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Landwirtschaft

28. September 1955
Landwirtschaft [Nr. 6/55]

Mit dem Stand vom 25.9.1955 waren im Bezirk Frankfurt/Oder noch 47 ha Getreide einzufahren. Dieses Getreide zeigt einen verdorbenen Zustand auf, sodass es nur noch eventuell für Futterzwecke zu gebrauchen ist.

Der Schwerpunkt liegt noch im Kreis Angermünde, [Bezirk] Frankfurt/Oder. Die Ursachen, dass in einigen Kreisen noch Getreide auf dem Feld steht, liegen zum Teil in den Witterungsverhältnissen, u. a. auch in der schlechten Organisierung der Räte der Kreise, die nur die Rodung von Kartoffeln als wichtig angesehen haben.

Ein weiterer Mangel besteht in der Räumung der Getreidefelder. Hier ist zu verzeichnen, dass noch von ca. 3 000 ha Ackerfläche das Stroh zu räumen ist. Dieses Stroh ist zum Teil nicht mehr für Futterzwecke zu gebrauchen. Die Ursachen liegen darin, dass die vorhandenen Pikup-Pressen nicht mehr einsatzbereit waren, da das vorhandene Material dieser Presse in keiner Weise den Anforderungen entspricht.

Die Mitglieder der LPG Drewitz, [Bezirk] Cottbus, lehnen es ab, weiterhin sonntags Erntearbeiten durchzuführen, mit der Begründung, dass ihnen von der MTS nicht die volle Unterstützung in der Einbringung der Kartoffelernte gegeben wird.

Der 1. Vorsitzende der LPG sowie ein Brigadier und ein Mitglied brachten zum Ausdruck, dass sie ihre Funktionen am Ende des Jahres 1955 niederlegen, dann soll der Rat des Kreises, die Partei und MTS selber arbeiten kommen.

Nach wie vor ist die Hauptarbeit auf die Einbringung der Ente gerichtet. Infolge der bisherigen schlechten Witterung und auch durch unzureichende Organisation vonseiten der MTS, besonders des Kreises Bad-Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, wurden hier nur geringe Erfolge erzielt. So ist der Stand der Kartoffelrodung mit knapp 300 ha vollkommen ungenügend.

Zurzeit sind noch im Kreis Freienwalde ca. 48 ha an Getreide einzufahren.

Am 14./15.9.1955 erhielt die BHG Tronitz, [Bezirk] Leipzig, zwei Waggons Saatkartoffeln (Sorte »Sieglinde«1) von der DSG-HZ Salzwedel, [Bezirk] Magdeburg. Bei einer Kontrolle der Kartoffeln wurde festgestellt, dass ein Teil verfault waren (Nassfäule) und nicht mehr als Saatgut zu verwenden sind. Daraufhin wurden Gutachten angefertigt und der DSG Salzwedel zugestellt und ein Bescheid verlangt, was mit diesen Kartoffeln geschehen soll.

Die Gutachten wurden von der DSG nicht anerkannt, da eine Unterschrift fehlte. Am 27.9.1955 wurde der BHG von Salzwedel mitgeteilt, dass sie das Saatgut annehmen müssen und für die Verluste voll verantwortlich sind.

Durch diese dauernde Verzögerung sind noch mehr Kartoffeln verdorben, sodass praktisch überhaupt keine mehr von dieser Lieferung als Saatgut zu verwenden sind und wahrscheinlich auch nur noch ein kleiner Teil für Futterzwecke zu gebrauchen ist.2

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