Landwirtschaft
1. Oktober 1955
Landwirtschaft [Nr. 7/55]
In der Gemeinde Lebus, Kreis Seelow, [Bezirk] Frankfurt/Oder, geht der Drusch des Getreides nur schleppend voran, da die Dreschkästen der MTS-Podelzig des Öfteren ausfallen.
Im gesamten Kreisgebiet Seelow liegen noch größere Mengen Stroh auf den Feldern, teilweise ist das Stroh mit Kraut durchwachsen, sodass es als gutes Futterstroh nicht mehr zu verwenden ist.
In der LPG Liemehna, [Kreis] Eilenburg, [Bezirk] Leipzig, stehen noch ca. 5½ ha Roggen auf dem Felde. Davon sind schon ca. 50 % Körner ausgefallen. Die Schuld liegt beim LPG-Vorsitzenden Genossen Offenhauer,1 der für das Jahr 1955 keine Verträge mit der MTS abgeschlossen hat. Er steht auf dem Standpunkt, wir haben 19 Pferde und können alles selbst machen.
Aus Wurzen, [Bezirk] Leipzig, wird mitgeteilt, dass in verschiedenen LPG noch größere Flächen Gras (Grummet)2 zu mähen sind. Die MTS sind nicht in der Lage diese Arbeiten durchzuführen, da es an Messerköpfen für die Grasmäher mangelt.
Nach wie vor ist die Hauptarbeit auf die Einbringung der Ernte gerichtet.
Infolge der bisherigen schlechten Witterung und auch durch unzureichende Organisation vonseiten der MTS, besonders des Kreises Bad Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, wurden hier nur geringe Erfolge erzielt. So ist der Stand der Kartoffelrodung mit knapp 300 ha vollkommen ungenügend. Zurzeit sind noch im Kreis Freienwalde ca. 48 ha an Getreide einzufahren.
Im Kreis Belzig, [Bezirk] Potsdam, ist die Waggonbereitstellung seitens der Reichsbahn für den Abtransport der Kartoffeln völlig ungenügend.
Bei den VEAB Wiesenburg, Brück und Niemegk, [Bezirk] Potsdam, liegen z. B. 400 t Kartoffeln, die der Versorgung nicht zugeführt werden können, da keine Waggons zum Verladen vorhanden sind.
Im Kreisgebiet Kalbe/Milde, [Bezirk] Magdeburg, wurden bisher 36 % Kartoffelflächen gerodet, während die Ablieferung bei 9,2 % steht. Ein Schwerpunkt für die schlechte Sollerfüllung ist die Bereitstellung von Waggons durch die Reichsbahn. Oftmals müssen Ablieferer die Kartoffeln tagelang stehen lassen, bevor sie zur Verladung kommen.
Die VdgB, BHG Teuchern, Kreis Hohenmölsen, [Bezirk] Halle, erhielt aus Hohenhenningen,3 Kreis Gardelegen, [Bezirk] Magdeburg, einen Waggon Frühkartoffeln als Saatgut für 1956. Beim ausladen wurde festgestellt, dass die 11 t Saatgut von der Braunfäule stark befallen waren und ungefähr zehn Prozent als nassfaul ausgelesen wurde. Man stellte weiter fest, dass die Kartoffeln nicht voll ausgereift waren.
Am 14./15.9.1955 erhielt die BHG Tronitz, [Bezirk] Leipzig, zwei Waggons Saatkartoffeln (Sorte »Sieglinde«4) von der DSG-HZ Salzwedel, [Bezirk] Magdeburg. Bei einer Kontrolle der Kartoffeln wurde festgestellt, dass ein Teil verfault war (Nassfäule) und nicht mehr als Saatgut zu verwenden ist.
In den Gemeinden Hötensleben, [Kreis] Oschersleben, [Bezirk] Magdeburg, und Lüdelsen, [Kreis] Klötze, [Bezirk] Magdeburg, lagern seit einigen Tagen größere Mengen Kartoffeln, die infolge Waggonmangels nicht abgefahren werden können.
In der LPG Teutschenthal, Saalkreis, [Bezirk] Halle, geht die Kartoffelrodung sehr schlecht vorwärts. Die vorhandenen Kartoffelroder sind schon alt und verbraucht und Ersatzteile sind keine zu bekommen. Am 28.9.1955 fielen die Kartoffelroder aus und 40 Frauen mussten wieder nach Hause geschickt werden.