Landwirtschaft
27. September 1955
Landwirtschaft [Nr. 5/55]
Von der VP Prenzlau, [Bezirk] Neubrandenburg, wird berichtet, dass in der LPG der Gemeinde Parmen, Kreis Prenzlau, noch ca. 50 ha Getreide auf dem Felde stehen, die noch eingefahren werden müssen. Der LPG-Vorsitzende sagte zum ABV:1 »Wir haben wohl einen Patenschaftsvertrag mit der MTS Wittstock abgeschlossen, dachten, dass wir durch die MTS eine gute Unterstützung haben würden, was jedoch nicht der Fall ist. Selbst von den Funktionären der MTS ließ sich bisher keiner in der LPG sehen.«
In der LPG Zwiedorf, Kreis Altentreptow, [Bezirk] Neubrandenburg, liegen schon seit dem 13.9.1955 ca. 250 Zentner Kohl, der noch nicht abgefahren wurde.
Mit der VEAB wurde schon mehrmals Rücksprache genommen, jedoch wurde der LPG mitgeteilt, dass sie zum Lagern des Kohls keinen Platz haben. Wenn hier nicht bald Abhilfe geschaffen wird, so ist der Kohl dem Verderb preisgegeben.
Vereinzelt wird bei den Kartoffelrodern festgestellt, dass die MTS nicht genügend Rodemaschinen zum Einsatz hat.
So berichtete die LPG Spornitz, Kreis Parchim, [Bezirk] Schwerin, dass ihr 80 Oberschüler für die Rodungen zur Verfügung gestellt wurden,2 jedoch diese nicht eingesetzt werden, weil die MTS keine Rodemaschinen zur Verfügung stellen konnte. Des Weiteren, weil die gleiche Situation besteht, dass die Station keine Grasmähmaschinen dieser LPG zur Verfügung gestellt hat.
In der VEAB Großenhain, [Bezirk] Dresden, stehen 13 Waggon mit Kartoffeln beladen, die für die Stadt Dresden bestimmt waren. Vonseiten der Stadt wird jedoch die Annahme verweigert.
Wenn auch im verstärkten Maße Ernteeinsätze von den Kollegen der Industriebetriebe und der Verwaltungen durchgeführt werden, so geht die Kartoffelrodung doch nur schleppend voran. Eine weitere Schwierigkeit ist im Ausfall der Maschinen und der fehlenden Ersatzteile zu sehen.
Im Kreis Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, beträgt das tägliche Soll für die Rodung von Speisekartoffeln 200 t. Das Aufkommen liegt aber täglich nur bei 70 bis 80 t.
Der Arbeitskräftemangel macht sich insofern unangenehm bemerkbar, dass von der MTS in den landwirtschaftlichen Betrieben größere Flächen Kartoffeln gerodet werden und dann die entsprechenden Arbeitskräfte fehlen, um die Kartoffeln aufzulesen.
So wurden z. B. in der Gemeinde Jännersdorf, Kreis Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, vier ha gerodet. Diese Kartoffeln konnten nicht gleich ausgelesen werden und sind grün geworden. Aufgrund dessen wurden sie von der VEAB als Speisekartoffeln beanstandet.
In der Gemeinde Mertensdorf, Kreis Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, sind 300 Zentner Kartoffeln aus dem gleichen Grunde nicht mehr als Speisekartoffeln zu verwenden.
Die gleichen Schwierigkeiten sind im Kreis Potsdam-Land zu verzeichnen. Die Kartoffelrodung kann hier maschinenmäßig als gesichert angesehen werden, Arbeitskräfte jedoch sind ebenfalls nicht genügend vorhanden.
Teilweise bringt die Kartoffelernte in diesem Jahr nicht den erhofften Ertrag. Die Bauern können teilweise ihrer Ablieferungspflicht nicht nachkommen.
Der Bauer [Name] aus Kühlungsborn, [Bezirk] Rostock, sagte zum Beispiel Folgendes: »Ich kann meiner Ablieferungspflicht an Kartoffeln nicht nachkommen. Die Kartoffeln stehen sehr schlecht, und zum anderen sind sie sehr klein.«