Zentrale »Haus der Ostdeutschen Heimat«19 führt eine Werbung unter den Umsiedlern für die einzelnen Heimatkreise, aus denen sie ausgewiesen wurden, durch. Dies geschieht in der Form, dass man namentlich bekannten Umsiedlern in der DDR Briefe zuschickt mit der Einladung zu einem Treffen in Westberlin. In Westberlin finden in verschiedenen Gaststätten zweimal monatlich Zusammenkünfte der einzelnen Heimatkreise statt, wo auch Bewohner der DDR und des demokratischen Sektors von Berlin teilnehmen. Des Weiteren erhalten auch Besucher aus der DDR dort kostenlos Medikamente.
c) Hinweise, wo in der DDR Umsiedlertreffen stattfinden bzw. stattfanden
Aus fast allen Bezirken wurden uns einzelne Beispiele bekannt, wo Umsiedler-Treffen in der DDR stattfanden. Schwerpunkt dabei ist der Bezirk Halle, wo solche Treffen schon seit 1950 in gewissen Zeitabständen stattfinden. Dabei muss man feststellen, dass derartige Treffen meistens in Gaststätten stattfinden, vereinzelt auch in Privatwohnungen.
In einigen Fällen wurde festgestellt, dass auch die Kirche bei der Organisierung dieser Treffen mit in Erscheinung tritt. Dies wurde uns aus dem Bezirk Potsdam, Rostock und Leipzig bekannt.
So ist z. B. zu verzeichnen, dass in der Gemeinde Gröben, [Kreis] Hohenmölsen, [Bezirk] Halle, in Coswig, Halle, in Dresden N 23 und im demokratischen Sektor von Berlin, Straßmannstraße, in gewissen Zeitabständen Treffen von ehemaligen Umsiedlern in Privatwohnungen stattfinden.
In Halle im Zoo finden schon seit 1950 Umsiedler-Treffen von ehemaligen Umsiedlern aus der ČSR statt. Zu bemerken ist jedoch, dass die Teilnehmerzahl ständig abnimmt. Besonders die jüngeren Jahrgänge beteiligen sich nicht mehr an diesen Treffen.
Im Leipziger Zoo fand im Juni 1953 ebenfalls ein Treffen der ehemaligen Umsiedler aus der ČSR statt, wo ca. 150 Personen teilnahmen. Allgemein trug das Treffen den Charakter eines Wiedersehens.
In Leipzig, in Bärenstein, [Kreis] Annaberg, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, in Niederpoyritz, [Bezirk] Dresden, in Weinböhla, [Bezirk] Dresden, in Falkenhagen, [Bezirk] Potsdam, und in Bad Tarbarz, [Bezirk] Erfurt, fanden Umsiedler-Treffen in Gaststätten statt.
Zu bemerken ist noch, dass derartige Treffen von den zuständigen Dienststellen des SfS bearbeitet werden.
V. Maßnahme
Es wäre notwendig, die Umsiedler-Gruppierungen in den Betrieben, Städten und Dörfern (Schwerpunkte in der Analyse) mehr unter Beobachtung zu halten, um die organisierte Feindtätigkeit unter den Umsiedlern festzustellen und operativ bearbeiten zu können.