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Versorgung

14. September 1955
Versorgung [V 1/55]

Aus inoffizieller Quelle wurde bekannt, dass im Kaliwerk Bleicherode, [Kreis] Nordhausen, [Bezirk] Erfurt, aus einem Abbau 15 Kumpel geäußert haben, am Montag (15.9.1955)1 die Arbeit nicht aufzunehmen, wenn keine Besserung in der Fleisch- und Kartoffelversorgung eintritt.

Partei- und Staatsapparat haben Maßnahmen ergriffen, die Missstände in der Belieferung mit Lebensmitteln zu beheben.

Während in den letzten Tagen im Bezirk Magdeburg eine Verbesserung in der Kartoffelversorgung zu verzeichnen war, wird diese in den nächsten Tagen wieder unzureichend sein. Zurzeit werden alle Kartoffeln nach Suhl ausgeliefert. Von den 2 000 t Kartoffeln, die bis zum 10.9.1955 nach Suhl ausgeliefert werden sollten, wurden bisher nur 200 t geliefert.

Im Büro der Baracke des Kartoffellagers der Fa. Lorbeer2 in Halle ist ein Brand ausgebrochen. Durch den Brand wurden insgesamt 27 000 Lieferscheine für Kleinstverbraucher vernichtet, sodass für den Betrieb im Augenblick keine Unterlagen für die Belieferung vorhanden sind.

Der Schweinemästerei in Dessau wurden von der Erfassungsstelle 18 t Kartoffeln zur Verfügung gestellt, da die Kartoffeln für den menschlichen Genuss nicht mehr verwendungsfähig waren. Es ergab sich, dass in den Waggons, wo die Kartoffeln transportiert wurden, sich noch Reste von Düngemitteln befanden und dadurch der Verderb verursacht wurde.

Im Konsum-Genossenschaftsverband3 Kamenz, [Bezirk] Dresden, lagern zurzeit große Mengen an Fleischkonserven, die bei der Bevölkerung keinen Absatz finden wegen zu hohem Preis. Die Haltbarkeitsdauer dieser Konserven ist bis Ende September begrenzt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist jedoch der Absatz nicht gewährleistet. Obwohl die KG diese Konserven nicht benötigte, musste sie vom VE-Kontor4 – Import und Lagerung Dresden vertragsmäßig diese Ware abnehmen. Es handelt sich um 35 Kisten chinesisches Schweinefleisch (pro Kiste 19,2 kg netto), zehn Kisten polnisches Rindfleisch (pro Kiste 34 kg), fünf Kisten Schweinefleisch (pro Kiste 34 kg).5

Das Kreisgebiet Aue benötigt auf Markenbasis 46 t Fleisch. Geliefert wurden jedoch nur 7 t. Diese Knappheit erstreckt sich ebenfalls auf Wurstwaren.6

Im Bezirk Magdeburg ist zurzeit bei der Ablieferung von Fleisch ein Rückstand von ca. 4 000 t zu verzeichnen. Zur Sicherung der Versorgung wurden seitens des Rates der Bezirkes Maßnahmen7 eingeleitet, dass bei den Erzeugern, die Rückstände haben, Schweine ab 80 kg erfasst werden.8

Erneute negative Diskussionen werden wegen dem Engpass an HO-Fleischwaren9 geführt. Im Stadtgebiet Zwickau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, war es am Sonnabend den 10.9.1955 nicht möglich, den erforderlichen Bedarf an Frischfleisch auf Marken zu geben.10 Dieses hat zur Folge, dass die noch vorhandenen Produkte wie HO-Speck, Öl und Margarine durch Angsteinkäufe mehr gekauft werden.11

In der KG-Verkaufsstelle Reichstädt,12 [Kreis] Dippoldiswalde, [Bezirk] Dresden, kam lose Marmelade zum Verkauf. Diese konnte jedoch nach zwei Tagen nicht mehr für den menschlichen Genuss verbraucht werden, da sämtliche Waren bei dem Käufer zu gären begannen.

Im kommunalen Großhandel – Fette – Dippoldiswalde, [Bezirk] Dresden, wurde bei einer Kontrolle 25 kg ranzig gewordene Butter festgestellt. Sie lagerte bereits sieben bis acht Tage.13

Unter einem Teil der Bevölkerung wird sehr negativ darüber diskutiert, dass von den Konsum-Verkaufsstellen schon verdorbene Waren angeboten wurden. So bot z. B. die Verkäuferin [Name 1] in der Konsum-Verkaufsstelle Altersbach, [Kreis] Schmalkalden, [Bezirk] Suhl, der Kundschaft völlig verdorbene Salzheringe an. Dies geschah auch noch bewusst, da noch einige Tonnen einwandfreier Hering da waren.

Am 13.9.1955 erhielt das Fischauslieferungslager Görlitz, [Bezirk] Dresden, 20 t grüne Heringe, welche verdorben waren. Diese Heringe sollten dem VEB Fleischindustrie Görlitz und dem Privatbetrieb Reibetanz14 in Görlitz zur Verarbeitung übergeben werden. Die Untersuchungen ergaben, dass sie nicht mehr verarbeitungsfähig [waren], sondern der Schweinemästerei übergeben werden mussten. Schaden beträgt ca. 15 000 DM.

In der Konsum-Genossenschaft Strausberg Sitz Rüdersdorf, [Bezirk] Frankfurt/Oder, ist zu verzeichnen, dass für den Monat September 1955 das Kontingent an markenpflichtiger Margarine nicht umgesetzt werden kann. Dieses ist darauf zurückzuführen, dass ein Teil der privaten Schlächter auf Margarinemarken Schmalz, Speck und Wurst verkaufen.

Dieses wurde vonseiten der Konsum-Genossenschaft in den Orten Fredersdorf, Petershagen und Eggersdorf,15 Kreis Strausberg, [Bezirk] Frankfurt/Oder, festgestellt. Obwohl der Genosse von der Abteilung Handel und Versorgung beim Rat des Kreises Strausberg auf diese Unmöglichkeiten hingewiesen wurde und ihm diese Schlächter auch namentlich bekannt sind, ist bisher noch keine Veränderung erfolgt.

Im Kreis Bautzen, [Bezirk] Dresden, besteht eine sehr schlechte Kohlenversorgung für Hausbrand. Es wird Klage geführt, warum es keine Siebkohle zu kaufen gibt, da Presssteine und Presslinge zu teuer sind und sie damit nur das Feuer halten, aber nicht kochen können.

Nach Mitteilung des Rates des Bezirkes Halle ist die Verteilung von Kraftstoffen für staatliche Anlagen im Monat September 1955 unzureichend. Zuteilung erfolgte an die Betriebe nur zu 30 %, hauptsächlich in Öl und Diesel. Für Katastrophenfall wurde der Grube Nachterstedt ohne Genehmigung des zuständigen Ministeriums aus dem IV. Quartal Zuteilung gegeben. Wenn nicht eine weitere Zuteilung gegeben werden kann, muss die Bau-Union Halle einige Baustellen schließen.

Von Teilen der Bevölkerung in Halle werden die hohen Preise von Import-Gewürzen sehr negativ diskutiert. Der Preis würde in keinem Verhältnis zum Wert stehen. Weiterhin ist eine Steigerung der Preise bei Textilien festzustellen. Anzüge, die vor zwei bis drei Monaten 120 bis 140 DM gekostet haben, kosten jetzt 170 bis 190 DM. Den Kunden wird gesagt, dass die Qualität verbessert sei. Auch hier kommt es zu negativen Diskussionen, wobei gesagt wird, dass es immer schöner wird.16

Der Kreis Dessau, [Bezirk] Halle, hat Überplanbestände an Textilien von 11,6 Millionen DM, und an Schuhen und Lederwaren ca. 2 Millionen. Diese stammen aus der laufenden Produktion, welche zurzeit nicht abgesetzt werden können.17

In einzelnen Kreisen des Bezirkes Dresden wurde festgestellt, dass das anfallende Obst nicht im richtigen Verhältnis von der Bevölkerung abgenommen wird, da die Preise zu hoch liegen.

In der Versorgungslage sind die Diskussionen weiterhin. So gibt es z. B. in der Landbevölkerung im Kreis Bad-Salzungen, [Bezirk] Suhl, Diskussionen über die Versorgung mit Baustoffen, Motorrädern und Bettwäsche. Die Bevölkerung kann nicht verstehen, dass es zehn Jahre nach Kriegsende in der DDR noch so einen großen Mangel an diesen Waren gibt.

In Langewiesen, [Kreis] Ilmenau, [Bezirk] Suhl, wird unter der Bevölkerung, besonders über die schlechte Versorgung mit Obst, insbesondere Tomaten, diskutiert. Dabei wurde zum Ausdruck gebracht, dass es in den Geschäften keine Tomaten gibt, aber auf der anderen Seite die beim Rat des Kreises Ilmenau, Abteilung Handel und Versorgung angestellte [Name 2] die Tomaten Körbeweise offen nach Hause trägt.18

Schon seit Wochen besteht in den Raucherkreisen, besonders aber auch unter den Arbeitern, Verärgerung über die schlechte Versorgung mit billigen Zigaretten. Obwohl vor einiger Zeit die Sorten »Travel« und »Derby« im Preis gesenkt wurden, wird zum größten Teil erklärt, dass diese für den Arbeiter noch zu teuer sind und außerdem nicht schmecken würden.

Auch unter den privaten Geschäftsleuten wird Klage darüber geführt, dass eine reibungslose Belieferung nicht vonstattengeht. Zum Teil wird eine Benachteiligung der privaten Geschäftsleute darin gesehen.

So sagte z. B. ein Kaufmann, parteilos, aus Malchin, [Bezirk] Neubrandenburg, Bahnhofstraße: »Schon seit drei Monaten habe ich vom GHK keine Zigaretten mehr erhalten. So wie es mir geht, ergeht es dem größten Teil in Malchin. Ich habe das Gefühl, dass die Privatleute in der DDR langsam ausgehungert werden sollen. Denn selbst vor dem 17.6.195319 haben wir Privatleute eine bessere Zuteilung erhalten.«

Eine schlechte Versorgung ist z. B. in den Gemeinden Wokuhl, Dabelow und Grammertin, [Kreis] Neustrelitz, [Bezirk] Neubrandenburg. Dort gibt es seit ca. drei Wochen keine Zigaretten oder Tabak mehr. Ähnlich sieht es im VEB-Apparate- und Maschinenbau in Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, aus.

In der VST des RAW Kirchmöser, Kreis Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, gab es wochenlang keine Zigaretten. Als an einem Sonnabend die VST auf einmal 90 000 Zigaretten zu acht und zehn Pfennig erhielt, gab es am darauffolgendem Tage im Kulturhaus wiederum nur teure Zigaretten zu kaufen. Die Arbeiter waren empört über die schlechte Warenstreuung.

In Leuenberg, Kreis Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, gibt es in der Verkaufsstelle Wölsickendorf, Kreis Freienwalde, nur teure Zigaretten zu kaufen. Als dort Zigaretten angeliefert wurden, stürmten die Bauern förmlich die Verkaufsstelle.

In Calau, [Bezirk] Cottbus, gibt es schon seit einigen Wochen keine billigen Zigaretten.

Versorgung der Bevölkerung

Durch die verstärkten Ernteeinsätze seitens der Bevölkerung, Betriebe, Institutionen usw. ist die Kartoffelversorgung etwas besser geworden, was jedoch nicht ausschließt, dass es noch zahlreiche Beispiele gibt, wo die Kartoffelversorgung Brennpunkt ist, die Hausfrauen stundenlang danach anstehen und wo es sogar zu Ausschreitungen kommt, wie das z. B. in Stralsund, [Bezirk] Rostock, der Fall war, wo die Hausfrauen den Parteisekretär vom Entwurfsbüro Hochbau tätlich angriffen, als er sich in das Gespräch der dort Stehenden einmischte und diesen zu erklären versuchte, dass die Getreideernte zurzeit vordringlich sei und die Bevölkerung bei der Kartoffelrodung helfen sollte.

Die Gespräche der Arbeiter, Hausfrauen usw. drehen sich ausschließlich um die Kartoffelversorgung. Wie schon des Öfteren berichtet, werden die Diskussionen darüber auch von fortschrittlichen, der DDR positiv gegenüberstehenden Personen geführt, denn in den Diskussionen kommt zum größten Teil keine Hetze gegen unseren Staat und unsere Errungenschaften zum Ausdruck. Es wird vielmehr immer wieder herausgestellt, dass unsere Regierung sicher nichts von den Versorgungsschwierigkeiten wüsste, sonst hätte sie schon längst Abhilfe geschafft. Vielmehr seien die untersten Verwaltungsorgane schuld, die keine richtige Warenstreuung durchführen und durch ihre Unfähigkeit die Bevölkerung verärgern. Vielfach wird auch erklärt, dass wahrscheinlich in unserer Wirtschaft noch sehr viele Agenten sitzen, die bewusst die Versorgung sabotieren.

In einem Teil der Diskussionen kommt aber auch zum Ausdruck, dass langsam das Vertrauen zur Regierung und Partei verloren werden kann, wenn man in Betracht zöge, dass sich seit 1952 die Lebenslage ständig verschlechtert hätte. Besonders hervorgehoben wird dabei, dass wir doch am Ende des Fünfjahrplanes sind, wo den Werktätigen der DDR ein nie bekannter Wohlstand versprochen worden sei.

Eine Kollegin aus den Dübelwerken Loitz, Kreis Demmin, [Bezirk] Neubrandenburg, sagte z. B.: »Wir sind im letzten Jahr des Fünfjahrplanes20 und von der Regierung wird erklärt, dass ein Wohlstand wie nie zuvor erreicht werden soll. Bis jetzt kann man aber nichts davon merken. Vor zwei Jahren war es besser als jetzt. Man kann so langsam das Vertrauen zu unserer Republik verlieren.«

Ein Arbeiter aus Güstrow, [Bezirk] Rostock: »Wenn das Walter Ulbricht21 wüsste, was der wohl dazu sagen würde. Der würde bestimmt aufräumen. Aber er wird dies wohl nicht erfahren. Für so etwas haben wir nun gekämpft, da muss doch der Teufel zwischen schlagen. Viele frühere Nazis tragen heute unser Parteiabzeichen, fressen sich dick und denken nicht daran, unsere Interessen zu vertreten.«

Die Arbeiter in den Betrieben sind vor allem darüber unzufrieden, dass das Werkessen vorwiegend aus Nudeln besteht und sie zu Hause von ihren Frauen auch nur laufend Nudeln vorgesetzt bekommen.

Die Verärgerung darüber ist so groß, dass die Arbeiter verschiedentlich mit Arbeitsniederlegung drohen, wenn sich die Versorgungslage nicht bald ändert. So drohten z. B. 15 Arbeiter aus einem Abbau im Kaliwerk Bleicherode, [Bezirk] Nordhausen, am 12.9.1955 die Arbeit nicht aufzunehmen, wenn keine Verbesserung in der Kartoffel- und Fleischversorgung eintritt.

In den Diskussionen kommt vorwiegend zum Ausdruck, dass es endlich Zeit wird, dass eine Verbesserung der Versorgung eintritt, denn von den Arbeitern würde auch verlangt, dass diese die Normen erfüllen.

Feindliche Diskussionen treten nicht im großen Umfange auf. Sie richten sich vor allem gegen unsere Regierung und beinhalten, dass wir in der DDR denselben Weg wie vor dem 17. Juni gehen würden und dass die Lage genauso schlecht sei. Außerdem ginge es nicht mehr lange so weiter, da die Karre im Dreck stecke.

Ein Einwohner aus Herschdorf, [Kreis] Ilmenau, [Bezirk] Suhl, sagte z. B.: »Das geht nicht mehr lange so weiter, denn die Karre steckt schon ganz im Dreck und es sieht auch nicht so aus, dass es wieder aufwärts gehen könnte.«

Ein Gütekontrolleur vom VEB LMW in Barth,22 [Kreis] Ribnitz, [Bezirk] Rostock: »Wir Arbeiter haben uns von dem Ende des Fünfjahrplanes mehr versprochen. Es ist eine Schweinerei, dass es heute noch Kartoffeln auf Marken gibt und die gibt es noch nicht einmal. Vor zwei Jahren haben wir besser gelebt. Wir sind heute schon wieder auf dem besten Wege zum 17. Juni. Die Schönfärberei ist wieder im Gange.«

Frauen, die in der Müller-Straße23 in Güstrow, [Bezirk] Rostock, nach Kartoffeln anstanden sagten: »Die SED bricht bald zusammen. Nun haben sie sich festgewirtschaftet. Es gibt nichts mehr. Nicht einmal Kartoffeln kann man mehr kaufen. Die dicken Bonzen sitzen überall in den Verwaltungen herum. Diese sollten lieber aufs Land gehen und arbeiten.«

Arbeiter aus dem gleichen Ort unterhielten sich ebenfalls über die Versorgungslage, wobei der eine auf das Gebäude der SED-Kreisleitung zeigte und sagte: »Die da oben haben die Verbindung mit den Massen verloren und sind überheblich. Dort muss unbedingt aufgeräumt werden.«

Folgende Beispiele zeigen, wie vom Gegner versucht wird, bewusst eine Beunruhigung in die Bevölkerung hineinzutragen.

So appelliert das Internat der Goethe-Oberschule in Bad Doberan, [Bezirk] Rostock, an die Eltern der dort untergebrachten Kinder, dass sie durch die knappe Kartoffelzuteilung gezwungen seien die Eltern der Kinder, die Landwirtschaft besitzen aufzufordern, pro Kind zehn Zentner Kartoffeln zu liefern, damit die fehlenden 200 Zentner. das Internat selbst decken kann.

In Görlitz, [Bezirk] Dresden, ist zu verzeichnen, dass mehr als sonst Personen mit Fieber und Durchfall den Arzt aufsuchen. In diesem Zusammenhang wird das Gerücht verbreitet, dass diese Krankheitserscheinungen auf die schlechte Qualität der Kartoffeln zurückzuführen sei.

Im Kreis Eisenberg, [Bezirk] Gera, wird das Gerücht verbreitet, dass es in diesem Jahr nur wenig Kartoffeln gäbe und mit einer großen Not zu rechnen sei.

In Rehmsdorf,24 Kreis Zwickau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wurde an die Hauswand einer Gaststätte folgende Hetzlosung mit Kreide angeschmiert: »Weg mit der Regierung, gebt uns Kartoffeln.« Unterschrift: DFD

Im Bezirk Magdeburg wird das Gerücht verbreitet, dass es in diesem Jahr nur knapp zwei Zentner Einkellerungskartoffeln pro Person geben soll.

Obwohl in einigen Bezirken die Kartoffelversorgung etwas verbessert wurde, so zeigt sich doch, dass die Stimmung der Bevölkerung zur Versorgungslage nicht besser geworden ist, sondern jetzt über andere fehlende Waren diskutiert wird. Der Inhalt dieser Diskussionen ist nicht anders wie der in den Diskussionen über die Kartoffelversorgung.

Wie in der letzten Zeit des Öfteren berichtet, besteht nach wie vor der Mangel an billigen Zigaretten, jetzt vor allem HO-Fleisch (in verschiedenen Kreisen des Bezirkes Karl-Marx-Stadt blieben am 12.9.1955 HO-Fleischverkaufsstellen geschlossen, weil kein Fleisch vorhanden war).

Weiter mangelt es an Obst und Gemüse. In den ländlichen Gemeinden an Fisch usw.

  1. Zum nächsten Dokument Zur Beurteilung der Situation in der DDR

    16. September 1955
    Informationsdienst Nr. 2485 zur Beurteilung der Situation in der DDR

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    14. September 1955
    Ernte [L 1/55]