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Mängel in der Landwirtschaft (1.– 5.1.1955)

10. Januar 1955
Bekannt gewordene Schwierigkeiten und Mängel in der Landwirtschaft in der Zeit vom 1. bis 5.1.1955 [Information M 1/55]

Unter den Bauern des Kreises Rudolstadt, [Bezirk] Gera, herrscht eine schlechte Stimmung wegen der Wildschweinplage.

So erklärte z. B. der Bürgermeister von Bösleben:1 »Wenn der Kreisrat nicht bald Maßnahmen trifft, die Wildschweine einzudämmen, werden die Bauern ihre Wirtschaften nicht mehr bestellen und in die Fabriken als Arbeiter gehen.«

Im Kreis Aschersleben, [Bezirk] Halle, besteht unter den Bauern die Meinung, dass ab 1.2.1955 höhere Preise die Produkte im freien Aufkauf2 gezahlt werden. Die Bauern halten deshalb ihr Vieh zurück. Dadurch wurden im Kreis bis zum Jahresende nur 65 t Schlachtvieh erfasst. (Die Auflage beträgt 200 Tonnen).

Bei den Vorstandswahlen für die VdgB3 (BHG) wird teilweise von Großbauern4 versucht, in die Vorstände zu gelangen. Dazu nutzen sie ihren Einfluss untern den werktätigen Bauern aus.

So stellte z. B. ein werktätiger Bauer aus Herzberg, [Kreis] Neuruppin, [Bezirk] Potsdam, die Frage, warum keine Großbauern in den Vorstand gewählt wurden. Ein anderer werktätiger Bauer äußerte daraufhin: »Wenn man es mit den Großbauern so macht, dann ist es genauso, wie es Hitler mit den Juden gemacht hat.« Diese Äußerung wurde von anderen Versammlungsteilnehmern unterstützt. Ein anderer werktätiger Bauer fügte noch hinzu: »Wenn die so weitermachen, dann werden sie bald wieder den 17. Juni5 haben.«

In einigen Gemeinden des Kreises Sternburg, [Bezirk] Schwerin, kam es zur Missstimmung unter werktätigen Einzel- und LPG-Bauern, da ein Großbauer aus der Gemeinde Bolt, der mit einem früheren Junker,6 der jetzt in Westdeutschland ist, zusammengetroffen war, erklärte, dass dieser Junker bald wieder seine Besitzungen in Mecklenburg übernehmen würde.

Fünf Bauern beabsichtigen deshalb, ihre Bauernstellen abzugeben. Ein Teil der Neubauern,7 die ihr Ablieferungssoll erfüllt haben, wollen deshalb ihre Wirtschaften von der Regierung kaufen, um sich ihren Besitz zu sichern. Dies wirkt sich besonders in den Gemeinden Bolt und Mustin aus.

Die Bauern der Gemeinde Rotschau, [Kreis] Reichenbach, sind darüber verärgert, dass ihnen vom VEB Baumwollspinnerei Plauen, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, für geleistete Erntehilfe jetzt Rechnungen zugestellt werden. (Der VEB ist Freundschaftsbetrieb der Gemeinde).

In der LPG Rätzlingen,8 [Kreis] Haldensleben, [Bezirk] Magdeburg, sind noch 1,5 Morgen Kartoffeln ungerodet. Außerdem müssen noch 1 000 dz Rüben abgefahren werden.

Ähnlich ist es in der LPG »Morgenrot« in Rathmannsdorf, [Kreis] Staßfurt, [Bezirk] Magdeburg, und im ÖLB9 Hecklingen, [Kreis] Staßfurt, wo noch 700 dz Zuckerrüben abgefahren werden müssen.

Am 29.12.1954 wurde in der volkseigenen Schweinemästerei Gera (1 141 Schweine) die Schweinepest festgestellt, wo bisher ca. 130 Tiere verendeten.

In der LPG »Roter Stern« in Frankenau, [Kreis] Rochlitz, ist die bereits gemeldete unbekannte Rinderkrankheit ausgebrochen.10

In der LPG Wahlendorf, [Kreis] Neuruppin, kursiert das Gerücht, wonach der Wert der Arbeitseinheiten11 von DM 8,40 auf DM 6,40 gesenkt werden soll. Unter den Mitgliedern wird deshalb diskutiert, dass sie, wenn die Arbeitseinheiten gesenkt werden, lieber beim Großbauern für 5,00 DM pro Tag und Verpflegung arbeiten wollen.

Wegen mangelhafter Arbeitsorganisation sind in der LPG Prislich, [Bezirk] Schwerin, große Mengen Kartoffeln verfault. Sie waren nass eingelagert worden. Weiterhin sind ca. 100 t Hackfrüchte angefroren.

Unter den Mitgliedern der LPG Kaakstedt, [Kreis] Templin, [Bezirk] Neubrandenburg, besteht eine große Unzufriedenheit. Eine Ursache hierfür ist, dass ein erheblicher Teil der Futterhackfrüchte erfroren ist, wodurch die Mitglieder für das Vieh in individueller Nutzung kein Futter besitzen.

Ein großer Ersatzteilmangel besteht in der LPG Steinpleis, [Kreis] Werdau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wo zurzeit nur ein Fahrzeug einsatzbereit ist. Es fehlen besonders Getriebewellen, Kurbelwellen und Teile für die Beleuchtung.

Die Schweinepest ist in Beckendorf, [Kreis] Lübz und Rohlsdorf, [Kreis] Perleberg, [Bezirk] Schwerin, ausgebrochen, wo 115 Schweine befallen sind. Bei dem ÖLB Rohlsdorf sind es allein 105 Tiere.

In Groß-Röhrsdorf, [Bezirk] Dresden, sind acht Ferkel an der Schweinepest verendet.

Trotz der Ausführungen des Genossen Walter Ulbricht12 auf der III. LPG Konferenz13 über die Aufnahme von Großbauern in die LPG14 besteht unter einem großen Teil der Genossenschaftsbauern im Bezirk Frankfurt/Oder Unklarheit darüber. Besonders wird diskutiert, dass ein Großbauer mit einer großen Bodenfläche bei Eintritt in die LPG es nicht mehr nötig habe zu arbeiten, da ihm sein Bodenanteil genügend Einkünfte verschaffen würde. So äußerten sich z. B. Bauern aus Blumberg.

Ebenfalls bestehen immer noch Unklarheiten über die Bezahlung von Krankengeld an die LPG-Bauern, woraus sich teilweise Unzufriedenheit ergibt.

So äußerten z. B. verschiedene LPG-Mitglieder aus Mannhausen, [Kreis] Haldensleben, [Bezirk] Magdeburg, dass sie lieber in der Fabrik arbeiten würden, da die soziale Unterstützung dort besser sei.

Der Sekretär der BPO dieser LPG erklärte: »Wenn das so weitergeht und wir bekommen keine Unterstützung, dann können sie ihren Dreck alleine machen. Die SVK streicht so viel Geld von uns ein, doch wenn wir krank werden, muss unsere Familie verhungern.«

Anlässlich der VdgB-Wahlen wurden im Bezirk Dresden bisher 58 Generalversammlungen von 207 durchgeführt. Die Beteiligung hieran war mangelhaft und liegt bei durchschnittlich 43 %. Bei den bisher gewählten Vorstandsmitgliedern zeigt sich, dass die DBD (17,3 %) ca. 5 % Vorstandsmitglieder mehr erhalten hat als im Vorjahr und zwar auf Kosten der SED (20,7 %). Am meisten sind Parteilose vertreten (53,2 %). Von den Parteilosen sind ca. 80 % ehemalige Mitglieder der NSDAP oder deren Gliederungen.

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