Landwirtschaft
6. Oktober 1955
Landwirtschaft [Nr. 9/55]
Bei der Kartoffelrodung ergeben sich Schwierigkeiten, die zum größten Teil auf Ausfall von Maschinen und Ersatzteilmangel zurückzuführen sind.
In der MTS Ziesar, [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, macht sich dies besonders bemerkbar. Unzufriedene Diskussionen werden hier über den Schatzgräber1 geführt. Diese Maschinen fallen nach kurzer Arbeitszeit auf dem Acker für längere Zeit aus und die Ersatzteile sind schwer oder gar nicht zu bekommen.
Bei der DHZ2 in Rathenow wurde schon des Öfteren wegen Ersatzteilen für Schatzgräber nachgefragt, jedoch sind nie welche vorhanden.
Die Waggonbereitstellung zum Verladen der Kartoffeln ist von der Reichsbahn noch nicht gut organisiert. Im Kreis Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, ist es schon des Öfteren vorgekommen, dass Kartoffeln von den Erzeugern auf die Verladerampen geschüttet wurden, weil keine Waggons da waren. Durch längere Lagerung konnte später ein großer Teil Kartoffeln nicht mehr für den menschlichen Genuss verbraucht werden.3
In der MTS Schönefeld, [Kreis] Großenhain, [Bezirk] Dresden, sind gegenwärtig Schwierigkeiten bei der Kartoffelrodung, besonders in der Arbeit des Schatzgräbers. Aufgrund der nassen Witterung treten Rahmen- und Federbrüche sowie Brüche an den Sieben auf. Hinzu kommt noch, dass eine ungenügende Überwachung seitens der Werkstatt vorliegt. Die MTS hat eine Planauflage von 635 ha in der Kartoffelrodung. Davon sind erst 343 ha vertraglich gebunden. Die Erfüllung liegt zurzeit bei 85 ha. Ein großer Teil der Bauern muss die Kartoffeln selbst roden. Sie bringen zum Ausdruck, dass sie bereits durch die schlechte Mähdrescherarbeit der MTS zu dieser nicht mehr das volle Vertrauen haben.
Die BHG Mochau, [Kreis] Döbeln, [Bezirk] Leipzig, erhielt in den letzten Tagen zwei Lieferungen von Saatkartoffeln. Einmal ca. 5 t von dem landwirtschaftlichen Betrieb Möckel4 aus Hartmannsdorf, von denen ca. 26 % nach der Einschätzung des Begutachters vom Kreisrat unbrauchbar sind (Braunfäule): Verantwortlich ist die DSG Flöha für die Abnahme und Begutachtung des Saatgutes.
Die zweite Lieferung von ca. 10,7 t Saatkartoffeln ist von Brunau – Packebusch5 – verantwortlich DSG Salzwedel, gekommen. Vom Begutachter des Rates des Kreises, [Name 1], wurde festgestellt, dass 15 % minderwertig sind. Bei der Untersuchung am nächsten Tag zeigte sich aber, dass der Verderbprozess viel weiter fortgeschritten ist.
Erzeuger der Kartoffeln sind die LPG Bruna, LPG Hagenau und der Bauer [Name 2] aus Vienau.6
In Neuholland, Kreis Oranienburg, [Bezirk] Potsdam, sind ca. 500 dz Kartoffeln für den menschlichen Genuss unbrauchbar geworden, weil sie zu lange auf dem Felde gelegen haben. Es wurden Schulkinder zum Aufsammeln der Kartoffeln angeboten, welche aber abgelehnt wurden.
In Bitterfeld, [Bezirk] Halle, wurden 187 t Saatkartoffeln, Sorte »Sieglinde«7 vom Bezirk zurückgewiesen. Die Bauern nehmen diese Kartoffeln nicht ab, weil sie diese Sorte nicht bestellt haben, da sie sich für den Kreis Bitterfeld nicht eignet.
Ungenügende Arbeit ist in mehreren Betrieben des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft festzustellen. Zum Beispiel hat die LPG Ferchesar, Kreis Rathenow, [Bezirk] Potsdam, an die VEAB Rathenow zehn Zentner Erbsen abgeliefert, die vollkommen muffig waren und nur noch als Futtererbsen Verwendung finden können.
Etwa 14 Tage lang wurden die Erbsen zwar täglich umgeschaufelt, danach in Säcke geschüttet, trotzdem sie noch nicht richtig trocken waren. So standen sie ca. acht Tage.
Durch inoffizielle Quelle wurde bekannt, dass in einer Bauernversammlung am 26.9.1955 in Hochheim, [Bezirk] Erfurt, einige werktätige Bauern zum Ausdruck brachten, dass sie im kommenden Erntejahr 1955/56 keine Verträge mehr mit der MTS Urbich abschließen wollen, da vonseiten der MTS in diesem Jahr nur die Hälfte der Verträge eingehalten worden sind.
Des Weiteren steht ein Teil der Bauern skeptisch unseren LPG gegenüber.
Wie bereits des Öfteren mitgeteilt, ist im Kreis Seelow, [Bezirk] Frankfurt/Oder, in den LPG zu verzeichnen, dass sich das Fehlen von Arbeitskräften bemerkbar macht. Auch in einem Teil der VEG trifft dies zu.