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Zur Beurteilung der Situation in der DDR

12. Februar 1955
Informationsdienst Nr. 2423 zur Beurteilung der Situation in der DDR

Die Lage in Industrie und Verkehr

Im Vergleich zur letzten Berichtszeit hat sich ergeben, dass seit Bekanntwerden des Rücktritts des Genossen Malenkow1 lebhaft darüber diskutiert wird und dadurch die anderen aktuellen Probleme in den Hintergrund getreten sind. Von den fortschrittlichen Kräften wird übereinstimmend erklärt, dass die Haltung Malenkows beispielgebend sei und charakteristisch für die Einstellung der Sowjetmenschen, die in erster Linie ihre Funktion zum Wohle ihres Vaterlandes ansehen. Wenn er sich selbst eingesteht, noch nicht die nötige Erfahrung für die Funktion zu besitzen und sie deshalb einen anderen Genossen überlässt, so sei das als eine Stärke der Sowjetunion zu betrachten.2

Solche Meinungen sind sehr zahlreich und vor allem sind es auch viele Parteilose, die sich in dieser Form äußern.

Zum anderen ist es aber auch so, dass bei den Diskussionen über diese Frage die verschiedenartigsten Meinungen zum Ausdruck gebracht werden, meist von jenen, die die Veröffentlichung in unserer Presse anzweifeln oder davon gar keine Ahnung haben und sich nur auf die westlichen Verlautbarungen stützen. Am stärksten tritt dabei in Erscheinung, dass man den Rücktritt Malenkows mit der gegenwärtigen politischen Lage im fernen Osten in Zusammenhang bringt und zwar sagt man, dass die angespannte politische Lage erforderlich mache, dass auch in der SU ein erfahrener Militär an die Spitze treten müsste, wie das in der USA der Fall wäre.3 Auch wird dabei angenommen, dass dadurch ein Krieg unvermeidlich sei. Außerdem kommt es zu Äußerungen wie z. B. dass der Regierungswechsel, gerade jetzt wo Mendès France4 gestürzt wurde, nichts Gutes bedeute.5 Es gibt weitere Stimmen, die zum Ausdruck bringen, dass doch auch die Regierung der DDR schon Fehler gemacht habe, aber nicht so wie Malenkow gehandelt habe.

In der Minderheit sind die Stimmen, die direkt auf der Linie der Westpropaganda diskutieren, indem sie sagen, dass der Rücktritt Malenkows mit einer Regierungskrise zusammenhänge, dass es bestimmt Differenzen unter den führenden Kadern gegeben habe, oder dass anzunehmen sei, dass Malenkow ein Anhänger Berijas6 war und deshalb jetzt gehen müsste. Solche Diskussionen sind in der Mehrzahl von Arbeitern, weil die sich am stärksten an der Diskussion beteiligen.

In den Diskussionen über die Lage im Fernen Osten wird immer wieder die aggressive Haltung der USA gegenüber China und die Frage der Insel Taiwan erörtert. Es wird herausgestellt, dass Taiwan chinesisches Gebiet sei und dass es den USA nur darum geht, einen neuen Krieg auszulösen.7

In den Gesprächen über den Sturz von Mendès France kommt überwiegend zum Ausdruck, dass dies begrüßt, und für den Kampf gegen die Pariser Verträge8 als günstig angesehen wird.

Negative Stimmen sind ganz vereinzelt und haben keinen Einfluss auf die überwiegend positiven Meinungen zu diesen beiden Problemen.

Wie es sich mitunter auswirkt, wenn in den Betrieben keine aktive Parteiarbeit geleistet wird und vor allem die Agitation ungenügend ist und dadurch dem Klassenfeind die Möglichkeit gegeben wird, seine Argumente zu verbreiten, zeigt nachstehendes Beispiel.

Im Kraftwerk Potsdam leistet die BPO keine gute Arbeit, vor allem in Bezug auf die Aufklärung der einzelnen Kollegen. Es werden z. B. nur selten Agitatorenbesprechungen durchgeführt und die Agitatoren diskutieren so gut wie gar nicht mit den Kollegen am Arbeitsplatz. Es ist aber bekannt, dass gerade in diesem Betrieb mehrere kleinbürgerliche und vollkommen westlich beeinflusste Elemente ständig versuchen, negative Tendenzen unter die Kollegen zu tragen. Es wird des Öfteren in zynischer und verächtlicher Weise über politische Probleme gesprochen. Unter anderem wurde auch der Lebensstandard in der DDR lächerlich gemacht indem geäußert wurde: »Habt ihr schon gehört, der Lebensstandard hat sich wieder erhöht, ihr braucht nur zum Inventurverkauf zu gehen.« Außerdem wird sich auch über fortschrittliche Losungen und Plakate im Betrieb in negative Weise ausgelassen.

Wenn sich die Genossen der BPO tatsächlich einmal in den Produktionsstätten sehen lassen, dann brechen die Arbeiter ihre Unterhaltungen ab und es kommt zu Bemerkungen, dass man sich gegenüber den Genossen nicht äußern dürfe.

Im Vergleich zur letzten Berichtspierode halten die Materialschwierigkeiten in den verschiedensten Industriezweigen weiterhin an. Die Ursachen liegen meist darin, dass entweder die Zulieferbetriebe nicht gemäß des Planes liefern oder dass es sich um Rohstoffe handelt, die auf dem Importwege beschafft werden müssen und nicht immer rechtzeitig zur Verfügung stehen.

Durch die Materialschwierigkeiten und andere betriebliche Mängel werden in den Betrieben Diskussionen geführt, wie z. B. dass die Arbeiter bereit seien, zur Hebung der Rentabilität und zur Planerfüllung beizutragen, was aber durch diese Schwierigkeiten nicht möglich sei.

Zum Beispiel werden im Kreidewerk Saßnitz, [Bezirk] Rostock, zur Ausbesserung der Schlammgruben 50 qm Holz benötigt. Es wurden aber nur sieben qm zur Verfügung gestellt. Das löste unter den Arbeitern Diskussionen aus wie z. B. »Wir haben die Verpflichtung übernommen, unseren Plan überzuerfüllen, was aber nun nicht mehr möglich ist, weil die Schlammgruben in der Saison ausfallen«.

Im VEB Wollkämmerei Mylau, [Kreis] Reichenbach,9 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, bestehen durch das Fehlen von Wolle Produktionsschwierigkeiten.

Zulieferbetrieb ist das Thüringer Kunstfaserwerk »Wilhelm Pieck« in Schwarza. Das Werk gibt an, in seiner Kapazität nur zu 50 % ausgelastet zu sein, sodass die Lieferungen nur schleppend erfolgen können.

Im VEB Alu-Bau in Wismar, [Bezirk] Rostock, fehlen Feinbleche – werden aus den Importen zu Verfügung gestellt. Dadurch wird die Massenbedarfsproduktion, besonders von Weckkesseln, die sehr gefragt sind, gehemmt.

Aus der Schraubenfabrik Finsterwalde wird weiter bekannt, dass für das erste Quartal 1955 800 t Schraubeneisen und Nieteneisen sowie ca. 300 t Muttereisen fehlen. Die Lieferungen sollen laut DHZ Metallurgie aber erst am 31.3.[1955] erfolgen. (Das Material wird importiert.) Dadurch müssen 50 bis 60 Arbeiter in andere Arbeitsstellen vermittelt werden.

Aufgrund der Überplanbestände im IKA Elektroschaltgerätewerk Dresden wurde vom Hauptwerk beschlossen, dass die Meister bei Beginn und Beendigung einer Arbeit die Lohnzettel abzeichnen. (Die Arbeiter halten sich nicht an die vorgeschriebenen Stückzahlen der zu fertigenden Teile – statt 40 wurden 200 Stück gefertigt, um ihren Verdienst hochzuschrauben.) Der Leiter der Abteilung Arbeit im Werk VI wurde beauftragt, mit den Kollegen über diese Neureglung zu sprechen. Bei diesen Besprechungen ergingen sich die Arbeiter in wüsten Beschimpfungen gegen den genannten. Die BGL und BPO des Werkes VI. unterstützen die Kollegen und verlangten, dass die Anweisung zurückgenommen wird. Es sind Bestrebungen im Gange, den Leiter der Abteilung Arbeit von seiner Funktion abzuberufen.

Der Umschlag im VEB Seehafen Rostock und Warnemünde wurde im Monat Januar 1955 nur mit 51 % erfüllt. Ursache: Unzureichender Schiffszulauf. Obwohl von der Leitung alle Möglichkeiten, die Arbeiter zeitweilig in anderen Betrieben unterzubringen, ausgenutzt wird, sind trotzdem 10 500 Wartestunden zu verzeichnen. Dies wirkt sich schlecht auf die Stimmung der Arbeiter aus. Die Umschlagarbeiter sind bereit, ihre Arbeitsnormen sofort zu erhöhen, wenn ihnen die Garantie gegeben wird, dass sie durchgehend arbeiten können.

Aus dem Baugewerbe

Im Kreisbaubetrieb in Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, ist zu verzeichnen, dass von 315 Arbeitskräften ca. 50 % in kurzer Zeit nicht mehr beschäftigt werden können. Der Betrieb hat zwar eine Auflage für das Jahr 1955 erhalten, aber es fehlen noch immer die Unterlagen vom Entwurfsbüro Mahlow, [Kreis] Zossen. Auf eine Anfrage hin wurde von dort erklärt, dass die Unterlagen erst Mitte des II. Quartals zugestellt werden könnten. Grund: Das Projektierungsbüro muss sich erst auf ländliche Bauten umstellen.

Dem VEB Bauhof Pritzwalk, [Kreis] Potsdam, ist noch nicht bekannt, mit welchem Bauvorhaben er in diesem Jahr beauftragt wird. Trotzdem die Abteilung Aufbau beim Rat des Kreises schon eine Übersicht über die durchzuführenden Bauten im Kreisgebiet hat, erfolgt noch keine Aufschlüsselung auf die einzelnen Baubetriebe. Aus dem Grunde ist es dem Bauhof nicht möglich, die nötigen Arbeitsvorbereitungen zu treffen.

Am 8.2.1955 kam es im Martin-Hoop-Werk IV Zwickau,10 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, zu einer Produktionsstörung. Ursache: Beim Schachtfahren wurde festgestellt, dass 70 Meter Unterseil stark verformt waren und am Ende eine Schlinge bildeten. Produktionsausfall ca. 1 200 bis 1 300 t Kohle.

Am 4.2.[1955], gegen 20.00 Uhr, entstand auf dem Dachboden des VEB Schrumpfkapselfabrik Radebeul, [Bezirk] Dresden, ein Brand. Ursache: Vermutlich Kurzschluss. Schaden: ca. 6 000 DM. Trotzdem wiederholt darauf hingewiesen wurde, dass der alte morsche Dachboden erneuert werden müsste, wurden dem VEB keine Investmittel zur Verfügung gestellt.

Weiterhin versucht der Gegner durch das Verschicken von gefälschten Schreiben an die VEB unsere Wirtschaft zu stören.

Zum Beispiel erhielten VEB Zwirnerei und Nähfadenfabrik Oederan, Perlonzwirnerei Flöha, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, VEB EKO Oschatz,11 [Bezirk] Leipzig, und VEB Trikotagenwerk Freiberg Werk II, [Bezirk] Dresden, eine Einladung angeblich vom Ministerium für Leichtindustrie für eine Tagung am 14.2.1955 in Limbach, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt.

Am 8.2.1955 fiel im Thüringer Öl- und Fettwerk Gotha, [Bezirk] Erfurt, gegen 21.00 Uhr, für einige Stunden eine wichtige Maschine aus. Bei der Untersuchung wurde im Getriebe der Maschine eine Kette vorgefunden. Vermutlich handelt es sich hierbei um Feindtätigkeit.

Im RAW Dresden/Friedrichstadt findet zurzeit eine Ausstellung über Korea statt. Es wurde festgestellt, dass ein Bild des Genossen Pieck12 mit Koreanischen Kindern heruntergerissen und beschädigt wurde.

Im Stabwalzwerk des Walzwerkes Riesa, [Bezirk] Dresden, wurde bei den AGL-Wahlen bei der Auszählung der Stimmzettel festgestellt, dass auf einen Zettel das Wort »Idiot« und auf einem anderen ein Hakenkreuz geschmiert wurden.

Vom VEB Volksbau, Archibaldweg Berlin wurde bekannt, dass nach der Errichtung des Rohbaues in der ganzen Höhe die Schornsteine von dem herabfallenden Kalkmörtel gesäubert wurden. Bei Abnahme durch den Schornsteinfegermeister stellte sich heraus, dass einige Schornsteinrohre trotzdem verstopft waren. Es wurden Kanthölzer in einer Länge von 1,50 m bis 2 m, sowie halbe und ganze Mauersteine herausgeholt. Diese Baustoffe sind erst nach dem Reinigen von unbekannten Tätern in die Schornsteine hineingeworfen worden. Nachdem sie entfernt wurden, ereignete sich das gleiche nochmals. Das zweite Mal wurden die Baustoffe nicht vom Dach aus, sondern von den einzelnen Etagen hineingeworfen, wo zum Teil die Schornsteinrohre extra dazu aufgestemmt wurden. Außerdem sind unbekannte Täter dazu übergegangen, die Be- und Entwässerungsleitungen, die aus Porzellanrohren hergestellt sind, mithilfe von Kanthölzern mutwillig zu zerschlagen.

Vom VEB Industriebau-Baustelle Bettenhaus Berlin-Friedrichshain wurde mitgeteilt, dass am 26.1.1955 zur Durchführung von Reparaturen verschiedene Heizkörper der Zentralheizung abmontiert wurden und dass am nächsten Tag die erste Etage des Baues vom Wasser überschwemmt war, da die Hähne zu den abmontierten Heizungen geöffnet wurden.

Versorgung der Bevölkerung

Die Versorgungsschwierigkeiten bei HO-Fleisch13 und bei Kohlen haben sich in den letzten Tagen etwas gebessert.

Bei Fleisch ist die Verbesserung besonders darauf zurückzuführen, dass die Bezirke versuchen, durch eigenen verstärkten Auftrieb ihren Bedarf an Fleisch zu decken. Dabei zeigt sich, dass es vor allem darauf ankommt, dass der Auftrieb in Zukunft systematisch durchgeführt wird, sodass die Bauern Vertrauen zu unseren Handelsorganen gewinnen und ihr Vieh nicht mehr zurückhalten.

Besonders tritt jetzt in einigen Bezirken öfter in Erscheinung, dass es an Stärkeerzeugnissen, Kindernährmitteln usw. mangelt. Die Ursachen hierfür liegen zum Teil in einer schlechten Planung und in den noch immer auftretenden Angsteinkäufen, bei denen man vor allem solche Waren aufkauft, die man längere Zeit aufbewahren kann.

In Räckelwitz, [Kreis] Kamenz, [Bezirk] Dresden, wird das Gerücht verbreitet, dass die HO und der Konsum14 auf den Dörfern bald aufgelöst werden.

Die HO-Einkaufsabteilung in Belzig, [Bezirk] Potsdam, erhielt ein gefälschtes Schreiben mit dem Absender »DHZ15 Elektrotechnik Potsdam«. In diesem Schreiben wird zum Ausdruck gebracht, dass die Pariser Verträge bereits ratifiziert sind und die Rohstoffe für wichtigere Zwecke benötigt werden. Deshalb könnten die laut Plan im ersten Halbjahr 1955 fälligen 204 Rundfunkapparate nicht geliefert werden.

Die Lage in der Landwirtschaft

Obwohl in der Landwirtschaft nicht so rege wie in den Industriebetrieben über politische Probleme gesprochen wird, so kann man doch sagen, dass über den Rücktritt des Genossen Malenkow stärker diskutiert wird, als das sonst bisher bei politischen Fragen der Fall war. Vorwiegend wird unter den Genossenschaftsbauern und Arbeitern des sozialistischen Sektors der Landwirtschaft zum Ausdruck gebracht, dass der Rücktritt des Genossen Malenkow von der Stärke des Sowjetmenschen zeugt, die ihr Vaterland und nicht die persönlichen Vorteile vor Augen haben und dass das nur in einem sozialistischem Lande möglich ist, wo konsequent das Gesetz der Kritik und Selbstkritik verwirklicht wird.

Zum Beispiel wurde in der LPG Gussow, [Kreis] Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, von den Mitgliedern Folgendes geäußert: »Wir sind der Meinung, dass der Rücktritt des Genossen Malenkow nicht auf einen Machtkampf verschiedener Gruppen, wie in kapitalistischen Ländern, zurückzuführen ist, sondern dass der Rücktritt auf dem Prinzip der Kritik und Selbstkritik beruht. Wir haben das Vertrauen, dass die SU auch weiterhin ihre konsequente Friedenspolitik zum Wohle aller Werktätigen durchführen wird. Für die Arbeit in unserer LPG ziehen wir daraus die Folgerung, dass auch wir nur durch verstärkte Kritik und Selbstkritik zu größeren Erfolgen kommen können.«

Die Kollegen der MTS Milow, [Kreis] Rathenow, [Bezirk] Potsdam, brachten zum Ausdruck, dass sie mit der Rücktrittsbegründung des Genossen Malenkow einverstanden sind, denn es sei richtig, wenn er ehrlich ist und einen anderen Genossen, der mehr Erfahrung besitzt den Vorsitz übergibt.

Es gibt aber auch Äußerungen, die auf den Einfluss des RIAS16 schließen lassen. Solche Diskussionen sind in der Minderheit und werden vorwiegend von Mittel- und Großbauern17 geführt.

Ein Bauer aus Wiesenau, [Kreis] Fürstenberg, [Bezirk] Frankfurt/Oder: »Dass Malenkow jetzt abgesetzt wurde, ist darauf zurückzuführen, dass in Russland eine Agrarkrise ist, bzw. eine Hungersnot ausgebrochen ist. Die DDR ist jetzt gezwungen, landwirtschaftliche Produkte nach Russland zu liefern.«

Es gibt noch immer LPG, wo der Abschluss der Jahresabrechnung und die Auszahlung der Arbeitseinheiten18 noch nicht erfolgten. Viele LPG haben im vergangenen Jahr mit Verlust gearbeitet, was sie in diesem Jahr dazu zwingt, die Arbeitseinheiten zu senken. Unter den Mitgliedern wird darüber rege diskutiert. Es gibt LPG, die alles versuchen, [um] ihre wirtschaftliche Lage wieder zu verbessern, indem sie sich verpflichten, Neuerermethoden19 anzuwenden.

Oft werden aber auch negative Erscheinungen bekannt.

Zum Beispiel wurden in der Jugendbrigade der LPG Riesa-Pochra, [Bezirk] Dresden, Arbeitseinheiten herabgesetzt. Die Jugendlichen bringen zum Ausdruck, dass sie aus der LPG austreten wollen, wenn sie in Bezug auf Zahlung nicht als gleichberechtigte Mitglieder angesehen werden. Die Mitglieder erhalten neben ihren Bodenrenten noch Naturalien. Bei den Jugendlichen werden diese für das Küchenessen angerechnet. Bei einer 70%igen Auszahlung der Einheiten, erhalten die Jugendlichen monatlich DM 50,00 ausgezahlt. Ein Großbauer kennt diesen Zustand, er sprach schon mehrere Jugendliche an, und versucht sie für sich zu gewinnen.

In der LPG Güterglück, [Kreis] Zerbst, [Bezirk] Magdeburg, löste die Verzögerung der Auszahlung der Arbeitseinheiten eine schlechte Arbeitsmoral aus. Zum Beispiel erschienen am 3.2.[1955] von 22 Mitgliedern nur drei zur Arbeit.

In der LPG Lübs,20 [Kreis] Zerbst, [Bezirk] Magdeburg, herrscht ebenfalls Unzufriedenheit über die Arbeitseinheiten.

In der LPG Dornburg, [Kreis] Zerbst, [Bezirk] Magdeburg, zeigen sich Auflöseerscheinungen. Ein großer Teil der Mitglieder stellten Anträge auf Austritt aus der LPG.

Die Ersatzteilbeschaffung steht nicht mehr so im Vordergrund wie es in der letzten Zeit der Fall war. Die Gefahr, den Winterreparaturplan nicht zu erfüllen, besteht in den meisten MTS nicht mehr: Es wird berichtet, dass ein großer Teil der MTS in der Lage ist, bis zum »Tag der Bereitschaft«21 ihre Maschinen einsatzbereit zu haben.

Ersatzteilmangel wurde noch aus einigen MTS der Bezirke Dresden und Suhl gemeldet.

Das bisherige Ergebnis der VdgB-BHG-Wahlen22 ergab, dass von großbäuerlichen Elementen und Mitgliedern bürgerlicher Parteien versucht wurde, aktiven Einfluss auf die Wahlen zu gewinnen und die Mitglieder der SED möglichst auszuschalten. Vielfach ist es diesen Elementen dort gelungen, wo die Partei schlecht gearbeitet und sich weniger um die Wahlen gekümmert hat.

Im Bezirk Potsdam wurde am Stichtag (28.1.1955) folgendes Ergebnis ermittelt:

79,5 % der Wahlversammlungen wurden durchgeführt. Die Beteiligung lag im Bezirksmaßstab bei 51,6 %. Am schlechtesten war die Beteiligung in den Kreisen Nauen, mit 33 %, Kyritz mit 39,7 % und Pritzwalk mit 39,3 %. Im Bezirksmaßstab beträgt der Anteil der SED-Mitglieder in den Vorständen 31,1 %. Am schlechtesten ist der Anteil in den Kreisen Königs Wusterhausen mit 18,2 %, Belzig mit 19,7 % und Zossen mit 23,4 %.

In einigen Fällen wird bekannt, dass die Futtergrundlage in einigen LPG zum Teil auch in ÖLB und VEG nicht mehr gewährleistet ist.

Zum Beispiel ist im ÖLB in Flieth, [Kreis] Templin, [Bezirk] Neubrandenburg, die Futtergrundlage für die Rinder bis zum Frühjahr nicht gesichert. Die Folge des Futtermangels ist, dass von neun Kühen täglich nur 20 Liter Milch geliefert werden.

In den LPG Flachsdorf, [Bezirk] Schwerin, Liessow Neuhof, [Kreis] Hagenow, Granitz, [Kreis] Lübz, in den ÖLB Welzin, [Kreis] Gadebusch, Gnevsdorf und dem VEG Karow, [Kreis] Güstrow des Bezirkes Schwerin reicht das Futter bis zur neuen Ernte nicht mehr aus. Zum Beispiel reicht in der LPG Neuhof das Futter für die Kühe nur noch 14 Tage. Heu ist bereits seit acht Tagen verbraucht.

Schweinepest

Auf dem ÖLB Drense, [Kreis] Prenzlau, [Bezirk] Neubrandenburg, wurde die Schweinepest festgestellt. Von 45 Schweinen verendeten neun, die übrigen wurden notgeschlachtet.

Im ÖLB Carmzow, [Kreis] Prenzlau, [Bezirk] Neubrandenburg, verendeten von 30 Schweinen drei. Die restlichen 27 Tiere wurden notgeschlachtet.

In der LPG »Rotes Banner« in Kersdorf, [Bezirk] Leipzig, sind von 80 Tieren sechs Stück verendet. Der Rest wurde notgeschlachtet.

In der LPG Ziegenhain, [Kreis] Meißen, [Bezirk] Dresden, wurde die Darmerkrankung unter den Rinderbeständen festgestellt.

Am 20.12.1954 erhielt ein Mittelbauer aus Moritz, Ortsteil Schora, [Kreis] Zerbst, [Bezirk] Magdeburg, 250 kg Baumwollsamenkuchen von der BHG »Güterglück«, [Kreis] Zerbst. Er stellte fest, dass in den Pressstücken ca. 5 bis 10 cm lange und ein bis zwei mm starke Stahl- und Kupferdrahtreste enthalten waren. Die Ermittlungen ergaben, dass laut Frachtbrief vom VEAB für landwirtschaftliche Erzeugnisse Berlin-Karlshorst, Gundelfinger Straße 1, die Sendung kommt. Die gleichen Mengen erhielten die BHG Deetz, Lindau und Zerbst. Die Möglichkeit, dass die Drahtreste in die Platten nachträglich eingeführt wurden, ist ausgeschlossen.

In der Schweinemästerei Dierkow, [Bezirk] Rostock, sind im Monat Januar 292 Schweine verendet und 228 notgeschlachtet worden. Der Tierarzt stellte unsachgemäße und einseitige Fütterung fest. Die geführten Ermittlungen ergaben, dass vonseiten des VEAB die zustehenden Mengen an Gerste und Mais nicht geliefert wurden, weil der VEAB in Rostock diese Futtermittel nicht vorrätig hatte. Aus diesem Grunde erhielten die Schweinemästereien zum größten Teil nur Roggenschrot zur Fütterung der Schweine.

Im VEG Quetzdölsdorf, [Kreis] Bitterfeld, [Bezirk] Halle, brannte aus noch ungeklärten Gründen der Dachstuhl des Jungviehstalles vollständig ab. Schaden: 15 000 DM.

In der Gemeinde Sassen, [Kreis] Demmin, [Bezirk] Neubrandenburg, wurde das Gerücht verbreitet, dass die freien Spitzen für die werktätigen Einzelbauern wegfallen und nur die LPG weiterhin freie Spitzen abliefern können.23 Hierzu sagte ein Bauer aus dieser Gemeinde: »Wenn dies der Fall ist, hat es keinen Zweck mehr, weiterzuwirtschaften, denn die freien Spitzen sind ja unser Verdienst.«

Ereignisse von besonderer Bedeutung

In den Kreisen Zwickau, Oelsnitz, Auerbach, Plauen und Flöha, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wurden am 10.2.[1955] auf der frischen Schneedecke lebende braunschwarze, samtartige, ca. 2 cm lange Raupen gefunden. Bei durchgeführten Suchaktionen wurden bisher im Kreis Auerbach nach Angaben der VP zwei Wassereimer voll gefunden.

Zu bemerken ist, dass in der letzten Nacht laufend Schnellfälle zu verzeichnen waren und der Boden hart gefroren ist. Es wird vermutet, dass diese Raupen durch Flugzeuge abgeworfen wurden.

Die Schule für Agro-Ökonomen in Naumburg, [Bezirk] Halle, musste wegen Grippeepidemie geschlossen werden.

Am 3.2.[1955] wurde in Sielstedt, [Kreis] Wernigerode, [Bezirk] Magdeburg, die Volksschule geschlossen, da von 160 Kindern 80 an Grippe erkrankt sind.

In Brüel, [Kreis] Sternberg, [Bezirk] Schwerin, musste ebenfalls die Grundschule wegen Grippeepidemie geschlossen werden.

Einschätzung der Situation

Der Rücktritt des Genossen Malenkow steht im Mittelpunkt der in allen Bevölkerungsschichten zahlreich geführten Gesprächen. Alle anderen Probleme traten deshalb zeitweilig in den Hintergrund. Die überwiegende Mehrheit nimmt im fortschrittlichen Sinne zum Rücktritt des Genossen Malenkow Stellung. In den Diskussionen zeigen sich aber auch, trotz Aufklärung durch die demokratische Presse und den Rundfunk eine ganze Reihe Unklarheiten und eine größere Zahl feindlicher Argumente als vorher zu anderen politischen Fragen. Dies beweist, wie auch aus verschiedenen Bezirken bestätigt wird, dass die feindlichen Nachrichten oftmals zuerst unter der Bevölkerung bekannt geworden sind und zu einem wesentlichen Teil die Richtung der Diskussionen bestimmen.

Die ausführlichen Erklärungen des Genossen Molotow24 über die Deutschlandfrage und zum Kampf gegen die Kriegsverträge, sowie die Deklaration des Obersten Sowjet, in der besonders die Bereitschaft zu Verhandlungen zwischen West und Ost herausgestellt wird,25 hat bis jetzt noch kein bemerkenswertes Echo in den breiten Massen der Bevölkerung gefunden.

Der westliche Rundfunk stellt in zahlreichen Sendungen den Rücktritt Malenkows in den Vordergrund, nimmt aber nicht Stellung zu den Vorschlägen der SU über die Sicherung des Friedens und die Einheit Deutschlands.

Anlage 1 vom 12. Februar 1955 zum Informationsdienst Nr. 2423

Auswertung von Westsendungen

In Verbindung mit einer Hetze gegen die SU, die verleumdet wird, mit der Methode der Planung seit Anfang 1930 die Arbeiter zur äußersten Leistung und zum niedrigen Normalverbrauch zu zwingen, hetzt RIAS gegen die Produktionspläne in der DDR. Insbesondere hetzt er gegen die Abänderung des Direktorenfonds, die angeblich wegen der katastrophalen Lage in der DDR erfolgt sei. Um die Arbeiter zu beunruhigen, schreckt er sie mit der Kürzung des Direktorenfonds im Falle der Nichterfüllung ihrer Pläne, auch dann, wenn die Ursache nicht bei ihnen, sondern bei Zulieferbetrieben läge.26 Mit dem Versuch, die sowjetischen Neuerermethoden und die Souveränität der DDR zu diffamieren, hetzt er unter Andeutung auf den 17. Juni 195327 gegen unsere staatlichen Organe: »… Diese 100%ige Einführung der Sowjetmethoden beweist die Einfallslosigkeit der kommunistischen Plänemacher. Sie greifen wieder auf ein System zurück, das schon einmal kläglich gescheitert ist. Sie beweist ferner, dass die SU auch in Fragen rein technischer Bedeutung ihre Kontrolle über die Sowjetzone zu behaupten und zu verschärfen gedenkt.«

In einer anderen Sendung hetzt RIAS gegen den Beschluss: »Industriearbeiter aufs Land«.28 Zur Beunruhigung der Landbevölkerung bezeichnet er diesen Beschluss als »Agrarrevolution«, die von den meisten noch nicht erkannt wurde. Die dafür vorgesehenen Kader teilt er in drei Kategorien ein:

  • »1)

    Zuverlässige Parteigenossen, die jeden Parteiauftrag vorbehaltlos annehmen und ohne Rücksicht auf ihre fachliche Qualifikation Befehle ausführen;

  • 2)

    FDJler, die mit Begeisterung dem Ruf ›Kader aufs Land‹ folgen. Man braucht nur die ›Junge Welt‹29 von dieser Woche zu lesen, um näheres darüber zu erfahren.

  • 3)

    KVP-Angehörige, deren Dienstzeit um ist.«

Als Maßnahmen dieser Kader, so argumentiert RIAS weiter, sollen alle »Landbürgermeister bis Ende März dieses Jahres auf ihre ideologische Klarheit hin überprüft werden. Die ideologisch Unklaren werden auf Kurzlehrgängen gefestigt, die Hoffnungslosen von ihren Posten entfernt und durch zuverlässige Funktionäre ersetzt«. Im weiteren Verlauf der Hetze heißt es: »… In der Industrie haben diese Funktionäre, die sich durch Parteigehorsam aber wohlgemerkt nicht durch Sachkenntnis auszeichnen, endlose und kostspielige Produktionsstockungen verursacht. Sie sind schuld an den höheren Preisen und der schlechten Qualität der Industriewaren aus den VEB. Mit der Politik »Kader aufs Land« soll anscheinend derselbe Zustand in den Dörfern der SZ eingeführt werden.«

Im Zusammenhang mit einer Hetze gegen den Genossen Walter Ulbricht30 hetzt RIAS gegen die MTS und LPG. Vorwand zu dieser Hetze ist die Herabsetzung der MTS-Tarife31 für mittlere und größere Wirtschaften, was RIAS als eine Maßnahme zur besseren Auslastung der »unrentabel arbeitenden MTS« und nicht als Hilfe für die Einzelbauern hinstellt. Außerdem bezeichnet er die neuen Tarife als immer noch zu hoch, als ungerechtfertigt und als nutzlos. Die »Nutzlosigkeit« versucht er wie folgt zu beweisen: »… Die Ansichten sind nicht sehr günstig. Zumindest nicht in Gegenden, wo ein großer Teil der landwirtschaftlichen Fläche von Kolchosen32 und ÖLB33 bewirtschaftet wird, denn dort hat die MTS so viel zu tun, dass sie gerade, wenn sie der selbstständige Bauer braucht, in der Kolchose arbeiten muss … Eine Lösung des Zugkraftproblems in der Sowjetzone ist auch die Herabsetzung der MTS-Tarife nicht, denn die MTS kann niemals den eigenen Schlepper im Betrieb ersetzen.«

Mit der Absicht, die Bevölkerung zu beunruhigen, verbreitet der RIAS wiederholt Gerüchte über große Versorgungsschwierigkeiten. Unter anderem hetzt er hierzu: »Die kommunistische Planwirtschaft bleibt außerstande, eine reibungslose regelmäßige und ausreichende Versorgung sicherzustellen.«

In einer Sendung an die Jugend fordert der RIAS die FDJler auf, sich gegen das »Einschleusen von zuverlässigen Funktionären in die Interessengemeinschaften«34 zur Wehr zu setzen. Er hetzt, dass die Funktionäre der FDJ versuchen werden, »mit Angeboten, Intrigen, und disziplinarischen Maßnahmen den inneren Zusammenhalt der Interessengemeinschaften zu zerstören«. Mit der Aufforderung, sich nicht ins Bockshorn jagen zu lassen, fordert RIAS:

»Haltet zusammen. Bleibt bei eurer Tätigkeit und macht damit die Funktionäre machtlos. In den nächsten Wochen kommt es auf jedes einzelne Mitglied an.«

Am 5.2.1955 hetzt die Westberliner Presse erstmalig im »Kurier«35 gegen die Stipendienverordnung der DDR.36 Unter der Überschrift: »Die SED fordert Waffen statt Stipendien« kommentiert die Zeitung eine erfundene Begründung der neuen Verordnung, »dass jeder Student einsehen müsse, welches erhebliche Maß an Kosten für den Aufbau der Friedenskräfte erforderlich ist, die von der gesamten Bevölkerung – also auch von den Studenten – getragen werden müssen«. Zur Beunruhigung der Studenten und um sie zu veranlassen, Westberliner Beratungsstellen aufzusuchen, argumentiert der »Kurier« wie folgt: »Im Amt für gesamtdeutsche Studentenfragen und im Auskunftsamt der Freien Universität herrscht seit voriger Woche Hochbetrieb. Die Studenten aus der Sowjetzone suchen hier Rat und Hilfe. Vorwiegend sind es Studenten der Humboldt-Universität, aber auch aus Rostock, Greifswald und Halle, die hier ihre Aussichten besprechen.« Im weiteren Verlauf der Hetze wird noch ein angeblicher Absatz aus der Verordnung zitiert, der die Studenten verpflichte, drei Jahre nach der Hochschulausbildung die Stelle anzutreten, die ihnen von der Berufslenkungskommission nachwiesen werde.

Mit dem Hinweis, dass bei Inkrafttreten der Verordnung mit einer »Massenflucht« von Studenten nach dem Westen zu rechnen ist und die »Freie Universität« hunderte Gasthörer zu erwarten habe, werden die Studenten aufgefordert, den Weg in den Westen anzutreten.

Anlage 2 vom 12. Februar 1955 zum Informationsdienst Nr. 2423

Auswertung von Hetzschriften

Bei der Auswertung der Hetzschriften zeigt sich, dass der Gegner zurzeit in verstärktem Maße dazu übergeht, in persönlichen Briefen Bürger der DDR anzusprechen. Es handelt sich dabei meist um Drohbriefe wegen einer angeblichen Arbeit für das SfS und wegen der aktiven Arbeit zur Durchführung der Beschlüsse von Partei und Regierung. Den Bürgern wird gedroht, dass sie für ihre Handlungsweise einmal zur Rechenschaft gezogen würden und sie werden aufgefordert, sofort ihre fortschrittliche Tätigkeit einzustellen. Aufforderungen zur Republikflucht sind in den Schreiben nicht enthalten.

Die Art verwendet insbesondere die sogenannte »Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit«,37 obgleich deren Postversand gegen den »Untersuchungsausschuss freiheitlicher Juristen«38 zahlenmäßig geringer ist.

Zum Beispiel wurden in der Zeit vom 1. bis 20.1.1955 ca. 14 000 Hetzschriften des UfJ sichergestellt, während von der KgU im gleichen Zeitraum ca. 2 400 Hetzsendungen festgestellt wurden. Vom SPD-Ostbüro39 wurden ebenfalls 2 000 sichergestellt, die Zahlen der Hetzschriften anderer Feindzentralen40 liegen wesentlich niedriger, da diese ihre Hetzschriften vorwiegend mittels Ballon verbreiten. So wurden z. B. von der Feindzentrale der NTS41 nur zehn Sendungen sichergestellt.

Eine starke Verbreitung findet noch die Hetzschrift »Der Tag«42 (in 20 Tagen ca. 2 200 Stück), die sich mit nationalen und internationalen Problemen beschäftigt. Auffallend waren bei den letzten Nr. dieser Hetzschrift die zahlreichen Ausführungen über die KVP bzw. über die Maßnahmen der DDR zum Schutz unserer Errungenschaften. Die Hetzschriften verfolgten das Ziel, die Bevölkerung gerade in dieser Hinsicht negativ zu beeinflussen.

Neue Hetzschriften

An Vorsitzende der LPG werden von der KgU Hetzbriefe gesandt, in denen diese aufgefordert werden, dem Ministerrat der DDR über die »katastrophale Wirtschafts- und Versorgungslage der DDR« Aufklärung zu geben. Gleichzeitig wird gegen die Aktion »Kader aufs Land« gehetzt und zum Schluss ergeht folgende Aufforderung an die Vorsitzenden der LPG über ihr eigenes Verhalten: »… Wir raten ihnen: Stellen Sie ihre Handlangerdienste für die SED-Machthaber ein, denn die geplanten Maßnahmen gegen die noch bestehende Privatwirtschaft in der SBZ werden das Elend nur noch vergrößern. Für eine notgedrungene äußerlich fortschrittliche Betätigung im Sinne der SED wurde noch keiner bestraft, wohl aber für verbrecherische Handlungen im Sinne des Strafgesetzbuches. Eines Tages werden Sie sich in einem freien Deutschland verantworten müssen und man wird sie fragen: Was haben Sie für, was haben Sie gegen das bolschewistische System getan?«

Mit der Unterschrift »Mitteldeutsches Freiheitskomitee« werden ähnliche Drohbriefe an andere Bürger der DDR gesandt, in denen eine Arbeit für das SfS als »Handlungsweise krimineller Natur« bezeichnet wird und die Empfänger aufgefordert werden, von einer Arbeit für das SfS Abstand zu nehmen.43

Die Hetzschrift »Der Tag« beschäftigt sich in ihrer letzten Ausgabe u. a. mit der stattgefundenen Konferenz der Staatlichen Plankommission.44 Nach einer einleitenden Hetze, dass die Planung die Wirtschaft der DDR seit 1948 »systematisch ruiniert« habe, wird behauptet, dass »die SED-Absicht auf der Linie der Leninschen45 Bestrebungen zur Zeit der Einführung der NÖP«46 läge und man wolle die »überplante Wirtschaft wieder dezentralisieren«.

Die Hetze wird dazu wie folgt fortgesetzt: »… Der Zwang der Planwirtschaft soll sich vorübergehend lockern, bis die industrielle Krise überschritten ist, um dann mit neuem Elan in alte Fehler zu verfallen … Es ist eine halbe Sache. Die SED wagt nicht, von den Grundprinzipien der totalen Planung abzugehen, und verlangt plötzlich dort Initiative und Selbstständigkeit, wo diese noch vor Kurzem unter Strafe standen. So ist es keine echte Wendung, was sich hier vollzieht, sondern nur ein neues Experiment, ohne reale Aussicht auf Erfolg … Wie das Experiment auch auslaufen mag, vorerst geht es weiter auf Kosten der Bevölkerung … Es wird sich zeigen; Man kann ganze Produktionszweige planen, aber für ihre Realisierung braucht man Kohle, Stahl und Elektrizität. Dem Mangel ist es letztlich gleich, ob man ihn zentral plant oder dezentralisiert.«47

In einem Hetzbrief an Bürger der DDR mit dem gefälschten Absender des Kulturbundes und dem Faksimile »Prof. Gerhart Eisler«48 wird über die Haltung unserer Regierung zu gesamtdeutschen Wahlen geschrieben. Darin wird mit verleumderischen Worten mehrmals betont, »dass unsere Regierung wiederholt ihren Standpunkt geändert« habe. Verbunden mit einer Hetze gegen unsere Volkswahlen49 heißt es dann über die Durchführung gesamtdeutscher Wahlen: »… Eine Wahl unter fremder Kontrolle wird und muss ohne Zweifel unserer Staatspartei dasselbe Ergebnis bringen wie die Dezemberwahl in Westberlin, bei der die SED auch nicht einen Sitz im Senat erhielt …«50 Aus diesem Grunde sei es das »Gebot der Selbsterhaltung der Partei«, dass in der Agitation hervorgehoben werden müsste, dass Adenauer51 keine gesamtdeutschen Wahlen wolle. Der Hetzbrief schließt mit einer Hetze gegen die SU, »die jegliche Meinungsäußerungen der Regierung der DDR vorschreiben« würde und dass deshalb die Meinungsäußerungen »den Stempel der Unglaubwürdigkeit« trügen.

Gefälschte Schreiben

In einem Schreiben mit dem gefälschten Absender des Ministeriums für Maschinenbau (gez. Rau)52 wird ein weiterer Versuch unternommen, unsere Wirtschaft zu desorganisieren. In dem Schreiben wird unter dem Betreff »Aufhebung der Einstellungssperre« Folgendes angewiesen: »… Obwohl der Mangel an Arbeitskräften in der Landwirtschaft, in der Grundstoffindustrie und in der Bauwirtschaft nunmehr als behoben angesehen werden kann, verbleibt noch ein Teil der Werktätigen außerhalb des Produktionsprozesses. Im Interesse der Unterbringung aller Freigestellten hebe ich die Einstellungssperre mit sofortiger Wirkung auf.«53

Anlage 3 vom 11. Februar 1955 zum Informationsdienst Nr. 2423

Bericht über die Gewerkschaftswahlen

Bei der Durchführung der Gewerkschaftswahlen in den Industrie- und Verkehrsbetrieben und in den Institutionen sowie in der Landwirtschaft54 treten immer wieder die gleichen Mängel in Erscheinung. Wenn auch die Wahlen im Allgemeinen gut verlaufen, was sich darin zeigt, dass es zu einer ganzen Reihe von Verpflichtungen kommt und zum anderen die Ergebnisse der bisherigen BGL- und AGL-Wahlen nicht schlecht sind, so muss doch gesagt werden, dass die Wahlen auch eine Reihe von Schwächen aufweisen. Sie drücken sich meist in einer schlechten Vorbereitung und formalen Durchführung, sowie auch in einer gewissen Interessenlosigkeit seitens der Mitglieder aus.

Zum Beispiel wurden in dem Wismut-Gebiet55 (Zwickau) in der Zeche C einfach drei Kandidaten (Mitglieder der SED) auf die Liste gesetzt, die gar nicht vorgeschlagen waren. Auf die Frage der Mitglieder, wer diese drei Kumpels delegiert habe, konnte keine befriedigende Antwort gegeben werden.

In den Zechen V und Va des Objektes 96, der Fabrik 95 in Freital wurde die Wahl sehr schlecht vorbereitet und gleich während der Arbeitszeit durchgeführt. Es nahmen nicht alle Kollegen daran teil und als sie noch verspätet erschienen, war die Wahl bereits beendet.

Zum anderen wurde dabei ein Genosse gewählt, der in Urlaub war. Als er zurückkam, war er mit seiner Wahl nicht einverstanden. Daraufhin wurde die Wahl wiederholt, indem von den Funktionären gesagt wurde: »Holt schnell die Leute zusammen, in zwei Minuten sind wir damit fertig.« Das löste unter den Kumpels Diskussionen aus, wie z. B. »So ein Kampf, denen geht es nur darum, einen Bericht schreiben zu können, in dem es heißt, dass alles in Ordnung ist«.

In der Zahnpoliklinik Potsdam sagte in der Wahlversammlung der Leiter dieser Poliklinik (SED), der die Versammlung leitete: »Wir wollen schnell die BGL wählen.« Er machte den Vorschlag, dass die Besetzung der BGL weiter wie bisher bleiben sollte. Damit waren alle Anwesenden einverstanden und die Wahl vollzog sich so, indem durch Handzeichen die BGL gewählt wurde. Es wurde kein Rechenschaftsbericht gegeben und es fanden auch keine Diskussionen statt.

Im Ilsewerk56 (Gießerei) Wernigerode, [Bezirk] Magdeburg, legten die Kollegen keinen Wert auf den Rechenschaftsbericht und verlangten, dass gleich zur Wahl übergegangen werden sollte. (Sie wurden aber von den anwesenden Instrukteuren des FDGB überzeugt, dass der Rechenschaftsbericht notwendig ist und in ihrem eigenen Interesse liegen muss.)

Im Kraftverkehr VEB Schönebeck, [Bezirk] Magdeburg, wurde eingehend mit den Kollegen über die Bedeutung der Wahlen gesprochen und trotzdem zeigte sich eine gewisse Interessenlosigkeit und zwar erhielten bei der Wahl nur zwei Kollegen 51 % Stimmen, die übrigen neun alle unter 50 %.

In einer Abteilung des LEW Hennigsdorf, [Bezirk] Potsdam, musste eine Versammlung ausfallen, weil von 200 Kollegen nur 65 anwesend waren. Es wurde vorher jeder persönlich eingeladen. Dabei kam es zu Äußerungen, wie z. B. »Wenn anschließend Tanz ist und Freibier ausgegeben wird, kommen wir« oder »die sollen wählen, wen sie wollen, das interessiert uns nicht«.

Zum anderen kommt es in einer ganzen Reihe von Betrieben vor, dass entweder sehr wenig oder gar keine Genossen gewählt wurden, was nicht zuletzt auf die Beeinflussung des Klassenfeindes zurückzuführen ist.

Im Betrieb HO-Produktion57 (Verwaltung) Leipzig wurden bei einer Gewerkschaftswahl die Kandidaten der SED nicht gewählt. Das gleiche gilt für den Privatbetrieb F. A. Ullrich,58 Leipzig, in dem keine Genossen gewählt wurden.

Im VEB Deko in Gräfenroda,59 [Bezirk] Suhl, wurden von den fünf vorgeschlagenen Genossen zur BGL drei davon bei der Wahl abgelehnt. Die beiden gewählten Genossen erhielten bei der Wahl nicht einmal 50 % der Stimmen der Belegschaft.

In der Stadtverwaltung in Hildburghausen, [Bezirk] Suhl, ist bei den BGL-Wahlen zu verzeichnen gewesen, dass es unsere Partei bei den Wahlen nicht fertiggebracht hat, auch nur einen Kandidaten unserer Partei mit in die BGL zu bringen. Die CDU hat es verstanden, unsere Genossen vollkommen auszuschalten.

In den MTS-Bereichen des Kreises Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, wurden 245 Funktionäre in die AGL gewählt, davon sind nur 25 Mitglieder der SED. Bei der IG Land und Forst im Kreis Pritzwalk sind von 145 Funktionären nur vier Mitglieder der SED.

Im VEB Grobgarnwerk Kirschau, [Kreis] Bautzen, [Bezirk] Dresden, wurden nur 25 % Mitglieder der SED in die BGL gewählt.

In der IG Bekleidung-Leder im Kreis Bautzen, [Bezirk] Dresden, wurden bisher 156 Gruppenwahlen durchgeführt. Dabei wurden 538 Parteilose und 91 Mitglieder der SED gewählt.

Auch gibt es Beispiele dafür, wo der Klassenfeind offen in Erscheinung tritt und es ihm zum anderen auch gelingt, seine Leute in die AGL und BGL zu bringen.

Zum Beispiel in der MTS Mustin, [Bezirk] Schwerin, wurde unter den Traktoristen der MTS diskutiert, keinen Kandidaten der Partei in die BGL zu wählen, damit endlich die parteilosen Kollegen Gelegenheit hätten, verantwortliche Aufgaben auf der Station zu übernehmen und sich dadurch weiter zu entwickeln.

Anlage 4 vom 10. Februar 1955 zum Informationsdienst Nr. 2423

Stimmung zum Rücktritt des Genossen Malenkow als Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR

Über den Rücktritt des Genossen Malenkow60 wird in allen Bevölkerungsschichten diskutiert, besonders rege wird darüber in den Betrieben, unter den Hausfrauen und Verwaltungsangestellten gesprochen. Unter der Landbevölkerung sind die Gespräche noch gering und nur im sozialistischen Sektor zu verzeichnen. Überwiegend äußert man sich positiv und bringt zum Ausdruck, dass dieser Rücktritt nicht eine Schwäche darstellt, sondern dass sich in der selbstkritischen Erklärung Malenkows die Stärke der Kommunistischen Partei der SU widerspiegelt. In den anderen Gesprächen zieht man teilweise Vergleiche zwischen einem kapitalistischen Land und der Sowjetunion und stellt heraus, dass ein Staatsmann eines kapitalistischen Landes niemals einen solchen Weg beschreiten würde, zum Wohle seines Vaterlandes. Hierin zeigt sich eben die Stärke der sowjetischen Menschen.

In der DHZ Industrietextilien im Bezirk Berlin-Mitte erklärten Kollegen, dass es sehr hoch zu bewerten ist, dass Malenkow selbst erklärt hat, dass er die großen Aufgaben im Aufbau des Kommunismus nicht lösen kann. In welchem kapitalistischen Land gibt es so etwas, dass ein Ministerpräsident von seinem Posten selbst zurücktritt? Der neugewählte Genosse Bulganin61 wird sein neues Amt, das er antritt, zum Wohle aller Sowjetmenschen ausführen.

Ein Kumpel vom Wismut-Schacht 309 in Oberschlema, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, äußerte: »Alle Achtung vor so einem Staatsmann, welcher einsieht, dass er den gestellten Aufgaben nicht gewachsen ist. Da sieht man den Unterschied zwischen dem kapitalistischen und dem sowjetischen System. In Frankreich z. B. musste der Ministerpräsident erst durch Druck des Volkes zum Teufel gejagt werden.«

Einige Arbeiter des VEB Wolle und Seide Reichenbach, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, brachten zum Ausdruck, dass der Rücktritt des Genossen Malenkow keine Schwäche, sondern eine Stärke der KPdSU sei, da er selbst erkannt habe, dass er seinen Aufgaben in dieser Funktion nicht gewachsen ist.

Ein Friseurmeister aus Eisfeld, [Kreis] Hildburghausen, (parteilos): »Dass ein Staatsmann zurücktritt, das kommt vor. Die SU hat wenigstens den Mut und die Kraft, Fehler und Mängel, welche aufgetreten sind, öffentlich der Welt bekanntzugeben. In einem kapitalistischen Land würde man den Grund des Rücktritts eines führenden Staatsmannes nicht erfahren. Die Veröffentlichung rechne ich der SU als eine Stärke an.«

Von einigen Angestellten und Hausfrauen, die den Rücktritt des Genossen Malenkow nicht verstehen, werden die verschiedensten Vermutungen und Gründe für den Rücktritt angeführt. Einige nehmen an, aus gesundheitlichen Gründen, wieder andere wollen dies mit der Taiwan-Frage in Zusammenhang bringen und vermuten Gegenmaßnahmen, da Genosse Bulganin zum Vorsitzenden des Ministerrates gewählt wurde. Es taucht auch das Argument auf, dass Genosse Malenkow für diese Funktion in seiner Art zu weich gewesen sei.

Ein Angestellter des VEB Verkehrsbetriebe Greiz, [Bezirk] Gera, (Kandidat der SED): »Der Rücktritt Malenkows als Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR ist nicht zum richtigen Zeitpunkt geschehen. Erstens besteht der Konflikt zwischen Amerika und China wegen Taiwan. Da sieht die Ernennung Bulganins, welcher ein Militärfachmann ist, nach Gegenmaßnahmen aus. Das werden die Westmächte ausschlachten. Auf der anderen Seite wurde Mendès France62 gestürzt und wenige Tage später erfolgt die Umgruppierung des Ministerrates in der SU. Das ist kein gutes Beispiel für die Welt.«

Eine Hausfrau aus Schalkau, [Kreis] Sonneberg, [Bezirk] Suhl: »Eine große Freude hatte uns die Kundschaft über den Sturz von Mendès France gebracht. Als ich heute jedoch die Nachrichten über den Rücktritt des Genossen Malenkow vernahm, kann ich mir nur eins denken, dass sein Rücktritt nur aus gesundheitlichen Gründen erfolgt ist. Aber eins wird eintreten, dass der Gegner mit Freude seine Gegenpropaganda führen wird.«

In der Abteilung Forschung des VEB Hartmetall Immelborn, [Kreis] Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl, wurde von einigen Kollegen die Meinung vertreten, dass der Rücktritt Malenkows geschehen sei, weil er nicht hart genug gearbeitet hat.

In einigen Bezirken, besonders in Erfurt, wirkte sich die Tatsache schlecht aus, dass der demokratische Rundfunk der DDR später als RIAS bekannt gab, dass Genosse Malenkow sein Rücktrittsgesuch eingereicht habe. Und zwar führte das dazu, dass die feindlichen Argumente des RIAS unter den Werktätigen verbreitet wurde.

Ein Arbeiter vom Funkwerk Erfurt (Mitglied der SED) äußerte: »Es ist sehr schlecht, dass es zu allererst die Westsender bringen, bevor wir etwas wissen. Wenn im Westen etwas passiert dann wird das gleich groß ausgeschlachtet und berichtet. Wenn aber im Osten etwas passiert, dann dauert es immer lange, bis man es hier in der DDR erfährt.«

In feindlichen Diskussionen bringen Arbeiter und kleinbürgerliche Elemente zum Ausdruck, dass Genosse Malenkow nicht von sich aus das Rücktrittsgesuch eingereicht habe, sondern dass er gehen musste, da er Auseinandersetzungen mit Bulganin hatte. Andere äußern, dass Genosse Malenkow auf Drängen des ZK abgesetzt worden sei. Man bringt auch das Argument, dass Genosse Malenkow die Konsumgüterindustrie stark entwickelt habe ohne die Verteidigung zu berücksichtigen und deshalb musste er gehen und Genosse Bulganin wurde mit der Funktion des Vorsitzenden des Ministerrats betraut. Daraus wird von feindlich eingestellten Elementen die Schlussfolgerung gezogen, dass die SU den Krieg vorbereitet und dass man in der SU die Militärdiktatur einführen wird. Auch das Argument, dass Genosse Malenkow zu deutsch-freundlich gewesen sei wird verbreitet.

Die feindlichen Diskussionen haben etwas größeren Umfang als zur Erklärung des Obersten Sowjets der UdSSR zur Beendigung des Kriegszustandes mit Deutschland.

Zwei Angehörige der technischen Intelligenz des Thomas-Müntzer-Schachtes Sangerhausen, [Bezirk] Halle, äußerten: »Da Bulganin aus Militärkreisen kommt, ist doch klar zu erkennen, dass die SU einen Krieg vorbereitet.«

Ein Arbeiter aus Großpaschleben, [Kreis] Köthen, [Bezirk] Halle: »Der Rücktritt Malenkows als 1. Vorsitzender des Ministerrats der UdSSR ist darauf zurückzuführen, dass Bulganin als Marschall aufgrund der internationalen Situation besser am Platze ist. Er ist ein Stratege auf militärischem Gebiet.«

Andere Arbeiter äußerten im Zug nach Halle: »Wenn jetzt ein General an der Spitze steht, dann wird die SU die Militärdiktatur einführen.«

Ein Angestellter des Kombinates Böhlen, [Kreis] Borna, [Bezirk] Leipzig, erklärte: »Malenkow ist zu deutsch-freundlich gewesen, deshalb musste er weg. Es geht schon jahrelang so, dass Männer weggeschafft werden, weil sie zu deutsch-freundlich waren.«

Ein Arbeiter vom Funkwerk Erfurt: »Malenkow hat schwere Auseinandersetzungen mit Bulganin gehabt. Daraufhin sah sich Malenkow gezwungen, seinen Rücktritt zu erklären. Sie sind sich selbst nicht einig.«

Ein Angestellter, beschäftigt bei der Staatlichen Statistik Großenhain, [Bezirk] Dresden: »Ich war ganz überrascht als ich gestern Abend im Rundfunk hörte, dass Malenkow abgesetzt wurde. Der Nachfolger soll, wenn ich richtig gehört habe Bulganin sein. Der spielte doch bei der Armee eine große Rolle. Meiner Meinung nach wird durch diesen Wechsel die weltpolitische Lage eher verschärft als vermindert.«

Ein Tischlermeister aus Reichstädt, [Kreis] Dippoldiswalde, [Bezirk] Dresden: »Der Genosse Malenkow ist mit einem Teil seiner Mitglieder von seiner Funktion zurückgetreten, weil Unstimmigkeiten in der Partei über die Entwicklung der Schwerindustrie aufgetaucht sind.«

Anlage 5 vom 9. Februar 1955 zum Informationsdienst Nr. 2423

Bericht über Lohn- und Normfragen in der Zeit vom 4. bis 9.2.1955

Etwas mehr zeigt sich jetzt, dass man in den Industrie- und Verkehrsbetrieben an die Lösung der Normfragen herangeht. Dabei ist zu verzeichnen, dass die Arbeiter bei guter Überzeugungsarbeit einsehen, dass vielfach die Normzeiten nicht mehr real sind und aufgrund technischer Vervollkommnung unbedingt technisch begründete Normen63 neu festgesetzt werden müssen. Es gibt auch Beispiele dafür, wo fortschrittliche Kräfte auf freiwilliger Basis ihre Norm erhöhen, weil sie einsehen, dass die Rentabilität der Betriebe nur erreicht werden kann, wenn nach realen Normen gearbeitet wird.

Zum Beispiel ist in den Süd-Thüringer Möbelwerken in Themar, [Kreis] Hildburghausen, [Bezirk] Suhl, zu verzeichnen, dass Arbeiter aus allen Abteilungen zu den TAN-Sachbearbeiter kommen und ihre Norm erhöhen wollen.

In der Apparate- und Maschinenfabrik Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, wurden auf Initiative der Arbeiter und Brigadiere die Arbeitsnormen erhöht. Bei den Schweißarbeiten z. B. wurde die Normzeit auf 180 Minuten herabgesetzt, dies war möglich durch eine Änderung des Arbeitsganges.

Eine Brigade der Abteilung Schiffbau senkte die Normzeit beim Schornsteinbau um 20 Stunden.

Die Normzeit für die Schmiedearbeiten wurden im Durchschnitt um 15 % gesenkt. Größtenteils sind die angeführten Normerhöhungen auf Arbeitsverbesserungen und Neuerermethoden64 zurückzuführen.

Im Allgemeinen werden Diskussionen über die Normfrage größtenteils nur in den Betrieben geführt, wo irgendwelche Neureglungen oder vorerst nur Überprüfungen der Normen durchgeführt werden. Wenn auch ein Teil der Arbeiter einsieht, dass vielfach die jetzigen Normen nicht bestehen bleiben können, weil sie nicht technisch begründet sind, so verhalten sich doch viele Arbeiter immer wieder ablehnend, da sie eine Lohnminderung befürchten.

Zum Beispiel äußerten im VEB Stern-Radio in Sonneberg, [Bezirk] Suhl, dass sie mit der Festsetzung neuer, technisch begründeter Arbeitsnormen nicht einverstanden sind, weil das für die Arbeiter bedeuten würde, dass sie weniger verdienen. Die Angestellten dagegen würden ihren Lohn weiterbehalten, ohne dass sie mehr leisten müssen. Wenn der Arbeiter aber seinen bisherigen Verdienst behalten will, bedeutet das, dass er mehr leisten muss, denn über die Verbesserung des Arbeitsablaufes wird zwar viel gesprochen, aber dies entspricht nicht immer den Tatsachen.

Natürlich versucht der Klassenfeind, diese Situation auszunutzen zur Gerüchteverbreitung über eine bevorstehende generelle Normenerhöhung sowie Stimmung gegen die Normfrage zu machen.

Zum Beispiel wurde in der Bau-Union Neubrandenburg, Baustelle Torgelow, [Kreis] Ueckermünde, erzählt, dass in absehbarer Zeit die Regierung eine generelle Normerhöhung von 17 % durchführen wird und den Arbeitern dadurch die Augen noch aufgehen werden.

Im Stahlwerk Riesa, [Bezirk] Dresden, Abt. Stahlformgießerei, wurden Diskussionen über die Erhöhung der Normen geführt. Die Ursache ist darin zu suchen, dass ein Kollege, der auf der Gießereifachschule in Leipzig war, erzählt, dass die Normen automatisch um 6 % erhöht würden. Dies wäre dort auf der Schule erzählt worden.

Bei einer Unterhaltung zwischen Kollegen der Brigade Stahlberg des VEB Bau Stralsund, [Bezirk] Rostock, sagte ein Kollege: »Die Normen müssen mindestens mit 150 % zu erfüllen sein.« Darauf antwortete ihm der TAN-Sachbearbeiter: »Wenn unsere volkseigenen Betriebe rentabel arbeiten wollen, müssen wir zu einer gesunden Norm kommen.« Darauf erwiderte ihm der Kollege: »Wir haben schon einen 17. Juni mitgemacht und wenn es nicht anders wird und man uns den Verdienst drücken will, dann kann sich schnell ein solcher Tag wiederholen.«

Größtenteils ist es zurzeit in den Betrieben so, dass durch Einsparungsmaßnahmen die Rentabilität erhöht werden soll. Dabei zeigt sich aber, dass diese Maßnahmen in den meisten Fällen auf Unverständnis stoßen und es wird zum Ausdruck gebracht, dass es nicht richtig sei, dass immer bei den Arbeitern eingespart würde und nicht bei den Angestellten im Verwaltungsapparat.

Zum Beispiel ist man in der Warnowwerft Warnemünde dazu übergegangen, eine Neureglung der Bezahlung für die Probefahrt der »Sowjetskij Sojus«65 zu treffen. Bisher wurden acht Stunden vollbezahlt und der Rest mit 90 %. Jetzt sollen nur acht Stunden vollbezahlt werden und anstatt der 90 % pro Tag 8,50 DM Auslösung. Dadurch soll eine Summe von 1½ Million eingespart werden. Diese Neureglung löste eine schlechte Stimmung aus und es kam zu Diskussionen wie z. B.: »Wenn ich nur 8,50 DM bekomme, bleibe ich lieber im Klubhaus und fahre nicht mit aus. Unsere zehn Mann sind sich einig und fahren bei diesem Lohnsatz nicht mit.«

In den Tuchfabriken in Forst, [Bezirk] Cottbus, besteht eine schlechte Stimmung, weil man dazu übergegangen ist, die gewebten Fehler nicht mehr zu bezahlen, was zur Steigerung der Rentabilität des Betriebes beitragen soll. Diese Maßnahme wurde eingeführt ohne vorher mit den Kollegen darüber zu sprechen. Diese waren damit nicht einverstanden und verlangten, dass der Betriebsleiter ihnen darüber Aufklärung geben sollte. Andernfalls wollten sie die Arbeit niederlegen. Daraufhin erfolgte eine Aussprache mit dem Betriebsleiter und es wurde eine Kommission bestimmt, die die Kollegen von dieser Maßnahme überzeugen sollte, was auch gelang.

Im Chemischen Werk Leuna in der Lackfabrik äußerte ein Arbeiter: »Bei einer Produktion von 20 t hatten wir Gaszulage und bei einer Produktion von 3 000 t wird uns diese und die A-Karte entzogen. Sagt man aber in der Versammlung was, wird man von den Funktionären zurechtgewiesen, sodass es zwecklos ist, sich überhaupt zu äußern.«

Anlage 6 vom 9. Februar 1955 zum Informationsdienst Nr. 2423

Bericht über Umgruppierung von Arbeitskräften in der Zeit vom 4. bis 9.2.1955

Die Umgruppierung von Arbeitskräften erfolgt weiterhin im Allgemeinen planmäßig.66 Nur in den wenigsten Fällen wird der Ministerratsbeschluss nicht eingehalten.67 Es zeugt in einigen Fällen von einer verantwortungslosen Arbeit, wenn anstatt Umgruppierungen vorzunehmen, einfach nur Entlassungen ausgesprochen werden, ohne Berücksichtigung eines neuen Arbeitsplatzes. In solchen Fällen wird natürlich eine schlechte Stimmung ausgelöst.

Zum Beispiel wurde einem Schweißer der Bezirksreichsbahn Bau-Union Neubrandenburg mit dem Hinweis gekündigt, er solle sich anderswo einen neuen Arbeitsplatz suchen. Der Betroffene ist 27 Jahre in seinem Beruf tätig, hat die E- und A-Prüfung für Schweißer gemacht, ist dreifacher Aktivist68 des Fünfjahrplanes69 und hat zwölf Verbesserungsvorschläge – davon acht angenommen – eingereicht. Die ist in dieser Bau-Union kein Einzelfall, sondern es wurde noch mehreren Schweißern und Schmieden gekündigt, die für gute Arbeitsleistung ausgezeichnet wurden.

Bei der HO-Industriewaren in Eichwalde, [Kreis] Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, wurden 25 Kollegen entlassen, ohne für einen neuen Arbeitsplatz zu sorgen. Dies löste nicht nur unter den Betroffenen eine schlechte Stimmung aus, sondern auch bei den Kollegen, die im Betrieb verblieben sind, was sich im Nachlassen der Arbeitsmoral zeigt.

Beim Rat des Kreises Königs Wusterhausen wurde einer Kollegin mit dem Hinweis gekündigt, zur VP zu gehen. Als sie am nächsten Tag ihren Arbeitsplatz wieder aufsuchte, wurde sie mit der Bemerkung nach Hause geschickt, dass gestern ihr letzter Arbeitstag gewesen sei. (Meldung vom 4.2.1955)

Wie verantwortungslos sich manche Funktionäre gegenüber den Beschlüssen des Ministerrats verhalten zeigt die Äußerung eines Ratsmitgliedes im Rat des Kreises Königs Wusterhausen:

»Die Entlassungen der Kollegen erfolgen aufgrund der Einsparung. Wenn sie arbeiten wollen, müssen sie sich Arbeit suchen, denn der Rat des Kreises ist doch nicht verpflichtet, den entlassenen Kollegen neue Arbeitsstellen nachzuweisen. Wir sind doch kein Arbeitsamt.«

Im VEB Funkwerk Köpenick/Berlin wird heftig über die Entlassung von 60 Westberlinern diskutiert. Es wird vor allem die Handlungsweise der Kaderabteilung verurteilt, die darin bestand, dass die 60 Kollegen nach dort bestellt wurden und ihnen mit der Bemerkung, dass sie sofort den Betrieb verlassen sollten, ihre Entlassung mitgeteilt wurde. Die Betroffenen selbst sind empört und äußerten, dass sie wie Schwerverbrecher behandelt würden. Unter den Entlassenen befinden sich viele Intelligenzler, die im Besitz von Einzelverträgen70 sind, die teilweise erst am 31.12.1955 ablaufen. Das Werk gab diesen die Zusicherung, dass sie sich monatlich, bis ihr Einzelvertrag abgelaufen ist, im Werk ihr Gehalt abholen können.

Schwierigkeiten treten besonders bei der Unterbringung entlassener Bauarbeiter auf, da es zurzeit im Baufach keine freien Arbeitsplätze gibt. Dadurch entsteht vielfach eine negative Stimmung.

Zum Beispiel sind die Kollegen des VEB Hochbau Friedrichshain/Berlin, die von der Strukturveränderung betroffen wurden, sehr verärgert, weil sie von einer Stelle zur anderen verwiesen werden und nirgends Bauarbeiter benötigt werden. So fand u. a. vor einigen Tagen beim Rat des Kreises Königs Wusterhausen eine heftige Auseinandersetzung statt. Unter den 500 arbeitsuchenden Bauarbeitern kam es zu Äußerungen wie z. B.: »Na, wartet nur, ihr habt wohl den 17.6.1953 vergessen. Na, bald bumst es. Da nützen aber eure Panzer nichts mehr. Da sind andere Maßnahmen festgelegt.«

Ursache der schlechten Stimmung ist vor allen, dass die entlassenen Bauarbeiter keine geldliche Unterstützung erhalten, obwohl sie schon wochenlang danach fragen. Dazu kommt es zu Äußerungen wie z. B. »drüben im Westen gibt es wenigstens Unterstützung, aber hier ist dafür kein Geld vorhanden«.

Ein entlassener Bauarbeiter aus Bergen, [Bezirk] Rostock, sagte: »Das 21. Plenum71 wird wieder so ausgewertet, dass die Arbeiter die Leidtragenden sind. Immer der Kleine muss darunter leiden. Aber es kommt mal die Zeit, siehe 17. Juni, dann kommt alles ans Tageslicht. Im Übrigen soll man die VP abbauen. Man sollte diese Leute alle in die Landwirtschaft schicken, dann wären schon genügend da.«

Von der Mathias-Thesen-Werft in Wismar, [Bezirk] Rostock, und Elbewerft Boizenburg, [Bezirk] Schwerin, wurde bekannt, dass sich immer wieder Kollegen, die für die Landwirtschaft freigestellt werden sollen, weigern, diese Arbeitsstellen anzunehmen.

Zum Beispiel sollten in der Elbe-Werft einige Schlosser Arbeitsstellen auf einer MTS annehmen. Dazu äußerte ein Schlosser, lieber wolle er mit noch einigen Kollegen nach Westdeutschland gehen, dort würden z. B. in Hamburg auf den Werften dringend Schlosser gesucht.

In der Mathias-Thesen-Werft wurden u. a. einem Arbeiter bisher fünf Arbeitsstellen auf dem Lande zugewiesen. Er lehnte aber ab aufs Land zu gehen und äußerte: »Wenn ich nicht auf der Werft bleiben kann, dann packe ich meine Koffer und gehe nach dem Westen.«

Im Allgemeinen nehmen die Diskussionen über die Frage der Umgruppierung unter der Bevölkerung sowie in den Betrieben keinen großen Umfang ein. Sie beruhen auch weniger auf Tatsachen, sondern werden vielmehr durch Gerüchteverbreitung über Massenentlassungen ausgelöst. Am stärksten ist das feindliche Argument verbreitet, dass die Entlassungen nur erfolgen würden, um Kräfte für die KVP freizubekommen.

In Ahlbeck, [Kreis] Ueckermünde, wurde u. a. das Gerücht verbreitet, dass im Bauobjekt Carpin ca. 300 Arbeiter entlassen wurden, um diese zu zwingen, zur KVP zu gehen.

Anlage 7 vom 11. Februar 1955 zum Informationsdienst Nr. 2423

Organisierte Feindtätigkeit

In der Zeit vom 8.2. bis 10.2.1955 wurden folgende Hetzschriften sichergestellt:

SPD-Ostbüro:72

  • Halle 45: Kreis Quedlinburg 4 500;

  • Dresden: Kreise Großenhain 50;

  • Erfurt 15;

  • Karl-Marx-Stadt 280: Kreise Rochlitz 219;

  • Potsdam 140;

  • Neubrandenburg: Kreis Anklam 20 000;

  • Schwerin: Kreis Bützow 50, Kreis Ludwigslust 3 000, Kreis Parchim 410;

  • Gera: in den Kreisen Eisenberg, Greiz und Schleiz 17 600.

NTS:73

  • Gera: Kreis Stadtroda 2 500, Kreis Lobenstein 2 300;

  • Halle einige;

  • Rostock: Kreis Sömmerda 50, Kreis Arnstadt 3 000;

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Glauchau 470, Kreis Flöha 250, Kreis Zschopau 350;

  • Potsdam: Kreis Gransee 25;

  • Leipzig: Kreis Eilenburg 1 000;

  • Schwerin: Kreis Ludwigslust 260, Kreis Sternberg 42;

  • Magdeburg 1 500.

In tschechischer Sprache:

  • Dresden 340;

  • Cottbus 5 700;

  • Dresden: Kreis Löbau 53.

»Freiheitsrat«:74

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Auerbach 280, Kreis Rochlitz 11;

  • Gera 15 500;

  • Magdeburg 3 800.

»Frau von heute«75 (gefälscht):

  • Potsdam: Kreis Nauen 12 00076

Unbekannter Herkunft:

  • Potsdam: Kreis Königs Wusterhausen 245 000 und Frankfurt 750, (Hetze gegen Genosse W. Ulbricht);

  • Frankfurt/Oder 100: (Inhalt: Zersetzung der KVP);

  • Potsdam: Kreis Königs Wusterhausen 10 000 »Weihnachtsglocken« mit der Aufschrift: »Für den Frieden und Freiheit!«.

KGU:

  • Halle: Kreis Weißenfels 16;

  • Potsdam: Kreis Nauen 12 000, Kreis Kyritz 4 000.

DGB-Ostbüro:77

  • Halle: Kreis Gräfenhainichen 40.

Im Wesentlichen haben die Hetzschriften zum Inhalt, Hetze gegen die Aufstellung Nationaler Streitkräfte,78 Hetze gegen die Wahlen in der DDR unter Auswertung der Westberliner Wahlen79 und Aufforderungen zum »langsam arbeiten«.

Der Verdiente Eisenbahner Volkskammerabgeordneter Genosse Peterson80 aus Eilenburg, [Bezirk] Leipzig erhielt eine Postkarte mit Drohungen. Inhalt: Er werde noch einmal die Kraft der Knüppel81 jungens Adenauer82 zu spüren bekommen. Obengenannter Genosse hat schon des Öfteren derartige Drohbriefe erhalten.

Am 8.2.[1955] erhielt der Bürgermeister von Catterfeld, [Kreis] Gotha, [Bezirk] Erfurt, einen anonymen Brief, mit folgendem Inhalt: »Die Uhr ist bald abgelaufen, wir haben schon alle Kommunisten registriert, die aufgehängt bzw. ins Zuchthaus kommen werden.«

Der Gegner nutzt jetzt wiederholt die verschärfte politische Lage dazu aus, um die Verbreitung von Gerüchten Unruhe unter die Bevölkerung zu bringen. So wird z. B. in Trebbin, [Bezirk] Potsdam, das Gerücht verbreitet, dass in der Gemeinde Schönhagen 300 Mann Streitkräfte stationiert werden. Die Bewohner müssten ausziehen und es wären bereits schon 300 Betten eingetroffen.

In Dresden wurde der Schaukasten der Jungen Pioniere eingeschlagen und das Fahnentuch heruntergerissen.

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