Versorgung
[ohne Datum]
Versorgung [V 5/55]
Bei einer Überprüfung des Markenrücklaufes in Butter wurde durch den Rat des Bezirkes Magdeburg festgestellt, dass vier Einzelhändler und ein KG-Verkaufsstellenleiter1 Margarinemarken statt Buttermarken abrechneten. Diese Abschnitte waren zwischen die, die mit Butter beliefert werden konnten, beklebt. Von den Kaufleuten wurden die Marken mit Margarine beliefert.
Im Kreis Eilenburg, [Bezirk] Leipzig, und in einigen Gemeinden des Kreises Torgau, [Bezirk] Leipzig, besteht ein Mangel an Margarine bzw. Speiseöl. Dies führt unter der Bevölkerung zu negativen Diskussionen. So werden im Kreis Eilenburg bis zum Anschluss an das IV. Quartal noch insgesamt 5 t Margarine benötigt.
Ein Mangel an Margarine und Speiseöl besteht im Kreis Torgau, [Bezirk] Leipzig, besonders in der Gemeinde Bellroda.
So erhielt die HO-Verkaufsstelle2 in dieser Gemeinde in der Woche vom 14. bis 24.9.1955 nur 210 kg Margarine. Speiseöl wurde keins geliefert. Diese Gemeinde hat eine Einwohnerzahl von ca. 3 000 Personen.
Zu der Fleischversorgung wird Folgendes berichtet:
Der Hauptmangel in der ungenügenden Versorgung ist auf die Aufkaufstätigkeit der Aufkauforgane zurückzuführen. Insbesondere die Aufkaufergebnisse der VEAB sind vollkommen ungenügend.
Es ist vorgekommen, dass z. B. in Senftenberg, [Bezirk] Cottbus, Sonnabend-Mittag die Fleischverkaufsstellen schließen mussten, da keine Waren mehr vorhanden waren. Ebenfalls im Kreis Finsterwalde, [Bezirk] Cottbus, musste vorübergehend für einige Tage der Verkauf von HO-Fleisch gesperrt werden. Der gleiche Zustand trifft für den Kreis Jessen zu.
Vom Leiter der Abteilung Handel und Versorgung beim Rat des Kreises Schmalkalden, [Bezirk] Suhl, wird berichtet, dass der Viehaufkauf für die Versorgung diese Woche noch nicht abverfügt wurde. Die Versorgung des Kreises konnte in vollem Umfang nicht durchgeführt werden und man war gezwungen, das HO-Kontingent nur zu 40 % zur Auslieferung zu bringen. Bei der Fleischerhandwerksgenossenschaft wurde Versorgungsfleisch nur zu 75 % ausgeliefert. Für die kommende Woche verbleibt der Auftrieb des Kreises nicht zur3 Verfügung, sondern wird nach Karl-Marx-Stadt abverfügt, sodass die Versorgung des Kreises Schmalkalden nur aus Importen erfolgen kann. Da in den Kühlhäusern keine Vorräte vorhanden sind, sind sie auf eingehende Waggons angewiesen. Der Zeitpunkt der Zugänge ist noch nicht bekannt. Aufgrund dieser Tatsache ist in der kommenden Woche mit größeren Schwierigkeiten in der Fleischversorgung zu rechnen.
Wie schon berichtet, treten in einigen Kreisen des Bezirkes Potsdam Schwierigkeiten in der Fleischversorgung auf.
Im Kreis Königs Wusterhausen wird von der Bevölkerung kritisiert, dass zurzeit nur Schweinefleisch im Handel erhältlich ist, was sich auch auf die Wurstsortimente auswirkt.
Angeblich soll es im demokratischen Sektor von Berlin sehr viel Rindfleisch geben und die Bevölkerung ist der Meinung, dass hier von der Abteilung Handel und Versorgung eine schlechte Streuung vorgenommen wurde.
Auf fast allen Kreisen des Bezirkes Cottbus wird über die schlechte Versorgung der Margarine, Butter und Fleisch sowie Nährmittel Klage geführt.
Besonders krass treten diese Schwierigkeiten in den Landgemeinden auf.
In der Versorgung der Bevölkerung von Karl-Marx-Stadt ist weiterhin ein Mangel an HO-Butter und HO-Eiern zu verzeichnen.
Obwohl eine große Nachfrage an Eiern herrscht, werden im Allgemeinen im Bezirk Gera keine angeboten.
Des Weiteren ist das Angebot an HO-Butter und Margarine mangelhaft. Diese Waren sind nicht immer vorhanden und der Bedarf kann nicht befriedigt werden. Auch fehlt es örtlich an Zwiebeln.
Wie bereits berichtet wurde treten in verschiedenen Gemeinden der Kreise des Bezirkes Leipzig Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung mit HO-Margarine auf.
Aus Altenburg und Wurzen, [Bezirk] Leipzig, wird mitgeteilt, dass in fast allen Dörfern keine HO-Margarine mehr vorhanden ist.
In den meisten Kreisen des Bezirkes Halle ist die mangelhafte Belieferung mit billigen Zigaretten noch immer Gegenstand von negativen Diskussionen.
Nach wie vor bestehen einige Mängel in den ländlichen Gemeinden des Bezirkes Potsdam besonders an billigen Zigaretten und Marmelade sowie an Nährmitteln und Essig.
Teilweise gelangen unausgereifte Kartoffeln zur Auslieferung, die von der Bevölkerung wegen ihrer geringen Haltbarkeit abgelehnt werden.
Dies war z. B. in Beelitz, Kreis Potsdam, der Fall. Diese Kartoffeln wurden aber dann nicht zur Einkellerung, sondern zum sofortigen Verbrauch ausgegeben.
Die Kartoffelversorgung ist jetzt gesichert und in einigen Kreisen läuft bereits die Einkellerungsaktion.
Hierzu wurden jedoch von der Bevölkerung verschiedentlich negative Diskussionen über die Qualität der Einkellerungskartoffeln geführt. Besonders in Potsdam wurde von der Bevölkerung darüber Klage geführt, dass die Einkellerungskartoffeln nicht ausgereift sind und fast alle nur einen Durchmesser von drei bis vier cm haben.
Im Kreisgebiet Naumburg, [Bezirk] Halle, bestehen Schwierigkeiten in der Kartoffelversorgung. Die aufgelegte Planzahl, Kartoffeln in andere Kreise auszuführen, ist gefährdet. Die VEAB weigert sich vom Erzeuger Kartoffeln anzunehmen, da die Kartoffeln unreif gerodet werden. Hierdurch besteht für die Wintereinkellerung die Gefahr der Nichthaltbarkeit.
In der vergangenen Woche fand in Dessau, [Bezirk] Halle, eine Gastwirtversammlung statt. Von 105 Gastwirten waren 19 anwesend. Diese brachten zum Ausdruck, dass sie in Zukunft derartige Versammlungen auch nicht mehr besuchen, wenn die Belieferung mit Waren nicht besser wird. Die Marktlage vor zwei Jahren wäre besser gewesen als heute.
Der Schneidermeister [Name] aus Dessau, [Bezirk] Halle (Dessau-Ziebigk), sagte, dass die Stoffe in derselben Qualität vor zwei Jahren billiger waren als heute. Die Bevölkerung fordert eine strenge Preisüberprüfung namentlich in Textilen, denn man ist der Meinung, dass hier etwas nicht stimmt.
Man soll auch nicht den Eindruck erwecken, dass man für 300 DM Anzahlung einen Fernsehapparat kaufen kann, wenn man noch 400 DM für die Antenne braucht, was vorher nicht gesagt wird, sodass der Käufer meist den Kopf schüttelt, dass er doch in Wirklichkeit 700 DM aufbringen muss.
Die Konsum-Genossenschaften des Kreises Meißen, [Bezirk] Dresden, beliefern ihre Landverkaufsstellen sehr schlecht. Es fehlt vor allem an Waschmitteln, Essig, Graupen und Haferflocken. Diese Artikel sind bei den Einzelhändlern erhältlich.
Im Kreis Luckau, [Bezirk] Cottbus, ist zu verzeichnen, dass es seit etwa acht Tagen in den Verkaufsstellen des staatlichen, genossenschaftlichen und privaten Einzelhandels keine Angebote an Nährmittel, Brotaufstrich, Zigaretten und Zigarren sowie einigen Genussmitteln gibt.
Ein weiterer Schwerpunkt im Bezirk Potsdam ist der Mangel an Packpapier, der ebenfalls immer wieder zu Unzufriedenheiten führt.
Im Kreis Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, tritt dieser Mangel genauso wie in anderen Kreisen besonders stark in den Geschäften des staatlichen und genossenschaftlichen Handels in Erscheinung.
So hat z. B. die HO-Lebensmittel in Pritzwalk für das III. Quartal noch 1,4 t Tüten und 0,6 t Packpapier zu erhalten. Lieferbetriebe sind DHZ4 Papier Berlin und VEB Druck und Papier in Fürstenberg.5