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Sonderbericht Aktion Bündnis III

25. Juli 1955
Sonderbericht zur Aktion Bündnis (III) [Information M 16/55]

Stimmungsbericht zur Aktion »Bündnis«1

Unter den Delegationsteilnehmern und sonstigen Anwesenden, die zum Empfang der sowjetischen Staatsmänner auf dem Flugplatz Schönefeld erschienen waren, herrschte bei der Ankunft der führenden sowjetischen Genossen große Begeisterung vor.2 In den Unterhaltungen brachten die Anwesenden übereinstimmend zum Ausdruck, dass dieser Besuch der sowjetischen Staatsmänner und andererseits der Empfang durch die Bevölkerung ein Beweis für die große Verbundenheit dieser Staatsmänner mit dem Volke sei.

Auch wurden unter den Delegationsteilnehmern Gespräche über den Verlauf der Genfer Konferenz3 geführt. Dabei wurde vielfach erklärt, dass diese Konferenz hinsichtlich der Entspannung der internationalen Lage einen Erfolg gebracht habe und dass dies in erster Linie das Verdienst der sowjetischen Delegation sei.

Zum Beispiel sagten in einer Unterhaltung mehrere Arbeiter aus dem Industriewerk Ludwigsfelde:

  • »Wenn auch die Einheit Deutschlands nicht zustande gekommen ist, so ist es schon gut, dass eine Entspannung der Internationalen Lage erzielt wurde.«

  • »Gut, dass sich die vier Mächte nach vielen Jahren wieder zusammengefunden haben.«

  • »Das Ergebnis der Konferenz lässt hoffen, dass die internationalen Fragen friedlich gelöst werden können.«

  • »Die sowjetische Delegation hat eine gute Arbeit in Genf geleistet.«

Ein Mitglied einer DFD-Delegation aus Königs Wusterhausen äußerte: »Ich freue mich, dass ich am Empfang teilnehmen kann. Die Genfer Konferenz hat uns doch wieder neue Hoffnung gemacht. Besonders deshalb auch, weil im Oktober eine neue Konferenz stattfinden wird. Die sowjetischen Staatsmänner werden auch nicht eher ruhen, bis das deutsche Problem gelöst ist, und der Frieden als gesichert betrachtet werden kann.«

Einige Kollegen vom Kreiskonsum4 Königs Wusterhausen äußerten ebenfalls, dass sie stolz sind, an der Begrüßung der sowjetischen Delegation teilnehmen zu können. Sie wünschten, den sowjetischen Staatsmännern ihren Dank aussprechen zu können, weil sich diese auf der Genfer Konferenz konsequent für den Frieden eingesetzt haben.

Über die Ehrenkompanie der Deutschen Volkspolizei sagte der Kollege Wöhlert5 aus dem Industriewerk Ludwigsfelde: »Die Ehrenkompanie, die zur Begrüßung hier ist, verhielt sich zackig. Kein einziger hat sich gerührt, als Bulganin6 die Ehrenkompanie abschritt.«

Der Jugendliche [Name] aus dem RFT Dabendorf,7 [Kreis] Zossen: »So etwas müssten alle unsere FDJler sehen, wie die Verbundenheit zwischen der SU und der DDR zum Ausdruck kommt. Vor allem wenn sie die Ehrenkompanie gesehen hätten, dann würde ihre Einstellung zur KVP bestimmt eine andere werden.«

Der Genossen Warnecke8 aus dem Industriewerk Ludwigsfelde: »Die sowjetischen Staatsmänner gehen sogar die Reihen der Besucher ab, das sollte einmal in einem kapitalistischen Staat sein. Dort ist die geheime Polizei nur darauf erpicht, dass den Staatsoberhäuptern nichts passiert. Am heutigen Tage haben wir gesehen, dass die sowjetischen Staatsmänner das gar nicht nötig haben.«

Der Genosse Roy9 aus dem gleichen Werk: »Eine Ehre ist es, wenn Genosse Bulganin in die DDR kommt, seine Begrüßung in Berlin war ausgezeichnet, auch der Genosse Molotow10 wurde stürmisch begrüßt.«

Der parteilose Arbeiter Gumpert,11 auch aus diesem Werk: »Heute ist mir erst einmal bewusst geworden, wie groß die Verbundenheit der sowjetischen Staatsmänner mit dem Volke ist. Hier bei dem Empfang auf dem Flugplatz kommt so richtig zum Ausdruck, wie fest diese Staatsmänner mit den Volksmassen verwachsen sind.«

Der Genosse Schrolle12 auch aus diesem Betrieb: »In meiner ganzen Zeit habe ich noch nie so etwas erlebt wie heute, dass Staatsmänner so nahe an die Massen herankommen, dieser Tag wird mir ewig in Erinnerung bleiben.«

Der Genosse Pott13 aus Pessin, Kreis Nauen: »Das war heute eine Freude für mich, dass ich die Staatsmänner aus der SU gesehen habe. Ich habe in meinem Leben, trotzdem ich schon so alt bin, noch nie solche Staatsmänner gesehen. An diesen Tag werde ich ewig denken.«

Eine ältere Frau (parteilos): »Ich könnte weinen, so ergreift mich dieses Bild. Diese Männer haben schon so viel geleistet. Hoffentlich können sie weiter so gut wirken, damit alle Menschen im Frieden leben können.«

Eine Hausfrau aus Ludwigsfelde: »Die heutige Begrüßung zeigte die Verbundenheit der sowjetischen Staatsmänner mit unserer Bevölkerung. Ich habe es nicht bereut, dass ich heute am Sonntag zur Begrüßung gefahren bin.«

Die Ankunft der sowjetischen Delegation in Berlin wurde nur von verhältnismäßig wenigen Passanten beachtet, da ihre Ankunft durch den Rundfunk nicht angekündigt worden war. Es zeigte sich aber, dass der Besuch der Delegation bei den Straßenpassanten große Beachtung und Bewunderung fand. Vor allem die Tatsache, dass die sowjetischen Staatsmänner in offenen Wagen fuhren.

Von einigen Passanten wurde bemängelt, dass dieser Besuch nicht vorher angekündigt worden sei.

Zum Beispiel sagte ein Rentner, es hätte müssen in den Berliner Betrieben vor Arbeitsbeginn zu diesem bedeutenden Ereignis Stellung genommen werden. Durch ihren Aufenthalt in der DDR bestätige die sowjetische Delegation erneut, dass die Deutschlandfrage erstrangige Bedeutung habe. Alle Bestrebungen seitens Bonn, die sich anbahnende internationale Entspannung durch provokatorische Maßnahmen zu torpedieren, müssten verurteilt werden.

Ein Berliner Ehepaar äußerte: »Wir sind sehr beeindruckt, dass die sowjetischen Staatsmänner so ungezwungen und ohne jeden Schutz gefahren sind.«

Ein Arbeiter sagte: »Über das Auftreten der sowjetischen Staatsmänner anlässlich ihres jetzigen Aufenthaltes in Berlin bin ich begeistert. Es zeugt von dem starken Vertrauen zu unserer Bevölkerung. Wenn sich diese Staatsmänner ohne großes Polizeiaufgebot hier in Berlin bewegen. Dulles14 würde dies bestimmt nicht tun.«

Ein Angestellter äußerte sich ebenfalls über den Besuch der sowjetischen Staatsmänner begeistert und er sagte: »Bulganin ist eine sympathische Erscheinung und die sowjetische Delegation hat in Genf bestimmt große Sympathie gewonnen.«

Ein ca. 65-jähriger Rentner, vermutlich früher Beamter, erklärte Folgendes: »Die werden nicht umsonst gekommen sein, die werden der Regierung einiges sagen, damit die ihre Politik jetzt ändern.« Er meinte damit, dass entsprechend der freundlichen Atmosphäre in Genf unsere Regierung ebenfalls eine »vernünftige Politik« machen soll.

Ein junger Arbeiter aus der Autoreparaturwerkstatt Dieckmann15 am Schiffbauerdamm erklärte: »Morgen ist in Berlin wieder etwas los, auf dieser Kundgebung wird die russische Delegation sprechen. Da müssen die Arbeiter der Betriebe wieder marschieren. Es geht hierbei um gesamte Wahlen für ganz Berlin. Dies ist in Genf behandelt worden. Als Ergebnis wird wohl wieder nichts herauskommen. Der Russe gibt den demokratischen Sektor nicht so ohne Weiteres frei. Er arbeitet viel geheimer als der Amerikaner. Es wird wohl bald wieder zum Krachen kommen.«

Ingenieur, ca. 50 Jahre alt, beschäftigt im Lokomotivbau. Er ist der Meinung, dass die Wirtschaft der DDR im Verlaufe der nächsten zwei Jahre aufgrund finanzieller Schwierigkeiten zusammenbricht. Zur Konferenz sagte er, dass die SU dem Druck der Westmächte etwas nachgeben musste. Es sei keine Entspannung eingetreten. Als Grund dafür führte er an, »dass die Westmächte und die Oststaaten zurzeit ungefähr gleich stark sind«. Die Deutschlandfrage kann nach seiner Meinung erst in zwei Jahren geklärt werden und auch erst dann, wenn Westdeutschland seine Armee aufgebaut hat. Er befürwortet den Anschluss der DDR an Westdeutschland.

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    27. Juli 1955
    Informationsdienst Nr. 2470 zur Beurteilung der Situation in der DDR

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