Versorgung
10. Oktober 1955
Versorgung [V 10/55]
Im Kreisgebiet Dessau, [Bezirk] Halle, bestehen Versorgungsschwierigkeiten mit Eiern und Margarine. In Gröbern, Kreis Hohenmölsen, [Bezirk] Halle, gab es im Konsum- und HO-Geschäften1, ebenfalls keine Margarine.
In Gräfenhainichen ist die zum Verkauf kommende Butter in den Konsum-Geschäften nicht mehr einwandfrei, sodass die Bevölkerung gezwungen ist, bei den Privathändlern die Butter zu kaufen.
Im Kreis Bernburg, [Bezirk] Halle, besteht ein Engpass mit der Belieferung von Hülsenfrüchten, Schwarzem Tee, Marmelade und besseren Sortimenten an Süßwaren.
Im Kreis Bautzen, [Bezirk] Dresden, fehlt es besonders an HO-Butter, Margarine, Speck auf Marken.
Im Kreis Freital fehlt Speck auf HO- und Marken-Basis. Außerdem entstand eine Stockung in Schlachtfetten.
In Delitzsch sowie in Oschatz, [Bezirk] Leipzig, fehlt es an HO-Margarine. Unter der Bevölkerung, besonders den Hausfrauen, besteht deshalb eine Missstimmung. In Oschatz wird darüber diskutiert, dass es nur an einer mangelhaften Warenstreuung liegt, da in anderen Kreisen und Bezirken genügend Margarine vorhanden sei.
Aus dem Kreis Döbeln, [Bezirk] Leipzig, wird berichtet, dass ein besonderer Engpass in der HO und Konsum bei Kinderbekleidung besteht. So wurde z. B. festgestellt, dass in der Stadt Roßwein2 in allen HO- und Konsum-Geschäften (Textil) nur ein einziger Kindermantel für Kinder bis zu drei Jahren zu haben ist. Mit Kinderschuhen sieht es ähnlich aus. Demgegenüber wurde jedoch festgestellt, dass der private Handel über ein großes Angebot verfügt.
Aus dem Kreis Gräfenhainichen, [Bezirk] Halle, wird bekannt, dass ein großer Mangel an Glühbirnen besteht. Besonders in Kleinbetrieben ist dadurch nicht mehr der Arbeitsschutz gewährleistet.
In der BHG Teuchern, Kreis Hohenmölsen, lagern ca. 300 t Braunkohlenbriketts im Hof und sind der Witterung ausgesetzt. Durch den Stadtfunk wurde die Bevölkerung schon mehrere Male aufgefordert die Briketts abzuholen.
Im Kreis Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, ist zu verzeichnen, dass die Importe an Weintrauben, die eintreffen, zum großen Teil verfault und verdorben sind. Vom Ministerium für Handel und Versorgung wurde angewiesen, dass die Trauben den Mostereien und Brennereien zur Verarbeitung zugeführt werden. Von der Brennerei Gallun,3 Kreis Königs Wusterhausen wird die Annahme jedoch verweigert, mit der Begründung, die Mengen seien zu gering.
Aus Torgau, [Bezirk] Leipzig, wird berichtet, dass im Laufe des 7.10.1955 17 Waggons Kartoffeln aus Rostock eingetroffen sind (ca. 300 t). Diese Kartoffeln sind nicht zur Einkellerung zu verwenden. Es handelt sich um Mittelfrühe.
Bei der Öffnung der Waggons wurde festgestellt, dass diese Kartoffeln unsachgemäß gelagert wurden und dadurch ein erheblicher Verlust eintritt. Nach den bisherigen Feststellungen können drei Waggons Kartoffeln nur noch zu Futterzwecken verwendet werden.