Zur Beurteilung der Situation in der DDR
30. April 1955
Informationsdienst Nr. 2445 zur Beurteilung der Situation in der DDR
Zur Lage in Industrie und Verkehr
Im Vordergrund stehen in den Industrie- und Verkehrsbetrieben jetzt die Vorbereitungen zum 1. Mai. Vom überwiegenden Teil der Werktätigen wird alles getan, um den internationalen Kampftag der Arbeiterklasse würdig und der gegenwärtigen Situation entsprechend zu begehen. So gibt es eine ganze Reihe von Verpflichtungen, die einmal in ökonomischer Hinsicht auf die wirtschaftliche Stärkung unserer Republik abzielen und in politischer Hinsicht beinhalten die Verpflichtungen Beiträge zur Stärkung der Verteidigungsmaßnahmen.1
So verpflichtete sich z. B. im VEB Simson-Werk in Suhl 30 Kollegen der Kampfgruppe2 und 80 Kollegen der GST, beizutreten. Darüber hinaus wurde in diesem Betrieb eine gute Ausgestaltung der Arbeitsplätze vorgenommen.
Im Leuna-Werk »Walter Ulbricht« beinhalten die Verpflichtungen über eine Million Einsparungen.
Auch meldeten sich zu Ehren des 1. Mai vier Jugendliche aus einer Brigade des Baues 219a des Leuna-Werkes freiwillig zur KVP.
Eine vorbildliche Ausgestaltung der Arbeitsplätze wurde in der Zentralwerkstatt (Wismut)3 – Freital – durchgeführt. Das Material stellten die Kollegen aus eigenen Mitteln zur Verfügung und führten die Ausschmückung außerhalb der Arbeitszeit durch. Unter anderem wurde das Betriebsgelände von ca. 1 000 qm renoviert. Insgesamt konnte der Betrieb dadurch 10 000 DM einsparen.
In den Diskussionen wird vielfach zum Ausdruck gebracht, dass die Arbeiter am 1. Mai durch ihre Geschlossenheit, ihre Kraft und Stärke dokumentieren müssen, um den Kriegstreibern zu beweisen, dass sie hinter unserer Arbeiter-und-Bauern-Macht stehen.
Die Einstellung eines parteilosen Arbeiters aus einem Werk im Geiseltal des Bezirkes Halle gilt für viele. Er sagte: »Zum 1. Mai müssen alle Kumpel auf die Straße, um die Macht der Arbeiter bei uns in der DDR zu zeigen. Wir wollen durch gut organisierte Demonstrationen beweisen, dass wir auch bereit sind, unseren Arbeiterstaat zu verteidigen. Ich bin auf jeden Fall mit dabei. Am meisten freut mich der Aufmarsch der Kampfgruppen.«
Viele Gespräche über den 1. Mai wurden in Verbindung mit den Verteidigungsmaßnahmen geführt. Von dem klassenbewussten und fortschrittlichen Teil der Werktätigen wird die Bedeutung der Beteiligung der Kampfgruppen an den Demonstrationen erkannt und begrüßt. Sie sind mit der Losung »Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat« einverstanden.4
Dementgegen gibt es aber eine ganze Reihe von Kollegen, die zum Ausdruck bringen, dass sie sich nicht an den Demonstrationen beteiligen werden, weil der 1. Mai auf einen Sonntag fällt und sie diesen Tag nicht bezahlt bekommen; oder die sich gegen die Beteiligung der Kampfgruppen den Demonstrationen oder gegen das Waffentragen aussprechen. Auch gibt es in diesem Zusammenhang Diskussionen über das Mai-Plakat, weil darauf ein Arbeiter mit einer Waffe dargestellt ist.5 Dabei treten vor allem pazifistische Tendenzen in Erscheinung, indem es heißt:
»Erst sollte niemand mehr eine Waffe in die Hand nehmen und jetzt ist es sogar schon so weit, dass am 1. Mai mit dem Gewehr marschiert werden soll.« Von einem Teil wird zum Ausdruck gebracht, dass sie auf keinen Fall »in der Kleidung der Kampfgruppe mit einem Gewehr in der Hand marschieren werden«.
Zum Beispiel im Stahlbau Niesky von den GST-Mitgliedern zum Ausdruck gebracht, dass sie am 1. Mai nicht mit dem KK-Gewehr marschieren werden.
Ähnliche Diskussionen werden auch im VEB Geologische Bohrungen Gommern, [Kreis] Burg, [Bezirk] Magdeburg, und im VEB »Greika« in Greiz,6 [Bezirk] Gera, geführt.
Zum anderen entstehen negative Diskussionen über den 1. Mai aufgrund von Veränderungen über Mängel und Schwierigkeiten betrieblicher und persönlicher Art.
So ist z. B. die Stimmung unter einem Teil der Kollegen in der Mathias-Thesen-Werft nicht besonders gut. Es werden u. a. sehr wenig Mai-Plakate gekauft, was die Arbeiter damit begründen, dass sie ihr Geld zusammennehmen müssten, da sie nicht wüssten, wann sie wieder Arbeit haben. Dies trifft besonders auf die Arbeiter in der Helling zu. Dort werden schon seit einiger Zeit Wartestunden geschrieben.
In Zeulenroda, [Bezirk] Gera, ist der Berufsverkehr sehr mangelhaft, da es an Beförderungsmitteln fehlt. Vor Kurzem wurden die Omnibusbesitzer wegen ständiger Überfüllung der Wagen von der VP bestraft. Daraufhin nehmen diese nur noch die zugelassene Personenzahl mit, was bedeutet, dass viele Arbeiter nicht mehr an ihren Arbeitsplatz befördert werden können. Dies löste heftige Diskussionen aus und es wird vielfach geäußert, dass sie sich am 1. Mai nicht an der Demonstration beteiligen wollen. Zum Beispiel sagte ein Arbeiter:
»Die VP weiß genau, dass die Verkehrsmittel schon Jahr und Tag überfüllt sind und jetzt auf einmal wird eingegriffen. Es wird nicht gefragt, ob die Leute zur Arbeit kommen. Scheinbar macht man das wegen dem 1. Mai, damit uns die Lust am Demonstrieren vergeht.«
Vereinzelt kommt es auch zu negativen Diskussionen über die Prämien anlässlich des 1. Mai. Verschiedentlich wird die Tendenz vertreten, dass die Prämien gleichmäßig verteilt werden sollten.
Das wird damit begründet, dass alle an den Produktionsleistungen beteiligt sind.
Bei einer Aufklärung seitens der BGL im Mähdrescherwerk Weimar z. B. äußerte ein Arbeiter: »Ihr wollt doch nur, dass alle noch mehr und schlimmer ausgebeutet werden als bisher.«
Wie feindliche Elemente versuchen, Stimmung zu machen und gegen den 1. Mai zu argumentieren, zeigt sich in folgendem. In diesem Zusammenhang kommt es auch zu Äußerungen über einen 17. Juni.7
So sagte z. B. ein Arbeiter aus dem VEB »Heinrich Rau« Wildau, [Bezirk] Potsdam: »Wir sind in der DDR sowieso bald Pleite und am 1. Mai werden wir es ja bei der Demonstration erleben, dass die Demonstration nach Westberlin, Ausmaße eines 17. Juni annehmen wird.«
Auf der Vabusbaustelle8 in Strausberg versuchen feindliche Elemente die Bauarbeiter zu beeinflussen, die Demonstration in Westberlin am Funkturm9 mitzumachen. So äußerte z. B. ein Bauarbeiter: »Ich fahre nach Westberlin und mache dort die Demonstration mit. Ich würde mich auch an einem zweiten 17. Juni beteiligen.«
Ein Zimmermann von der Bau-Union Frankfurt/Oder erklärte: »Bei uns in der DDR ist doch am 1. Mai nichts los. Die können mit hier nichts bieten. Ich fahre lieber nach Westberlin ins Kino und sehe mir einen anständigen Film an.«
Im Grubenbetrieb des BKW »Franz Mehring« Senftenberg, [Bezirk] Cottbus, treten Diskussionen auf wie z. B.: »Wenn am 1. Mai Waffen ausgegeben werden, kann es zu einem zweiten 17. Juni kommen«.
Im Wismut-Schacht 31 – Johanngeorgenstadt – wurde am 25.4.[1955] auf der 120er-Sohle ein handgeschriebenes Flugblatt, welches gegen den 1. Mai gerichtet war, angezweckt. Es enthält zwölf Losungen, die politische und wirtschaftliche Forderungen darstellen und am Schluss stand der Text: »Kumpel, darum marschiert nicht am 1. Mai! Zeigt aber durch einen zweiten 17. Juni, dass ihr Deutsche seid. Kumpel, ihr seid doch der gleichen Meinung.«
In den Chemischen Werken Merseburg,10 [Bezirk] Halle, wurden folgende feindliche Losungen in der Toilette festgestellt: »Kameraden, euere Haltung ist gut. Russenaufrüstung möglichst hemmen. Unser 1. Mai wird am 17.6. gefeiert.«
In der Schuhfabrik Storkow, [Bezirk] Neubrandenburg, wurde in der Nacht zum 26.4.[1955] eine Mailosung entfernt und in die Männertoilette abgestellt.
Im VEB Feintuch- und Kleiderstoffwerke in Reichenbach, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wurde auf ein Mai-Plakat die Hetzlosung angeschmiert: »Ohne uns und ohne Gewehr!«
Im Brandenburger Transformatorenwerk Potsdam wurde ein Maiplakat mit einer grünen Farbe überstrichen, sodass die Maschinenpistole nicht mehr zu erkennen ist.
Am 26.4.1955 erhielten das Kunstfaserwerk »Wilhelm Pieck« in Rudolstadt und der VEB Zeiss/Jena je ein handschriftliches Schreiben mit der Unterschrift: »Mai-Komitee des Werkes 1955.« Das Schreiben enthält Hetze gegen den 1. Mai, gegen die SED und ihre Funktionäre.
Neben den Diskussionen über den 1. Mai wird weiterhin über die Verteidigungsmaßnahmen gesprochen. Wenn auch in einigen Betrieben Fortschritte in der KVP-Werbung, sowie in der Stärkung der Kampfgruppen zu verzeichnen sind, so bleibt doch noch immer viel zu tun, um die pazifistischen Tendenzen sowie die mangelnde Bereitschaft zur Verteidigung unserer Errungenschaften zu beseitigen.
Über andere politische aktuelle Probleme werden nur im geringen Maße Gespräche geführt, die fast ausschließlich positiv verlaufen.
Größeres Interesse besteht für betriebliche Belange und es werden aus diesem Grunde immer wieder Diskussionen über Materialschwierigkeiten, schlechte Arbeitsorganisationen und über die sich daraus ergebenden Wartestunden geführt.
So diskutieren z. B. die Kollegen in der Schiffswerft »Edgar André« in Magdeburg wenig über politische Tagesfragen, aber viel über Materialfragen. Dies trifft auch auf die Kollegen in der Schiffswerft Rothensee, [Bezirk] Magdeburg, zu. Dort wird u. a. diskutiert, dass die Materialschwierigkeiten wahrscheinlich bewusst hervorgerufen werden.
Auch führt man in diesem Zusammenhang Gespräche über den 17. Juni.
So sagten z. B. zwei Kollegen aus der Rohrlegerei des letztgenannten Betriebes: »Wenn es so weitergeht, liegt ein Tag wie der 17. Juni nicht mehr fern.«
Des Weiteren kommen Klagen über Materialschwierigkeiten – die meist darin bestehen, dass die Zulieferbetriebe nicht termingemäß liefern oder die Importlieferungen nicht rechtzeitig eintreffen – aus dem VEB Sachsenwerk Radeberg (Kugellager), VEB Flachsspinnereien Hirschfelde, [Bezirk] Dresden, (Rohstoffmangel), VEB Kabelwerk Köpenick/Berlin (Kupfer) und VEB Kettenfabrik in Barchfeld, [Bezirk] Suhl, können 33 t Draht aus Westdeutschland wegen falscher Abmessungen nicht verwendet werden. Dieses Material benötigt der Betrieb für das I. Quartal. Die Auswirkung des Nichtverwendens bestehen darin, dass in der gesamten Fahrradindustrie der DDR eine Stockung eintreten kann.
Aufgrund des Rohstoffmangels in dem VEB Flachsspinnereien Hirschfelde ist die Betriebsleitung und Partei zu dem Entschluss gekommen, den Betrieb am 28.4.1955 stillzulegen. Diese Maßnahme wurde mit dem Verantwortlichen der Hauptverwaltung und des zuständigen Ministeriums abgesprochen.
In einigen Betrieben ist die Produktionskapazität nicht voll ausgelastet, wie z. B. im VEB Berufsmesserfabrik in Neustadt,11 [Bezirk] Dresden, im VEB Werk für Fernmeldewesens Berlin, (hat in diesem Betrieb zur Folge, dass im II. Quartal etwas 600 Arbeitskräfte freigestellt werden müssen), im VEB Bergmann Borsig Berlin (Kesselbau ist wegen Auftragsmangel nur zu 30 % ausgelastet), im VEB Schaltgerätewerk Bad Muskau, [Bezirk] Cottbus, und im VEB Polysius Dessau,12 [Bezirk] Halle.
Produktionsstörungen
Am 25.4.1955, gegen 11.30 Uhr erfolgte im Kraftwerk des VEB Kombinat Espenhain, [Kreis] Borna, eine Explosion am Umspannregler 1. Schaden: ca. 10 000 bis 20 000 DM, Produktionsausfall: ca. eine Mio. KW.
Am gleichen Tage, gegen 22.00 Uhr, wurde die Produktion wieder in voller Höhe aufgenommen.
Im gleichen Kraftwerk entstand durch eine Explosion eine Störung an der Turbine II, zu deren Behebung die Demontage des Generators erforderlich ist. Das bedeutet, dass in der Leistung des Kraftwerkes ein weiterer Ausfall von 40 KW entsteht.
Am 24.4.1955, 22.30 Uhr, fiel im VEB Fettchemie und Fewa-Werke Karl-Marx-Stadt der Babcock-Kessel13 aus. Ermittlung ergab: natürliche Ursache. Es mussten ⅔ der Produktion stillgelegt werden. Voraussichtlich wird der Kessel am 27.4.[1955] wieder in Betrieb genommen.
Am 27.4.[1955] zerbrach im VEB Steinkohlenwerk »Karl Liebknecht« in Oelsnitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, das große Zahnrad der Greiferscheibe. Dieses Zahnrad betätigt die Kettenbahn, die die aus der Grube kommenden Hunte14 zur Halde befördert. Das Zahnrad hat einen Durchmesser von ca. 1,60 m und war direkt in zwei Teile gespalten.
Am 26.4.[1955] sowie bereits 14 Tage vorher wurde im gleichen Werk in ein Öllager der Kettenbahn Viehsalz gestreut. Ein Produktionsausfall entstand nicht.
Auf der Strecke der 4. Sohle des Schachtes 235 – Johanngeorgenstadt wurde der Spruch: »Freundschaft mit allen Völkern, nur nicht mit der Sowjetunion« angeschmiert.
Am 23.4.1955 wurde im Revier II des Wismut-Schachtes 13 – 150 – Aue – an einem Bau folgende Schmiererei festgestellt: »Meine Ehre heißt Treue.«15 Daneben waren mehrere Zeichen der ehemaligen faschistischen Waffen-SS gemalt.
Auf dem Schacht 78 – Annaberg – Revier III wurden nachts die Ventilatoren abgeschaltet, sodass nach dem Schließen die Gase nicht abzogen. Fünf Ventilatoren wurden auf zwei Phasen angeschlossen, dadurch brannte die Sicherung beim Einstellen durch.
Im VEB Grobgarnwerk Kirschau,16 [Kreis] Bautzen, wurde in der Frauentoilette eine Hetzparole vorgefunden. In einer Klosettanlage des VEB Waltershausen, [Kreis] Gotha, wurde »schmieriges Brot17 und dünnes Bier,18 Ulbricht19 wir danken dir, dies ist der Wohlstand, welchen wir zu verteidigen haben«, geschmiert. Darunter wurde ein Totenkopf gemalt.
Am 22.4.1955 wurde auf einer Toilette der Halle 19 des VEB »Heinrich Rau« in Wildau, [Bezirk] Potsdam, ein Zettel mit folgendem Text aufgefunden: »Schwarzes Brot und dünnes Bier, Pieck20 und Grotewohl,21 wir danken dir.«
Ein Genosse aus dem VEB Bekleidungswerk Neugersdorf, [Bezirk] Dresden, erhielt ein Paket mit einem Strick und einer Trauerkarte auf der stand: »Wir vergessen dich nicht.« Dies ist bereits der zweite Fall in diesem Ort.
Vor Kurzem versuchten einige Bauarbeiter der Bau-Union Frankfurt/Oder im angetrunkenen Zustand in Strausberg eine Feierstunde zu ehren der Partei-Veteranen der SED zu stören, indem sie das Lied »Mein Schlesierland«22 sangen.
Versorgung der Bevölkerung
In den meisten Bezirken war in den letzten Tagen wieder ein verstärkter Einkauf von HO-Margarine23 zu verzeichnen, was besonders auch mit darauf zurückzuführen ist, dass gegen Ende des Monats die Lebensmittelkarten aufgebraucht sind und deshalb eine größere Nachfrage nach HO-Waren besteht.
Die Diskussionen über die neue Brotsorte halten weiterhin noch sehr stark an. In vielen Bezirken werden jetzt verstärkt Weißbrot und Brötchen gekauft, was zur Folge hat, dass das Weißmehl-Kontingent für das II. Quartal zum großen Teil schon verbraucht ist, sodass die Gefahr besteht, dass am Ende des II. Quartals wieder Schwierigkeiten in der Mehlbelieferung für die Bäckereien eintreten werden.
Unter den Einzelhändlern (Fleischern) im Kreis Genthin, [Bezirk] Neubrandenburg, gibt es Unzufriedenheit, weil die Markenversorgung mit Margarine und Fleisch in diesem Kreis bis zum 1. Mai nicht voll gesichert ist.
In der Fleischversorgung auf Marken und HO konnten für April statt 22 t nur 12 t von der VEAB bereitgestellt werden. Aufgrund dieser Lage können Würstchenbestellungen der Betriebe anlässlich des 1. Mai nicht berücksichtigt werden.
Im Bezirk Schwerin sind nicht genügend Zigaretten vorhanden, um den Bedarf der Bevölkerung voll zu decken.
Zum Beispiel reichen im Kreis Sternberg die gelieferten Mengen bei weitem nicht aus. An »Salem« wurden insgesamt 18 000 Stück geliefert, obwohl 40 000 bis 45 000 Stück benötigt werden. Dazu werden noch 20 000 Stück »Real« und »Sport« benötigt, wovon nur 5 000 Stück geliefert wurden.
An 10-Pfennig-Zigaretten wurden 60 000 Stück bei einem Bedarf von 100 000 bis 120 000 Stück geliefert.
Im staatlichen und genossenschaftlichen Handel in Dessau, [Bezirk] Halle, sind für 14 Mio. DM Überplanbestände an Textilien, Haushaltswaren, Schuhen und Spirituosen vorhanden, die nicht abgesetzt werden können. In Verbindung mit den Handelsorganen sollen die Überplanbestände jetzt durch Sonderverkäufe reduziert werden.
Die Lage in der Landwirtschaft
Über die Meinung der Landbevölkerung zum 1. Mai wurde nur wenig bekannt.
Auf der einen Seite wird der 1. Mai von der Landbevölkerung gut vorbereitet. So machten sich besonders die Arbeiter der MTS und Genossenschaftsbauern Gedanken, wie die Demonstrationen und Veranstaltungen gut vorbereitet werden können.
Auf der anderen Seite gibt es unter den Einzelbauern solche Stimmen, dass der 1. Mai der Tag des Arbeiters sei und den Bauern nichts anginge, oder Arbeiter der MTS sagen verschiedentlich, sie würden nicht demonstrieren, weil der 1. Mai auf einen Sonntag fällt und sie diesen Tag nicht bezahlt bekommen.
Wie von dem Klassengegner versucht wird, die Maikundgebung zu stören, beweist nachfolgendes Beispiel:
In der Gemeinde Finow, [Kreis] Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, will der Pfarrer am 1. Mai die Konfirmation durchführen, um die Kinder und einen größeren Teil der Einwohner von der Maidemonstration abzuhalten.
In den Bezirken ist die Frühjahrsbestellung überall dort, wo die Bedingungen dafür gegeben sind, fast beendet. Nur in überschwemmt gewesenen Gebieten und in Gebirgsgegenden kann mit der Frühjahrsaussaat noch nicht begonnen werden.
In den letzten Berichten bereits erwähnten Schwierigkeiten hinsichtlich der Saatgut- und Düngemittelbeschaffung sowie hinsichtlich des Mangels an Ersatzteilen und Treibstoff in den MTS, sind noch immer in einigen landwirtschaftlichen Betrieben und MTS vorhanden und behindern eine reibungslose Aussaat.
Zum Beispiel benötigt die MTS »8. Mai« in Zweedorf, [Kreis] Hagenow, [Bezirk] Schwerin, noch 700 dz Saatkartoffeln.
In der LPG »Heimaterde« der gleichen Gemeinde fehlen noch 610 dz Saatkartoffeln.
Bei der LPG »Friedenshöhe« Quedlinburg, [Bezirk] Halle, sind 80 % der Wintergetreidefläche ausgewintert, sodass für diese Fläche neues Saatgut beschafft werden muss. Schaden: 700 000 DM.
In folgenden landwirtschaftlichen Betrieben brach die Schweinepest aus:
In der LPG »Thomas Müntzer«24 in Mattchow, [Kreis] Bergen, [Bezirk] Rostock, mussten von 155 Schweinen 97 notgeschlachtet werden, 50 verendeten.
In der LPG Landsdorf, [Kreis] Stralsund, [Bezirk] Rostock, mussten von 319 Schweinen 286 notgeschlachtet werden, 33 verendeten.
In der LPG »Bundschuh« Großsteinberg, [Kreis] Grimma, [Bezirk] Leipzig, sind von 49 Schweinen zwei verendet, der Rest wurde notgeschlachtet.
In der Gemeinde Ziggel,25 [Kreis] Bützow, und in Bützow, [Bezirk] Schwerin, wurde bei einem Großbauern26 und einem Mittelbauern der Gesamtbestand von insgesamt 40 Schweinen notgeschlachtet.
Bei einem Großbauern in der Gemeinde Sarmstorf, [Kreis] Güstrow, [Bezirk] Schwerin, musste der Gesamtbestand von 37 Schweinen notgeschlachtet werden.
In der letzten Zeit kündigten etwa 20 Arbeiter des ÖLB27 Brüssow, [Kreis] Pasewalk, [Bezirk] Neubrandenburg. Der Grund liegt angeblich darin, dass der ÖLB in eine LPG umgewandelt wird. Die Jugendlichen, die noch auf dem ÖLB arbeiten, wollen bei der Umbildung ebenfalls den ÖLB verlassen und bei Einzelbauern arbeiten.
Im I. Quartal 1955 sind in den 31 VEG des Bezirkes Dresden insgesamt 3 227 Schweine verendet. Dies sei auf die geringe Stallkapazität für Zuchtsauen zurückzuführen. Schuld sei auch die durchgeführte Rotlaufschutzimpfung28 sowie die Futterumstellung der Tiere, die aus Privatwirtschaften in die VEG kamen.
In der LPG Gützow, [Kreis] Altentreptow, [Bezirk] Neubrandenburg, verendeten innerhalb von 14 Tagen 17 Schafe. Ursache: angeblich durch Durchfall.
Am 23.4.1955 wurde in der MTS Wittstock, [Bezirk] Potsdam, der Dieselkraftstoff durch Wasser unbrauchbar gemacht.
In der Nacht vom 22. zum 23.4.1955 wurden von einer Drillmaschine der LPG Wittstock, [Bezirk] Potsdam, von bisher unbekannten Tätern sieben Drilltüten entwendet.
Am 26.4.1955 brannte das Stroh der zum Teil schon aufgedeckten Kartoffelmieten auf dem Mietenplatz des VEG Neu Sacro, [Bezirk] Cottbus. Ursache: Vermutlich Funkenflug von der anliegenden Bahnstrecke. Schaden: ca. 600 DM, 40 Zentner Saatkartoffeln und 20 Zentner Speisekartoffeln, die nur noch als Futter verwandt [sic!] werden können.
In Krugau, [Kreis] Lübben, [Bezirk] Cottbus, brannte der Speicher des VEAB infolge Unachtsamkeit bei Schweißarbeiten an der Tür des Speichers vollkommen nieder. Schaden: ca. 250 000 DM. Es verbrannten 14 Mähbinder, fünf Spreuwagen, 17 t Kartoffeln, 20 t Roggen und mehrere Ballen Stroh für das Kinderferienlager.
Am 26.4.1955, gegen 9.30 Uhr, wurde der Bürgermeister von Gottberg, [Kreis] Neuruppin, [Bezirk] Potsdam, von einem werktätigen Bauern nach einer Auseinandersetzung über das Saatgut, wobei dem werktätigen Bauern Sabotage vorgeworfen worden war, niedergeschlagen. Der Bürgermeister ist körperbehindert. Der werktätige Bauer wurde inhaftiert.
In der Gemeinde Colbitz, [Kreis] Wolmirstedt, [Bezirk] Magdeburg, wird das Gerücht verbreitet, dass die Jugendlichen aus der Gemeinde schon Gestellungsbefehle erhalten hätten, wonach sie sich am 3.5.1955 bei der VP zu melden hätten.
In den Gemeinden Illeben und Eckardtsleben, [Kreis] Langensalza, [Bezirk] Erfurt, kursiert das Gerücht, dass einige Jahrgänge aufgrund der gespannten politischen Lage für ein Vierteljahr zur Ausbildung an Waffen eingezogen würden. Die Bauern der Gemeinden befürchteten dadurch, dass man ihnen junge Arbeitskräfte abzieht und damit eine Gefährdung der Ernte eintritt.
Einschätzung der Situation
Die Vorbereitungen zum 1. Mai sind stärker in den Vordergrund getreten, dabei zeigen sich besonders in einer Reihe Betriebe Tendenzen, die darauf schließen lassen, dass die Beteiligung am 1. Mai nicht so zahlreich sein wird als [sic!] 1954.
Zu den verschiedenen aktuellen politischen Fragen wird weiterhin vorwiegend positiv Stellung genommen, die Anteilnahme hat jedoch etwas nachgelassen.
In der Haltung zur Verteidigungsbereitschaft zeigen sich bis auf wenige Ausnahmen keine wesentlichen Veränderungen gegenüber der vorhergehenden Woche.
Die feindliche Hetze (Flugblätter, Parolen, Gerüchte usw.) hält in ähnlicher Weise wie in den Vortagen an.
Von den Hetzsendern versucht man häufig, in Verbindung mit der Normfrage, auf die Werktätigen in den Betrieben einzuwirken, um sie in Gegensatz zu Partei und Regierung zu bringen.
Anlage 1 vom 29. April 1955 zum Informationsdienst Nr. 2445
RIAS zum 1. Mai 1955
In einer Sendung des RIAS29 vom 28.4.1955, 19.10 Uhr, heißt es zum 1. Mai unter der Überschrift: »Der 1. Mai und die Arbeiter in der Zone« u. a.: »… Und da kommt man dann in Konflikt: soll man oder soll man nicht? Soll man demonstrieren oder soll man abschalten, zu Hause bleiben oder eben spazieren gehen? Ist ja immerhin der erste richtige Frühlingssonntag …«
Das ZK hat 84 Losungen für den 1. Mai ausgegeben. Aber von 40-Stunden-Woche ist da keine Rede, nicht einmal von der Einhaltung des 8-Stunden-Tages und das wäre doch eine gar nicht so unangebrachte Forderung …
Die Arbeiter wollen nicht. Und das ist in den letzten Tagen ein heißes Problem in den Betrieben geworden, eben weil der 1. Mai diesmal ein Sonntag ist. Nun soll aber nicht nur am 1. Mai marschiert werden, sondern auch am 8. Mai und der 8. Mai ist auch ein Sonntag.
Das macht die Sache noch schlimmer. So schlimm, dass die Partei schon wieder droht und einschüchtert.
In einigen Industriebezirken konnte man in den letzten Tagen bewaffnete Verbände der KVP und auch sowjetische Truppen recht auffällig durch die Straßen ziehen sehen. Vielleicht war das zufällig.
Die Arbeiter meinen, dass das kein Zufall war. Sie halten das für eine Drohung.
Es gibt Betriebe, in denen ist die Luft mit Spannung geladen. Die Funktionäre hören es manchmal knistern. Sie irren sich nicht, denn für dieses Geräusch sind sie in den letzten Jahren hellhörig geworden.
Die Partei lockt aber auch. In manchen Betrieben heißt es: »Wer an dem Mai-Aufmarsch teilnimmt, bekommt 5,00 DM. Einen gesetzlichen Anspruch, das wissen die Arbeiter natürlich, besteht nicht, denn der 1. Mai ist ja ein Sonntag und der 8. Mai auch …«
Anlage 2 vom 29. April 1955 zum Informationsdienst Nr. 2445
Westberlin
Eine geschlossene Maikundgebung, wie sie der FDGB Groß-Berlin dem DGB vorgeschlagen hat, findet bei den Diskussionen an den Zeitungsständen in Westberlin wenig Interesse. Man argumentiert, »wenn wir eine Einheit hätten, dann wäre auch nur eine Kundgebung da«.
Auf einer Versammlung der Gewerkschaft der Eisenbahner am 14.4.[1955] in Westberlin wurde bekannt gegeben, dass der Stellplatz aller Eisenbahner zum 1. Mai der Magdeburger Platz sei. Von wo es zur Kundgebung nach dem Rudolph-Wilde-Platz30 gehe. Der Vorsitzende der Versammlung fordert zum zahlreichen Erscheinen auf, da dieses Jahr der 1. Mai erstmals wieder auf Gewerkschaftsebene und »ohne Unternehmer« durchgeführt werden soll. Weiterhin sagte er, dass keine Tribüne gebaut werde, da wahrscheinlich die Teilnehmerzahl nicht groß sein würde. die zum Verkauf gebrachten Maiplaketten für 0,20 DM fanden keinen Absatz.
Seitens des DGB und des RIAS findet am 1. Mai 1955, 20 Uhr im Sportpalast31 ein großer »Bunter Abend« statt. Karten für diese Veranstaltung werden u. a. vom Ostbüro des DGB32 verteilt. Die Karte kostet für Bewohner des Demokratischen Sektors 1,00 DM (Ost).
An den Zeitungsständen wird Propaganda für eine Maiveranstaltung für Ostbewohner in der Waldbühne gemacht.
Das »Westberliner Maikomitee 1955« verbreitet unter der Losung »Der 1. Mai ist der Festtag der Arbeit« ein Flugblatt an die »Schaffenden Bürger Berlins« mit der Aufforderung, am 1. Mai, um 11.00 Uhr, zum Schöneberger Rathaus zu kommen. Auf der Rückseite des Flugblattes sind die Stellplätze für die einzelnen Bezirke, für KG und für Großbetriebe angegeben.
Ein Flugblatt des DGB-Ostbüros fordert ebenfalls zum Besuch der Maikundgebung auf. (Verteilung in Westberlin). Das Flugblatt enthält gleichzeitig die Forderungen des Aktionsprogramms des DGB.
Anlage 3 vom 29. April 1955 zum Informationsdienst Nr. 2445
Organisierte Feindtätigkeit
In der Zeit vom 26.4. bis 28.4.1955 wurden folgende Hetzschriften sichergestellt.
SPD-Ostbüro:33
- –
Rostock einige;
- –
Karl-Marx-Stadt: Kreis Auerbach 5, Kreis Annaberg 2 000;
- –
Dresden: Kreis Löbau 3 820, Kreis Kamenz 30, Kreis Bautzen 400;
- –
Schwerin: Kreis Sternberg 200;
- –
Magdeburg: Kreis Gardelegen 300;
- –
Erfurt 5 500, Kreis Eisenach, 4 500, Kreis Worbis 10 000, Kreis Arnstadt 1 500;
- –
Gera: Kreis Rudolstadt 400, Kreis Greiz 95;
- –
Halle: Kreis Gräfenhainichen 600, Kreis Artern 100;
- –
Cottbus 850;
- –
Leipzig: Kreis Oschatz 65;
- –
Suhl: Kreis Meiningen 10 100.
NTS:34
- –
Leipzig: Kreis Torgau 7 380, Kreis Grimma 1 350;
- –
Rostock 1 500;
- –
Karl-Marx-Stadt 20, Kreis Marienberg 80, Kreis Stollberg 125;
- –
Erfurt: Kreis Sondershausen 4 000, Kreis Arnstadt 2 000, Kreis Sömmerda 18;
- –
Dresden: Kreis Meißen 1 260;
- –
Potsdam: Kreis Jüterbog 100;
- –
Halle: Kreis Artern 600, Kreis Gräfenhainichen 280, Kreis Zeitz 125, Saalkreis 1 400;
- –
Suhl: Kreis Meiningen 6 000;
- –
Neubrandenburg: Kreis Röbel 2 000.
Zope:35
- –
Potsdam: Kreis Königs Wusterhausen 13 000.
»Der Tag«:36
- –
Potsdam: Kreis Königs Wusterhausen 14 000.
KgU:37
- –
Rostock einige;
- –
Potsdam: Kreis Belzig 2 000, Königs Wusterhausen 2 550;
- –
Dresden: Kreis Görlitz 35;
- –
Schwerin: Kreis Perleberg 2 000;
- –
Halle: Kreis Hettstedt 50 000, Kreis Sangerhausen 20 000, Kreis Gräfenhainichen 300, Kreis Bernburg 2 000, Saalkreis 2 800;
- –
Frankfurt: Kreis Seelow 9 000.
»Freie Junge Welt«:38
- –
Karl-Marx-Stadt 10, Kreis Hohenstein-Ernstthal 10, Kreis Rochlitz 15;
- –
Dresden: Kreis Meißen einige;
- –
Magdeburg: Kreis Gardelegen 200;
- –
Suhl: Kreis Hildburghausen einige Hundert;
- –
Erfurt 100;
- –
Halle: Kreis Nebra 50.
in tschechischer Sprache:
- –
Dresden: Kreis Meißen einige, Kreis Bischofswerda 40.
Ostbüro des DGB:39
- –
Halle: Kreis Gräfenhainichen 210, Hohenmölsen 150;
- –
Dresden: Kreis Kamenz 10;
FDP-Ostbüro:40
- –
Magdeburg: Kreis Oschersleben 80.
unbekannte Herkunft:
- –
Dresden: Kreis Bautzen 270;
- –
Potsdam 11 000, Kreis Zossen 10 000.
Der Inhalt der Hetzschriften ist größtenteils gegen die KVP gerichtet. Hetzschriften gegen die Vorbereitungen zum 1. Mai sind nur in den Bezirken Dresden und Karl-Marx-Stadt »W«41 (ca. 1 000) sichergestellt worden.
Die Hetzlosung »Schwarzes Brot, dünnes Bier,42 Grotewohl wir danken dir« tritt nur vereinzelt auf.
Antidemokratische Tätigkeit
In den Morgenstunden des 25.4.1955 wurde in einer Straße in Jena ein mit Schreibmaschine geschriebener Hetzzettel gefunden. In diesem wurde aufgefordert, keine FDGB-Beiträge mehr zu zahlen, und am 1. Mai nicht an der Demonstration teilzunehmen. Er enthielt weiter wüste Hetze gegen den Genossen Grotewohl.
In der Nacht zum 26.4.1955 wurde die Anschlagtafel der Bürgermeisterei Philadelphia, [Kreis] Beeskow, [Bezirk] Frankfurt/Oder, mit einer Hetzlosung beschmiert: »Weg mit den SED Bonzen! Die Arbeiter.«
In der Nacht zum 26.4.1955 wurden durch einen bekannten Täter in Zossen, [Bezirk] Potsdam, drei Stangen mit Fahnen, die in der Erde eingelassen waren, herausgerissen.
In Dippoldiswalde, [Bezirk] Dresden, wurde am Rahmen des Schaukastens am Kino ein Hakenkreuz mit Kreide angeschmiert.
In der Nacht zum 25.4.1955 wurde von bisher unbekannten Tätern die Tür zur Bürgermeisterei in Prützke, [Bezirk] Potsdam, zugenagelt. In der Bürgermeisterei befinden sich die Listen für die Unterschriftensammlung. Ermittlungen werden geführt.
In Penkun, [Kreis] Pasewalk, [Bezirk] Neubrandenburg, wurden im Kulturraum der Stadtverwaltung Fahnen heruntergerissen. Die Fahnen waren anlässlich der Jugendweihe43 angebracht worden. Ermittlungen werden geführt.
Am 26.4.1955 wurden in der Hans-Sailer-Straße in Erfurt verschiedene Hetzlosungen mit Kreide an die Häuser geschrieben.
In der Nacht zum 27.4.1955 wurden in der Gemeinde Gülpe, [Kreis] Rathenow, [Bezirk] Potsdam, durch unbekannte Täter Transparente, die auf den 1. Mai hinwiesen, beschäftigt. Bei einem dieser Transparente wurde der Name unseres Präsidenten mit einer schwarzen Masse verschmiert. An ein anderes Transparent wurde ein Flugblatt der KgU »An die unbekannten Widerstandskämpfer der Sowjetzone« geheftet.
Gerüchte
In Kamenz, [Bezirk] Dresden, wurde in der Eisenbahn das Gerücht verbreitet, dass die Renten für, noch in Arbeit Stehende um die Hälfte gekürzt werden sollen.
Ein Hausbesitzer aus Zinnwald, [Bezirk] Dresden, verbreitet das Gerücht, dass am 7. Mai [1955], wenn die Friedensfahrer44 bei uns über die Grenzen kommen, die Möglichkeit besteht, nach der ČSR zu gehen und »sich ein bisschen umzusehen«.
Diese Meinung ist einstimmig, auch unter den Schulkindern vorhanden.
Am 23.4.1955 wurde durch eine unbekannte Person gegen 16.00 Uhr aus der S-Bahn die von Wildau in Richtung Zeuthen fuhr, ein Stein gegen die Fenster des Volkshauses Wildau geworfen. Dieser Vorfall wiederholte sich gegen 16.30 Uhr. Beim ersten Wurf wurde die Fensterscheibe getroffen, beim zweiten durchschlug der Stein die Fensterscheibe. Im Volkshaus tagte eine Vollversammlung der SED des VEB »Heinrich Rau«.45 Der gleiche Vorfall ereignete sich bereits einmal am 20.4.[1955], als gerade eine Parteiaktivtagung stattfand.