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Zur Beurteilung der Situation in der DDR

9. März 1955
Informationsdienst Nr. 2430 zur Beurteilung der Situation in der DDR

Zur Lage in Industrie und Verkehr

Die Stimmung in den Industrie- und Verkehrsbetrieben wird durch die in der Mehrzahl positiven Stellungnahmen gegen die Ratifizierung der Pariser Verträge1 in Bonn2 sowie durch die zahlreichen abgegebenen Verpflichtungen gekennzeichnet. In den Diskussionen wird immer wieder die Haltung der Bundestagsabgeordneten besonders aber die SPD-Führung verurteilt. Es wird übereinstimmend erklärt, dass die Entscheidung des Bonner Bundestages der Volksmeinung widerspreche und deshalb einen nationalen Verrat gleichkäme.3 Aus den meisten Äußerungen spricht die Ablehnung der Pariser Verträge, weil die damit verbundene Kriegsgefahr erkannt und ein neuer Krieg entschieden abgelehnt wird.

Aus dem Grunde wurde von den meisten Werktätigen der Betriebe mit Spannung, aber auch mit einer gewissen Sorge der Volkskammertagung entgegengesehen. Mit Sorge deshalb, weil mit der Aufstellung Nationaler Streitkräfte gerechnet4 und daraus resultiert wurde, dass dadurch eine Auseinandersetzung zwischen Ost- und Westdeutschland nicht ausbliebe. Nachdem dann bekannt wurde, dass die Volkskammer entgegen der Erwartung wiederum Vorschläge machte, löste dies bei einem großen Teil, besonders unter den Jugendlichen, eine gewisse Beruhigung aus. Zum Beispiel ist unter den Jugendlichen im RAW Schlauroth/Görlitz seit Bekanntwerden der Regierungserklärung ein spürbarer Stimmungsumschwung zu verzeichnen. Äußerten sie erst, dass durch die Ratifizierung alles keinen Zweck mehr habe, da bei uns ebenfalls bald eine Wehrmacht aufgestellt würde, so bringen sie jetzt ihre Freude über die Erklärung des Genossen Otto Grotewohl5 zum Ausdruck,6 und wünschen, dass es zu einer Volksabstimmung7 in ganz Deutschland kommt.

Auch im Baulehrbetreib des Leuna-Werkes war unter den Jugendlichen nach der Proklamation der Volkskammer ein Aufatmen zu bemerken, da nicht wie erwartet die Aufstellung Nationaler Streitkräfte beschlossen wurde.

Ähnlich war es auch im Wismut-Schacht8 13 – Aue –, dort hat sich seit der Verkündung der Proklamation die Stimmung der Kumpel wesentlich entspannt. Allgemein wurde die Einführung der Wehrpflicht erwartet.

Die Kumpels erklären jetzt, dass unsere Regierung wiederum unter Beweis gestellt habe, dass sie nichts unversucht lässt, auf friedlichem Wege die Einheit Deutschlands zu schaffen. Sie strebe nicht wie die Bonner Machthaber einen Bruderkrieg an.

Nur in geringem Maße kommt es zu Stellungnahmen, die ausdrücken, dass es besser gewesen wäre, schon jetzt Maßnahmen zu beschließen, damit der Westen uns nicht mit seinen verbrecherischen Absichten überraschen kann.

Solche Stimmen sind – wie bereits erwähnt – nur in geringem Maße zu verzeichnen. In der Mehrzahl herrscht Freude darüber, dass die Volkskammer wieder einen Weg gefunden hat, der auf der Grundlage der Erhaltung des Friedens liegt und dass vor allem noch keine Gegenmaßnahmen beschlossen wurden.

Zum überwiegenden Teil sprechen sich die Werktätigen der Betriebe für die »Proklamation an das deutsche Volk«9 sowie für die Asylgewährung für die westdeutsche Jugend aus.10 Bei dieser Frage zeigt sich aber, dass von einem kleinen Teil in negativer Form geäußert wird, dass diese Maßnahme nicht richtig sei, da es bei uns nicht genügend Arbeit gäbe – was aus der Umgruppierung der Arbeitskräfte11 geschlossen wird – und zum andern wäre unsere wirtschaftliche Lage jetzt schon angespannt und würde sich dadurch auf keinen Fall bessern.

Im VEB Bremsenwerk Berlin wurde von einigen Arbeitern geäußert, dass aufgrund des bestehenden Materialmangels viele Arbeitskräfte nicht ausgelastet seien, sodass sie sich nicht vorstellen könnten, wo die westdeutschen Jugendlichen Arbeit finden sollen. Andererseits hätten dann auch die Westberliner Kollegen in den Betrieben verbleiben können,12 wenn jetzt sogar für westdeutsche Bürger genügend Arbeit vorhanden sein soll.

In der »Mathias-Thesen-Werft« in Wismar vertritt ein großer Teil der Arbeiter die Meinung, dass die Jugendlichen aus Westdeutschland, wenn sie in die DDR kommen, nicht alle Arbeit finden, denn »wir auf den Werften sind ja jetzt schon ohne Arbeit«.

In der Max-Hütte Unterwellenborn13 äußerte eine Gruppe von Arbeitern: »Der Ministerpräsident soll nicht solche Versprechungen machen und den westdeutschen Jugendlichen Arbeitsstellen anbieten, wo doch bei uns gar nicht genügend Arbeit vorhanden ist.«

Im Vergleich zur letzten Berichtsperiode haben die negativen Äußerungen etwas zugenommen, nehmen aber keinen Einfluss auf die im Allgemeinen positive Stimmung zu den gegenwärtigen politischen Tagesfragen. Dabei treten besonders im Zusammenhang mit der Abtrennung des Saargebietes14 negative Diskussionen über die Oder-Neiße-Grenze auf. Dabei wird immer wieder argumentiert: Die DDR habe kein Recht, sich darüber »aufzuregen«, da ja »die Ostgebiete auch abgetrennt wurden«. Zum anderen bringen reaktionäre Elemente vereinzelt ihre Freude über die Ratifizierung der Pariser Verträge zum Ausdruck oder hetzen in der üblichen Weise gegen die DDR und die SU.

Zum Beispiel treten in der Abteilung Kalt- und Warmpresserei der Schraubenfabrik Finsterwalde feindliche Elemente auf, die erklären, dass die Ratifizierung der Verträge gut sei. Sie wollten lieber unter dem Amerikaner anstatt 700 DM im Monat 300 DM verdienen und lieber Margarine essen als »für diese Regierung noch einen Finger krumm zu machen«.

Es zeigt sich jetzt, dass in den Betrieben im zunehmenden Maße über unsere gegenwärtige wirtschaftliche Lage gesprochen wird.

Zum Beispiel werden im Kupferwerk Ilsenburg, [Bezirk] Magdeburg, heftige Diskussionen über den Mangel an verschiedenen Lebensmitteln auf HO-Basis15 geführt. Außerdem lehnen die Kollegen dieses Betriebes eine Maßnahme, nach der das Werksküchenessen jetzt nach der A- und B-Karte16 ausgegeben werden soll, ab.

Unter anderem wurde im »Ernst-Thälmann-Werk« Magdeburg17 aufgrund der Verknappung verschiedener Lebensmittel verstärkt Mehl gekauft. Des Weiteren spricht man in diesem Betrieb verschiedentlich über die schlechte Belieferung der Haushalte mit Heizmaterial.

Im chemischen Werk Leuna werden Diskussionen geführt, dass es unbegreiflich sei, dass gerade jetzt »in der Zeit der größten Entscheidung solche Versorgungsschwierigkeiten auftreten«.

Im VEB Mühlenwerke Riesa, [Bezirk] Dresden, sind die Arbeiter empört, weil vom zuständigen Ministerium die Erschwerniszulagen gestrichen wurden. Dies wirkt sich mitunter so aus, dass sie im Monat 35,00 bis 40,00 DM weniger bekommen. Die Arbeiter haben sich aus diesem Grunde an das Arbeitsgericht gewandt. Von einigen wurde geäußert: Wenn die Entscheidung von dort negativ ausfalle, wollen sie sich woanders Arbeit suchen.

Die Kohlenverknappung hält weiterhin an und hat ihre Auswirkungen darin, dass mitunter Betriebe gezwungen sind, die Produktion vorübergehend einzustellen.

Zum Beispiel müssen die VEB Textilveredlungswerk Reichenbach, Werk I, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, VEB Lederfabrik Hirschberg, [Kreis] Schleiz, [Bezirk] Gera, VEB Eisenwerk Erla, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, und VEB Pappenfabrik Göritzhain, [Kreis] Rochlitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wenn in den nächsten Tagen keine Lieferungen erfolgen, die Produktion einstellen. Im letztgenannten Betrieb mangelt es außerdem an Altpapier zur Verarbeitung.

Im VEB Mafa Meuselwitz,18 [Kreis] Altenburg, [Bezirk] Leipzig, erschien am 26. zum 27.2.[1955] eine Nachtschicht (25 Kollegen) nicht zur Arbeit. Grund: Der Hauptmechaniker hatte ohne Wissen der Betriebsleitung einen Aushang angebracht, dass in der betreffenden Nacht die Temperatur in der Halle I niedriger als sonst sei, da der Ofen gereinigt würde.

Der Betrieb Keulahütte,19 [Kreis] Weißwasser, [Bezirk] Cottbus, wird mit Koks aus der ČSR und Volkspolen beliefert. In letzter Zeit treten Schwierigkeiten in der Form auf, dass der Koks aus Volkspolen im Schmelzprozess nicht die benötigten Heizgrade entwickelt. Außerdem bestehen Schwierigkeiten in der Anlieferung von Sand aus Elsterwerda. Dieser Sand wird dringend für die termingerechte Herstellung der Zylinderköpfe für den Export für die SU benötigt. (Die Kapazität von Elsterwerda reicht nicht aus, um den Bedarf im DDR-Maßstab zu decken.)

Die Materialschwierigkeiten in den verschiedensten Industriezweigen halten weiterhin an und wirken sich störend auf den planmäßigen Produktionsablauf aus.

Zum Beispiel bestehen im VEB Horch-Werke Zwickau,20 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, große Engpässe in der Fertigung und Auslieferung von H3a21 – Exportfahrzeuge –, da die Bereifung mit der Güte Typ 500 fehlen. (Es können deshalb ca. 120 Fahrzeuge nicht ausgeliefert werden.)

Der VEB Sägewerk Bützow, [Bezirk] Schwerin, wird nicht mit genügend Holz beliefert, sodass dadurch immer wieder Wartestunden entstehen.

In der neuen Fabrik der Wismut in Freital-Gittersee in der Zeche 3 musste die Produktion am 4.3.1955 wegen Mangel an Säure eingestellt werden. Vom Auslieferungslager Jahn wurde mitgeteilt, dass von einer bevorstehenden Lieferung von Säure nicht zu sprechen sei.

Im VEB Waggonbau Bautzen ist ein Teil der Schweißer und Schlosser ohne Beschäftigung bzw. sie werden zu anderen Arbeiten herangezogen, da es an Blechen für Seitenwände der Kühlwagen fehlt. Im VEB Elektroöfen in Meiningen, [Bezirk] Suhl, fehlt es an Kleinsttransformatoren für die Fertigung von Weide-Zaun-Geräten. Vertragswerk ist das Trafo-Werk in Reichenbach/Vogtland. Vereinbart wurde, dass im Monat 2 000 Stück geliefert werden sollen und bis jetzt sind im ersten Quartal 1955 erst 400 Stück eingetroffen.

Planfragen

Im VEB Sägewerk Wasungen, [Kreis] Meiningen, [Bezirk] Suhl, lagern für ca. 60 000 DM Schulmöbel, welche im Auftrag der DHZ22 angefertigt wurden. Die Arbeiter des Betriebes stellen die Frage, ob dies etwa eine gute Planung sei und dass dadurch kein Geld in Umlauf gebracht werden könne.

Im Kalischacht »Thomas Müntzer« Worbis, [Bezirk] Erfurt, besteht unter den Kumpel keine gute Stimmung, weil die Planauflage erhöht wurde. Sie bringen zum Ausdruck, dass es dadurch nicht möglich sein wird, mehr zu verdienen. (Der Lohnfonds ist gegenüber dem Jahr 1954 geblieben, aber die Planauflage wurde höher). Einige Kumpel äußerten: »Wenn es so weiter geht, hat es gar keinen Zweck mehr, überhaupt noch in die Grube zu fahren. Wir haben das Bestreben, den Plan zu erfüllen, aber der Erfolg muss in der Lohntüte zu spüren sein.«

Im VEB Seehafen Stralsund tritt infolge falscher Planung durch die zuständigen Stellen in Berlin ein, dass die Arbeiter zeitweilig ohne Beschäftigung sind. Teilweise sollen Güter verladen werden, wo die entsprechenden Schiffe noch nicht da sind und andererseits liegen Schiffe im Hafen, für die die Güter noch fehlen. Zum Beispiel konnten diese Schiffe zum größten Teil nur zur Hälfte beladen werden, wodurch außerdem noch größere Standgelder aufgebracht werden müssen.

Planerfüllung

Im BKW »John Schehr« Hoyerswerda wurde im Februar der Plan in der Briketterzeugung mit 103,7 % und in der Rohkohle 94 % und im BKW Zeißholz, [Kreis] Hoyerswerda, mit 95,5 % erfüllt.

Im VEB Stärke Golßen,23 [Kreis] Luckau,24 [Bezirk] Cottbus, konnte der Produktionsplan im Februar nur mit 56 % erfüllt werden. Grund: Schlechte Anlieferung von Kartoffeln.

Im VEB Tischfabrik Großröhrsdorf, [Kreis] Bischofswerda, [Bezirk] Dresden, konnten die Monatspläne im Januar und Februar wegen des hohen Krankenstandes nicht erfüllt werden (8 %).

Im VEB Waggonbau Görlitz treten Schwierigkeiten in der Planerfüllung auf, da sich die Vorbereitungswerkstätten nicht an die zehntägige Vorlaufzeit halten.

Zu Produktionsstörungen kam es am 2.3.[1955] im Bereich des BKW Senftenberg, [Bezirk] Cottbus, (Zugzusammenstoß). Produktionsausfall: Brikettierungen 550 t; am 3.3.[1955] im Tagebau des BKW Domsdorf-Westfeld, [Bezirk] Cottbus, kippte der Bagger 561. Schaden: 16 000 cbm Abraum, ca. 1 200 DM Produktionsausfall und ca. 2 500 DM Materialschaden.

Durch eine Zugentgleisung im BKW Theißen, [Kreis] Hohenmölsen, [Bezirk] Halle, entstand ein Ausfall in Rohkohle von ca. 1 500 t.

Am 28.2.[1955] brach im VEB Walzwerk Burg, [Bezirk] Magdeburg, die Antriebswelle der Straße II. Produktionsausfall: ca. 350 t Dynamoblech und ca. 100 t Schwarzblech.

In der Kunststoffherstellung des EKB Bitterfeld, [Bezirk] Halle, entstand durch Stromausfall infolge Leitungsstörungen ein Produktionsausfall. Schaden: 60 000 DM.

Im Funkamt Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, sind in letzter Zeit des Öfteren Transformatoren für die Sendeanlagen durchgebrannt, und zwar im DDR Maßstab insgesamt 18 Transformatoren. Ursache: Die Gleichrichterröhren sind von schlechter Qualität.

Am 3.3.1955, um 9.40 Uhr, entstand in der Bau-Union Großräschen, [Bezirk] Cottbus, in der Baracke, wo die Werkstatt untergebracht ist, ein Feuer. Ursache: Vermutlich Fahrlässigkeit. Schaden: 10 000 bis 12 000 DM.

Am 27.2.1955, gegen 19.45 Uhr, erhielt der Betriebsschutz des VEB Strohzellstoffwerk Coswig,25 [Kreis] Meißen, [Bezirk] Dresden, einen fingierten Anruf, dass die Feldscheune brennen würde.

Im Kleiderwerk Schwerin wurde wiederholt von unbekannten Personen angerufen, dass in der Zeit von 18.30 bis 20.00 Uhr die Arbeit einzustellen sei, da Stromabschaltungen vorgenommen werden sollten. Bei einem gleichen Anruf am 28.2.[1955], gegen 18.00 Uhr, ergab die Rückfrage im E-Werk, dass von keiner dortigen Abteilung der Anruf erfolgte.

Der VEB Westglas Altenfeld,26 [Kreis] Ilmenau, [Bezirk] Suhl, erhielt einen Hetzbrief der Sozialdemokratischen Fraktion im Bonner Bundestag, in dem zu den zahlreichen Zuschriften aus der DDR anlässlich der Ratifizierung Stellung genommen wird. Dabei heißt es u. a., dass alle Kollegen tatkräftig dafür kämpfen sollen, dass »die Pankower Regierung27 entfernt werden muss, dies wäre ein Schritt für die Einheit unseres Vaterlandes«.

Versorgung der Bevölkerung

siehe Anhang!28

Die Lage in der Landwirtschaft

Die Ratifizierung der Pariser Verträge und die Volkskammererklärung der Regierung der DDR sind noch die Diskussionspunkte unter der Landbevölkerung. Die Stimmen dazu sind zum überwiegenden Teil positiv, da der größte Teil der Landbevölkerung erkannt hat, dass Ratifizierung Krieg bedeutet. Die Volkskammererklärung und die Vorschläge bezüglich der Volksbefragung in Gesamtdeutschland fanden deshalb auch großen Anklang. Der fortschrittliche Teil der Landbevölkerung bringt zum Ausdruck, dass die Regierung der DDR mit den Vorschlägen wieder einmal die Friedensliebe bewiesen hätte und nichts unversucht lässt, Verhandlungen mit der westdeutschen Regierung aufzunehmen, damit ein neuer Krieg verhindert wird und der Frieden erhalten bleibt.

Viele erklären sich auch dazu bereit, die Errungenschaften der DDR, auch wenn es sein muss, mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Sie wollen es nicht zulassen, dass der westdeutsche Imperialismus und die ehemaligen Krautjunker29 wieder die Herrschaft an sich reißen.

Mit besonderer Freude wird von der Landbevölkerung aufgenommen, dass die Regierung der DDR trotz der Annahme der Pariser Verträge nochmals auf friedlichem Wege Vorschläge unterbreitete. Es gab viele unter der Landbevölkerung, die fest angenommen hatten, dass auf der Sitzung der Volkskammer die Aufstellung Nationaler Streitkräfte beschlossen würde.

Ein Genossenschaftsbauer von der LPG »Geschwister Scholl« im Kreis Flöha, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, sagte z. B.: »Ich hatte von der Volkskammer noch etwas anderes erwartet und freue mich nun, dass die Regierung versucht, nochmals auf friedlichem Wege Deutschland wieder zu vereinen. Ich glaube aber, wenn die Volksbefragung nicht durchkommt, wird unsere Regierung dann die notwendigen Maßnahmen einleiten, um die Errungenschaften in der DDR zu schützen.«

Auch löste die Volkskammererklärung unter einem Teil der Werktätigen im sozialistischen Sektor der Landwirtschaft und bei einzelnen werktätigen Bauern eine Verpflichtungsbewegung aus. Die Verpflichtungen werden mit dem Ziel abgegeben, die Wirtschaft der DDR weiter zu festigen, um damit den Kriegstreibern zu beweisen, dass wir stark genug sind, uns ein besseres Leben aufzubauen.

So übernahmen z. B. aus Anlass der Volkskammererklärung einige MTS und LPG Verpflichtungen hinsichtlich der Frühjahrsbestellung und des Ablieferungssolls.

Die MTS Glöwen, [Kreis] Perleberg, [Bezirk] Schwerin, will z. B. das Quadratnestpflanzverfahren30 von 42 auf 200 ha erhöhen, den Zwischenfruchtanbau von 150 auf 353 ha steigern und das Engdrillverfahren von 115 auf 367 ha erhöhen.

Ein werktätiger Bauer aus Bobzin, [Kreis] Lübz, [Bezirk] Schwerin, verpflichtete sich z. B. bis zum 1.5.1955 sein Soll an Schweinefleisch und Eiern mit 100 % zu erfüllen. Sein Milchsoll will er bis zum 1.5.1955 mit 75 % und sein Rindfleischsoll mit 50 % abdecken.

Der Mangel an Saatgut und Düngemitteln tritt weiterhin in einzelnen landwirtschaftlichen Betrieben auf.

In Ermsleben, [Kreis] Aschersleben, [Bezirk] Halle, erhalten die Bauern nur einen dz Kali pro ha, d. h. 50 % der Menge, die sie im vergangenen Jahr erhalten haben.

In der BHG Grimma, [Bezirk] Leipzig, fehlen 700 t Saatkartoffeln, die deshalb nicht vorhanden sind, da die für die Futter- und Speisekartoffeln zu liefernden Saatkartoffeln aus Mecklenburg noch nicht eingetroffen sind.

Wirtschaftliche Missstände

Aus dem Kreis Luckau, [Bezirk] Cottbus, wird berichtet, dass die Bauart der meisten Ställe in den VEG völlig ungenügend ist, sodass jetzt Veränderungsbauten vorgenommen werden müssen.

Im VEG Kemlitz, [Bezirk] Cottbus, verendeten durch die schlechten Stallverhältnisse 66 Läuferschweine und 34 mussten notgeschlachtet werden.

Im VEG Mönchpfiffel, [Kreis] Artern, [Bezirk] Halle, sind durch die schlechten Stallungen, die von unten nicht isoliert sind und zum anderen keine Zwischendecken haben, im Januar 90 Läufer verendet und 71 notgeschlachtet und im Februar 32 Läufer verendet und 78 notgeschlachtet worden.

Schweinepest

Im Kreis Lübz, [Bezirk] Schwerin, trat verstärkt die Schweinepest auf.

In der Gemeinde Tönchow sind 76 Tiere von der Schweinepest befallen und in der Gemeinde Gnevsdorf (ÖLB) 46 Tiere. (zwei verendeten, die restlichen wurden notgeschlachtet.)

In der LPG Schlepkow, [Kreis] Strasburg, [Bezirk] Neubrandenburg, musste der Gesamtbestand von 52 Schweinen notgeschlachtet werden.

Eine Analyse vom 1.1. bis 28.2.[1955] im Bezirk Schwerin ergab folgendes Bild: Gesamtbestand 1 567 Schweine (erkrankten), davon verendet: 200 Schweine.

Die Pest brach in zehn LPG aus. Bestand: 724 Schweine, in einer ÖLB, Bestand 61.

Im VEG Querfurt, [Bezirk] Halle, wurde im Betrieb Göhrendorf beim Einstreuen des Schweinestalles ca. 25 alte Rasierklingen im Stroh vorgefunden. Schaden konnte verhindert werden. Am 29.2.1955 wurde festgestellt, dass sich in der Magermilch, die am 25.2.[1955] durch die Molkerei Ortrand, [Kreis] Großenhain, [Bezirk] Dresden, geliefert wurde, Benzin befand. Die Magermilch wurde trotzdem von einem Bauern aus Lüttichau,31 Kreis Großenhain an die Schweine verfüttert, sodass vier Schweine erkrankten. Dasselbe wurde am 15.2.1955 von einem Bauern ebenfalls aus Lüttichau bemerkt, der aber aufgrund des Benzingeruches die Milch nicht verfütterte, sodass kein Schaden entstand.

Brände

In der LPG »Frischer Wind« Utrecht, [Kreis] Gadebusch, [Bezirk] Schwerin, brach am 3.3.1955, gegen 16.30 Uhr, ein Brand in den Wirtschaftsgebäuden aus. Ursache noch nicht ermittelt. Schaden ca. 30 000 DM.

Am 6.3.1955, um 20 Uhr, brach bei einem Neubauern32 in Bodenstein, [Kreis] Worbis, [Bezirk] Erfurt, ein Brand aus. Ursache: Noch nicht ermittelt. Schaden: Nach bisheriger Schätzung 2 000 DM.

Ereignisse von besonderer Bedeutung

In Naumburg, [Bezirk] Halle, ist die Zahl der Erkrankten an spinaler Kinderlähmung auf 72 angestiegen.

Einschätzung der Situation

Die Diskussionen über die wichtigsten politischen Fragen sind weiterhin überwiegend positiv und inhaltlich unverändert.

Zur Volkskammertagung wird in stärkerem Maße Stellung genommen, dabei zeigt sich auch eine Zunahme der negativen Diskussionen.

Die Hamstereinkäufe haben jetzt bereits einen gefährlichen Umfang erreicht. Sie werden hauptsächlich durch die Ratifizierung in Bonn verursacht. Bei einem Teil der Bevölkerung entstand dadurch die Meinung, dass es zum Krieg kommen wird und damit zur Rationierung der Lebensmittel. Die angespannte Lage in der Lebensmittelversorgung, die Kürzung der Kontingente, Sperrung des HO-Zuckers33 usw., die zahlreichen Gerüchte, die unter der Bevölkerung kursieren und eine weitere Verschlechterung der Versorgung in Aussicht stellen, die Sendungen des westlichen Rundfunks, die zur Beunruhigung der Bevölkerung führen und das teilweise schlechte Verhalten des Verkaufspersonals sind die weitern Ursachen der Hamstereinkäufe.

Das Hamstern wird noch begünstigt durch die fehlende Aufklärung, denn wo die erfolgt, wie z. B. in den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Neubrandenburg, gingen in verschiedenen Kreisen die Einkäufe zurück. Solange die Aufklärung nicht beginnt, wird ein Teil der Bevölkerung weiterhin unter dem Einfluss der Gerüchteverbreitung und der feindlichen Sender die Hamstertätigkeit fortsetzen.

Sonst zeigen sich keine weiteren Veränderungen in der Lage.

Anlage 1 [ohne Datum] zum Informationsdienst Nr. 2430

Stimmung zur Leipziger Frühjahrsmesse

Zu politischen Fragen nehmen vor allem westdeutsche Besucher nur wenig und ungern Stellung, sie äußern meist, dass sie nur aus geschäftlichem Interesse zur Messe gekommen sind.34

Jedoch kann man aus solchen Gesprächen fast immer entnehmen, dass die Kriegspolitik Adenauers35 nicht gebilligt wird.

Ein Vertreter der Sperrholzwerke Würzburg36 äußerte: »In Westdeutschland sind jetzt dieselben Menschen am Ruder, die Deutschland schon einmal in einen Krieg gestürzt haben. Diese Leute sollte man einfach alle aus Deutschland rausschmeißen. Wir kämen auch ohne sie ganz gut aus.«

Nach der Regierungserklärung besteht bei einer größeren Anzahl der westdeutschen und ausländischen Messebesucher Klarheit darüber, dass von unserer Seite nichts unternommen wird, um den Handel zu unterbinden.37 Vereinzelt äußern einige Angestellte Bedenken, dass dem Handel seitens der Regierungen ihrer Länder Beschränkungen auferlegt werden.

Ein holländischer Kaufmann äußerte: »Ich habe gute Geschäfte abgeschlossen, aber ich vermute, dass aufgrund der Pariser Verträge die Geschäfte mit der DDR zurückgehen. Holland gehört ebenfalls der NATO an. Ich vermute, dass die holländische Regierung Ausfuhrverbote für wichtige Artikel erlässt.«

Ein Händler aus Hamburg äußerte: »Aufgrund der Erklärung von Herrn Grotewohl bin ich der Meinung, dass sich die Ratifizierung der Pariser Verträge nicht auf unsere Geschäftsverbindungen auswirken wird, wenn nicht von westlicher Seite etwas dagegen unternommen wird.«

Bei dem Umtausch des Geldes der ausländischen Messegäste fühlten sich besonders einige Österreicher benachteiligt. Diese Personen brachten zum Ausdruck, dass sie für 100 Schilling hier nur 8,00 DM erhielten, für die sie nicht einmal ein halbes kg Butter kaufen könnten. In Österreich bekommen sie angeblich für 100 Schilling 3 kg Butter.

Durch eine Mitteilung seitens des Rates des Stadtbezirkes 10 in Leipzig wurde bekannt, dass der Leiter der französischen Handelsdelegation bei der Abteilung Handel und Versorgung äußerte: »Hier herrscht ein Zwangskurs. Ich und meine Leute müssen dabei verhungern. Ich bin gezwungen meine Tätigkeit bei der Leipziger Messe sofort abzubrechen und abzureisen, da ich beim Umtausch für 4 000 Franc nur 18,00 DM erhalten habe. Ich glaube, dass dies keine gute Propaganda für sie ist.«

In der Labor-Leitersitzung der chemischen Forschung im VEB Böhlen, [Kreis] Borna, beschwerten sich die Anwesenden allgemein darüber, dass das leitende technische Personal nicht zur Messe gehen kann, ohne Urlaub zu nehmen oder die Zeit dafür herauszuarbeiten.

Dr. Prinzler,38 stellvertretender Leiter der chemischen Forschung bezeichnete diesen Zustand offen als Skandal, Ausputzerei und Dummheit. Er sagte weiter, dass er das auch schon dem technischen Direktor gesagt habe und dies dem »Eulenspiegel«39 mitteilen will. Weiter äußerte er: »Wenn die einen so weiter schikanieren, dann geht es ein paar hundert km westlich, wo es so etwas nicht gibt.«

Anlage 2 vom 8. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2430

Stimmung unter der übrigen Bevölkerung über politische Tagesfragen

In den Diskussionen beschäftigen sich besonders Verwaltungsangestellte, weniger Hausfrauen und Rentner mit der Ratifizierung der Pariser Verträge im Bonner Bundestag. Zum überwiegenden Teil sind die Diskussionen positiv und haben den gleichen Inhalt wie im vorhergehenden Bericht. Bei den Gesprächen wird die Empörung über die Ratifizierung zum Ausdruck gebracht und geäußert, dass der Tag kommen wird, wo Adenauer und seine Clique abtreten müssen. Größtenteils äußert man, dass alle Kraft eingesetzt werden muss, um den Frieden zu erhalten.

Ein geringer Teil der Hausfrauen, Verwaltungsangestellten und Studenten diskutiert in der Form, dass durch die Ratifizierung der Pariser Verträge ein neuer Krieg unvermeidlich sei. Aufgrund dieser Meinung werden Angsteinkäufe getätigt und in erhöhtem Maße Gelder von der Sparkasse abgehoben, wie z. B. in den Kreisen Bautzen und Meißen im Bezirk Dresden. Ganz vereinzelt treten auch in Karl-Marx-Stadt ähnliche Erscheinungen auf. So erklärte z. B. eine Hausfrau in einer Konsumgenossenschaft in Glauchau: »Wir haben erst einen schweren Krieg hinter uns und nun soll es schon wieder bald losgehen. Wenn man wüsste, dass bald Krieg kommt, dann käme ein Sparen und Planen überhaupt nicht mehr infrage. Das ganze Geld wird verzehrt und vor allem werden wir uns noch ein paar schöne Tage machen.«

In den Bezirken Magdeburg und Schwerin taucht in einigen Gemeinden das Gerücht auf, dass jetzt, nach der Ratifizierung der Pariser Verträge, die Bewohner der 5-km-Sperrzone40 ausgesiedelt werden und dass die Demarkationslinie41 als Staatsgrenze befestigt wird.

Über die Volkskammertagung am 2.3.1955 wird überwiegend positiv diskutiert, mit dem bereits bekannten Inhalt.

Neben den häufiger positiven Stellungnahmen treten jedoch auch negative Diskussionen auf, die sich gegenüber dem letzten Bericht etwas verstärkt haben.

Einige Verwaltungsangestellte und Hausfrauen sind mit dem Angebot der Volkskammer nicht einverstanden, das besagt, dass alle Jugendlichen und werktätigen Bauern, die durch die Pariser Verträge bedroht sind, in die DDR kommen können, um ihrer friedlichen Arbeit nachzugehen. Man argumentiert in der Form, dass sie selbst nicht genügend zu essen hätten und dass die Wohnungen den Westdeutschen zur Verfügung gestellt werden müssen und dadurch die Bewohner der DDR keine bekommen könnten. Vereinzelt äußert man, dass die Jugendlichen nicht erst in die DDR kommen sollen, da sie ja auch bei uns Soldat werden. Ausgesprochen feindliche Diskussionen treten nur ganz selten auf.

Mehrere Angestellte der Abteilung Abgaben beim Kreisrat Werdau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, äußerten: »Genosse Grotewohl habe in seiner Rede am 2.3.[1955] seinen Mund recht voll genommen. Wie sollen wir denn die Jugendlichen und westdeutschen Bauern herüberholen, wo wir selbst nichts zu fressen haben. Was sind es denn für Menschen die kommen, doch nur Kommunisten, die drüben etwas ausgefressen haben oder die mit ihrer Arbeit für den Osten nicht mehr weiterkommen. Die Regierung macht sowieso schon einen Rückzieher, denn man sieht, jetzt ist sie auf einmal für freie Wahlen mit einer internationalen Kontrolle.«42

Einige Einwohner aus Barleben, [Bezirk] Magdeburg, [Kreis] Wolmirstedt: »Die Jugendlichen aus Westdeutschland brauchen gar nicht erst in die DDR zu kommen, da sie auch hier Soldat werden müssen, auch werden unsere führenden Persönlichkeiten bei einer wirklich freien Wahl durchfallen.«

Internationaler Frauentag

In der Stadt Potsdam wurde ein gemeinsamer Theaterbesuch einiger Frauen der Verwaltung organisiert. Anlässlich dieses Feiertages wird im »Hans-Otto-Theater« in Potsdam die Komödie »Friede«43 aufgeführt. Nachdem dies bekannt wurde, lehnten 170 Frauen der Stadtverwaltung Potsdam eine Teilnahme ab mit der Begründung, dass sie an diesem Tag etwas Lustiges sehen wollten.

Anlage 3 vom 8. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2430

Hamstereinkäufe

Über die in den letzten Tagen verstärkt auftretenden Angsteinkäufe wird über den Umfang und die Auswirkung aus den einzelnen Bezirken wie folgt berichtet.44

I. Bezirk Neubrandenburg

Traten die Angsteinkäufe im Bezirk in großem Maße auf. Die Beteiligung der Frauen beträgt im Kreis Demmin 70 %.

Sie treten in ziemlich allen städtischen und ländlichen Verkaufsstellen auf, besonders in den Städten. Der Umsatz an Mehl, Waschpulver, Salz und Streichhölzer stieg in der ersten Märzwoche stark an. Es ist jedoch durch gute Aufklärungsarbeit ein Rückgang der Hamstereinkäufe in den letzten Tagen zu verzeichnen.

Auswirkungen:

Der Bedarf der Bevölkerung kann in den oben angeführten Waren nicht mehr gedeckt werden. Es gibt z. B. im gesamten Kreisgebiet Teterow kein Salz.

II. Magdeburg

Die Hamstereinkäufe sind noch gering, es wird jedoch schon unterschiedlich aus allen Kreisen davon berichtet. An den Hamstereinkäufen beteiligen sich Hausfrauen sowie deren Ehemänner in den Betriebsverkaufsstellen.

Verstärkte Einkäufe traten in den Kreisen Genthin, Haldensleben und Burg auf.

Umsatz ist gegenüber dem Vormonat bei folgenden Waren gestiegen: Mehl, Zucker, Margarine, Butter, Schmalz, Speck, Öl, Zuckerwaren, Gries und andere Teigwaren.

In den Kreisen sind die Bestände an Mehl für das 1. Quartal bereits fast ausverkauft, sodass Mehl, besonders Type 405 und 630 nur noch im beschränkten Maße abgegeben werden kann.

Maßnahmen:

Verkaufsstellen im Kreis Genthin verkaufen nur noch bis 1 kg Mehl.

III. Halle

Die Angsteinkäufe treten besonders in Halle, Dessau, Merseburg, Bitterfeld, Wittenberg, Eisleben, Quedlinburg, Hettstedt, Aschersleben, Hohenmölsen, Weißenfels und Zeitz auf.

Umsatz:

In Hohenmölsen, Weißenfels, Quedlinburg wurden je 20 t Mehl zusätzlich bei der Abt. Handel und Versorgung beim Rat des Kreises angefordert; und Merseburg und Dessau forderten zusätzlich jede Menge Mehl vom Rat des Bezirkes, Abt. Handel und Versorgung an.

Der Umsatz an Zucker beträgt jetzt so viel, wie in der dritten Januar-Dekade.

Der Umsatz an Pflanzenöl betrug im Januar 27 % und am 28. Februar bereits 81 % der ersten Quartalsmenge 1955.

Auswirkungen:

In den Betriebsverkaufsstellen der HO und der KG in der Schuhfabrik »Banner des Friedens«45 wurden in 1½ Stunden 120 kg weißes Mehl verkauft, was bei normaler Nachfrage in der Verkaufsstelle sechs bis sieben Wochen ausgereicht hätte.

In einigen Verkaufsstellen der HO und des Konsum46 in Zeitz gibt es wenig oder überhaupt kein Mehl mehr.

In den HO-Verkaufsstellen der Gemeinden Mutschau und Muschwitz, [Kreis] Hohenmölsen, sind die Wurstwaren, Mehl und Margarine seit dem 3. März 1955 restlos ausverkauft.

In der Gemeinde Walbeck, [Kreis] Hettstedt, ist in allen Verkaufsstellen kein Seifenpulver mehr zu erhalten, da einige Hausfrauen gleich 30 Pfund kauften.

In der Konsumverkaufsstelle 152 wurden innerhalb von zehn Stunden sieben Zentner Mehl verkauft, was sonst für einen Monat reicht.

Maßnahmen:

Fortschrittliches Verkaufsstellen-Personal zeigte den Kunden die Unsinnigkeit der Hamstereinkäufe auf, woraufhin viele Kunden das Hamstern einstellten. Es muss verstärkt darauf hingearbeitet werden, dass das Verkaufspersonal, das zum Teil mit Schuld an den Hamstereinkäufen durch negative Diskussionen trägt, mehr aufgeklärt wird. Bei den Aufklärungen kam es jedoch auch einmal so weit, dass unter den Haufrauen in einer Verkaufsstelle in Merseburg eine Schlägerei entstand, weil einige Frauen gegen die Hamstereinkäufe gesprochen hatten.

IV.47 Karl-Marx-Stadt

Die Hamstereinkäufe sind in den einzelnen Kreisen unterschiedlich. Sie treten in den Städten mehr auf und haben in den ländlichen Gemeinden nicht die Bedeutung. Besonders stark sind sie in den Kreisen Auerbach, Plauen, Zwickau und Werdau. In den Landgemeinden der D-Linie48 im Kreis Oelsnitz/Vogtland sind die Hamstereinkäufe verstärkt. Beteiligung der Bevölkerung ist in den Kreisen ebenfalls unterschiedlich und beträgt in einigen Kreisen bis zu 30 %.

Umsatz:

Ist in allen Kreisen gestiegen, ist aber unterschiedlich. In der HO-Verkaufsstelle Auerbach/Vogtland wurde am 5.3.[1955] Mehl für 500 DM verkauft. Der Umsatz betrug an den Sonnabenden sonst 50,00 DM bis 60,00 DM.

Im Kreis Oelsnitz/Vogtland liegt der Umsatz höher als in der Vorweihnachtszeit.

Im Kreis Werdau steigt der Umsatz bei Nahrungsmitteln gegenüber dem Vormonat um ca. 30 % bis 40 %.

Bei den meistgekauften Waren handelt es sich vorwiegend um Mehl, Nudeln, Eier, Grieß, Haferflocken, Öl, Fleisch und Wurstwaren, Zündhölzer, Seife und Seifenpulver sowie verschiedentlich Strümpfe, Socken und Stoffe.

V. Leipzig

Die Hamstereinkäufe traten hier besonders in den Verkaufsstellen der Stadt Leipzig auf. In geringerem Maße auch in den Außenbezirken. Es wurden jedoch bisher in allen Kreisen, außer Oschatz und Grimma, solche Angsteinkäufe festgestellt. An den Angsteinkäufen beteiligen sich in der Stadt Leipzig ein Drittel bis ein Viertel der Hausfrauen.

Umsatz:

Für Leipzig waren für die Messe 105 Tonnen Butter vorgesehen, wovon mitunter täglich bis zu 10 t in die Verkaufsstellen gebracht wurden. In wenigen Stunden war die Butter ausverkauft. Es wurden in der Zeit vom 1. bis 5.2.[1955] im Verhältnis zum 1. bis 5.3.[1955] folgende Mengen in den einzelnen Verkaufsstellen umgesetzt.

  • a)

    HO-Warenhaus Peterstraße

[–]

Februar

März

Mehl

149 kg

857 kg

Nährmittel

45 kg

116 kg

Teigwaren

219 kg

629,5 kg

Öl

51 kg

118 kg

  • b)

    Verkaufsstelle Könneritzstraße (HO)

    In den letzten Tagen bei:

    • Mehl um das Vierfache,

    • Nährmittel um das Dreifache,

    • Öl um das Zweifache.

  • c)

    Verkaufsstelle Ernst-Thälmann-Straße49 (HO)

    • Mehl um das Fünffache,

    • Teigwaren um das Zweifache,

    • Öl um das Dreifache.

  • d)

    In Gohlis und Schleußig stieg in den Verkaufsstellen der Umsatz bei Nährmitteln, Öl, Mehl und Fleischwaren bis auf das Dreifache.

  • e)

    Im Stadtbezirk V war am 5.3.1955 weder im Konsum noch bei den Privathändlern Mehl vorhanden.

VI. Potsdam

Hamstereinkäufe, besonders bei Mehl, sind in allen Kreisen des Bezirkes zu verzeichnen. Der größte Teil der Hamstereinkäufe wurde in der Stadt getätigt. In den Landgemeinden treten sie nur vereinzelt auf. Die Bevölkerung beteiligt sich im großen Maße daran.

Umsatz:

Im I. Quartal 1954 wurden von der Kreis-KG Rathenow 47 t Weizenmehl umgesetzt. In den ersten beiden Monaten 1955 wurden bereits 71 t Weizenmehl verkauft. Ähnlich sieht es auch in den HO-Verkaufsstellen aus. Im Sommer wurden 8,5 t Weizenmehl verkauft, im Februar dagegen stieg der Verkauf auf 20 t an. Im Kreis Luckenwalde ist der Mehlumsatz um 100 % gegenüber dem normalen Verkauf gestiegen. Im Kreis Königs Wusterhausen wurde das Mehlkontingent für das I. Quartal schon im ersten Monat verkauft.

VII. Rostock

Die Hamstereinkäufe sind in den Kreisen Wolgast, Greifswald und Grimmen besonders stark. In Bergen, Rostock, Bad Doberan hat der Einkauf etwas nachgelassen.

Die Beteiligung in den einzelnen Kreisen ist unterschiedlich.

Umsatz:

Im Kreis Wolgast stieg der Umsatz an Mehl in den letzten drei Tagen von 5 t auf 25 t und von Salz von 2 t auf 11 Tonnen.

In Greifswald ist das Warenkontingent an Mehl vom I. Quartal bereits erschöpft.

Im Kreis Grimmen erhöhte sich ebenfalls in den letzten acht Tagen der Verkauf um ein Dreifaches.

VIII. Cottbus

Die Hamstereinkäufe traten in der Hauptsache in kleineren Kreisen bzw. Landgemeinden auf. Die Bezirksstadt selbst ist davon nicht betroffen.

Es beteiligt sich ein großer Teil der Bevölkerung an den Hamstereinkäufen. Es nehmen nicht nur Hausfrauen, sondern auch deren Ehemänner daran teil, die sogar oft die Betriebsverkaufsstellen leer kaufen.

Umsatz stieg in den Handelsorganisationen an Lebensmitteln im Februar um 8,5 % gegenüber dem Monat Januar.

IX. Schwerin (genauer Bericht fehlt noch)

Vor allem treten die Hamstereinkäufe in den Industriezentren Perleberg, Wittenberge, Boizenburg, Ludwigslust und Güstrow auf.

Umsatz:

Besonders in Mehl und Zündhölzern verstärkt.

X. Frankfurt/Oder

Hamstereinkäufe wurden in allen Kreisen, besonders in den Industriegebieten festgestellt. Genaue Übersicht fehlt noch.

XI. Erfurt

Hamstereinkäufe gibt es in fast allen Kreisen, besonders aber in den Kreisen Heiligenstadt, Worbis, Sondershausen und Apolda. Überwiegend werden hier die Hamstereinkäufe aus den Landgemeinden gemeldet.

Umsatz:

Erhöhte sich bei Weizenmehl, Zucker, Zuckerwaren, Streichhölzern, Waschpulver, Öl und Margarine. In verstärktem Maße auch bei Textilien, Industriewaren und sonstigen Gebrauchsgegenständen.

Auswirkung:

Durch die verstärkten Angsteinkäufe gibt es in einigen Verkaufsstellen diese Waren nicht mehr zu kaufen. Die Bevölkerung versucht mit allen Mitteln diese Waren aufzukaufen und scheut sich nicht, in den Nachbarorten diese Waren einzukaufen. In einigen Verkaufsstellen sind das Mehl, Waschpulver und Streichhölzer ausverkauft.

Maßnahmen wurden eingeleitet. Die Verantwortlichen für Handel und Versorgung führen eine Aussprache über die Versorgungslage in den Kreisen durch.

XII. Gera

In allen Kreisen, außer Rudolstadt und zum Teil Gera, kam es in der letzten Zeit zu überdurchschnittlichen Einkäufen bei einem Teil der Hausfrauen. Dieser Einkauf macht sich in den Kreisen Stadtroda, Lobenstein und Eisenberg, vor allem in den ländlichen Gemeinden bemerkbar, dagegen treten sie in den Städten Jena, Schleiz und Pößneck mehr in den Städten und größeren Orten auf.

Umsatz:

Es ist vor allem bei Mehl, Margarine, Öl, Teigwaren, Streichhölzer und vereinzelt bei Waschpulver und Seife ein verstärkter Umsatz zu verzeichnen.

In der Verkaufsstelle 13 in Jena wurden am 3.3.1955 7½ Zentner Mehl verkauft. Dasselbe trat in der Verkaufsstelle 60 auf. In der Verkaufsstelle Salzstraße ist das Mehl seit Samstag ausverkauft.

In der Verkaufsstelle 72 in Zeulenroda besteht eine große Nachfrage nach Mehl Type 405.50 Ist jedoch bereits ausverkauft. Es ist momentan kein Mehl zu haben.

Im Kreis Greiz stieg der Umsatz bei

[]

Januar

Februar

[]

Mehl

4,8 t

103 t

d. h. um 114,6 %

Öl

2,8 t

6,3 t

d. h. um 175 %

Margarine

6 t

11,1 t

d. h. um 85 %

Marmelade

ein Drittel mehr als sonst

[]

[]

XIII. Suhl

Dem Bezirk Suhl ist noch nicht bekannt, ob in allen Kreisen derartige Hamstereinkäufe aufgetreten sind. Es wurde bisher erst aus einigen Kreisen davon berichtet. Besonders stark treten verstärkte Einkäufe in den ländlichen Gemeinden auf. In Bad Salzungen beteiligten sich ca. 50 % der Hausfrauen an derartigen Hamstereinkäufen.

Umsatz:

In den ländlichen Gemeinden stieg der Umsatz bis zu 400 % an. In den Gemeinden Böhlen und Möhrenbach, [Kreis] Ilmenau, wurden 3 dz Mehl in drei Tagen (was sonst acht Tage reicht) verkauft. In der Gemeinde Herschdorf wurden an einem Tage im Konsum 400 Liter Likör verkauft.

Der Umsatz an den wichtigsten Lebensmitteln stieg in diesem Kreis wie folgt:

[]

Januar

Februar

Zucker

1,2 t

6,8 t

Öl

2,8 t

5,5 t

Margarine

2,7 t

20 t

Im Kreis Schmalkalden ist der Umsatz örtlich verschieden. Innerhalb der Stadt zeigen sich nur geringe Schwankungen gegenüber dem letzten Monat. In der Verkaufsstelle Pappenhain steigerte sich der Umsatz im Verhältnis zu Januar um 400 %. In dieser Verkaufsstelle erhöhte sich der durchschnittliche Tageserlös von 350 DM auf 1 600 DM. (2.3.1955)

XIV. Dresden

In einigen Kreisen ist ein Ansteigen der Hamstereinkäufe zu verzeichnen. Im Kreisgebiet Pirna werden die Hamstereinkäufe vor allem von den ehemaligen Umsiedlern51 aus Ungarn getätigt und treten am meisten in Gottleuba und Bad Schandau auf, da die Ungarn [sic!] hier am meisten ansässig sind. Das Ausmaß der Hamstereinkäufe ist in Görlitz am größten.

Umsatz:

In Klitten, [Kreis] Niesky, war am Freitag in den Geschäften kein Mehl und Brot mehr zu haben.

Im HO Warenhaus Görlitz wurde innerhalb von drei Stunden die gleiche Menge Mehl verkauft, die sonst in einem Vierteljahr verkauft wurde.

In den Kreisen Niesky, Görlitz, Meißen und Bautzen ist in den Geschäften kein oder nur wenig Mehl vorhanden.

XV. Wismut-Gebiet52

Es sind verstärkt größere Einkäufe getätigt worden, die höchstwahrscheinlich von der Bevölkerung und nicht von den Wismutarbeitern durchgeführt werden, da die Wismutarbeiter mehr Marken erhalten, als die übrige Bevölkerung. Verstärkte Einkäufe traten in fast allen Wismutverkaufsstellen auf.

Umsatz:

Erhöhte sich besonders bei Mehl, Reis, Haferflocken, Öl, Zucker und in kleinerem Umfang bei Schokolade.

XVI. Groß-Berlin

In Berlin sind derartige Hamstereinkäufe durch Bewohner der DDR ganz vereinzelt aufgetreten. Zu bemerken ist jedoch, dass damit zu rechnen ist, dass die Bevölkerung aus der DDR und den Randgebieten mehr in Berlin einkaufen wird, wenn die Hamstereinkäufe in der DDR noch zunehmen und man feststellt, dass in Berlin noch genügend Waren vorhanden sind.

Negative Stimmen

Aus fast allen Bezirken wird berichtet, dass die verstärkten Angsteinkäufe sofort nach der Ratifizierung der Pariser Kriegsverträge durch den Bonner Bundestag auftraten. Unter einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung, besonders den Hausfrauen, trat, noch geschürt durch Gerüchteverbreitung, die Meinung auf, dass nun ein Krieg unvermeidlich sei und man sich deshalb genügend Vorräte für einen Ernstfall schaffen müsse. Verbunden mit der Ratifizierung der Pariser Verträge glaubte ein Teil der Bevölkerung auch, dass nun bei uns Nationale Streitkräfte aufgestellt würden und deshalb mit einer Rationierung aller Waren zu rechnen sei. Diese Auffassung wird durch die Tatsache bekräftigt, dass nach der Volkskammertagung und den Vorschlägen des Genossen Grotewohl z. B. in den Bezirken Karl-Marx-Stadt und Neubrandenburg ein Rückgang der Hamstereinkäufe zu verzeichnen ist. Bezeichnend ist, dass ein großer Teil derjenigen, die diese Einkäufe tätigen, sich nicht offen zu dieser oben angeführten tatsächlichen Meinung bekennen und durch irgendwelche Ausflüchte, wie z. B. Seife müsse lagern, Vorräte für die Konfirmation seien nötig, das Osterfest stehe bevor usw. ihr schädliches Tun begründen. Ein weiterer Grund des Hamsterns ist auch der augenblicklich bestehende Warenmangel, Warenkürzungen und andere geplante Maßnahmen auf dem Gebiete der Versorgung. Die Bevölkerung erfuhr vor der öffentlichen Bekanntgabe meist gerüchteweise davon. Deshalb kamen die Maßnahmen und die Beschlüsse bezüglich der Kürzungen bestimmter HO-Waren falsch und verdreht unter die Bevölkerung und waren somit Anlass zu den Hamstereinkäufen.

Wichtig ist auch, dass durch die Sperrung von Zucker viele glaubten, dass nun auch mit einer Sperrung anderer HO-Waren zu rechnen sei. Das war auch ein Grund der verstärkten negativen Diskussionen, die vor allem zum Inhalt hatten, dass alles zu Kriegszwecken verwendet wird bzw. Reserven geschaffen werden.

Ein Teil der Bevölkerung bringt auch zum Ausdruck, dass es nicht richtig ist, wenn der RIAS53 und die anderen Westsender schon vorher über die Maßnahmen, die getroffen werden sollen, berichten und unsere Staatsorgane sich über die Maßnahmen in Schweigen hüllen.

Es kommt deshalb auch oft vor, dass sich das Verkaufsstellenpersonal passiv oder negativ zu der Versorgung verhält, weil es nicht die genügende Aufklärung seitens der Staatsorgane erhält.

Die Gerüchte, die vom Gegner bewusst unter der Bevölkerung gebracht werden, um diese noch zu Angsteinkäufen aufzuhetzen, damit die Versorgungslage noch schwieriger wird, haben vor allem zum Inhalt, dass in Kürze ein Krieg zu erwarten sei, die Waren für Kriegszwecke rationiert und Reserven angelegt würden, für die Aufstellung Nationaler Streitkräfte, Leuna-Werk wird auf Kriegsproduktion umgestellt usw. Auf der anderen Seite verbreitet man Gerüchte, dass die Versorgungslage sich immer mehr verschlechtert, die Regierung noch mehr Maßnahmen einleiten wird usw. und es deshalb ratsam sei, sich einen Vorrat zu schaffen.

Es treten über die schlechte Versorgungslage auch vereinzelt feindliche Argumente auf. Sie beinhalten vor allem, dass die DDR bewiesen hätte, dass sie nicht in der Lage ist, den versprochenen Wohlstand der Bevölkerung zu bringen und dass man nach zehn Jahren eine Verbesserung der Lebenslage, so wie sie in Westdeutschland sei, erwarten könne. Einzelne Versuche, mit einem neuen 17. Juni54 zu drohen, »damit sich die Versorgungslage einmal wieder bessere«, besonders trat das im Bezirk Potsdam, vor allem im Kreis Luckenwalde, auf, wo Stimmen laut werden, die sagen, »man müsse wieder einmal einen 17. Juni organisieren, dann ist alles wieder da«, außerdem wird gesagt: »dass etwas in der Luft liege« und es bald zu einer Änderung käme. Diese feindlichen Erscheinungen haben jedoch keinen großen und allgemeinen Umfang und treten nur ganz vereinzelt auf.

Organisierte Tätigkeit

Die Bezirke berichten, dass von einer organisierten Feindtätigkeit, außer der Hetze der Westsender, nicht gesprochen werden kann.

Lediglich wird aus dem Bezirk Dresden berichtet, dass im Kreis Pirna die Angsteinkäufe, vor allem von den ehemaligen Umsiedlern aus Ungarn, getätigt werden, die besonders stark in Gottleuba und Bad Schandau angesiedelt sind. Dort sind die Angsteinkäufe in dem Maße aufgetreten, dass von einem organisierten Einkauf gesprochen werden kann.

Von den westlichen Propagandaorganen (Rundfunk, Zeitungen und Hetzschriften) wurden schon von jeher auftretende Versorgungsschwierigkeiten ausgenutzt, die Bevölkerung zu beunruhigen. Jetzt verstärkt sich die Behandlung solcher Fragen in der westlichen Propaganda, wobei besonders die Sender eine große Rolle spielen, um weiteste Kreise der Bevölkerung der DDR zu beeinflussen.

Nachdem bereits während der Wintermonate mehrfach über »Schwierigkeiten in der Fleisch- und Fettversorgung«, vor allem auf HO-Basis gesprochen wurde, vervielfachten sich seit Anfang Februar 1955 die diesbezüglichen Meldungen. Besonders erwähnt wurden dabei Mehl, Teigwaren, Nährmittel, Hülsenfrüchte, Salz, Streichhölzer und vor allem Zucker, sowie alle Waren, die Zucker bei der Herstellung benötigen. Das Ziel der westlichen Propaganda besteht in der Beunruhigung der Bevölkerung, um sie dadurch zu Hamstereinkäufen zu veranlassen, ohne dass man dazu direkt aufforderte. Auch größere Kommentare sind seltener, sondern man versucht vielmehr, durch die Anhäufung kleinerer Beispiele schlechter Versorgung in den einzelnen Städten oder Kreisen Panikstimmung, mit der Folge des Hamsterns, zu erzeugen.

Vor allem der RIAS bringt in seiner täglichen Sendung 6.00 Uhr: »Informationen aus der Sowjetischen Besatzungszone«55 neben ca. acht Meldungen zu anderen Fragen, zwei bis vier Meldungen über Versorgungsschwierigkeiten wie z. B. (RIAS) 5.3.[1955] »Brandenburg: Weizenmehl wird in den HO-Geschäften in Brandenburg gegenwärtig nur im beschränkten Maße abgegeben. Die Kunden erhalten nur ein Pfund Weizenmehl. In den Randgebieten von Brandenburg werden in den Konsumgeschäften jeweils noch zwei Pfund Weizenmehl abgegeben.«

Die Anhäufung solcher Beispiele aus Schwerin, Thüringen, Halle und anderen Bezirken soll den Eindruck entstehen lassen, dass es in der nächsten Zeit noch schlechter wird und dass man sich »eindecken« muss.

Im Zusammenhang mit der Zuckerversorgung wird gehetzt, dass alles für den Export bestimmt sei, und der Bedarf der Bevölkerung von der Regierung überhaupt nicht beachtet werde.

Anlage 4 vom 9. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2430

Bericht über die Gewerkschaftswahlen

Die zurzeit in der Deutschen Demokratischen Republik durchgeführten Gewerkschaftswahlen56 unterliegen einen starken Einfluss der Feindtätigkeit. Um die Wahlen zu einem entsprechenden Erfolg zu führen, wurden vom Bundesvorstand des FDGB Instruktionen über die Wahldurchführung herausgegeben und entsprechende Instrukteure in den Kreisgebieten eingesetzt. Das ZK unserer Partei gab für die Durchführung folgende Linie heraus, dass ca. 51 % aller Gewerkschaftsfunktionäre Mitglieder der SED sein sollen. Auf diese vom ZK herausgegebene Linie konzentrieren sich alle Angriffe des Gegners.57 Es kann immer wieder festgestellt werden, dass es eine Reihe von Beispielen gibt, wo zu den Wahlen der Anteil der Genossen sehr gering ist. Zum Beispiel wurden im volkseigenen Sektor von Karl-Marx-Stadt 42 291 Funktionäre gewählt. Davon sind nur 7 715 Genossen, also nur 19,2 %. Im privaten Sektor von 4 615 Funktionären nur 488 Genossen = 7,9 %. Nach dem Stand vom 28.2.[1955] wurden im Bezirk Frankfurt insgesamt 7 825 Funktionäre gewählt, davon sind 1 08958 = 13,9 % Mitglied unserer Partei.

Nach dem Stand vom 15.2.[1955] wurden im Bezirk Schwerin insgesamt 535 Funktionäre in die AGL gewählt. Davon 130 Genossen und 1 133 in die BGL, davon sind 360 Mitglied unserer Partei.

Im Bezirk Magdeburg bei der IG Textilbekleidung Leder und bei einigen anderen IG zeigt sich ebenfalls, dass Genossen im ungenügenden Maße in die Leitungen gewählt werden. Zum Beispiel in der IG Metall, VVB »7. Oktober« Magdeburg59 sind von 44 gewählten Funktionären der AGL acht Genossen.

Im Elmo-Werk Wernigerode60 betrug die Anzahl der Genossen bei den BGL-Kandidaten von 15 nur vier.

In der Reichsbahndirektion Halle wurden die AGL-Wahlen mit 93 % und die BGL-Wahlen mit 62 % bisher zum Abschluss gebracht.

In den AGL-Leitungen sind von 469 Kandidaten 186 SED-Mitglieder. In die BGL wurden 625 Kandidaten, davon 175 Mitglieder der SED gewählt.

Die Methoden und Argumente des Klassenfeindes sind u. a.: Dass man viel mehr als notwendig Kandidaten zur Wahl aufstellt, um so die Möglichkeit zu haben, die vorgeschlagenen Genossen nicht zu wählen. Zum anderen werden alle Versuche unternommen, keine Genossen als Kandidaten zu den Gewerkschaftswahlen aufzustellen. Die Argumente sind dazu u. a.: Die Gewerkschaften wären neutral und deshalb hätte die SED nichts darin zu suchen, oder, die BGL-Vorsitzenden müssten unbedingt parteilos sein, damit sie besser mit den Arbeitern diskutieren können und im Übrigen müsste die Gewerkschaft von der Partei getrennt werden.

Unterstützt wird dies noch dadurch, dass es vielfach Genossen gibt, die eine Kandidatur ablehnen. Somit ist es dem Gegner möglich, seine Leute in die AGL und BGL zu bekommen.

Zum Beispiel in Dresden lehnen viele Genossen Lehrer die Mitarbeiter in der Gewerkschaft mit der Begründung ab, dass sie mit fachlicher Arbeit überlastet wären. In den Öl- und Fettwerken Gotha, lehnte ein Genosse jede Funktion in der Gewerkschaft mit dem Argument ab, dass er sich keine Feinde machen wolle.

Ein Genosse, Mitglied der BGL aus der VEB Fahrzeugwerk Waltershausen, [Bezirk] Erfurt, lehnte eine Wiederwahl mit der Begründung ab, er könne es mit seinem Gewissen den Kollegen gegenüber nicht verantworten, »was die oben am grünen Tisch« verlangen.

In der Bau-Union Cottbus wurden von 53 Gruppenfunktionären nur acht Genossen gewählt und von elf BGL-Mitgliedern sind nur zwei Genossen. In diesem Betrieb trat besonders stark in Erscheinung, dass die Genossen keine Bereitschaft zur Übernahme von Funktionen in den Gewerkschaften zeigen.

So kommt es häufig vor, dass reaktionäre und faschistische Elemente als Kandidaten vorgeschlagen und auch gewählt werden. Dies wird begünstigt durch die Sorglosigkeit einiger Funktionäre bei der Kaderwahl. So konnte es z. B. passieren, dass in der Konsumgenossenschaft Sondershausen, [Bezirk] Erfurt, als Kandidaten: ein Oberfeldwebel, zwei Oberleutnante und ein Leutnant der ehemaligen Hitlerarmee vorgeschlagen und gewählt wurden. Die Meinung der verantwortlichen Funktionäre dazu war, dass dies erst nach der Wahl festgestellt wurde.

Vom Gebietsvorstand wurde diese Wahl für ungültig erklärt und musste wiederholt werden. Von großer Sorglosigkeit zeugt auch dieses Beispiel im VEB Elektrobau Erfurt. Dort wurde ein BGL-Vorsitzender gewählt, der gar nicht Mitglied des FDGB ist.

In der Handschuhmacherei Liebermann Arnstadt,61 [Bezirk] Erfurt, wurde ein ehemaliges Mitglied der Waffen-SS vorgeschlagen, dessen Schwager bei der Bundespolizei-Einsatzbereitschaft in Hamburg ist.

Im VEB Walzlagerwerk Frauenreuth, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wurden einige Provokateure des 17. Juni 1953 als Kandidaten aufgestellt, darunter einer, der in der Zeit des 17. Juni vom SfS verhaftet wurde. Das gleiche war auf der Baustelle Trattendorf zu verzeichnen.

Im Ingenieurtiefbau Brandenburg versuchten zwei Kollegen, die am 17. Juni 1953 sehr aktiv in Erscheinung traten, in die BGL zu kommen.

Im VEB Rheinmetall Sömmerda, [Bezirk] Erfurt, wurde ein Kandidat für die BGL aufgestellt, der ebenfalls am 17. Juni sehr negativ in Erscheinung trat.

Zum anderen ist zu verzeichnen, dass besonders in den Institutionen die bürgerlichen Parteien starken Einfluss auf die Gewerkschaftswahlen nehmen.

Zum Beispiel zeigte die Wahl im Post- und Fernmeldewesen im Postscheckamt Erfurt folgendes Bild. Von insgesamt 21 gewählten Funktionären waren: zwei SED, ein LDP, sechs CDU, ein NDPD und elf parteilos.

In den Gebieten Worbis und Heiligenstadt tritt ebenfalls die CDU stark in Erscheinung.

Besonders nachstehende Argumente werden vom Klassengegner vorbereitet: »Es steht ja schon fest, wer in die BGL gewählt wird, genau dasselbe, wie bei der Volkswahl.«62 Oder: »Die Arbeiter müssten vielmehr auf die Pauke hauen. Wenn eine richtige BGL gewählt würde, würde das neue Arbeitsregime nicht eingeführt.«

Im Allgemeinen kann festgestellt werden, dass die Gewerkschaftswahlen vonseiten der hauptamtlichen Leitungen des FDGB ungenügend vorbereitet und von den BPO mangelhaft unterstützt werden.

Der Gegner wies schon vor der Wahl ständig auf die im Jahre 1954 durchgeführte Gewerkschaftswahl Land und Forst63 hin und baute darauf seine Argumente auf. Die Gewerkschaftsleitungen schenkten dem aber zu wenig Beachtung.

Anlage 5 vom 9. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2430

Angsteinkäufe

Eine wesentliche Besserung trat bis auf einige Ausnahmen noch nicht ein. In den Bezirken, Kreisen, Parteiorganisationen, Betrieben und Handelsorganisationen wurde bereits begonnen, Maßnahmen zur Beseitigung der Angsteinkäufe zu ergreifen.64 Es wurden schon Hausbegehungen und Agitationseinsätze durchgeführt, wo die Bevölkerung über das Falsche ihrer Handlungsweise aufgeklärt wird. Dort, wo eine Aufklärungsarbeit geleistet wird, ist bereits ein Rückgang der Angsteinkäufe zu verzeichnen. Diese Aufklärungsarbeit und Maßnahmen werden jedoch noch nicht in vollem Umfange durchgeführt, sodass die Angsteinkäufe in den nächsten Tagen noch anhalten werden.

Ein großer Teil des Verkaufsstellenpersonals ist der Meinung, dass die Regierung entsprechende Maßnahmen (auch Aufklärung durch Presse und Rundfunk) zur Verhinderung der Angsteikäufe eingreifen muss und dass auch vonseiten unserer Partei und den Staatsorganen das Verkaufspersonal über jede Änderung auf dem Gebiete der Versorgung Aufklärung erhalten müsste, damit der Bevölkerung eine richtige und klare Antwort gegeben werden kann. Wie wichtig das in Zukunft sein wird, beweisen die vielen Fälle, wo sich das Verkaufspersonal falsch verhalten hat und dadurch oft die Bevölkerung veranlasste, Mehreinkäufe zu tätigen.

In folgenden Gebieten haben die Hamstereinkäufe seit unserem letzten Bericht nachgelassen.

Im Bezirk Leipzig, in einigen Orten des Bezirkes Erfurt, dabei besonders im Kreis Worbis, in den Wismut-Verkaufsstellen und in einigen Kreisen des Bezirkes Dresden.

Zum Beispiel wurden im Bezirk Dresden durch die Räte der Kreise die Handelsorgane veranlasst, nur noch geringe Lebensmittel zu verkaufen und durch das Verkaufspersonal die Käufer aufzuklären. Diese Handlungen haben Erfolg.

Neu ist ein Gerücht, welches in Frankfurt/Oder kursiert, dass es durch die Lebensmittelknappheit in Potsdam und anderen Städten zu Protesten gekommen sei.

Anlage 6 vom 7. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2430

Bericht über Umgruppierung von Arbeitskräften in der Zeit vom 1. bis 7.3.1955

Auch in dieser Berichtszeit zeigen sich zu dieser Frage keine wesentlichen Veränderungen. Doch, wo ein Überhang an Arbeitskräften besteht, werden mit den Betroffenen Diskussionen geführt, über die Notwendigkeit in anderen Industriezweigen oder in der Landwirtschaft die Arbeit aufzunehmen. Zum Beispiel ist im VEB Waggonbau Niesky, [Bezirk] Dresden, ein Überhang von 148 Arbeitskräften zu verzeichnen. Bis jetzt ließen sich nur ca. 40 % von der Notwendigkeit der Umgruppierung überzeugen. Unter anderem sagte ein Jugendlicher: »Gestern hat Grotewohl erklärt, dass die Jugendlichen aus Westdeutschland in die DDR kommen sollen, dass sie bei uns Beschäftigung erhalten. Die Tatsachen zeigen jedoch, dass ihr nicht einmal für uns genügend Arbeit habt.«

Innerhalb des Fischkombinates Saßnitz, [Bezirk] Rostock, machten sich Umsetzungen notwendig. Dazu äußerte der bisherige Leiter der Kutterversorgung: »Bei uns im Betrieb wurde die Abteilung Kutterversorgung reduziert. Obwohl ich Leiter der Kutterversorgung war und diese Abteilung gar nicht mehr besteht, hat bisher mit mir noch keiner der leitenden Funktionäre ein Wort gesprochen. Genauso sieht es bei dem bisherigen Industriekaufmann aus. Er bekam eine Anweisung, dass er sein Zimmer räumen soll, weil seine Abteilung wegfällt. Als nun dieser Genosse beim Kombinatsleiter anrief und fragte, was er machen solle, bekam er zur Antwort: Das wissen wir bis heut noch nicht, kommen sie mal rüber zu uns, mal sehen, was sich machen lässt. Ich und alle anderen Kollegen sind der Meinung, dass eine derartige Umbesetzung von Arbeitskräften und vor allem die Behandlung der Kollegen nicht im Sinne des 21. Plenum65 ist.«

Der o. g. bisherige Industriekaufmann sagte: »Die Verwaltung in den einzelnen Betriebsteilen wird wohl kleiner, dafür werden aber die Kombinatsleitung und die Betriebsleitung umso größer.«

Anlage 7 vom 7. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2430

Bericht über die Normfrage in der Zeit vom 1. bis 7. März 1955

Bei der Normüberprüfung66 im Wismut-Gebiet treten keine neuen Momente auf.67 Ein großer Teil der Kumpel zeigt sich weiterhin aufgeschlossen und ist nicht gegen die Überprüfung der Normen und Einführung der TAN.68 Dies ist auf eine gute Aufklärungsarbeit zurückzuführen.

Zum Beispiel wurde im Schacht 6 – Oberschlema – insgesamt mit ca. 1 500 Kumpels Aussprachen durchgeführt, wobei im überwiegenden Maße positiv diskutiert wurde. Wiederholt kam zum Ausdruck, dass das ingenieurtechnische Personal die Arbeiter ernster nehmen und den Kumpels besser als bisher bei der Lösung ihrer Aufgaben helfen müsse.

Um eine planmäßige Durchführung der TAN zu gewährleisten, wurden von den Kreisleitungen, Brigaden, bestehend aus Mitgliedern unserer Partei und den Massenorganisationen gebildet und jeweils ein Instrukteur der Kreisleitung zugeteilt.

Seit der Tätigkeit dieser Brigaden ist ein Ansteigen der Verpflichtungen für die technisch begründeten Arbeitsnormen zu verzeichnen. Im Gebiet Aue gaben von 270 angesprochenen Brigaden 159 sofort ihr Einverständnis zur Einführung neuer Normen. In den Objekten 159 sofort ihr Einverständnis zur Einführung neuer Normen. In den Objekten 6, 31 und 32 kam es zu nachstehenden abgegebenen Verpflichtungen:

Kombinat 362, Zobes

30 Brigaden = 15 %

Kombinat 277, Zobes

12 Brigaden = 7 %

Kombinat 241, Schneckenstein

15 Brigaden = 71,54 %

Schacht 254

22 Brigaden = 100 %

Geologische Abt., Objekt 6

= 52 %

Objekt 31

51 Brigaden = 100 %

Objekt 32

19 Brigaden = 86 %

Mechanische Werkstatt, Objekt 6

8 Brigaden = 35 %

Im Gebiet Gera ist der Stand für die freiwilligen Verpflichtungen für die Einführung neuer Normen wie folgt:

  • Karjere69 Gauern (Tagebau) = 100 %

  • Karjere »IV. Parteitag« = 100 %

  • »Schacht des Friedens« = 100 %

  • Schacht Lichtenberg = 28 %

  • Bohrabteilung = 25 %

Es gibt aber auch Beispiele dafür, wo die Aufklärungsarbeit noch schlecht ist, was sich dann in den Ergebnissen widerspiegelt.

Zum Beispiel in der Abt. I des Schachtes 4 – Oberschlema – ist es noch nicht gelungen, eine gute Überzeugungsarbeit zu leisten, denn noch nicht eine einzige Brigade hat einer Normenüberprüfung zugestimmt.

In der Bohrabteilung I in Paitzdorf, [Bezirk] Gera, wird keine kollektive Arbeit von den Organisationen einschließlich Partei geleistet. Selbst die Leitungsmitglieder, die gleichzeitig Brigadiere sind, haben es bisher nicht verstanden, in ihren Brigaden eine gute Aufklärungsarbeit zu leisten. Gleichfalls bestehen innerhalb der BGL der Bohrabteilung I noch keinerlei Klarheiten in der Frage der Einführung technisch begründeter Arbeitsnormen.

Im Objekt 34 – Zwickau – haben sich im Werk 536 und im Werk 512 erst je eine Brigade zur Überprüfung der Norm bereiterklärt. Dies ist ebenfalls auf eine ungenügende Aufklärungsarbeit seitens der Partei und Gewerkschaft zurückzuführen.

Ein Brigadier vom Schacht 186 – Aue – sagte: »Wenn der Lohn gegenüber dem Produktionsergebnis zu hoch ist, so soll man uns das sagen und uns aufklären, damit wir mit unseren Brigademitgliedern sprechen können. Ich bin mit einer Brigade für eine Überprüfung.«

Ein Kumpel des gleichen Schachtes äußerte: »Wenn wir schon von einer Seite richtig aufgeklärt worden wären, welchen Nutzen die Einführung neuer Normen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung hat, hätte ich schon längst mit meiner Brigade darüber gesprochen.«

Immer wieder bringen Kumpel zum Ausdruck, dass sie nicht gegen die Einführung neuer Normen sind, aber gleichzeitig müsste für einen besseren Arbeitsablauf gesorgt werden.

Zum Beispiel wurden unter den Kumpels des Objektes 6, 31 – Auerbach – heftige Diskussionen über die schlechte Arbeitsorganisation und Materialversorgung geführt. Dadurch wurde die Überprüfung der Normen infrage gestellt. Außerdem wurde noch über eine schlechte Versorgung mit Eisen und Blechen, sowie über die ungenügende Qualität der Bohrstangen, Bohrkronen, Gummistiefel und Glühlampen gesprochen.

Negative und feindliche Diskussionen werden nur im geringen Maße geführt und enthalten die verschiedenartigsten Argumente. So kommt es zu Äußerungen wie z. B.: »Die Bonzen sollen die Hälfte ihres Gehaltes abtreten«, »Es steht ein neuer 17. Juni vor der Tür«, »Es ist eine versteckte Normenerhöhung«. Oder andere bezeichnen es als »Lohnabbau«. Auch kommt es zur Hetze gegen die SU.

So sagte z. B. ein Schienenleger vom Schacht 87 – Johanngeorgenstadt –: »Was wollen wir den Schreiben oder uns verpflichten, die Russen haben doch die Normensache schon längst fertig. Das ist doch so bei diesen Brüdern, die wollen uns bloß nicht hochkommen lassen.«

In den Betrieben der anderen Industriezweige, wo vereinzelt neue Normen erarbeitet werden und dies aber ohne genügende Aufklärung geschieht, entstehen Diskussionen wie z. B., »dass dies ausschließlich eine Lohnminderung bedeutet«.

So sagte u. a. eine Arbeiterin (parteilos) aus dem VEB Kofferwerk I,70 [Kreis] Bischofswerda, [Bezirk] Dresden: »Jetzt wird alles auf Kosten der Knochen der Arbeiter herausgeholt. Ich verdiene um 100 DM weniger, da kann ich mir nicht mehr so viel kaufen wie früher.«

Bei einer Produktionsberatung im VEB Mähdrescherwerk Weimar, [Bezirk] Erfurt, in der Fertigung I stand die Normenfrage im Mittelpunkt der Diskussionen. Eine Reihe von Kollegen brachten ihre Unzufriedenheit darüber zum Ausdruck, dass an vielen Arbeitsplätzen erst vorläufige Arbeitsnormen geschaffen werden und nicht gleich technisch begründete. Dies wäre nicht beruhigend für sie, da jeden Tag mit einer Veränderung zu rechnen wäre. Dadurch kämen sie mit ihrer Lohnzahlung in Rückstand. Andere brachten zum Ausdruck, dass die Schaffung neuer Arbeitsnormen für die Arbeiter, im Vergleich zu den Angestellten eine Ungerechtigkeit sei. Die Arbeiter würden durch Überprüfung der Normen immer weniger verdienen, die Angestellten aber erhalten das gleiche Gehalt.

Anlage 8 vom 6. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2430

Auswertung von Westsendungen

In den einschlägigen Sendungen mit Hetze gegen die Lage in der Industrie der DDR wird zu den verschiedensten Problemen Stellung genommen, wobei einmal das Ziel verfolgt wird, unsere Funktionäre zu diffamieren, die Planwirtschaft als falsch hinzustellen und die Arbeiter zu gegnerischen Handlungen zu beeinflussen.

RIAS benutzt z. B. den Bericht des statistischen Zentralamtes71 als Hetze gegen den Volkswirtschaftsplan und die Plankommission. Hierbei versucht er, einen Vergleich mit der Wirtschaftsentwicklung in der SU zu ziehen und sie als gleichen schlechten72 Tatbestand hinzustellen. Mit der Behauptung, dass die Grundlagen der Planung erschüttert seien, wird der Versuch unternommen, die Nichterfüllung der Pläne nachzuweisen und die Ursachen dafür den Planbehörden zu unterstellen. Das geht besonders aus dem nachfolgenden Satz hervor: »… Die Betriebe sollen die Schäden ausbügeln, welche die zentralen Planbehörden angerichtet haben. Ende Februar wissen die Betriebe noch nicht, was sie produzieren sollen, weil sich die Planbehörden darüber noch nicht schlüssig geworden sind. Was kümmert das die Minister und andere Funktionäre, sie treten die, die unter ihnen stehen.«

Weiterhin wird vom gleichen Sender gegen die Qualifizierung, die in den Betriebskollektivverträgen73 festgelegt ist, gehetzt. Den Arbeitern wird prophezeit, dass die Qualifizierung keinen Zweck hätte, weil die Betriebsleitungen in diesem Jahr nicht in der Lage seien, Umstufungen in höhere Lohngruppen vorzunehmen.

In ähnlicher Form wie gegen die FDGB-Wahlen hetzt RIAS gegen die Wahlen in den Konsumausschüssen.74 Er beruft sich dabei auf die Ausführungen des Genossen Walter Ulbricht75 auf dem 4. Parteitag der SED,76 dass in der nach dem FDGB größten Massenorganisationen die politische Arbeit verstärkt werden müsse.77 »Demzufolge«, argumentiert RIAS, »verliert der Konsum täglich den Charakter eines wirtschaftlichen Interessenverbandes und wird mithilfe des Genossen Walter Ulbricht durch die SED in eine politische Massenorganisation wie der FDGB dirigiert. Zu diesem Zweck wird versucht, zuverlässige SED-Mitglieder in die Verkaufsausschüsse hineinzubekommen, wie es bereits vor dem 17. Juni 1953 versucht worden ist«. Mit einem Aufruf an die alten Genossenschaftler, die es bis jetzt vermocht hätten, die Reste des Genossenschaftsstatuts zäh zu verteidigen, hetzt RIAS wie folgt zum Widerstand auf: »… Aber die Genossenschaftler verhinderten bis jetzt durch ihren einmütigen Widerstand, dass die Rückvergütung78 durch eine Verzinsung der Festanteile abgelöst wurde. Dieses letzte, den Konsummitgliedern verbliebene Recht soll ohne Zweifel in diesem Jahre beseitigt werden. Und das kann die SED nur erreichen, wenn die alten Genossenschaftler aus dem Verkaufsstellenausschüssen und den Generalversammlungen ausmanövriert worden sind.«

In einem Kommentar hetzt RIAS gegen die Woche des Kampfes der Frauen79 gegen Militarismus und Krieg. Mit der üblichen Hetze gegen unsere demokratische Ordnung und besonders gegen unsere Aktivistinnen80 werden die Frauen der DDR aufgerufen, in dieser Woche vom 1. bis 8.3.[1955] sieben Tage lang die Westsender abzuhören, in alle möglichen Lesestuben Westberlins, in die Amerikahäuser,81 das British Centre82 und Maison de France83 zu gehen und alles Material zusammenzutragen, was man über andere Länder wissen muss. Sie hätten dabei Gelegenheit, mit Frauen anderer Länder und Westberlin zusammenzukommen und mit ihnen zu sprechen. Dadurch, argumentiert RIAS, würden die Menschen der DDR alles sehen, hören und jeden persönlichen Kontakt aufnehmen können, den sie wollen. Sie müssten »sich dabei nur vor Hilde Benjamin84 und der Geheimpolizei vorsehen«.

In einer Sendung an die Jugend hetzt RIAS gegen das Versenden von Resolutionen nach Westdeutschland. Er versucht zu beweisen, dass sie wertlos seien und keinen Einfluss auf die Politik in Bonn hätten. Sie hätten weder die EVG,85 noch den KPD-Prozess86 noch die Pariser Verträge beeinflusst. Der KPD-Prozess sei ein Verfahren nach Recht und Gesetz und, wenn die Beweise der Bundesregierung ausreichen, würde das Gericht seine Entscheidung fällen. Was die Pariser Verträge beträfe, entscheide lediglich das Parlament. Alles, was außerhalb dieses Parlaments in die Diskussion geworfen werde, ändere nichts an der Tatsache. »Spart euch Papier und Zeit,« heißt es am Schluss, »Resolutionen sind geschrieben genauso wertlos wie ungeschrieben«.

In einer umfangreichen Hetze gegen die FDJ befasst sich RIAS mit dem Plan zur Förderung der Jugend.87 Er beschuldigt SED, FDJ und FDGB, dass sie durch die Einführung »veralteter Neuerermethoden«88 und rigorose Kürzung der Lehrzeit, die Berufsausbildung verschlechtert hätten, sodass sie den Anforderungen nicht mehr gerecht wird und die Fachleute in Westdeutschland sie nicht mehr anerkennen. Der § 4 der Förderungsplanes sei eine Bestätigung dafür und gäbe in getarnter Form zu, dass die Berufsausbildung bei uns nicht mehr ausreiche.89 Bei der Durchführung des § 4 werden die Jugendlichen vom RIAS aufgefordert, »diese Chancen nicht in politischer, sondern in fachlicher Hinsicht zu nützen«. Wörtlich heißt es: »Es ist notwendig, dass sie genutzt wird, weil sonst die Beurteilung des Facharbeiternachwuchses im Westen unserer Heimat immer eindeutiger zu euren Ungunsten ausfallen würde.«

Im Zusammenhang mit dem Angebot der FDJ zur Aktionseinheit90 mit dem Bundesjungendring91 für die friedliche Wiedervereinigung Deutschlands hetzt RIAS gegen den Zentralrat der FDJ. Er legt dieses Angebot als Absicht der FDJ zur »Verfolgung kommunistischer Ziele« aus, um gegen die Pariser Verträge als Stoßtrupp zu wirken. Deswegen, und weil die FDJ laut RIAS eine »Terrororganisation« sei, würden alle Angebote der FDJ vom Bundesjugendring abgelehnt.92

Des Weiteren hetzt RIAS gegen die Werbung für die KVP,93 und die Aktion »Kader aufs Land«. Hierzu behauptet er, dass die SED es aufgegeben hätte, Funktionäre aus der FDJ für die Positionen auf dem Lande zu werben. Die FDJ sei dafür ausersehen, die KVP aufzufüllen, wozu jetzt eine verstärkte Werbung vorgenommen würde.

Im weiteren Verlauf der Hetzte wird zum Produktionsaufgebot der FDJ Stellung genommen. Es wird behauptet, dass der Zentralrat am 12. Dezember [1954]94 zum 86. Mal festgestellt habe, dass sich die Mehrheit der Arbeiterjugend der FDJ seit ihrer Gründung passiv verhalte. Ebenso sei der Aufruf im Bitterfelder Kombinat ohne Echo geblieben.95 Dies sei auch von dem Produktionsaufgebot zu erwarten, weil erstens die Steigerung der Produktivität um 10 % eine indirekte Normenerhöhung und zweitens den weiteren Ausbau der Wehrertüchtigung zum Ziel der Jugendarbeit habe. In der weiteren Folge wird gegen die Jugendbrigade J. W. Stalin im VEB Großmaschinenbau »8. Mai« in Karl-Marx-Stadt gehetzt.

In einer umfangreichen Hetze zur Leipziger Messe wird über die angeblichen Schwierigkeiten der Einzelbauern in der DDR bei der Anwendung der Landtechnik gesprochen. Der Sender »Freies Berlin«96 hetzt, dass die Leipziger Frühjahrsmesse, statt die Bauern mit der Landtechnik zu versorgen, dieselbe als Exportware ausstelle. Dabei wäre diese Landtechnik für die anspruchsvollen Länder des Westens kaum von Bedeutung und höchstens für die »unterentwickelten Länder der Volksdemokratien« brauchbar. Aber auch diese hätten eine Unmenge an unseren ausgestellten Schleppern und Landmaschinen auszusetzen, wie z. B. Ungarn, sodass selbst bei bescheidensten Ansprüchen von einer Exportreife nicht die Rede sein könne. Der Sender schließt diese Hetze wie folgt ab: »… Wenn die derzeitigen Machthaber der Zone es ablehnen, auch westdeutsche Landmaschinen in ihren Interzonenhandel einzubeziehen, so sollten sie, statt sich mit ihren Exportanstrengungen zu blamieren, zunächst dafür sorgen, dass die von den Bauern im eigenen Lande so dringend begehrten landtechnischen Hilfsmittel in ausreichender Qualität und zu erschwinglichen Preisen angeboten werden.«

Anlage 9 vom 8. März 1955 zum Informationsdienst Nr. 2430

Organisierte Feindtätigkeit

In der Zeit vom 4.3. bis 7.3.1955 wurden folgende Hetzschriften sichergestellt:

SPD-Ostbüro:97

  • Erfurt 100: Kreis Sondershausen einige;

  • Halle 150: Kreis Merseburg 90, Kreis Naumburg 30;

  • Potsdam: Kreis Brandenburg 320;

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Plauen 100;

  • Gera: Kreis Eisenberg einige.

In Ungarischer Sprache:

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Hainichen 285, Kreis Marienberg 15.

KgU:98

  • Rostock 38;

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Klingenthal 35.

UfJ:99

  • Leipzig: einige (»Das Konto«,100 Hetze gegen die Leipziger Frühjahrsmesse).

Ostbüro des DGB:101

  • Halle 50.

Unbekannter Herkunft:

  • Cottbus 1 300.

Ostbüro der FDP:102

  • Halle: Kreis Merseburg 1 000.

NTS:103

  • Halle: Kreis Roßlau 10 000, Kreis Bitterfeld 350, Kreis Naumburg 10;

  • Potsdam: Kreis Gransee 5 000, Kreis Nauen 200, Kreis Rathenow 200, Kreis Brandenburg 50, Kreis Oranienburg 100, Potsdam-Stadt 15, Luckenwalde 10;

  • Magdeburg: Kreis Oschersleben 5 000.

In Tschechischer Sprache:

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Oelsnitz einige;

  • Gera: Kreis Schleiz 150.

In Polnischer Sprache:

  • Dresden: Kreis Bautzen 22.

Die Hetzschriften beinhalten größtenteils Hetze gegen Genosse Walter Ulbricht, Hetze gegen SfS, Hetze gegen BGL-Wahlen, Hetze gegen das Manifest der Paulskirche,104 Hetze gegen die Freilassung des ehemaligen General Schörner105 und Hetze gegen die SU.

Gerüchte

In Plauen, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, und in der Gemeinde Herzogwalde, [Kreis] Freital, [Bezirk] Dresden, kursiert das Gerücht, dass die DDR nach der Ratifizierung der Pariser Verträge an Männer bis zu 45 Jahren keine Bescheinigung (PM 12)106 nach Westdeutschland mehr ausgeben werde.

Antidemokratische Tätigkeit

In Leinefeld, [Kreis] Worbis, [Bezirk] Erfurt, wurde an jedem dritten Haus ein Hakenkreuz angeschmiert (ca. 100 Hakenkreuze insgesamt). Außerdem wurden Zettel mit Figuren und Hakenkreuzen aufgefunden.

Zwei Mädel im Alter von 15 Jahren wurden festgenommen. Die durchgeführte Hausdurchsuchung brachte Farbentopf und Pinsel zum Vorschein. Ein Mädchen gab die Schmierereien zu.

Beim Kirchensingen im Stadtkrankenhaus Bautzen wurde im Auftrag des Pfarrers durch eine Diakonissin Kalenderzettel verteilt, die außer Kirchensprüchen noch Hitlerzitate enthielten.

In der Nacht zum 2.3.1955 wurde beim Rat des Kreises Oranienburg, [Bezirk] Potsdam, von unbekannten Tätern versucht, in der Abt. Planung in den feuerfesten Schrank einzubrechen, in dem sich sämtliche Planunterlagen des Kreises bis 1960 befinden. Ermittlungen führt die Abteilung K Oranienburg.

An die Gemeindeverwaltungen Lehnin und Wusterwitz, [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, und an die Stadtverwaltungen Klötze und Loburg, [Bezirk] Magdeburg, wurden Postkarten gesandt, mit der Bitte zwei bis drei Exemplare von den Prospekten der Gemeinden an folgende Adresse zu senden: Benelux-Staaten, Tourist Servics Assoziation [sic!] 32, Arthur Gömärlei – Antwerpen.107

Im Bezirk Leipzig wurden von einer feindlichen Zentrale108 Briefe versandt, vorwiegend an Frauen, darin werden sie aufgefordert, Namen, Geburtstag und Kleidergröße mitzuteilen. Weiterhin sollen besondere Wünsche geäußert werden. Diese Hetzbriefe richten sich gegen die Paketverordnung unserer Regierung109 und tragen die Unterschrift: Pfarrer [Name 1] Poststempel: Rheinbach 1.3.1955.

Die Tochter des Steuerberaters [Name 2] aus Eilenburg, [Bezirk] Leipzig, bewarb sich an der Oberschule und wurde abgelehnt. Dies erfuhr der Pfarrer, er besuchte die Familie und erklärte, dass er das Mädchen in einer Oberschule in Westdeutschland kostenlos unterbringen kann.

Vonseiten des Pfarrers und des Arztes in Putzkau, [Bezirk] Dresden, wurde versucht, die Veranstaltungen des DFD am 8.3.1955110 zu stören. Von den genannten Personen wurde am 8.3.1955 ein Lichtbildervortrag angesetzt.

Diversion

In der »Sächsischen Zeitung«111 Dresden ist seit mehreren Tagen die Rohrpost ausgefallen. Ursachen waren eine Verstopfung in den Rohren, die erst am 2.3.1955 beseitigt werden konnte. Die Verstopfung wurde durch ein Stück Blei verursacht, welches von einem unbekannten Täter in der Abt. Maschinensatz in das Rohrpostsystem geworfen wurde. Durch das Ausfallen der Rohrpost verzögerte sich der Zeitungsdruck täglich bis zwei Stunden.

An den FDGB Leipzig und Dresden wurden gefälschte Rundschreiben gesandt mit der Unterschrift »Warnke«112 und »Müller«.113 In dem Rundschreiben wird darauf hingewiesen, dass in Zukunft eine Neuregelung der Gewerkschaftsbeiträge erfolgt und dass der Verkauf von Solidaritätsmarken einzustellen ist.

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    12. März 1955
    Informationsdienst Nr. 2431 zur Beurteilung der Situation in der DDR

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