Sonderbericht Stimmung zur Aktion Bündnis (I) [Information M 13-55]
24. Juli 1955
Sonderbericht Stimmung zur Aktion Bündnis (I) [Information M 13/55]
Stimmungsbericht zur Aktion »Bündnis«
Im Allgemeinen war unter den Teilnehmern zum Empfang der Delegation eine große Begeisterung vorherrschend. In allen Diskussionen kam zum Ausdruck, dass dieser Besuch der sowjetischen Staatsmänner und der Empfang vonseiten der Bevölkerung die große Verbundenheit der Staatsmänner mit dem Volk ausdrückt. 1
Genosse Warnecke, Max, 2 Betriebszeitungsredakteur im Industriewerk Ludwigsfelde sagte z. B.: »Habt ihr das gesehen, die Mitglieder der sowjetischen Regierung gehen sogar die Reihen der Besucher ab, das sollte einmal in einem kapitalistischen Staat sein, dort ist die geheime Polizei nur darauf erpicht, dass den Staatsoberhäuptern nichts passiert. Am heutigen Tage haben wir gesehen, dass die sowjetischen Staatsmänner das gar nicht nötig haben.«
Genosse Roy3 aus dem Industriewerk Ludwigsfelde: »Eine Ehre ist es, wenn Genosse Bulganin4 in die DDR kommt. Seine Begrüßung in Berlin war ausgezeichnet. Auch der Genosse Molotow5 wurde stürmisch begrüßt. Diese Männer können stolz sein. Was die schon alles für den Frieden getan haben und noch tun werden.«
Die Hausfrau [Name] aus Ludwigsfelde meinte: »Die heutige Begrüßung zeigte die Verbundenheit der sowjetischen Staatsmänner mit unserer Bevölkerung. Ich habe es nicht bereut, dass ich heute am Sonntag zur Begrüßung gefahren bin.«
Eine ältere parteilose Hausfrau äußerte sich beim Empfang: »Ich könnte weinen, so ergreift mich dieses Bild. Diese Männer haben schon viel geleistet. Hoffentlich können sie weiter so gut wirken, damit alle Menschen im Frieden leben können.«
Der parteilose Arbeiter Gumpert6 aus dem Industriewerk Ludwigsfelde: »Heute ist mir erst einmal bewusst geworden, wie groß die Verbundenheit der sowjetischen Staatsmänner mit dem Volke ist. Hier kommt so richtig zum Ausdruck, wie fest die Staatsmänner mit den Volksmassen verwachsen sind.«
Der Genosse Schrolle7 aus dem Industriewerk Ludwigsfelde meinte: »In meiner ganzen Zeit habe ich noch nie so etwas erlebt wie heute, dass Staatsmänner so nahe an die Massen herankommen. Dieser Tag wird mir ewig in Erinnerung bleiben.«
Der Genosse Pott, Heinrich8 aus Pessin, Kreis Nauen, zurzeit KPS Ludwigsfelde sagte ebenfalls: »Das war heute eine Freude für mich, dass ich die Staatsmänner aus der Sowjetunion gesehen habe. Ich habe noch nie in meinem Leben, trotzdem ich schon so alt bin, solche Staatsmänner gesehen. An diesen Tag werde ich ewig denken.«
Die Ankunft der Sowjet-Delegation in Berlin wurde nur von wenigen Straßenpassanten beachtet, da die Ankunft der Delegation durch den Rundfunk nicht angekündigt worden war. Bei den verhältnismäßig wenigen Straßenpassanten, die sich entlang des Fahrweges der sowjetischen Delegation aufhielten und auf die Ankunft der Delegation aufmerksam gemacht wurden, fand die Tatsache, dass die führenden Persönlichkeiten der Sowjet-Regierung im offenen Wagen fuhren, große Beachtung. Straßenpassanten erklärten in der Diskussion, dass man dieses Ereignis hätte vorher bekannt geben müssen, um die sowjetische Delegation bei ihrer Fahrt durch Berlin begrüßen zu können.
Ein Rentner erklärte im Gespräch, dass in den Berliner Betrieben morgen vor Arbeitsbeginn zu diesem bedeutungsvollen Ereignis Stellung genommen werden sollte. Durch ihren Aufenthalt in der Hauptstadt der DDR bestätigt die sowjetische Delegation erneut, dass der Deutschlandfrage erstrangige Bedeutung zukomme.
Alle Bestrebungen seitens Bonn, die sich anbahnende internationale Entspannung durch provokatorische Maßnahmen zu torpedieren, müssten verurteilt werden.
Die sowjetische Regierungsdelegation mit den Genossen Bulganin und Chruschtschow9 an der Spitze, traf ca. 18.00 Uhr vor dem Eingang der Pionierrepublik »Ernst Thälmann« 10 ein. Von den anwesenden Berlinern wurden sie stürmisch begrüßt.
Zu bemängeln ist, dass der Besuch in der Pionierrepublik schlecht organisiert war. Vor dem Eingang befanden sich nicht mehr als 300 bis 400 Personen, die Genossen von der Kreisleitung der SED Köpenick waren nur zur Hälfte erschienen.
Besonderen Jubel gab es, als auf dem Wege zur Freilichtbühne die Genossen Bulganin und Chruschtschow den »Jungen Pionieren«11 ihre besondere Aufmerksamkeit schenkten.
Beim Eintritt in die Freilichtbühne wurden die sowjetischen Gäste von den Anwesenden nochmals stürmisch begrüßt. Leider war der Innenraum der Freilichtbühne nur schwach besetzt. Von den insgesamt ca. 20 000 Sitzplätzen waren nur 7 000 bis 8 000 besetzt. Nachdem sich die sowjetischen Genossen und ihre Begleiter ca. 30 Minuten das Instrumental- und Vokalkonzert anhörten, verließen sie ohne jegliche Zwischenfälle die Pionierrepublik.
Zu bemängeln ist, dass der Leiter der Pionierrepublik erst kurz vor Eintreffen der Delegation von dem Besuch Bescheid erhielt.
Bei den Besuchen der Gedenkstätten Friedrichsfelde12 und dem Ehrenmal Treptow war zu verzeichnen, dass auf dem Friedhof in Friedrichsfelde bei Eintreffen der Delegation ca. 100 Personen anwesend waren, die die Delegation aufs Herzlichste begrüßten. Die Friedhofsbesucher nahmen an der Begrüßung der Delegation teil.
Die Kranzniederlegung und die Abfahrt der Delegation verliefen ohne besondere Vorkommnisse.
Die stärkste Menschenansammlung war am Ehrenmal in Treptow zu verzeichnen. Dort waren viele Besucher der Treptower Parks, die sich der Begrüßungsdelegation anschlossen. Am Eingang zum Ehrenmal hatten ca. 600 bis 700 Personen Aufstellung genommen. Am Ausgang waren es ca. 200 bis 300 Personen. Beim Eintreffen der sowjetischen Delegation wurde diese begeistert begrüßt.
Unter den Anwesenden wurde mehrfach die Frage gestellt, wo eigentlich Molotow und Schukow13 sei.
Beim Verlassen des Ehrenmales wurde die Delegation nochmals von den am Ausgang stehenden Personen herzlich begrüßt.
Allgemein wurde begrüßt, dass die führenden Genossen in offenen Wagen fuhren. Zwei Arbeiterfrauen äußerten sich erfreut darüber, dass die sowjetischen Genossen unsern werktätigen Menschen gegenüber so freundlich waren.
Bei der Abfahrt konnte man öfters Freundschaftsrufe hören. Auch hier waren keine besonderen Vorkommnisse zu verzeichnen.