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Verband der Heimkehrer

27. November 1955
Sonderinformation über eine beabsichtigte Provokation des »Verbandes der Heimkehrer« [Information M 27/55]

Der »Verband der Heimkehrer«1 führt am 26.11. und 27.11.1955 unter dem Leitwort »Tag der Treue« einen »Gedenktag für die noch nicht Heimgekehrten durch«.2

Zur Durchführung des »Gedenktages« sind Verkehrsstille, Gottesdienste, Schweigemärsche, Mahnfeuer sowie Fensterilluminationen geplant gewesen. Außerdem sollten die Fahnen auf Halbmast gesetzt werden.

Diese Provokation fand nach eingegangenen Berichten unter der Westberliner – insbesondere aber unter der Bevölkerung der DDR und des demokratischen Sektors3 in Berlin – wenig Unterstützung.

Nach eingegangenen Informationen haben einige (Anzahl nicht näher angegeben) negative Personen aus dem demokratischen Sektor Berlins an der Filmveranstaltung des »Verbandes der Heimkehrer« am Schuhhaus Pico4 in Westberlin teilgenommen.5 Der Film zeigte die Abfertigung der Menschen6 an den Kontrollstellen in der DDR und Westdeutschland. Am Schluss wurde darauf hingewiesen, dass dieser Hetzfilm auch am 27.11.1955 gezeigt wird.

Von der Bezirksverwaltung Schwerin wurde mitgeteilt, dass in dem der D-Linie7 nahegelegenen Ort Lenzen, in der Zeit von 18.15 bis 18.20 Uhr am 26.11.1955 die Glocken der dortigen Kirche ohne besonderen religiösen Anlass geläutet haben. In der gleichen Zeit waren auf westlicher Seite fünf bis sechs »Mahnfeuer« festzustellen.

In Rostock wurde festgestellt, dass die katholische Kirche am heutigen Tage eine Kirchenfahne mit Trauerflor gesetzt hat und beabsichtigt, diese Fahne bis Dienstag hängen zu lassen. Angeblich wurde diese Fahne gesetzt, da der katholische Bischof Berning8 am 26.11.1955 in Osnabrück verstorben sei.

Nach Mitteilung der Grenzpolizei wurden im Bereich Halberstadt-Nordhausen am 26.11.1955 auf westlicher Seite Demonstrationen durchgeführt und Mahnfeuer abgebrannt.

Weitere Informationen, die auf Sympathiekundgebungen hinweisen, sind nicht eingegangen.

Ergänzung:

Am Sonntag, dem 27.11.1955 wurden von unseren Agenturen mehrere Kirchen besucht. Bisher ist nur bekannt, dass in der Kirche in der Ruppiner Straße9 ein Gedenkgottesdienst durchgeführt wurde. Hier wurde vom Pfarrer zum Ausdruck gebracht, dass die Sowjetunion ihr Versprechen nicht einlöst und Kriegsgefangene widerrechtlich zurückhält. Es wurde die Forderung nach Freilassung der restlichen Kriegsgefangenen erhoben. In dieser Kirche waren auch viele Bewohner des demokratischen Sektors anwesend.

Es wurde festgestellt, dass nach der Kirche über die Worte des Pfarrers rege diskutiert wurde und in den Gesprächen gegen die Sowjetunion gehetzt wurde.

Aus allen Bezirksverwaltungen wurde gemeldet, dass diese Provokation keine weitere Unterstützung fand.

  1. Zum nächsten Dokument Versorgung

    30. November 1955
    Versorgung [V 27/55]

  2. Zum vorherigen Dokument Versorgung

    26. November 1955
    Versorgung [V 26/55]