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Zur Beurteilung der Situation in der DDR

3. Mai 1955
Informationsdienst Nr. 2446 zur Beurteilung der Situation in der DDR

Zur Lage in Industrie und Verkehr

In dieser Berichtsperiode wurden die Gespräche der Werktätigen in den Industrie- und Verkehrsbetrieben von den Vorbereitungen sowie den Feierlichkeiten und Demonstrationen zum 1. Mai beherrscht. Im Allgemeinen war die Stimmung gut und die Beteiligung an den Demonstrationen war in den meisten Bezirken im Durchschnitt höher als im Vorjahr. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die negativen Anzeichen, die größtenteils in der Äußerung gipfelten, am 1. Mai nicht mit zu demonstrieren,1 weil es ein Sonntag war, und nicht bezahlt wird, keinen großen Einfluss auf die Stimmung gewann. Ausgenommen davon sind die Bezirke Potsdam und Gera, sowie einige Betriebe im Bezirk Halle und in Berlin.

Der 1. Mai stand dieses Jahr ganz im Zeichen des Kampfes gegen die Pariser Verträge2 sowie im Zeichen der Bereitschaft, unsere Errungenschaften zu verteidigen. Dokumentiert wird dies vor allem durch die Beteiligung der Kampfgruppen,3 die bei den Demonstrationen in der DDR sowie im demokratischen Sektor von Berlin bei der Bevölkerung starke Beachtung fanden. Wenn auch vorher vielfach von den Mitgliedern der Kampfgruppen geäußert wurde, dass sie nicht mit demonstrieren würden, so war doch zu verzeichnen, dass nur wenig Fälle von einer geringen Beteiligung bekannt wurden.

Verschiedentlich gaben die Prämienverteilung sowie Aktivistenauszeichnungen4 in den Betrieben auch in diesem Jahr Anlass zu Unzufriedenheit bzw. Missstimmung.

Im Nähmaschinenwerk Wittenberge, [Kreis] Perleberg, [Bezirk] Schwerin, wurde folgende Ansicht zur Auszeichnung der Aktivisten vertreten: »Nach den erforderlichen Punkten werden nicht die besten Produktionsarbeiter, sondern Parteimitglieder ausgezeichnet. Ferner sind es ein und dieselben, die die Auszeichnung erhalten.«

Einige Kollegen des Bahnhofes Jüterbog sind mit den Prämienzahlungen nicht einverstanden. Sie wenden sich dagegen, dass der Dienstvorsteher 200 DM bekam und die »kleineren Arbeiter« nur 50,00 DM und noch weniger. Außerdem wurde beanstandet, dass das Büropersonal prämiert wurde und das Zugbegleitpersonal nicht.

In einem Arbeiterzug auf der Strecke Schmiedefeld – Ilmenau unterhielten sich mehrere Arbeiter über die Prämienzahlung. Dabei kam Folgendes zum Ausdruck: »Dieses Jahr werden wir schön behumst, denn der 1. Mai und der 8. Mai fallen auf einen Sonntag. Dafür können sie dann mehr Prämien auszahlen.« Dazu äußerte ein Arbeiter weiter: »Bei uns haben die Aktivisten und Bestarbeiter ihre Prämien schon erhalten. Dafür müssen sie aber auch am 1. Mai mit Karabinern marschieren.« Darauf erwiderte ein anderer: »Prämien werden bei uns nicht gezahlt, diese Gelder werden für die Wehrmacht gebraucht.«

Die Diskussionen nach dem 1. Mai lassen erkennen, dass der Kampftag der Werktätigen sowie die gegenwärtige politische Lage vielfach richtig eingeschätzt werden.

Dafür ist folgende Äußerung eines Kollegen aus dem VEB Röhrenwerk in Neuhaus, [Bezirk] Suhl, charakteristisch. Er sagte: »Der 1. Mai stand in diesem Jahr ganz im Zeichen des Kampfes gegen die Verwirklichung der Pariser Verträge sowie eines Atomkrieges. Wir müssen verstärkt für die Erhaltung des Friedens kämpfen und auch ich will dafür meine ganze Kraft einsetzen.«

Bei den Maßnahmen zur Verstärkung unserer Verteidigungsmaßnahmen,5 vor allem bei der KVP-Werbung6 sowie bei der Stärkung der Kampfgruppen, zeigen sich auf der einen Seite Fortschritte, die aber nicht darüber hinwegtäuschen dürfen, dass es trotzdem noch immer einen großen Teil gibt, der sich passiv und ablehnend verhält. Die Ursachen dafür sind immer wieder, einmal auf den Pazifismus sowie auf die im Vordergrund stehenden persönlichen Belange und in einigen Fällen auf eine schlechte Arbeit der Werbekommissionen und ungenügende Aufklärung seitens der Partei- und Massenorganisationen zurückzuführen.7

Verschiedentlich wird die Werbung entweder sehr formal oder auch diktatorisch vorgenommen.

Zum Beispiel beschäftigen sich die Funktionäre im VEB Hohlglashütte in Drebkau, [Bezirk] Cottbus, drei Tage damit, wer im Betrieb für den Beitritt zur KVP infrage kommen würde. Versäumt wurde dabei aber, eine Aufklärung zu organisieren. Zum Beispiel waren einzelne FDJ-Funktionäre der Meinung, dass man es den Jugendlichen gar nicht verdenken könnte, wenn sie nicht zur KVP gehen, »da sie ja die ersten wären, die an die Front müssten.«

Im VEB (K) Bau Cottbus wurden die Genossen der Betriebsleitung sowie die Bauleiter wegen der Mitarbeit in der Kampfgruppe angesprochen. Bei den geführten Aussprachen lehnten zehn Genossen ab, der Kampfgruppe beizutreten. Es kam dabei zu Begründungen wie z. B.: »Ich habe 1945 versprochen, nie wieder ein Gewehr anzufassen und werde das Versprechen halten bis zu meinem Tode«, oder »Ich war im Zweiten Weltkrieg kein Soldat und werde auch jetzt keiner – ich trat in die Partei ein, weil sie friedliche Zwecke verfolgt«.

Das Resultat war, dass fünf Genossen der Partei ausgeschlossen wurden und die fünf anderen erhielten Parteistrafen.

In Greifswald wurde in den Örtlichen Industriewerkstätten eine VP-Werbung durchgeführt. Dabei äußerte ein Werber gegenüber einem Arbeiter: »Du kommst nicht eher aus dem Zimmer, bis du unterschrieben hast. Du bist sonst ein Feigling und ein Feind unserer DDR.« Gegenüber einem Parteilosen wurde geäußert: »Deine ganze Arbeit als junger Funktionär (FDGB) ist völlig zwecklos, wenn du nicht zur KVP gehst.«

Bei den betrieblichen Belangen spielen immer wieder die Materialschwierigkeiten, Planänderungen, schlechte Qualitätslieferungen sowie schlecht organisierter Arbeitsablauf – letzterer besonders auf den Werften – eine Rolle. Wie sich die Werktätigen mit diesen Fragen in ihren Diskussionen befassen, zeigt folgendes Beispiel:

Ein Elektriker (parteilos) von der Peenewerft in Wolgast sagte zum Produktionsablauf auf der Werft: »Sonst schreit man immer von Verbesserung der Arbeit und Steigerung der Arbeitsproduktivität. In erster Linie muss aber die Arbeitsorganisation gut sein und nicht so, wie bei uns auf der Werft. Was einmal aufgebaut war, wird wieder abgerissen und dann wiederaufgebaut, weil man sich in der Konstruktion angeblich noch nicht klar ist. Das soll einen nicht aufregen.«

Im VEB Ölwerke Wittenberge, [Bezirk] Schwerin, fehlt es an Rohstoffen (Saaten), die aus China über Hamburg geliefert werden. Nächste Lieferung soll erst am 15.5.1955 erfolgen (3 000 t Sojabohnen). Aufgrund der Situation kommt es Mitte nächster Woche zur Stilllegung der Rohölanlagen. Bei einer telefonischen Rückfrage erhielt der Werkleiter vom zuständigen Ministerium die Antwort, dass alle anderen Ölwerke in der DDR zum Stillstand kommen, da alle Vorräte an Saaten erschöpft seien.

In der Steingutfabrik Colditz, [Bezirk] Leipzig, fehlt es an Glasurfritte (reicht nur bis zum 7.5.[1955]) und im VEB Gummiwerk Riesa mangelt es an Stahldraht. Die Auswirkungen im letztgenannten Betrieb bestehen darin, dass ab 3.5.1955 ein Teil der Belegschaft aussetzen muss.

Im VEB Peniger Maschinenfabrik, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, musste ein wichtiger Exportauftrag (Schädlingsbekämpfungsgeräte) abgestoppt werden, da die dazu gelieferte Farbe nicht den Anforderungen entspricht. Lieferbetrieb: VEB Industrielacke Leipzig.

Die Maschinenfabrik Johnsdorf, [Bezirk] Dresden, erhielt einen Auftrag von 5 000 Zerstäuberspritzen für Schädlingsbekämpfung für die SU. Am 28.4.1955 wurde dem Betrieb von dem Kirow-Werk Leipzig8 telefonisch mitgeteilt, dass der Plan auf 1 000 Stück reduziert wurde. (Der Auftrag sei annulliert worden). Der Plan über 5 000 Stück ist aber bereits restlos erfüllt. Darüber herrscht unter der Belegschaft große Unzufriedenheit und es kommt zu Diskussionen wie z. B. »Die Schuldigen müssen zur Verantwortung gezogen werden«.

Produktionsstörungen

Am 30.4.1955 entgleiste im VEB Thräna, [Kreis] Borna, [Bezirk] Leipzig, ein Kohlenwagen, wodurch es zu einer Blockierung der Fahrstrecke für die Dauer von 100 Minuten kam. Produktionsausfall von 700 t Rohkohle.

Im VEB »Otto Grotewohl« Böhlen, [Bezirk] Leipzig, wurde am 30.4.1955, in der Zeit von 11.30 Uhr bis 14.00 Uhr, die Förderbrücke wegen einer elektrischen Störung außer Betrieb gesetzt. Ausfall an Abraumförderung: 3 850 cbm = 1 617 DM. Im gleichen Betrieb musste weiterhin der Absetzer 18 für die Dauer von sechs Stunden außer Betrieb genommen werden, wodurch ein Ausfall von 1 860 cbm Abraum = 2 473 DM entstand.

In der Grube Regis – Tagebau Schleenhain, [Kreis] Borna, fielen in der Zeit vom 27. bis 29.4.[1955] drei Bagger stundenweise aus. Ursache:

  • 1.

    Schaden am Zahnrad,

  • 2.

    Schaden am Seilgehänge,

  • 3.

    Entgleisung eines Kohlenwagens veranlasste Bagger zum Stillstand.

Durch unsachgemäße Behandlung wurde am 1.5.1955, gegen 4.25 Uhr, im Förderschacht 124 – Sohle 78 – des Schachtes 1 in Johanngeorgenstadt die Masseförderanlage zerfahren. Schaden: »Förderausfall ca. 14 Tage.«

Am 2.5.1955, gegen 3.00 Uhr, brach im Sägewerk Rheinsberg, [Kreis] Neuruppin, [Bezirk] Potsdam, ein Brand aus. Schaden: ca. 3 500 DM. Ursache noch nicht bekannt.

Am gleichen Tag, gegen 1.45 Uhr, brannte es im VEB Ölwerk Riesa. Dabei wurden ca. 1 000 qm Dach vernichtet sowie 30 bis 40 t lagernder Erdnussschrot. Ursache noch nicht bekannt.

Am 1.5.1955 wurde in der Ziegelei Krahnepuhl, [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, von unbekannten Tätern eine Handpumpe unbrauchbar gemacht, indem die Staufferbüchse gelöst wurde.

In der Berichtsperiode kam es in folgenden VEB zu antidemokratischen Schmierereien:

  • Stahlwerk Gröditz, [Bezirk] Dresden, (Hetzlosung),

  • VEB »Clara Zetkin« Langensalza, [Bezirk] Erfurt, (Hakenkreuze),

  • VEB Bleichert Leipzig9 (Hetzlosung gegen den 1. Mai),

  • VEB Zeiß Jena (Hetzlosung),

  • VEB Dampfkesselbau Meerane, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, (Hakenkreuz und Hetzparole),

  • »Ernst-Thälmann-Werk« Magdeburg10 (Hetzlosung).

Versorgung der Bevölkerung

Hinsichtlich der Versorgung der Bevölkerung traten in den letzten Tagen keine wesentlichen Schwierigkeiten auf. Es besteht nach wie vor ein großer Mangel an HO-Butter,11 -Schmalz und vor allen Dingen augenblicklich in verschiedenen Bezirken an HO-Margarine,12 worüber von der Bevölkerung des Öfteren noch immer negative Diskussionen geführt werden.

Größeren Umfang nehmen diese Diskussionen jedoch nicht mehr an.13

Über die neue Brotsorte14 wird von der Bevölkerung ebenfalls noch weiter diskutiert. Im Allgemeinen wird die Brotsorte abgelehnt und es ist zu verzeichnen, dass in der letzten Zeit der Umsatz an Weißbrot und Brötchen überall stark angestiegen ist.

In der Kreiskonsumgenossenschaft15 Hoyerswerda, [Bezirk] Cottbus, sind 2 000 Gläser Fleischkonserven verdorben. Diese Konserven sind von Januar bis März 1955 produziert worden. Herstellerbetrieb ist der VEB Stern-Berlin-Weißensee.16

In der Konsumgenossenschaft Zerbst, [Bezirk] Magdeburg, treten Missstimmungen über die Prämienverteilung am 1. Mai auf. Es waren ca. 15 Kollegen zur Prämierung vorgeschlagen.

Am 28.4.1955 wurde in der Kreisverwaltung des Konsum eine Protestresolution verfasst mit dem Inhalt:

»Wir protestieren gegen die Prämierung. Das Geld soll für ein Betriebsvergnügen verwandt [sic!] werden, da hat jeder etwas davon.« Die Protestresolution wurde von 28 Angestellten unterschrieben.

Die Lage in der Landwirtschaft

In vielen Gemeinden wurde der 1. Mai festlich begangen.

Arbeiter der MTS und Genossenschaftsbauern trugen durch gute Vorbereitungen, Ausgestaltung und Ausschmückung des Demonstrationszuges sowie der Feierlichkeiten dazu bei, dass der Tag ein voller Erfolg wurde.

Im Gegensatz dazu gab es auch einige Gemeinden, wo der 1. Mai nicht so festlich begangen wurde und die Beteiligung an den Kundgebungen geringer als im Vorjahr war. Ebenfalls wurden bei der Ausschmückung verschiedentlich nicht die genügenden Vorbereitungen getroffen sodass es vorkam, dass, wie z. B. in der Gemeinde Rauden,17 [Kreis] Görlitz, [Bezirk] Dresden, nur ganz wenig Fahnen gehisst und die Häuser kaum geschmückt waren.

Die Ursachen der geringen Beteiligung an den Demonstrationen und Kundgebungen können im Einzelnen noch nicht festgestellt werden. Eine geringere Beteiligung wurde vorwiegend in folgenden Bezirken festgestellt: Im Bezirk Potsdam, Gera, Magdeburg und Neubrandenburg.18

Durch organisatorische Mängel kam es in einigen Gemeinden unter der Bevölkerung zu Missstimmungen.19

Wie z. B. in der Gemeinde Prachenau, [Kreis] Görlitz, [Bezirk] Dresden, wo der Maitanz wegen Nichteintreffen der Kapelle abgesagt werden musste.

In der Gemeinde Nauendorf, [Kreis] Jessen, [Bezirk] Cottbus, wurden von den Einwohnern heftige Diskussionen darüber geführt, weil in ihrem Ort keine Kundgebung stattfinden sollte und sie an der Kundgebung in der Gemeinde Annaberg, die sechs km entfernt liegt, teilnehmen sollten, obwohl die Gemeinde genügend Einwohner hat, um eine Kundgebung im eigenen Ort durchführen zu können.

Wie vom Gegner versucht wurde, die Kundgebungen und Demonstrationen zu desorganisieren, zeigt sich besonders in den Dörfern, wo eine ganze Reihe Pfarrer den Gottesdienst, Konfirmationen usw. zum gleichen Termin wie die Maifeier festlegten. Das hatte in einigen Fällen zur Folge, dass ein Teil der Landbevölkerung zur Kirche ging und nicht an der Demonstration teilnahm.

Wie z. B. in der Gemeinde Flemsdorf, [Bezirk] Frankfurt/Oder, wo der Pfarrer am 1. Mai die Vorstellung der Konfirmanden vornahm und die Landarbeiter des dortigen VEG daher nicht an der Maidemonstration in Flemsdorf teilnahmen.

Gegenwärtig befasst sich die Landbevölkerung in ihren politischen Gesprächen mit der Unterschriftensammlung. Es gibt viele Gemeinden, wo die Unterschriftensammlung bereits 100%ig abgeschlossen wurde. Bei der Abgabe ihrer Unterschriften bringen sie immer wieder zum Ausdruck, dass es darauf ankommt, den Frieden zu erhalten und dass jetzt jede Unterschrift ein Dokument des Friedenswillens des deutschen Volkes ist.

Die negativen Stimmen darüber und die Verweigerung der Unterschrift zum Wiener Appell20 treten nur vereinzelt auf und sind aus den Kreisen der Großbauern,21 Einzelbauern und vor allem aus den Kirchenkreisen.

Die Begründung der Unterschriftenverweigerung sind wirtschaftliche Benachteiligung (Sollablieferung usw.), persönliche Belange, verschiedentlich auch, dass es zwecklos sei, Unterschriften zu geben, »weil die Amis die Atombomben werfen, wenn sie wollen und wir doch nichts an der ganzen Sache ändern könnten«.

Zum Beispiel sagte ein Großbauer aus Liebstedt, [Kreis] Apolda, [Bezirk] Erfurt: »Wir Großbauern haben in diesem Staate nichts zu sagen und werden nur benachteiligt. Der Staat steht ständig hinter uns und verlangt die Abgabe der letzten landwirtschaftlichen Produkte. Ich tue meine Pflicht, aber unterschreiben werde ich nicht.«

Ein Bauer aus dem gleichen Ort: »Die Unterschriftensammlung ist doch nur eine Kinderei. Wenn die Amis die Atombombe anwenden wollen, machen sie es doch, ohne nach unserer Unterschrift zu fragen.«

Pfarrer und andere Personen aus kirchlichen Kreisen lehnen die Unterschrift unter den Wiener Appell mit der Begründung ab, dass sie noch keine Anweisung erhalten hätten, wie sie sich in dieser Frage verhalten müssten, oder sie hätten Anweisungen erhalten, sich an keiner Aktion außerhalb der Kirche zu beteiligen.

Dazu sagte z. B. ein Pfarrer aus Angermünde, [Bezirk] Frankfurt/Oder:

»Wir haben die schriftliche Anweisung erhalten, uns an keiner Aktion außerhalb der Kirche zu beteiligen. Ich muss erst, ehe ich meine Unterschrift gebe, nochmals bei meinem Kirchenrat um Erlaubnis bitten.«

Aufgrund des Futtermangels ist in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben Vieh verendet.

Zum Beispiel in der LPG Amalienhof, [Kreis] Strasburg, [Bezirk] Neubrandenburg, wo durch Futtermangel acht Färsen verendet sind.

In der LPG Blindow, [Kreis] Prenzlau, [Bezirk] Neubrandenburg, sind in den letzten vier Wochen fünf Schweine, sieben Rinder, sieben Schafe und einige Kälber verendet.

In der LPG Neuens und Kreis Strasburg sind seit Januar 71 Schafe verendet.

Die Frühjahrsbestellung kann durch Mangel an Saatkartoffeln oder durch schlechte Saatkartoffeln in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben nicht überall reibungslos durchgeführt werden. Schwierigkeiten tauchen immer wieder bei der Beschaffung mit Saatkartoffeln auf, weil viele Kartoffeln in den Mieten erfroren oder zum Teil mit Braunfäule befallen sind.

So fehlen z. B. in der Gemeinde Bugewitz, [Kreis] Anklam, [Bezirk] Neubrandenburg, noch 300 Zentner Saatkartoffeln.

Im VEG Völkershausen, [Kreis] Meiningen, [Bezirk] Suhl, fehlen noch ca. 100 dz Saatkartoffeln.

In der BHG Lauterbach, [Kreis] Putbus, [Bezirk] Rostock, fehlen noch ca. 1 500 dz Saatkartoffeln.

Das VEG Gohlis, [Kreis] Riesa, [Bezirk] Dresden, erhielt 10 270 kg Saatkartoffeln wovon 14,4 % durch Fäulnis nicht verwendet werden können.

In folgenden landwirtschaftlichen Betrieben brach die Schweinepest aus.

In der LPG Veltheim, [Kreis] Halberstadt, [Bezirk] Magdeburg, sind von 220 Schweinen 212 notgeschlachtet worden, acht verendeten.

Im Kreis Luckau, [Bezirk] Cottbus, sind insgesamt 450 Schweine notgeschlachtet worden. (Vorwiegend bei Einzelbauern.)

Brände

Am 26.4.1955 brannte die mit Rohr bedeckte Scheune der LPG in Melzow, [Kreis] Prenzlau, [Bezirk] Neubrandenburg, aus bisher ungeklärten Ursachen ab. Schaden: ca. 4 500 DM.

Am 1. Mai 1955, um 21.00 Uhr, brach in der LPG Penkun, [Kreis] Pasewalk, [Bezirk] Neubrandenburg, ein Scheunenbrand aus. Schaden: ca. 60 000 DM, Brandursache noch nicht ermittelt, vermutlich Brandstiftung.

In Jahrstedt, [Kreis] Klötze, [Bezirk] Magdeburg, brannte am 1.5.[1955] die Scheune eines werktätigen Bauern nieder. Ursache: Schulpflichtige Kinder steckten die Scheune in Brand.

Am 29.4.1955 wurden im VEG Büssen, [Kreis] Salzwedel, [Bezirk] Magdeburg, zwei Schweinehütten durch ein Kind in Brand gesteckt. Der Viehbestand wurde gerettet. Brandschaden: ca. 1 200 DM

Die LPG Marienhof, [Kreis] Neubrandenburg, erhielt am 26.4.1955 von der BHG Burg Stargard, [Bezirk] Neubrandenburg, 5 dz Rindermischfutter.

Zwei Stunden nach der Fütterung machte sich bei den Rindern eine Blähung bemerkbar. Das Mischfutter wird von dem VEB Kraftfutterwerk Falkensee, Betriebsnummer 67/192, 0410 in Originaltüten geliefert. Die Verfütterung dieses Rindermischfutters wird bis zur Klärung im Kreisgebiet untersagt.

Ereignisse von besonderer Bedeutung

In der Gemeinde Schmerzke, [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, sind 16 Personen an Ruhr erkrankt.

In Brandenburg erkrankten ebenfalls elf Personen an der Ruhr und mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Einschätzung der Situation

Trotzdem der Gegner im starken Maße versuchte, besonders die Belegschaften der Betriebe von einer Beteiligung an den Demonstrationen am 1. Mai abzuhalten und obwohl der 1. Mai ein Sonntag war, ist die Beteiligung der Werktätigen an den Kundgebungen und Demonstrationen in den meisten Bezirken durchschnittlich besser gewesen als 1954. Dies zeigt, dass der Einfluss unserer Partei und unserer Arbeiter-und-Bauern-Macht, auf die Werktätigen gewachsen ist.

Eine Ausnahme machen besonders die Bezirke Potsdam und Gera, sowie einzelne Industriegebiete im Bezirk Halle, einige ländliche Kreise im Bezirk Schwerin, Neubrandenburg und Magdeburg, außerdem noch einzelne Betriebe in Berlin und einzelne Kreise im Bezirk Leipzig.

Anlage 1 vom 3. Mai 1955 zum Informationsdienst Nr. 2446

Auswertung der Westsendungen

Im Zusammenhang mit unserer volkseigenen Industrie werden immer wieder die Fragen der Normen22 und der Wettbewerbe von den Westsendern behandelt. Neben den dabei verwandten älteren Argumenten beschäftigte man sich in den letzten Tagen mehrfach mit der Schaffung neuer Normen in der Wismut23 und schlussfolgert neuerdings daraus, dass die Schaffung neuer Normen in den übrigen Industriezweigen schwerer sein wird als bei den Wismutarbeitern.24 Ursache dazu sei, dass die Arbeit unserer Großbetriebe – genannt werden dabei Leuna, Jena25 und Oberschöneweide26 – eine »Arbeitertradition aufgewachsener Betriebsbelegschaften« hätten, und deshalb gegen neue Normen »den früheren Widerstand« fortsetzen würden.

Um die Wettbewerbsbewegung zu sabotieren, bringt RIAS27 Zahlen über angebliche Beteiligung der Arbeiter der VEB an den verschiedensten Wettbewerben, wonach nur eine ganz geringe Zahl unserer Werktätigen Wettbewerbsverpflichtungen übernommen habe und zum Schluss wird weiter gehetzt:

»… Noch hat es sich nicht überall herumgesprochen, dass die Prämienzahlungen in diesem Jahr niedriger sein werden als im Jahre 1954. Es ist deshalb anzunehmen, dass die Zahl der Wettbewerbsteilnehmer kaum noch wesentlich ansteigen kann.«

Zur Beunruhigung der Werktätigen berichtet RIAS über Urlaubskürzungen in unseren volkseigenen Betrieben. Als Beispiel nennt er die Brikettfabrik des BKW »John Schehr«,28 wo die Presser dieses Jahr, statt des ihnen zustehenden Erholungsurlaubs von 18 Tagen nur noch zwölf Tage bekämen.

Zum Schluss der Sendung heißt es zur Verallgemeinerung:

»… Der Fall sollte eine Lehre für alle Werktätigen sein, sich genau mit den sowjetzonalen Bestimmungen über den Erholungsurlaub zu beschäftigen, denn es muss befürchtet werden, dass dieser Versuch, durch Verkürzung des Urlaubs, die Bilanz eines VEB zu verbessern, kein Einzelfall bleibt.«

Die Sendungen über die Versorgungslage der DDR haben nachgelassen. Nur noch im geringen Umfang werden Meldungen über Versorgungsschwierigkeiten verbreitet, um die Bevölkerung weiterhin in Unruhe zu halten.

Zum Beispiel meldet der Sender »Freies Berlin«29 in den Nachrichten u. a.: »Die Kartoffelvorräte in der sowjetischen Besatzungszone werden noch für drei Wochen ausreichen, wenn nicht auf die Bestände der Staatsreserve zurückgegriffen werden kann.«

Auf dem Gebiet der Landwirtschaft der DDR gibt es zurzeit keine besonderen Probleme, die in den westlichen Sendungen Beachtung finden. Die immer wiederkehrende Hetze gegen MTS, LPG usw. bringt keine neuen Argumente.

Nach der 23. Tagung des ZK30 beschäftigte man sich mit einem bevorstehenden Ablieferungssoll für Geflügel31 und nimmt auch jetzt noch vereinzelt dazu Stellung. Die Zitierung der einzelnen Stufen im Ablieferungssoll stellt gleichzeitig eine erneute Hetze gegen unsere LPG dar, indem man wiederholt auf die darin sichtbar werdenden »Bevorzugungen« hinweist. Unter anderem heißt es dazu, dass die Einteilung »nicht aus Gründen der Versorgung, sondern aus politischen Gründen, zur Benachteiligung der selbstständigen Bauern« getroffen worden wäre.

Zu den Sicherungsmaßnahmen der DDR32 wird in den verschiedensten Sendungen gesprochen.

Einmal beschäftigt man sich in den Sendungen für die Jugend damit, wobei man gleichzeitig gegen die FDJ hetzt; zum anderen befassen sich einschlägige Sendungen mit der KVP, der Haltung der Studenten zu den Sicherungsmaßnahmen, mit der GST und anderen.

Besondere Erwähnungen finden immer wieder die Werbungen zur KVP, wobei man weiterhin das Argument über »freiwilligen Zwang« benutzt, wie in Folgendem zum Ausdruck kommt:

London:33 »… Der Jugendliche wird also vor die Wahl gestellt, entweder freiwillig der KVP beizutreten oder automatisch seine Arbeitsstelle zu verlieren und als ausgestoßenes SED-Mitglied eine Deplacierung zu erleiden. Er kann dann nur noch in Privatbetrieben für schlecht bezahlte Arbeit beschäftigt werden. Dass hier unter dem Anschein der Freiwilligkeit tatsächlich mit den Mitteln des äußersten Gewissenzwanges eine Wehrpflicht praktiziert wird, liegt auf der Hand.«

Mit ähnlichen Ausführungen soll auch begründet werden, warum in letzter Zeit besonders viele Jugendliche republikflüchtig geworden seien.

Zur Beeinflussung der Studenten werden immer wieder Sendungen gebracht, wonach die Studenten mit den verschiedensten Mitteln gezwungen würden, sich zur KVP zu verpflichten.

Daneben werden noch andere Maßnahmen genannt, wie z. B. Schießausbildung in der GST, neue Hausordnung für Internate und andere, womit die Studenten »gezwungen« werden sollten, die Politik unserer Regierung durchzuführen.

RIAS hetzt dazu u. a.: »… Die Verstärkung der Kontrollen, der Ausbau des Spitzelsystems und die oben genannte Verordnung machen klar, dass die Seele der Stärkung der Verteidigungsbereitschaft die Kontrolle und der Zwang sind. Nur durch die Ausdehnung des Zwangsapparates an den Hochschulen und Universitäten, an den Fachschulen und Sonderlehranstalten ist es dem Regime möglich, sein Soll an schießgewandten Studenten zu erfüllen …«

Im Zusammenhang mit den Veranstaltungen zum 1. Mai hetzt RIAS, dass die GST in Uniformen demonstrieren sollte, die früher einmal für den »Dienst für Deutschland«34 bestimmt gewesen und jetzt vollkommen von den Motten zerfressen wären. Diese Darstellung wird gleichzeitig benutzt, um Vergleiche zu ziehen und zu beweisen, dass die GST nicht von langer Dauer sei.

Wörtlich heißt es: »… Und wenn außer dem Schweiß, den die Kameraden in den Uniformen zurückgelassen haben, auch noch etwas anderes in sie übergegangen ist, etwa ihr passiver Widerstand, ihr Unwille, sinnlos teure Bauten für ein Regime auszuführen, das sie verachten, dann liegt der Schluss nicht fern, dass die GST vielleicht dasselbe Schicksal erleiden wird wie der Dienst für Deutschland. Es kriselt in der GST sowieso.«

Im Mittelpunkt der Hetze zum 1. Mai standen neben der GST vor allem unsere Kampfgruppen, wobei man Beschimpfungen gebrauchte, die schon des längeren in den Hetzschriften angeführt werden. Ziel der Hetze war die Herausstellung eines »Militarismus« in der DDR.

Zur Beunruhigung und Verhetzung der jetzt zur Entlassung kommenden KVP-Angehörigen versucht RIAS, diese mit »schlechten Aussichten« für ihren künftigen Beruf zu schrecken. Dabei hetzt er, dass die jungen Menschen teils durch Verlockungen und teils durch Drohungen von den Werkbänken zur KVP gezwungen worden wären, um jetzt vor einer ungewissen Zukunft zu stehen.

Gleichzeitig wird versucht, die angesprochenen Betriebe, die ehemaligen KVP-Angehörige einstellen sollen, gegen dieselben wie folgt aufzuhetzen.

»… Bei vielen jungen Menschen ist auch der Wille zum Lernen verloren gegangen. Sie sind nicht mehr bereit, sich einzuordnen und haben die Auffassung, nach zwei Jahren Dienstzeit haben wir unsern Parteiversorgungsschein verdient. Sie suchen Funktionen und Stellungen, bei denen sie das gleiche Geld haben wie bisher, aber sie haben nichts gelernt. Kein Betrieb will sie einstellen. Selbst die leitenden Organe der VE-Industrie sträuben sich mit dem Hinweis auf die von der Partei befohlene Rentabilitätskampagne.«35

In den o. g. und in den folgenden Hetzmeldungen versucht RIAS alle Jugendlichen gegen die KVP aufzuhetzen, indem er ihnen folgende Perspektive aufzeigt:

»… Den Jugendlichen, die jetzt entlassen wurden, bleibt nur die Fortsetzung ihres militärischen Weges, d. h. eine Tätigkeit in der GST. Sie können dort Ausbilder, Waffenwarte oder Platzmeister werden. Sie können allenfalls einige frei werdende FDJ-Funktionen besetzen, sind aber von ihren Berufswünschen und Zielen abgeschnitten. Sie müssen nun die Folgen ihrer voreiligen, oft in Unkenntnis der Dinge getroffenen Entscheidung tragen. Sie begreifen erst heute, warum ihnen abgeraten wurde, als sie vor zwei oder drei Jahren die nützliche Ausbildung gegen einen zeitweiligen materiellen Vorteil eintauschten.«

Anlage 2 vom 3. Mai 1955 zum Informationsdienst Nr. 2446

Streik in der Baumwollweberei Mittweida (Werk I)

Im VEB Baumwollweberei Mittweida – bestehend aus drei Werken – sind die Normen der einzelnen Werke unterschiedlich. Ab. 1.5.1955 sollten die unrealen Normen der Werke I und III den im Werk II bestehenden höheren Normen angepasst werden. Zur Vorbereitung wurden zwei Aktivtagungen durchgeführt. Auf der zweiten Tagung am 18.4.1955 ergab die Abstimmung über die Einführung der neuen Normen in den Werken I und III ab 1.5.1955, dass 66 Kollegen dafür und 23 Kollegen dagegen waren.

Nach der administrativen Bekanntgabe der neuen Normen am 30.4.1955 setzten unter der Belegschaft des Werkes I sofort heftige Diskussionen ein.

Von der Frühschicht wurde bis kurz vor 11.00 Uhr – bis auf einige Ausnahmen – gearbeitet, um 11.00 Uhr erfolgte der Schichtwechsel. Zu diesem Zeitpunkt hatten bereits die Säle 1, 3 und 8 die Arbeit niedergelegt. Die Arbeiter der Früh- und Mittelschicht versammelten sich auf dem Hof, sodass die zweite Schicht die Arbeit gar nicht erst aufnahm.36 Sie stellten die Forderung, die geplante Normenerhöhung rückgängig zu machen, anderenfalls wollten sie die Arbeit nicht wieder aufnehmen. Anschließend wurden im Kulturraum bis Schichtende – 16.00 Uhr – heftige Diskussionen geführt, die aber kein Ergebnis brachten.

Von der Partei- und Betriebsleitung wurde danach den Arbeitern erklärt, dass diese Angelegenheit am 2.5.[1955] in einer Belegschaftsversammlung geklärt werden sollte.

Am 2.5.1955 wurde zu Schichtbeginn von den Kollegen der Säle 1, 3 und 4 wiederum die Arbeit nicht aufgenommen. Erst nach Einschaltung der Funktionäre wurde eine halbe Stunde später weitergearbeitet.

Die Belegschaftsversammlung wurde inzwischen auf den 4.5.1955 verlegt.

Zu diesem Vorkommnis kam es vor allem, weil eine ungenügende Aufklärung über die Einführung der neuen Normen durchgeführt wurde und negative Elemente diese Lage ausnutzen konnten.

Anlage 3 vom 3. Mai 1955 zum Informationsdienst Nr. 2446

Organisierte Feindtätigkeit vom 2.5.1955

Flugblattverbreitung

SPD-Ostbüro:37

  • Potsdam: Kreis Pritzwalk 2 000, Kreis Kyritz 2 000, Kreis Brandenburg 1 000;

  • Magdeburg: Kreis Schönebeck 2 000;

  • Neubrandenburg: Kreis Waren 700, Kreis Neustrelitz 25;

  • Frankfurt: Kreis Bernau 1 000;

  • Gera in den Kreisen Eisenberg, Rudolstadt, Greiz und Lobenstein 1 300;

  • Erfurt: Kreis Mühlhausen 1 000;

  • Dresden: Kreis Kamenz 30, Kreis Niesky 25;

  • Halle: Kreis Bitterfeld 40, Kreis Köthen 2 050, Kreis Eisleben 35;

  • Karl-Marx-Stadt 100: Kreis Annaberg 25.38

»Freie Junge Welt«:39

  • Rostock: Kreis Grevesmühlen 200;

  • Gera einige.

»Welt und Zeit«:40

  • Gera 30 (Hetze gegen SU und Weltfriedenslager)

NTS:41

  • Dresden: Kreis Niesky 30.

ZOPE:42

  • Potsdam: Kreis Belzig 5 000, Kreis Kyritz 2 000.43

KgU:44

  • Halle 54: Kreis Eisleben 40 000, Kreis Aschersleben 20 000, Saalkreis 20 000, Kreis Sangerhausen 15 000;

  • Potsdam: Kreis Kyritz 2 000.45

Ostbüro des DGB:46

  • Halle 330.47

Die Hetzschriften beinhalten größtenteils Hetze gegen KVP-Werbung und Hetzte gegen 1. Mai.

In der Gemeinde Benitz, [Kreis] Bützow, wurden drei Maitransparente beschädigt und die Bekanntmachungstafel umgeworfen.

In Neustadt-Glewe, [Bezirk] Schwerin, wurden am 2.5.[1955] in der Zeit von 0.45 Uhr bis 1.00 Uhr von einem DKW der VP das rote Tuch mit der Losung »Bereit zur Arbeit und zur Verteidigung der Heimat« entfernt.

In der Nacht vom 1.5. zum 2.5.[1955] wurde das Fahnentuch der Ehrentribüne der Stadt Meißen durch 14 Schnitte von 80 cm Länge beschädigt.

In Großenhain, [Bezirk] Dresden, wurden auf einem Mai-Plakat die Augen der darauf befindlichen Personen mit Reißzwecken bedeckt.

In Dippoldiswalde wurden zwei Mai-Plakate beschädigt.

In der Gemeinde Pritzerbe, [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, und in der Gemeinde Kiekebusch, [Kreis] Königs Wusterhausen, wurde in der Nach zum 2.5.1955 je eine Fahne abgerissen.

In der Gemeinde Prieros, [Kreis] Königs Wusterhausen, wurde ein Transparent, welches quer über die Straße gespannt war, von bisher unbekannten Tätern heruntergerissen und vor die Tür des Parteisekretärs geschleppt. Ermittlungen werden geführt.

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    6. Mai 1955
    Informationsdienst Nr. 2447 zur Beurteilung der Situation in der DDR

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    2. Mai 1955
    Informationsdienst zum 1. Mai 1955 [Information M 3/55]