Zur Beurteilung der Situation in der DDR
10. Januar 1955
Informationsdienst Nr. 2411 zur Beurteilung der Situation in der DDR
Die Lage in Industrie, Verkehr, Handel und Landwirtschaft
Industrie und Verkehr
Die Diskussionen über den Kampf gegen die Ratifizierung der Pariser Verträge1 stehen im Vordergrund über die politischen Tagesfragen.
Inhaltlich und umfangmäßig sind gegenüber dem Vortag keine Veränderungen zu verzeichnen.
Zum Interview des Genossen Malenkow2 wird nur wenig diskutiert, meist von fortschrittlichen eingestellten Werktätigen.3
Diese Diskussionen sind fast ausschließlich positiv. Dabei bringt man zum Ausdruck, dass damit erneut die Friedensliebe der Sowjetunion bewiesen wird.
Ganz vereinzelt wurden Diskussionen bekannt, die zum Ausdruck bringen, dass das Interview kein besonderes Ereignis sei und man stellt es als Gewohnheit der Sowjetunion hin, die jeweils bei Beginn eines neuen Jahres zur politischen Lage Stellung nimmt.
Die Diskussionen über die Aufstellung Nationaler Streitkräfte tragen oft pazifistischen Charakter.4 Hierzu folgendes charakteristisches Beispiel:
Im RAW Cottbus wurde über die Auswirkungen der Ratifizierung der Pariser Verträge gesprochen. Einige Arbeiter brachten dabei zum Ausdruck, dass »sie nie wieder ein Gewehr in die Hand nehmen«.
Verschiedentlich nimmt man in den Betrieben zu den Entlassungen5 Stellung, wobei die Meinung aufgetreten ist, dass die Entlassungen durchgeführt werden, um junge Menschen für die KVP frei zu machen.
Weiter bringt man zum Ausdruck, dass die DDR sich in einer wirtschaftlichen Krise befinde.
Ein Arbeiter vom VEB Stahlwerk6 Silbitz, [Bezirk] Gera, äußerte (parteilos): »Im Jahre 1955 entwickelte sich bei uns in der DDR eine wirtschaftliche Krise, die Anzeichen dafür sind auch bei uns im Stahlwerk zu erkennen. Es gibt keine Aufträge mehr und es kommt noch so weit, dass Arbeitskräfte entlassen werden müssen. In Gera ist dies bereits schon der Fall, da werden schon Entlassungen vorgenommen und es gibt schon einen ganzen Teil Arbeitslose. Diese Entlassungen werden nach meiner Meinung bewusst vorgenommen, um junge Menschen zum Eintritt in die KVP freizubekommen.«
Dem VEB Injecta7 Klingenthal, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wurden 1954 Investmaterial in Höhe von 375 000 DM zum Bau eines Schuppens zur Unterbringung des Materials, gestrichen. Der VEB ist in Gebäuden des Privatunternehmers Meinel untergebracht, welcher in Untersuchungs-Haft einsitzt und sein Compagnon ist seit einigen Jahren westflüchtig. Die Belegschaft des VEB Injecta ist über die Streichung der Mittel unzufrieden, da andererseits dem Privatbetrieb Weiss8 in Klingenthal, mit gleicher Produktion, für den Bau einer Ziehhalle 100 000 DM Kredit gewährt wurden. Zu bemerken ist ferner, dass die Arbeitsbedingungen und Sozialeinrichtungen in dem VEB Injecta sehr mangelhaft sind.
Einige Angehörige der technischen Intelligenz der Farbenfabrik9 Wolfen/Bitterfeld/Halle kehrten von ihrem Westurlaub nicht mehr in die DDR zurück. Es handelt sich hier um den chemischen Leiter der Farbenabteilung Dr. Karl Schilling10 und um Dr. Hahn,11 beschäftigt in der Zellstoff-Fabrik. Es wird vermutet, dass der IG-Farben-Konzern diese Menschen beeinflusst hat, nicht mehr in die DDR zurückzukehren.
In vielen Betrieben werden zurzeit die BGL-Wahlen durchgeführt, dabei treten teilweise Schwierigkeiten auf.
So konnte z. B. im Phänomen-Werk12 Zittau, [Bezirk] Dresden, in einer Gruppe noch keine Wahl durchgeführt werden, da der vorgeschlagene Kollege, sich nicht bereit erklärte, die Wahl anzunehmen. Er begründete dies damit, dass er bereits in der HO-Gewerkschaftsgruppe Organisator gewesen sei und sich für die Interessen der Kollegen einsetzte, mit dem Erfolg, dass er entlassen wurde. Diese Diskussionen machten unter den anderen Kollegen Schule, sodass es schwer ist, diese Funktion zu besetzen.
Im VEB Platten-Kombinat13 Meißen, [Bezirk] Dresden, ist eine schlechte Stimmung bei den BGL-Wahlen zu verzeichnen, da der bisherige BGL-Vorsitzende SS-Angehöriger und sein Stellvertreter ehemaliger Fähnrich der faschistischen Wehrmacht war. Die neuen Vorschläge wurden von diesen beiden genannten Personen ausgearbeitet, wobei sich beide als Kandidaten mit aufsetzen und dann diese Liste der Gewerkschaftsgruppe sowie der Parteileitung vorlegten. Diese Vorschläge wurden bei der Wahl durchgebracht. Aufgrund dessen herrscht bei der Belegschaft Missstimmung, da sie mit diesen Vorschlägen nicht einverstanden sind.
Im VEB Jute-Spinnerei Meißen ist zu verzeichnen, dass die Kollegen der Abteilung Vorbereitung keine Kandidaten für die BGL aufstellen, da sie mit dem Meister laufend Schwierigkeiten haben, der ihnen untersagt, an den Sitzungen teilzunehmen.
Im Karl-Marx-Werk14 Magdeburg vertritt man die Meinung, »Wir brauchen keine BGL, um uns kümmert sich ja sowieso niemand.« Zum Beispiel kennen die Kollegen der Blechschmiede den jetzigen BGL-Vorsitzenden überhaupt nicht.
Absatz-Schwierigkeiten
Aus dem VEB Wolfram-Zinnerz Rodewisch, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wird bekannt, dass Absatz-Schwierigkeiten eingetreten sind, da Importe aus der Volksrepublik China eingeführt wurden. In der Betriebsabteilung Pechtelsgrün z. B. lagert das Erz und wird nicht abgeholt. Die Arbeiter bringen aus diesem Grund zum Ausdruck, wir müssen arbeiten und Wettbewerbe durchführen und immer wieder die Leistungen steigern und hier liegt das Erz auf dem Haufen und wird nicht abgenommen.
Materialschwierigkeiten
Dem Treuhandbetrieb Dörfel15 in Kirchberg, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, fehlen zur Herstellung von Kfz-Heizungen 160 Stück Kontaktnieten (versilbert). Die Kontakt-Nieten sind nach einem Schreiben vom VEB Hüttenwerk Karlsbrücke zurückgelegt worden und es fehlt noch an der Silberbereitstellung (52 Gramm). Aus diesem Grunde kann der Legierungsauftrag nicht eingehalten werden, da die Kfz-Heizungen für Busanhänger an das Kfz-Werk [der] LOWA16 Bautzen nicht geliefert werden können.
In dem VEB Schuhfabrik Seifhennersdorf, [Bezirk] Dresden, fehlt es an Leder, sodass der Betrieb vom Dreischicht-System zum Einschicht-System übergehen muss und demzufolge macht sich eine Verringerung der Beschäftigtenzahl notwendig.
Im VEB IFA Karosserie-Werk Meerane, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, bestehen Schwierigkeiten in der Herstellung der Karosserien für den Pkw F917 sowie für Lkw Führer-Kabinen, da es an Windschutz-Scheiben und allen anderen Beschlägen fehlt. Des Weiteren weisen die gelieferten Bleche Mängel in der Qualität auf (unterschiedliche Stärke).
Produktionsstörungen
In der Kohlengrube Turow, [Kreis] Zittau, [Bezirk] Dresden, entgleiste am 7.1. ein Kohlenwagen, dadurch wurde für drei Stunden die Kohlenzufuhr blockiert. Auf der Strecke zum Bagger 8 kippte zur gleichen Zeit ein Wagen um und blockierte für eineinhalb Stunden die Strecke. Es entstand dadurch ein Planverlust von 395 Tonnen.
Von der VEB Maxhütte Unterwellenborn wird bekannt, dass diese in den letzten drei Tage den Produktionsplan nicht erfüllen konnte, weil durch den plötzlichen Kälte-Einbruch die Förderung von Eisenerz in den Gruben Wittmannsgereuth und Schmiedefeld zum Stocken kam. So wurden z. B. am 6.1.1955 450 Tonnen Stahl weniger erzeugt.
Im VEB Kammgarnspinnerei Cossmannsdorf, [Kreis] Freital, [Bezirk] Dresden, wurde am 30.12.1954 an einer Maschine ein 90er Zahnrad anstatt einem 80er eingesetzt. Dadurch waren verschiedene Stärken der Garne entstanden. Der Schaden beläuft sich auf ca. 20 000 DM. Ursache noch nicht bekannt.
Handel und Versorgung
Immer wieder rufen die Entlassungen im staatlichen Handel Unzufriedenheit hervor, da sie teilweise schematisch und meist bei Verkaufskräften erfolgen, weniger jedoch unter den Verwaltungsangestellten.18
So herrscht z. B. eine große Missstimmung unter den HO-Verkäuferinnen des Kreises Bautzen über Entlassungen. Eine parteilose Verkäuferin äußerte: »Das Einsparen von Verkäuferinnen ist vollkommen verkehrt. Man solle lieber bei den Verwaltungskräften einsparen.«19
Unter den Kollegen der HO-Textil Greifswald wurde eine große negative Diskussion ausgelöst, da eine alleinstehende Arbeiterin mit drei Kindern (Verdienst 200 DM) gekündigt wurde, jedoch die Frau des Betriebsleiters (Verdienst 700 DM) im Betrieb verblieb.
Unter den 20 entlassenen Personen in der HO im Kreis Quedlinburg besteht große Unzufriedenheit, da sich niemand um ihre Unterbringung an anderen Arbeitsstellen kümmert. Ähnlich ist es im Kreis Weißenfels.20
Teilweise ist die Versorgung mit verschiedenen Lebensmitteln, Gebrauchsgütern und Brennmaterialein unzureichend.
So mangelt es z. B. im Bezirk Cottbus an Kindernährmitteln, Maizena,21 Haferflocken, Graupen und Hülsenfrüchten. Der Bedarf an Kohlen kann bei weitem nicht gedeckt werden.
In Dessau fehlen in den HO- und Konsumverkaufsstellen Zündhölzer. Außerdem ist die Holz- und Kohlenablieferung der Haushalte ungenügend, worüber von Hausfrauen negativ diskutiert wird.
Im Kreis Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, ist die Kohlenversorgung der Landbevölkerung sehr mangelhaft, was große Verärgerung unter den Bauern hervorruft.
Landwirtschaft
Unter der Landbevölkerung sind die Diskussionen zu politischen Tagesfragen sehr gering. Nach der Ratifizierung der Pariser Verträge in Frankreich wird von fortschrittlichen Bauern vereinzelt gefordert, alle Maßnahmen zur Sicherung der Heimat zu treffen und Nationale Streitkräfte aufzustellen. Ein etwas größerer Teil bringt zum Ausdruck, dass sie für den Frieden sind und deshalb die Pariser Verträge ablehnen.
Vereinzelt treten negative Meinungen auf, wobei gegen die Errichtung Nationaler Streitkräfte und gegen die KVP Stellung genommen wird.
So erklärte z. B. ein parteiloser Buchhalter der MTS Warmsdorf, [Kreis] Staßfurt: »Ich habe zu nichts Lust. Jetzt ist es ganz und gar nicht vorbei, wo ich jeden Tag eingezogen werden kann. Mich bekommen sie nicht.«
Ein Gast- und Landwirt aus Lichtenhain/Neuhaus, [Bezirk] Suhl: »Bezugnehmend auf die Pariser Verträge haben wir ja in der DDR zuerst eine Wehrmacht aufgestellt.22 Im Westen müssen sie eben dasselbe tun, weil sie von uns dazu gezwungen werden.«
Verschiedentlich treten Schwierigkeiten bei der Erfüllung des Winterreparaturplanes der MTS wegen Mangel an Ersatzteilen auf.
So fehlen z. B. bei der MTS Langenbogen/Saalkreis Ersatzteile für die Schlepper Kfz 32,23 da das Schlepperwerk Brandenburg keine Ersatzteile liefert. Produktionsarbeiter aus dem Werk, mit denen Kollegen von der MTS sprachen, erklärten, man sollte doch die Fertigprodukte einstellen und für eine gewisse Zeit Ersatzteile produzieren.
Weiterhin mangelt es an Ersatzteilen in der MTS Ohorn, [Kreis] Bischofswerda, für den Traktor RS 3024 und den Raupenschlepper KS 62,25 in der MTS Kamenz für die Traktoren »Aktivist«26 und RF 25,27 sowie in der MTS im Kreis Roßlau/Halle.
Im Bezirk Cottbus werden verschiedentlich Bauernversammlungen zur restlichen Ablieferung durchgeführt. Dabei zeigt sich, dass die charakteristische Einstellung der Großbauern28 im Kreis Jessen folgende ist: »Wir liefern nicht mehr ab, denn es kommt sowieso bald anders.«
Vom Vorsitzenden der LPG Heidekaten, [Kreis] Wismar, [Bezirk] Rostock, wird über mangelhafte Unterstützung durch den Rat des Kreises geklagt. Diese LPG wurde vor ca. zwei Jahren gegründet und besteht aus vier Bauern, die nur der LPG beitraten, um in der Ablieferung Vergünstigungen zu erhalten. Die Felder wurden nur einmal gemeinschaftlich bestellt, seither wirtschaftet wieder jeder für sich. Diese Bauern wollen wegen der Vergünstigungen nicht aus der LPG austreten. Obwohl der Rat des Kreises seit langer Zeit davon unterrichtet ist, wurde bisher nichts unternommen.
In der VdgB-Versammlung der Gemeinde Dahlewitz, [Kreis] Zossen, [Bezirk] Potsdam, wurde die schlechte Produktion der Kartoffeldämpfer vom VEB Brandenburg29 kritisiert. So waren z. B. die Roste verkehrt eingebaut.
Von einem Bauern der Gemeinde wurde ein Verbesserungsvorschlag für die Kartoffeldämpferproduktion dem Werk eingereicht, wodurch zehn Kilogramm Feuerung eingespart werden kann. Auf diesen Vorschlag wurde jedoch bis heute noch keine Antwort gegeben.
Die Schweinepest ist in der LPG Radeburg, [Kreis] Dresden, in dem ÖLB Penkun, [Kreis] Pasewalk, und in der LPG Dorotheenwalde, [Kreis] Pasewalk, ausgebrochen.
Übrige Bevölkerung
Im Mittelpunkt der politischen Gespräche steht weiterhin der Kampf gegen die Pariser Verträge. In diesem Zusammenhang spricht man vielfach über die Frage der erhöhten Kriegsgefahr. Von fortschrittlichen Kräften wird immer wieder betont, dass sie aus der Vergangenheit gelernt haben und deshalb der Meinung sind, dass es auf keinen Fall zu einem III. Weltkrieg kommen darf.
Des Weiteren wird zum Ausdruck gebracht, dass die Möglichkeit der Verhinderung eines neuen Völkermordes gegeben ist, wenn die Völker entschieden für den Frieden kämpfen.
So sagte z. B. eine Konsumangestellte aus Greiz: »Wenn schon die Ratifizierung der Pariser Verträge erfolgen sollte, dann ist noch lange nicht gesagt, dass es zu einem neuen Krieg kommt. Wenn man einen Krieg führen will, so braucht man dazu Menschen. Wenn sich aber die Arbeiterschaft geschlossen gegen den Krieg stellt, so wird es ihr möglich einen solchen zu verhindern.«
Im Gegensatz dazu werden verschiedentlich Diskussionen geführt, in denen zum Ausdruck gebracht wird, dass wohl aufgrund des Ausganges der Ratifizierungsdebatte in Frankreich, ein Krieg unvermeidlich sei.
Zum Beispiel sagte eine Hausfrau aus Erlbach, [Kreis] Stollberg, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt: »Durch die Ratifizierung der Pariser Verträge in Frankreich ist ein neuer Krieg nicht mehr weit. Es war bisher immer schon so, dass nach Abschluss von Pakten ein Krieg erfolgte.«
Ein VP-Helfer30 aus dem Kreis Stollberg: »Ich bin der Meinung, dass ein neuer Krieg nicht mehr fern ist, denn die Volksdemokratien und die DDR werden ja auch eine Mächtegruppierung bilden.«
Etwas mehr treten jetzt auch wieder Gespräche über die Frage Nationaler Streitkräfte in den Vordergrund. Dabei erklären fortschrittliche Personen, dass bei Ratifizierung der Pariser Verträge Sicherungsmaßnahmen in der DDR notwendig werden.
Es zeigen sich aber auch immer wieder pazifistische Tendenzen und demzufolge kommt es verschiedentlich zu ablehnenden Diskussionen.
Zum Beispiel äußerte ein Buchhalter aus Schwerin: »Es ist ja alles ganz gut und schön, aber ich komme dafür nicht infrage. Ich habe den II. Weltkrieg mitgemacht und habe die Nase voll. Sie sollen mich mit der ganzen Sache in Ruhe lassen.«
Ein Angestellter ebenfalls aus Schwerin: »Ich will mit der Aufstellung von Nationalen Streitkräften nichts zu tun haben. Mir sollen sie den Buckel runterrutschen.«
Andererseits kann immer wieder festgestellt werden, dass bei Einführung der Wehrpflicht eine ganze Reihe Menschen republikflüchtig werden wollen.
Zum Malenkow-Interview wurden auch heute nur wieder vereinzelte positive Stellungnahmen bekannt, die inhaltlich denen der Vortage gleichen, was folgendes Beispiel beweist:
Ein Handwerksmeister aus Quedlinburg: »Der sowjetische Staatsmann Malenkow hat in seinem Interview klar und offen zum Ausdruck gebracht, welchen Weg man zum Frieden gehen muss und dass die Sowjetregierung immer bemüht ist, den Frieden zu erhalten, auch mit den USA. Ich kann nicht verstehen, dass vonseiten der USA diese Friedenshand immer wieder zurückgewiesen wird und man von dort auf den Moment eines neuen Krieges wartet.«
Organisierte Feindtätigkeit
Hetzschriftenverbreitung
SPD Ostbüro:31
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Potsdam: Kreis Neuruppin 3 000; (gegen Volkswahlen)
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Magdeburg: Kreis Oschersleben 500;
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Karl-Marx-Stadt 189;
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Dresden einzelne.
NTS:32
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Neubrandenburg 70;
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Karl-Marx-Stadt 50.
FDP:33
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Potsdam 300 (Hetze gegen Volkskammerpräsidenten Dieckmann).34
unbekannter Herkunft:
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Potsdam: Kreis Königs Wusterhausen 3 000 (gegen KPdSU, SED und DDR).
In der Nacht vom 6. zum 7.1.1955 wurden in Naumburg, [Bezirk] Halle, an mehreren Stellen 20 handgedruckte Zettel mit der Aufschrift »Schluss mit der Besetzung, wir wollen frei sein!« angeklebt.
Der VEB Schwermaschinenbau »Heinrich Rau« in Wildau, [Bezirk] Potsdam, erhielt von drei Industriebetrieben Schreiben, die mit einem gefälschten Stempel des VEB Heinrich-Rau und des staatlichen Vermittlungskontors für Maschinen und Materialreserven versehen war. Nach diesem Schreiben müsste der VEB Heinrich Rau den betreffenden Betriebes Stahl liefern, was diese Betriebe jetzt fordern.
In der LPG Robeck, [Kreis] Wolmirstedt, [Bezirk] Magdeburg, sind sieben Rinder erkrankt. Bei den Untersuchungen wurden Stichwunden an Beinen und im Rücken festgestellt. Vier Rinder, einige tragend, wurden notgeschlachtet.
Im VEB Seehafen Rostock fiel der Kran Nr. 7 bei Verladearbeiten aus, als er eine Stückgutkiste mit der Beschriftung 5 100 kg bewegte. Diese Kiste wog in Wirklichkeit 9 900 kg. Der Kran ist für eine Last von 5 000 kg zugelassen. Diese Stückgutkisten (für die UdSSR) wurden vom VEB Großdrehmaschinenwerk »7. Oktober« in Berlin-Weißensee geliefert.
Eine Nachwiegung einer weiteren Sendung vom gleichen Betrieb, die mit 17 980 kg im Frachtbrief angegeben war, betrug in Wirklichkeit 29 180 kg. Vermutlich wurden die Kisten falsch beschriftet.
Von unbekannten Tätern wurde die Polizeileitung (Telefon) von Seeburg nach Eisleben, [Bezirk] Halle, durchschnitten.