Direkt zum Seiteninhalt springen

Versorgung

5. Dezember 1955
Versorgung [V 29/55]

Fettversorgung

Die Versorgung mit HO-Butter und HO-Margarine1 hat in allen Bezirken eine wesentliche Verbesserung erfahren.

Lediglich in einigen Kreisen des Bezirkes Potsdam macht sich noch ein Mangel an HO-Butter und Margarine bemerkbar. Im Bezirk Karl-Marx-Stadt ist die HO-Butter ebenfalls noch knapp. In den Bezirken Halle und Magdeburg sind vereinzelt Angst- und Hamstereinkäufe von HO-Margarine zu verzeichnen.

So trat in Laucha, Kreis Nebra, [Bezirk] Halle, in Erscheinung, dass eine unbekannte männliche Person mit einem Motorrad Kinder in die Geschäfte schickte und so insgesamt 60 Pfund Margarine hamstern konnte. Den Kindern gab er für jedes Pfund Margarine 0,20 DM Trinkgeld.

Im Kreis Bernburg, [Bezirk] Halle, kommt es seit einigen Tagen vonseiten der Hausfrauen zu Angst- und Hamstereinkäufen von Margarine. Vonseiten der HO-Verkaufsstellen wird daraufhin nur noch an jede Person ein Pfund abgegeben. Zu Schlangenbildungen ist es in den letzten Tagen in den HO-Verkaufsstellen in denen HO-Butter und Margarine verkauft wurde nicht mehr gekommen.

Versorgung mit Waren für das Weihnachtsfest

Hierbei macht sich in einigen Fällen eine gewisse Beunruhigung unter der Bevölkerung bemerkbar, weil für die Weihnachtsbäckerei nicht genügend Zutaten aus Importen zum Verkauf angeboten werden.

So wird aus dem Bezirk Dresden von den Hausfrauen laufend Klage geführt, dass es zu wenig Rosinen und Mandeln für die Weihnachtsbäckerei zu kaufen gibt.

Zum Beispiel wurden dem VEB Planeta in Radebeul,2 [Bezirk] Dresden, 14 kg Mandeln für den gesamten Betrieb zugeteilt, sodass eine Gewerkschaftsgruppe von 26 Arbeitern dreimal 100 g zur Aufteilung erhielt.

In den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Leipzig ist ebenfalls die Bereitstellung von Rosinen und Mandeln für die Weihnachtsbäckerei sehr mangelhaft, sodass es beim Verkauf dieser Waren zu Käuferschlangen kommt.

In den Bezirken Karl-Marx-Stadt, Magdeburg, Potsdam und Schwerin macht sich ein Mangel an schokoladenhaltigen Erzeugnissen bemerkbar.

Einkellerungskartoffeln

Im Kreis Bitterfeld bestehen noch große Schwierigkeiten in der Versorgung mit Einkellerungskartoffeln. So besteht noch in diesem Kreis ein Bedarf von 300 t für die Bevölkerung und ca. 1 000 t für die Großverbraucher.

Nach Mitteilung der Abteilung Handel und Versorgung vom Rat des Kreises Bitterfeld lagern zurzeit bei der VEAB Gräfenhainichen 300 t Kartoffeln, für die der Rat des Kreises Gräfenhainichen keine Verwendung hat.

Nach Rücksprache beim Rat des Bezirkes Halle vonseiten des Rates des Kreises Bitterfeld, diese Mengen doch dem Kreis Bitterfeld zur Verfügung zu stellen, wurde dieses vom Rat des Bezirkes abgelehnt, mit der Begründung, dass dem Kreis Bitterfeld der Kreis Bützow zur Lieferung zugeteilt wurde.

  1. Zum nächsten Dokument Zur Beurteilung der Situation in der DDR

    7. Dezember 1955
    Informationsdienst Nr. 2495 zur Beurteilung der Situation in der DDR

  2. Zum vorherigen Dokument Versorgung

    2. Dezember 1955
    Versorgung [V 28/55]