Sonderinformation 1. Mai 1955
2. Mai 1955
Informationsdienst zum 1. Mai 1955 [Information M 3/55]
1. Mai 1955
Bezirk Magdeburg:
Beteiligung: | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Magdeburg-Stadt | 150 000 | 90 000 |
Schönebeck | 14 300 | 10 000 |
Wernigerode | 15 000 | 12 000 |
Salzwedel | 13 000 | 15 000 |
Oschersleben | 8 000 | 9 000 |
Stendal | 20 000 | 22 000 |
Osterburg | 5 000 | 6 000 |
In den Industriegebieten lag die Beteiligung dieses Jahr höher als in den Vorjahren, während sich die Bevölkerung der Landkreise schwächer beteiligte.
Trotz anfänglich zahlenmäßig guter Beteiligung zeigte sich in verschiedenen Städten, dass viele Kundgebungsteilnehmer die Demonstration vorzeitig verließen, was vor allem auf organisatorische und andere Fehler zurückzuführen ist.
Zum Beispiel verließen in Kalbe/Milde ca. 300 Personen den Kundgebungsplatz, da keine Lautsprecheranlage vorhanden war.
In Arendsee, [Kreis] Seehausen, waren infolge eines zu langen Referats von 1 400 Personen am Schluss nur noch ca. 200 anwesend.
Aus einzelnen Kreisen wird über eine gute Beteiligung der Mittelschichten berichtet. Auch war die Ausgestaltung seitens des Handwerks gut.
Die Stimmung war im Allgemeinen besser als im Vorjahr. Besondere Diskussionen lösten die Kampfgruppen1 aus. Die Stimmen dazu waren meist positiv, indem man begrüßte, dass unsere Partei Maßnahmen zum Schutz unserer Betriebe ergreift. Zu negativen Äußerungen kam es nur vereinzelt.
Zum Beispiel positiv äußerte sich eine parteilose Arbeiterin aus Oschersleben während der Demonstration: »Man sieht doch, dass alles besser geworden ist. Man braucht sich nur die Kleidung der Menschen anzusehen. Es ist doch schön, dass wir heute in der Lage sind, unsere Kulturgruppen so gut auszustatten.«
Vereinzelt traten im Kreis Zerbst einige abfällige Bemerkungen während des Vorbeimarsches der Kampfgruppen in Erscheinung wie z. B.: »Die wollen für den Frieden sein und marschieren mit Gewehren. Das ist ja bald wie beim Barras.«2
Der Schwiegersohn eines Großbauern3 sagte: »Die mit der roten Armbinde4 sind die Elite, Sie sollen Karabiner bekommen aber viele können sowieso nichts damit anfangen.«
Einige Hausfrauen aus Staßfurt diskutierten beim Vorbeimarsch der Kampfgruppen mit KK-Gewehren: »Die Förster gehen mit Steinen auf Wildschweinjagd und unsere Männer müssen heute Gewehre in den Straßen umhertragen.«
Im Kreis Kalbe/Milde wurde von einem großen Teil der Bevölkerung großes Erstaunen über die in blauer Kleidung mit roten Armbinden aufmarschierenden Kampfgruppen zum Ausdruck gebracht da sie nicht wussten, was diese darstellen sollten.
Feindtätigkeit
Am 1.5.1955 wurde an der Mauer der sowjetischen Kommandantur, welche an den Stadtpark in Staßfurt angrenzt, und mit Gebüsch umschlossen ist, folgende Losung mit Teer geschrieben festgestellt: »Kampf dem roten Terror!«
Am 1.5.1955, gegen 7.10 Uhr, wurde aus einem Tankwagen, der auf dem Stützpunkt Vielbaum, [Kreis] Seehausen stand, von unbekannten Personen ca. 1 105 Liter Dieselkraftstoff herausgelassen.
Hetzschriften wurden wie folgt verbreitet:
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Kreis Oschersleben 10 000 SPD-Ostbüro5 – Hetze zum 1. Mai
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Kreis Oschersleben 5 000 SPD-Ostbüro – Hetze gegen KVP
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Kreis Haldensleben 6 000
- –
Kreis Havelberg 200 – Hetze zum 1. Mai
- –
Kreis Gardelegen 20 – Hetze zum 1. Mai
Bezirk Halle:
Beteiligung: | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Halle-Stadt | 114 000 | 90 000 |
Aschersleben | 21 500 | 18 000 |
Bernburg | 30 000 | 16 000 |
Naumburg | 25 000 | 23 000 |
Bitterfeld | 20 000 | 35 000 |
Köthen | 13 000 | 16 000 |
Hohenmölsen | 5 000 | 6 000 |
Während die Beteiligung in der Bezirksstadt und einigen Kreisstädten besser war, als im Vorjahr, zeigt sich in anderen Kreisstädten eine Abnahme der Beteiligung. (z. B. Bitterfeld, Köthen, Hohenmölsen).
In Sangerhausen verließen bei der gleichen Teilnehmerzahl wie 1954 (15 000) ca. 50 % vorzeitig die Kundgebung.
Die Stimmung wird im Allgemeinen als gut bezeichnet. Leidglich aus dem Kreis Artern wird gemeldet, dass dort eine Unzufriedenheit unter den Werktätigen zu verzeichnen war, die mit dem Argument zum Ausdruck kam, »dass das ganze Jahr geschuftet worden wäre und jetzt gäbe es noch nicht einmal eine Flasche Bier«.
Produktionsstörung
Durch Steuerkettenschalterschaden fiel am 1.5.1955 das gesamte Kraftwerk Elbe aus. Durch Umschaltung im Kraftwerk Großkayna entstand ein Sammelschienenkurzschluss, wodurch auch Kraftwerk Großkayna ausfiel. Großkayna kam nach 23 Minuten wieder voll in Betrieb.
Im Kraftwerk Elbe laufen zurzeit, seit 12.33 Uhr die Turbine 3, Turbine 4 kommt noch in Betrieb, Turbine 1 ist planmäßig in Reparatur.
Das gesamte Werk wird heute noch in Betrieb gebracht.
Feindtätigkeit
In der Gemeinde Wendelstein, [Kreis] Artern, wurde an einen Brückenfeiler mit Kreide geschrieben: »Am 1. Mai da werden wir frei!«
Weiter war mit Ölfarbe geschrieben: »Es lebe Adenauer!«6
In folgenden Kreisen werden Hetzschriften verbreitet:
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Saalkreis 20 000 KgU7 – Hetze gegen 1. Mai
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Kreis Sangerhausen 15 000 KgU – Hetze gegen 1. Mai
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Kreis Köthen 2 050 SPD-Ostbüro – »Tribüne«8
- –
Kreis Eisleben 32 SPD-Ostbüro – »Tribüne«
- –
Kreis Bernburg 18 SPD-Ostbüro – Hetze gegen 1. Mai
- –
In Gräfenhainichen wurden zehn selbstgefertigte Hetzschriften (Druckkasten) mit folgendem Text gefunden:
- •
»Ulbricht,9 der Initiator der Zonenrüstung« und
- •
»Nieder mit der KVP, sie kostet jährlich 3 Mio. DM«.
- •
Bezirk Cottbus:
Beteiligung | 1955 |
|---|---|
Cottbus-Stadt | ca. 24 000 |
Senftenberg | 2 000 |
Fürstenwalde | 10 000 |
Die Beteiligung an der Demonstration war gegenüber dem Vorjahr weitaus besser.
In einigen Kreisen zeigte sich in größerem Maße ein Verlassen der Demonstration.
Zum Beispiel verließen von 3 000 Teilnehmern in Falkenberg, [Kreis] Herzberg, ca. 15 000 Personen vorzeitig die Kundgebung.
Die Stimmung war in überwiegendem Maße positiv. Dies kam auch in einer besseren Ausgestaltung als im Vorjahr zum Ausdruck. Mit besonderer Herzlichkeit wurden die Kampfgruppen begrüßt.
Bezirk Potsdam:
Beteiligung | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Potsdam-Stadt | 240 000 | 248 500 |
Königs Wusterhausen | 10 650 | 17 630 |
Neuruppin | 12 800 | 16 140 |
Rathenow | 17 800 | 19 000 |
Im Allgemeinen ist ein Abnehmen der Teilnehmerzahlen zu verzeichnen. Auch die Ausgestaltung der Festzüge und der Straßen waren im Vorjahr besser.
In einigen Kreisen kam es durch organisatorische Mängel zum verstärkten vorzeitigen Verlassen der Kundgebungen.
Zum Beispiel waren am Schluss der Kundgebung in Treuenbrietzen, [Kreis] Jüterbog, von ca. 2 000 Teilnehmern nur noch 500 anwesend, da die Lautsprecherübertragung nicht in Ordnung war.
In Baruth, [Kreis] Zossen, verließen ca. 40 % der Teilnehmer, meist Forstarbeiter, die Demonstration und suchten die Gaststätten auf.
Die Stimmung der Demonstranten war überall zufriedenstellend. Vereinzelt kam es am Vorabend des 1. Mai zu negativen Äußerungen betr. der Prämienzahlung.
Zum Beispiel äußerte ein Kollege aus der Halle 7 des VEB »Heinrich Rau«:10 »Es ist schlecht, dass man uns vom Betrieb aus nicht einmal 5,00 oder 10,00 DM für den 1. Mai gegeben hat, wofür demonstrieren wir denn sonst überhaupt.«
Während der Demonstrationen im Kreis Zossen wurden vereinzelt negative Äußerungen zu den Kampfgruppen bekannt:
Zum Beispiel äußerten einige Personen beim Aufmarsch der Kampfgruppen: »Was sind denn das für welche, in der Schlosseruniform, ein neuer Volkssturm?«11
Feindtätigkeit
In Brandenburg wurde von einem HO-Geschäft12 eine schwarz-rot-goldene Fahne entwendet.
Von der Schwesternstation Birkenwerda, [Kreis] Oranienburg, wurden in der Nacht zum 1. Mai zwei Fahnen entwendet.
In der Nacht zum 1.5.[1955] wurden in der Gemeinde Königsberg, [Kreis] Wittstock, bei dem dortigen Parteisekretär die Fensterscheiben eingeworfen. Täter festgenommen.
Im Kreis Nauen wurden in Paaren/Glien in der Nacht zum 1.5.[1955] drei Maiplakate von bisher ungekannten Tätern abgerissen.
In Königs Wusterhausen, Miersdorf und Zeuthen wurde die Kundgebung dadurch gestört, da bei Beginn der Festansprachen ein lautes Glockengeläut einsetzte, welches erst durch das Einschreiten einiger Genossen beendet werden konnte.
Hetzschriften wurden wie folgt verbreitet: Stadtgebiet Neuruppin – 45 – SPD-Ostbüro – Hetze gegen 1. Mai.
Zu Handlungen gegen die VP kam es in zwei Fällen.
Ein Einwohner von Potsdam beschimpfte während der Demonstration in Potsdam uniformierte Mitarbeiter des SfS; versuchte die Sperrkette zu durchbrechen und äußerte dabei, dass er sich von der KVP nichts sagen ließe. Nach dem Versuch, einen Mitarbeiter zu schlagen versuchte er zu flüchten, wurde aber festgenommen.
In Brieselang, [Kreis] Kyritz, schlug ein Großbauer in einer Gaststätte in betrunkenem Zustand einen VP-Angehörigen und dessen Vater nieder.
Bezirk Frankfurt[/Oder]::
Beteiligung | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Frankfurt-Stadt | 20 000 | 15 000 |
Angermünde | 8 000 | [–] |
Bernau | 6 000 | [–] |
Eberswalde | 25 000 | 18 000 |
Stalinstadt13 | 10 000 | [–] |
Die Beteiligung wird gegenüber dem Vorjahr als sehr hoch eingeschätzt.
Die Stimmung war überwiegend positiv. Zu negativen Äußerungen kam es nur vereinzelt, im Zusammenhangmit der Prämienzahlung und den Kampfgruppen.
Negative Erscheinungen traten unter den Arbeitern der Bau-Union auf.
Zum Beispiel erschienen von 200 Bauarbeitern der Baustelle Autobahn nur zehn bei der Demonstration.
Die Gesamtbeteiligung der beim Wohnungsbau Beschäftigten betrug ca. 70 % der Arbeiter, die übrigen ca. 25 %. Als Ursache wird angegeben, dass viele außerhalb Frankfurts wohnen und nach Hause gefahren sind.
Ein Bauarbeiter sagte dazu:
»Der 1. Mai fällt diesmal auf einen Sonntag und wir denken nicht daran, in Frankfurt/Oder zu bleiben, da wir den Tag nicht bezahlt bekommen.«
Folgende Hetzschriften wurden sichergestellt:
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Kreis Straußberg mehrere Hundert – SPD Ostbüro Hetze gegen 1. Mai
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Kreis Fürstenwalde 1 680 – unbekannte Herkunft
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Kreis Beeskow 3 500 – SPD Ostbüro – Hetze gegen 1. Mai
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Kreis Freienwalde 9 000 – KgU Hetze gegen 1. Mai
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Kreis Bernau 10 000 – NTS14
- –
Kreis Beeskow 200 – NTS
In Fürstenwalde wurde in der Nacht zum 1. Mai eine rote Fahne heruntergerissen, nachdem vorher eine in der Nähe befindliche Gaslaterne ausgelöscht wurde.
Bezirk Karl-Marx-Stadt, einschließlich Wismut-Gebiet:15
Beteiligung | 1955 |
|---|---|
Bezirksstadt | 200 000 |
Aue | 15 000 |
Annaberg | 15 000 |
Auerbach | 10 000 |
Plauen | 50 000 |
Hainichen | 3 000 |
Stollberg | 7 000 |
Freiberg | 20 000 |
In Karl-Marx-Stadt lag die Beteiligung höher als im Vorjahr. Auch kann man sagen, dass 1955 mehr Fahnen im Demonstrationszug mitgeführt wurden als 1954.
Die Sichtwerbung war im gesamten Bezirk ebenfalls besser als 1954, jedoch wurden weniger Bilder der führenden Genossen mitgeführt.
Bemerkenswert ist noch, dass in allen Städten die Wismutkumpel und die Genossen der sowjetischen Verwaltung rege an den Demonstrationen teilnahmen. Nur vereinzelt konnte man feststellen, dass einige Wismut-Kumpel nach Hause gefahren waren. Die Beteiligung der Wismut-Kumpel hat sich jedoch ebenfalls gegenüber 1954 erhöht.
Die Stimmung zur Demonstration und Kundgebung war gut. Es muss hervorgehoben werden, dass die Demonstration den Charakter der Verteidigungsbereitschaft trug. Die Kampfgruppen fanden ebenfalls Zustimmung. Die Diskussionen über die Kampfgruppen waren überwiegend positiv. Hierzu ist folgendes Beispiel charakteristisch.
Eine Hausfrau aus Zwickau sagte beim Vorbeimarsch der Kampfgruppe: »Jetzt wird die Jugend endlich wieder erzogen zur Verteidigung, und um im Sport ihre Kräfte zu messen. Und nicht wie in der Hitlerjugend,16 wo sie nur für den Krieg erzogen wurden, um dann für die Geldsäcke zu verbluten.«
Es kam auch zu negativen bzw. feindlichen Äußerungen über die Kampfgruppen. So rief z. B. eine Person in Zwickau, als Genossinnen in den Kampfgruppen mitmarschierten: »Da habt ihr ja schöne Flintenweiber17 mit.«
In Zwickau unterhielten sich zwei Männer beim Vorbeimarsch der Kampfgruppen und äußerten Folgendes:
- –
A: »Nun seht euch das an, wie weit wir heute wieder sind.«
- –
B: »Die Deutschen sind doch ein blödes Volk. Wenn sie nur eine Knarre in der Hand haben, dann sind sie glücklich und strahlen.«
- –
A: »Man müsste annehmen, dass sie aus zwei Kriegen schlauer geworden sind, denn dass die alle dazu gezwungen werden, ein Gewehr zu tragen, glaube ich nicht. Da gibt es bestimmt auch freiwillige Waffenträger.«
- –
B: »Wenn ich das Mai-Plakat von dem Arbeiter sehe, der die MPi trägt, dann reicht es mir schon.«18
In anderen negativen Diskussionen beschäftige man sich damit, ob für den 1. und 8. Mai ein Ausgleich gezahlt wird.
Einige Arbeiter aus Oelsnitz äußerten: »Na, dieses Jahr machen sie ja viel Geld gut, denn am 1. und 8. Mai brauchen sie ja nichts zu bezahlen.«
Feindtätigkeit
Flugblätter: SPD-Ostbüro ca. 7 000
Im Kreis Marienberg wurden einige Hetzschriften, Ausschnitte aus dem »Völkischen Beobachter«19 an Bäume geklebt.
Am Festwagen des VEB Grubenlampenwerk Zwickau wurde am 1.5.1955 vor Beginn der Demonstration die Hetzlosung »Es lebe der proletarische Imperialismus« festgestellt.
Bezirk Dresden:
Beteiligung | 1955 |
|---|---|
Dresden-Stadt | 250 000 |
Freital | 25 000 |
Görlitz | 48 000 |
Niesky | 7 000 |
Zittau | 25 000 |
Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass sich die Beteiligung gegenüber 1954 erhöht hat. Es traten jedoch vereinzelt in Kreisstädten organisatorische Mängel auf, wie z. B. in Kamenz, wo die Lautsprecheranlage nicht funktionierte. Aufgrund dessen waren die Kundgebungsteilnehmer missgestimmt. Öfter war in den Kreisstädten zu verzeichnen, dass Demonstranten bzw. Kundgebungsteilnehmer vorzeitig weggingen. So verließen z. B. in Großenhain 300 Personen vorzeitig die Kundgebung.
Durch organisatorische Schwächen auf den Stellplätzen in Freital entfernten sich 15 % der Teilnehmer.
Während in den Straßen, wo Arbeiter wohnen die Ausschmückung besser war als 1954, ist zu verzeichnen, dass in den Häusern, wo Handwerker und Geschäftsleute wohnen die Ausschmückung mangelhaft war. In Görlitz ist die Ausschmückung schlechter als im Jahre 1954.
Die Kampfgruppen lösten Begeisterung beim Aufmarsch aus. Jedoch haben die Kampfgruppen in einigen Städten ohne Waffen demonstriert, wie z. B. in Großenhain.
Im VEB Dampfhammerwerk Großenhain lehnte die gesamte Betriebsfeuerwehr das Tragen von roten Armbinden mit der Begründung ab, ihre Schulterstücke seien rot und deshalb brauchen sie keine roten Armbinden.
Einige LPG und MTS beteiligten sich dieses Jahr nicht an der Demonstration, da festgelegt worden war, dass sie aufgrund der bisherigen schlechten Witterung die Frühjahrsbestellung durchführen.
In Bischofswerda, Bautzen und Cunnersdorf, [Kreis] Dippoldiswalde, wurden Maiplakate abgerissen.
Am Fenster der CDU-Geschäftsstelle in Pirna hingen zwei Maiplakate, bei denen die Waffen der darauf abgebildeten Arbeiter überklebt und mit einer Mai-Losung überschrieben waren.
Im Zellstoffwerk Pirna wurde in der Klosettanlage der Holzputzerei ein Hakenkreuz festgestellt.
In Oelsa, [Kreis] Freital, hat eine Gruppe Jugendlicher am 1.5.[1955], gegen 1.30 Uhr, faschistische Lieder gesungen. (»Deutschland, Deutschland über alles.«)20
Im VEB Maschinenbau Görlitz wurde ein Plakat des 1. Mai vorgefunden, unter diesem war ein ausgestopfter Hund mit einer Kette umwickelt, und in der Kette haben kleine Fähnchen der DDR gesteckt. Außerdem war die Kette mit zwei Schlössern versehen.
In der Nacht zum 1.5.[1955] wurden in Elstra, [Kreis] Kamenz, und in Zittau die Mai-Bäume abgesägt. Außerdem wurden in den genannten Städten, bzw. Orten schwarz-rot-goldene Fahnen abgerissen und Transparente an der Tribüne beschädigt.
In der Gemeinde Nodersdorf, [Kreis] Niesky, brachten die Arbeiter des Privatbetriebes Baugeschäft Brocke ein Transparent mit, worin die Belegschaft gegen die Verweigerung des gesetzlichen Weihnachtsgeldes protestiert.
Im Stahlwerk Gröditz wurden in der Klosettanlage des Martin-Werkes21 zwei Hetzparolen angeschmiert, ebenfalls an einen werkeigenen Waggon.
In der Gemeinde Großdubrau, [Kreis] Bautzen, kursiert das Gerücht, dass in Berlin Aufstände wären und schon 300 Mann verhaftet wurden.
In Rathewalde, [Kreis] Sebnitz, wurde beim Setzen des Maibaumes festgestellt, dass das Rohr mit Zement gefüllt war.
Auf dem Teilgut III des VEG Langenwolmsdorf, [Kreis] Sebnitz, wurde zum 1. Mai der Wächter auf Urlaub geschickt und für die Nacht ein Anhänger der Sekte »Zeugen Jehovas« zur Wache eingesetzt.
Flugblätter:
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NTS: 1 027, Kreis Dippoldiswalde und Meißen
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SPD-Ostbüro: 4 020, Kreis Meißen und Bautzen
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KGU: einige, Kreise Görlitz und Pirna
Bezirk Leipzig:
Zur Beteiligung kann gesagt werden, dass im gesamten Bezirk gesehen sich die Teilnehmerzahl um 54 200 erhöht hat, gegenüber 1954. Jedoch ist die Beteiligung in drei Kreisen geringer und zwar
Beteiligung | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Borna | 30 000 | 39 000 |
Döbeln | 27 000 | 38 000 |
Schmölln | 10 000 | 12 000 |
Leipzig | 350 000 | 12 000 |
Altenburg | 59 000 | 26 000 |
Aus dem VEB »MEGU« Leipzig22 nahmen von 1 500 Belegschaftsmitgliedern nur etwa 500 an der Demonstration teil. Ähnlich ist die Beteiligung der Kollegen vom HO-Warenhaus I.
Diese negativen Beispiele sind nicht charakteristisch.
Die Demonstranten beteiligten sich in der übergroßen Mehrheit bis zum Schluss an der Veranstaltung. Eine starke Fluktuation bei der Kundgebung war nur in Eilenburg, Torgau und einigen kleineren Städten festzustellen. Die Ursache dafür ist, dass die Lautsprecheranlagen sehr schlecht waren und die Teilnehmer nichts verstehen konnten.
Die Organisation war im Allgemeinen gut. Lediglich aus Borna wurde mitgeteilt, dass sich der Beginn der Demonstration dort um eine Stunde verzögerte.
Die Ausgestaltung der Demonstrationszüge war im gesamten Bezirk gegenüber 1954 weitaus besser.
In den Losungen wurde vor allem gegen die Remilitarisierung Westdeutschlands, gegen den Atomkrieg und für die Erhöhung der Verteidigungsbereitschaft der DDR gesprochen. Die Ausgestaltung der ländlichen Gemeinden war jedoch im Verhältnis zum Vorjahr nicht wesentlich besser geworden.
Die Kampfgruppen demonstrierten an der Spitze der Betriebe bzw. der Stadtteile. Sie zeigten ein gutes diszipliniertes Verhalten. Die Stimmung innerhalb der Kampfgruppen war gut. Auch die Bevölkerung nahm das Erscheinen der Kampfgruppen positiv auf.
Festzustellen ist aber, dass die zahlenmäßige Beteiligung der Kampfgruppen im Verhältnis zur Belegschaftsstärke zu gering war. Außerdem zeigte sich besonders in Altenburg und Böhlen, dass besonders ältere Genossen demonstrierten und nur wenig jüngere Menschen (25 bis 35 Jahre) teilnahmen.
Zum Beispiel marschierten vom VEB Kombinat »Otto Grotewohl« Böhlen, [Kreis] Borna, nur 200 Mann der Kampfgruppe.
Ein Teil der Kampfgruppen war einheitlich gekleidet und etwa die Hälfte bewaffnet.
Nur vereinzelt traten negative Diskussionen über die Kampfgruppen auf. So äußerten z. B. einige Frauen in Borna: »Das nennen sie nun Frieden, wenn unsere Männer hier mit Gewehren marschieren.«
Einige Jugendliche in Borna versuchten wiederholt durch provokatorische Äußerungen den Vorbeimarsch der Kampfgruppen zu stören. Unter anderem sagten sie: »Mit diesen Vogelflinten wollen die Krieg führen. Die werden sie ganz schön zum Laufen bringen, wenn es soweit ist.«
Bei den umstehenden Menschen fanden diese Äußerungen keinen Widerhall.
Feindtätigkeiten und besondere Vorkommnisse wurden nicht bekannt.
Bezirk Erfurt:
Beteiligung | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Erfurt | 100 000 | 80 000 |
Bad Salzungen | 1 200 / ca. 30 % mehr als im Vorjahr | [–] |
Weimar | 20 000 | 16 000 |
Heiligenstadt | 11 000 | 5 000 |
Sömmerda | 10 000 | 13 000 |
Langensalza | 6 000 | 10 000 |
In den meisten Kreisstädten sowie in der Bezirksstadt war die Beteiligung besser als im Vorjahr.
Die Ausschmückung war bis auf einige Gemeinden und Grenzorte gut und verschiedentlich ebenfalls besser als im Vorjahr.
So ließ z. B. die Beflaggung und Ausschmückung der Häuser besonders in Worbis – besonders bei Grenzgemeinden – sehr viel zu wünschen übrig. Es waren kaum Losungen und Fahnen zu sehen.
Die Stimmung war überwiegend positiv. Die Kampfgruppen wurden allgemein begrüßt.
Feindtätigkeit
Folgende Hetzschriften wurden sichergestellt:
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Kreis Eisenach 15 000 – SPD-Ostbüro – Hetze gegen 1. Mai
- –
Kreis Gotha 600 – SPD-Ostbüro – Hetze gegen 1. Mai
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Kreis Mühlhausen 10 000 – SPD-Ostbüro – Hetze gegen 1. Mai
Die Verbreitung erfolgte entweder durch Ballon oder durch Raketenbeschuss von westdeutschem Gebiet aus.
Im Grenzgebiet Eisenach – Gebiet Schnellmannhausen – betraten Angehörige des westdeutschen Grenzschutzes den 10 m Kontrollstreifen23 und forderten die Angehörigen der Grenzpolizei zum Desertieren auf.
In der Grenzbereitschaft Lohrödern im gleichen Gebiet brannte die Scheune einer MTS. In der Nähe von Stroh waren glühende Asche und Sägespäne gestreut.
Bezirk Suhl:
Beteiligung | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Suhl | 15 000 | 12 000 |
Zella-Mehlis | 4 000 | [–] |
Sonneberg | 10 000 | [–] |
Neuhaus | 4 800 | [–] |
Im Allgemeinen war die Stimmung, Beteiligung sowie die Ausschmückung gut und verschiedentlich besser als im Vorjahr. In Neuhaus verließen ca. 2 000 Demonstranten vorzeitig die Kundgebung.
In Steinbach-Hallenberg betrug die Teilnehmerzahl ca. 2 000 und davon verließen nach den ersten zehn Minuten ca. 1 500 den Kundgebungsplatz. (Der Ort war Hochburg der Faschisten und es besteht dort eine Konzentration von Sekten.)
Stimmung:
Die mitgeführten Transparente und Losungen trugen den Charakter der Verteidigungsbereitschaft. Die Meinung eines Kollegen aus dem VEB Röhrenwerk in Neuhaus gilt für viele.
Er sagte: »Wenn wir in diesem Jahr demonstrieren, so waren wir uns darüber im Klaren, dass dieser Tag der Kampftag gegen die Pariser Verträge24 und die Kriegsvorbereitungen in Westdeutschland war. Wir werden es den Kriegstreibern beweisen, dass wir bereit sind, unsere Heimat und unsere Errungenschaften zu verteidigen.«
Die Passanten waren in vielen Städten von dem gut disziplinierten Auftreten der Mitglieder der Kampfgruppen sowie der Kameraden der GST.
Zum Beispiel sagte ein Arbeiter aus Suhl: »Ich hätte nicht geglaubt, dass überall in den Betrieben so starke Kampfgruppen bestehen.«
Negative Äußerungen wurden nur vereinzelt festgestellt.
Zum Beispiel sagte eine Hausfrau in Suhl, als die Genossen des SfS vorbeimarschierten: »Jetzt kommen die Gefährlichen.«
Während des Gottesdienstes äußerte der Superintendent der evangelischen Kirche in Meiningen: »Heute reden sie vom 1. Mai als Kampftag. Früher bezeichnete man ihn als Frühlingsfest. Sie reden alle vom Frieden, im Herzen tragen sie jedoch etwas anderes.«
Feindtätigkeit:
Folgende Hetzschriften wurden sichergestellt:
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Kreis Hildburghausen ca. 4 000 – SPD-Ostbüro gegen 1. Mai
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Kreis Neuhaus Zahl noch unbekannt – KgU
Bezirk Gera:
Beteiligung | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Gera | 56 000 | 70 000 |
Pößneck | 13 000 | 19 500 |
Rudolstadt | 24 000 | 30 000 |
Saalfeld | 17 000 | 23 000 |
Die Beteiligung war im Allgemeinen schlechter als im Vorjahr. Eine Ausnahme bildet Jena, wo die Beteiligung gestiegen ist. So demonstrierten dort. ca. 28 000 gegenüber 26 000 im Vorjahr. Allerdings ist festzustellen, dass die Beteiligung einzelner Betriebe auch unterschiedlich, und damit manchmal schlechter als im Vorjahr war.
Zum Beispiel beteiligte sich der VEB Zeiß Jena mit ca. 7 000 Personen, während im Vorjahr 9 000 Beteiligte waren. Auch war die Beteiligung der Studenten im Allgemeinen gering.
In den Kreisen Stadtroda, Zeulenroda und Schleiz verließen viele Personen vorzeitig die Kundgebungen.
Zum Beispiel verließen in Stadtroda von 2 500 Teilnehmern ca. 800 vorzeitig den Platz. Schlechter war dies Verhältnis noch in den größeren Gemeinden: Blankenburg (Stadtroda) ca. 60 % (Der Kundgebungsplatz soll zu klein gewesen sind), Berga (Greiz) 50 %, Pausa (Zeulenroda) 25 %. Ursache ist vielfach organisatorischer Mangel, vor allem schlechte Lautsprecherübertragung.
Die Stimmung kann in der Bezirksstadt als gut bezeichnet werden, was auch auf die Ausschmückung zutrifft.
Besondere Vorkommnisse waren während der Demonstration und der Kundgebungen nicht zu verzeichnen.
Folgende Hetzschriften wurden sichergestellt:
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Kreise Greiz, Lobenstein und Rudolstadt ca. 4 140 des SPD-Ostbüros mit Hetze gegen LPG und KVP.
- –
Kreise Zeulenroda und Lobenstein 75 des SPD-Ostbüros mit Hetze gegen den 1. Mai.
Bezirk Rostock:
Beteiligung | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Rostock | 75 000 | [–] |
Stralsund | 54 000 | [–] |
Wismar | 30 000 | [–] |
Greifswald | 35 000 | 25 000 |
Grimmen | 4 500 – mehr als im Vorjahr | [–] |
Saßnitz/Rügen | 5 000 | [–] |
Ribnitz | 4500 – um das Doppelte erhöht | [–] |
In Wolgast verließen infolge des plötzlich einsetzenden Regens bis auf 350 Personen alle anderen den Kundgebungsplatz, d. h. es blieben nur noch Angehörige der FDJ, der GST und einige Funktionäre. In anderen östlichen Kreisen verringerte sich die Teilnehmerzahl um ca. 10 bis 20 %.
Die Beteiligung war insgesamt gesehen besser als im Vorjahr.
Die Stimmung der Bevölkerung war gut und drückte aus, dass die Bevölkerung fest hinter unserer Arbeiter-und-Bauern-Macht steht. So sind z. B. trotz der Vorkommnisse an der Greifswalder Universität25 besonders die Studenten der ABF26 und Handwerker Greifswald mit einer größeren Begeisterung als in den anderen Städten marschiert.
In Rostock wirkte sich die Geschlossenheit, Disziplin und gute Sichtwerbung günstig auf die gesamte Stimmung aus.
Als die Kampfgruppen vorbeizogen – bewaffnet – resignierte ein Teil der bürgerlichen Beobachter an den Straßenseiten.
Die Kampfgruppen waren auch der Schwerpunkt bei den Diskussionen.
Zum Beispiel sagte ein Arbeiter der Warnowwerft: »Es ist genau wie im vergangenen Jahr. Alles wird von der Partei spontan gemacht, anstatt die Kampfgruppen erst richtig auszubilden und dann marschieren zu lassen.«
Die Oberschüler in Wolgast waren nicht zufrieden, dass sie nicht alle mit Waffen marschieren konnten. Sie sagten, dass sie die Heimat verteidigen sollen, aber keine Waffen in die Hand bekommen.
Vereinzelt wurde abgelehnt, mit Waffen bei den Kampfgruppen zu demonstrieren.
Feindtätigkeit:
Im Kreis Doberan wurden in der Nacht zum 1. Mai insgesamt fünf Personen – davon vier Ärzte – telefonisch aufgefordert, die DDR zu verlassen, da ihre Festnahme bevorstünde. Anrufe erfolgten bis zu viermal bei einer Person.
Im Kreis Ribnitz wurden zwei Fahnen heruntergerissen.
In Greifswald wurden zwei Fahnenmaste mit Fahnen aus der Erde gehoben.
In Gützow, [Kreis] Greifswald, wurde eine Losung mit Hetze gegen unseren Präsidenten angeschmiert.
Folgende Hetzschriften wurden sichergestellt:
- –
Kreis Grevesmühlen ca. 1 000 – NTS
- –
Kreis Wismar 1 000 – SPD-Ostbüro – Hetze gegen 1. Mai
Bezirk Schwerin:
Beteiligung | 1955 | 1954 |
|---|---|---|
Schwerin | 80 000 | 75 000 |
Bützow | 3 000 | 5 000 |
Gadebusch | 3 500 | 4 000 |
Hagenow | 7 000 | 7 000 |
Parchim | 14 000 | 13 000 |
Perleberg | 12 000 | 6 000 |
Die Beteiligung war im Bezirksmaßstab besser als im vorigen Jahr, obwohl einige Kreisgebiete eine geringere Beteiligung aufwiesen. Aufgrund der Witterungsverhältnisse verließ ein großer Teil der Demonstranten (ca. die Hälfte) vorzeitig die Demonstrationen.
Stimmung:
In Schwerin wurde von der Bevölkerung besonders diskutiert, dass man hätte auch die KVP demonstrieren lassen sollen.
Starken Beifall erhielten die mit KK-Gewehr marschierenden Kampfgruppen.
Örtlich traten dabei aber auch organisatorische Mängel auf.
Zum Beispiel wurde im VEB Ölwerke Wittenberge die Bekleidung zu spät verteilt, sodass nicht alle Genossen einheitlich marschierten.
Feindtätigkeit:
Am 30.4.1955 wurde im Stadtgebiet Schwerin eine Person festgenommen, als sie Fahnen abriss.
Bezirk Neubrandenburg:
Beteiligung im Bezirksmaßstab
- –
1955 – 83 100
- –
1954 – 95 000
Im Gegensatz zum Vorjahr beteiligten sich ca. 5 bis 10 % weniger an den Demonstrationen.
Beteiligung in den Kreisstädten:
- –
Malchin 2 700 – infolge des Regens verließ ein Teil die Kundgebung
- –
Prenzlau 8 700 – an der Demonstration beteiligten sich nur 6 500 Personen
Die Stimmung wird im Allgemeinen als gut bezeichnet. Größere Störungen der Maifeierlichkeiten traten nicht auf.
Gut wurde das disziplinierte Verhalten der Kampfgruppen aufgenommen. In Verschiedenen Sprechchören wurde zum Ausdruck gebracht, dass man bereit ist, die Errungenschaften der DDR mit der Waffe in der Hand zu verteidigen.
Feindtätigkeit:
In Wesenberg, [Kreis] Neustrelitz, wurde ein Hakenkreuz in eine Haustür geschnitzt.
In Torgelow, [Kreis] Ueckermünde, wurden in der Nacht zum 1.5.[1955] zwei Fahnen, die an der HO-Gaststätte angebracht waren, entwendet.
In der gleichen Gemeinde fuhr ein Lkw des VEG den Pkw des Referenten an.
In Friedland, [Kreis] Neubrandenburg, setzte während der Kundgebung plötzlich die Lautsprecheranlage aus und konnte bisher noch nicht wieder in Gang gebracht werden.
In den Kreisen Demmin, Malchin, Strasburg wurden vereinzelt Flugblätter des SPD-Ostbüros gefunden.
Groß-Berlin:
An der Demonstration nahmen insgesamt ca. 224 000 Personen teil.
Die Zahl der Kampfgruppen betrug 15 584.
Die Gesamtzahl schlüsselt sich auf die einzelnen Stadtbezirke wie folgt auf:
[–] | 1055 | 1954 | Marx-Engels-Platz |
|---|---|---|---|
Mitte | 74 000 | 84 450 | 64 700 |
Prenzlauer Berg | 21 100 | 16 100 | 11 700 |
Weißensee | 12 500 | 9 500 | 8 700 |
Pankow | 13 500 | 8 500 | 9 800 |
Friedrichshain | 21 400 | 25 500 | 17 000 |
Lichtenberg | 19 000 | 18 000 | 17 600 |
Treptow | 22 000 | 19 200 | 10 000 |
Köpenick | 23 450 | 20 000 | 16 700 |
Die Beteiligung der Betriebsangehörigen in den einzelnen Bezirken ist mitunter sehr unterschiedlich und vereinzelt sehr schlecht.
Zum Beispiel beteiligten sich im VEB Herrenmode (Prenzlauer Berg) nur 25 %, VEG Stern-Fleischwaren (Weißensee) nur ein Drittel der Belegschaft und während einer kurzen Stockung verließen noch ein beträchtlicher Teil den Demonstrationszug, VEB Herrenbekleidung (Lichtenberg) von 2 700 Belegschaftsmitgliedern nur 580, VEB RFT (Friedrichshain) von 15 000 Belegschaftsmitgliedern nur 450 und im VEB J. W. Stalin nur 40 % der Belegschaft.
Die Beteiligung der Mitglieder der Volksbühne war besser als im Vorjahr. Das trifft auch auf die Angehörigen des Metropoltheater zu. Wesentlich dabei ist, dass ein großer Teil der in Westberlin wohnenden Künstler ebenfalls mit demonstrierte.
Von verschiedenen Mitgliedern der Volksbühne wurde die Frage gestellt, weshalb der Intendant Genosse Wisten27 nicht an der Demonstration teilnahm. Sie stellten dabei fest, dass er sich auch an anderen Demonstrationen beteiligte.
Die Stimmung der Demonstranten sowie der Passanten war im Allgemeinen gut.
Negative Äußerungen wurden nur ganz vereinzelt festgestellt.
So sagte z. B. ein Ingenieur von der Bezirksdirektion für Post- und Fernmeldewesen beim Vorbeimarsch der Kampfgruppen: »Zackig, genau wie früher.« Ansonsten wurde der Vorbeimarsch der Kampfgruppen gut aufgenommen. Die Mitglieder der Kampfgruppen traten überall gut diszipliniert in Erscheinung.
Die Mitglieder der GST-Kreisleitung Mitte hatten sich um 6.00 Uhr auf ihrem Stellplatz in Karlshorst eingefunden. Von den vorgesehenen 1 100 Mitgliedern fehlten 100, davon allein 80 Mitglieder der Gruppe Humboldt-Universität. Die Stimmung war unter den GST-Mitgliedern im Allgemeinen gut.
Organisatorische Mängel traten in den Stadtbezirken nur vereinzelt in Erscheinung, sodass keine starke Fluktuation – bis auf einige Ausnahmen – in Erscheinung traten.
Zum Beispiel kam es im Bezirk Friedrichshain bei der zweiten Marschsäule zu einer Stockung. Daraufhin verließ ein großer Teil der Demonstranten vorzeitig den Zug.
Im Bezirk Treptow stockten die ersten Marschblöcke, sodass die letzten ein bis eineinhalb Stunden später als vorgesehen von den Stellplätzen abmarschierten. Dies hatte zur Folge, dass etwa 30 bis 40 % der Teilnehmer den Stellplatz verließen.
Im Demonstrationszug der Kollegen der Bezirksdirektion für Post- und Fernmeldewesen trat ebenfalls eine Stockung von etwa zwei Stunden ein. Dies wirkte sich negativ auf die Marschdisziplin aus und viele verließen den Demonstrationszug.
Feindtätigkeit:
In den Vormittagsstunden des 1. Mai wurden mittels Ballon Flugblätter, vorwiegend von der SPD in den demokratischen Sektor eingeschleust. Es handelt sich vorwiegend um das Flugblatt »Der Tag der Freiheit wird kommen« (Zahlen noch nicht bekannt.)
Anlage vom 1. Mai 1955 zum Informationsdienst [Information M 3/55]
Organisierte Feindtätigkeit
In der Zeit vor28 dem 1. Mai 1955 wurden folgende Hetzschriften sichergestellt:
SPD-Ostbüro:29
- –
Magdeburg: Kreis Haldensleben 12 000, Kreis Wolmirstedt 1 000, in den Kreisen Stendal, Gardelegen, Zerbst 12 550;
- –
Suhl: Kreis Bad-Salzungen 4 000;
- –
Potsdam: Kreis Königs Wusterhausen 100, Kreis Gransee 50;
- –
Dresden einige;
- –
Gera: Kreis Greiz 1 600;
- –
Schwerin: Kreis Hagenow 17 000 (In der Zeit vom 27. bis 29.4.1955 sichergestellt);
- –
Berlin-Buchholz 50;
- –
Karl-Marx-Stadt: in den Kreisen Zwickau und Stollberg 190, Kreis Auerbach 75.30
NTS:31
- –
Magdeburg: Kreis Stendal 5 000 (1 650), Kreis Oschersleben 3 500, Haldensleben 5 000;
- –
Suhl: Kreis Bad-Salzungen 10 000;
- –
Dresden 80;
- –
Berlin 1 500: Berlin-Buch 2 000;
- –
Leipzig 300;
- –
Karl-Marx-Stadt in den Kreisen Zwickau, Hainichen und Stollberg 167.32
»Freie Junge Welt«:33
- –
Magdeburg: Kreis Schönebeck 2 000, Tangerhütte 400.34
KgU:35
- –
Halle: Kreis Sangerhausen 25 000, Kreis Quedlinburg 10 000, Kreis Hettstedt 50 000, Kreis Köthen 2 000, Kreis Gräfenhainichen 275;
- –
Dresden und Suhl einige;
- –
Cottbus 1 000 (Hetze gegen KVP-Werbung).36
Ostbüro des DGB:37
- –
Halle: Kreis Bitterfeld 8 000, Kreis Bernburg 1 000;
- –
Suhl: Kreis Schmalkalden 3 000.38
Unbekannter Herkunft:
- –
Potsdam: Kreis Zossen 6 000 (»Offene Worte«), Kreis Zossen 4 000 (»Merkblatt für die Bewohner der Sowjetzone«),39 Kreis Zossen 2 000 »Welt der Zeit«;40
- –
Berlin-Treptower Park 3 000, Berlin 6 000 (Hetze gegen KVP);
- –
Karl-Marx-Stadt: Kreis Reichenbach 1 850 (»Sie werden ihr Ziel in Deutschland nie erreichen.«41).42
»Gefälschte Wochenpost«:
- –
Berlin 550.
Am 29.4.1955 wurden am Schlesischen Tor [Berlin] von zwei männlichen Personen Hetzschriften aus »Aufbruch«43 und Nachrichten aus der »Neuen Welt«44 an Straßenpassanten verteilt.
In Kaulsdorf an der Bushaltestelle Chemnitzer Straße wurden Hetzschriften mit Reißzwecken an Bäume gesteckt.
Am 30.4.1955, gegen 23.00 Uhr, wurden in einem S-Bahnzug auf dem Bahnhof Schönhauser Allee Hetzschriften festgestellt. Circa 600 Stück konnten entfernt werden. Der Rest wurde auf dem Bahnhof Treptower Park entfernt.
Die Hetzschriften beinhalten neben Hetze gegen die KVP-Werbung45 Hetzte gegen den 1. Mai 1955.
In den Flugblättern zum 1. Mai 1955 wird zum Kampf gegen unsere Arbeiter und Bauernmacht aufgefordert.