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Übung der KVP in Nochten

24. Oktober 1955
Stimmungsbericht über die durchgeführte Übung der KVP in Nochten [Information M 22/55]

1. Stimmung der Bevölkerung

2. Stimmung der KVP-Angehörigen

3. Besondere Vorkommnisse

Die im Raum Nochten, Kreis Weißwasser, [Bezirk] Cottbus, durchgeführte Übung der KVP löste sowohl unter der Bevölkerung des dortigen Gebietes als auch unter den KVP-Angehörigen große Diskussionen aus. Dabei zeigt sich, dass die Bevölkerung fast nur negativ dazu Stellung nimmt, während die KVP-Angehörigen überwiegend positiv über das Manöver sprechen.1

Die von der Bevölkerung bekannt gewordenen wenigen positiven Äußerungen kommen von fortschrittlichen Menschen, bei denen Klarheit über die Aufgaben der KVP herrscht und die die Notwendigkeit des Schutzes unserer DDR anerkennen.

Die positive Stellung der KVP-Angehörigen ist vor allem auf die Tatsache zurückzuführen, dass ihnen mit der Übung Gelegenheit gegeben wurde, ihre theoretischen Kenntnisse bei praktischen Übungen und nicht auf dem Kasernenhof anzuwenden.

Es gibt allerdings auch von KVP-Angehörigen in geringem Maße negative Äußerungen, die aber von denen kommen, die allen Anschein nach ihren Dienst in der KVP ungern tun und allgemein negativ eingestellt sind.

Im Einzelnen kann folgende Einschätzung gegeben werden:

1. Stimmung der Bevölkerung

Von den Diskussionen über das Manöver im Gebiet Nochten werden weitere Kreise der dortigen Bevölkerung erfasst, wobei sich eine fast ausschließlich negative Stellungnahme zeigt.

Die bekannt gewordenen Äußerungen lassen erkennen, dass sich der größte Teil der Bevölkerung noch nicht über den Charakter unserer KVP im Klaren ist. Man setzt Manöver gleich Manöver und bringt das in Äußerungen zum Ausdruck wie z. B. »alles so wie früher«, wobei man die Manöver der faschistischen Wehrmacht, der Sowjetarmee und der KVP oftmals gleichsetzt.

Neben der falschen Einschätzung der Übung an sich beruhen andere negative Diskussionen auf bestimmten Vorkommnissen, wobei besonders Flurschäden, Holzschlagen durch die KVP genannt wurden.

Anlass zu größeren – hierbei oftmals feindlichen – Diskussionen war auch die Erschießung eines Bürgers durch einen Offizier der KVP.

Im Einzelnen wurde diskutiert, dass das Manöver sich nicht mit unserer Friedenspropaganda vereinbaren lasse, und dass man in unserer Zeitung die Westmanöver anprangere, aber über unsere eigenen nichts berichtet würde.

Im Vergleich zur Sowjet-Armee wurde diskutiert, dass diese entstandene Straßenschäden ausbessere, unsere KVP würde sich aber nicht darum kümmern. Ärgerlich waren mehrere Bauern über das Holzeinschlagen in ihren Wäldern und äußerten, dass man sie zumindest hätte vorher verständigen müssen.

Die heftigen Diskussionen, die nach Bekanntwerden der Erschießung eines Zivilisten durch den Leutnant der KVP Schwartze2 – 27 Jahre – auftraten, zeigen, dass man dieses zum Anlass nimmt, abfällig über die gesamte KVP zu sprechen.

Über das Ereignis selbst wurde Folgendes bekannt:

Der KVP-Angehörige von der KVP-Transportabteilung Berlin nahm in den Morgenstunden des 2. Oktober [1955] während der Ausübung seines Dienstes eine ihm unbekannte weibliche Person auf seinem Motorrad mit, um diese nach Hause zu fahren. Der Leutnant befand sich dabei unter Alkoholeinfluss. Beim Verabschieden von dieser Frau kamen Zivilisten dazu und wiesen den KVP-Angehörigen darauf hin, dass die Frau verheiratet sei. Während das sich darauf entwickelten Streites zog Sch. die Pistole und verletzte den Zivilisten Grandke, Wolfgang3 – 26 Jahre – tödlich.

In der daraufhin von der Bevölkerung geführten Diskussion heißt es u. a., dass wir immer über das Verhalten der westdeutschen Besatzungsarmee berichten würden, aber unsere KVP würde sich ja »wie in Wildwest« benehmen. Andere äußern, dass dieses Beispiel zeige, dass man kein Vertrauen zur KVP haben könne.

Weiterhin kommt es zur feindlichen Äußerung wie z. B. in der Keula-Hütte,4 wo der Arbeiter [Name] (VP-Helfer5 in Krauschwitz) anderen Arbeitern zurief, als er Angehörige der KVP sah: »Geht nicht so nah heran, sonst knallt es.«

2. Stimmung der KVP-Angehörigen

Die Stimmung unter den Soldaten und Offizieren war während und nach der Übung gut. Im Allgemeinen vertreten die KVP-Angehörigen die Meinung, dass sie durch diese Übung vieles gelernt haben und dass solche Übungen besser seien als ein Jahr Ausbildung in der Kaserne.

Zum Beispiel äußerten Offiziere, dass sie sich erst jetzt richtig vorstellen könnten, was von einem Panzerkommandanten verlangt wird.

Andere äußerten, dass sie in der praktischen Ausbildung viel Neues gelernt hätten und sie hoffen, dass solche Übungen in Zukunft öfter bzw. regelmäßig stattfinden.

Über die durchgeführten Meetings,6 auf denen die Genossen Otto Grotewohl7 und Walter Ulbricht8 sprachen, wurde ebenfalls positiv diskutiert. Soldaten sprachen sich begeistert über die klare und wirksame Ausführung aus, die ihnen ihre Bedeutung und Aufgaben richtig aufgezeigt hätten.

Offiziere erwähnten besonders die Aufgabenstellung in der Frage der Erziehung und dass sie hier noch viel in ihrer eigenen Arbeit ändern müssten.

Folgende Beispiele sind charakteristisch für viele:

Ein Unterleutnant aus Marienberg sagte, dass Genosse Otto Grotewohl anhand des Beispiels der Pioniere die Dinge einfach erläutert hat. Auch die Offiziere müssten mit solchen einfachen Beispielen die Soldaten erziehen, das wäre besser als hochtrabende Redner.

Ein Leutnant: »Es tut einem richtig gut, wenn die Genossen Grotewohl und Ulbricht sprechen, da sie vielen aus dem Herzen gesprochen haben und vor allem jedes Wort klar und richtig erklären.«9

Zwei Zugführer (Oberleutnant und Leutnant): »Das, was Walter Ulbricht über die Erziehungsfrage ausgeführt hat, stimmt ganz genau. Nur wir finden nicht den richtigen Weg dazu, weil die Kompanieführer, Bataillons-Kommandanten und Parteisekretäre uns gar nicht dazu anhalten.«

3. Besondere Vorkommnisse

Neben der Erschießung eines Zivilisten löste das Verhalten einzelner KVP-Angehöriger auch weitere negativen Diskussionen aus.

Am 1.10.1955 haben KVP-Angehörige, nachdem sie einige Glas Bier getrunken hatten, dem Gastwirt in Bärwalde auf der Leine hängende Oberhemden gestohlen. Außerdem wurden dort Latten von den Zäunen abgerissen und Obstbäume umgeschlagen.

Während und nach der Übung sind drei Verkehrsunfälle ohne größeren Schaden zu verzeichnen.

Überprüfungen ergaben, dass sich einige Soldaten in Besitz unregistrierter Munition befanden. Es wurden Maßnahmen eingeleitet, um Zwischenfälle zu vermeiden.

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    24. Oktober 1955
    Ernte [L 16/55]

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    24. Oktober 1955
    Überblick über die allgemeine Versorgungslage [Analyse Nr. 11/55]