Versorgung
23. November 1955
Versorgung [V 25/55]
Einkellerungsaktion
Eine sehr ernste Situation besteht in der Belieferung mit Einkellerungskartoffeln im Kreis Bitterfeld, [Bezirk] Halle.1 Es werden dort 1 690 t Einkellerungskartoffeln benötigt.2
Der Rat des Kreises hat in Verbindung mit der Arbeiterkontrolle Maßnahmen ergriffen, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Es sollen von einigen Großverbrauchern (EKB, Film- und Farbenfabrik Wolfen) Verhandlungen geführt werden, damit von dort die für die Bevölkerung benötigte Menge abgezweigt werden.
Der stellvertretende Abteilungsleiter der Abteilung Handel und Versorgung vom Rat des Kreises Kamenz, [Bezirk] Dresden, teilte mit, dass am 17.11.1955 ca. 20 bis 25 Hausfrauen in seinem Dienstzimmer erschienen und über die Kartoffelversorgung schimpften.3 Sie äußerten, wenn sie nicht bald die Einkellerungskartoffeln erhalten würden. Wollen sie Männer organisieren, die den ganzen Laden zusammenschlagen würden.4
Diese Hausfrauen hatten an diesem Tag von 8.00 Uhr morgens vor der Konsumverkaufsstelle5 auf eine Kartoffellieferung gewartet.
Schwierigkeiten bei der Einkellerungsaktion werden z. B. auch noch aus dem Bezirk Rostock gemeldet.6
Fettversorgung
In der Fettversorgung hat sich in den letzten Tagen nichts wesentlich verändert. Der Mangel an HO-Butter7 und HO-Margarine hält weiterhin in den im letzten Bericht8 genannten Bezirken an. Durch das herannahende Weihnachtsfest macht sich dieser Mangel der Waren besonders stark unter der Bevölkerung bemerkbar.
Im Stadtgebiet Ludwigslust, [Bezirk] Schwerin, kam es vor den Verkaufsstellen der HO am Wochenende beim Einkauf von HO-Butter und HO-Margarine teilweise unter den dort anstehenden Hausfrauen zu Verärgerungen. Sie erklärten, dass sie nicht wüssten, was sie ihren Männern zu Essen anbieten sollen, weil ein Teil der Haushalte die Lebensmittelkarten bereits abgekauft hätte.
Zu Schlangenbildungen bei der Anlieferung von HO-Butter und HO-Margarine kommt es vor allem in Leipzig und Schmölln.
Zwiebelversorgung
Auch in der Versorgung der Bevölkerung mit Zwiebeln hat sich nichts verändert.
Besonders aus den Bezirken Suhl, Frankfurt/Oder und aus Berlin wird weiterhin ein Mangel an Zwiebeln gemeldet.