Versorgung
2. Dezember 1955
Versorgung [V 28/55]
Fettversorgung
In den Bezirken Suhl, Gera und Neubrandenburg halten die Schwierigkeiten in der Versorgung mit HO-Butter und HO-Margarine1 weiterhin an.
Dagegen ist im Bezirk Karl-Marx-Stadt und Frankfurt/Oder eine Verbesserung in der Fettversorgung auf HO-Basis eingetreten.
Eine besonders schwierige Situation ist im Bezirk Gera eingetreten, da der Bedarf der Bevölkerung nur zu 30 % gedeckt werden kann.
In Sonneberg, [Bezirk] Suhl, ist es in einigen HO-Verkaufsstellen, wegen der schlechten Versorgung mit HO-Butter und HO-Margarine unter den Hausfrauen zu Schlägereien gekommen.
Zu weiteren Ausschreitungen wegen der mangelnden Versorgung mit Fettigkeiten ist es in den Bezirken nicht gekommen, lediglich werden in den Käuferschlangen heftige, negative Diskussionen geführt, wobei die Diskussionen zum größten Teil darin hinauslaufen, dass sie zum Ausdruck bringen, dass erst viel versprochen würde, was es alles zu Weihnachten gibt, und jetzt ist überhaupt nichts zu haben. Man ist in der DDR nicht einmal in der Lage, Kuchen zu backen, da das Fett hierfür fehlt.
Mehlversorgung
In einigen Fällen gibt es auch Schwierigkeiten mit der Mehlversorgung sowie in der Bereitstellung von gutem Mehl für die Weihnachtsbäckerei. So macht sich z. B. in verschiedenen Kreisen des Bezirkes Gera ein Mangel an Mehl, Type 405,2 bemerkbar.
Im Kreis Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl, wird in den letzten Tagen Mehl von schlechter Qualität angeboten, welches ungeeignet ist für die Weihnachtsbäckerei.
Kaffeeversorgung
In den Bezirken Dresden, Karl-Marx-Stadt und Neubrandenburg macht sich in den letzten Tagen eine starke Nachfrage nach Bohnenkaffee bemerkbar. Die zur Verteilung gelangte Menge war sehr gering, sodass nur ein geringer Teil der Bevölkerung in den Genuss von Bohnenkaffee kam.
So artete es z. B. beim Verkauf von Bohnenkaffee in Strasburg, [Bezirk] Neubrandenburg, zu Schlägereien aus.
Im Bezirk Dresden ist sich der Rat des Bezirkes zur Stunde noch nicht einig, wie die Verteilung von Bohnenkaffee zu erfolgen hat, da eine sehr geringe Menge vorhanden ist.
In verschiedenen Betrieben des Bezirkes Dresden traten aufgrund der Verteilung Gerüchte auf, wie: Die Verteilung erfolgte nur an Betriebe, die ihren Plan erfüllt haben, oder es erhalten nur die Personen Kaffee, die ihren Gewerkschaftsbeitrag bis November bezahlt haben.
Warenbestände
Im Großhandelskontor-Textil3 in Bautzen, [Bezirk] Dresden, ist ein Überplanbestand von 1 920 700 DM an Waren vorhanden. Diese hohen Bestände kommen durch schlechte Dispositionen, zu hohen Wareneinkauf und durch laufende Wareneingänge zustande.
Kartoffelversorgung
Im Bezirk Frankfurt/Oder ist zu verzeichnen, dass in den Kreisen Bernau, Eberswalde und Strausberg die Kartoffeleinkellerung noch nicht abgeschlossen ist.