Landwirtschaft
12. Oktober 1955
Ernte [L 11/55]
Der Stand der Kartoffelbelieferung ist im Bezirk Neubrandenburg mangelhaft. Bis zum 8.10.1955 wurden 54 313 t abgeliefert. Der Bezirk hat jedoch eine Gesamtauflage von ca. 340 000 t. Der tägliche Zugang beträgt ca. 2 000 bis 3 500 t. Der Handel nimmt täglich ca. 750 t ab. Derselbe hat jedoch eine Auflage von ca. 60 000 t. Demzufolge würde der Handel 80 Tage brauchen, um die Einkellerung abzuschließen.1
Es wird notwendig sein, dass vonseiten des Staatsapparates die notwendigen Maßnahmen eingeleitet werden, um bis zum 15.11.1955 die Einkellerung abzuschließen.
Einen Schwerpunkt bildet weiterhin die Kartoffelrodung. In der LPG Kummerow, [Kreis] Beeskow, [Bezirk] Frankfurt/Oder, wurde nach dem Einsatz der Erntehelfer2 vor acht Tagen kein wesentlicher Fortschritt in der Rodung mehr erzielt.
In der Gemeinde Wolfen, Kreis Bitterfeld, liegen größere Mengen Kartoffeln, welche als Einkellerungskartoffeln geliefert wurden. Die Abnahme wird von der Bevölkerung verweigert, weil es Futterkartoffeln sind. 18 t gebeizte Wintergerste wurde von der DSG Halle nach Bitterfeld geliefert. Diese Lieferung findet keinen Absatz, da der 15.9.[1955] bereits der letzte Aussaat-Termin war.
Aus verschiedenen Mitteilungen geht hervor, dass die neuen Rübenkombines von der Weimarer Produktion3 verschiedene Mängel aufweisen. So viel z. B. die neue Rübenkombine der MTS Gröbern, [Bezirk] Leipzig, beim ersten Einsatz wegen Greiferkettenschaden aus. Nachdem in der Spezialwerkstatt Liebertwolkwitz, [Bezirk] Leipzig, eine neue Kette eingebaut wurde, trat derselbe Schaden wieder auf. Vom technischen Leiter der Spezialwerkstatt wurde dazu berichtet, dass die Einstellung der Steuerscheiben sehr mangelhaft ist und dadurch reißen die Ketten. Weiterhin zeigen die Bruchstellen der Ketten durchweg ein sehr schlechtes und grobkörniges Gefüge mit Lunkern und Schlackenestern.4