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Sonderinformation 8. Mai 1955

8. Mai 1955
Informationsdienst zum 8. Mai 1955 [Information M 4/55]

Magdeburg

Am Vorabend des zehnten Jahrestages der Befreiung vom Faschismus durch die siegreichen Truppen der sowjetischen Armee fanden in der Bezirksstadt sowie in allen größeren Städten der Kreise Festsitzungen und Kulturveranstaltungen statt, die allgemein gut besucht waren.

So fand z. B. in Schönebeck eine gemeinsame Festsitzung des Kreistages und der Stadtverordnetenversammlung statt, auf der 400 Personen anwesend waren. An der Festsitzung in Osterburg nahmen ebenfalls ca. 400 Personen teil und in Tangerhütte lag die Beteiligung bei 250 Personen.

An den Kranzniederlegungen am Vormittag des 8. Mai in der Bezirkshauptstadt nahmen ca. 3 000 Personen teil, was eine weit bessere Beteiligung als im Vorjahr war.

Zur Großkundgebung in Magdeburg erschienen ca. 70 000 Personen, davon allein aus dem Ernst-Thälmann-Werk1 ca. 1 200 und aus dem Karl-Marx-Werk2 ca. 1 000 Mann.

Besondere Vorkommnisse waren nicht zu verzeichnen.

Die Ausschmückung im Allgemeinen war nicht besonders gut, was besonders auf die ländlichen Gemeinden zutrifft.

Die Stimmung zum Tag der Befreiung war überwiegend positiv, was seinen Ausdruck auch in zahlreichen Verpflichtungen in der Industrie sowie auch in der Landwirtschaft findet.

Zum Beispiel wurde aus Gardelegen bekannt, dass sich anlässlich des 8. Mai 17 Jugendliche verpflichteten, zur KVP zu gehen.

Des Weiteren liegen aus dem Kreis Gardelegen 350 Selbstverpflichtungen aus Betrieben vor.

Die LPG dieses Kreises verpflichten sich, gemeinsam mit den werktätigen Einzelbauern zusätzlich 100 t Schlachtvieh und 200 Kälber sowie pro Kuh 250 kg Milch abzuliefern.

Negativ trat in Erscheinung, dass sich sämtliche auswärtig wohnenden Lehrlinge aus dem Fernmeldeamt Magdeburg weigerten, in Magdeburg zu bleiben, da sie »bereits am 1. Mai an der Demonstration teilgenommen haben«.

In der Gemeinde Siedenlangenbeck, [Kreis] Salzwedel, wollte der Bürgermeister am 8. Mai eine Feldbegehung durchführen. Auf Befragen einiger Einwohner, warum er dies gerade am Tag der Befreiung angesetzt habe, antwortete er, dass ihn dieser Tag nicht interessiere und was andere Gemeinden machen, ginge ihn erst recht nichts an.

Leipzig

Die Beteiligung an den Kranzniederlegungen hat sich im gesamten Bezirk im Vergleich zu 1954 kaum verändert.

Nur in einigen Städten z. B. in Altenburg und Döbeln hat sich die Teilnehmerzahl verringert.

Beteiligung

1055

1954

Döbeln

2 350

3 000

Altenburg

1 200

1 500

Teilnehmerzahlen an den Kundgebungen:

Beteiligung

1055

1954

Altenburg

6 000

(keine stattgefunden)

Delitzsch

3 000

3 000

Döbeln

2 500

3 000

Roßwein

1 200

800

Eilenburg

2 500

2 500

Oschatz

3 500

2 500

Leipzig

100 000

(keine stattgefunden)

Dadurch, dass in Leipzig in diesem Jahr neben der Kranzniederlegung auch eine Kundgebung durchgeführt wurde, ist natürlich die Zahl der Teilnehmer an den Feierlichkeiten wesentlich höher. In den Kreisen ist die Teilnehmerzahl nach bisherigen Meldungen im Wesentlichen unverändert.

Die Stimmung kann bei allen Veranstaltungen als gut bezeichnet werden.

Die Beflaggung und Ausschmückung der Städte ist schlechter als am 1. Mai, das trifft für den gesamten Bezirk zu. Vorwiegend sind nur öffentliche Gebäude geschmückt und beflaggt.

Feindtätigkeit oder besondere Vorkommnisse wurden nicht bekannt.

Neubrandenburg

Die Beteiligung an den Kranzniederlegungen und Demonstrationen war unterschiedlich.

Im Gegensatz zur Bezirksstadt, wo sich die Beteiligung an der Kundgebung von 2 500 Personen im Vorjahr auf ca. 5 000 erhöht hat, weisen die Kreisstädte Schwankungen auf, wobei niedrigere Zahlen als 1954 überwiegen.

Niedrige Teilnehmerzahlen gibt es in den Städten:

[Beteiligung]

1954

1955

Teterow

700

450

Templin

1 400

1 300

Demmin

4 800

3 200

Anklam

2 000

1 000

Pasewalk

2 000

1 300

Die Teilnehmerzahlen erhöhten sich in Malchin von 1 100 auf 1 400 und Röbel 1 600 (ohne Vergleichszahl, aber erhöht.)

Von den Demonstrationszügen wurden in geringem Umfang Kränze an den sowjetischen Ehrenmalen niedergelegt.

Die Stimmung war allgemein gut. Besondere Vorkommnisse wurden nicht bekannt.

In der Gemeinde Wulkenzin, [Kreis] Neubrandenburg, zeigte sich lediglich eine gegnerische Tätigkeit der Kirche am Vorabend des 8. Mai. Obgleich der Gemeinde seit dem 1. Mai bekannt war, dass am 7. Mai eine öffentliche Veranstaltung stattfindet, ließ der Pfarrer die Einwohner am 7. Mai durch Kinder verständigen, dass am Abend zur gleichen Zeit wie die Veranstaltung ein Krippenspiel stattfindet.

Die Veranstaltung fiel deshalb aus.

Suhl

Die Veranstaltungen wiesen eine höhere Beteiligung als im Vorjahr auf.

Am Vorabend des 8. Mai fand in Suhl ein Fackelzug statt, an dem sich ca. 2 000 Personen beteiligten, während im Vorjahr nur 500 Personen teilnahmen.

Über die Beteiligung an den Demonstrationen zum 8. Mai werden folgende Zahlen gemeldet:

[Beteiligung]

1955

1954

Suhl

9 000

1 400

Hildburghausen

1 000

800

Bad Salzungen

3 500

3 500

Die Stimmung wird als gut bezeichnet. Besondere Vorkommnisse traten nicht auf.

Im VEB Kettenfabrik in Barchfeld, [Kreis] Bad Salzungen, wurden auf ein Plakat, welches die Forderung »Fort mir Adenauers3 Wehrgesetz«4 enthielt, noch die Worte »Piecks5 Volkspolizei« unter den Text geschmiert.

Gera

In den Vormittagsstunden des 7.5.[1955] wurden in der Bezirkshauptstadt und in der Mehrzahl der Kreisstädte Großkundgebungen durchgeführt.

In Gera beteiligten sich ca. 20 000, in Jena 4 500, hier fiel insbesondere die starke Beteiligung der ABF- und anderer Studenten auf.

In Saalfeld nehmen 4 000 Personen an der Kundgebung teil.

Eine besonders schlechte Beteiligung zeigte sich in den Kreisstädten Lobenstein mit 350 Teilnehmern und Eisenberg mit 800 Teilnehmern, sowie Rudolstadt mit ca. 1 000 Beteiligten.

Begründet wird diese geringe Teilnahme damit, dass die Veranstaltungen nicht genügend popularisiert wurden bzw. dass sie außerhalb der Arbeitszeit fielen.

In Rudolstadt war vorgesehen, dass die Betriebe geschlossen an der Kundgebung teilnehmen sollten. Es stellte sich aber heraus, dass nur das Kunstseidenwerk mit einer Kampfgruppe6 von 75 Personen geschlossen auftrat.

In den Morgenstunden des 8.5.1955 wurden in der Bezirkshauptstadt und den Kreisstädten Kranzniederlegungen durchgeführt.

Häufig erfolgte diese Kranzniederlegung, außer am Ehrenmal der Sowjetarmee, auch an den Denkmälern der Opfer des Faschismus.

Beteiligung

1955

1954

Jena

2 500

1 500

Greiz

3 000

2 700

Schleiz

200

700

Zeulenroda

500

800

Die Stimmung ist allgemein als gut zu bezeichnen. Die Ausschmückung wird im gesamten Bezirk – im Vergleich zum 1. Mai und zum Teil auch zum vorjährigen 8. Mai – als ungenügend bzw. als schlecht bezeichnet.

Dies trifft insbesondere auf die Ausschmückung der Privathäuser und Geschäfte zu, zum Teil auch auf HO und Konsum.

Karl-Marx-Stadt

In der in Karl-Marx-Stadt durchgeführten Kranzniederlegung beteiligten sich ca. 2 000 Personen; dabei handelte es sich vorwiegend um Delegationen, die Beteiligung der Bevölkerung war sehr gering.

Die Kundgebung wird mit Sportveranstaltungen und dem Empfang der Friedensfahrer7 verbunden.

Die in den einzelnen Kreisen durchgeführten Kundgebungen, verbunden mit Kranzniederlegungen hatten eine gute Beteiligung. Allgemein haben sich die Zahlen gegenüber 1954 erhöht.

[Beteiligung]

1955

1954

Annaberg

600

800

Hohenstein-Ernstthal

1 000

2 000

Zwickau

2 500

4 500

Reichenbach

1 000

1 600

Auch bei der Kranzniederlegung innerhalb des Wismut-Gebietes8 zeigte sich eine bessere Beteiligung als im Vorjahr.

Besondere Vorkommnisse sind nicht zu verzeichnen.

Rostock

An der Kranzniederlegung in der Bezirkshauptstadt beteiligten sich ca. 10 000 und an der Kundgebung ca. 35 000 bis 40 000 Personen.

Diese Beteiligung war weit höher als im Vorjahr.

In den Kreisen lagen die Teilnehmerzahlen bei:

[Beteiligung]

1955

1954

Wismar

ca. 1 200 (Kranzniederlegung)

13 000 (Kundgebung)

3 000

(im Verhältnis zum Vorjahr besser geworden.)

Stralsund

1 200 (Kranzniederlegung)

4 000 (Kundgebung)

(Zahl des Vorjahres nicht bekannt)

6 500

Ribnitz

1 400 (Kranzniederlegung)

3 000 (Kundgebung)

(im vergangenen Jahr fand keine Kranzniederlegung statt)

[–]

Barth, [Kreis] Ribnitz

2 000 (Kranzniederlegung)

2 500 (Kundgebung)

(Teilnehmerzahl gegenüber dem Vorjahr unverändert)

[–]

Greifswald

6 000 bis 7 000

an der Kranzniederlegung sowie an der Kundgebung höher als im Vorjahr. Genaue Zahlen nicht bekannt.

Die Ausschmückung und Beflaggung war im Allgemeinen nicht so gut wie am 1. Mai. Die Stimmung kann im Durchschnitt als gut bezeichnet werden. Besondere Vorkommnisse waren nicht zu verzeichnen. Lediglich in Bergen wurden in einer Nebenstraße zehn Hakenkreuze und die Schmiererei: »Wir wollen Krieg« festgestellt.

In der Gemeinde Bandelin wurde vom BHG-Gebäude die rote Fahne abgerissen.

Potsdam

Die Beteiligung der Bevölkerung des Bezirkes Potsdam an den Demonstrationen, Kranzniederlegungen und Kundgebungen war im Verhältnis zum Vorjahr bedeutend schlechter.

Teilweise ist dies auf eine schlechte Organisation zurückzuführen. Zum anderen auch darauf, dass die Kundgebungen am Sonntag durchgeführt wurden und einige Personen äußerten, dass sie ja den Tag doch nicht bezahlt bekommen und deshalb nicht teilnehmen brauchen.

Vom VEB Wittstocker Holzindustrie, der 350 Belegschaftsmitglieder hat, erschien nur 20 zur Demonstration.

In den Städten Brandenburg und Neuruppin fanden im Jahre 1954 nur Kranzniederlegungen und Kundgebungen statt, in diesem Jahr schloss sich eine Demonstration an. Zu verzeichnen ist, dass sich in diesen beiden Städten die Teilnehmerzahl erhöht hat.

Beteiligung

1955

1954

Brandenburg

6 200

2 500

Neuruppin

3 160

2 500

Die Stimmung der Teilnehmer war im Allgemeinen gut. Nur vereinzelt wurden negative Diskussionen bekannt.

So äußerte z. B. eine Hausfrau aus Pritzwalk: »Was heißt Befreiung? Wenn wir uns erlauben ein Wort zu sagen, steht an der nächsten Haustür einer der uns festnimmt, das kann doch keine Freiheit sein!«

Ein Malermeister aus Pritzwalk äußerte: »Ja, wir sind vor zehn Jahren von allem befreit worden, darum haben wir heute auch nichts. Solange man noch Menschen hinter Schloss und Riegel setzt, kann man nicht von Freiheit sprechen.«

Die Ausgestaltung, Ausschmückung und Beflaggung war nicht schlechter als im vergangenen Jahr jedoch nicht so wie am 1. Mai.

In den einzelnen Städten hatten fast nur öffentliche Gebäude und fortschrittliche Bürger ihre Häuser geschmückt.

In den ländlichen Gemeinden war ebenfalls eine mangelnde Ausschmückung zu verzeichnen.

Feindtätigkeit

Im Hauptgebäude der Post in Zehlendorf, [Kreis] Oranienburg, wurde von einem PS-Angehörigen am 8.5.[1955] auf einem Lampenständer ein Stahlhelm vorgefunden. Auf diesem Stahlhelm war mit Kreide ein Hakenkreuz und ein SS-Abzeichen gemalt. Täter nicht bekannt.

In der Gemeinde Stolpe, [Kreis] Oranienburg, wurde von der Bekanntmachungstafel des VEG die Bekanntmachung über die Veranstaltung zum 8. Mai von bisher unbekannten Tätern entfernt.

Dresden

Beteiligung an den Kundgebungen und Kranzniederlegungen.

Beteiligung

1955

1954

Dresden

20 000

6 000

Bautzen

3 000

1 700

Bischofswerda

2 000

1 800

Freital

6 000

1 100

Görlitz

30 000

1 800

Im Allgemeinen kann gesagt werden, dass sich die Beteiligung gegenüber 1954 erhöht hat. Ausnahmen machen die Kreise Kamenz, Meißen, Niesky und Pirna.

Die Ausschmückung und Beflaggung ließ zu wünschen übrig. Meist waren nur öffentliche Institutionen geschmückt.

Die Stimmung war im Allgemeinen gut.

Feindtätigkeit

Von unbekannten Tätern wurde am »Platz der Einheit«9 in Dresden (Ehrenmal der Sowjetarmee) ca. 30 m Kabel von der Lautsprecheranlage abgeschnitten und entwendet. Eine Störung der Veranstaltung erfolgte nicht.

Halle

Die Veranstaltungen zum zehnten Jahrestag der Befreiung am 7. und 8. Mai wiesen in der Stadt Halle und den Kreisstädten im Durchschnitt eine bessere Beteiligung auf als 1954.

Zum Beispiel beteiligte sich in Halle an den Kranzniederlegungen insgesamt 4 300 Personen und an der Kundgebung 60 000 bis 70 000.

An der Kundgebung in Landsberg/Saalkreis nahmen 800, in Eisenburg 400, und in Teutschenthal 350 Personen teil.

[Beteiligung]

Kranzniederlegung

Kundgebung

Bitterfeld

1 000

4 000

Zeitz

3 000

10 000

Hettstedt

1 500 insgesamt, was eine dreifache Beteiligung gegenüber dem Vorjahr ist.

[–]

Wittenberg

2 500

8 000 bis 10 000

Quedlinburg

4 000

5 000

Bernburg

5 000

15 000

Die Stimmung war gut und zu besonderen Vorkommnissen sowie Feindtätigkeit kam es nicht.

Cottbus

Die Beteiligung an den Kundgebungen und Kranzniederlegungen in der Bezirkshauptstadt sowie in den Kreisstädten gliedert sich wie folgt auf:

[Beteiligung]

Kundgebung

Kranzniederlegung

Cottbus

8 000 bis 10 000

700 (1954 – 800)

Hoyerswerda

10 000

800 (1954 – 1 200)

Jessen

450 u. Kranzniederlegung

[–]

Spremberg

700 und Kranzniederlegung (besser als im Vorjahr)

[–]

Luckau

700

500 (1954 – 500)

Guben

3 000 und Kranzniederlegung

(1954 – 1 500)

Senftenberg

1 200 und Kranzniederlegung

(1954 – 1 500)

Die Stimmung kann als gut eingeschätzt werden.

Die Ausschmückung ließ im Allgemeinen zu wünschen übrig, bis auf die Stadt Cottbus, die gut beflaggt war, was darauf zurückzuführen ist, dass am 12. Mai [1955] die Friedensfahrer dort eintreffen.

Besondere Vorkommnisse waren nicht zu verzeichnen.

Schwerin

Beteiligung an den Kranzniederlegungen und Kundgebungen.

[Beteiligung]

1955

1954

Schwerin

60 000 Die Kundgebung zum 8. Mai war bisher die Beste.

[–]

Güstrow

10 000

Ludwigslust

3 000

3 000

Im gesamten Bezirk war die Beteiligung besser als im Jahre 1954.

Die Beflaggung und Ausschmückung kann im gesamten Bezirk als gut bezeichnet werden. In Gadebusch war die Ausschmückung besser als zum 1. Mai 1955.

Anlässlich des 8. Mai wurden uns einige Verpflichtungen bekannt:

So verpflichteten sich z. B. die Kollegen der Ziegelei Schwaan, [Kreis] Bützow, die Produktionsauflage für 1955 bis zum 30.11.1955 zu erfüllen und zusätzlich 150 000 Mauerziegeln herzustellen.

In der MTS Wolfshagen, [Kreis] Perleberg, erklärten sich 20 Traktoristen bereit, zum Tag der Befreiung eine Sonderschicht zu fahren.

Ein Jugendlicher der MTS verpflichtete sich, in die Reihen der KVP einzutreten.

Die Stimmung der Demonstrationsteilnehmer kann als äußerst gut bezeichnet werden.

Feindtätigkeit

Am 7.5.[1955] abends wurde in Hagenow – Heide eine rote Fahne abgerissen. Täter unbekannt.

An den Kreiskommandanten der sowjetischen Streitkräfte und an den 1. Sekretär der SED des Kreises Perleberg wurden Karten geschickt, mit folgendem Inhalt:

»Wenn Du wissen willst, wie die Bevölkerung über unsere Arbeit denkt, schau Dir die Beflaggung am 8. Mai 1955 an. Sie wird noch kläglicher ausfallen, wie am 1. Mai. Lass Dich bloß nicht von den zusammengetrommelten Menschen der Demonstration leiten …«

Erfurt

An dem Fackelzug am Vorabend des 8. Mai beteiligten sich ca. 6 500 Personen.

An der Kranzniederlegung am Sowjetischen Ehrenmal nahmen ca. 3 200 teil, während im Vorjahr ca. 2 800 Personen anwesend waren.

Aus den Kreisen wird eine gleiche bzw. größere Beteiligung als im Vorjahr gemeldet.

Arnstadt 1 500, Gotha 8 000, Heiligenstadt 1 300, Nordhausen 4 000, Weimar 4 500 (Kranzniederlegung 3 000).

Die Stimmung wird als gut bezeichnet, allerdings entsprach die Begeisterung nicht der vom 1. Mai.

Die Beflaggung und Ausschmückung der Häuser in Erfurt ist wie im Vorjahr, während sich in vielen Kreisen nur wenige Bewohner an der Ausschmückung beteiligten.

Besondere Vorkommnisse sind nicht zu verzeichnen.

Frankfurt/Oder

Beteiligung:

[–]

[–]

Frankfurt

6 000

4 000

Angermünde 3 000, Beeskow, 1 600, Bernau 1 500, Stalinstadt10 3 000.

Im Bezirksmaßstab ist die Beteiligung gegenüber 1954 angestiegen. Es wurden auch viele Kränze an den Ehrenmalen niedergelegt.

Die Ausschmückung und Beflaggung war nicht besonders gut. Es waren noch verschiedentlich die Losungen vom 1. Mai angebracht.

Die Stimmung unter den Teilnehmern war im Allgemeinen gut. Feindtätigkeit und besondere Vorkommnisse waren nicht zu verzeichnen.

Groß-Berlin

a) Fackelzug der FDJ am 7.5.1955:

An dem Fackelzug beteiligten sich ca. 10 400 Personen. Die Stimmung der Jugendlichen wird als gut bezeichnet, jedoch war die Disziplin nicht immer gut.

Irgendwelche Vorkommnisse wurden nicht bekannt.

b) Kranzniederlegungen:

An den Kranzniederlegungen am Ehrenmal in Treptow beteiligten sich ca. 5 000 Personen, während sich nochmal ca. 500 Personen am Eingang des Ehrenmals befanden. – Keine besonderen Vorkommnisse.

Am Ehrenmal in Schönholz hatten sich um 8.30 Uhr ca. 700 Personen zur Kranzniederlegung eingefunden. Niedergelegt wurden ca. 130 Kränze und 14 Blumensträuße. – Besondere Vorkommnisse keine.

Vor dem Ehrenmal in Berlin-Buch hatten sich ca. 100 Personen eingefunden, die ca. 25 Kränze niederlegten.

c) Kundgebung auf dem Marx-Engels-Platz:11

Beteiligung:

An den Stellplätzen versammelten sich ca. 85 000 Personen, während ca. 80 000 Personen (einschließlich 16 500 Mitglieder der Kampfgruppen) auf den Marx-Engels-Platz zur Kundgebung anwesend waren. Dazu kommen außerdem je eine Formation der VP und der GST.

Neben der bereits beim Anmarsch zu verzeichnenden Fluktuation kam es dann während der Kundgebung zu größeren Abwanderungen nach allen Seiten. Daran beteiligten sich auch eine größere Anzahl Genossen, FDJ-Mitglieder und verschiedene Personen trugen eingerollte Fahnen mit sich.

Zum Beispiel verließ die Schalmeienkapelle des Bezirkes Prenzlauer Berg unmittelbar nach der Ankunft wieder den Platz.

Bei den Sperrketten der VP, die das Abwandern verhindern wollten, kam es deswegen zu erregten Protesten.

Stimmung

Gegenüber der Demonstration am 1. Mai zeigte sich eine geringere Begeisterung, was auch dadurch zum Ausdruck kam, dass beim Anmarsch auf den Zufahrtsstraßen kaum gesungen wurde.

Während der Ansprache der einzelnen Genossen zeigte sich teilweise eine schlechte Disziplin, indem vielfach über irgendwelche Probleme diskutiert aber den Worten der Redner wenig Beachtung geschenkt wurde.

Negative Diskussionen größeren Umfangs wurden allerdings nicht bekannt.

Konkrete Stellungnahmen zum Aufmarsch der Kampfgruppen mit Waffen liegen bisher nicht vor. Aber es ist zu verzeichnen, dass sie allgemein mit Beifall begrüßt wurden und dass man ihr diszipliniertes Verhalten lobte.

Besondere Vorkommnisse wurden nicht bekannt.

Feindtätigkeit

Während der Kundgebung wurden in größerem Umfang Hetzschriften mittels Ballon oder durch Raketenabschluss verbreitet. Vorwiegend handelt es sich um solche des SPD-Ostbüros12 und der NTS,13 vereinzelt kamen sie vor dem FDP-Ostbüro.14 Die Hetzschriften wurden von den Demonstranten wenig beachtet und in den meisten Fällen an Ort und Stelle vernichtet.

Das Flugblatt des SPD-Ostbüros zum 8. Mai bringt unter der Überschrift »Vom Nazi-Terror unter das SED-Joch« Hetze gegen unsere demokratische Entwicklung, wobei mit besonders üblen Verleumdungen gegen den Genossen Walter Ulbricht15 und das SfS gehetzt wird.

Zum Beispiel heißt es u. a.: »… Das von blutiger SD- und Gestapo-Willkür gefreite Volk Mitteldeutschlands wurde vom SED-Regime unter das Joch von Wollwebers16 SSD gezwungen …«

Zum Schluss wird auf folgende Fragen Antwort gefordert: » … Wo bleibt die Selbstbestimmung der Völker? Wie lange noch will der östliche Sieger über die Nazidiktatur das Terror-Regimes der Ulbricht und Konsorten herrschen lassen? Zehn Jahre sadistisches Gewaltregime sind genug! Die Bevölkerung Mitteldeutschlands fordert: Freie Wahlen und Wiederherstellung der Einheit Deutschlands in Freiheit!«

Das Flugblatt des FDP-Ostbüros enthält sinngemäß die gleiche Hetze.

Die NTS verbreitete die Aufforderung, sowjetische Staatsangehörige für die Arbeit in der NTS zu gewinnen.

d) Westberlin

An der Kranzniederlegung am sowjetischen Ehrenmal im Tiergarten beteiligten sich mehrere hunderte Westberliner, wobei zahlreiche Kränze niedergelegt wurden. Ein Kraftfahrzeug des Zoll versuchte, die Demonstration zu stören, indem es in die Menge hineinfuhr. Das Fahrzeug wurde daraufhin von Teilnehmern umgestürzt.17

Ansonsten wird dem Tag der Befreiung vonseiten der Westberliner Bevölkerung wenig Beachtung geschenkt.

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