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Landwirtschaft

19. September 1955
Ernte [L 2/55]

Im Kreisgebiet Seelow, [Bezirk] Frankfurt/Oder, sind noch 1 200 ha Getreide einzufahren.

Die Ursachen hierfür liegen zum Teil an der schlechten Arbeit des Staatsapparates. So wurde z. B. von der Zuckerfabrik Voßberg1 aufgrund des Ministerratsbeschlusses2 beschlossen, am 13.9.1955 mit 190 Kollegen in den Ernteeinsatz zu gehen. Der Ernteeinsatz musste aber ausfallen, weil der Rat des Kreises es nicht verstand, diese Kollegen einzusetzen.

Im Kreisgebiet Hainichen, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, stehen zurzeit noch 120 ha Getreide (Hafer, Roggen und Weizen) noch auf den Feldern, da aufgrund des schlechten Wetters die vorhandenen Mähdrescher nicht zum Einsatz kommen konnten. Dieser Zustand führt bei verschiedenen Einzelbauern und auch LPG zu großer Beunruhigung, weil sie dadurch ihr Soll nicht termingemäß erfüllen können und darüber hinaus auch keine Futtergrundlage für ihr Vieh haben.

Durch die erneuten Niederschläge ist im Kreisgebiet Freital, [Bezirk] Dresden, in der Ernteeinbringung eine Stockung eingetreten. Bei dem Getreide, welches noch auf den Feldern steht, besteht die Gefahr des Auswachsens und zum Teil ist es auch schon schwarz.

In der LPG Wilsdruff und in Golberode, [Kreis] Freital, stehen noch je 14 ha Getreide auf dem Feld. In Golberode des Weiteren noch 7 ha Futtererbsen, welche nicht mehr zur Vermehrung verwendet werden können.

Die Bauern aus dem MTS Bereich Nennhausen, [Kreis] Rathenow, [Bezirk] Potsdam, haben das Vertrauen zu dieser MTS verloren. Dies ist hauptsächlich auf die schlechte Arbeitsorganisation dieser MTS zurückzuführen.

Die Bauern wollten z. B. ihr Getreide vorfristig abliefern, konnten dies aber nicht, weil die MTS ihre Verpflichtung, die sie vertraglich eingegangen ist, nicht eingehalten hat. Zum anderen ist des Öfteren vorgekommen, dass Maschinen wie Mähbinder von den Feldern des genossenschaftlichen Sektors abgezogen wurden und auf den Feldern der Mittel- und Großbauern3 eingesetzt wurden.4

Der genossenschaftliche Sektor des MTS-Bereiches liegt jetzt weit hinter den Einzelbauern in der Getreidemahd zurück.

Auch bei der MTS Zauchwitz, [Kreis] Potsdam-Land, konnte festgestellt werden, dass sie in erster Linie die Großbauern bevorzugt und die Arbeiten im genossenschaftlichen Sektor vernachlässigt. Dadurch sind die LPG in Rückstand geraten, wie z. B. die LPG Wittbrietzen.5

In der MTS Dahmsdorf, [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, konnten einige Traktoren nicht mehr eingesetzt werden, weil Stammfahrer fehlen. Mit Ersatzteilen sieht es auf dieser MTS auch schlecht aus. Besonders fehlen Ersatzteile für die Kartoffelrodemaschinen, die jetzt so dringend gebraucht werden. Die Maschinen stehen aber auf der Station und können nicht repariert werden.

Von der MTS Hof, [Kreis] Oschatz, [Bezirk] Leipzig, wird berichtet, dass am 16.9.1955 drei Traktoren nicht eingesetzt werden konnten, weil kein Motorenöl (Buna-Öl) vorhanden ist.

Eine Rücksprache mit dem VEB Kraftstoffvertrieb Oschatz ergab, dass im III. Quartal 1955 nur sieben Fass (31 400 Liter) angeliefert wurden. Diese Menge muss für vier MTS, drei VEG und für einige LPG ausreichen.

Die drei Traktoren konnten später wieder eingesetzt werden, der Mangel an Motorenöl ist aber trotzdem nicht behoben.

In der LPG Jahna, [Kreis] Meißen, [Bezirk] Dresden, lagern seit einigen Tagen zehn t Kartoffeln, die vorher von der VEAB Coswig abgeholt werden sollten. Am 15.9.1955 kamen noch weitere zehn t hinzu.

Aufgrund eines Fernschreibens vom Rat des Bezirkes Rostock über die zu rodenden und abzuliefernden Mengen Kartoffeln im Kreise Stralsund wurde die Menge ganz einfach auf die einzelnen Gemeinden aufgeschlüsselt, die diese unter allen Umständen zu bringen hatten.

Dadurch wurde von einigen Instrukteuren und Bürgermeistern der Fehler gemacht, dass sie die Bauern zwangen, Spätkartoffeln zu roden, die zurzeit noch in der Blüte und in vollem Kraut standen.

Diese schematische Arbeit führte natürlich bei einigen Bauern zu Verärgerungen.

Der Grund dafür ist darin zu suchen, dass weder beim Rat des Kreises Stralsund noch bei der VEAB6 eine Übersicht besteht, wo sich Früh- und Mittelfrühe-Kartoffelanbauflächen befinden und auch zu ersehen ist, welche Fläche bereits gerodet ist.

In den MTS des Kreises Hildburghausen, [Bezirk] Suhl, fehlen Muttern, Schrauben 6 bis 20 mm, Messer für Mähbalken, Messer für Dreschmaschinen, Hinterradreifen für Traktor »Pionier«.7

Dieser Mangel wirkt sich ungünstig auf die Erntearbeiten aus.

Im Kreis Zeitz, [Bezirk] Halle, sind noch 9 ha Getreide zu mähen und 200 ha Getreide einzufahren.

In der LPG Schenkendorf, Kreis Königs Wusterhausen, stehen noch ca. 6 ha Roggen in Mandeln und ca. zweieinhalb ha ungemäht auf den Feldern.

Der Vorsitzende dieser LPG wurde schon des Öfteren aufgefordert das Getreide einzubringen, lehnte dies aber ab mit folgender Begründung: »Ich habe die Anweisung vom Rat des Kreises Kartoffeln zu bergen, das Getreide interessiert mich nicht.«

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    19. September 1955
    Versorgung [V 2/55]

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    16. September 1955
    Informationsdienst Nr. 2485 zur Beurteilung der Situation in der DDR