Zur Beurteilung der Situation in der DDR
26. August 1955
Informationsdienst Nr. 2479 zur Beurteilung der Situation in der DDR
Zur Lage in Industrie und Verkehr
Zur Stimmung der Werktätigen in den Industrie- und Verkehrsbetrieben kann gesagt werden, dass weiterhin eine gewisse Interessenlosigkeit bzw. Gleichgültigkeit gegenüber dem politischen Geschehen vorherrscht. Deshalb diskutieren verhältnismäßig wenig über die aktuellen politischen Fragen. Eine Ausnahme macht dabei das stattgefundene Fußballspiel zwischen der UdSSR und Westdeutschland.1 Darüber wird noch immer lebhaft diskutiert. Aber auch hier zeigt es sich, dass dieses Ereignis mehr vom sportlichen Standpunkt aus und weniger politisch gewertet wird. So sind z. B. solche Äußerungen, dass dieses Spiel unbedingt zur Völkerfreundschaft im Allgemeinen und insbesondere zur Anbahnung besserer Beziehungen zu Westdeutschland wesentlich beiträgt, nur im geringen Maße vorherrschend.
Im Übrigen sind die Diskussionen über das Fußballspiel größtenteils positiv, indem die sowjetische Mannschaft als die bessere betrachtet wird. Einige bemerken in diesem Zusammenhang, dass die sowjetische Mannschaft bei den nächsten Spielen um die Weltmeisterschaft2 große Aussichten hat.
Teilweise wird noch in negativer Form darüber gesprochen, dass unser demokratischer Rundfunk nicht die »Nationalhymne« Westdeutschlands, das Deutschlandlied, wie die Westsender, übertragen hat. Man argumentiert dabei, »wenn die SU diese Nationalhymne anerkennt, kann sie auch unser Rundfunk übertragen«.
In einer Gastwirtschaft in der Gemeinde Rauenstein, [Kreis] Sonneberg, [Bezirk] Suhl, wo zur Übertragung des Spieles mehrere Kollegen des VEB Industriewerk Rauenstein anwesend waren, kam es zu folgendem Vorkommnis: Der Wirt hatte zum Empfang einen Westsender eingestellt. Als er von einem Kollegen aus dem genannten VEB aufmerksam gemacht wurde, einen demokratischen Sender einzustellen, erwiderte er: »Es ist doch egal welchen Sender man hört.«
Als das Deutschlandlied übertragen wurde, stellte er trotz des Protestes dieses Kollegen seinen Apparat auf volle Lautstärke. Außerdem nahm er die ganze Übertragung auf sein Tonbandgerät auf.
Bei den Gesprächen über die Regierungserklärung3 oder über die Reise Adenauers4 nach Moskau5 ist der Inhalt meistens die Frage der Herstellung der Einheit Deutschlands sowie das Problem der freien Wahlen.6
Neben den überwiegend positiven Stellungnahmen, die von fortschrittlichen und politisch klaren Arbeitern und Angestellten stammen, zeigen sich vielfach unklare Vorstellungen bzw. Meinungen über das Zustandekommen sowie über die Gestaltung des wiedervereinigten Deutschlands. Besonders darüber herrschen Unklarheiten, wie in Westdeutschland einmal die Frage der gesellschaftlichen Eigentumsverhältnisse geklärt werden soll, »da ja die Kapitalisten nicht freiwillig abtreten«, und warum jetzt die Durchführung von freien Wahlen nicht möglich ist.
In einer Unterhaltung mehrerer Arbeiter aus dem VEB »Hans-Ammon«-Werk Eberswalde,7 [Bezirk] Frankfurt/Oder, kam Folgendes zum Ausdruck:
»Die kulturellen Beziehungen zwischen Ost- und Westdeutschland müssen enger werden. Dazu muss aber auch der Rundfunk beitragen. Deshalb ist es erforderlich, dass man die westlichen Sender hört, um sich ein richtiges Bild zu machen. Wenn eine Verständigung herbeigeführt werden soll, dürfen die Westsender nicht mehr gestört werden.« oder »Zur Entspannung und Verständigung zwischen Ost- und Westdeutschland, besonders aber zwischen den Westberlinern und der DDR-Bevölkerung, sollte man die Kontrollen auf den Bahnhöfen aufheben.« und »Man sollte den Menschen erlauben, in Westberlin zu kaufen. Dadurch würde sich der Lebensstandard bei uns heben.«
Unklarheiten bestehen auch unter den Kollegen im technischen Büro 130 des Karl-Marx-Werkes Magdeburg.8 So sagte z. B. eine Kollegin: »Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Kapitalisten ihre Betriebe freiwillig übergeben.«
Oder ein Kollege sagte: »Wenn man die Einheit will, muss erst die 5-km-Sperrzone9 aufgehoben werden, damit nicht mehr innerhalb der DDR eine Einreisegenehmigung benötigt wird.«
Unter den Kollegen des VEB Sternradio in Sonneberg, [Bezirk] Suhl, bestehen Unklarheiten über die Durchführung von freien Wahlen. So kommt es beispielweise zu der Frage: »Weshalb wurden erst freie Wahlen gefordert und jetzt davon gesprochen, dass die Durchführung jetzt nicht möglich ist«?
Wie der Klassenfeind diese vorhandenen unklaren Meinungen zu seinen Gunsten nutzt, zeigt sich immer wieder darin, dass über das Problem der freien Wahlen sowie über die Herstellung der Einheit Deutschlands die meisten negativen Äußerungen bekannt werden. Der Inhalt ist eine Hetze allgemeiner Art gegen die DDR und eine Befürwortung der Verhältnisse in Westdeutschland. So ist z. B. teilweise die Meinung vorherrschend, dass die Herstellung der Einheit deshalb erschwert bzw. unmöglich wird, weil drüben die wirtschaftliche Lage besser ist und die westdeutsche Bevölkerung nichts von unseren Verhältnissen wissen wolle.
Zum Beispiel zeigte es sich vielfach in den Betrieben des Kreises Zeulenroda, [Bezirk] Gera, dass die Forderung nach freien Wahlen erhoben wird und die westlichen Verhältnisse herbeigesehnt werden.
Ein Angestellter aus dem VEB Funkwerk Berlin-Köpenick sagte: »Die sollen nur eine Volksabstimmung machen, dann werden die schon den wahren Volkswillen kennenlernen.« (Dieser Meinung waren vier weitere Angestellte.)
Ein Brigadier aus dem Stahlbau des Karl-Liebknecht-Werkes Magdeburg:10 »Bei freien Wahlen würde die SED unter den Tisch fallen und die CDU und SPD den Sieg davontragen.«
Ein Arbeiter aus dem Kraftwerk Harbke, [Bezirk] Magdeburg: »Durch freie Wahlen würden unsere Läden auch so voll wie die im Westen. Wenn drüben ein Arbeiter 300 Mark verdient, kann er sich mehr leisten als ein Arbeiter in der DDR mit dem gleichen Verdienst.«
Ein Arbeiter aus Geschwenda, [Bezirk] Suhl: »Die Einheit kommt niemals zustande, weil die westdeutschen Menschen nicht mit unserem System einverstanden sind. Ich habe es oft genug erlebt, als ich im Westen war. Das Leben ohne Karten11 ist besser, und wer arbeiten will, bekommt Arbeit so viel er will.«
Die Diskussionen über die »besseren Verhältnisse« in Westdeutschland werden in den Betrieben vielfach von denjenigen Kollegen ausgelöst, die drüben zu Besuch weilten. Immerhin ist ein ganzer Teil für solche Schilderungen zugänglich und unterstützt sie, weil teilweise unter den Werktätigen eine gewisse Unzufriedenheit, einmal über die wirtschaftliche Lage sowie über betriebliche Schwierigkeiten, zu verzeichnen ist, was nachstehende Beispiele beweisen:
So sagte z. B. eine Kollegin, SED, aus dem VEB Förderwagenbau Vetschau, [Bezirk] Cottbus: »Wenn man hier die westdeutschen Besucher sieht, schlägt einen das Herz höher. Alle gehen gut gekleidet, ob man die Mäntel oder die Schuhe betrachtet. Die Frauen tragen Kleider aus herrlichen bunten Stoffen, die es bei uns gar nicht gibt oder sie sind zu teuer, dass sie sich der Arbeiter nicht kaufen kann. Es müsste in dieser Beziehung bei uns wirklich bald eine Änderung herbeigeführt werden. Im Allgemeinen ist ja auch die Stimmung wieder sehr schlecht, was nur auf die gegenwärtige Lebenslage zurückzuführen ist. Der Arbeiter will gern arbeiten, aber er will gleichzeitig für seinen Verdienst gute moderne Sachen kaufen und endlich wieder einmal eine Abwechslung im Essen haben.«
Eine andere Kollegin des gleichen VEB, die in Westdeutschland weilte, sagte: »Die Lebenslage ist drüben entschieden besser als bei uns. Die Menschen leben dort sorgenfreier und von Politik wird überhaupt nicht gesprochen. Bei uns dürfte auch nicht immer das Politische im Vordergrund stehen, denn die Mehrzahl der Menschen will davon nichts mehr wissen. Sie wollen endlich Erfolge sehen und nicht nur politische Losungen vorgesetzt bekommen.«
Im Mühlenbau des Ernst-Thälmann-Werkes Magdeburg12 unterhielten sich einige Arbeiter über Briefe ehemaliger Kollegen, die nach dem Westen gegangen sind. In den Briefen schildern sie, dass sie 700 bis 800 Mark verdienen und täglich zwölf Stunden arbeiten müssen. Die Arbeiter sehen aber darin nicht die verstärkte Ausbeutung, sondern nur den Verdienst. Sie vertreten dabei den Standpunkt, dass man bei uns bald das Doppelte verdienen müsste, um so leben zu können wie die Arbeiter in Westdeutschland.
Ein Kollege, SED, vom Wismut-Schacht13 78 – Johanngeorgenstadt: »Die kapitalistischen Betriebe arbeiten viel rentabler. Im Westen ist alles viel besser und billiger. Die Arbeiter leben nicht nur besser, sondern auch freier. Sie kümmern sich gar nicht um Politik. In der DDR hat jeder vor dem anderen Angst. Ich war in Westdeutschland und habe gesehen, wie z. B. auch der Kundendienst ausgebaut ist. Bei uns gibt es nach zehn Jahren Kriegsschluss verschiedene Artikel überhaupt nicht zu kaufen.«
Im VEB Zeiss Jena unterhielten sich einige Arbeiter und Angestellte über die schlechte Arbeitsorganisation und erklärten, dass dadurch die Arbeitsproduktivität nicht gesteigert werden könnte.
Die Meinung eines Parteilosen aus der Abteilung Schleiferei dazu war: »Es wird wohl bei uns laufend viel gesprochen, aber eine Änderung in der Praxis zeigt sich nicht.«
Ein Kollege aus der technischen Kontrolle des VEB Kirow-Werk III Leipzig14 äußerte: »Sind das denn noch Zustände. Da spricht man immer von einem besseren Leben und dabei macht man Lohnabbau. Was es hier bei uns gibt, gibt es in der ganzen Welt nicht. An die höchsten Stellen der DDR hat man geschrieben, aber es geschieht nichts. Auch die Gewerkschaft hilft einem nicht. Bei den Nazis war es auch schlecht, aber vor denen kann man noch den Hut ziehen. Bei den Kapitalisten haben wir wenigstens ehrlich unser Geld verdient. So etwas nennt man Arbeiter- und Bauern-Regierung? Es ist eine Ausbeuter-Regierung.«
Im DSU-Hafen Dresden-Friedrichstadt stand in einer Kurzversammlung eine Entschließung zum Wilhelm-Pieck-Aufgebot15 zur Abstimmung.
Ein Teil der Kollegen stimmte nicht zu. Seine Ablehnung begründete ein Kollege wie folgt: »Dies geht doch wieder nur auf die Knochen der Arbeiter. Es nützt ja doch nichts, wenn wir einsparen, denn das Geld wird auf der anderen Seite wieder hinausgeschmissen. Dies sieht man doch in unserem Hafen an den Schiffsteilen von der Schiffswerft Übigau, welche hier nutzlos lagern und Millionen Werte in sich bergen.«16
Im demokratischen Sektor17 von Berlin ist ein ständiges Anwachsen von Überplanbeständen (Rohstoffe, Halb- und Fertigfabrikate) in der örtlichen Industrie zu verzeichnen. Der Wert beträgt zurzeit ca. 40 Millionen DM.
Rund 50 % der Überplanbestände bei den Berliner Konfektionsbetrieben bestehen aus Fertigerzeugnissen.
Eine Ursache dafür ist, dass schon seit Jahren die Abstimmung zwischen Gewebeaufkommen, Produktionsplan und Warenbereitstellungsplan Schwierigkeiten bereitet. Auch das Preisgefüge trägt den bestehenden Absatzmöglichkeiten nicht genügend Rechnung.
Im Großhandelskontor-Textil18 Görlitz lagern zurzeit ebenfalls Überplanbestände im Werte von 5,9 Millionen DM.
Über Materialschwierigkeiten klagten in dieser Berichtsperiode:
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VEB Volltuch Görlitz (9 000 kg Wollkammgarn);
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VEB Kfz-Werk »E. Grube« Werdau,19 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt (Verteilergetriebe);
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VEB Stahlbau Plauen, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt (Winkeleisen 50,5 mm) und im
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VEB Textima Aue,20 [Bezirk] Karl-Marx-Stadt können zurzeit 350 Nähmaschinen nicht ausgeliefert werden, weil zur Vernickelung die nötigen Anoden fehlen.
Außerdem muss der Betrieb Exportaufträge der Volksdemokratien ablehnen, da zur Produktion der gewünschten Aufträge Neusilberbleche fehlen. (Der Betrieb erhielt vom zuständigen Ministerium keine Zuteilung und andererseits fehlen im VEB Halbzeugwerk Auerhammer, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, die Aufträge zur Auslieferung von Neusilberblechen.)
Produktionsstörungen
Am 23.8.1955, gegen 14.15 Uhr, kam es während des Schießens auf der Schachtanlage Menzengraben, [Kreis] Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl, des VEB Kali-Werkes »Ernst Thälmann« zu einem Gasausbruch. Das ausgebrochene Gas strömte ca. 15 Minuten aus dem Förderschacht. Die Sicherheitsmaßnahmen auf der Schachtanlage waren einwandfrei. Für die Bevölkerung der Umgegend des Schachtes ist keine Gefahr entstanden. Die Grubenwehr ist zurzeit noch eingesetzt, um die Stelle des Ausbruchs in der Grube zu finden.
Die Arbeit konnte am 23.8.1955 aus diesem Grunde nicht aufgenommen werden.
Durch das Ziehen eines falschen Trennmessers von dem Schaltwärter mussten am 25.8.1955 sämtliche Betriebe im VEB Braunkohlenwerk »Erich Weinert«, Kreis Hohenmölsen, [Bezirk] Halle, außer Betrieb genommen werden.
Von einem Schüler wurde in der Niederlage Raguhn, Kreis Bitterfeld, [Bezirk] Halle, der VEB Brauerei Dessau gehörige Schuppen in Brand gesetzt, wobei 178 Zentner Stroh, 92 Zentner Heu, zwei Bierwagen sowie elf Festmeter Holz verbrannten. Der Gesamtschaden beträgt ca. 7 000 DM.
Vom 22. bis 24.8.1955, 11.00 Uhr, musste der Bagger 105 im VEB Witznitz,21 [Kreis] Borna, [Bezirk] Leipzig, außer Betrieb genommen werden. Ursache: Lager am Umformer heiß gelaufen. Produktionsausfall: 12 000 cbm Abraum und 1 500 t Kohle = 11 250 DM.
Am 24.8.1955 geriet im Tagebau des VEB Kombinat Böhlen, [Kreis] Borna, [Bezirk] Leipzig, die E-Lok 29 in Brand. Ursache: Reißen der Fahrleitung. Der Schaden steht noch nicht fest.
Im VEB Deutzen,22 [Kreis] Borna, [Bezirk] Leipzig, musste das Becherwerk II wegen Lagerschaden außer Betrieb gesetzt werden. Es entstand ein Ausfall von 3 590 t Rohkohle und 580 t Brikett = 17 839 DM.
Im VEB Witznitz, [Kreis] Borna, [Bezirk] Leipzig, war der Abraum kurze Zeit außer Betreib. Ursache: Am Stellwerk Schienenbruch. Ausfall: 300 cbm Abraum = 1 860 DM.
Im VEB Grube Rositz, [Kreis] Altenburg, – Tagebau Ruppersdorf wurde die E-Lok 160 außer Betrieb genommen. Ursache: Defekter Kontroller. Ausfall: 324 t Rohkohle = 1 221 DM.
Im VEB Deuben,23 [Bezirk] Halle, Abraum Pirkau, Kreis Hohenmölsen, entgleiste eine E-Lok, wobei zwei Weichen sowie die Schienen, Schwellen und die E-Lok selbst stark beschädigt wurden. Gesamtschaden: ca. 6 270 DM.
Wegen schlechter Gleisanlage im VEB »Freiheit« Bitterfeld,24 [Bezirk] Halle, entgleisten eine Lok sowie sechs Waggons eines Abraumzuges.
Im VEB Kohlenpressanlage in Magdeburg wurde in der Nacht vom 19.8. zum 20.8.1955 durch unbekannte Täter in die Presse sechs Presslinge hineingeworfen. Da dies rechtzeitig bemerkt wurde, konnte ein Arbeitsausfall vermieden werden.
In der Nachtschicht vom 22.8. zum 23.8.1955 wurde im Wismut-Schacht Paitzdorf, [Bezirk] Gera, ein Luftschlauch in drei Stücke zerhackt und vom Wasserschlauch wurde der Spülkopf herausgerissen sowie die Spülkopfringe entfernt.
Am 24.8.1955 wurde im VEB Rheinmetall Sömmerda in einer Klosettanlage der Abt. Moped von bisher unbekannten Tätern die Hetzlosung »SA marschiert«, ein Hakenkreuz gemalt und daneben »Heil Hitler« angeschmiert.
Am 18.8.1955 wurde von bisher unbekannten Tätern im Stahlwerk Brandenburg ein Bild des Genossen Bulganin25 mit Bleistift durchgestrichen und daneben ein Hakenkreuz angeschmiert.
Im Stahl- und Walzwerk Riesa wurde im Rohrwerk in der Klosettanlage folgende Hetzlosung angebracht: »Das ist ja prima, Lohnabzug, dass die Herren besser leben können.«
Im VEB Waggonbau Gotha wurde in der Halle 61 in den Klosettanlagen Schmierereien mit folgendem Wortlaut festgestellt: »Nieder mit der Regierung«, darunter waren mehrere Hakenkreuze angebracht.
Da über den Verbleib des Genossen Walter Ulbricht26 in unserer Presse und dem Rundfunk nicht Stellung genommen wird, tritt die Frage, »wo er sich zurzeit befindet, da er im politischen Leben nicht mehr in Erscheinung tritt« unter der Bevölkerung im zunehmenden Maße in Erscheinung.27
Wie der Gegner dies ausnutzt, zeigen die vielen Gerüchte mit dem unsinnigsten Inhalt, die darüber verbreitet werden.
Entweder es heißt, er ist verhaftet; liegt in Buch im Krankenhaus; er ist nach der Schweiz »abgerückt«; er habe sein Versprechen über den höheren Lebensstandard für 1955 nicht eingehalten28 und deshalb habe er gehen müssen, oder er vertrat eine falsche Linie in der Politik mit Jugoslawien29 und ähnliches mehr.
Vielfach kommt in den Gesprächen über den Verbleib des Genossen Walter Ulbricht die Forderung nach Aufklärung hierüber durch Presse oder Rundfunk zum Ausdruck, um den feindlichen Gerüchten wirksam entgegentreten zu können.
Versorgung der Bevölkerung
Durch ungenügende Rodung bzw. auch schlechte Warenstreuung sind in den letzten Tagen in einigen Bezirken, wie Halle, Magdeburg, Dresden und in einzelnen Kreisen der Bezirke Schwerin, Leipzig, Rostock sowie im Wismut-Gebiet, Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln aufgetreten. An verschiedenen Verkaufsstellen kommt es wieder zu größeren Schlangenbildungen und zu negativen Diskussionen über die schlechte Kartoffelbelieferung. Auch in einigen Großbetrieben sind die Vorräte an Kartoffeln wieder erschöpft, sodass auch hier erneut Schwierigkeiten auftreten.
So sind z. B. in Staßfurt, [Bezirk] Magdeburg, »Werk Fred Oelßner«,30 keine Kartoffelvorräte mehr vorhanden. Ebenso entstehen auch in den Werkküchen der Betriebe in Quedlinburg, [Bezirk] Halle, Schwierigkeiten.
Zu Schlangenbildungen kam es z. B. am 24.8.1955 vor der HO-Gemüseverkaufsstelle31 Kornmarkt in Quedlinburg, [Bezirk] Halle, als dort Kartoffeln verkauft werden sollten. Die Hausfrauen drangen bis in den Laden vor und verließen diesen nicht wieder. Sie erklärten, als der VST-Leiter sie aufforderte, sich vor dem Laden anzustellen, diesen nicht eher zu verlassen, bis sie Kartoffeln erhalten haben.
In sämtlichen Städten des Bezirkes Magdeburg kommt es zu großen Schlangenbildungen, wo Hunderte von Menschen zusammenstehen und in ihren Diskussionen negativ über die augenblickliche Versorgung sprechen.
Zum Greizer Heimatfest (Gera), wo ca. 3 000 Gäste aus Westdeutschland anwesend waren, lieferte die DHZ32 erst am Tage des Festbeginnes Kartoffeln, wodurch es zu riesigen Schlangenbildungen gekommen ist, was sich sehr abschreckend auf die westdeutschen Besucher auswirkte.
In Zeulenroda, [Bezirk] Gera, stehen täglich große Schlangen vor den Geschäften.
Ebenso stehen die Menschen in Bernburg, [Bezirk] Halle, und in anderen Städten der Republik lange Zeit nach Kartoffeln an.
Dieser Zustand wird von der Bevölkerung, besonders von den Hausfrauen, die täglich stundenlang vor den Geschäften stehen, um das Wichtigste zu erhalten, immer wieder negativ und verärgert diskutiert. Dabei wird vor allem die schlechte Arbeit der Handelsorgane kritisiert, die es nicht verstehen, eine gute Warenstreuung vorzunehmen, um die Bevölkerung reibungslos mit den wichtigsten Lebensmitteln zu versorgen. Es wird meistens zum Ausdruck gebracht, dass es zehn Jahre nach Kriegsende in der Versorgung nicht mehr solche Pannen geben dürfte, wo doch auf der anderen Seite von unseren Betriebsarbeitern laufend gute Produktionsergebnisse gefordert und auch erzielt werden. Oft hört man, »statt besser wird es immer schlechter mit der Versorgung«. In verschiedenen Fällen werden von solchen Personen, die im Westen waren, Vergleiche zwischen Westdeutschland und der DDR gezogen und erklärt, dass die Versorgung dort besser sei und es für unsere Regierung ratsam wäre, bei uns solch einen Lebensstandard zu schaffen.
So sagte z. B. ein Arbeiter, Mitglied der SED, aus dem VEB Textilveredlungswerk Greiz, [Bezirk] Gera: »Im Westen leben die Menschen besser als bei uns. Wenn es bei uns nicht bald besser wird, wird es uns noch das Genick brechen. Wir werden ja nur ausgelacht, wenn wir sagen, dass es in Westdeutschland viel schlechter als bei uns ist.«
Unter anderem werden im Bezirk Gera auch folgende Stimmen laut: »Man soll ja nicht sagen, dass wir in der DDR besser und billiger leben als in Westdeutschland. Wer das sagt, der weiß nicht was los ist. Die Kartoffeln sind dort zwar teurer, aber für andere Dinge bezahlt man bei uns wieder das Dreifache.«
Anhand der Versorgungsschwierigkeiten versuchen feindliche Elemente aufzuzeigen, dass die Regierung auch nicht durch den 5-Jahrplan33 den angekündigten höheren Lebensstandard der Bevölkerung bringen kann. Verschiedentlich wird daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass die Regierung unfähig sei einen Staat zu leiten und deshalb abgesetzt werden müsste.
In den Bezirken Schwerin, Frankfurt/Oder, Dresden, Rostock, in einigen Kreisen des Bezirkes Potsdam und in einigen Orten, besonders auf dem Lande, des Bezirkes Leipzig sind die Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung mit billigen Zigaretten noch nicht behoben. Trotz der Preissenkung34 von »Travel« und »Derby« konnte keine Änderung der Lage erzielt werden. Diese Sorten werden ebenfalls von der Bevölkerung abgelehnt, da sie im Geschmack nicht gut wären und außerdem auch zu teuer seien.
Seit einigen Tagen bestehen im Fischhandel und in den Fischverarbeitungsbetrieben Verarbeitungs- und Absatzschwierigkeiten, sodass die Gefahr besteht, dass größere Mengen Fisch verderben. Der Einzelhandel nimmt größere Mengen Frischfisch in der jetzigen Jahreszeit nicht ab, weil die Bevölkerung wenig Fisch kauft. Er befürchtet, dass der Fisch bei Nichtabnahme durch die Bevölkerung dem Verderb ausgesetzt ist und der entstehende Schaden durch den Handel getragen werden muss.
Der Leiter des VE Versorgungs- und Lagerungskontors35 »Fischwirtschaft«, Außenstelle Stralsund, [Bezirk] Rostock, erklärte, dass in der letzten Zeit durch verstärkte Fischimporte die Industriebetriebe bereits überfüllt und im Bezirk Rostock bereits 200 t Notsalzungen von Heringen vorgenommen werden mussten.
Das Fischkombinat Rostock hat ebenfalls große Absatzschwierigkeiten.
Obwohl der Verarbeitungsbetrieb Marienehe, [Bezirk] Rostock, durch eigene Anlandung voll ausgelastet ist, muss der Betrieb Fisch aus Importen verarbeiten.
In Wismar werden in den Verarbeitungsbetrieben Sonntagsschichten und Überstunden durchgeführt, um den zugestellten Fisch zu verarbeiten.
Ein nach Wismar am 20.8.1955 vom Fischkombinat Rostock zugestellter Waggon mit Rotbarsch stand am 22.8.1955 noch auf den Gleisen in Wismar und ist stark wertgemindert. Wenn die Importe nicht gedrosselt werden, kann die Lage katastrophale Auswirkungen annehmen.
Ähnlich sieht es in der Annahme von Fisch in anderen Bezirken der DDR aus. Zum Beispiel wurden dem zentralen Absatzkontor Leipzig zwölf Waggons Fisch angekündigt, obwohl noch immer 16 Waggons wegen Mangels an Kühlfläche nicht entladen werden können.
In den Fischverkaufsstellen in Genthin, [Bezirk] Magdeburg, sind ca. 630 kg Frischfisch verdorben. In den nächsten Tagen soll Genthin noch 2 000 kg Fisch aufnehmen.
Eine ähnliche Situation ist auch in den Kreisen Salzwedel, Stendal und Zerbst zu verzeichnen.
In der Fischwirtschaft Nordhausen, [Bezirk] Erfurt, wurden am 23.8.1955 vom Fischkombinat Stralsund, [Bezirk] Rostock, sieben t Räucherfisch mittels Lkw angeliefert. Die gesamte Lieferung musste verworfen werden, da der Fisch von Würmern und Maden befallen war.
Der Schaden beläuft sich auf 15 000 bis 18 000 DM.
Zur Lage in der Landwirtschaft
Die Stimmung und die Diskussionen zu den politischen Tagesproblemen haben sich während der Berichtszeit nicht wesentlich verändert. Nach wie vor wird nur im geringen Umfang, wenn auch meist im positiven Sinne, vorwiegend von Personen aus dem sozialistischen Sektor diskutiert.
In den politischen Gesprächen kommt häufig zum Ausdruck, dass die Konferenz im Oktober36 mit Spannung erwartet wird, weil die Hoffnung auf eine friedliche Wiedervereinigung Deutschlands in der letzten Zeit stärker geworden ist und die Konferenz im Oktober als wesentlicher Schritt zur Erreichung dieses Zieles angesehen wird.
Auch zu dem Besuch Adenauers in Moskau wird vereinzelt der Hoffnung Ausdruck gegeben, Adenauer möge bei seinem Besuch dieses Ziel vertreten.
Zum Beispiel sagte ein Landarbeiter aus Groß Bölkow, [Kreis Bad] Doberan, [Bezirk] Rostock: »Es wird so sein, dass auf beiden Seiten etwas nachgegeben werden muss. Wenn Adenauer bei seinem Besuch in Moskau auch von den Pariser Kriegsverträgen37 abgehen wird, so ist der Einheit Deutschlands ja nichts mehr im Wege.«
In den Gemeinden beginnen jetzt die Vorbereitungen zur Begehung des 10. Jahrestages der Bodenreform am 3.9.1955.38
Bauern, die ihr Land durch die Bodenreform erhalten haben, diskutieren in der Form, dass sie ihr Land vor den Angriffen der Junker schützen wollen und es nicht wieder zulassen würden, dass diese Besitz von unseren Errungenschaften in der DDR ergreifen.
Zum Beispiel sagte ein ehemaliger Landarbeiter aus der Gemeinde Nausitz, Kreis Artern, [Bezirk] Halle: »Ich habe während meiner Jugend und auch später bei dem Herrn von Münchhausen39 die Methoden der Junker und Großgrundbesitzer zur Genüge kennengelernt. Es ist notwendig, dass sich alle Deutschen einig werden und zu friedlichen Verhandlungen an einen Tisch kommen. Ich bin unserer Regierung dankbar, dass sie mich aus dem Elend der Landarbeiter erlöste, denn durch die Bodenreform bekam ich eine Lebensexistenz.«
In verschiedenen Fällen kommt die Zustimmung zu der Bodenreform in zahlreichen Verpflichtungen, die hinsichtlich der vorfristigen Ablieferung des Getreides und der schnellsten Einbringung der Ernte und Beendigung der Erntearbeiten abgegeben werden, zum Ausdruck.
So verpflichtete sich z. B. ein Traktorist von der MTS Rodenwalde, Kreis Hagenow, [Bezirk] Schwerin, der seit Erntebeginn täglich pro Schicht 11 ha mähte, zusätzlich bis 3.9.1955 1 – 1½ ha zu mähen.
Einige der Entwicklung der Landwirtschaft feindlich gegenüberstehende Personen nehmen den Tag der Bodenreform zum Anlass, Hetze gegen die Durchführung der Bodenreform zu treiben.
Zum Beispiel sagte ein Ölmühlenbesitzer aus Letzlingen, Kreis Gardelegen, [Bezirk] Magdeburg: »Die Bodenreform war ein großes Verbrechen. Den Bauern wurde damals das Land gestohlen. Heute ist ein entscheidender Rückstand in der Landwirtschaft zu verzeichnen. Die LPG und ÖLB40 sind nicht in der Lage, das Volk zu ernähren. Die guten Bauern sind jetzt alle in Westdeutschland, weil sie hier verjagt wurden. Der Einsatz von Maschinen ist überhaupt nicht erforderlich, früher haben die Bauern auch ohne ›russische‹ Methoden geerntet.«
Ein Landarbeiter aus Lochstedt, Kreis Klötze, [Bezirk] Magdeburg: »Die Junker habt ihr verjagt. Die Aktentaschenträger haben wir auf dem Halse. Am Tage müssen wir schaffen und abends müssen wir deren Mist anhören. Die Bodenreform hat sich nicht gelohnt.«
Ein werktätiger Bauer, ehemaliger Umsiedler,41 sagte zum Tag der Bodenreform: »Sie sollen uns unser Land wiedergeben, dann werden wir uns auch daran beteiligen.«
Trotzdem zum größten Teil gute Erfolge bei der Durchführung der Erntearbeiten zu verzeichnen sind, gibt es noch immer Gemeinden, wo durch die bekannten Schwierigkeiten die Arbeit nicht reibungslos vonstattengeht. Einer der größten Mängel ist die schlechte Einsatzfähigkeit der Mähdrescher, die im Mähdrescherwerk Weimar hergestellt wurden. Dadurch gibt es in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben noch größere Getreideflächen, die noch nicht abgemäht sind, weil die MTS zum Teil aus oben angeführtem Grunde ihre Verträge nicht einhalten kann.
In der LPG Döbberin, Kreis Seelow, [Bezirk] Frankfurt/Oder, sind noch ca. 45 ha Roggen zu mähen, die mit dem Mähdrescher laut Vertrag mit der MTS gemäht werden sollten. Seit dem 22.8.1955 ist aber der Mähdrescher nicht mehr zum Einsatz gekommen, da Ersatzteile fehlen. Die Kollegen führen auch Klage über die Grobelsiebe,42 die aus schlechtem Material hergestellt werden. Dasselbe trifft auch für die Arbeitsketten zu.
Die Diskussionen unter einem Teil der Mähdrescherführer ist so, dass sie erklären, wenn im nächsten Jahr diese Mängel in der Ersatzteilfrage nicht behoben werden, sie kein Interesse mehr hätten als Mähdrescherführer zu arbeiten.
Über den Ersatzteilmangel, besonders für die Mähdrescher, sagte z. B. ein Lagerverwalter von der MTS Lanckensburg, [Bezirk] Rostock: »Mir macht die Arbeit keinen Spaß mehr. Mit den Ersatzteilen wird es von Jahr zu Jahr schlechter. Die Traktoristen kommen und wollen was haben. Ich muss immer wieder sagen, ich habe nichts. Man sollte doch mit der Produktion von neuen Maschinen eine Zeit lang aussetzen und erst Ersatzteile herstellen. Wenn bei den Mähdreschern ein Teil kaputt ist, muss das alte Stück erst mit nach Rostock (10 km entfernt) genommen werden. Erst dann bekommen wir eventuell ein Neues. Dadurch geht ein ganzer Arbeitstag für den Mähdrescher verloren. Es ist schlecht, dass es keine Ersatzteile für die Mähdrescher im Voraus gibt.«
Vereinzelt zeigt sich immer wieder, dass einzelne Personen die Anwendung von neuen Maschinen ablehnen und lieber nach den althergebrachten Methoden ernten wollen. Zum Teil zeigt sich darin auch eine feindliche Einstellung.
Zum Beispiel lehnte der Vorsitzende der LPG Falkenhagen, [Kreis] Grimmen, [Bezirk] Rostock, ab, den Mähdrescher in der dortigen LPG einzusetzen. Er begründete seine Ablehnung damit, dass der Mähdrescher zu unsauber dresche und die VEAB das Getreide nicht abnehme. Festgestellt wurde jedoch, dass der Mähdrescher in der LPG Falkenhagen auf solchen Getreidefeldern eingesetzt wurde, die stark verunkrautet waren. Die anderen Felder wurden mit dem Mähbinder gemäht. Erst durch Eingreifen der Politabteilung der MTS Reinberg, [Kreis] Grimmen, arbeitet der Mähdrescher in der LPG weiter.
Der LPG-Vorsitzende äußert daraufhin gegenüber Genossenschaftsbauern: »Ich lege meine Funktion nieder, denn wir als Genossenschaftsbauern haben doch nichts zu sagen. Wir arbeiten nur noch für die Partei.«
Während viele landwirtschaftliche Betriebe bestrebt sind, ihre Ablieferung möglichst vorfristig zu erfüllen, gibt es immer wieder Beispiele, wo die vorfristige Ablieferung abgelehnt wird. Diese Erscheinung tritt besonders dort auf, wo in den Gemeinden großbäuerliche Elemente43 vorherrschen.
Zum Beispiel ist in einigen Gemeinden des Kreises Beeskow, [Bezirk] Frankfurt/Oder, wo großbäuerliche Betriebe vorherrschen, das Soll nur zu 25 % erfüllt.
Dazu sagte z. B. ein Großbauer aus der Gemeinde Bresch, Kreis Perleberg, [Bezirk] Schwerin: »Abliefern werde ich, wenn es mir gefällt und wenn es erst im Frühjahr ist.«
Ein Großbauer aus der Gemeinde Dambeck, Kreis Perleberg, [Bezirk] Schwerin, sagte, dass er kein Getreide bis zum Tag der Bodenreform abliefert, man solle ihn in Ruhe lassen, er liefere so ab, wie es ihm gefällt.
Ein werktätiger Bauer, Mitglied der SED und Vorsitzender der VdgB aus der Gemeinde Pöhsig, [Kreis] Grimma, [Bezirk] Leipzig, stellte am 20.8.1955 fest, dass sein Viehbestand von zehn Kühen und zwei Ochsen erkrankt ist. Die Kühe gaben keine Milch. Vermutlich handelt es sich um eine vorsätzliche Vergiftung des Viehs. Auf dem Kleefeld des Bauern, von dem das Futter der letzten Tage genommen wurde, wurde ein weißes Pulver an verschiedene Stellen verstreut festgestellt.
Bisher unbekannte Täter beschädigten in den letzten Nächten mehrere Male den elektrischen Weidezaun der Koppel der LPG Kremmen, Kreis Oranienburg, [Bezirk] Potsdam. Von den Tätern wurden einige Pfähle entfernt und jeweils ca. 20 Rinder aus der Koppel getrieben.
In der Nacht vom 17. zum 18.8.1955 verübten unbekannte Täter an einer IFA-Raupe des VEG Groß Luckow, Kreis Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, Sabotage. Der Traktorist fuhr am Abend des 17.8.1955 seinen Traktor neben den Traktorenschuppen. Wie er am Morgen des 18.8.1955 den Traktor anließ, stellte er fest, dass das Kühlwasser ablief. Die näheren Untersuchungen ergaben, dass ein ca. 15 cm langer Nagel durch die Kühlerlamellen steckte, sodass beim Anlassen der Maschine ein Teil der Lamellen zerstört wurden.
Am 4.8.1955 ist ein Mähdrescher der MTS Großschönau, [Kreis] Görlitz, [Bezirk] Dresden, beim Dreschen von Raps auf dem Feld der LPG »Neuer Weg« Schönau ausgefallen. In der Trommel der Maschine befand sich ein ca. vier kg schwerer Stein, welcher darin gespalten wurde und die Trommel beschädigte. Dieser Stein wurde vermutlich in eine Rapsgarbe gebunden und dadurch gelangte er in die Maschine. Der Schaden konnte in einer Stunde an Ort und Stelle behoben werden.
Von der Kreisdienststelle Zwickau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, wurde berichtet, dass in der LPG »Traktor« Oberrothenbach am 5.8.1955 durch Hineinwerfen von zwei Einfettnippeln in das Knüpfergetriebe eines Mähbinders selbiger außer Betrieb gesetzt wurde. Der Mähbinder wurde an diesem Tag von den LPG-Mitgliedern auf seine Einsatzfähigkeit überprüft und für einsatzfähig befunden. Am 6.8.1955, als der Traktorist vom Stützpunkt der MTS Reinsdorf 5 seinen Traktor an den Mähbinder spannte, gab es einen mächtigen Krach und der Traktorist stellte fest, dass im Knüpfergetriebe zwei nicht zum Mähbinder gehörende Einfettnippel vorhanden waren. Durch die Umsichtigkeit des Traktoristen konnte ein größerer Schaden am Mähbinder vermieden werden.
Aus noch unbekannter Ursache entstand im Stallgebäude eines Mittelbauern in Leißling, Kreis Weißenfels, [Bezirk] Halle, ein Dachstuhlbrand, wobei ca. 60 Zentner Heu verbrannten und ein Schaden von 1 200 DM entstand.
Am 23.8.1955, gegen 0.30 Uhr, brach bei einem Mittelbauern in Rothenkirchen, Kreis Auerbach, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, ein Brand aus. Die Scheune und das Stallgebäude des landwirtschaftlichen Betriebes brannten bis auf die Grundmauern nieder. Das Vieh konnte gerettet werden. Nach bisherigen Schätzungen entstand ein Schaden von ca. 25 000 bis 30 000 DM. Die Brandursache ist noch ungeklärt.
Am 22.8.1955 brach in der Gemeinde Köritz, Kreis Kyritz, [Bezirk] Potsdam, ein Scheunenbrand bei einem Mittelbauern aus. Durch den Brand dieser Scheune wurden noch drei weitere Scheunen und drei Viehställe völlig vernichtet. Schaden ca. 150 000 DM. Brandursache: Ein Mitarbeiter drehte den Hauptschalter in der Scheune nicht ab, sodass das Kabel durchschmorte.
Am 21.8.1955 brach in der VEAB Brück, Kreis Belzig, [Bezirk] Potsdam, ein Brand aus. Es wurden ca. 120 t Heu im Werte von 8 500 DM vernichtet. Ursache: vermutlich Funkenflug durch Eisenbahn.
Am 24.8.1955, um 13.30 Uhr, verbrannten vier ha Wickroggen im VEB Trebnitz, Kreis Angermünde, [Bezirk] Frankfurt/Oder. Ursachen: Funkenflug einer Lokomotive.
Am 23.8.1955, gegen 21.15 Uhr, brannte eine Scheune der LPG »Pionier« Hohendodeleben, Kreis Wanzleben, [Bezirk] Magdeburg, ab. In der Scheune befanden sich ca. 1 000 dz Stroh, zwei Grasmäher, drei Pflüge, eine Kartoffeldampfkolonne, ein Mähbinder und eine Drillmaschine im Werte von insgesamt 3 000 DM. Gebäudeschaden 7 000 DM. Die Brandursache ist noch nicht geklärt.
Am 24.8.1955, 9.30 Uhr, brach bei einem Großbauer in Stehla, Kreis Torgau, [Bezirk] Leipzig, ein Scheunenbrand aus. Ursache: Die elektrische Zuleitung zur alten Dreschmaschine, welche in der Scheune eingebaut war und nicht mehr benutzt wurde, war in der Ummantelung durchgerostet, wodurch Wasser in das Kabel eindringen konnte und einen Kurzschluss verursachte. Zeugen sagten aus, dass sie keinen Rauch feststellen konnten, sondern gleich eine offene Flamme zu sehen war. Schaden: 430 Zentner Getreide und Sachschaden ca. 40 000 DM.
Am 23.8.1955, 0.30 Uhr, brach bei einem Mittelbauern in Rothenkirchen, Kreis Auerbach, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, ein Scheunenbrand aus. Ursache nicht bekannt. Schaden ca. 30 000 bis 40 000 DM.
Einschätzung der Situation
Die Anteilnahme am politischen Geschehen ist auch in den letzten Tagen weiter abgeflaut. Inhaltlich hat sich in den meist von fortschrittlichen Menschen geführten Gesprächen nichts geändert.
Das Hauptargument des Gegners, welches er immer weiter in den Vordergrund schiebt, sind »Freie Wahlen« als erste und »wichtigste« Maßnahme zur »Herstellung der Einheit«. Über diese Frage bestehen auch die größten Unklarheiten unter den meist unaufgeklärten Menschen.
Zurzeit besteht immer noch eine verhältnismäßig große Unzufriedenheit über die Lebenshaltung in der DDR, in erster Linie wegen der mangelhaften Versorgung der Bevölkerung und in zweiter Linie wegen Lohn- und ähnlichen Fragen, besonders in den Schichten mit geringem Einkommen. Aus diesen Gründen werden häufig oberflächliche Vergleiche mit Westdeutschland gezogen, die dann zu den vom Feind gewünschten Schlussfolgerungen führen.
Großes Unverständnis herrscht gleichfalls noch über die Sicherungsmaßnahmen, mit denen das Betreten der Westsektoren von Berlin und der Besuch Westdeutschlands verhindert werden soll.44 Positive Stellungnahmen aus den Kreisen, die davon persönlich betroffen sind, werden nur sehr wenig festgestellt. Die Berichte aus den Bezirken zeigen, dass der Feind die ungenügende Aufklärung der Werktätigen über die Sicherungsmaßnahmen und über die Lebenshaltung in der DDR weitgehend in seinem Interesse zur Beeinflussung der Menschen ausnutzt. Dies zeigt sich auch in den Gesprächen und Gerüchten über den Genossen Walter Ulbricht und in der Zunahme der Rundfunkhörer die westlichen Sender abhören.
Anlage 1 vom 25. August 1955 zum Informationsdienst Nr. 2479
Auswertung der Westsendungen
RIAS45 gibt Hinweise, wie sich Mitglieder und kleine Funktionäre in der Partei verhalten sollen. Damit versucht der Gegner die Klassenwachsamkeit einzuschläfern, Stimmung gegen unsere Parteiführung zu machen und in den Reihen der Parteimitglieder Passivität und ein abwartendes Verhalten zu erzeugen.
Dazu bringt RIAS Beispiele, die dazu dienen sollen, schwankende Genossen in ihrer Haltung zu stärken. Darin wird u. a. Folgendes erklärt: Die Genossen »sind es müde, schlecht ausgerüstet in die Auseinandersetzung mit der Bevölkerung kommandiert zu werden« und »die Agitatoren fühlen sich den auf sie einstürmenden Argumenten nicht gewachsen und weichen daher vor klärenden Diskussionen zurück. Niemand setzt sich mit falschen Meinungen auseinander.« Demgegenüber wird gesagt, »vom Redaktionsschreibtisch aus kann man die Lage natürlich rosiger sehen«, deshalb würde die »Verwirklichung der Parolen … an der rauen Wirklichkeit« und am »gesunden Menschenverstand der Bevölkerung« scheitern. Man argumentiert: »Zu Zeiten von Versorgungskrisen könne man mit der Bevölkerung nicht politische Diskussionen führen.«
Die Parolen lauten:
- –
Kurztreten, keinen wehtun,
- –
Schweigen ist Gold,
- –
Koexistenz46 statt Klassenkampf.
Dazu erklärt RIAS: »Warum unnötig den Kopf hinhalten, warum täglich am Klassengegner bleiben, ihn ständig bekämpfen? … bei der hohen Führung ist jetzt Koexistenz Mode, warum also nicht auch an der Front leben und leben lassen?«
Damit die Umsetzung von Arbeitskräften in Betriebe, die einen Arbeitskräftemangel zu verzeichnen haben, nicht reibungslos erfolgen soll, wird vom RIAS gegen die Aufstellung einer Arbeitskräftebilanz in der DDR gehetzt.
Um gegen diese Maßnahme unter den Arbeitern, Jugendlichen und Studenten Stimmung zu machen äußerte RIAS, dass durch den planmäßigen Einsatz der Arbeitskräfte »das Recht auf freie Wahl des Arbeitsplatzes aufgehört« hat. Der Arbeiter müsste damit rechnen, »zwangsweise in eine Arbeitsstelle eingewiesen zu werden« und könnte »durch eine Ablehnung einer anderen Beschäftigung, also Verletzung der Arbeitsdisziplin, bestraft werden«.
Weiter heißt es: »Bei der schulentlassenen Jugend, sowie bei den Absolventen der Hoch- und Fachschulen liegt der gleiche Zwang vor. Sie dürfen nur die Berufe wählen, die vom Staat freigegeben werden, die er für wichtig hält.«
Der RIAS hetzt gegen die Anordnung der Regierung, die besagt, dass bis zum 1. September 1955 alle noch vorhandenen ÖLB in die LPG eingegliedert werden sollen.47 Die Landarbeiter der ÖLB sollen sich weigern der LPG beizutreten.
Wörtlich dazu: »Der neue Termin der endgültigen Liquidierung, den die Partei einhalten will, ist der 1. September, und da hat sich die SED nun einen Trick ausgedacht … Die Betriebsarbeiter der ÖLB erhalten vom Rat des Kreises den Bescheid, dass eine Verfügung ergangen sei, nach der ab 1. September 1955 kein ÖLB mehr vorhanden sein darf. Sofern die auf den ÖLB arbeitenden Personen sich weigern der LPG beizutreten, würden sie fristlos entlassen und aus der Wohnung entfernt.«
Der RIAS behauptet, diese Verfügung würde nicht existieren, deshalb erklärt er: »… sofern sich die Arbeiter der ÖLB weigern der LPG beizutreten, bleibt nach wie vor die ÖLB bestehen … Soll die Partei nun zusehen, wie sie damit fertig wird.«
Um die Angestellten der HO48 zu beunruhigen in Bezug auf Jahresurlaub, sagte RIAS in seiner Sendung, wo er angeblich Hörerbriefe49 wiedergibt, dass die Urlaubstage für das Jahr 1956 für Verkäuferinnen und Kassiererinnen gekürzt werden.
Dazu wörtlich: »Eine Verkäuferin, die bisher 15 Tage Urlaub bekommen hat, bekommt ab 1956 nur noch zwölf Tage. Eine Kassiererin jetzt 18 Tage, ab 1956 15 Tage. Es geht in Zukunft nach Gehaltsstufe. Wer wenig verdient bekommt auch wenig Urlaub. Nur wer 800 DM und mehr hat, bekommt auch vier Wochen und mehr Urlaub in Zukunft.«
In einer Sendung des RIAS »Jugend spricht zur Jugend«50 werden die Jugendlichen der DDR, die in Westdeutschland ihren Urlaub verbringen, aufgefordert, wenn sie »Rat und Unterstützung« brauchen sich an die vom Bundesjugendring51 und vom Ministerium für gesamtdeutsche Fragen an den Grenzübergängen eingerichteten Kontaktstellen52 zu wenden, oder sie sollen in folgenden Städten, wie Hamburg, Detmold, Frankfurt, Stuttgart und Nürnberg die Büros des »Kuratoriums unteilbares Deutschland«53 aufsuchen.
Anlage 2 vom 25. August 1955 zum Informationsdienst Nr. 2479
Fragen der Intelligenz
Zum Absetzen von Angehörigen der technischen Intelligenz aus den verschiedensten Industriezweigen unserer Republik äußerten sich nachstehend einige Intelligenzler.
In einer Unterhaltung mit einem Dr. A. aus dem Buna-Werk über die Westflucht von einigen seiner Kollegen brachte dieser zum Ausdruck: »Meine Kollegen gehen nicht etwa weg, weil wir uns nicht die Butter kaufen können, sondern, weil wir in der DDR keine Unterstützung finden. Zum Beispiel in der Frage Leutemangel. Ich kann auch die Produktion bald nicht mehr halten, weil ich keine Leute mehr bekomme. Die Geschäftsbriefe muss ich mit der Hand schreiben wie vor 100 Jahren, weil die Stelle für die Stenotypistin eingespart werden soll. Wir werden nicht mehr in unserem Fach beschäftigt, sondern mit unnötigem Papierkrieg.«
Ein Ingenieur, ebenfalls aus dem Buna-Werk, äußerte: »Es haben sich aus unserem Werk deshalb einige Intelligenzler nach dem Westen abgesetzt, weil die Sparmaßnahmen, besonders auf dem Gebiet der niedrigen Entlohnung der Arbeiter, zu groß sind, und dies viel Verärgerung unter der Intelligenz auslöste. Des Weiteren hat die Rede Bulganins54 zu denken gegeben, wonach die Einheit Deutschlands in mehreren Etappen hergestellt werden soll,55 was noch Jahre dauern kann. Damit sind viele nicht einverstanden und deshalb haben auch viele Intelligenzler den Schlussstrich gezogen.«
Ein Dr. J., auch aus dem Buna-Werk, sagte: »Der springende Punkt für die Absetzungen der Intelligenzler nach dem Westen ist ja der, dass uns hier in der DDR die Hände gebunden sind. Wir schaffen es gerade noch, die von uns verlangten Aufstellungen und Statistiken fertigzustellen. Die Chemiker in der DDR sind aufgrund der ganzen Verwaltungswirtschaft gar nicht in der Lage, wissenschaftlich zu arbeiten. Außerdem sind wir gegenüber dem Westen dermaßen weit im Rückstand, dass gar nicht daran zu denken ist, deren Technik einzuholen.«
Ein Diplom-Ingenieur (Chemiker), ebenfalls aus dem Buna-Werk, erklärte: »Die Akademiker setzen sich jetzt deshalb im verstärkten Maße nach dem Westen ab, weil für alle, die bis Ende des Jahres nicht wieder im Dienst der IG56 stehen, die erworbenen Rechte auf die IG-Rente verfallen.«57
Als Gründe seiner Republikflucht gab ein Intelligenzler aus dem Buna-Werk an: »Mit meinem Gehalt und meiner Arbeit war ich zufrieden, jedoch ist die Wirtschaftslage in der DDR ständig im Sinken begriffen und es besteht keine Hoffnung, dass sich dies in Zukunft ändern wird. Auch ist nicht die Garantie gegeben, dass die jetzigen hohen Gehälter der Intelligenz beibehalten werden, wenn erst genügend Nachwuchs von den Hochschulen vorhanden sein wird. Es könnte dann später die Pension gesenkt werden, was sich jetzt schon in der Senkung der Quartalsprämien58 ausdrückt, die ein Bestandteil des Einkommens sind. Auch sehe ich in der Streichung der Stipendien für Studierende, deren Eltern ein höheres Einkommen haben, eine Benachteiligung der Intelligenz.59 In Zukunft werden überhaupt die Kinder der Intelligenzler von den Hochschulen durch die Arbeiterstudenten immer mehr verdrängt und bei der Besetzung von Wirtschaftsfunktionen wird die soziale Herkunft eine Rolle spielen.«
In den Kreisen der Intelligenzler im Kunstseidenwerk Premnitz, [Bezirk] Potsdam, wird die Meinung vertreten, dass die Industrie in Westdeutschland einer Blütezeit entgegengehe. Deshalb würde jeder Arbeiter und Intelligenzler drüben mit Freuden aufgenommen und erhält gute Arbeit sowie Bezahlung.
Zwei Nationalpreisträger aus diesem Werk äußerten in diesem Zusammenhang: »Dieser Umstand wird der DDR noch große Schwierigkeiten bereiten. Es muss mit einer Zunahme der Republikfluchten gerechnet werden, denn es ist für niemand mehr ein Risiko, nach Westdeutschland zu gehen.«
Der Leiter des Analytischen Labors des VEB Fewa-Werk Karl-Marx-Stadt60 reiste nach Westdeutschland und kehrte von dort mit der Begründung nicht wieder zurück, man habe ihm die beantragten zehn Tage Sonderurlaub (unbezahlt) nicht gewährt.
Ein Ingenieur aus dem VEB Konstruktions- und Entwicklungsbüro Turbine Dresden ging deshalb nach dem Westen, weil er im Zuge des Volkswirtschaftsplanes in einen anderen Industriezweig umgesetzt werden sollte.
Unter den Intelligenzlern der Farbenfabrik Wolfen zeigt sich verschiedentlich eine Verärgerung über das Reisen nach Westdeutschland bzw. ins Ausland, weil es dabei gewisse Beschränkungen bzw. Kontrollen gibt. Es wird dabei die »Feststellung« getroffen, dass »sie in der DDR unfrei leben«.
Ein Dr. L. aus dem Salzbetrieb der Leuna-Werke sagte: »Ich kann überhaupt nicht verstehen, dass man zur Reise nach Westdeutschland nicht seinen eigenen Wagen benutzen darf. Unsere westdeutschen Kollegen besitzen doch auch eigene Fahrzeuge. In der Regierungserklärung heißt es doch auch, dass die Verbindung nach dem Westen weiter gefestigt werden soll.«
Des Weiteren wurden uns wiederum ablehnende Stimmen von Intelligenzlern über die Verfügung, dass sich diejenigen, die keine Ingenieur-Abschlussprüfung nachweisen können, einer Prüfung unterziehen müssen, bekannt.61
So besteht z. B. darüber eine Unzufriedenheit bzw. Verärgerung unter den Intelligenzlern des Ernst-Thälmann-Werkes in Magdeburg. Es sind von dieser Verfügung ca. 270 bis 300 Personen betroffen. Von einigen wurde erwähnt, dass unter diesen Umständen eine Stellung in Westdeutschland günstiger sei.
Auch die Technologen des VEB »Askania« Teltow,62 [Bezirk] Potsdam, bringen zum Ausdruck, dass sie mit dieser Maßnahme nicht einverstanden sind. Betroffen davon werden erfahrene ältere Facharbeiter, die jahrelang als gute Technologen arbeiten und zum Teil als Aktivisten63 ausgezeichnet worden sind.
Auch in den Betrieben von Lauchhammer, [Bezirk] Cottbus, wird unter den Betroffenen ablehnend darüber gesprochen.
Ein Ingenieur vom Konstruktionsbüro und Entwicklungsbüro für Werkzeugmaschinen in Karl-Marx-Stadt äußerte sich ebenfalls dazu. »Weil ich früher kein Geld zum Studium hatte und meine Kenntnisse aus eigener Kraft erwerben musste, soll ich jetzt, nur um des Titels Willen, eine Prüfung ablegen. Wenn ich diese nicht bestehen sollte, kann ich gehen. Es sieht gerade so aus, als ob genau wie früher, nicht mehr die Leistung, sondern der Titel maßgebend ist. Wer früher Geld hatte und studieren konnte, der bezieht heute wieder große Gehälter, und die andern leisten die Arbeit.«
Anlage 3 vom 25. August 1955 zum Informationsdienst Nr. 2479
Auswertung von Hetzschriften
Die Feindzentralen64 befassen sich nach wie vor in ihren Hetzschriften mit der Genfer Konferenz,65 wobei sie in immer stärkerem Maße Hetze gegen die Sowjetunion betreiben und deren Standpunkt zur Deutschlandfrage verdrehen. So schreibt die Hetzschrift »Colloquium«66 im Heft 8, »dass die Sowjets ihre Zone nicht freigeben werden, wenn sich dadurch das militärische Kräfteverhältnis in Europa zu ihren Ungunsten verschiebt«.67
Diese Feststellung wird getroffen aufgrund des Vorschlages der Sowjetunion, die Vereinigung Deutschlands durch den Abschluss eines europäischen Sicherheitssystemes zu erreichen.
In der gleichen Hetzschrift wird gegen einen Artikel aus der »Prawda«68 Stellung genommen, indem die Wehrdebatte in Bonn69 behandelt wurde. Darin heißt es: »Für sowjetische Presseleute möge es wirklich anerkennenswert sein, wenn das Parlament eines Landes sich nicht eines Rechtes entäußert, die Wehrverfassung zu gestalten. Wir suchen vergebens nach den Protokollen der sowjetzonalen Volkskammer aus denen hervorgeht, dass vor diesem Hause eine ähnliche Debatte über die Armee der KVP stattgefunden hätte.«
Damit soll bei den Lesern die Meinung erzeugt werden, dass die Volkskammer als höchstes Organ der DDR in wichtigen Fragen nicht das Entscheidungsrecht besitzt, dass also bei uns keine Demokratie herrschen würde.
Die Veröffentlichungen der demokratischen Presse über die Störungen des Interzonenhandels70 durch Westdeutschland nehmen die Feindzentralen zum Anlass, nun gegen die DDR zu hetzen und Verleumdungen zu verbreiten. In fast allen Hetzschriften wird die Störung als »Schuld der Regierung der DDR« bezeichnet. Die DDR wäre nicht in der Lage, die Lieferbedingungen an Westdeutschland einzuhalten. Dabei werden die Handelsabschlüsse der DDR mit kapitalistischen Ländern als »Politische Manöver um Anerkennung« bezeichnet. Verbunden wird diese Hetze und Verleumdung mit der Aufforderung an die Bevölkerung »Freie Wahlen« zu fordern, um die »freie Marktwirtschaft zu übertragen«.
In den Hetzschriften der Feindzentralen wird in verleumderischer Weise zur Bildung von Handwerks-Produktions-Genossenschaften Stellung genommen.71 Um Unruhe unter dem Handwerk zu verbreiten und diese Schichten von der Bildung der LPG abzuhalten, schreibt die Hetzschrift »Der Tag«72 vom 10.8.1955 unter der Überschrift »SED will freies Handwerk liquidieren«: »Dem Handwerker bleibt keine andere Möglichkeit als hart zu bleiben! … Dann – hat der selbstständige Handwerker weniger zu verlieren als der Bauer, dem die LPG Haus und Hof genommen hat?«73
In der Hetzschrift »Privatwirtschaft«74 Heft 8, unter der Überschrift »Hinweise für private Unternehmen«75 heißt es: »Jeder Betrieb sollte danach trachten, keine hohen Rückstände auflaufen zu lassen, da die Unterabteilungen Abgaben angewiesen sind, zur Eintreibung der Steuerrückstände auch vom Mittel der Liquidierung Gebrauch zu machen.«
Die KgU nimmt in einem Flugblatt zu den Sparverträgen Stellung und fordert die Bevölkerung auf, »keine Sparverträge zu tätigen, oder wenn es sich nicht umgehen lässt, die Summen so niedrig wie möglich zu halten«. Dabei bedient sich diese Verbrecherzentrale der Verleumdung, dass das Geld der »Rüstungswirtschaft« zu Gute komme. Dadurch soll erreicht werden, dass die Bevölkerung keine Sparverträge mehr abschließt.76
Zu den Schulungen des Parteilehrjahres und der Kampfgruppen77 der SED nimmt das Hetzblatt »Der Tag« vom 3.8.1955 Stellung. In verleumderischer Weise wird geschrieben, dass die Genossen »nur eines machen könnten« und dabei wird in versteckter Form gehetzt, aus der Schulung der Kampfgruppen auszutreten. Wörtlich heißt es: »In Ostberlin hat die Bezirksleitung der SED daraufhin erklärt: Ideologische Schulung ist vorrangig. Prompt erfolgten überall Abmeldungen bei den Zirkeln für Waffenkunde und Geländedienst.«78
Anlage 4 vom 26. August 1955 zum Informationsdienst Nr. 2479
Lohnfragen
Unter einem Teil der Beschäftigten in den Industrie- und Verkehrsbetrieben, besonders unter den Eisenbahnern, zeigt sich eine gewisse Unzufriedenheit über die Entlohnung, die nach Meinung der Betreffenden zu niedrig sei. Die Auswirkungen bestehen nicht nur in negativen Diskussionen, sondern verschiedentlich in der Fluktuation von Arbeitskräften,79 in Drohungen, bei nicht Gewährung von Forderungen, die Arbeit niederzulegen bzw. zu kündigen, sowie im Abzug von Arbeitskräften nach dem Westen. Da Letzteres im verstärkten Maße von den Feindzentralen betrieben wird, muss die teilweise bestehende Unzufriedenheit über die Entlohnung besonders beachtet werden.
So z. B. besteht unter den Schiffern, die bei der tschechoslowakischen Elbe/Oder Schifffahrt beschäftigt sind, über die tarifmäßige Bezahlung Unzufriedenheit. Es bestehen zweierlei Tarife. Beispielsweise erhält ein deutscher Schiffer bei einer Fahrt nach Westdeutschland 8,00 Westmark pro Tag Auslösung und ein tschechischer 12,00 Westmark. Dazu äußern die Schiffer: »Warum erhalten wir nicht gleiche Bezahlung für gleiche Arbeitsleistung? In der ČSR ist doch die gleiche Gesellschaftsordnung wie bei uns?«
Bekanntlich treten bei Einlaufen der Schiffe in Hamburg eine Anzahl Werber der »Vanta-Scheel-Gesellschaft«80 an die deutschen Schiffer heran und versuchen sie für die Rheinschifffahrt zu gewinnen. Als Argumente benutzen sie: »Ihr deutschen Schiffer auf tschechischen Schiffen werdet doch nur als zweitrangige Menschen betrachtet. Das seht ihr doch schon an der Bezahlung.«
Tatsache ist, dass in der Zeit vom 1. bis 17.8.1955 bereits fünf Schiffer ihre Arbeitsstellen bei der tschechischen Schifffahrt aufgegeben haben. Davon sind zwei westflüchtig und die übrigen drei sind nach ordnungsgemäßer Kündigung zur West-Schifffahrt übergegangen.
Unter den Lokführern der BKW »Franz Mehring« und »John Schehr«,81 Kreis Hoyerswerda, [Bezirk] Cottbus, besteht ebenfalls Unzufriedenheit über die Entlohnung.
Im letztgenannten BKW fand am 13.7.1955 mit den E- und Dampflokfahrern eine Produktionsberatung statt. Von den anwesenden Kollegen wurden als Tagesordnungspunkte: 1. Lohnforderungen und 2. Erschwernisurlaub aufgestellt. Gleich zu Beginn forderten die Kollegen, dass der BGL-Vorsitzende und der Arbeitsdirektor an der Beratung teilnehmen sollen. Von einzelnen wurde dabei gedroht, »wenn der Arbeitsdirektor nicht erscheint, legen wir die Arbeit nieder, und wenn ihr uns nicht besser bezahlt, hauen wir ab«. Als man ihnen aufzeigte, was sie früher verdient haben, erklärten einige, »darüber braucht ihr nicht mit uns zu sprechen. Die Kapitalisten würden sich freuen, wenn sie solch qualifizierte Kräfte wie uns bekommen.«
Die Arbeiter der 180-m-Sohle des VEB Eisenerzgrube Schmiedefeld, [Bezirk] Suhl, sind gleichfalls nicht zufrieden mit ihrem Lohn. Deshalb gingen sie zum Betriebsleiter und forderten eine höhere Bezahlung. Ähnliche Erscheinungen der Unzufriedenheit zeigen sich auch auf der 150 m-Sohle. Es zeigt sich unter den Kumpels die Tendenz, nicht zur Schicht zu fahren.
Im Kalischacht »Thomas Müntzer«82 Worbis, [Bezirk] Erfurt, ist unter den Kumpels deshalb eine schlechte Stimmung, weil sich die Nichterfüllung des Planes auf ihren Verdienst auswirkt.
Dazu äußerte ein Kumpel: »Wenn es so weitergeht, dass wir jeden Monat schlechter bezahlt werden, dann wird die Kaliindustrie in Kürze eine Pleite erleben, und zwar insofern, dass noch mehr Kumpels ihre Arbeitsstelle verlassen und nach dem Westen oder in andere Industriezweige überwechseln. Ich selbst würde es auch so machen, wenn ich nicht drei Morgen Land hätte.«
Über die Entlohnung bei der Reichsbahn äußerte ein Kollege vom Bahnhof Unterwellenborn, [Bezirk] Gera: »Der Unterschied der Bezahlung der Beschäftigten der Maxhütte83 und der Eisenbahn liegt zu hoch. Ich bin nicht einverstanden, dass ein Rangierleiter in der Maxhütte 300 DM mehr brutto verdient hat als ein Rangierleiter bei der Eisenbahn.«
Ein Eisenbahner vom Bahnhof Triptis, [Bezirk] Gera: »Mit 240 DM kann ich nicht leben. Zumal ich jetzt eine größere Dienstwohnung habe. Entweder ich erhalte eine besser bezahlte Stellung oder ich bin gezwungen zu kündigen.«
Unter dem Zugpersonal des Leipziger Hauptbahnhofs besteht über die Bezahlung ebenfalls Verärgerung. So erklärte z. B. ein Verladeschaffner:84 »In der DDR spricht man zwar vom Leistungslohn, aber die wirklichen Leistungen werden nicht anerkannt. In Westdeutschland dagegen erkennt man die Leistungen an, was in der Bezahlung der Verladeschaffner zum Ausdruck kommt.«
Große Unzufriedenheit über die Lohnregelung besteht auch unter den Förderleuten, Holzschleppern und Handwerkern des Steinkohlenwerkes »Karl Marx« in Zwickau, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt. Sie werden nur als Zeitlöhner bezahlt, wenn die Abteilungen, zu denen sie gehören, die Normen nicht erfüllen. Aufgrund dessen tragen sie sich teilweise mit dem Gedanken, das Werk zu verlassen oder sich auch nach dem Westen abzusetzen.
Ein Holzschlepper äußerte dazu: »Ich komme mit dem niedrigen Verdienst mit meiner Frau und zwei Kindern nicht mehr aus. Wenn die Möglichkeit des Mehrverdienens nicht gegeben ist, werde ich eben auch nach dem Westen gehen.«
Ein Elektriker sagte: »Ich komme mit der Lohnstufe V monatlich auf 255 DM. Deshalb bin ich nicht in der Lage, mir einen neuen Anzug zu kaufen. Wenn es nicht anders wird, gehe ich nach dem Westen, um mich dort zu verbessern.«
Im VEB Gaswerk Arnstadt, [Bezirk] Erfurt, ist seit den letzten drei Monaten eine größere Fluktuation, hauptsächlich von Fachkräften, zu verzeichnen. Die Gründe dafür sind, dass ihnen ihr Tariflohn zu niedrig ist. Sie wechseln größtenteils in die private Bauindustrie über, da sie dort besser bezahlt werden.
Aufgrund der bestehenden Tarife und noch dazu durch die Schichtarbeit sind schwer Arbeitskräfte zu beschaffen. Es ist keine Seltenheit, dass neu eingestellte Arbeiter nach kurzer Zeit wieder kündigen.
Ähnliche Erscheinungen zeigen sich auch im VEB Gaswerk Meißen, [Bezirk] Dresden. Dort fehlen zurzeit neun Arbeitskräfte, was eine ernste Gefährdung der Gasversorgung für die Stadt Meißen und Nossen bedeutet. Die Kündigungen werden ebenfalls durch die niedrige Entlohnung, die auf das Ortsklassenverhältnis85 zurückzuführen ist, hervorgerufen.
Anlage 5 vom 26. August 1955 zum Informationsdienst Nr. 2479
Organisierte Feindtätigkeit
In der Zeit vom 23.8. bis 25.8.1955 wurden folgende Hetzschriften sichergestellt:
SPD-Ostbüro86:
- –
Gera: Kreis Lobenstein 737;
- –
Schwerin: Kreis Hagenow 2 000, Kreis Ludwigslust 394;
- –
Dresden: Kreis Freital 600;
- –
Halle 52;
- –
Leipzig: Kreis Torgau 1 572.
»Der Tag«:
- –
Cottbus 2 071;
- –
Dresden 22;
- –
Potsdam 1 000;
- –
Halle: Kreis Köthen 1 000.
Unbekannter Herkunft:
- –
Potsdam: Kreis Nauen 1 211, Potsdam-Land 200, Kreis Jüterbog 300;
- –
Berlin 59 800.
NTS87:
- –
Potsdam: Königs Wusterhausen 50, Kreis Neuruppin, 31 Potsdam-Land 6 000;
- –
Erfurt 3 500.
»Wirtschaft«88:
- –
Halle: Kreis Artern 6 016.
»Fernschreiber«89:
- –
Neubrandenburg 300.
ZOPE90:
- –
Gera 1 030.
Berliner Monatsecho91 und Tarantel92:
- –
Halle: Kreis Artern 48.
»Tarantel«:
- –
Berlin 1 000;
- –
ZK antibolschewistische Soldaten in der KVP: Berlin 20 000.
Antidemokratische Tätigkeit
Am 15.8.1955 fand um 12.00 Uhr in dem Lichtspieltheater Schauburg93 in Dresden eine Vorstellung für Rentner statt. Als Hauptfilm lief der West-Film »Sturm in der Ostwand«.94 Als Vorfilm der 6. August 1945.95 Das Publikum bewahrte bei den Bildern über die Atombombenexplosion in Japan und den Bildern von Kesselring96 und Halder97 Ruhe. Als die Bilder von einem KZ gezeigt wurden, setzte ein unheimliches Trampeln und Pfeifen ein. Die Leitung des Kinos brach daraufhin den Film ab und es trat Ruhe ein. Beim Verlassen des Kinos wurde den auf die nächste Vorstellung wartenden Besucher gesagt, hoffentlich ist auch bei euch diese Unruhe.
Am 23.8.1955 wurde am Pförtnerhäuschen der Stadt Fürstenberg/Oder eine Hetzlosung angeschmiert. Der Inhalt bezieht sich auf den 17. Juni.98
Ein Pfarrer aus Neustadt, [Kreis] Sebnitz, [Bezirk] Dresden, erhielt einen Brief. Absender: Freiherr von Zedlitz und Neukirch,99 wohnhaft Lauenau100 am Deister, Langestraße 17. Es wird darin angefragt, ob er 1956 den Kirchentag in Frankfurt/M.101 besuchen wird, da sie ein Wiedersehen ehemaliger französischer Kriegsgefangener veranstalten.
In der Gemeinde Dreissigacker, [Kreis] Meiningen, [Bezirk] Suhl, wurde von dem Pfarrer des Ortes im Monat Juli eine Geldsammlung durchgeführt. Diese Gelder sollten für ein Denkmal für Soldaten des faschistischen Krieges verwandt werden. Die Kriminalpolizei beschlagnahmte den Betrag von 2 000 DM. Unter der Bevölkerung werden jetzt Diskussionen laut, in denen zum Ausdruck kommt, dass sie nie wieder eine Spende geben würden.
Ein parteiloser Bürger aus diesem Ort sagte hierzu: »Ich kann die Maßnahme der Kriminalpolizei nicht verstehen. Sie sollten doch wenigstens bekannt geben, was sie mit diesem Geld machen wollen.«
Am 22.8.1955 wurde unter dem Mützenschirm eines sowjetischen Offiziers im Sommerbad Halberstadt, [Bezirk] Magdeburg, ein Hakenkreuz Größe 4 × 4 eingeritzt. Außerdem wurde die Kordel und der Sowjetstern von der Mütze entfernt.
Der sowjetische Offizier hatte sich im Bad in der Kabine umgezogen und die Mütze hängen lassen. Als er nach 20 Minuten zurückkehrte hatte die Garderobenfrau bereits das Hakenkreuz entdeckt und teilte es ihm mit. Ermittlungen von der Abt. K laufen.
In den Morgenstunden des 23.8.1955 wurde ein KVP-Angehöriger auf dem Wege von Ziegenrück, [Bezirk] Gera, nach Pößneck von einer unbekannten männlichen Person mit einem harten Gegenstand ins Gesicht geschlagen, sodass er die Besinnung verlor. Er musste mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus eingeliefert werden.
In der Nacht zum 23.8.1955 wurde ein KVP-Angehöriger in Potsdam von zwei Personen überfallen. Ein Täter ist flüchtig, der andere noch unbekannt. Ermittlungen werden geführt.