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Sonderverkauf

24. November 1955
Stimmung zum Sonderverkauf [Information M 26/55]

Die Stimmung der Bevölkerung zum Sonderverkauf1 ist überwiegend positiv. Besonders Arbeiter erklären, dass diese Maßnahme gerade vor dem Weihnachtsfest gut ist, weil damit noch viele Sachen gekauft werden können, die sonst nicht eingeplant waren.

Weiterhin wird auch zum Ausdruck gebracht, dass unsere Regierung damit bewiesen hat, dass sie für die Verbesserung der Lebenslage in der DDR eintritt. Große Freude herrscht auch darüber, weil diese Maßnahme gar nicht erwartet wurde, da in der letzten Zeit doch erhebliche Versorgungsschwierigkeiten auftraten.

Eine ganze Reihe Diskussionen zeigen auch, dass vor allem eine Befriedigung deshalb besteht, weil bei diesem Sonderverkauf auch gute Waren angeboten werden.

Wir groß das Interesse am Sonderverkauf ist, beweist der starke Andrang in den Geschäften. Dabei ist verschiedentlich zu verzeichnen, dass gute Ware schnell ausverkauft wird, sodass nicht jeder die gewünschte Ware erhält.

Aus diesem Grunde taucht vor allem dort, wo das der Fall ist, eine gewisse Unzufriedenheit auf.

Eine Unzufriedenheit gibt es auch da, wo gewisse organisatorische Mängel auftauchen. So wird vor allem aus den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Suhl berichtet, dass dort die Bevölkerung über die aufgrund der verschiedenen Anweisungen hervorgerufenen Störungen bzw. Unterbrechungen im Sonderverkauf verärgert ist und dies auch in ihren Diskussionen zum Ausdruck bringt. Dabei wird verschiedentlich erklärt, dass die Werbung »14 Tage Sonderverkauf« nicht richtig gewesen sei, wenn man schon im Voraus gewusst hätte, dass die Waren nicht solange reichen. Besser wäre es gewesen, wenn man nur Sonderverkauf geschrieben hätte. Zum Beispiel wird im Kreis Sonneberg, [Bezirk] Suhl, der Standpunkt vertreten, dass sich die Ausdehnung des Sonderverkaufes auf 14 Tage nicht positiv auswirken würde. Es wäre besser gewesen, wenn man gesagt hätte, es würden verschiedene Waren zu herabgesetzten Preisen im begrenzten Maße zum Verkauf gelangen. Damit hätten nicht solche Diskussionen auftauchen können, wie »der Verkauf soll 14 Tage dauern und am zweiten und dritten Tag gibt es schon den größten Teil nicht mehr«.

Einzelne negative Diskussionen beinhalten, dass mit diesem Sonderverkauf die Bevölkerung nur zum Narren gehalten würde, da diese Waren, die angeboten würden, nur Ladenhüter seien, dass der Handel nur seine alten Ladenhüter los sein wollte.

Kumpels aus dem Stahlwerk Riesa brachten z. B. über den Abbruch des Ausverkaufes zum Ausdruck, der Staat hätte den Ausverkauf gemacht, weil keine Gelder für Löhne vorhanden gewesen seien.

Jetzt seien die Gehälter beisammen, deshalb wäre der Sonderverkauf schnell abgebrochen worden.

Im Bezirk Leipzig haben in den letzten Tagen die negativen Diskussionen etwas zugenommen, weil in den Geschäften überwiegend nur noch Ware in schlechter Qualität zu erhalten ist. Damit im Zusammenhang tauchen dort wieder Diskussionen auf, wo die Lage in Westdeutschland verherrlicht wird. Dabei wird besonders betont, dass das Angebot und die Qualität der Ware in Westdeutschland viel besser sei.

Im Kreis Wittenberg, [Bezirk] Halle, fragt sich ein Teil der Bevölkerung,+ was die Regierung mit dem Sonderverkauf bezweckt. Man erwartet darauf irgendwelche Maßnahmen.

Stimmung unter dem Verkaufspersonal

Nach der Festsetzung des neuen Limits2 ist unter dem Verkaufspersonal im Allgemeinen wieder eine Beruhigung eingetreten.

Es wird in den Diskussionen erklärt, dass es besser wäre, wenn von oben gleich richtige Anweisungen kommen. Es würden damit dem Verkaufspersonal viel Arbeitszeit und Ärger erspart.

Einzelne Beispiele werden bekannt, wo trotz der Festlegung eines neuen Limits weiterhin Überplanbestände bestehen bleiben.

Es wird deshalb dort von dem Verkaufspersonal erklärt, man sollte noch weitere Mengen zum Verkauf bringen, um die Überplanbestände zu beseitigen.

So wurden z. B. der Überplanbestände im Einzelhandel des Bezirkes Magdeburg, vor allem im Kreis Kalbe/Milde, noch als erheblich gemeldet.

In Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl, wurde ein Limit von 300 000 DM gewährt.

Es wird jedoch ein Limit von 500 000 DM benötigt, um die noch vorhandenen Überplanbestände zu beseitigen.

Im Großhandelskontor3 Textilwaren Dresden sind für 16 Millionen DM Überplanbestände vorhanden. Trotz Erhöhung des Limits verbleiben weiterhin Überplanbestände von 9,3 Millionen DM.

Die für die Volkssolidarität4 vorgesehenen Mengen von 1,8 Millionen DM wurden nicht abgenommen, da es sich bei diesen Waren zum größten Teil nur um Schnürsenkel, Söckchen usw. handelt.

Die Leitung der GHK hat keine genaue Übersicht über die vorhandenen Waren, da diese in vier verschiedenen Lagern untergebracht sind.

Des Weiteren ist zu verzeichnen, dass aufgrund der schlechten Durchführung des Sonderverkaufs und schlechter Bezahlung im GHK Textil eine starke Arbeitskräftefluktuation in der Industrie eingesetzt hat.

Stimmung privater Einzelhändler zum Sonderverkauf

Aus den Bezirken Karl-Marx-Stadt, Potsdam, Suhl und Gera wird berichtet, dass unter einigen privaten Geschäftsleuten Diskussionen über den Sonderverkauf geführt werden. Dabei kommt vor allem zum Ausdruck, dass es nicht richtig sei, dass sich die privaten Händler nicht an dem Sonderverkauf beteiligen dürfen.

So tritt z. B. in Erscheinung, dass vereinzelt im Bezirk Suhl die Meinung vertreten wird, solche Maßnahmen würden nur durchgeführt, um die »kleinen Geschäftsleute« abzuwürgen.

Unter den Kreisen der privaten Geschäftsleute im Kreisgebiet Oranienburg, [Bezirk] Potsdam, wird wie folgt argumentiert: »Wir als Privatleute kurbeln mit unserer Initiative die Wirtschaft an. HO5 und Konsum6 können die Kunden nicht so bedienen wie wir. Aber wir werden systematisch kaputt gemacht. Jetzt läuft die Kundschaft und kauft für billiges Geld Waren ein. Unser Umsatz geht dabei zurück.«

Aus dem Bezirk Gera wird bekannt, dass private Geschäftsleute erklärten, dass durch den Sonderverkauf die privaten Einzelhändler augenblicklich vor großen Absatzschwierigkeiten stehen. Der private Einzelhandel würde damit nicht gefördert, sondern bekämpft und gedrosselt.

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