Zur Beurteilung der Situation in der DDR
12. März 1955
Informationsdienst Nr. 2431 zur Beurteilung der Situation in der DDR
Die Lage in Industrie und Verkehr
Zur Stimmung in den Industrie- und Verkehrsbetrieben kann gesagt werden, dass die Diskussionen über die gegenwärtige politische Lage, besonders über die Ratifizierung der Pariser Verträge1 sowie über die Volkskammertagung vom 2.3.1955,2 im Vergleich zu den Vortagen stark zurückgegangen sind. Die noch geführten Gespräche sind weiterhin zum überwiegenden Teil positiv, enthalten aber keine wesentlichen neuen Argumente. Die Ablehnung der Pariser Verträge und die Befürwortung der Politik unserer Regierung drückt sich nicht nur in den positiven Stellungnahmen, sondern auch in den zahlreichen Produktionsverpflichtungen aus.
In negativen Diskussionen, die zwar zugenommen haben, aber trotzdem verhältnismäßig im Umfang gering sind, beschäftigt man sich einmal mit der Frage der Verteidigungsmaßnahmen.3 Dabei treten immer wieder pazifistische Tendenzen in der Form auf, dass es abgelehnt wird, jemals wieder ein Gewehr anzufassen usw. Vereinzelt kommt es auch vor, dass Resolutionen über die Befürwortung der Verteidigungsmaßnahmen abgelehnt werden.
Zum Beispiel sollte in einer Kurzversammlung in zwei Konstruktionsabteilungen des Schlepperwerkes Schönebeck, [Bezirk] Magdeburg, eine Protestresolution gegen die Pariser Verträge angenommen werden, die jedoch von den Kollegen abgelehnt wurde. Von mehreren Kollegen wurde verlangt, dass der letzte Satz weggelassen werden sollte, der sich auf die Sicherungs-Maßnahmen zum Schutze unserer Errungenschaften bezog.
Im Karl-Liebknecht-Werk Magdeburg4 wurde vor einigen Tagen eine Versammlung mit ca. 35 Jugendlichen durchgeführt. Es sollte ebenfalls eine Resolution angenommen werden, in der von erhöhter Verteidigungsbereitschaft gesprochen wurde. Sämtliche Anwesende weigerten sich, dieser zuzustimmen. Selbst Funktionäre der FDJ-Bezirksleitung konnten die Jugendlichen nicht überzeugen. Sie erklärten im Allgemeinen, dass sie nicht Soldat werden wollten und keine Waffe in die Hand nehmen würden.
Zum anderen hetzen reaktionäre Elemente gegen die KVP und erklären, dass sie eine Wehrmacht darstelle und deshalb die Aufstellung eines Heeres in Westdeutschland gerechtfertigt sei.5 Auch treten immer wieder Diskussionen über die Oder-Neiße-Grenze im Zusammenhang mit der Saarfrage6 auf. Einige feindliche Elemente erklären offen, dass sie die Bundestagsdebatte durch die Westsender gehört haben und sich dadurch erst ein richtiges Bild über die politische Lage machen könnten.
So erklärte z. B. ein Wismut-Kumpel7 vom Objekt 96/95 Freital von der Pumpenstation gegenüber einigen anderen Kollegen: »Ihr glaubt gar nicht, wie begeistert ich war, als ich im Rundfunk die Reden vom Bonner Bundestag gehört habe. Dadurch kann ich mir erst einmal ein klares Bild von der ganzen Lage machen. Es ist doch selbstverständlich und einleuchtend, dass sich der Westen auch sichern musst, denn hier hat man ja schon seit einiger Zeit über 140 000 Mann in der KVP zusammengezogen. Sie werden drüben keinen Krieg anfangen. Die legen doch in ihren Reden alles so klar auseinander. Alle Vorwürfe wurden sofort widerlegt.« Bei einigen anderen Kumpels fand er mit seinen Ausführungen Zustimmung.
Über die Gesamtdeutsche Arbeiterkonferenz8 in Leipzig wurden vor erst nur vereinzelt Stimmen bekannt, die überwiegend positiv sind.
Anstelle der zurückgegangenen Diskussionen über die politischen Probleme treten jetzt im zunehmenden Maße Gespräche über die gegenwärtige Versorgungslage. Dabei wird die Verknappung verschiedener Lebensmittel zum Anlass genommen, gegen unsere Regierung zu hetzen. Unter anderem sagte man: »Jetzt schon reichen die Lebensmittel nicht aus. Wie soll das erst im Kriegsfalle werden?«
Diese Einstellung führt vielfach dazu, dass in den Betriebsverkaufsstellen verstärkt eingekauft wird. Oder es wird auch gesagt, die Regierung habe für 1955 einen nie gekannten Wohlstand versprochen, von dem aber zurzeit gar nichts zu spüren sei. In diesem Zusammenhang wird vereinzelt entweder der 17. Juni 19539 erwähnt oder auf einen neuen hingewiesen.
Zum Beispiel sagte ein Arbeiter aus dem VEB Kunstfaserwerk »Wilhelm Pieck« in Rudolstadt, [Bezirk] Gera: »Nehmt euch in Acht, dass es nicht noch einmal zu einem 17. Juni kommt, der schlimmer werden wird. Da wird euch hören und sehen vergehen.« Daraufhin äußerte ein anderer Arbeiter: »Soweit ist es schon, dann man zu. Ich habe mir vorgenommen, mich mehr in Acht zu nehmen und nichts mehr zu sagen.«
Ein Kollege aus dem VEB »Maxhütte« Unterwellenborn erklärte: »In meiner Brigade ist zurzeit eine schlechte Stimmung. Der Grund dafür ist vor allem die Versorgungslage und zum anderen die Normerhöhungen.10 Jedenfalls will sich meine Brigade an die Regierung wenden, weil die Stimmung schon wieder so sei, wie vor dem 17. Juni 1953.«
Aus dem Bezirk Frankfurt wird berichtet, dass negative Diskussionen über die Versorgungslage vor allem in den Arbeiterzügen geführt werden. So sagte z. B. ein Arbeiter aus Frankfurt: »Es ist eine Schande, dass es zehn Jahre nach Kriegsende noch solche Zustände gibt. Es müsste erst einmal wieder ordentlich gestreikt werden, vielleicht wird es dann besser.«
Ein anderer Arbeiter meinte dazu: »Die DDR ist sowieso Pleite, und es wird nicht mehr lange dauern, dann fällt alles zusammen.«
In mehreren Betrieben, darunter im VEB Lederfabrik Hirschberg des Kreises Schleiz, [Bezirk] Gera, sind die Werktätigen verärgert, weil sie nach Arbeitsschluss in den Geschäften durch die Hamstereinkäufe verschiedene Waren nicht mehr zu kaufen bekommen.
Im Stahl- und Walzwerk Brandenburg herrscht unter den Meistern und Ingenieuren eine schlechte Stimmung, weil vom Ministerium für Hüttenwesen aufgrund von Einsparungsmaßnahmen die Prämien für das letzte Quartal 1954 gestrichen wurden. Sie diskutierten folgendermaßen: In den ersten Quartalen des Jahres 1954 konnten wir durch die mangelnde Materialzuteilung unsere Pläne nicht erfüllen und trotzdem wurden uns die Prämien ausgezahlt. Im IV. Quartal jedoch, wurden die Pläne durch Wettbewerbe erfüllt und dafür sollen wir keine Prämie erhalten.
Auch im Walzwerk »Willy Becker« in Kirchmöser, [Bezirk] Potsdam, sollen für das I. Quartal 1955 keine Prämien mehr gezahlt werden, was ebenfalls eine schlechte Stimmung auslöste. Zum Beispiel sagten einige Dispatcher: »Wenn wir nicht mehr mit den Quartalsprämien rechnen können, sollen sie ihre Arbeit allein machen und die Verantwortung allein tragen, denn dann verdienen wir weniger als die Arbeiter.«
Immer wieder wirken sich die gleichen Mängel und Schwierigkeiten hemmend auf den planmäßigen Produktionsablauf aus. Entweder halten die Zubringerbetriebe ihre Materiallieferungen nicht ein, oder es werden Aufträge annulliert, Materialien schlechter Qualität geliefert, sowie Rohstoffe und Kohlen in unzureichenden Mengen zur Verfügung gestellt. Dazu kommen noch Auftragsmangel, schlechte Arbeitsorganisation oder hohe Ausschussquoten. Diese Schwierigkeiten geben einmal Anlass zu negativen Diskussionen und zum anderen führen sie zur Nichterfüllung der Produktionspläne. Solche Arten von Beispielen werden aus den verschiedensten Industriezweigen berichtet. In zunehmendem Maße diskutieren die Werktätigen in den Betrieben über die Rentabilität, Arbeitsorganisation sowie über das Sparsamkeitsregime.
Zum Beispiel sagte ein Arbeiter des Kaliwerkes Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl: »Mit den Einsparungen sollte man bei den Angestellten beginnen. Zum Beispiel sind auf dem Schacht II früher ein Betriebsleiter und zwei Steiger gewesen und jetzt sind zwei Betriebsleiter, mehrere Fahrsteiger und eine Masse Steiger sowie Brigadiere da und produziert wird nicht mehr als früher.«
Zu der Arbeitsorganisation auf den Werften äußerte ein Angestellter der Abteilung Arbeit von der Warnowwerft: »Bei uns hatte der Maschinenbau etwa vor drei Wochen keine Arbeit, weil es an Bolzen fehlte. Bei Vorhandensein dieses Materials wäre für 1 400 Stunden Arbeit dagewesen. Eine Nachfrage wegen des Fehlens von Bolzen ergab, dass es sich um Ausschuss handelte und für die Neuanfertigung von Bolzen fehle ein neuer Auftrag. Der zuständige Technologe wollte diesen Auftrag am gleichen Tag, an der er darum gebeten wurde, nicht mehr ausschreiben, da er angeblich wichtigere Dinge zu tun hätte. Er kam diesem erst nach, als ihm mit Entlassung gedroht wurde. Solche Arbeitsweise trägt keineswegs zur Hebung der Rentabilität unserer Betriebe bei.«
Die Kohlenverknappung hält in den verschiedensten Industriezweigen weiterhin an.
Zum Beispiel muss der VEB Baumwollspinnerei-Kombinat Flöha, Werk Plauen, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, seine Produktion um 50 % drosseln. Die Produktion überhaupt aufrecht zu erhalten, war nur möglich durch die Ausleihung von Kohle von der Tüllfabrik in Plauen. Verantwortlich für die Lieferung ist die DHZ11 Leipzig. (Ähnliche Schwierigkeiten bestehen im Sturmlaternenwerk Beierfeld, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt).
Im Kreis Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, ist die Versorgung mit Kohle für die örtliche Industrie infrage gestellt, da das Kontingent vom Rat des Bezirkes für 1955 um 50 % gekürzt wurde. Dadurch sind in den VEB Papierfabrik Wolfswinkel, Imprägnierwerk Finowfurt und Brauerei Eberswalde erhebliche Produktionsausfälle zu verzeichnen.
In den Rathenower Optischen-Werken, [Bezirk] Potsdam, herrscht zurzeit unter den Arbeitern eine Missstimmung, weil die Arbeitsräume aufgrund des Kohlenmangels nur zwei Stunden am Tag geheizt werden.
Der VEB Vereinigte Gießereien Aue, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, verfügt über eine Jahreskapazität von 4 500 bis 5 000 Tonnen Guss, jedoch sind für das Plan Jahr 1955 nur reichlich 50 % auftragsgebunden. Mehrere Betriebe haben ihre Aufträge zurückgenommen, darunter auch der VEB »Modul« Karl-Marx-Stadt.12 Dieser Betrieb annullierte einen Auftrag über rund 500 Tonnen Grauguss mit der Begründung einer Planänderung.
In der Hauptsache fehlen Aufträge für Großgussteile; für Kleingussteile liegen mehr Aufträge vor, als im Plan vorgesehen sind. Die Hauptverwaltung-Gießereien in Berlin wurde bereits von dieser Situation des Betriebes unterrichtet, hat aber bis jetzt noch keine Lösung getroffen.
In der VEB Maschinenfabrik Halle ist wegen Auftragsmangel ein Drittel der Belegschaft – dass sind über 700 Beschäftigte – arbeitsmäßig nicht einmal zu 50 % ausgelastet.
Eine ähnliche Situation ist auch im VEB »Abus« Dessau13 zu verzeichnen.
Im VEB Walzkörper in Bad Liebenstein, [Bezirk] Suhl, ist durch die schlechte Gasversorgung die Planerfüllung nicht garantiert, da nicht alle Härteöfen in Betrieb genommen werden können. Dazu kommt noch der Mangel an Kugelstahl. Der Zulieferbetrieb, das Draht- und Seilwerk in Rothenburg,14 hatte laut Vertrag bis 28.2.1955 100 t Kugelstahl zu liefern. Erfolgte Lieferungen bis jetzt: 17,3 t.
Im Chemiewerk Lauta, [Bezirk] Cottbus, ist die Quartalsplanerfüllung gefährdet, da die acht Zubringerbetriebe ihre Lieferungen an Natronlauge nicht einhalten.
Im VEB Bekleidungswerk Wittenberge, [Bezirk] Schwerin, konnten aufgrund Materialmangels (Baumwolle) die Produktionspläne Januar und Februar nur mit 65 % erfüllt werden.
In der Konservenfabrik in Beelitz bei Potsdam verpflichtete sich die Belegschaft, den Produktionsplan im ersten Quartal 1955 mit 5% überzuerfüllen. Dies ist aber nicht möglich, weil das notwendige Verpackungsmaterial nicht zu beschaffen ist.
Im VEB Getreidefabrik Coswig, [Bezirk] Dresden, wurde der Jahresplan 1954 nur mit 93,5% erfüllt. Die jetzige monatliche Planerfüllung sinkt wegen der zu hohen Ausschussquote weiter ab. Bisher wurde von der Betriebsleitung noch nichts dagegen unternommen.
Fragen des Exportes
Der VEB Elektrokohle Berlin hätte auf der Leipziger Messe15 umfangreiche Abschlüsse mit Indien tätigen können, wenn die Verpackung der Kohlebürsten besser gewesen wäre. (Die Erzeugnisse waren in gewöhnlicher Wellpappe oder Pappkartons verpackt, was von den indischen Handelsvertretern beanstandet wurde.)
Des Weiteren wurden aus diesem Betrieb Elektroöfen nach China exportiert, die bei der Überfahrt ihre Aluminiumbronzefarbe verloren. Diese Farbe verträgt das Salzwasser nicht. Die Öfen mussten deshalb in China nochmals gestrichen werden. Von diesem Betrieb wird angeregt, dass es ratsam sei, bei uns in der DDR eine seefeste Farbe zu entwickeln, bzw. zu besorgen.
Der VEB Landmaschinenbau Torgau, [Bezirk] Leipzig, erhielt eine Auflage von 600 RS 3016 für den Export. Davon sollten im I. Quartal 1955 100 Stück geliefert werden, die auch termingemäß fertiggestellt wurden. Dem Betrieb wurde in der vergangenen Woche von dem DIA mitgeteilt, dass die 100 Maschinen nicht abgesetzt werden können. Ob die übrigen 500 im Plan verbleiben, steht noch nicht fest. Ist dies nicht der Fall, so wird der Betrieb gezwungen sein, Arbeitskräfte zu entlassen. (In diesem Betrieb fehlt der Werkleiter – die HV Leipzig versprach bis zum 1.3.1955 diese Angelegenheit zu regeln, was aber nicht eingehalten wurde.)
Produktionsstörung
Im VEB Papierfabrik Fährbrücke Zwickau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, fiel am 8.3.1955, gegen 6.55 Uhr, ein Generator aus. Die gesamte Produktion des Betriebes ist für die Presseorgane der DDR bestimmt. Deshalb wurde sofort das Ministerium für Leichtindustrie verständigt, um ein Ersatzaggregat zu erhalten. Schaden: Die gesamte Produktion steht still und der Schaden beläuft sich pro Tag auf ca. 40 t Papier = ca. 18 000 DM (Die Reparatur, bzw. die Aufstellung des neuen Aggregates wird ca. 14 Tage dauern.)
Am 9.3.1955, gegen 0.20 Uhr, brach in der Heimstätte der Großkokerei »Mátyás Rákosi« in Lauchhammer, [Bezirk] Cottbus, ein Brand aus. (Es handelt sich um eine Baracke, die als Schulungsraum benutzt wurde.) Schaden: ca. 40 000 DM.
Am 7.3.1955 in den frühen Morgenstunden brannte bei Straußfurt, [Kreis] Sömmerda, [Bezirk] Erfurt, (Baustelle Rückhaltebecken-Unstrut) eine Wohnbaracke der Bau-Union Weimar ab. Schaden: ca. 40 000 DM.
Am 9.3.1955, gegen 23.30 Uhr, brach in dem Maschinensaal des VEB Möbelwerke Zeulenroda, [Bezirk] Erfurt, ein Brand aus. Die Höhe des Sachschadens konnte noch nicht ermittelt werden. Bei der Löschung des Feuers kamen zwei Feuerwehrleute durch Rauchvergiftung ums Leben und einer wurde mit schweren Rauchvergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert.
In der Ziegelei in Themar, [Kreis] Hildburghausen, [Bezirk] Suhl, fiel die Dampfmaschine aus, weil ein Eisenstück bewusst hineingeworfen wurde. Schaden ca. 1 500 DM.
Auf der Warnowwerft Objekt »Admiral Nachimow«,17 wurde von unbekannten Tätern ein Kabel für die Gangbeleuchtungsanlage mittels Hammer unbrauchbar gemacht.
Im VEB Ossietzky-Werk in Teltow,18 [Kreis] Potsdam, wurde von unbekannten Tätern an eine Toilettentür eine Hetzlosung angeschmiert.
In einer Kunstblumenfabrik in Neustadt, [Kreis] Sebnitz, [Bezirk] Dresden, wird unter den Arbeitern das Gerücht verbreitet, dass Männer im Alter von 18 bis 45 Jahren keine PM 1219 Bescheinigungen mehr erhalten.
Erkrankungen
Im VEB Kabelwerk II Meißen, [Bezirk] Dresden, sind von 325 Beschäftigten 7 % arbeitsunfähig. Zum größten Teil handelt es sich hierbei um Grippeerkrankungen sowie um Tbc-Fälle.
Am 9.3.1955 war im VEB Feintuch und Kleiderstoffwerk Reichenbach, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, Werk Beierfeld zu verzeichnen, dass von 77 Essenteilnehmern 50 % über Brechreiz und Leibschmerzen klagten. Vermutlich Vergiftungserscheinungen durch den Genuss von Gemüse aus Konservendosen.
Versorgung der Bevölkerung
(siehe Anhang über Angsteinkäufe)20
Die Lage in der Landwirtschaft
Die Diskussionen über die Ratifizierung der Pariser Verträge und die Vorschläge der Volkskammer sind in den letzten Tagen bereits wieder etwas zurückgegangen. Die Stimmen dazu kommen vor allem noch aus dem sozialistischen Sektor der Landwirtschaft und sind, wie schon in den letzten Berichten aufgezeigt, vorwiegend positiv. Über die Volkskammertagung wird zum Teil die Meinung vertreten, dass man überrascht war, als statt Aufbau Nationaler Streitkräfte weitere Verhandlungen auf friedlichem Wege vorgeschlagen wurden.
Vereinzelt werden jetzt auch Stimmen von ehemaligen Umsiedlern21 laut, die sehr negativ sind und sich vielfach auf die Frage der Oder-Neiße-Friedensgrenze beziehen.
So sagte z. B. ein werktätiger Einzelbauer aus Ulrichshof, [Kreis] Strasburg, [Bezirk] Neubrandenburg: »Sie sollen uns unser Gebiet hinter der Oder wiedergeben und die Truppen aus beiden Teilen Deutschlands abziehen lassen, dann kann das deutsche Volk selbst bestimmten und die Einheit wird schnell wiederhergestellt.«
Unter einzelnen Schichten der Landbevölkerung, vorwiegend Groß-, Mittel- und Einzelbauern, gibt es solche feindlichen Äußerungen, die sich darauf beziehen, dass sie die Ratifizierung der Pariser Verträge erwartet hätten und diese begrüßen.
So sagte ein werktätiger Bauer aus der Gemeinde Freudenberg, [Kreis] Bad Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder: »Dass die im Westen durchkommen, habe ich gewusst. Da können sich die Halunken auf den Kopf stellen und machen was sie wollen, der Westen ist unser Befreier. Ich habe die Schnauze voll. Hoffentlich geht es bald los.«
Bei den Vorbereitungen zur Frühjahrsbestellung zeigt sich immer wieder, dass in einigen landwirtschaftlichen Betrieben nicht genügend Saatgut und Düngemittel vorhanden sind.
In der LPG Streudach [bei] Eisfeld, [Kreis] Hildburghausen, [Bezirk] Suhl, sind ca. 500 Zentner Kartoffeln, die zum Teil als Saatgut bestimmt waren, erfroren.
Dem ÖLB Lelkendorf, [Kreis] Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, fehlen folgende Saatgutmengen:
- –
224 dz Hafer
- –
112 dz Gerste
- –
20 dz Sommerweizen
- –
7 dz Erbsen
- –
4 dz Klee
Der Rat des Kreises konnte keine Abhilfe schaffen.
In der LPG Felgentreu, [Kreis] Luckenwalde, [Bezirk] Potsdam, fehlen trotz Austausch mit anderen Kreisen immer noch acht Tonnen Saatkartoffeln und eine Tonne Saatgetreide.
Bei der VdgB-BHG Hohenmölsen, [Bezirk] Halle, fehlen noch 300 t Saatkartoffeln. Maßnahmen wurden eingeleitet.
In Delitzsch, [Bezirk] Leipzig, fehlen für die Frühjahrsbestellung 1 100 t Saatkartoffeln. Diese Menge sollte von Rostock geliefert werden. Von dort wurde mitgeteilt, dass diese Menge nur zum Teil geliefert werden kann. Alle Bemühungen, die restlichen Kartoffeln zu beschaffen, blieben erfolglos.
In einigen landwirtschaftlichen Betrieben ist durch den Futtermangel die Aufzucht von gesundem und leistungsfähigem Vieh nicht gewährleistet.
In der LPG Christdorf, [Kreis] Wittstock, [Bezirk] Potsdam, sind infolge ungenügender Futtergrundlage 67 Färsen in derartig schlechtem Zustand, dass sie nahe am Verenden sind und aus diesem Grund nicht in die Versicherung aufgenommen werden.
In den ÖLB Pampin, [Kreis] Parchim, [Bezirk] Schwerin, sind bereits acht Kühe wegen Unterernährung verendet. Die übrigen 22 Milchkühe haben aufgrund der schlechten Futterlage einen niedrigen Milchleistungsstand.
Im VEG des Bezirkes Dresden sind im Januar 1 058 Schweine verendet. Davon ca. 800 Ferkel und 230 Jungschweine im Alter von drei bis sechs Monaten.
Als Ursache werden schlechte Abferkelställe und schlechte Futtermöglichkeiten angegeben.
Eine Analyse über die VdgB-BHG Wahlen22 im Bezirk Neubrandenburg ergab folgendes Bild:
Die Generalversammlungen der VdgB-BHG sind im Bezirk mit wenigen Ausnahmen abgeschlossen. Im Allgemeinen standen auf den Versammlungen wirtschaftliche Fragen, wie z. B. Arbeit der MTS, Saatgutbeschaffung usw. im Mittelpunkt.
Politische Diskussionen wurden sehr wenig geführt. Die Anleitung und Kontrolle vonseiten der Partei hätte besser sein müssen. Dies trifft für die Kreisleitung, sowie für die Grundorganisation in den Gemeinden zu. Die Zusammensetzung der Vorstände in den BHG sieht so aus, dass meistens nur 20 bis 25% Mitglieder der SED sind. Es gibt sogar Beispiele, wo überhaupt keine Genossen vertreten sind.
Kreis Teterow:
In diesem Kreis nahmen von 3 427 Mitgliedern der VdgB-BHG 1 636 an den Versammlungen teil. So zeigt die Wahl des Vorstandes BHG Groß Wüstenfelde folgendes Bild: zehn werktätige Bauern. Davon vier Mitglieder der CDU und sechs Parteilose.
Kreis Demmin:
Hier nahmen 57 % der Mitglieder an den Versammlungen teil. Die Kontrolle zur Vorbereitung der Wahl vonseiten der Partei war nicht gut und wurde anfangs nur der Leitung der BHG überlassen.
In der LPG Wermsdorf, [Kreis] Oschatz, [Bezirk] Leipzig, treten seit 14 Tagen Diskussionen auf, die sich mit der Auflösung der LPG beschäftigen. Der Grund dafür ist, dass pro Arbeitseinheit23 nur DM 3,28 gezahlt wurde. Außerdem musste sie die ihnen zugeteilten Kartoffeln wegen Futtermangel wieder an die LPG abgeben. Diese Dinge sind im Ort bekannt und ein Großbauer24 äußerte bereits: »Das musste ja so kommen. Unter diesen Verhältnissen kommen wir wenigstens wieder zu Arbeitskräften.«
Schweinepest
Am 8.3.1955 wurde unter dem Viehbestand des VEG Fleethof, [Kreis] Ueckermünde, [Bezirk] Neubrandenburg, die Schweinepest festgestellt. Bestand: 136 Schweine. Davon sind schon 80 Tiere verendet. Es handelt sich um Läuferschweine, die vor Kurzem aus Neuhof, [Kreis] Ueckermünde angeliefert wurden.
Unter dem Schweinebestand der MTS Neuhof, [Kreis] Ueckermünde, wurde vom Kreistierarzt ebenfalls die Schweinepest festgestellt. Bestand sechs Schweine, davon eins verendet. Die restlichen fünf Tiere wurden dem Schlachthof zugeführt.
In der Mastanstalt des VEG Repten, [Kreis] Calau, [Bezirk] Cottbus, wurde unter dem Schweinebestand die Schweinepest festgestellt. Von 1 649 Schweinen sind 25 verendet und 25 mussten notgeschlachtet werden.
Im VEG Greppin, [Kreis] Bitterfeld, [Bezirk] Halle, wurden in den letzten Tagen die Kühe auf Tuberkulose untersucht. Von 95 Milchkühen sind zwei Drittel von Tuberkulose befallen.
Im VEG Seegrehna, [Kreis] Wittenberg, [Bezirk] Halle, wurde die Hühnercholera festgestellt. Es verendeten 77 Hühner.
In der LPG Düsnitz, [Kreis] Jessen, [Bezirk] Cottbus, wurde am 3.3.1955 beim Dreschen ein Knüppel in die Dreschmaschine geworfen, sodass die Dampfmaschine auseinanderflog. Vorfall wird von der KD bearbeitet.
Am 8.3.1955 brannte gegen 16.15 Uhr die Scheune eines werktätigen Bauern in Unterlauterbach, [Kreis] Auerbach, nieder. In der massiven Scheune befanden sich ca. 130 Zentner Futterstroh und Streu, sowie sechs verschiedene landwirtschaftliche Geräte. Der Geschädigte ist seit vier Jahren auf diesem Hof von 10 ha. Er ist Mitglied der SED. Nach den bisherigen Ermittlungen besteht der Verdacht, einer vorsätzlichen Brandstiftung. Gesamtschaden ca. 10 000 DM.
In Reichenbach bei Görlitz, [Bezirk] Dresden, brannte am 7.3.1955 bei einem Großbauern der Geräteschuppen mit eingebautem Schweinestall vollständig nieder. Gesamtschaden 20 000 DM.
Im Bezirk Cottbus sind zur Sorbenfrage25 in verschiedenen Gemeinden unter den Bauern falsche Meinungen vorhanden. Sie glauben durch eine Anerkennung als Sorben würden sie systematisch zur ČSR übergesiedelt werden. Sie verleugnen sogar ihre sorbische Herkunft indem sie sagen, sie könnten nicht sorbisch lesen und schreiben. Diese Tendenzen treten im Kreis Weißwasser besonders stark in Erscheinung.
Zum Beispiel wird in Reichenwalde, [Kreis] Weißwasser, ganz offen die Meinung geäußert, dass die Domowina26 eine Organisation sei, welche die Eingliederung der sorbischen Gebiete in die ČSR vorbereitete. Die Vorsitzende der Domowina wird als Spitzel und Verräterin bezeichnet. Von Seiten der Schulleitung wurde eine Umfrage an die Bevölkerung gerichtet, bezüglich der Teilnahme ihrer Kinder am sorbischen Unterricht. Das Ergebnis zeigte, dass fast alle Eltern, besonders die Sorben angaben, ihre Kinder seien Deutsche und brauchten daran nicht teilzunehmen.
Vorkommnisse von besonderer Bedeutung
Im Bezirk Potsdam sind 63 Personen an Typhus erkrankt. Bei neun Krankheitsfällen besteht Typhusverdacht. Bei den Erkrankten handelt es sich meist um Kinder. Die notwendigen Schutzmaßnahmen wurden vom Bezirkshygieneinstitut eingeleitet.
Einschätzung der Situation
Die Diskussionen zu den wichtigsten politischen Tagesfragen sind weiterhin überwiegend positiv. Im Inhalt treten keine neuen Momente auf.
Bei den Diskussionen in den Betrieben muss jedoch ebenfalls festgestellt werden, dass Stellungnahmen zu politischen Problemen zahlenmäßig gering sind, bzw. von Diskussionen über die Versorgungslage verdrängt werden. Die Äußerungen hierzu sind oft negativ.
Die übrige Bevölkerung, vor allem Hausfrauen, Rentner und Geschäftsleute diskutieren fast ausschließlich über die Versorgung, wobei auch hier negative Stellungnahmen überwiegen. Der gefährliche Umfang der Hamstereinkäufe hat sich, abgesehen von geringen Schwankungen, noch nicht vermindert. Die Angsteinkäufe erstrecken sich auf das gesamte Gebiet der DDR und sind nur teilweise in den letzten zwei Tagen in einzelnen Kreisen zurückgegangen. Das ist einmal auf gute Aufklärungsarbeit, aber zum anderen vorwiegend auf die Tatsache zurückzuführen, dass die meistgefragtesten Waren in einem Teil der Läden ausverkauft sind. Ursache der Hamstereinkäufe sind nach wie vor hauptsächlich Gerüchte, die eine Angstpsychose unter vielen Hausfrauen auslösten. Zur Überwindung dieses Zustandes ist unbedingt eine breite Aufklärungsarbeit notwendig, die sich in erster Linie auch auf das Verkaufspersonal erstrecken muss, damit dieses nicht noch Großeinkäufe durch die Kunden veranlasst.
Zu anderen Fragen traten keine Veränderungen auf.
Anlage 1 vom 11. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2431
Hamstereinkäufe
Die Angsteinkäufe treten noch immer in allen Bezirken auf.27 Sie sind aber nicht wesentlich stärker geworden, sondern so wie in den Vortagen. Es gibt Gemeinden und Kreise, wo ein Rückgang zu verzeichnen ist. Dies ist jedoch vereinzelt und kann noch nicht als allgemeiner Rückgang der Angsteinkäufe gewertet werden. Das wird durch die Begründungen des Rückganges, die einzelne Bezirke geben, bekräftigt. Zum Beispiel berichten die Bezirke Leipzig und Karl-Marx-Stadt, dass die Angsteinkäufe wahrscheinlich nur deshalb nachgelassen hätten, weil die gewünschten Waren nicht mehr in dem genügenden Umfange zu erhalten sind.
Die Lage in den einzelnen Bezirken
I. Potsdam:
Hier sind die Hamstereinkäufe im Bezirk mit Ausnahme des Kreises Neuruppin zurückgegangen. Es kann in den meisten Kreisen von einem normalen Einkauf gesprochen werden. Im Kreis Neuruppin verstärkten sich die Hamstereinkäufe. Es wird hier nicht nur Mehl, sondern auch Salz und Heringe gehamstert. Die Bevölkerung kaufte in einigen Verkaufsstellen 30 bis 40 kg Mehl ein. Die HO-Verkaufsstelle28 Neuruppin verkaufte vom 1. bis 8.3.1955 1 100 kg Mehl; der Gesamtumsatz betrug im Januar 426 kg. Der Umsatz an den wichtigsten Lebensmitteln ist gegenüber Januar 1955 um ca. 35% gestiegen.
II. Rostock:
Die Lage hat sich noch nicht verändert, ist jedoch auch nicht bedrohlicher geworden. Die Hamstereinkäufe erstrecken sich auf den ganzen Bezirk.
III. Neubrandenburg:
Hier haben die Angsteinkäufe gegenüber den letzten Tagen etwas nachgelassen.
IV. Schwerin:
Eine Veränderung ist noch nicht eingetreten. Angsteinkäufe treten besonders noch im Kreis Perleberg auf.
V. Cottbus:
In einzelnen Kreisen treten noch Hamstereinkäufe auf. Es werden vor allem Mehl, Margarine, Streichhölzer und Seifenpulver eingekauft. Weiterhin ist jetzt auch ein starker Einkauf an Likören zu verzeichnen. Trotzdem kann von einem Rückgang der Hamstereinkäufe gesprochen werden.
Um den Hamstereinkäufen entgegenzutreten, wurden die HO-Verkaufsstellen angewiesen, Waren nur in normalen Mengen auszugeben.
VI. Erfurt:
In den Kreisen Apolda und Mühlhausen ist der Einkauf wieder normal. Die Verkaufsstellen wurden mit genügend Mehl versorgt, sodass Angsteinkäufe nicht mehr auftraten.
In den anderen Kreisen ist die Lage noch unverändert. Folgendes Beispiel zeigt die finanziellen Auswirkungen der Hamstereinkäufe:
Bei der Gewerbebank in Apolda wurden im Februar 48 000 DM mehr abgehoben, als im Januar. Bei der BHG in Sömmerda wurden 52 000 DM mehr abgehoben als im Januar und im Stadtgebiet Erfurt sind in der ersten Märzdekade ca. 27 % Spareinlagen mehr abgehoben worden, als im Februar. Es ist zu verzeichnen, dass diese Abhebungen besonders von den Mittelschichten erfolgten. Viele Handwerker und Gewerbetreibende lassen größere Geldbeträge als Hypotheken umschreiben.
VII. Halle:
Die Lage hat sich noch nicht wesentlich verbessert. Es treten noch überall Hamstereinkäufe in stärkerem Maße auf.
VIII. Karl-Marx-Stadt:
Es werden weiterhin in allen Kreisen des Bezirkes Hamstereinkäufe getätigt. Sie sind zwar gegenüber den Vortagen etwas zurückgegangen, was jedoch auch mit darauf zurückzuführen ist, dass es jetzt in den Läden nicht die genügenden Waren gibt.
IX. Das Wismut Gebiet:
In den Wismut Verkaufsstellen werden weiterhin Angsteinkäufe getätigt. Sie treten in allen Kreisgebieten, außer Johanngeorgenstadt, wo vorwiegend Wismut-Kumpel wohnen, auf. Besonders beteiligen sich Neubürger29 (Ehemals Ungarn an den Angsteinkäufen.)
X. Gera:
In einzelnen Kreisen haben die Angsteinkäufe nachgelassen. In anderen Kreisen halten sie jedoch noch weiter an und erstrecken sich außer auf Mehl jetzt insbesondere auch auf Waschmittel und Zündhölzer. Zum Beispiel wurden in der Gemeinde Kulm, [Kreis] Schleiz, am 9.3.1955 in den Verkaufsstellen 360 Pakete Waschpulver verkauft.
XI. Frankfurt/Oder:
Die Angsteinkäufe haben im Bezirksmaßstab etwas nachgelassen. Sie treten besonders noch in Frankfurt und Stalinstadt30 in Erscheinung. Die Verkäuferinnen wurden vom Rat des Kreises Abt. Handel und Versorgung angewiesen, mit den Kunden zu diskutieren und sie an größeren Einkäufen zu hindern.
XII. Magdeburg:
Die Angsteinkäufe halten weiter an. Sie sind aber nicht mehr so stark, da die Verkaufsstellen diesbezüglich Anweisungen erhalten haben. Im Kreis Salzwedel beteiligt sich besonders die Landbevölkerung stark an den Angsteinkäufen. Es werden besonders Likör, Schmalz und Mehl Type 405 eingekauft.
XIII. Dresden:
Im letzten Bericht wurde von dort von einem Rückgang der Hamstereinkäufe berichtet. Es ist jedoch jetzt bereits wieder ein Ansteigen derselben vorhanden. Es werden jetzt auch noch verstärkt Öl und Süßstoffe eingekauft. Die Aufklärung, deren Durchführung ebenfalls im letzten Bericht erwähnt wurde, wurde nicht weiter durchgeführt, obwohl fortschrittliche Hausfrauen und Verkaufsstellenpersonal diese fordern. Es traten wieder verstärkte Einkäufe in den Kreisen Bautzen, Bischofswerda, Dippoldiswalde, Freital, Großenhain, Löbau, Meißen, Sebnitz und Dresden auf.
XIV. Suhl:
Die Hamstereinkäufe halten im gleichen Maße noch an. Sie traten besonders in den Kreisen Ilmenau, Bad Salzungen und Sonneberg auf.
Die Diskussionen unter den Hausfrauen, Rentnern und Geschäftsleuten, drehen sich fast ausschließlich um die Versorgungslage.
Dabei ist zu bemerken, dass sich vor allem diese Personen durch die Gerüchteverbreitung, wie Kriegsvorbereitungen, Aufstellung Nationaler Streitkräfte, Wiedereinführung von Lebensmittelkarten usw. beeinflussen lassen, in eine Angstpsychose verfallen und darum diese Hamstereinkäufe tätigen. Dabei wird heftig auf die Versorgungslage in der DDR geschimpft. Viele erkennen nicht, dass sie durch ihren überdurchschnittlichen Einkauf erst die schlechte Versorgungslage hervorgerufen haben und glauben jetzt, die Regierung und unsere Staatsorgane verantwortlich machen zu können.
In allen Bezirken geht man jetzt daran, Maßnahmen zu ergreifen um die Bevölkerung diesbezüglich aufzuklären. Jedoch müssten schon längst überall Aufklärungen stattgefunden haben, damit die Versorgung nicht noch mehr gefährdet wird. Diese Frage wird, nach den Berichten zu urteilen, in den untersten Ebenen noch nicht genügend ernst genommen. Immer wieder fordert das Verkaufsstellenpersonal und fortschrittliche Bürger, endlich Aufklärung über die gegenwärtige Lage zu geben. Sie verlangen immer mehr, dass auch die Regierung eine klare Stellungnahme über die Versorgungslage gibt, da es bald nicht mehr so weitergeht und die Bevölkerung auch alles viel besser verstehen und keine solchen Angsteinkäufe mehr tätigen würde. Wie empört ein Teil der Bevölkerung über die Hamstereinkäufe ist, beweist folgendes Beispiel:
Eine Frau aus Schlösschen, [Kreis] Zschopau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt: »Die Menschen müssen doch verrückt sein! Wenn wirklich ein Krieg kommen sollte, dann helfen auch die gehamsterten Lebensmittel nichts mehr. Diese Leute gefährden nur unsere Versorgungslage.«
Es gibt natürlich auch einen großen Teil der Bevölkerung, die nicht diese Einsicht haben und gegen unsere DDR hetzen.
So sagte z. B. eine Hausfrau aus Karl-Marx-Stadt in einer Konsumverkaufsstelle: »Unter der Bevölkerung herrscht jetzt aufgrund der Lebensmittelfrage eine Stimmung, die bald wie die vor dem 17. Juni ist, denn alle sind unzufrieden.«
Anlage 2 vom 11. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2431
Stimmung über die gesamtdeutsche Arbeiterkonferenz in Leipzig
Über die gesamtdeutsche Arbeiterkonferenz in Leipzig wird bis jetzt nur im geringen Maße unter den Werktätigen der volkseigenen Betriebe und unter den Verwaltungsangestellten gesprochen, meist sind es fortschrittliche Mensen, die sich dazu positiv äußern.
Darin wird zum Ausdruck gebracht, dass sich viele Arbeiter aus Westdeutschland klar und offen gegen die Pariser Verträge ausgesprochen haben und demzufolge hofft man, dass sie sich in Westdeutschland für die Vorschläge der DDR einsetzen werden. Andere äußern, dass Genosse Walter Ulbricht31 den Arbeitern in Ost und West unseres Vaterlandes den Weg gezeigt hat, als er klar und deutlich sagte, dass nur durch gemeinsames Handeln die Adenauer-Regierung beseitigt und somit die Einheit Deutschlands hergestellt werden kann. Man erkennt, dass die Aktionseinheit der Arbeiterklasse das Kraftzentrum ist, um die Bonner und Pariser Verträge zum Scheitern zu bringen.
Einige äußern, dass es an der Zeit wäre, Verteidigungsmaßnahmen in der DDR zu treffen, damit die Kriegstreiber sehen, dass unsere Anstrengungen für die Erhaltung des Friedens kein Ausdruck der Schwäche sind.
Teilweise verpflichten sich Kollegen, den Briefverkehr mit westdeutschen Arbeitern zu verstärken und im größeren Umfange westdeutschen Delegationen in die DDR einzuladen.
Ein Postmeister aus dem Kreis Rathenow, [Bezirk] Potsdam: »Ich kenne den Adenauer32 schon seit 1919 und kenne Ihn als einen ausgesprochenen Verbrecher, der die ganzen Katholiken hinter sich hat. Die Menschen in Westdeutschland glauben aufgrund der Hetzpropaganda, dass es unbedingt notwendig ist, einen Kreuzzug gegen den Osten zu führen.«
Im Westen reden sie viel von Freiheit, ich hatte jedoch nur die Freiheit zum Verhungern. Ich begrüße besonders die Ausführungen des stellvertretenden Ministerpräsidenten Walter Ulbricht auf der II. Arbeiterkonferenz in Leipzig, indem er sagte: »Wir werden Maßnahmen treffen, um unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat zu schützen.«33
Ein Gewerbetreibender aus Quedlinburg, [Bezirk] Halle, (LDPD-Mitglied) äußerte: »Uns ist vollkommen klar, wenn es gelingt, dass der DGB und der FDGB die Volksmassen zusammenbringt,34 Adenauer am längsten Kanzler gewesen ist. Zu deutlich haben die westdeutschen Vertreter in Leipzig die Lage in Westdeutschland aufgezeigt, wohin dieser Weg führen soll. Deshalb muss das gesamte deutsche Volk entschiedener für die Erhaltung des Friedens und die Vereinigung unseres Vaterlandes kämpfen. Leider werden noch tausende und abertausende Menschen in Westdeutschland von diesem Kampf abgehalten, weil sie der angloamerikanischen Propaganda unterliegen und selbst die wichtigsten Hinweise von Walter Ulbricht nur zögernd anerkennen.«
Ein Kollege aus Sonneberg, [Bezirk] Suhl, erklärte nach seiner Rückkehr von der Leipziger Messe Folgendes: »Wenn man die zweite gesamtdeutsche Konferenz in Leipzig verfolgt hat, was dort viele westdeutsche Teilnehmer aus allen Schichten zu den Ausführungen des Genossen Walter Ulbricht zum Ausdruck brachten und wie sie sich klar und eindeutig gegen die Pariser Verträge ausgesprochen haben, dann glaube ich, wenn diese wieder nach Hause kommen, dass sie auch die Vorschläge unserer Regierung unterstützen werden.«
Ein Kraftfahrer aus dem Stahlwerk Riesa äußerte, dass er nicht mehr daran zweifelt, dass wir in der DDR Streitkräfte schaffen müssen. Denn am Sonntag hätte Walter Ulbricht in Leipzig klar gesagt, dass wir uns vor einen Angriff der Westmächte nicht fürchten. Das bedeutet aber, dass wir schnellstens eine Armee brauchen.
Ein Angestellter vom Postamt Sebnitz, [Bezirk] Dresden: »Ulbricht hat in seinen Ausführungen klar erkennen lassen, wie stark das Friedenslager ist. Ich glaube kaum, dass Amerika vorerst einen Krieg wagen wird.«
Die Kollegen des Rates des Kreises Lobenstein, [Bezirk] Gera, beschlossen, noch mehr Briefe nach Westdeutschland zu schreiben und verstärkt Delegationen nach der DDR einzuladen, um somit ihren Beitrag zur Wiederherstellung der Einheit Deutschlands zu leisten.
Nur ganz vereinzelt wurden uns negative Diskussionen bekannt.
So äußerte z. B. ein Elektriker vom RFT Eisenach, [Bezirk] Erfurt: »Da hat der Ulbricht in Leipzig eine Rede gehalten und darin wohl mehrmals die Ziele der DDR denen in Westdeutschland aufgezeigt, schön und gut. Aber können die es denn drüben auch so machen? Niemals, denn dann verhaftet man sie bei uns als Agenten. Es zeigt eben, dass man auch noch Westdeutschland kommunistisch machen will. Das zeigt die Rede von Ulbricht wieder eindeutig. Warum da noch groß drohen, wie es Ulbricht tat, wir haben doch schon nationale Streitkräfte.«
Ein Einwohner aus Eisenach (SED) äußerte: »Was soll man da noch sagen zu der Rede von Walter Ulbricht, wir haben ja selber keine Freiheit. Aber man ist eben ruhig und denkt sich seinen Teil, denn heute etwas dagegen zu sagen, ist gefährlich, weil man seinen Arbeitsplatz sonst verliert.«
Anlage 3 vom 11. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2431
Feindpropaganda zur Beeinflussung der Jugendlichen der DDR
Seit Jahresbeginn häufen sich die Sendungen westlicher Rundfunkstationen, in denen die Jugendlichen der DDR angesprochen werden bzw. in denen zur Lage in der FDJ Stellung genommen wird.
Neben der beabsichtigten Beeinflussung der Jugendlichen gegen die KVP bzw. die Aufstellung Nationaler Streitkräfte, worüber bereits berichtet wurde, zeigt sich das Bestreben in der Feindpropaganda, die Jugendlichen der DDR von dem politischen Leben abzulenken und vor allem auch in die Arbeit der FDJ eine »unpolitische Linie« hineinzubringen.
Dabei stehen die Stellungnahmen zu den Interessengemeinschaften35 der FDJ im Vordergrund. Hier wird immer wieder gefordert, jegliche Politik bei den Arbeiten in den Gemeinschaften auszulassen und sich vor allem mit Fotografieren, Motoradfahren, Wandern und dem Studium von Fachbüchern zu beschäftigen. Gleichzeit sollen sich die Jugendlichen bemühen, den Ablauf ihrer Arbeit selbst zu bestimmen, damit höhere Funktionäre keinen Einblick in die Arbeiter erhalten und nicht etwa die Frage der Politik in den Vordergrund stellen können.
Immer wieder zeigt sich bei den Hetzsendungen zu dieser Frage, dass die Jugendlichen der DDR dem westlichen Einfluss mehr zugängig gemacht werden sollen, um ihnen eventuell später konkretere Aufgaben zu erteilen, wie dass in folgenden Ausführungen des RIAS36 zum Ausdruck kommt:
»Haltet zusammen; bleibt bei eurer Tätigkeit und macht damit die Funktionäre machtlos. In den nächsten Wochen kommt es auf jedes einzelne Mitglied an.«
Neben diesen Sendungen und denen über das Verhältnis FDJ – KVP, die beide der hauptsächlichste Ansatzpunkt des Gegners ist, beschäftigt man sich bei der Beeinflussung der Jugendlichen noch mit anderen Fragen.
Um die Jugendlichen von der Unterstützung und Durchführung der Beschlüsse der Regierung und des Zentralrates der FDJ abzuhalten, wird gegen den »Bau der Jugend« in Trattendorf37 gehetzt und in anderen Sendungen wird aufgefordert, die Aktion »Kader aufs Land«38 nicht zu unterstützen.
Die Zustände auf dem »Bau der Jugend« werden in den schwärzesten Farben gemalt und es wird alles grundsätzlich als schlecht bezeichnet. Die Beeinflussung wendet sich dabei gleichzeitig an die Eltern, ihre Töchter und Söhne nicht nach Trattendorf fahren zu lassen, da dort die Moral äußerst schlecht sei und sich niemand um die Entwicklung der jungen Menschen kümmere, sodass es zu Schlägereien, Überfällen auf die Bevölkerung usw. käme. In Verleumdung unserer Partei und Regierung wird gehetzt, dass gegebene Versprechen, um die Jugendlichen »anzulocken«, nicht gehalten würden, was die sozial, kulturelle und sportliche Betreuung beweise.
Damit die Jugendlichen aus der Stadt nicht aufs Land gehen, hetzt man, dass ihnen dadurch finanzielle und arbeitsmäßige Nachteile entstünden und dass sie deshalb lieber in der Stadt bleiben sollten, da dort das Leben angenehmer sei. Um die FDJ-Arbeit auf dem Lande zu beeinflussen, wird gegen die fortschrittlichen Jugendlichen auf dem Land gehetzt.
Seit der letzten Februartagen kommt es wiederholt zu feindlichen Stellungnahmen zum »Plan zur Förderung der Jugend im Jahr 1955«.39 Um die Jugendlichen zur Ablehnung zu veranlassen, werden die Hauptargumente benutzt, dass der Plan der »weiteren Ausnutzung und Ausbeutung der Jugendlichen« diene, die Berufsausbildung verschlechtere und eine »bessere Bespitzelung der Jugendlichen« vorsehe.
Kommentare zu den Wahlen in der FDJ40 sind noch gering, und beschränken sich auf die Hetze, dass die Wahlen undemokratisch seien, und dass Jugendliche gewählt werden sollen, die weniger die Interessen der Partei sondern vielmehr die Interessen der Jugendlichen vertreten, womit die Möglichkeit der Erweiterung des westlichen Einflusses geschaffen werden soll.
Anlage 4 vom 10. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2431
Auswertung der Westsendungen
Wiederholt wird vom RIAS in der bereits bekannten weise gegen die Normen gehetzt, wobei wieder von einem »rücksichtslosen Anziehen der Normenschraube« die Rede ist. Auch hier wird gegen den FDGB gehetzt, der sich angeblich nur um die Interessen der westdeutschen, aber nicht um die eigenen Kollegen kümmere. Ebenso, wie schon des Öfteren, werden die Arbeiter auf die Richtlinien zur Ausarbeitung und Einführung technisch begründeter Arbeitsnormen41 vom 11.10.195242 und 20.5.195243 hingewiesen, um sich dagegen zur Wehr zu setzen.
In Fortsetzung der Hetze gegen die Betriebskollektivverträge44 versucht RIAS, die Arbeiter von der Durchführung von Wettbewerben abzuhalten, da nicht damit zu rechnen sei, dass Sieger in Hetzbewerben Prämien aus dem Direktorenfond45 erhalten, da dieser jetzt durch viele andere Ausgaben belastet werde.
In einigen Sendungen hetzt RIAS gegen die ökonomischen Konferenzen.46 Sie seien dazu ausersehen, die Rentabilität der Betriebe dadurch zu erhöhen, dass man die Arbeiter in das Risiko des Betriebes einbeziehe. Wörtlich heißt es: »… Das ist ohne Zweifel geschickter, als die tausendfältige Versicherung, die Betriebe gehören dem Volk und darum musst du mehr arbeiten und darfst nicht mehr streiken.«
Zur weiteren Verhetzung der Arbeiter heißt es an anderer Stelle: »… An den entscheidenden Beschlüssen, nämlich an der Planung der Produktionsauflagen, an der Preisgestaltung, am Ein- und Verkauf wird ja der Arbeiter ohnehin nicht beteiligt. Nur, wenn er da mitreden könnte, wäre ihm die Beteiligung am Risiko zuzumuten. Er darf einer in den ökonomischen Konferenzen nur die Sorgen mitberaten, die den Betrieb eben durch die Planung und die Anordnungen von oben auferlegt werden …«
Um die Bevölkerung der DDR gegen das Kraftwerk Trattendorf zu beeinflussen, verbreitet RIAS, dass dieses Werk ein »trauriges Kapitel« in der Geschichte sei und dass das Rote Banner zu Unrecht darauf wehe, da Trattendorf keinen Strom liefere.
Um die Jugendlichen der DDR von der Mitarbeit am »Bau der Jugend« in Trattendorf abzuhalten, wird gehetzt, dass gegebene Versprechen nicht gehalten würden, wie das z. B. der bisher nicht in Angriff genommene Bau von Sportanlagen zeige.
In einer Gegenüberstellung des Wohnungsbaues in Westdeutschland und Westberlin zum Wohnungsbau in der DDR und im Demokratischen Sektor von Berlin versucht RIAS mit Zahlen über Wohnungsbauten usw., unser Bauprogramm als »einen katastrophalen Misserfolg« hinzustellen.
Dabei wird besonders gegen den Fünfjahrplan47 gehetzt und es wird behauptet, dass das gesteckte Ziel nicht erreicht und die Baukosten erhöht worden seien. Mit einer Hetze gegen unsere demokratische Presse, deren Zahlenangaben im Wohnungsbau als propagandistisch und falsch bezeichnet werden, wird folgende Begründung aufgestellt: »Fehlplanungen, mangelhafte Projektierung, übermäßiger Lohnaufwand, riesiger Anteil der unproduktiv Beschäftigten sind für die gesamte Bauindustrie der Sowjetzone kennzeichnend geworden.«
Die in den letzten Wochen zahlreich gebrachten Meldungen über Versorgungsschwierigkeiten in der DDR halten weiterhin an und lassen erkennen, dass die Bevölkerung weiterhin zu Hamstereinkäufen veranlasst werden soll.
Im Rahmen der Hetzte gegen die Leipziger Messe48 wird immer wieder versucht, die Bevölkerung der DDR gegen unsere Regierung zu beeinflussen. So argumentiert z. B. der RIAS, dass bei der diesjährigen Frühjahrsmesse die Zahl der Besucher aus der DDR, die nicht aus geschäftlichem Interesse anwesend seien, äußerst niedrig gehalten worden wäre. Damit sollte nach Meinung des RIAS verhindert werden, dass die Bevölkerung der DDR von dem hohen Exportangebot der DDR Kenntnis erhält und die Forderung aufstelle, die exportierten Waren doch für die Versorgung in der DDR zu verwenden.
Um von den Schwierigkeiten in der westdeutschen Landwirtschaft abzulenken und gleichzeitig die Bauern der DDR gegen unsere Agrarpolitik aufzuhetzen, versucht der Sender »Freies Berlin«49 aufzuzeigen, dass die Schwierigkeiten in der Beschaffung von Arbeitskräften für die Landwirtschaft auf beiden Seiten vorhanden wären, aber in Westdeutschland dagegen die notwendigen Schritte mit der modernen Landtechnik, Umgestaltung der Entlohnung und dem Streben nach Freizügigkeit unternommen wurden. In der DDR dagegen ständen die technischen Hilfsmittel nicht zur Verfügung und eine Behebung der Krise sei nicht zu erwarten. Gleichzeitig ergeht dazu folgender Hinweis an die Bauern der DDR: »Hier bleibt nur eins übrig: den Mangel im Materiellen durch ein Höchstmaß an geistiger und menschlicher Bereitschaft zu ersetzen, bis einmal bessere Zeiten kommen.«
In einer anderen Sendung hetzt RIAS gegen den Eintritt der Großbauern in die LPG.50 Mit dem Aufzählen verschiedener Nachteile, die sich durch einen Eintritt in die LPG ergäben, sollen die Großbauern abgeschreckt werden. So wird z. B. im Zusammenhang mit einer Hetze gegen den Genossen Walter Ulbricht über die Abänderung des Musterstatuts argumentiert, dass dieses besonders die Großbauern bei der Berechnung der Bodenanteile benachteilige. Außerdem schreibe das Statut mindestens 150 Arbeitseinheiten vor, zu deren Ableistung die meisten Großbauern wegen ihres hohen Alters nicht mehr in der Lage seien. Ebenso verhalte es sich mit ihrer Altersrente usw. Die ganze Maßnahme verfolgte nur den Zweck, »eine Bresche gegen die Widerstandslinie der Einzelbauern zu schlagen und solle den Eindruck erwecken, dass sie in der DDR eine Existenz haben, um ihre Wirtschaft mit allem lebenden und totem Inventar den LPG einzuverleiben«.
Der Großbauer sei nur auf dem Papier ein reicher Mann; in der LPG in Wirklichkeit aber mit ihr mitverschuldet. Er könne auch nicht mehr austreten, weil er die hohen Schulden mit übernehmen müsste. Darum sollten es sich die Großbauern sehr genau überlegen und lieber zusehen, wie sie allein weiterkommen. Auch die jüngeren unter ihnen, deren fachliche Kenntnisse gebraucht würden, sollten sich die Annahme des in Aussicht gestellten Postens eines Brigadiers reiflich überlegen.
Im Zusammenhang mit der Winterschulung der Bauern hetzt RIAS, dass die Bauern keine Neuerermethoden51 – wie Kreuzdrillverfahren52 und andere – durchführen sollen, da »die fehlenden Arbeitskräfte, die schlechte Finanzlage und das hohe Soll dazu zwingen würden, jedem Experiment aus dem Wege zu gehen«.
Anlage 5 vom 12. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2431
Westberlin
In fast allen besuchten Wechselstuben konnten hinsichtlich der Art der Geschäfte, wie schon bei früheren Gelegenheiten, die Feststellung getroffen werden, dass die Angebote an DM-West in Bezug auf die Zahl der Posten die Angebote an DM-Deutsche Notenbank stark übersteigen.53
Lediglich in den Wechselstuben Sonnenallee 37 und 116, Karl-Marx-Straße 15 und Ringbahnstraße 32 waren die Angebote in beiden Währungen in dieser Hinsicht etwa gleich stark. In der Wechselstube Brunnenstraße war das Verhältnis der Angebote an DM West zu den Angeboten an DM-Deutsche Notenbank etwa 20: 1. Bezüglich der zum Tausch angebotenen Beträge konnte festgestellt werden, dass es sich bei den DM-West-Beträgen hauptsächlich um Beträge zwischen DM-West 5,00 und DM-West 10,00, seltener um Beträge von DM-West 30,00 handelte. Bei den Angeboten an DM-Deutsche Notenbank wurden Beträge von durchschnittlich etwa 50,00 DM-Deutsche Notenbank beobachtet. Weit über den Rahmen des Üblichen ragten zwei Angebote an DM der Deutschen Notenbank in Höhe von 2 400 bzw. 6 000 hinaus, die in den Wechselstuben Schulstraße bzw. Wittenbergplatz beobachtet wurden.
Stettiner Straße 9, ein Schalter DM-DN, zwei Schalter DM-West, ruhiges Geschäft. Vermutlich wirkt sich die Eröffnung der Wechselstube in der Brunnenstraße auf den Geschäftsumfang aus. Hauptangebote DM-West, durchschnittlich wurden DM-DN 25,00 gekauft. Ungefähr auf sechs Angebote DM-West kommt ein Angebot an DM-DN.
In den Kinos in Westberlin werden oft Sonderveranstaltungen durchgeführt. In den Kinos, die an der Sektorengrenze liegen, beträgt der Anteil der Besucher aus dem demokratischen Sektor ca. 70 %. Die Eintrittspreise für Bewohner aus dem demokratischen Sektor betragen bei Vorlage ihres DPA DM 0,25 West und für Besucher Westberlins DM 0,50 West.54
Die Auswahl der Filme in der Nähe der Zonengrenze werden nach anderen Gesichtspunkten getroffen wie z. B. am Schlesischen Tor. Während am Schlesischen Tor fast ausschließlich amerikanische Filme gezeigt werden, trifft das z. B. am Potsdamer Platz nur zum Teil zu.
Am 23. bzw. 24.2.1955 wurden folgende Filme gezeigt:
- –
»Der lange Texaner«,55
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»Clivia«,56
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»Dürstende Lippen«,57
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»Die Raubkatze«,58
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»Ein Cowboy lebt gefährlich«,59
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»Einmal am Rhein«,60
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»Canaris«.61
Nach der Magistratsverordnung vom 20.12.195462 konnte bei den Handwerkern festgestellt werden, dass ein erheblicher Teil der Westberliner Kundschaft wegblieb. Dies änderte sich, als bekannt wurde, dass sich die Verordnung vom 20.12.1954 nicht auf die Gewährung von Dienstleistungen bezieht. Der Anteil der Westberliner Kundschaft, der vor dem 20.12.195463 festgestellt wurde, ist jedoch bisher nur in wenigen Fällen wieder erreicht worden. Wenn trotzdem die Umsätze im Januar 1955 in vielen Fällen höher sind als im Jahre 1954, so hängt dies mit einer Ausweitung des gesamten Geschäftsumfanges zusammen, der wiederum aus einer besseren Belieferung mit den verschiedensten Waren resultiert. Ein weiterer Grund für den Rückgang des Anteils der Westberliner Kundschaft ist nach Angaben der Handwerker in einer verstärkten Kontrolltätigkeit der Westberliner Zollbehörden zu sehen.
Hauptsächlich wird dies bei Schneidern, Schuhmachern, Wasch- und Reinigungsanstalten festgestellt, weil die Inanspruchnahme derartiger Dienstleistungen mit dem Transport der hergestellten, reparierten oder gereinigten Gegenstände verbunden ist.
Zum Beispiel wurde ein von der Fa. Castillon64 hergestellter Anzug von den Westberliner Zollbehörden beschlagnahmt. Dieser Anzug wurde später gegen Zahlung einer Geldstrafe und des in Westberlin üblichen Macherlohns in DM-West an den Käufer wieder ausgehändigt.
Immenrodt65 Elsenstraße 98 | Herrensalon | Damensalon |
|---|---|---|
Umsatz Januar 1954 | DM 700 | DM 2 600 |
Umsatz Januar 1955 | DM 700 | DM 3 200 |
Seit Verkündung der Verordnung vom 20.12.1954 ist etwa die Hälfte der Westberliner Kundschaft ausgefallen. Ein Rückgang des Umsatzes ist jedoch nicht eingetragen, weil infolge verkürzter Wartezeiten die Bewohner im demokratischen Sektor die Dienstleistungen im erhöhten Umfang in Anspruch genommen haben.
Anlage 6 vom 10. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2431
Hamstereinkäufe
Die Angsteinkäufe halten in den Bezirken weiter an.66 Nur ist zu verzeichnen, dass sie im Allgemeinen nicht stärker geworden sind und sogar teilweise schon zurückgehen. – Das ist in den Bezirken Leipzig, Karl-Marx-Stadt, Neubrandenburg, Rostock, Halle, Dresden und Potsdam der Fall. – Das schließt nicht aus, dass auch dort noch einzelne verstärkte Hamstereinkäufe in verschiedenen Gemeinden auftreten. Besonders bemerkbar machte sich in den Landgemeinden die Teilnahme von Groß-, Mittel- und Einzelbauern an den Angsteinkäufen. Sie kaufen Reis, Mehl, Essigessenzen und Salz in großen Mengen auf.
Aus dem Bezirk Suhl wird berichtet, dass die Angsteinkäufe zurzeit in der Gemeinde Oberlind, [Kreis] Sonneberg, überhandnehmen. Dort wurde das Butterkontingent von einem Monat in zwei Tagen gekauft. Ebenso ist es bei anderen Lebensmitteln der Fall. Wenn die Angsteinkäufe so weitergehen, wird am Wochenende in den Läden nichts mehr zu kaufen sein. Auch geht dort das Gerücht um, dass bald eine Hungersnot ausbrechen wird. Eine Frau aus diesem Ort erzählt, dass man sich in Leipzig um die Butter geschlagen hätte und Einkäufe von 600 DM bis 700 DM seien keine Seltenheit gewesen. Die Hamstereinkäufe halten im Bezirk Suhl in den Kreisen Meiningen, Hildburghausen und Suhl weiter an.
Im Gegensatz zu den letzten Tagen, wo die Bezirke berichteten, dass sich die Bevölkerung nicht offen über die Angsteinkäufe äußerte, sondern irgendwelche Ausflüchte machte, berichten jetzt die Bezirke über ein Ansteigen der negativen Diskussionen.
Einmal bringt man offen zum Ausdruck, dass es bald zu einem Krieg kommen würde und es deshalb ratsam sei, sich Vorräte zu schaffen und zum anderen erzählt sich jetzt ein Teil der Hausfrauen offen in den Verkaufsstellen, was sie sich schon alles gekauft hätten.
So sagte z. B. eine Frau aus Gera, als sie Kandiszucker in einem Geschäft kaufen wollte: »Jetzt habe ich genügend Makkaroni, Nährmittel und Mehl; es fehlt mir nur noch das nötige Quantum an Kandiszucker. Daran mangelt es auch schon in einzelnen Geschäften.«
Verstärkt treten jetzt auch negative und feindliche Diskussionen über die Entwicklung der DDR und die Regierung auf. Dabei schimpft man über die Regierung, dass sie ihr Versprechen, im Jahre 1955 einen nie gekannten Wohlstand zu erreichen, nicht gehalten hätte und dass der Lebensstandard nicht erhöht wurde, sondern gegenüber dem Vorjahre stark zurückgegangen sei.
So sagte z. B. eine Hausfrau aus dem Kreis Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder: »Wir haben doch nun alles getan, um unsere Versprechen gegenüber der Regierung zu halten. Aber vonseiten der Regierung wurde es nicht gehalten, dass wir im Jahre 1955 einen nie gekannten Wohlstand haben sollen. Bis jetzt kann man davon nichts merken. Es wird in der letzten Zeit immer schlechter als besser.«
Anlage 7 vom 12. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2431
Auswertung der Westsendungen
Zur weiteren Beunruhigung und Verhetzung der Bevölkerung gegen unsere Einrichtungen und Organe wendet RIAS in letzter Zeit seine vielseitige Hetze besonders gegen die Versorgungslage in der DDR.
Mit der üblichen Hetze gegen die Ausführungen unserer leitenden Genossen und die Maßnahmen unserer Staatsorgane und dem Versuch, unsere Versorgung als eine »allgemein katastrophale Krise ohne Aussicht auf eine Besserung« hinzustellen, liegt gleichzeitig die Absicht, zu Hamstereinkäufen zu verleihen. Diese von uns getroffene Feststellung versucht RIAS wie folgt zu widerlegen:
»Es gibt keine deutschsprachige Rundfunkstation, die mit der Aufforderung »kauft Mehl« an die Bevölkerung der Zone herangetreten ist, wohl haben wir die Verpflichtung ernst genommen, auch im Falle einer Warenverknappung in der Zone, zu melden, was ist. In Westberlin sind Hamstereinkäufe nahezu unbekannt, weil das Vertrauen zur Leistungsfähigkeit eines Wirtschaftssystems die entscheidende Rolle spielt.«
Darauf beschuldigt RIAS unsere Staatsorgane, dass sie die Schuld für die Mängel in der Versorgung, statt in den »Ursachen«, bei den Hamstereinkäufen und bei den Bauern über 20 ha suchten. Die Ursachen, so argumentiert er weiter, lägen im »sowjetzonalen Wirtschaftssystem« mit insbesondere in der Planwirtschaft, was sich durch die Nichterfüllung der Pläne zeige. Die Großbauern nimmt er dabei besonders in Schutz und behauptet, dass sie sehr gewissenhaft ihre Ablieferungspflicht erfüllten. An anderer Stelle hetzt er, dass es den Bauern fast an allem fehle, um ihre Pläne zu erfüllen und da der für sie bestimmte Stickstoff für den Export bestimmt sei bzw. exportiert würde.
Außerdem versucht RIAS in einer sogenannten Analyse, die Versorgung der DDR von 1949 bis auf den heutigen Tag als eine Kette von Krisen und eine Kette von unerfüllten Versprechungen hinzustellen. Dabei nimmt er in seiner Hetze auch Bezug auf alle Funktionäre, die jemals mit der Versorgung der DDR etwas zu tun gehabt hatten.
Im Zusammenhang mit der Versorgung in der DDR versucht der Hetzsender, Schwierigkeiten in der SU und den Volksdemokratien bei der Versorgung und in der Landwirtschaft aufzuzeigen, eine Parallele zu den Schwierigkeiten in der DDR zu ziehen und die Ursachen dafür dem sozialistischen Wirtschaftssystem zuzuschreiben, welches die DDR übernommen habe.
Gleicherweise hetzt RIAS gegen den Beschluss des Ministerrates67 der DDR über die Steigerung der Produktion in der Landwirtschaft.
Er bezeichnet dies als eine »Phantasie«, weil die Voraussetzungen durch die Mängel auf dem Lande, insbesondere wegen des Futtermangels, nicht gegeben seien. Mit einer großangelegten Rechenmanipulation versucht er zu beweisen, dass diese Steigerung, falls sie gelingen sollte, was aber unglaubhaft sei, auf die Bevölkerung umgerechnet lächerlich gering ist. Sie würde bei weitem nicht die Lücken schließen, die in der Versorgung entstanden seien und könnte keinesfalls als Perspektive für eine bessere Versorgung gelten.
Um die Bauern zum Einkauf von Saatgut in Westberlin zu verleiten, berichtet RIAS, dass in der DDR das Futterpflanzgut so knapp wie nie zuvor sei, und die Bauern schon jetzt nach Westberlin kämen, um Futter- und Kohlrübensamen einzukaufen.
Gegen den Aufruf des Staatssekretariats für Erfassung und Aufkauf an die Bauern, zusätzlich Getreide aus der Ernte 1954 gegen eine Prämie abzuliefern,68 hetzt RIAS, dass die Bauern dieses Getreide »besser durch den Schweinmagen verwerten« sollen, weil sie davon mehr hätten. Die Bauern sollen den Versprechungen, dass dieses Getreide auf ihr kommendes Ablieferungssoll angerechnet würde, nicht glauben, da sie diese Lücke eines Tages mit erhöhten Ablieferungsquoten schließen müssten.
In verleumderischer Absicht und zur Verhetzung aller Bevölkerungskreise treibt RIAS eine umfangreiche Hetzte gegen die Ausführungen des Genossen Fred Oelßner69 auf der theoretischen Konferenz bei der Deutschen Akademie der Wissenschaften.70 Wörtlich argumentiert er: »Der Neue Kurs71 war ein Irrtum. Die Wissenschaftler, die ihn theoretisch begründen zu können glaubten, werden von Oelßner zur Ordnung gerufen. Erst kommt der Aufbau der Wirtschaft, also der Aufbau der sogenannten Grundindustrien einschließlich der Rüstungsindustrie. Dann erst kommt der Verbraucher. Ob etwas für den Verbraucher geschehen kann, das hängt von den Arbeitern ab. Erst müssen sie mehr leisten, vielleicht kann dann ein Teil dieser Mehrleistung auch der Bevölkerung unmittelbar zu Gute kommen. Schließlich soll sich keiner einbilden, dass es auf die Dauer noch selbstständige Kleinbauern, Handwerker oder Einzelhändler gibt; von kapitalistischen Industriebetrieben, Großbauern oder Einkaufsgenossenschaften des selbstständigen Handels ganz zu schweigen. Das soll alles völlig anders werden, denn diese Überbleibsel des Kapitalismus sind zu beseitigen.«
In einer anderen Sendung heißt es:
»Fürwahr kein neues Thema, das aber jeden angeht, denn es war auch die Forderung nach stetiger Steigerung der Arbeitsproduktivität, die zur ständigen Erhöhung der Arbeitsnormen im Frühjahr 1953 führte, bis der Beschluss über die administrative Normenerhöhung am 28. Mai [1953]72 den Volksaufstand vom 17. Juni auslöste. Auch damals hatte eine Verschärfung der Politik in der sowjetzonalen Wirtschaft zu Krisenerscheinungen geführt, deren deutlichste die Nichterfüllung des Produktplanes im 1. Quartal 1953 war.«
Im weiteren Verlauf der Hetze gegen die Ausführungen Fred Oelßners in Verbindung mit früheren Ausführungen73 des Prof. Dr. Fritz Behrens74 fordert RIAS die Arbeiter und Angestellten versteckt zum Widerstand bzw. zur Wiederholung des 17. Juni auf. Vor allem versucht er, den Gegensatz zu den früheren Ausführungen in Bezug auf die Steigerung der Arbeitsproduktivität herauszustellen, wie z. B.:
»Jetzt meinte Fred Oelßner, es wäre falsch, die Steigerung der Arbeitsproduktivität nur von der neuen Technik abhängig zu machen. Sie kann und muss durch die bessere Ausnutzung der vorhandenen Technik, besonders durch bessere Ausnutzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Arbeitsdisziplin, die Bekämpfung des Bummelantentums und die Vermehrung der Anzahl der Produktionsarbeiter gegenüber den Angestellten erreicht werden. Das sind deutlichere Worte, als sie 1953 gesprochen wurden. Die Wirtschafts- und Gewerkschaftsfunktionäre werden sich aufs äußerste bemühen, sie in die Tat umzusetzen … Man darf nicht vergessen, dass zwischen der Konferenz von 1953 und der heutigen der Volksaufstand vom [Im Original nicht lesbar, möglicherweise »17. Juni«] liegt. Die Arbeiterschaft hat die Kommunisten so daran gehindert, die Methoden der Normenerhöhung bis zur letzten Konsequenz durchzuführen. Dieser Erfolg des Volksaufstandes sollte niemals unterschätzt werden. Wenn nicht alles täuscht, werden sie auch diesmal ihre Rechnung ohne die gemacht haben, auf deren Kosten es geht.«
An anderer Stelle hetzt RIAS in Bezug auf die Theoretische Konferenz gegen das ökonomische Grundgesetz des Sozialismus, um die Bevölkerung, die Einzelbauern und selbstständigen Handwerker zu beunruhigen: »[Im Original zwei Worte nicht lesbar, möglicherweise »Die Bevölkerungs-«] Versorgung muss eingeschränkt werden, denn die Ausfuhrverpflichtungen haben den Vorrang. Des Grundgesetzes wegen müssen die Bauern entweder der vom Grund und Boden vertrieben, oder in eine LPG gepresst werden. Das selbstständige Handwerk muss verschwinden.«