Landwirtschaft
19. Oktober 1955
Ernte [L 14/55]
Der Bürgermeister der Gemeinde Ragow, [Kreis] Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, hat sich schon des Öfteren an das Erntebüro gewandt, um Erntehelfer zum Kartoffelroden zu bekommen. Bisher konnten der Gemeinde keine zugewiesen werden.1 In der Gemeinde Ragow sind noch 25 ha Kartoffeln zu roden, davon allein 20 ha bei der dortigen LPG.
Im Bezirk Potsdam treten immer wieder Schwierigkeiten in der Bereitstellung von Transportmitteln für den Transport von landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf. So sollten z. B. der VEAB Pritzwalk am Sonntag elf Waggons gestellt werden, um Saatgut-Kartoffeln zu verladen. Die VEAB hatte dementsprechend viele Bauern bestellt. Die Reichsbahn stellte jedoch nur vier Waggons zur Verfügung, sodass eine Anzahl Bauern wieder mit den Kartoffeln nach Hause fahren musste.
In der Gemeinde Hohenbucko, [Kreis] Herzberg, [Bezirk] Cottbus, ergaben sich bei der Ablieferung der Kartoffeln mit einigen Bauern Schwierigkeiten, da sie versuchten, unsortierte Kartoffeln zur Ablieferung zu bringen. Als vonseiten der BHG die Abnahme abgelehnt wurde, sagte der Bauer [Name] (Großbauer),2 sie sollten froh sein, dass sie überhaupt Kartoffeln bekommen. »Den Bauern will man mit Gewalt zu Boden bringen, aber es kommt eine andere Zeit, dann rechnen wir ab.« Im gleichen Zuge äußerte sich ein anderer Großbauer ähnlich.
Im Kreis Fürstenwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, wurden bisher 2 538 ha Kartoffeln gerodet, sodass zurzeit noch 700 ha zu roden sind.
Im MTS-Bereich Ziesar, [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, fallen die ein- und zweijährigen Kartoffelroder laufend wegen Reparaturen aus. Demzufolge sind die Arbeiter der landwirtschaftlichen Betriebe gezwungen, die Rodung mit der Hand oder dem Kartoffelpflug vorzunehmen.
In einigen Gemeinden des Kreises Meiningen lagern größere Mengen Kartoffeln, die nicht abtransportiert werden können, weil nicht genügend Fahrzeuge vorhanden sind.
Schwerpunkt im Bezirk Frankfurt[/Oder] ist die Kartoffelrodung. So ist festzustellen, dass die Kartoffelrodung ungenügend ist. Zum Beispiel wurden bisher im Kreis Angermünde erst 67,6 % gerodet. Die VEG stehen bei 64 %, die LPG bei 58 % und die ÖLB3 bei 56 %. Der privatbäuerliche Sektor hat einen Stand in der Kartoffelversorgung von 75 %.
Als ein besonderer Schwerpunkt tritt bei den LPG und einigen VEG des Kreises Angermünde auf, dass erst zu 40 % die Kartoffelrodung durchgeführt ist.
Die LPG Groß-Pinnow, [Kreis] Angermünde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, hat von 125 ha noch 78 ha zu roden.
Bei der VEG sieht es ähnlich aus. Zum Beispiel haben die VEG Blumberg,4 Criewen,5 Polssen und Staffelde durchschnittlich noch 60 % Kartoffeln zu roden. Hinzu kommt bei diesen Schwerpunktbetrieben, dass erst ca. 20 % Zuckerrüben gerodet wurden. Es besteht die Gefahr, dass ein Teil dieser Hackfrüchte einfrieren wird.
Ähnlich ist es im Kreisgebiet Seelow, wo noch ca. 900 ha Kartoffeln zu roden sind. Schwerpunkte bilden ebenfalls einige LPG und VEG. Zum Beispiel wurden in der LPG Ortwig erst 50 % der Kartoffeln gerodet. Mit der Rodung der Rüben wurde hier überhaupt noch nicht begonnen.
Im Kreis Wurzen, [Bezirk] Leipzig, sind noch 17 % der Kartoffeln zu roden. Schwerpunkte sind die LPG Tammenhain, Voigtshain und Müglenz sowie das VEG Canitz. In diesen Betrieben geht durch die schlechte Arbeitsorganisation die Kartoffelrodung nur schleppend voran.
Im Kreis Eilenburg, [Bezirk] Leipzig, sind nur noch ca. 50 ha zu roden, aber bisher wurden nur 57,7 % von den Bauern geliefert.