Versorgung
30. November 1955
Versorgung [V 27/55]
Versorgung mit HO-Butter und HO-Margarine
Trotz Aufstockung an diesen Waren in verschiedenen Bezirken gibt es noch immer große Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung mit HO-Butter und HO-Margarine.1
So berichtete z. B. der Bezirk Karl-Marx-Stadt, dass zwar die Kontingente an HO-Margarine um 25 % erhöht wurden, aber die Hausfrauen trotzdem bei Anlieferung von Margarine Schlange stehen.
In der Konsumverkaufsstelle2 in Halsbrücke, Kreis Freiberg, musste am 25.11.1955 ein Schnellkommando der VP eingesetzt werden, da nur 15 kg Margarine angeliefert wurden und ca. 70 Personen danach anstanden.
In Niederwiesa, Kreis Flöha, wurde kürzlich an jede Person nur ein halbes Pfund Margarine abgegeben, was zu negativen Diskussionen führte.
In einem HO-Lebensmittelgeschäft in Penig, Kreis Rochlitz, standen ca. 50 Menschen an, wobei es zwischen zwei Frauen zur Schlägerei kam.
In Johanngeorgenstadt (Wismut-Gebiet)3 war in den letzten Tagen die Belieferung mit Markenbutter mangelhaft. In Rabenberg ist seit acht Tagen keine Markenbutter mehr vorhanden.
Im Kurort Bärenburg, [Kreis] Dippoldiswalde, [Bezirk] Dresden, wird die Butter meist von den Urlaubern aufgekauft, sodass für die dortige Bevölkerung nichts übrigbleibt.
Die Verkäuferinnen werden von den Einwohnern so beschimpft, sodass alle HO-Verkäuferinnen gekündigt haben.
Aufgrund dieser Vorkommnisse will die HO die Butter und Margarine auf Abstempelung der Lebensmittelkarten verkaufen, was jedoch vom Amt für Handel und Versorgung abgelehnt wurde.
Schwierigkeiten treten noch in den Bezirken Leipzig und Schwerin auf.
Einkellerungsaktion
In den Bezirken Dresden, Leipzig und Schwerin geht die Einkellerungsaktion noch immer sehr schleppend voran.
So ist z. B. die Einkellerung im Stadtgebiet Stralsund, [Bezirk] Rostock, noch schlecht. Der Bedarf kann aus eigenem Kreise nicht gedeckt werden.
In den Kreisen Meißen und Großenhain ist die Bevölkerung über die stockende Anlieferung der Einkellerungskartoffeln beunruhigt.
Die Versorgung der Bevölkerung mit Einkellerungskartoffeln ist im Bezirk Leipzig bis auf die Kreise Altenburg, Döbeln, Grimma und Schmölln abgeschlossen.
Große Schwierigkeiten treten vor allem im Kreis Altenburg auf. Dort fehlen noch insgesamt 1 900 t Kartoffeln. Der Stand der Einkellerung beträgt 80 %.
Im Kreis Altenburg können höchstens noch ca. 400 t erfasst werden. Der Kreis Schmölln ist verpflichtet, dem Kreis Altenburg 1 200 t Kartoffeln zu liefern. Diese Verpflichtung wurde bisher jedoch erst mit 350 t eingehalten.
Der Kreis Schmölln hat jetzt die Lieferung eingestellt, da im eigenen Kreis noch Einkellerungskartoffeln fehlen.
Versorgung mit Waren für das Weihnachtsfest
Hierbei macht sich jetzt in einigen Fällen eine gewisse Beunruhigung unter der Bevölkerung bemerkbar, weil für die Weihnachtsbäckerei nicht genügend Zutaten aus Importen zum Verkauf angeboten werden.
So berichtet der Bezirk Leipzig, dass die Bereitstellung von Zutaten aus Importen für die Weihnachtsbäckerei völlig unzureichend ist.
Bisher sind im Bezirk Leipzig bis zum 23.11.1955 von den vorgesehenen Mengen bei Sultaninen erst ca. 25 %, bei Korinthen erst ca. 18 % und bei süßen Mandeln erst 33 % eingegangen.
Im Bezirk Dresden wird unter den Hausfrauen sehr stark diskutiert, dass noch keine Backzutaten wie Rosinen, Mandeln usw. zum Verkauf kommen.
Im Bezirk Gera ist die Anlieferung von Produkten für die Weihnachtsbäckerei ebenfalls unzureichend, Rosinen und Mandeln sind im Bezirk Karl-Marx-Stadt noch in ungenügendem Maße vorhanden, sodass die Bevölkerung hierüber negative Diskussionen führt. Bei diesen Einkäufen musste bereits mehrfach die VP herangezogen werden, um einen geregelten Verkauf zu gewährleisten.
Auch aus dem Wismut-Gebiet wurden darüber Diskussionen bekannt, wobei zum Ausdruck gebracht wird, dass man die Waren jetzt auf den Markt bringen soll und nicht erst eine Woche vor dem Weihnachtsfest.
Die Weihnachtsversorgung der Berliner Bevölkerung ist mit Ausnahme einiger Importartikel gesichert.
Schwierigkeiten werden bei der Versorgung mit Geflügel aus Importen auftreten. Die vertragsgebundene Menge betrug im IV. Quartal laut Plan 2 877 t, der bisherige Eingang beläuft sich auf 478 t. Die Ursache der verspäteten Anlieferung ist darin zu suchen, dass die Termine für die Anlieferung durch den DIA falsch festgelegt worden sind. Aus Volkspolen werden Gänse demzufolge voraussichtlich erst am 20.12.[1955] geliefert. – Nach den vorhandenen Möglichkeiten kommen Gänse zunächst nur in den Betriebsverkaufsstellen zum Verkauf.*)
[Im Original hier maschinenschriftliche Ergänzung als Fußnote, handschriftlich rot unterstrichen: »Der verantwortliche Mitarbeiter beim DIA ist republikflüchtig geworden.«]
Weitere Schwierigkeiten wird die Versorgung mit Bohnenkaffee und Tee verursachen. Ursache ist die schleppende Vertragsrealisierung. Ähnlich ist die Versorgung mit Gewürzen und Zutaten für die Weihnachtsbäckerei.
Nicht ausreichend ist das Angebot an Marzipan, Persipan und Vollschokolade.