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Zur Beurteilung der Situation in der DDR

12. August 1955
Informationsdienst Nr. 2475 zur Beurteilung der Situation in der DDR

Zur Lage in Industrie und Verkehr

Im Vergleich zur letzten Berichtsperiode zeigt sich kein größeres Interesse der Werktätigen der Industrie- und Verkehrsbetriebe gegenüber politischen aktuellen Problemen. Es diskutieren darüber vorwiegend nur fortschrittliche Kräfte, demzufolge sind die meisten Stellungnahmen positiv. Im Allgemeinen beschäftigen sie sich in den Diskussionen mit dem Ergebnis der Genfer Konferenz,1 mit der Entspannung der internationalen Lage sowie mit Problemen, die damit im Zusammenhang stehen, wie z. B. die Atom-Konferenz in Genf,2 die Einladung führender sowjetischen Staatsmänner nach England3 sowie die Reise Adenauers4 nach Moskau.5

Übereinstimmend spricht aus diesen Äußerungen der Wunsch nach weiterer Verständigung der Großmächte im Interesse der Erhaltung des Friedens.

In den nur im geringen Maße bekannt gewordenen negativen Stimmen zu diesen Problemen spricht meist eine Befürchtung der westlichen Politik, was zum Teil auf eine Beeinflussung der Westpropaganda zurückzuführen ist und in einer Hetze gegen die DDR und SU gipfelt.

Größtenteils argumentieren sie mit freien Wahlen,6 dass »die DDR dabei nichts zu bestellen« habe und mit der Oder-Neiße-Grenze, dass bei der Herstellung der Einheit Deutschlands »die Grenzfrage geregelt werden« müsste. Auch wird erklärt, dass »Adenauer bestimmt in Moskau die Gefangenenfrage7 regeln wird«.

So sagte z. B. ein Arbeiter von der Bau-Union Rostock: »Der Russe wird bald Farbe bekennen und freie Wahlen zulassen müssen. Wenn es zu freien Wahlen kommt, kann der Russe gehen.«

Ein Arbeiter aus dem VEB Garn- und Strumpfveredlungswerk Oberlungwitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt: »Die kommenden freien Wahlen werden Wahlen nach westlichem Muster sein. Die CDU wird die Mehrheit bekommen, da die SED durch ihre Politik ausgespielt und das Vertrauen der Bevölkerung verloren hat.«

Ein Angestellter von der Schiffsreparaturenwerft Stralsund, [Bezirk] Rostock: »Adenauer wird sich bei freien Wahlen niemals von der kleinen DDR schlucken lassen. Eher ist anzunehmen, dass es umgedreht wird. Außerdem lehnt der Westen freie Wahlen nach unserem Muster ab.«

Ein Reparaturschlosser vom VEB Wälzlager Fraureuth, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt: »Bei der Wiedervereinigung ist die Oder-Neiße-Grenze nicht mehr bindend. Ostpreußen und Schlesien gehören doch auch zu Deutschland, und wir wollen doch wieder in unsere Heimat.«

Ein Arbeiter aus dem VEB Wurzener Teppichfabrik Leipzig: »Wenn Adenauer nach Moskau fährt, wird er bestimmt in erster Linie die Frage der Kriegsgefangenen klären. Auf etwas anderes wird er sich gar nicht einlassen.«

Eine Arbeiterin aus dem VEB Elektrotechnik Eisenach, [Bezirk] Erfurt: »Adenauer wird in Moskau einiges verlangen, wie z. B. die Regelung der Gefangenen. Die im Westen haben satt zu essen. Bei uns gibt es noch nicht mal richtige Margarine so wie früher. Und wo bleiben die niedrigen Preise? Erst Preissenkung und dann so nach und nach wieder Erhöhungen, so etwas geht nicht gut aus.8 Die hier können die Bevölkerung nur hinter sich bekommen, wenn es genügend zu kaufen gibt. Wenn wir nicht genug haben, sollen sie uns Ostpreußen und Schlesien wiedergeben.«

In zunehmendem Maße werden jetzt Gespräche über die wirtschaftliche und politische Entwicklung in der DDR, insbesondere über die Versorgungslage sowie über betriebliche Mängel und Schwierigkeiten, die immer wieder in unseren VE-Betrieben eine Rolle spielen, geführt.

Dabei zeigt sich vielfach eine starke Unzufriedenheit und es wird immer wieder darauf verwiesen, dass für 1955 ein nie gekannter Wohlstand versprochen worden sei.9 Auch werden dabei Vergleiche mit den Verhältnissen in Westdeutschland bzw. Westberlin gezogen, die in den meisten Fällen zuungunsten der DDR ausfallen. Größtenteils verlaufen die Diskussionen über diese angeführten Probleme negativ.

So z. B. sagte der technische Leiter, SED, der Ziegeleiwerke Ducherow, [Bezirk] Neubrandenburg: »Jetzt gibt es nach zehn Jahren Kriegsende nicht mal die Zigaretten, die man haben will, und so sieht es auch mit anderen Dingen aus. Lärm wird über alles genug gemacht, aber vorhanden ist nichts.«

Der BGL-Vorsitzende des gleichen Werkes: »Versprechungen sind schon genug von der Partei und Regierung gemacht worden. Angefangen vom neuen Kurs,10 der jetzt wieder eingeschlafen ist.«

Ein Arbeiter aus dem VEB Neuhaus-Schierschwitz, [Bezirk] Suhl: »Wir haben die Arbeitsproduktivität laufend gesteigert und wo bleibt der Aufschwung in der Ernährungslage? Wenn man in unsere HO-Verkaufsstellen11 geht und etwas kaufen will, wird immer wieder gesagt, wir haben nichts. Das fängt bei den Süßigkeiten an und hört beim Gemüse auf.«

Eine Arbeiterin aus dem VEB Fischverarbeitungsbetrieb Barth, [Bezirk] Rostock: »Es sind schon zehn Jahre nach Kriegsende und es wird immer schlechter. In den Jahren 1945 bis 1950 konnte man das verstehen, aber heute nicht mehr.«

Ein Angestellter vom VEB Tiefbau Berlin: »In Westberlin kann ein Arbeitsloser so leben wie bei uns ein Beschäftigter mit einem Monatsgehalt von DM 400. Darüber hinaus ist es so, dass bei uns verschiedene Waren überhaupt nicht zu bekommen sind. So z. B. Rindfleisch oder Zucker,12 während es drüben alles zu kaufen gibt.«

Ein Transportarbeiter aus den Leuna-Werken, der seinen Urlaub in Westdeutschland verbrachte, äußerte: »Drüben leben die Menschen besser und billiger als bei uns. Ich habe mit Arbeitern gesprochen, die zwar unsere Errungenschaften anerkennen, aber mit dem System in der DDR nicht einverstanden sind.«

Ein Arbeiter, SED, aus der Schuhfabrik Storkow, [Bezirk] Frankfurt/Oder: »Wenn man im Westen das entsprechende Alter erreicht hat, wird man entlassen und erhält eine Rente vom Betrieb und eine vom Staat. So sorgt man dort für den Arbeiter. Bei uns bekommt man nur die SVK-Rente und das ist alles.«

Ein Arbeiter aus dem VEB Reifenwerk Fürstenwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder: »In Westdeutschland steht man kurz vor der Einführung der 40-Stundenwoche.13 Der Verdienst bleibt dabei derselbe. Da Westdeutschland ein kapitalistisches Land ist und so etwas einführt, müsste das bei uns in der DDR erst recht möglich sein.«

Bei den auftretenden Mängeln und Schwierigkeiten in der Industrie, wie z. B. Auftragsmangel, hohe Ausschussquoten, Material schlechter Qualität, Absatzschwierigkeiten, spielt vor allem immer wieder die Materialfrage eine Rolle. Die Ursachen liegen meist in verzögerten Importlieferungen sowie in unregelmäßigen Lieferungen der Zubringerbetriebe.

Die Auswirkungen liegen vielfach in Nichterfüllung der Produktionspläne, was u. a. auf die Schwerpunktbetriebe Magdeburg zutrifft, und zum anderen wirkt es sich negativ auf die Stimmung der Beschäftigten aus.

Zum Beispiel sind die Arbeiter des Eisenhüttenwerkes Thale, [Bezirk] Halle, über die vorhandenen Materialschwierigkeiten missgestimmt. Aus dem Grunde ging in der Abt. Stanzwerk nicht ein Arbeiter Verpflichtungen im W.-Pieck-Aufgebot14 ein. Sie begründeten ihre Haltung damit, dass es keinen Zweck habe, Verpflichtungen einzugehen, da sie wegen der schlechten Materialversorgung sowieso nicht realisiert werden könnten.

In nachstehenden Betrieben fehlt es an:

  • Karl-Liebknecht-Werk Magdeburg15 (Stahlrohre und Kurbelwellen – Import);

  • E.-T.-Werk Magdeburg16 (konnten eine Reihe Aufträge aufgrund des Fehlens dazu benötigter Teile nicht realisiert werden);

  • Karl-Marx-Werk Magdeburg17 (Federbandstahl – Import- und Stahlrohre);

  • Georg-Dimitroff-Werk18 (Kugellager und Kobaltstahl);

  • VEB Simson-Werk Suhl Kugellager, Nadellager und Felgen);

  • VEB Zellstoff Trebsen, [Bezirk] Leipzig (Hacker-Messer Import) und

  • VEB Bekleidungswerk19 (Popelinestoff).20

VEB Stahlwerk Silbitz, [Bezirk] Gera, ist unter den Beschäftigten keine gute Stimmung zu verzeichnen, was auf die ungenügende Auftragsverteilung zurückzuführen ist.

Zurzeit sind die Arbeiter nur bis zu 60 % mit Arbeit ausgelastet, was zur Folge hat, dass sie bedeutend weniger verdienen.

Der Werkleiter erklärte, dass alle Möglichkeiten erschöpft sind, um Aufträge für den Betrieb hereinzubekommen.

Von feindlichen Elementen werden Diskussionen geführt wie z. B. »unser Betrieb wird im III. Quartal auf Rüstungsproduktion umgestellt«.

Ähnlich ist es auch im Stahlwerk Gröditz, [Bezirk] Dresden. Zum Beispiel in der Abt. Großschmiede besteht eine schlechte Stimmung, die in der geringen Auftragslage begründet liegt.

Ein Obermeister erklärte, dass für die 6 000 t Presse nur noch für 20 Tage Arbeit vorliegt und auch für die anderen Pressen und Hämmer die Arbeit sehr knapp wird. Es wird bereits nur noch in zwei Schichten gearbeitet.

Im Kupfer- und Blechwalzenwerk Ilsenburg, [Bezirk] Magdeburg, ist die im vergangenen Jahr fertiggestellte Hochleistungswalzstraße nur mit ca. 60 % kapazitätsmäßig ausgelastet.

Außerdem wird im Walzwerk I des Betriebes mit einer sehr hohen Ausschussquote gearbeitet, da die Brammen eine sehr schlechte Qualität aufweisen (geliefert von den Walzwerken Gröditz und Brandenburg).

Im VEB Eisengießerei Frankenberg, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, beträgt die Ausschussquote 6 % bis 7 %, wogegen nur 4,8 % geplant sind. Dadurch ist die Planerfüllung gefährdet, was sich nachteilig auf die zu beliefernden Betriebe Modul Karl-Marx-Stadt21 und Feinstmaschinenbau Dresden auswirkt.

Im VEB Feintechnik Eisfeld, [Bezirk] Suhl, sind zurzeit Überplanbestände an Rasierklingen (0,08 mm) von 8 Mio. Stück vorhanden. In der Stärke von 0,06 mm lagern ca. 2,6 Mio. Stück, die jedoch bis Ende des Jahres ausgeliefert werden.

Zu bemerken ist noch, dass für erstgenannte Stärke genügend Material vorrätig ist, aber keine Absatzmöglichkeiten vorhanden sind, wogegen für die 0,06 mm laufend Aufträge eingehen, aber das entsprechende Material dazu fehlt.

Besondere Vorkommnisse

Am 9.8.1955, früh 6.00 Uhr war mit den Brigadieren der geologischen Aufarbeitungsabteilung des Wismutobjekts22 9 – Aue – und dem sowjetischen Zechenleiter eine Besprechung zwecks kollektiver Bereinigung auftretender Mängel und Schwierigkeiten in der Planerfüllung angesetzt worden. Dazu erschienen aber alle Mitglieder der 23 Brigaden, sodass an diesem Tag die Arbeit nicht um 6.00 Uhr, sondern erst um 8.00 Uhr aufgenommen wurde.

Am 5.8.1955 ereignete sich im Schachtkombinat Schneckenstein – Auerbach – ein Grubenunglück, und zwar durch Gasvergiftungen. Davon wurden 17 Personen betroffen – einige von der Rettungsmannschaft. Ein Kumpel davon ist verstorben.

Die Ermittlungen ergaben, dass eine Brigade des genannten Schachtes einfuhr und vorher nicht die Bewetterung in Gang gesetzt wurde. Da im Schacht noch Gase vom letzten Schießen vorhanden waren, kam es zu diesem Unglück.

Produktionsstörungen

Am 8.8.1955 ereignete sich im Schacht V des Kaliwerkes »Glückauf« Sondershausen eine schwere Seilbahnstörung, wobei ein Kollege leicht verletzt wurde und ein Kollege seinen Verletzungen erlegen ist. Ursache: Konnte noch nicht restlos geklärt werden. Produktionsausfall: 300 t Rohsalz = DM 3 000.

Am 8.8.1955 explodierte im VEB Isolier- und Kältetechnik Rostock der Pressluftbehälter und flog durchs Dach der Werkhalle, wo er neben dieser landete. Es wurden die Innenwände zerstört sowie Fenster und eine große Fläche des Daches. Der Schaden wurde von der Werkleitung auf eine Summe von ca. 8 000 bis 10 000 DM geschätzt.

Die Ursachen konnten noch nicht ermittelt werden.

Am 8.8.1955 fiel im Kupferwerk Ilsenburg, [Kreis] Wernigerode, [Bezirk] Magdeburg, der Schachtofen 2 durch einen Riss am Schwanenhals, Teil der Kühlanlage, aus. Dieser Riss ist auf die starke Verrostung zurückzuführen und wird als natürlicher Vorgang betrachtet. Die Produktion wurde am 11.8.1955 wieder aufgenommen. Instandsetzungen ca. 2 000 DM. Produktionsausfall: ca. 12 000 DM.

Am 10.8.1955 fiel im VEB Kraftwerk Harbke, [Kreis] Oschersleben, [Bezirk] Magdeburg, die Turbine 9, mit einer Leistung von 30 kW, infolge Generatorenschadens aus. Ursache wurde noch nicht ermittelt. Die Reparatur wird ca. 14 Tage in Anspruch nehmen.

Am 10.8.1955, gegen 17.50 Uhr, fielen im Landesnetz der Stromversorgung durch Störung (vermutlich Überschlag) im VEB Kombinat Böhlen, [Kreis] Borna, [Bezirk] Leipzig, vier Maschinen aus. Dadurch mussten verschiedene Betriebs-Abteilungen die Produktion abdrosseln. Gegen 20.00 Uhr konnten bis auf eine Maschine alle wieder Strom geben. Gesamter Produktionsausfall ist noch nicht bekannt.

Am 10.8.1955, in der Zeit von 17.53 Uhr bis 18.45 Uhr, waren die Arbeitsgebiete Aue, Auerbach, Oberschlema, Johanngeorgenstadt und Zwickau ohne Strom. Nach Mitteilung des Umspannwerkes Silberstraße [in] Zwickau lag die Ursache im Werk Böhlen.

Im VEB Braunkohlewerk Neukirchen [Kreis] Borna, entstand am 8.8.1955 durch Strommangel der Zubringer-Betriebe VEB Deutzen23 und Regis24 ein Produktionsausfall von 7 800 cbm Abraum = 7 800 DM.

Durch Achsenbruch eines Kohlenwagens entstand im VEB Thräna25 ein Produktionsausfall von 900 t Rohkohle = 2 700 DM.

Am 11.8.1955, gegen 14.15 Uhr, entgleiste auf dem Bahnhof Hainsberg, [Kreis] Freital, ein Schwerlastzug, welcher von Karl-Marx-Stadt kam und mit Erz der Wismut AG beladen war. Die Ladung betrug ca. 750 t. Der Zug war bespannt mit einer 44 Lok.

Ungefähr acht Meter hinter der Weiche kam die Lok auf bisher ungeklärte Weise zur Entgleisung und wurde bis zum ca. acht Meter danebenliegenden Gleis abgedrückt, sodass auch dort der Güterverkehr eingestellt werden musste. Sämtlicher Güterverkehr konnte wieder aufgenommen werden, da derselbe über den Personenzugstrang geleitet wurde. An der Lok entstand erheblicher Schaden. Menschenopfer waren nicht zu verzeichnen.

Infolge Rohrreißer am Kessel 2 musste die VE Papier- und Zellstoff-Fabrik Merseburg, [Bezirk] Halle, am 10.8.1955 ihre Produktion einstellen. Produktionsausfall: ca. 32 Papier und 8 t Zellstoff.

Im Werk »Freiheit«26 Kreis Bitterfeld trat in der Brikettfabrik II eine Betriebsstörung ein. Die ganze Fabrik musste angehalten werden, da ein Regler eingebaut wurde.

Außerdem war die Stadt Bitterfeld von 8.00 bis 9.00 wegen einer Störung ohne Strom.

Am 7.8.1955 musste die Brikettfabrik Neukirchen, [Kreis] Borna, außer Betrieb genommen werden. Ursache: Feuer im Schlot. Produktionsausfall: 150 t Brikett = 2 250 DM.

Im VEB Borna27 verursachte ein Weichensteller einen Zusammenstoß an der Weiche 94 durch falsche Weichenstellung. Materialschaden: ca. 2 500 DM. Produktionsausfall: ca. 2 100 DM.

In der Zeit von 7.8. bis 9.8.1955 musste der Bagger 367 im VEB Tagebau Haselbach, [Kreis] Altenburg, wegen Schadens an der Hauptkuppelung außer Betrieb genommen werden. Produktionsausfall: 3 500 cbm Abraum = 5 000 DM.

In der mechanischen Werkstatt der Kariere28 »4. Parteitag« – Gera – wurde von Sonntag zu Montag ein Motor an der Bohrmaschine vollkommen abmontiert. Die Halteschraube wurde gelöst, Kabel zerschnitten. Zu weiteren Beschädigungen ist der Täter nicht gekommen, da er wahrscheinlich gestört wurde.

In den Vereinigten Grobgarnwerken Kirschau, [Kreis] Bautzen, [Bezirk] Dresden, wurde am 19.7.1955 festgestellt, dass bei fünf lagernden Exportballen im Werk I die Nähte mit einem Messer aufgeschnitten waren, sodass jeder Ballen eine Öffnung von 20 cm aufwies. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden.

Am 8.8.1955, gegen 20.00 Uhr, wurde im Kranbau Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, von einem Montagearbeiter eine Hetzschrift gefunden, die an einer Kiste mit Draht festgebunden war.

Am 9.8.1955 stellte der Oberkollektor von Revier 10 des Schachtes X 31 – Johanngeorgenstadt – in der ersten Schicht fest, dass auf der 140er-Sohle ein Hakenkreuz ungefähr 80 cm groß geritzt worden war.

In einigen Toiletten des VEB TSG Waltershausen, Kreis Gotha, wurden am 6.8.1955 Schmierereien wie »Nieder mit den Kommunisten«, Hakenkreuz usw. angebracht.

Im VEB Zeiss Jena wurde in einem Treppenhaus eine Schmiererei mit folgendem Inhalt entdeckt: »Händchen falten, Köpfchen senken und an Stalin29 denken, und den 17. Juni30 nicht vergessen.«

Der Betrieb VEB Parchim und die Bau-Union Ludwigslust erhielten am 4.8.1955 gefälschte Schreiben. Als Absender dieses Schreibens zeichnet »der Bevollmächtigte der Zentralen Kommission für staatliche Kontrolle31 im Bezirk Schwerin, Schlossstraße 6–8.«

Der Inhalt dieses Schreibens ist Folgender: »Es würde im Betrieb eine ungerechtfertigte Lohnauszahlung erfolgen und sie werden aufgefordert, mit dem Lohnbuchhalter und dessen Vertreter mit einer der letzten Lohnliste vorzusprechen, um eine Überprüfung vorzunehmen.« Unterschrift: gez. Grünwald.32

Im VEB Industrie-Armaturen und Apparatebau Leipzig wurde das Gerücht verbreitet: »Es ist schlecht, dass die Partei den Genossen nicht die Wahrheit sagt, weshalb die Werbung zur KVP unterbrochen wird.33 Es ist nur deshalb, weil Bulganin34 angeordnet hat, dass zurzeit in dieser Frage kurzgetreten werden muss, da über den Frieden verhandelt wird. Die SU müsste ja auch einmal Zugeständnisse machen.«

Aufgrund der Tatsache, dass in ungenügendem Maße der Bevölkerung bekannt ist, dass sich der Genosse W. Ulbricht35 im Urlaub befindet, und er vor allem bei dem Empfang der sowjetischen Regierungs-Delegation36 nicht zugegen war, werden im zunehmenden Maße die unsinnigsten Gerüchte über seinen Verbleib im Umlauf gebracht.

Diese Gerüchte beinhalten u. a.: »W. Ulbricht ist nach Stockholm«, oder auch »in die Schweiz abgehauen«; »Er hat Redeverbot«; »Er ist verhaftet worden«.

Oder ein Arbeiter von der Bau-Union: »Ulbricht soll magenkrank sein und in Buch im Krankenhaus liegen. Aber ich denke, es ist eine politische Krankheit.«

Eine Arbeiterin aus Leipzig sagte: »W. Ulbricht ist zurzeit in Russland, aber nicht im Urlaub, sondern er erhält neue Anweisung. Er soll in einer Sache zu scharf vorgegangen sein. Das hat der Londoner Rundfunk37 gebracht.«

Ein LPG-Mitglied aus Bad Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder: »Ulbricht ist ja jetzt auch weg. Ich habe dies im NWDR38 gehört.«

Versorgung der Bevölkerung

Die Versorgungslage hat sich gegenüber dem Vortage nicht wesentlich verändert. Nach wie vor bildet die mangelnde Kartoffelversorgung den Schwerpunkt bei den Versorgungsschwierigkeiten.

Dieser Mangel löst hauptsächlich unter den Hausfrauen negative Diskussionen gegenüber unseren Handelsorganen und gegenüber unserer Regierung aus. Dabei wird immer wieder zum Ausdruck gebracht, dass man es nicht verstehen könne, dass zehn Jahre nach Kriegsende solche Schwierigkeiten auftraten, »ob dies der nie gekannte Wohlstand sei«.39

Viele Hausfrauen diskutieren auch in der Form, dass sie sagten, die Handelsorgane verstehen nicht die Waren richtig zu verteilen. Andere wieder bringen zum Ausdruck, dass alles in die Ferienlager und Erholungsheime geschafft würde und für die Bevölkerung nichts da wäre.

Verschiedentlich werden Vergleiche gezogen mit Westdeutschland und Westberlin und man sagt, dass es in Westberlin und Westdeutschland schon eine ganze Reihe Frühkartoffeln gäbe, nur in der DDR wäre dies nicht der Fall. Im Zusammenhang damit fordert man, dass uns die SU Frühkartoffeln schicken soll, damit würden sie ihre Freundschaft beweisen.

Feindliche Elemente nutzen diese Diskussionen zur Hetze gegen unsere Regierung aus.

So äußerte z. B. ein Rentner aus Berlin-Prenzlauer Berg: »Die Kartoffelversorgung in diesem Jahr hat gezeigt, dass die Regierung der DDR nicht in der Lage ist, ordnungsgemäß die Staatsgeschäfte zu führen. In Westdeutschland und in Westberlin sind Kartoffeln in genügender Menge vorhanden. In den Zeitungen wurde von einer guten Ernte in diesem Jahr geschrieben. Aber auf der anderen Seite erhält die Bevölkerung nicht die notwendigen Lebensmittel.«

In einer Gaststätte in Berlin-Prenzlauer-Berg schimpfte ein Gast über die Kartoffelversorgung. »Die Kartoffeln sacken sich die Bonzen oben ein und fressen, dass sie jeden Tag fetter werden und unsereins, der Arbeiter, hat keine Kartoffeln … Machen große Reklame, dass nach dem 5-Jahresplan40 wir leben würden wie nie zu vor. Die haben ja keine Ahnung vom Wirtschaften. Mögen uns drüben Kartoffeln kaufen lassen, das lassen sie aber nicht zu, da das für sie eine Blöße wäre.« Die anwesenden acht Gäste stimmten diesem zu.

Zwei unbekannte Männer erschienen am 8.8.1955 im Gebäude der Kreisleitung der SED Weißensee und beschimpften den Pförtner, dass es keine Kartoffeln gibt und richteten an diesen die Forderung, dass die Partei dafür sorgen soll, endlich Kartoffeln herbeizuschaffen. Nachdem sie den Pförtner tätlich angegriffen hatten, flüchteten sie.

Westdeutsche Besucher, die zurzeit in der DDR weilen, äußern sich ebenfalls negativ zur Kartoffelversorgung, wobei von einigen Personen zum Ausdruck gebracht wird, dass sie wieder abreisen, da sie in der DDR verhungern müssten.

Eine Frau aus Westdeutschland, die in Harzgerode, [Bezirk] Halle, zu Besuch weilte, und ebenfalls Kartoffeln einkaufen wollte, äußerte: »Schon einige Tage sind wir ohne Kartoffeln. Wir werden wieder abreisen, da wir im Gebiet der DDR hungern müssen.«

Eine andere Frau aus Westdeutschland, die in Lobenstein bei ihren Verwandten zu Besuch weilte, sagte: »Jetzt glaube ich bald das, was unsere Zeitung im Westen über euch hier schreibt.«

Oft kommt es vor den Geschäften, die Kartoffeln haben, zu Menschenansammlungen. Dabei gibt es auch Beispiele, wo es zu tätlichen Auseinandersetzungen kommt.

So war z. B. in Wriezen, [Kreis] Bad Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, zu verzeichnen, dass riesige Menschenschlangen vor den Läden standen, wo Kartoffeln verkauft wurden. Hier kam es beinah zu tätlichen Auseinandersetzungen unter den anstehenden Hausfrauen. In Bad Freienwalde war es ähnlich.

Am Sonnabend, den 6.8.1955, kam es z. B. auf dem Bauernmarkt in Potsdam-Babelsberg, Weberplatz, zu unliebsamen Auseinandersetzungen. Die Käufer protestierten energisch gegen die Preise der Frühkartoffeln, gegen schlechte Organisation und wurden untereinander und gegenüber den Verkäufern handgreiflich. Man drohte die Wagen umzukippen. Zu ähnlichen Gegebenheiten kam es am 8.8.1955 in Zehdenick, [Kreis] Gransee, [Bezirk] Potsdam.

Über den Beschluss des Ministerrates der DDR, das Brotgetreide nur noch zu 75 % auszumahlen, wird bis jetzt noch wenig diskutiert.41 Die bekannt gewordenen Stimmen sind fast ausschließlich positiv. Dabei bringt man zum Ausdruck, dass das jetzige Brot schlecht schmeckt42 und man deshalb erfreut sei, dass das Brot wieder besser wird.

So äußerte z. B. eine Rentnerin aus Flöha, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt: »Ich freue mich sehr darüber, dass eine bessere Ausmahlung des Getreides vorgenommen wird. Das jetzige Brot klebt einem ja am Gaumen und schmeckt wie Stroh. Man findet gar nicht einen richtigen Geschmack an diesem Brot.«

Einige Angestellte der Konsum-Bäckerei43 Saalfeld, [Bezirk] Gera, diskutierten in der Form, ob der Beschluss nicht voreilig gefasst worden sei, da es aufgrund der anhaltenden Regenperiode noch gar nicht feststehe, ob die Ernte gut wird.

Ein Bäcker sagte: »Dieser Beschluss für besseres Brot wäre nach der Ernte besser gewesen. Da erst nach der Ablieferung die Übersicht vorhanden ist, ob man das Brot in alter Qualität wieder einführen kann.«

Am 6.8.1955 wurde die Produktionsbäckerei Augustusburg, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, mit acht Fässern Quark vom Großhandelskontor44 Karl-Marx-Stadt beliefert. In dem Quark befanden sich Glasscherben. Das Hygiene-Amt hat verboten diesen Quark zu verarbeiten oder an Tiere zu verfüttern. Dadurch gingen der Bevölkerung 612 kg Quark verloren. Schaden: DM 1 500.

Die Lage in der Landwirtschaft

Die politischen Diskussionen sind durch die Ernte in den Hintergrund getreten.

Nur vereinzelt wird zum Ergebnis der Genfer Konferenz Stellung genommen. Neue Argumente sind jedoch nicht aufgetreten.

Die gesamte Landbevölkerung ist jetzt damit beschäftigt, die Ernte verlustlos einzubringen und ihr Getreidesoll bis zum Tag der demokratischen Bodenreform45 zu erfüllen.46

In verschiedenen Kreisen ist die Roggenernte bereits 100%ig eingebracht.

So z. B. im Kreis Perleberg, [Bezirk] Schwerin.

Im Kreis Bad Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, haben sämtliche LPG das Ölfruchtsoll 100%ig erfüllt.

Im Bezirk Leipzig sind jedoch aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse einige Schwierigkeiten entstanden. So z. B. im Kreis Wurzen, wo keine Mähdrescher eingesetzt werden konnten, weil der Boden zu nass war.

Verschiedentlich wird von den Bauern Klage geführt, dass die VEAB das Getreide mit zu hohem Feuchtigkeitsgehalt nicht abnimmt, was sich so auswirkt, dass die Bauern ablehnen, das Getreide mit dem Mähdrescher zu ernten.

So ist z. B. im Kreis Ludwigslust, [Bezirk] Schwerin, zu verzeichnen, dass man sich weigert, dass der Mähdrescher eingesetzt wird.

Es gibt jedoch auch Gemeinden, wo sich die VEG nur auf den Mähdrescher verlassen und demzufolge nicht mit der Ernte beginnen, solange der Mähdrescher nicht kommt.

So ist es vorgekommen, dass bis vor wenigen Tagen auf dem VEG Paulshof, Kreis Bad Freienwalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, noch nicht mit der Getreidemahd begonnen worden war, weil man auf den Einsatz eines Mähdreschers wartete. Erst auf Anweisung der VEG Frankfurt/Oder wurde sofort mit der Mahd begonnen.

In der Gemeinde Altreetz, Kreis Bad Freienwalde, verfügen mehrere Bauern über Dreschkästen. Sie warten aber auf die Mähdrescher. Dadurch ist gleichfalls in der Stoppelrodung und in der Zwischenfruchtaussaat Verzögerung eingetreten.

Teilweise werden die Bauern über die Arbeit der MTS verärgert, da diese nicht die festgesetzten Termine einhalten.

So ist z. B. in Hilbersdorf und Arnsdorf, [Kreis] Görlitz, [Bezirk] Dresden, zu verzeichnen, dass die Erntearbeiten in diesen Gemeinden noch sehr im Rückstand sind, weil der MTS-Stützpunkt Melaune die gestellten Termine nicht einhielt und bei den geringsten technischen Maschinenschäden die Arbeit aufgegeben werden musste, weil das notwendige Werkzeug nicht vorhanden war.

Der teilweise auftretende Ersatzteilmangel wirkt sich ebenfalls hindernd auf die rasche Einbringung der Ernte aus.

Im Bezirk Frankfurt[/Oder] fehlen Ersatzteile für den Mähdrescher aus Weimar.47

Im Kreis Strausberg, [Bezirk] Frankfurt/Oder, fehlt es an Messerköpfen für die Binder sowie an Bindertuchnieten.

In dem Ortsteil Jagetzow der Gemeinde Völschow, Kreis Demmin, [Bezirk] Neubrandenburg, wurde das Gerücht verbreitet, dass im nächsten Jahr 1956 die Zwischengruppe in der Differenzierung zwei bis fünf ha und zehn bis 15 ha wegfallen und das Soll erhöht wird.

Wie erst jetzt bekannt wurde, versuchten unbekannte Täter am 1.8.1955 im Pferdestall des VEG Großbeuthen, [Kreis] Zossen, [Bezirk] Potsdam, ein Feuer zu entfachen. Außerdem wurde die Wasserpumpe aus dem Stall entwendet. Durch zwei Lehrlinge wurde das Feuer sofort bemerkt, sodass kein Schaden entstand.

In der Nacht zum 8.8.1955 wurde im Netz von einem Mähbinder der MTS Nedlitz, [Bezirk] Potsdam, ein Rad entwendet. Der Mähbinder stand unbewacht auf dem Felde.

Am 6.8.1955 wurde bei einem Mittelbauern der Gemeinde Weidenhain, [Kreis] Torgau, [Bezirk] Leipzig, von unbekannten Tätern der Binder beschädigt, welcher auf dem Felde stand. Das Bindertuch wurde zerschnitten, die Nieten vom Transportband abgekniffen und das Transportband mit Stacheldraht umwickelt.

In der Nacht vom 8.8. zum 9.8.1955 wurde bei einem Großbauer48 aus Großzschepa, [Kreis] Wurzen, von unbekannten Tätern aus der Flügelmaschine die Kurbelwelle ausgebaut. Zu bemerken ist, dass der Großbauer vom 8.8.1955 Mitglied der LPG wurde.

An einem Traktor XS-62 von der MTS Zschackwitz, [Kreis] Döbeln, [Bezirk] Leipzig, wurde ein Diversionsakt durchgeführt. Dieser Traktor befand sich in Reparatur, die vom Parteisekretär und einem Traktoristen durchgeführt wurde. Nach Beendigung der Reparatur wurde eine Probefahrt durchgeführt, wobei das Getriebe blockierte. Untersuchungen ergaben, dass sich im Getriebe eine Zange befand.

In einem Traktor der MTS Reichstädt vom Typ Brockenhexe49 wurde am 10.8.1955, gegen 8.00 Uhr, Sand in der Ölwanne und im Sieb des Ölfilters vorgefunden. Dieser Traktor wurde am Tage vorher in der Werkstatt der MTS gesäubert, wo die Ölwanne und das Sieb des Ölfilters gleichzeitig gereinigt wurden.

Ereignisse von besonderer Bedeutung

Im Kreis-Gebiet Naumburg, [Bezirk] Halle, sind insgesamt 24 Personen an spinaler Kinderlähmung erkrankt.

In den Gemeinden Wetzendorf, Hirschroda und Laucha, Kreis Nebra, [Bezirk] Halle, je ein Fall. Es handelt sich um Kinder von drei bis sechs Jahren.

Ein weiterer Fall (ein Bäckermeister) ist in Eisleben aufgetreten.

In Heukewalde, [Kreis] Zeitz, [Bezirk] Halle, und in Gattersleben, [Bezirk] Halle, erkrankten je eine Person an Typhus.

In acht Gemeinden des Kreises Bautzen wurde der Ausbruch von Kinderlähmung festgestellt.

Vom zentralen Hygieneinstitut wurde am 8.8.1955 angeordnet, dass die Pioniere dieser Gemeinden nicht am II. Pioniertreffen in Dresden50 teilnehmen dürfen.

In dem Betriebs-Ferienlager Diedorf/Rhön des VEB Feinprüf Schmalkalden, [Bezirk] Suhl, erkrankten sieben Kinder an Typhus.

Im Kreisgebiet Wernigerode, [Bezirk] Magdeburg, sind acht Fälle Typhus und ein Fall Kinderlähmung zu verzeichnen. Es handelt sich dabei um sieben Kinder und zwei Erwachsene.

Am 12.8.1955 ist bei Friesack, Kreis Nauen, [Bezirk] Potsdam, ein schwedisches Flugzeug mit einem Mann Besatzung notgelandet. Ursache: Kompassschaden.

Einschätzung der Situation

Die Unzufriedenheit über die ungenügende Versorgung der Bevölkerung tritt in den letzten Tagen noch stärker in Erscheinung als vordem. Sonst zeigen sich keine wesentlichen Veränderungen in der Lage.

Anlage 1 vom 10. August 1955 zum Informationsdienst Nr. 2475

Auswertung der Westsendungen

RIAS51 wandte sich in einer Sendung »Werktag der Zone«52 vom 8.8.1955 an die Eisenbahner der DDR und teilte mit, dass in der Bundesrepublik sämtliche Prüfungen, die auf dem Gebiet der Reichsbahn der DDR abgelegt worden sind, anerkannt würden.

Damit soll erreicht werden, Eisenbahner aller Berufsgruppen nach Westdeutschland abzuziehen.

Wörtlich heißt es: »Der Personalausschuss der Deutschen Bundesbahn hat beschlossen, alle bis zum 31.12.1949 bei der Sowjetzonen-Eisenbahn abgelegten Prüfungen für die Laufbahnen des einfachen, des mittleren und des gehobenen technischen Dienstes anzuerkennen. Das Gleiche gilt für die Prüfungen des einfachen- und mittleren nicht-technischen Dienstes. Am 19.7.1955 wurde außerdem von der Hauptverwaltung der deutschen Bundesbahn beschlossen, die sogenannte A- und B-Feststeller-Prüfung anzuerkennen.«53

Weitere Auskünfte würde das Eisenbahnerreferat beim Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen54 in Berlin-Zehlendorf/West Limastraße55 29, Telefon-Nummer 843061 erteilen.

Des Weiteren nimmt RIAS Bezug auf den angeblichen »katastrophalen Materialmangel«, besonders an Bremsklötzen und Bremssohlen.

Er fordert das Lokomotiv-Personal auf, ein einwandfreies Material zu verlangen, da die »sowjetzonale Eisenbahn jetzt angeordnet hat, dass alle Bremsklötze von den Lokomotivwracks nicht deutscher Bauart des Schadparks abgebaut und so an die deutschen Loks des Betriebsparks angebaut werden sollen, was eine erhöhte Gefahrenquelle bedeuten würde«.

Um die Bauern gegen die Beschlüsse unserer Partei zur verlustlosen Einbringung der Ernte und planmäßigen Ablieferung sowie gegen die Anwendung von Neuerermethoden,56 insbesondere vom Zwischenfruchtanbau, aufzuhetzen, heißt es in einer Sendung des RIAS, dass es unmöglich sei, in einem Arbeitsgang zu ernten, zu dreschen, abzuliefern und den Zwischenfruchtanbau zu bestellen, »da dies nur zu Misserfolgen führt«.

Dazu heißt es: »Die SED aber schert sich wenig um Tradition und Berufserfahrung der Landbevölkerung, setzt sich über alle Bedenken hinweg und diktiert ohne Rücksicht auf Verluste einen unnatürlichen Arbeitsrhythmus.«

Um die Bauern zur Sabotage der Getreideablieferung zu verleiten, heißt es am Schluss der Sendung: »Noch etwas hat sich die SED ausgedacht, Frühdruschprämien und Ehrenurkunden sollen die fleißigsten honorieren und das drohende Fiasko abwenden.« …» Hält der Bauer das Getreide zurück, um es zu verfüttern, dann vermag er am Jahresende nicht nur sein Getreidemanko mittels erhöhter Fleischablieferung auszugleichen, dann ist ihm sogar ein höheres Aufgeld als jene Frühdruschprämie beschieden.«

Anlage 2 vom 11. August 1955 zum Informationsdienst Nr. 2475

Fragen der Intelligenz

Am 28.7.1955 fand im Sachsenwerk Radeberg, [Bezirk] Dresden, eine Begrüßung von 24 Praktikanten durch einen Genossen der FDJ und einen Genossen der Arbeitsdirektion statt.

Dabei bezeichnete der letztgenannte die Intelligenzler der Entwicklungsabteilung als »alte Knochen« und »als reaktionär«.

Im gleichen Zeitraum wurde in der AGL VIII vom AG-Leiter in einer Sitzung geäußert, dass »man unsere Ingenieure einsperren müsste und sie durch fortschrittliche Ingenieure aus Österreich ersetzen soll«.

Diese Äußerungen wurden den Ingenieuren der Entwicklungsabteilung bekannt und sie waren so empört darüber, dass neun Intelligenzler ein Protestschreiben an den Leiter der HV RFT richteten mit gleichzeitiger Androhung der vorfristigen Kündigung ihrer Einzelverträge.57 Die übrigen Intelligenzler der genannten Abteilung behalten sich vor, ihr Arbeitsverhältnis zu lösen.

Am 5.8.1955 wurde von der Werkleitung eine Besprechung angesetzt, an der die BPO, BGL, der Genosse von der Arbeitsdirektion, sechs Praktikanten und fünf Unterzeichner des Protestschreibens teilnahmen.

Bei dieser Aussprache wurde festgestellt, dass diese Äußerungen tatsächlich gemacht worden sind – jedoch handelt es sich nicht um eine bewusste Provokation – und dass sich die BPO und BGL von der Haltung der oben erwähnten Genossen distanzierte.

Dies nahmen die Intelligenzler befriedigend auf. Auch wurde festgelegt, am 12.8.1955 nochmals eine Besprechung mit allen Beteiligten in der Entwicklungsabteilung durchzuführen, um eine restlose Klarstellung herbeizuführen.

Der Leiter des medizinischen Labors des VEB Transformatoren- und Röntgen-Werkes Dresden lässt es nicht zu, dass die in seiner Abteilung arbeitenden Jung-Ingenieure einen umfassenden Einblick in die Entwicklungsarbeiten erhalten. Des Weiteren behält er die für die Abteilung bestimmte Fachliteratur für sich. Dadurch werden die Jung-Ingenieure nicht zum selbstständigen Arbeiten erzogen und sind auch nicht über den neuesten Stand der Technik informiert.

Aufgrund der schlechten Zusammenarbeit haben sich acht Jung-Ingenieure (80 %) in anderen Betrieben um Arbeit beworben. Durch den Abgang dieser Kollegen wäre dann diese Abteilung fast ohne Nachwuchskräfte.

Unter den Angestellten und Intelligenzlern (IG-Farbenleute)58 des Eilenburger Celluloidwerkes Leipzig besteht über einen am 23.7.1955 in der LVZ (Kreisausgabe) erschienen Artikel59 eine gewisse Empörung, und zwar wurde in dem Artikel, der vom 1. SED-Kreissekretär veröffentlicht wurde, zu den Pensionskassen Troisdorf60/WD Stellung genommen und die Intelligenzler und Angestellten des ehemaligen IG-Farben Konzerns angegriffen, die jetzt noch von dieser Pensionskasse Gelder beziehen. Dies trifft u. a. auch auf einige Intelligenzler des genannten Werkes zu. Sie vertreten die Meinung, dass sie früher das Geld eingezahlt und deshalb jetzt auch einen Anspruch darauf haben. So äußerte z. B. ein Betriebsleiter, parteilos: »Es hat den Anschein, als wollte man uns um unser Geld bringen. Das Geld haben wir eingezahlt, demzufolge haben wir auch Anspruch darauf.«

Der Werkleiter, parteilos: »Durch den Artikel über die Pensionskasse hat sich die Stimmung im Werk nicht verbessert. Es ist die reine Wegtreiberei. In den großen Werken Wolfen61 und Bitterfeld62 kommt so etwas überhaupt nicht vor. Man soll doch ruhig das Geld auszahlen lassen und nichts den Imperialisten schenken.«

Zu bemerken ist noch, dass in diesem Werk in den letzten Tagen mehrere Intelligenzler angeblich wegen Krankheit (Erreichung der Altersgrenze) gekündigt haben.

Außerdem wurde bekannt, dass sich ein Betriebsleiter, Ingenieur, SED, dieses Werkes, der wiederholt wegen des Beitritts in die Kampfgruppe63 angesprochen wurde, nach dem Westen abgesetzt hat.

Dazu äußerte ein Intelligenzler: »Man drückt wahrscheinlich seitens der Partei etwas zu sehr auf die Menschen wegen der Parteiarbeit. Die Menschen fühlen sich nicht frei. Es sind doch nicht alles Agenten die weggehen, und die Partei sollte sich doch einmal Gedanken machen, ob nicht der Fehler auf ihrer Seite liegt.«

Verschiedentlich zeigt es sich, dass Intelligenzler über die Verfügung, dass sich diejenigen, die keine Ingenieur-Abschlussprüfung nachweisen können, einer Prüfung unterziehen müssen, missgestimmt sind.64

So äußerte z. B. ein Nationalpreisträger, der im Konstruktionsbüro im VEB Modul Karl-Marx-Stadt65 beschäftigt ist: »Ich wurde 1945 von einer westdeutschen Konkurrenzfirma in Düsseldorf angesprochen, um dort zu arbeiten. Ich lehnte dieses Angebot als anständiger Mensch ab. Dafür widmete ich meine ganze Kraft dem Gebiet der Verzahnungstechnik, wodurch ich besonders Aufträge für die SU erfüllen half. Jetzt aber, nachdem man etwas geleistet hat und dafür als Nationalpreisträger ausgezeichnet wurde, soll ich mich einer Prüfung unterziehen, um meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Diese Anordnung kann ich nicht verstehen und viele meiner Kollegen auch nicht. Ich befürchte, dass sich dadurch einige nach dem Westen absetzen werden und damit ist unserem Staat nicht gedient.«

Im Konstruktionsbüro der Neptunwerft wird ebenfalls über diese Anordnung ablehnend diskutiert. Unter den Konstrukteuren wird die Meinung vertreten, dass durch diese Verfügung gute Fachleute dem Gegner in die Hände getrieben werden, »denn in Westdeutschland schaut man nicht auf die Ingenieur-Prüfung, sondern auf die Leistung«.

Bemerkenswert dazu ist, dass in letzter Zeit bereits Konstrukteure republikflüchtig geworden sind.

Des Weiteren wurden in letzter Zeit republikflüchtig:

  • der Produktionsleiter, LDP, des Stahlwerkes Gröditz, [Bezirk] Dresden – (Grund unbekannt),

  • der stellvertretende Betriebs-Leiter des Getriebebaus im ET-Werk in Magdeburg – (hat sich um eine Stelle in Westdeutschland wegen angeblich besserer Entwicklungsmöglichkeiten beworben),

  • der Abteilungs-Leiter des biologischen Institutes des VEB Fahlberg Magdeburg66 – (angeblich, weil seine Arbeit nicht anerkannt wurde) und

  • der technische Direktor vom Kaliwerk »Ernst Thälmann« Suhl – (angeblich aus gesundheitlichen Gründen).

Im VEB Kranbau Kreis Eberswalde, [Bezirk] Frankfurt/Oder, setzten sich in der vergangenen Woche sechs Ingenieure nach dem Westen ab. Es handelt sich dabei um einen organisierten Abzug, und zwar hat die DEMAG einen Ingenieur beauftragt, mit Ingenieuren in der DDR in briefliche Verbindung zu treten und sie zu Tagungen, Messeausstellungen usw. einzuladen.

Bei diesen Anlässen wurden sie dann direkt angesprochen und ihnen Verdienstmöglichkeiten bis zu 5 000 Mark monatlich geboten.

Anlage 3 vom 11. August 1955 zum Informationsdienst Nr. 2475

Bericht über die Normenfrage

Über die Normenfrage67 wird größtenteils in den Betrieben bzw. Abteilungen gesprochen, wo Änderungen vorgenommen sowie neue technisch begründete Arbeitsnormen68 eingeführt werden. Vielfach zeigen die Beschäftigten deshalb kein Verständnis dafür, weil es ihnen nur um die Verringerung ihres Verdienstes geht. Tatsächlich kommt es in einzelnen Fällen vor, dass sie nach der Neufestsetzung der Normen bis zu 100 DM monatlich weniger verdienen. In diesen Fällen gibt es dann besonders heftige Diskussionen und Androhungen von Arbeitsniederlegung und Ähnliches, dass dann mitunter die Betriebsleitung wieder nach den alten Normen arbeiten lässt.

So z. B. wurden in der Betonmischerei des Betonwerkes Gerwisch, [Bezirk] Magdeburg, nach Rücksprache mit den Kollegen, die ihr Einverständnis brachte, neue Normen eingeführt. Nachdem 14 Tage danach gearbeitet wurde und die Kollegen weniger als vorher verdienten, forderten sie die Wiedereinführung der alten Norm, dem auch stattgegeben wurde.

Bei der Lohnzahlung am 8.8.1955 im VEB Feinstrumpfwerk Oberlungwitz, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, bekamen Kolleginnen der Abt. Rohrepassiererei aufgrund der Einführung technisch begründeter Normen bis zu 100 DM weniger Lohn ausgezahlt. Ebenso verhielt es sich bei sechs Arbeitern der Abt. Perlonstrumpfwirkerei.

Dadurch kam es zu heftigen Diskussionen. So sagte z. B. ein Strumpfwirker, parteilos: »Wir fordern eine andere Norm und wenn keine Änderung eintritt, gehen wird, dazu über die Maschinen auszudrücken und zu streiken.«

Ein anderer sagte: »Wenn ich nicht so alt wäre, ginge ich nach Westdeutschland zu den ›Ausbeutern‹, denn dort gibt es ein reales Leben und nicht so eine Ausbeutung wie hier.«

In der Abteilung Mischwalzen des VEB Gummiwerkes »Elastik« Gotha, [Bezirk] Erfurt, wird stark über die Neufestsetzung der Normen diskutiert. Ein Kollege hat aus Protest gekündigt und verschiedene andere Kollegen erklärten: »Wenn wir am Monatsende 100 DM weniger Verdienst haben, sehen wir uns den Betrieb von außen an.«

In einer Unterhaltung mehrerer Kollegen über die Normenfrage im VEB »EOW«69 Dingelstädt,70 [Bezirk] Erfurt, sagte ein Parteiloser: »Man sollte nicht ständig die Normen überprüfen, damit sie erhöht werden können, denn dies führt zu einem neuen 17. Juni.«

Im VEB Tagebau Deutzen, [Bezirk] Leipzig, sollten für die Kipper ab 1.8.1955 neue Zeitnormen eingeführt werden.

In einer Aussprache zwischen den 1. BPO-Sekretär, dem AGL-Vorsitzenden, dem technischen Leiter, dem Tagebauleiter und zwei Oberkippern erklärten die beiden Letztgenannten: »Wir sind uns im Kollektiv darüber einig, dass wir bei Einführung der neuen Normen den Betrieb verlassen. Dann kriegt ihr die Kündigung von uns allen, da für die Kollegen eine Lohnminderung von 50,00 bis 60,00 DM entstehen würde.«

In der Abteilung Schwelerei des VEB Kombinat Böhlen, [Bezirk] Leipzig, wird ebenfalls über die Erhöhung der Normen diskutiert. Von der Werkleitung wird eine Normenerhöhung pro Schicht auf 1 260 t vorgeschlagen. Die Kumpel sind aber nur mit einer Erhöhung auf 1 160 t einverstanden.

Dies begründen sie damit, dass »sie nicht im Monat 60,00 bis 90,00 DM weniger verdienen wollen«.

Im VEB Schiefergruben Lehesten bildet die Normenfrage in den Diskussionen einen Schwerpunkt.

Es besteht ein Missverhältnis zwischen den Normen für Schütte (Abraum und Bruch) und für Schiefer, und zwar verdienen die Arbeiter mit Schütte mehr, als wenn sie Schiefer produzieren. Dies führt dazu, dass die Arbeiter an der Gewinnung von Schiefer nicht interessiert sind und auf der B-Sohle71 (Werk Schmiedebach) zeigte sich bereits, dass verschiedentlich wertvolles Rohmaterial als Schütte gemacht wurde, um mehr zu verdienen.

Auf der F-Sohle des gleichen Werkes wurden Diskussionen geführt, »nicht eher einzufahren, bis die Normenfrage geklärt ist«.

Auch auf der ersten ökonomischen Konferenz72 am 7.8.1955 dieses VEB war dieses Thema ein Hauptdiskussionspunkt. Es wurde deshalb ein entsprechender Absatz in die Entschließung aufgenommen, der die schnellste Abänderung dieses Zustandes zum Inhalt hat.

Am 1.8.1955 wurde von einer Brigade des Kreisbaubetriebes Magdeburg um 8.00 Uhr die Arbeit mit der Begründung niedergelegt, dass sie mit den festgesetzten Normen für das Blendmauerwerk nicht einverstanden sind. (Sie erfüllten die Norm mit 112 %.)

Die Brigade arbeitet auf dem Gelände der OGEMA73 und sie kamen von dort um 14.00 Uhr geschlossen auf das Baugelände des Kreisbaubetriebes und forderten, auf einer anderen Baustelle eingesetzt zu werden.

Aufgrund einer Aussprache ging nur ein Kollege auf seine Baustelle zurück und die anderen elf Kollegen blieben bei ihrer Forderung. Daraufhin wurden diese Kollegen aufgrund von Arbeitsverweigerung fristlos entlassen.

Jedoch erfolgte am anderen Tage nochmals eine Aussprache und sechs Kollegen sehen ihr falsches Verhalten ein und verblieben weiter im Betrieb. Die restlichen Kollegen aber schieden aus.

Anlage 4 vom 12. August 1955 zum Informationsdienst Nr. 2475

Organisierte Feindtätigkeit

In der Zeit vom 9.8. bis 11.8.1955 wurden folgende Hetzschriften sichergestellt:

SPD-Ostbüro:74

  • Berlin 500;

  • Neubrandenburg: Kreis Neustrelitz 15, Kreis Malchin 20, Kreis Demmin 100;

  • Potsdam: Kreis Oranienburg 1 000, Kreis Zossen 100, Kreis Gransee 20;

  • Gera: Kreis Stadtroda und Schleiz 110;

  • Dresden: Kreis Dippoldiswalde 3;

  • Frankfurt/Oder: Kreis Bernau 1 800;

  • Halle: Kreis Weißenfels 10 000;

  • Cottbus 1 000;

  • Schwerin: Kreis Lübz 150, Kreis Seeleberg 300, Kreis Parchim 5 000;

  • Rostock 16.

KgU:75

  • Berlin in S-Bahnzügen 63 000.

NTS:76

  • Berlin 50;

  • Magdeburg: Kreis Loburg 1 200;

  • Potsdam 30: Kreis Oranienburg 3 000, Kreis Zossen 50, Kreis Belzig 150, Kreis Gransee 200, Kreis Königs Wusterhausen 1 500, Kreis Pritzwalk 35.

»Freie Junge Welt«

  • Gera einige.

In tschechischer Sprache:

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Klingenthal und Auerbach 275.

Unbekannter Herkunft:

  • Schwerin 6 300;

  • Potsdam: Kreis Jüterbog 800.

In der Nacht zum 9.8.1955 wurden in Coswig, [Kreis] Meißen, [Bezirk] Dresden, gegen 1.30 Uhr Funktionäre unserer Partei provoziert und tätlich angegriffen. Einem Genossen wurde bei diesem Zwischenfall die Aktentasche mit sämtlichen Dokumenten geraubt.

Ein Arbeiter randalierte im Kulturhaus »Haus des Friedens« in Glienicke, [Kreis] Zossen, [Bezirk] Potsdam. Als er von einem Genossen und einem VP-Angehörigen aufmerksam gemacht wurde, dass er sich ruhig verhalten soll, weil im Nebenraum eine Parteiversammlung stattfindet, wurde er gegen beide tätlich. Er provozierte und beschimpfte sie in faschistischer Art und Weise und leistete Widerstand gegen die Staatsgewalt. Täter wurde festgenommen.

Antidemokratische Tätigkeit

Am 7.8.1955 wurde am Badestrand Werbellinsee,77 Kreis Eberswalde, in der Pionierrepublik78 eine angespülte verschlossene Flasche gefunden. Als Inhalt war eine halbe Zigarettenschachtel, deren Rückseite mit folgendem Text bemalt war: »Heil Hitler und heil Adenauer«. Darunter stand noch ein Hakenkreuz.

In der Nacht vom 7.8. zum 8.8.1955 wurde in der Gemeinde Hessberg, [Bezirk] Hildburghausen in den Aushangkasten des DFD ein Zettel eingeheftet, welcher folgende Aufschrift in Blockschrift trug: »Wählt Ihr Pieck,79 wählt ihr Krieg – wählt ihr Adenauer, bekommt ihr Frieden auf die Dauer«.

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    16. August 1955
    Informationsdienst Nr. 2476 zur Beurteilung der Situation in der DDR

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