Versorgung
2. November 1955
Versorgung [V 20/55]
Einkellerungskartoffeln
Im Bezirk Schwerin ist die Einkellerungsaktion nach wie vor Schwerpunkt. Dabei spielt besonders die Transportraumfrage eine Rolle. Es kam wiederholt vor, dass die Bauern ihre Kartoffeln wieder nach Hause fahren mussten, weil die VEAB keine Waggons zur Verladung bereit hatte. Wie das z. B. in Rehna, Kreis Gadebusch, und in Lenze,1 Kreis Ludwigslust, der Fall war.2
Zurzeit beträgt der Stand der Einkellerung 70 % für den Einzelverbrauch und 32 % für den Großverbraucher.
In Schwerin-Stadt beträgt die Einkellerung 75 %, wobei zu beachten ist, dass in den letzten Tagen die Anlieferungen pro Tag zwischen 120 und 140 t liegen, dagegen [sind] 300 t pro Tag bewilligt, um den Versorgungsplan zu erfüllen.
In Saßnitz, [Kreis] Bergen, [Bezirk] Rostock, ist die Kartoffelversorgung besonders gefährdet. Diese schlechte Versorgung liegt besonders an der mangelhaften Organisation. Die HO3 hat jetzt erst mit der Belieferung begonnen, während das Geld sowie Fuhrlohn für die Kartoffeln schon vor drei Monaten kassiert ist.
Die Bevölkerung der Stadt Limbach-Oberfrohna, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, ist über die schleppende Einkellerungsaktion empört.
Nach Rücksprache mit dem Verantwortlichen des Konsums wurde von diesen mitgeteilt, dass bisher zwei Drittel der Bevölkerung der Stadt mit Kartoffeln beliefert wurde.
Auch in Neuenhagen bei Berlin ist die Kartoffelversorgung unbefriedigend. Seit Beginn der Einkellerungszeit hat der Konsum nur zwei Lkws mit Kartoffeln ausgeliefert.
Fleischversorgung
Die Fleischversorgung ist im Bezirk Neubrandenburg weiterhin Schwerpunkt.
Für die 1. Dekade im November 1955 bestehen ebenfalls Schwierigkeiten, obwohl 200 t Importware angeliefert werden sollen.
Durch die ungünstige Waggonbereitstellung können genaue Liefertermine nicht gemeldet werden.
Die Kontrolle über das Erfassungsergebnis am 25.10.1955 ergab, dass der Erfassungsstand für den Bezirk mit 14,5 % erfüllt ist.
Auf sämtlichen Baustellen des VEB (K) Bau Templin, [Bezirk] Neubrandenburg, wird ebenfalls in erster Linie über die schlechte Versorgungslage diskutiert.
So haben auf der Baustelle Götschendorf die Arbeiter nicht einmal auf Marken4 ihre Wurst erhalten können.
In der letzten Zeit traten wiederholt Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung mir HO-Fleisch auf.
Vom Rat des Bezirkes, Abteilung Handel und Versorgung, wurde im IV. Quartal die bisherige Freigabe in HO-Fleisch um 45 t gekürzt. Damit ist im letzten Drittel des IV. Quartals die Versorgung mir HO-Fleisch gefährdet.
Die Bevölkerung von Saßnitz, [Kreis] Bergen, [Bezirk] Rostock, beklagt sich über die schlechte Qualität des Fleisches, da das zum Verkauf kommende Fleisch nicht immer für den menschlichen Genuss zu verwenden ist.
Im Kreis Luckenwalde, [Bezirk] Potsdam, treten Schwierigkeiten in der Fleischversorgung auf. Als Ursache dafür wird angegeben, dass die Fleischwarenfabrik Elsholz mit ihren Lieferungen in Verzug geraten ist.
Im Kreis Bautzen, [Bezirk] Dresden, gibt es ebenfalls Schwierigkeiten. Zurzeit hat der Kreis Bautzen für den Monat Oktober noch einen Rückstand von 326 t Fleisch. Es wurde festgestellt, dass der Leiter des VEG Pommritz trotz eingehenden Diskussionen mit den zuständigen Erfassungsstellen in der vergangenen Woche nicht ein Schwein zur Ablieferung gebracht hat. In dieser Woche stellte er jedoch dem Erfasser auf einmal 200 Stück zur Verfügung.
Zwiebelversorgung
In den Landgemeinden des Kreises Großenhain, [Bezirk] Dresden, herrscht große Unzufriedenheit unter der Bevölkerung, da es schon seit längerer Zeit keine Zwiebeln zu kaufen gibt. Es besteht jedoch jetzt eine große Nachfrage, weil diese besonders in der Schlachtperiode dringend benötigt werden.
Im Bezirk Schwerin besteht Unzufriedenheit über die ungenügende Zwiebelversorgung.
Die VEAB hat anlässlich der Handelsberatung mit dem Bezirk Magdeburg Verträge abgeschlossen, die sich aus der Handelsreserve ergeben und Anfang November zur Auslieferung kommen.
Des Weiteren sind zehn t Importzwiebeln aus der VR Polen für den Bezirk vorgesehen, die für das II. Quartal eingelagert werden sollten. Nach Rücksprache mit dem Rat des Bezirkes werden diese sofort zum Verkauf kommen.
Ebenso gibt es in den Gemüsegeschäften Berlins keine Zwiebeln zu kaufen.
In den Bezirken Frankfurt/Oder und Potsdam diskutieren die Hausfrauen ebenfalls über die schlechte Zwiebelversorgung.
Margarine- und Fettversorgung
Die schon des Öfteren berichteten Schwierigkeiten in der HO-Butter und HO-Fettversorgung halten weiter an.
In der Gemeinde Fichtenwalde, Kreis Potsdam-Land, treten seit einiger Zeit Unzufriedenheiten beim Kauf von Margarine auf. Die Margarine hat einen unangenehmen Beigeschmack und ist aus diesem Grunde als Brotaufstrich nicht zu verwenden.
In der Gemeinde Fichtenwalde wohnen sehr viel Rentner, die darüber besonders unzufrieden sind.
Der Rat des Bezirkes Potsdam gibt zu der eingetretenen Margarine-Knappheit die Erklärung ab, dass die Produktion nicht genügend Margarine für den Bedarf herstellen kann.
Mit dieser Erklärung sind die Funktionäre des Handels nicht einverstanden, da die DDR das größte Margarinewerk in Europa besitzt.
Warenbereitstellung für das Weihnachtsfest
Im Bezirk Schwerin liegen zurzeit 16 t Apfelsinen, die aber eine kurze Lagerfähigkeit haben und deshalb zum Verkauf gelangen müssen.
Diese Apfelsinen waren für die Weihnachtsversorgung vorgesehen und sollten erst gegen Ende November verkauft werden.
In der Versorgung der Bevölkerung der Stadt Bitterfeld gibt es Schwierigkeiten in der Beschaffung mit Süßwaren, vor allem Kakaoerzeugnissen. Trotz der Aufstockung von 910 Kilo im IV. Quartal und einer größeren Freigabe von Importware dürfen laut Anweisung vom Rat des Bezirkes diese Artikel erst ab 25.11.1955 zum Verkauf freigegeben werden. Ähnlich sieht es bei Südfrüchten aus, vor allem Zitronen, die ebenfalls schon angeliefert sind, aber laut Anweisung erst am 25.11.1955 zum Verkauf gebracht werden dürfen.
Im Bezirk Potsdam werden besonders vor Weihnachten Schwierigkeiten in der Belieferung mit Backpulver auftreten. Die Herstellerfirma »Apa«5 in Brandenburg begründet dies damit, dass es an Weinsteinsäure für die Herstellung von Backpulver mangelt.6
Versorgung mit anderen Lebensmitteln
Es wurde bekannt, dass die Lokführer von Neustrelitz, [Bezirk] Neubrandenburg, aufgrund von Personalmangel 16 bis 20 Stunden unterwegs sein müssen. Die Lokführer sind unzufrieden, da sie in Templin kein Essen, keine Rauchwaren zu kaufen bekommen, sodass diese ohne richtiges Essen ihren Dienst fortsetzen müssen. Aus diesem Grund wollen verschiedene Lokführer keinen überplanmäßigen Dienst mehr leisten.