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Zur Beurteilung der Situation in der DDR

3. Juni 1955
Informationsdienst Nr. 2455 zur Beurteilung der Situation in der DDR

Zur Lage in Industrie und Verkehr

Noch immer sind die Diskussionen zu den aktuellen politischen Diskussionen ihrer Bedeutung nach umfangmäßig gering. Da sich vorwiegend fortschrittliche Kräfte damit befassen, sind die Stellungnahmen fast ausschließlich positiv.

Die Gespräche über die Warschauer Konferenz,1 den Abschluss des Staatsvertrages mit Österreich2 und vereinzelt über die sowjetischen Abrüstungs-Vorschläge3 weisen inhaltlich keine neuen Momente auf.

Etwas zugenommen haben die Stellungnahmen zu den Zusammentreffen sowjetischer Staatsmänner mit dem Staatspräsidenten Tito4 in Belgrad.5 In der Mehrzahl sind die Äußerungen positiv. Aus dem Inhalt geht übereinstimmend eine richtige Einschätzung dieses Zusammentreffens hervor. Es heißt immer wieder, dass es international gesehen von großer Bedeutung sei, wenn Jugoslawien im Friedenslager stehe und sich nicht als Stützpunkt für die aggressiven Ziele der USA hergibt. Es sei wieder ein Beweis mehr, dass die SU nichts unversucht lasse, die internationalen Spannungen durch eine friedliche Außenpolitik zu mindern. Vielfach sieht man die neuen Beziehungen zu Jugoslawien als einen diplomatischen Schritt an und freut sich über die Schlappe, die dadurch die USA erlitten hat.

Nur vereinzelt wurden Stimmen bekannt, aus denen Unverständnis über den Schritt der SU spricht, da doch »Tito erst als ein Verräter dargestellt wurde«6 und es ihnen jetzt nicht klar ist, weshalb die SU wieder Beziehungen mit ihm anbahnt.

Zum Beispiel sagte ein Arbeiter aus dem Walzwerk Hettstedt, [Bezirk] Halle: »Ich kann den Besuch in Belgrad nicht verstehen. In den letzten Jahren sprach man immer davon, dass Tito ein Verräter ist, jetzt auf einmal heißt es, dass die Freundschaft zwischen der UdSSR und Jugoslawien wieder hergestellt werden soll.«

Ein Kollege aus der Farbenfabrik Wolfen, [Bezirk] Halle, äußerte: »Ich verstehe nicht, wieso jetzt auf einmal die Beziehungen zwischen der SU und Jugoslawien so freundschaftlich sind, wo sie sich doch erst gegenseitig so beschimpft haben.«

Direkt negative Äußerungen wurden ebenfalls nur im geringen Maße bekannt.

Zum Beispiel sagte ein Arbeiter aus dem Buna-Werk: »Das wissen wir schon, was die SU mit Tito vorhat und weshalb sie sich mit diesem Verräter beschäftigt.«

Ein Arbeiter aus dem VEB Werkzeugmaschinenfabrik Zeulenroda, [Bezirk] Gera: »Was wurde in den letzten Jahren nicht alles Schlechte über Tito gesprochen. Er war der größte Verräter, den es je gab. In den letzten Monaten wurde es merklich still über den Titoismus. Jetzt auf einmal werden von Moskau mit diesem Mann Verhandlungen geführt.«

Ein Meister aus der Farbenfabrik Wolfen: »Erst haben sie sich gegenseitig beschimpft, wo sie nur konnten und heute wollen sie nun wieder gute Freunde sein.«

Die bei der KVP-Werbung7 erzielten Erfolge beruhen meist auf einer guten Überzeugungsarbeit der Werbekommissionen.

Zum anderen zeigt sich aber jetzt in zunehmendem Maße, wo das gestellte Soll nicht bzw. nur ungenügend erfüllt wurde, dazu übergegangen wird, auf die Jugendlichen einen Druck auszuüben. Zum Beispiel droht man den Jugendlichen, die sich nicht freiwillig melden, mit einer beruflichen Benachteiligung oder Entlassung aus dem Betrieb. Dies löst vielfach Diskussionen in den Betrieben aus, in denen die Art und Weise der Werbung verurteilt wird.

Im BKW »Franz Mehring« in Lauchhammer, [Bezirk] Cottbus, werden die Jugendlichen zu Aussprachen bestellt, die mitunter fünf Stunden dauern. Wenn sie sich nicht freiwillig melden, droht man ihnen, dass sie in der Grube als Baggerführer arbeiten müssten. Die Art der Werbung wird von den Kollegen verurteilt und als Zwang angesehen. Dadurch hat bereits ein Kollege gekündigt und einer wurde republikflüchtig. (Zu dieser Angelegenheit wurde in einer Büro-Sitzung der SED Kreisleitung Stellung genommen.)

Im Kreisbaubetrieb Brandenburg sagte die Werbekommission zu einem Jungingenieur: »Entweder Sie gehen zur KVP oder Sie müssen als Maurer arbeiten und werden als Ingenieur gekündigt.« Daraufhin kündigte der Betreffende selbst.

Der Abteilungsleiter der Setzerei des Lehrkombinates »Otto Grotewohl« Graphische Betriebe Leipzig drohte Jugendlichen mit Entlassungen, wenn sie nicht zur KVP gehen. Zum Beispiel bestellte er einen Lehrling zu sich und sagte zu ihm: »Unser Betrieb hat ein Soll gestellt bekommen und deshalb musst du zur KVP gehen. Wenn du es ablehnst, wirst du nach deiner Lehrzeit entlassen.«

So ging er mit mehreren Jugendlichen vor. Darüber herrscht eine Empörung und die Folge davon ist, dass sich bis jetzt erst ein Jugendlicher bereit erklärte zur KVP zu gehen.

In dem VEB Bau (K) Ludwigslust, [Bezirk] Schwerin, wurde ein Jungingenieur zwecks Beitritt zur KVP angesprochen. Er erklärte den Werbern, er möchte erst noch ein Jahr praktisch arbeiten, um sein Wissen zu festigen. Darauf sagte ein Angestellter der Registerabteilung: »Wenn Sie den Marxismus gründlich studiert haben, dürften Sie solche Argumente nicht vorbringen. Wenn Sie ihre Meinung trotzdem aufrechterhalten, sind Sie staatsfeindlich eingestellt.« Die Jugendlichen in diesem Betrieb sind der Meinung, dass man mit derartigen Methoden keine Jugendlichen gewinnt, sondern sie dazu bringt, die DDR zu verlassen.

Am 25.5.1955 wurden im LEW Hennigsdorf, [Bezirk] Potsdam, von den Genossen des Betriebsschutzes Flugblätter mit der Überschrift »Polizeihund – wertvoller als Volksschüler« – verteilt. Darin wurden Kollegen, unter anderem ein Ingenieur, wegen ihren negativen Stellungnahmen zur KVP-Werbung angesprochen. Dies löste unter der Belegschaft eine Empörung aus. Die Kollegen der AGL des Konstruktionsbüros sandten ein Telegramm an das ZK, in dem sie gegen diese Methode der Überzeugungsarbeit Stellung nahmen. Die Kollegen sind der Meinung, dass dies die Arbeitsweise der republikflüchtigen Kaderleiterin sei und dass durch eine solche Art und Weise das Ansehen der Partei geschädigt würde.

Ein Arbeiter von der Neptunwerft in Rostock erklärte: »Bei uns verstecken sich die Jugendlichen, wenn die Werber in Sicht sind. Es nützt ihnen aber nicht viel. Sie werden dann zum Direktor bestellt und dort werden sie dann von den Werbern stundenlang bearbeitet. Wenn sie sich nicht bereit erklären, wird ihnen mit Entlassung aus dem Betrieb gedroht. Viele Jugendliche sind deshalb schon nach dem Westen gegangen.«

Ähnlich äußerten sich Arbeiter von der Volkswerft Stralsund und der Peenewerft in Wolgast.

Bei dem Kaderleiter der VEAB Stralsund sprachen zwei Jugendliche wegen Arbeit vor. Sie gaben an, bei dem VEB Kraftverkehr Stralsund entlassen worden zu sein, weil sie nicht der KVP beitreten wollten. Sie zeigten zur Bestätigung das Entlassungsschreiben. Als Grund der Entlassung war darin angegeben, dass die Betreffenden falsch diskutiert hätten und nicht die Interessen der DDR vertreten würden.

Fragen der Intelligenz

In der Betriebskontrolle C 34 des Buna-Werkes besteht unter dem größten Teil der Belegschaft eine Beunruhigung, da sich in letzter Zeit einige Intelligenzler nach dem Westen abgesetzt haben. Es herrscht die Meinung vor, dass besonders ein Intelligenzler von dem republikflüchtig gewordenen Einfluss auf die verbliebenen Intelligenzler besitzt und versuchen wird, andere nach Westdeutschland abzuziehen.

Der Leiter (Diplom-Ingenieur) des neuen Kraftwerkes der Filmfabrik Wolfen kehrte von seinem Urlaub aus Westdeutschland nicht zurück. Es handelt sich um eine Spezialkraft auf dem Gebiete der Dampferzeugung. In einem Schreiben an die Werkleitung brachte er zum Ausdruck, dass er mit den Verhältnissen in der DDR nicht einverstanden sei.

Der Betriebsleiter eines Anorganischen-Betriebes im Elektro-Chemischen Kombinat Bitterfeld weilte vom 16. bis 18.5.1955 zu einer Tagung in Goslar und kehrte von dort nicht zurück. Dieser Intelligenzler wurde 1951 und 1952 Aktivist8 und erhielt 1954 den Nationalpreis I. Klasse. Vermutlich wurde er vom IG-Farben-Konzern nach dem Westen verpflichtet.

Durch die Unterbesetzung der technischen Büros des »Karl-Liebknecht-Werkes« Magdeburg9 laufen im Baggerbau die Konstruktionszeichnungen nur langsam ein. Dadurch herrscht unter den Kollegen eine schlechte Stimmung.

Die Materialschwierigkeiten halten weiterhin an und in dieser Berichtsperiode klagten darüber nachstehende Betriebe:

  • VEB Press Werk Neustadt, [Bezirk] Suhl (Keil-Riemen);

  • VEB Rudisleben,10 [Bezirk] Erfurt (Import Materialien);

  • VEB Kupferwerk Ilsenburg, [Bezirk] Magdeburg (Brammen für die Grobblechstraße);

  • VEB Nähmaschinenwerk Wittenberge, [Bezirk] Schwerin (Holz);

  • Trafo-Werk Nauen, [Bezirk] Potsdam (Press-Span);

  • VEB Rheinmetall Sömmerda, [Bezirk] Erfurt (Normenteile – Import – für die Moped-Produktion);

  • Tuchfabrik Parchim, [Bezirk] Schwerin (Zellwolle) und

  • Zementwerk Tietleben, [Bezirk] Halle (Papiersäcke).

Die Auswirkungen im letztgenannten Werk bestehen darin, dass täglich ca. zwölf Waggons Zement weniger zum Versand kommen.

Im VEB Patent-Lineol Brandenburg lagern zurzeit Spielwaren im Werte von 120 000 DM. Diese Waren wurden von den DHZ11 Leipzig, Berlin und Ludwigslust vertraglich bestellt.

Die DHZ wurden Anfang 1955 in Großhandelskontore12 umgewandelt und die abgeschlossenen Verträge von den DHZ nicht mit übernommen. Trotzdem nach Bekanntwerden der Annullierung der Verträge die Produktion gestoppt wurde, sind diese Waren im Werte von 120 000 DM vorhanden. Durch diese Lage können die privaten Zubringer-Betriebe dieses VEB kein Geld für ihre gelieferte Ware erhalten.

Im VEB »Varia« Mügeln,13 [Bezirk] Leipzig, herrscht unter der Belegschaft eine sehr schlechte Stimmung, weil die bestellten Bleistiftminen von der Abnehmerfirma in Dresden wegen angeblich schlechter Qualität nicht abgenommen werden. Dadurch ist der Betrieb in eine schwierige Lage geraten und muss ca. 20 Kollegen entlassen. Davon wurden bereits 13 Kollegen in neue Arbeitsverhältnisse vermittelt.

Unter den Kollegen der Abteilung Kühlschrank-Fertigung der LEW Hennigsdorf, [Bezirk] Potsdam, herrscht ebenfalls eine schlechte Stimmung. Es wird die Meinung vertreten, dass diese Kühlschränke »totgeborene Kinder« seien. Täglich werden ca. 20 Kühlschränke gefertigt, die aber nicht abgesetzt werden können, da das Amt für Material- und Warenprüfung Leipzig die Einsätze mit Einbrennlack ablehnt. Diese Art der Ausführung erfolgte nach einer Überprüfung durch das Amt für Material- und Warenprüfung Berlin. Es stehen bereits 100 Kühlschränke auf Lager und täglich kommen noch welche hinzu.

Die Betriebsleitung des VEB Kabelwerk Oberspree/Berlin hat nach Aussprachen mit einigen aufsichtsführenden Kollegen eine Arbeitsanweisung beschlossen und diese als Verpflichtung an die Arbeiter im Starkstromkabel herausgegeben. Daraufhin wurden Transparente mit folgendem Text angebracht: »Wir Kollegen vom Starkstromkabel verpflichten uns, bei Kupferleitern die Minustoleranz einzuhalten und damit 0,2 % Kupfer einzusparen. Wert 50 000 DM

Dies löste lebhafte Diskussionen aus und es wird allgemein zum Ausdruck gebracht, dass sie ja gar nicht diese Verpflichtung, die auf den Transparenten aufgenommen worden ist, eingegangen sind. Es fielen Bemerkungen wie z. B.:

  • »Die fragen uns gar nicht mehr«,

  • »So ähnlich werden die Wettbewerbe organisiert«,

  • »Das nennt sich Sozialismus«,

  • »Es entsteht langsam ein 17. Juni«.14

Von der ABUS Dessau, [Bezirk] Halle, wurden in der vergangenen Woche zwei Güterwaggons mit Exportaufträgen termingerecht fertiggestellt. Beim Rangieren wurden die verpackten Maschinen teilweise beschädigt, sodass die gesamte Lieferung zurückmusste, um überholt zu werden.

Produktionsstörung

Im VEB Böhlen, [Bezirk] Leipzig, fielen die Bagger 32 wegen doppelseitigem Kettenbruch, Bagger I wegen defektem Getriebe und Bagger 12 wegen defekten Kabelwagen aus. Ausfall insgesamt 11 100 cbm Abraum.

Im Braunkohlenwerk Deuben, [Bezirk] Halle, fiel im Abraum Pirkau der Bagger 1 aus, da sich ein Verbindungsbolzen am Schaufelrad gelöst hatte. Schaden: ca. 1 500 DM.

Im gleichen Tagebau entgleisten am 1.5.1955 zwei Abraumwagen infolge Schienenbruchs.

In der Braunkohlengrube Mücheln, [Bezirk] Halle, kam es infolge falscher Weichenstellung zu einem Zusammenstoß, wobei ein Schaden von 1 400 DM entstand.

Im Braunkohlenwerk »Freiheit«, [Kreis] Bitterfeld, entgleisten infolge Schienenbruchs die drei letzten Wagen eines E-Lok Zuges. Schaden: ca. 1 000 DM.

Am 31.5.1955 stand im VEB Thräna,15 [Bezirk] Leipzig, der Bagger 161 ca. vier Stunden still, da ein Kopplungslager defekt war. Produktionsausfall: 1 000 t Rohkohle.

Im VEB Teerverarbeitungswerk Rositz, [Bezirk] Leipzig, musste infolge eines undichten Rohres in einem Ofen der Betrieb am 28.5.1955 für 17 Stunden angehalten werden. Produktionsausfall: 25 t Benzin und 110 t Dieselkraftstoff = 51 000 DM.

Am 28.5.1955 fiel im VEB Eisenwerk West Calbe, [Bezirk] Magdeburg, infolge eines Panzerdurchbruches der Ofen 4 aus. Produktionsausfall: ca. 100 t Roheisen.

Am 31.5.1955 musste wegen einer Zugentgleisung die Produktion im Erzbergbau Badeleben, [Bezirk] Magdeburg, für sieben Stunden eingestellt werden. Produktionsausfall: ca. 350 t Roherz.

Am 30.5.1955, gegen 21.45 Uhr, explodierte im VEB Pharma Oranienburg,16 [Bezirk] Potsdam, ein 200-Liter-Behälter, in dem sich Salycalisäure befand. Dadurch gerieten ein Gerüst und der Dachstuhl einer Halle in Brand. Vorläufig geschätzter Schaden: ca. 300 DM. Ermittlungen werden noch geführt.

Im Schacht I – Johanngeorgenstadt – wurde am 28.5.1955 festgestellt, dass auf der 78er-Sohle ein Kabel mit dem Erzhammer angeschlagen war.

Im Revier 9 Querschlag 25/1 wurde in der Tiefenbohrmaschine ein Eisenbolzen vorgefunden. In beiden Fällen entstand kein Produktionsausfall, da die Dinge sofort bemerkt wurden.

Im VEB Mechanische Weberei Niederorschel, [Kreis] Worbis, [Bezirk] Erfurt, kam es innerhalb einer Woche zu drei Bränden. In den ersten beiden Fällen entstand kein besonderer Schaden. Der Brand am 26.5.[1955] erlosch von selbst und bei dem einen am 31.5.[1955] brannte lediglich eine Gardine und bei dem anderen Brand am gleichen Tag kam es zu einem Schaden von ca. 10 000 DM. Und zwar brach der Brand im Belegschaftsraum, an welchem das Warenlager angrenzt, aus. Da es sich bei dem Brandobjekt um eine Holzkonstruktion handelte, geriet das Warenlager ebenfalls in Brand.

In dem Transformatorenhaus Gremmelin, [Kreis] Güstrow, [Bezirk] Schwerin, brach am 30.5.[1955], gegen 10.00 Uhr, ein Brand aus. Schaden: ca. 9 000 DM.

Im Stahlwerk Riesa, im Stahlwerk Gröditz und im RAW »Einheit« Engelsdorf wurden in den Abortanlagen Hetzlosungen angeschmiert. Im letztgenannten Betrieb folgende: »Es lebe der 17. Juni – nieder mit der SED.« Und: »Das Brot ist schwarz,17 das Bier ist dünn18 – Spitzbart19 wo ist dein Wohlstand hin.«

Im Kunstseidenwerk Premnitz20 wurde das Gerücht verbreitet, dass Kolleginnen der Spinnerei I verhaftet worden seien, weil sie über die Fettversorgung geschimpft hätten.

Versorgung der Bevölkerung

Die Versorgung der Bevölkerung mit HO-Margarine21 ist in allen Bezirken wieder als normal zu bezeichnen. Es treten nur noch örtlich durch falsche Warenstreuung oder andere Mängel Schwierigkeiten auf.

Die Diskussionen haben somit auch wieder etwas nachgelassen und die Hausfrauen äußern sich in verschiedenen Fällen dahingehend, dass der Mangel an HO-Margarine vor den Pfingstfeiertagen nur auf schlechte Warenstreuung zurückzuführen sei, da es nach dem Pfingstfest HO-Margarine nur in ausreichendem Maße zu kaufen gäbe.

Im örtlichen Maßstabe tauchen immer wieder Schwierigkeiten bei der Versorgung der Bevölkerung mit den verschiedensten Nahrungsmitteln auf.

So fehlen vor allem Hülsenfrüchte, Fleischwaren, Milch und anderes. Der Mangel an Hülsenfrüchten ist in einigen Fällen darauf zurückzuführen, dass die Bevölkerung diese in größeren Mengen aufkauft und als Viehfutter verwendet. Solche Erscheinungen treten vor allem in ländlichen Gegenden auf.

Zum Beispiel kann der Bedarf an Graupen und Haferflocken in Zeitz, [Bezirk] Halle, nicht gedeckt werden, obwohl dort die Kontingente im Jahr 1955 höher liegen als 1954. Die Bevölkerung kauft diese Waren für das Vieh.

Ebenso besteht immer wieder ein Mangel an HO-Fleischwaren, sodass es z. B. im Bezirk Erfurt vorkam, dass in den Fleischereien zum Teil schon am Freitag-Mittag die Vorräte ausverkauft sind und in manchen Orten an Sonnabend kein Fleisch mehr zu bekommen ist.

Schwierigkeiten tauchen ebenfalls noch bei der Versorgung mit Weißbrot und Brötchen auf.

So ist in Teterow, [Bezirk] Neubrandenburg, zu verzeichnen, dass die Bäckereien nur kleine Mengen backen und von ihren Kunden bis acht Tage im Voraus schriftliche Bestellungen annehmen. Diese Bestellungen werden auch in den HO- und Konsumbäckereien22 gemacht.

Über die Verordnung zur Neuregelung der Ladenöffnungszeiten23 werden noch immer, auch besonders von Einzelhändlern, rege Diskussionen geführt.

Zum Beispiel brachten die Einzelhändler des Kreises Bernburg, [Bezirk] Halle, in einem Schreiben an den Rat des Kreises Bernburg ihre Missbilligung darüber zum Ausdruck und äußerten sich, dass es besser sei, das Netz der Spätverkaufsstellen zu erweitern.

Im Kreis Saalfeld, [Bezirk] Gera, ruft diese Neuregelung unter den privaten Händlern ebenfalls eine negative Stimmung hervor. Das Verkaufspersonal äußerte sich hier dahingehend, dass der staatliche und genossenschaftliche Handel diese Verordnung ohne Weiteres durchführen könnte. Beim privaten Handel wäre das jedoch anders, dort würde sich niemand darum kümmern, wie lange die Verkäuferinnen dann dort arbeiten müssten.

In den Mühlenwerken Wienburg, [Kreis] Bernburg, [Bezirk] Halle, lagern 300 t Roggenmehl Type 10320,24 weil die Bäckergenossenschaften sich weigern, diese Mehltype abzunehmen, da das davon gebackene Brot von der Bevölkerung angeblich abgelehnt wird. Auch im Mühlenkombinat der Saalemühlen in Bernburg lagern 626 t Roggenmehl derselben Type.

Die Mühlenbetriebe schlagen vor, die Type 99725 herzustellen, um eine Drosselung des Weizenmehlverbrauches herbeizuführen, weil sonst der Anschluss an die Ernte nicht gewährleistet ist.

In den Gemeinden des Saalkreises, [Bezirk] Halle, sind die Gastwirte darüber empört, dass die HO-Agenturverträge26 gekündigt worden sind. Dadurch sind die Gaststätten nicht mehr in der Lage, Speisen an die Gäste zu verabreichen.

Die Lage in der Landwirtschaft

Die politischen Diskussionen sind nach wie vor auch unter der Landbevölkerung gering. Zurzeit diskutiert man vor allem im sozialistischen Sektor der Landwirtschaft über die Verhandlungen SU – Jugoslawien und die KVP-Werbung.

Über die Beratungen der SU mit Jugoslawien wird noch verhältnismäßig wenig und vor allem von Arbeitern aus dem sozialistischen Sektor diskutiert. Es wird zum Ausdruck gebracht, dass die Friedensliebe der SU überall Anklang findet und die UdSSR durch die Regelung der Österreichfrage und jetzt durch die Verhandlungen mit Jugoslawien gezeigt hat, dass die Bemühungen um die Erhaltung des Friedens nicht umsonst gewesen sind. Gleichzeitig wird erklärt, dass nun auf jeden Fall auch Verhandlungen mit Deutschland möglich sind. Besonders begrüßt wird auch die Haltung Jugoslawiens selbst, das sich jetzt dem Friedenslager zugewandt habe und wo Tito eingesehen habe, dass ein Bündnis mit den USA für Jugoslawien nur Krieg und Unterjochung bringt.

Einige Stellungnahmen zu den Jugoslawienverhandlungen zeigen aber auch, dass die politische Bedeutung dieser Verhandlungen nicht verstanden worden ist.

So sagte z. B. ein Bauer aus Dargen, [Kreis] Wolgast, [Bezirk] Rostock: »Ich verstehe nicht, dass die SU gerade an Jugoslawien herangeht, wo doch Tito ein Gegner der SU ist. Ich glaube nicht, dass die SU dort viel erreichen wird, denn der Amerikaner wird das nicht zulassen.«

Trotz einiger guter Erfolge in der Werbung zur KVP stößt sie doch immer wieder bei einem großen Teil Jugendlicher auf eine ablehnende Einstellung. Die Argumente bei der Ablehnung sind immer wieder die gleichen: persönliche Belange, pazifistische Einstellung usw. Dazu kommt noch das Argument, bei der Werbung die Landjugend zu verschonen, da in der Landwirtschaft sowieso schon ein großer Arbeitskräftemangel bestünde.

Auch sehen viele Jugendliche zwar die Notwendigkeit der Verteidigung der Heimat ein, sie wollen aber erst dann in die KVP eintreten, wenn die allgemeine Wehrpflicht eingeführt wird.

Zum Beispiel sagte ein Jugendlicher vom VEG Karow, [Kreis] Lübz, [Bezirk] Schwerin, zur Werbekommission: »Ich kann es nicht verstehen, dass man ständig versucht, Jugendliche aus der Landwirtschaft für die KVP zu werben, weil hier Arbeitskräfte fehlen. Bei uns im VEG Karow braucht man sich mit der Werbung keine Mühe zu geben, da sowieso keiner zur KVP geht.«

Verschiedentlich tritt auch in Erscheinung, dass sich Jugendliche der Aussprache zu entziehen versuchen, indem sie nicht zu Versammlungen gehen, ihre Wohnungen verlassen usw.

Zum Beispiel wurde in Gollwitz, [Kreis] Brandenburg, [Bezirk] Potsdam, eine Jugendversammlung einberufen, auf der eine GST-Grundeinheit gebildet werden sollte. Die erschienenen Jugendlichen gingen jedoch nicht in den Versammlungsraum, sondern blieben draußen stehen. Sie lehnten es ab, überhaupt an einer Versammlung teilzunehmen, weil sie annahmen, dass dort für die KVP geworben werden sollte.

In Roskow, [Kreis] Brandenburg, war die gleiche Erscheinung.

In der Gemeinde Kühnitzsch, [Kreis] Wurzen, [Bezirk] Leipzig, verließen Jugendliche die Wohnungen und den Ort, um sich so der Werbung zu entziehen.

Im Zusammenhang mit der Werbung wird auch von einigen negativ eingestellten Personen unsere neue Ordnung angezweifelt und gegen unsere Funktionäre gehetzt, indem zum Ausdruck gebracht wird, dass sich unsere Gesellschaftsordnung sowieso nicht mehr lange halten würde und man deshalb nicht zur KVP zu gehen brauchte.

So sagte z. B. ein Traktorist von der MTS Grevesmühlen, [Bezirk] Rostock: »Das System der DDR wird sich in absehbarer Zeit doch bald ändern. Deshalb kann ich nicht in die VP eintreten. Die Funktionäre, müssen ja für ihre hohen Gehälter die Massen belügen, denn wes Brot ich esse, dessen Lied ich sing.«

Ein Schmied von der MTS Tesdorf, [Kreis] Grevesmühlen, [Bezirk] Rostock: »Die können zwei- und dreimal zu mir kommen, die können mir gar nichts! Es kommt auch eine andere Zeit und dann kommen diese in den Bau.«

In der VEB Gärtnerei Fehrbellin, [Kreis] Neuruppin, [Bezirk] Potsdam, wurde eine öffentliche Mitgliederversammlung der DSF mit dem Thema »Kampf gegen die Pariser Verträge«27 durchgeführt.

(Der größte Teil der Belegschaft dieser Gärtnerei sind ehemalige Umsiedler28 und darüber hinaus sind ca. 50 % Jugendliche vorhanden). In den Diskussionen zeigte sich, dass unter der Belegschaft große Unklarheiten herrschen. Es wurden Argumente vorgebracht wie z. B.: Die sowjetische Gefangenschaft war die schlechteste; warum dürfen die Angehörigen der Umsiedler, die sich noch in Volkspolen aufhalten, nicht ihre Verwandten in der DDR besuchen? Oder: Die deutsch-polnische Freundschaft steht nur auf dem Papier, denn an der Oder-Neiße-Grenze käme es immer noch zu Schießereien usw.

Als diese Argumente vorgebracht wurden, zwinkerten sich die Versammlungsteilnehmer gegenseitig ihr Einverständnis zu. Die Leitung dieses Betriebes ist sehr schwach. Um diese Kollegen aufzuklären wurde beschlossen, von der DSF namentlich eine Versammlung durchzuführen.

Wie schon verschiedentlich berichtet, wird unserer Wirtschaft durch unverantwortliche bzw. schlechte Arbeit einzelner Funktionäre erheblicher Schaden zugefügt.

So kümmert sich z. B. der Betriebsleiter des ÖLB29 Mückendorf, [Kreis] Zossen, [Bezirk] Potsdam, sehr wenig um seinen Betrieb. Die Schweine liegen auf dem blanken Zementboden und werden nur noch mit Grünroggen und Gras gefüttert. Die Frühjahrsbestellung ist noch nicht beendet, es wurden überhaupt noch keine Kartoffeln gesetzt usw.

Die Arbeiter des ÖLB lehnen es ab, mit dem Betriebsleiter noch weiter zu arbeiten, da er fast immer betrunken ist und Trinkschulden macht.

Durch schlechtes Verhalten verantwortlicher Funktionäre in der Gemeinde Seeburg, [Kreis] Teltow, [Bezirk] Potsdam, herrscht dort unter der Bevölkerung eine gewisse Unruhe.

Zum Beispiel äußerte sich der Vorsitzende der LPG Seeburg in angetrunkenem Zustand: »Wer von den Bauern in diesem Jahr nicht in die LPG eintritt, wird aus Seeberg ausgewiesen.«

Der Sekretär der OPO äußerte sich in der HO-Gaststätte bei Anwesenheit mehrerer Personen zu einem Genossen: »Wenn Du diesmal keine Funktion annimmst, wirst du aus Seeberg ausgewiesen, denn du weißt, wir sind Grenzgebiet.«

Diese Beispiele zeigen, dass noch nicht genügend Aufklärungsarbeit unter der Bevölkerung geleistet wird. Besonders macht sich in verschiedenen Fällen immer wieder bemerkbar, dass die Instrukteure der Kreis- und Bezirksräte ihre Arbeit nicht ernst genug nehmen und nicht wesentlich dazu beitragen, die Entwicklung der Landwirtschaft voranzutreiben.

Dazu berichtet der Bezirk Frankfurt/Oder, dass in vielen Gemeinden des Bezirkes eine ungenügende Arbeit der Instrukteure geleistet wird. Sie verlieren sich bei ihren Arbeiten in Kleinigkeiten oder verbringen ihre Tätigkeit mit Zeitunglesen.

Trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit konnte durch den noch immer bestehenden Mangel an Saatkartoffeln in verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben die Frühjahrsbestellung noch nicht beendet werden. Zum Beispiel fehlen der LPG Löberitz, [Kreis] Bitterfeld, [Bezirk] Halle, noch 300 Zentner Saatkartoffeln; im VEG Gnewikow, [Bezirk] Potsdam, 800 bis 1 000 Zentner; der LPG Elmenhorst, [Bezirk] Rostock, 1 000 Zentner.

Durch ungenügende bzw. schlechte Arbeit der MTS wurden in einigen landwirtschaftlichen Betrieben die Kartoffeln noch nicht gelegt. So wurden z. B. von den MT-Stationen des Kreises Wanzleben, [Bezirk] Magdeburg, bisher nur insgesamt 155 ha Kartoffeln im Quadratnestpflanzverfahren30 ausgelegt.

Von der MTS Mangelsdorf, [Kreis] Havelberg, [Bezirk] Magdeburg, wurden die Verträge für die Bestellung von insgesamt 180 ha Kartoffeln in Quadratnestpflanzverfahren nur zu 60 % eingehalten.

Von drei Brigaden der MTS Burkartshain, [Kreis] Wurzen, [Bezirk] Leipzig, wurden die Kartoffelacker unsachgemäß bearbeitet. Dadurch wurden von der zweiten und dritten Brigade insgesamt 1,7 ha Kartoffeln wieder herausgeeggt.

Die Brigade 5 eggte 12 % der gesamten Kartoffelfläche der LPG Burkartshain wieder heraus, sodass diese Fläche neu bearbeitet werden muss.

Wegen der Neufestsetzung der Arbeitseinheiten31 gibt es in verschiedenen LPG unter den Genossenschaftsbauern noch immer Diskussionen und Missstimmungen.

So ist in einigen LPG im Kreis Stendal eine schlechte Stimmung zu verzeichnen, da die Arbeitseinheiten auf 5,00 DM herabgesetzt wurden.

In der LPG »Joachim Winckelmann« sind die Genossenschaftsbauern besonders unzufrieden. Ein parteiloser Kollege erklärt: »Wenn das nicht alles anders wird, schmeiß ich alles hin.« Einige andere Mitglieder brachten zum Ausdruck, dass sie bei diesem »Hungerlohn« nicht in der Lage seien, die Arbeiten von früh bis spät durchzuführen.

Eine Missstimmung ist auch in der LPG »Befreites Land« in Böhne, [Kreis] Havelberg, [Bezirk] Magdeburg, zu verzeichnen, wo die Arbeitseinheit von 8,00 DM auf 7,00 DM herabgesetzt wurde. Zwei Genossenschaftsbauern vertreten dazu die Meinung, dass man aus der LPG austreten müsse und auch gleichzeitig die ehemalige eigene Wirtschaft zurückbekommt.

In der LPG Kümmernitz, [Kreis] Havelberg, [Bezirk] Magdeburg, wollten kürzlich die Angehörigen der Baubrigade kündigen, da sie angeblich zu wenig Geld verdienen würden. Sie forderten Geschirrzulage, da sie mit dem Handwerkszeug der LPG angeblich nicht arbeiten könnten. Das Handwerkszeug, das in der DDR hergestellt wird, sei nach ihrer Meinung nicht zu gebrauchen und sie müssten sich dasselbe deshalb vom Westen besorgen. Nach Aussprache mit dem LPG-Vorsitzenden verblieben die Kollegen in der Genossenschaft.

Unter den Traktoristen der MTS Märzdorf, [Kreis] Liebenwerda, [Bezirk] Cottbus, herrscht seit einigen Tagen eine schlechte Stimmung wegen ihres Verdienstes. Zurückzuführen ist das auf die Einführung der Staatsnorm. Es war zu verzeichnen, dass Traktoristen nicht über 300 DM brutto gekommen sind, obwohl sie auch sonntags gearbeitet haben.

Vereinzelt kommt es wegen der neuangeordneten Pflichtablieferung von Geflügel32 zu negativen Diskussionen.

Zum Beispiel ist im Kreis Lobenstein, [Bezirk] Gera, – was aber auch auf andere Kreise des Bezirkes zutreffend ist – eine große Verärgerung über die Veranlagung von Geflügel durch das Staatssekretariat für Erfassung und Aufkauf unter den Bauern zu verzeichnen. Diese Maßnahme wird allgemein als eine Erhöhung der Pflichtablieferung betrachtet.

In einigen Gemeinden des Bezirkes Schwerin wird das Gerücht verbreitet, dass das Ablieferungssoll um 20 bzw. 25 % erhöht werden soll.

Ein werktätiger Bauer aus der Gemeinde Laaslich, [Kreis] Perleberg, [Bezirk] Schwerin, sagte: »Wie ich gehört habe, soll das Ablieferungssoll erhöht werden. Wenn so weiter verfahren wird, dann haben wir das nächste Jahr nur noch die Hälfte der Bauern im Dorf.«

Eine werktätige Bäuerin aus der gleichen Gemeinde brachte zum Ausdruck: »Wenn jetzt das Ablieferungssoll erhöht wird, dann packen sie alle ihre Sachen und hauen nach dem Westen ab.«

Es muss bemerkt werden, dass diese Argumente in der Gemeinde nur von Personen gebracht wurden, die eine zufriedenstellende Wirtschaft haben.

Ein Großbauer33 aus Pulverhof, [Kreis] Ludwigslust], [Bezirk] Schwerin, sagte zu einem Mittelbauern: »Haben Sie schon gehört, dass das Soll für 1955 um 20 % erhöht werden soll? Daraus kann man sehen, dass sie uns zugrunde richten wollen.«

In folgenden landwirtschaftlichen Betrieben brach die Schweinepest aus:

LPG Klein Hundorf, [Kreis] Gadebusch, [Bezirk] Schwerin – Bestand von 27 Schweinen notgeschlachtet.

Bei einem Kleinbauern der Gemeinde Roggendorf, [Kreis] Gadebusch, [Bezirk] Schwerin – Bestand von 40 Schweinen notgeschlachtet.

ÖLB Burow, [Kreis] Lübz, [Bezirk] Schwerin, von 46 Schweinen acht verendet, 38 wurden notgeschlachtet.

Bei einem Großbauern wurden von 52 Schweinen 50 notgeschlachtet (Barkow, [Kreis] Lübz, [Bezirk] Schwerin).

Auf den VEG Groß Langerwisch, [Kreis] Pritzwalk, [Bezirk] Potsdam, ist der Bestand von 500 Schweinen von Schweinepest befallen. Der Bezirkstierarzt entscheidet noch über den Verbleib der Tiere.

Neben der Schweinepest gibt es auch noch infolge anderer Ursachen große Ausfälle im Tierbestand.

In Neudeck, [Kreis] Herzberg, [Bezirk] Cottbus, holte ein Mittelbauer Gras von seiner Wiese. Nach der Fütterung erkrankten ihm alle zehn Rinder, wovon eins notgeschlachtet werden musste. Vier verendeten, die restlichen fünf werden durch den Tierarzt behandelt.

Von der Schafgenossenschaft Calbitz, [Kreis] Oschatz, [Bezirk] Leipzig, verendeten am 29.5.1955 29 Schafe. Davon gehörten 19 Stück der LPG Calbitz. Schaden: ca. 8 000 DM.

Seit dem 25.5.1955 ist in der Schafherde der Gemeinde Weilar, [Kreis] Bad Salzungen, [Bezirk] Suhl, ein Lämmersterben eingetreten. Nach bisherigen Ermittlungen sollen verendete Lämmer Magenwürmer gehabt haben.

In der LPG Röcken, [Kreis] Weißenfels, [Bezirk] Halle, verendeten sechs junge Schweine an Rotlauf.34

In der LPG »Deutsch-Sowjetische Freundschaft« in Kreypau, [Kreis] Merseburg, [Bezirk] Halle, sind drei Pferde vermutlich an Eiweißvergiftung verendet. Bereits am 24.5.[1955] erkrankte ein Pferd und musste notgeschlachtet werden. In den darauffolgenden Tagen erkrankten vier weitere Pferde, von denen zwei auf dem Transport notgeschlachtet werden mussten.

In der LPG Linum, [Kreis] Neuruppin, [Bezirk] Potsdam, wurden in den Morgenstunden des 28.5.[1955] fünf Milchkühe und eine Färse verendet aufgefunden. Der Koppelzaun, an welchem die toten Tiere lagen, war von dem Zootechniker statt mit 6 Volt mit 220 Volt geladen worden.

Auf dem VEG Diepensee, [Bezirk] Potsdam, wurden in der Nacht (31.5.[1955]) ca. 150 Junghennen in- und außerhalb des Stalles tot aufgefunden. Schaden wurde vermutlich durch Raubtiere angerichtet.

Im Volksgut Ottendorf, [Kreis] Artern, [Bezirk] Halle, wurden im Schafstall von 311 Schafen 35 Tiere am Morgen des 28.5.[1955] im Stall verendet aufgefunden. Ein Schäferhund war in den Stall eingedrungen und hatte die Tiere gejagt, sodass diese erdrückt wurden. Schaden ca. 2 600 DM.

Bei einer Hofbegehung in der LPG Kaluberhof, [Kreis] Altentreptow, [Bezirk] Neubrandenburg, wurde festgestellt, dass dort Weizen geschrotet und als Futtermittel verwendet wurde. Als Grund wurde angegeben, dass nicht mehr Futtermittel im ausreichenden Maße zur Verfügung stehen und keine Möglichkeit bestünde, Futtermittel durch Austausch zu beschaffen.

Im Kreis Königs Wusterhausen, [Bezirk] Potsdam, sind fast alle landwirtschaftlichen Betriebe, hauptsächlich VEG, nicht in der Lage, ihre gesamte Futtergrundlage aus eigener Produktion aufzubringen. Die VEAB, die die Futtermittelzuteilung vornimmt, beliefert die Betriebe jedoch nicht regelmäßig, sodass dadurch schon im vergangenen Jahr einige Tiere verendeten, weil ein ständiger Futterwechsel erfolgen muss. So wurden z. B. vor vier Wochen ein Waggon Importgerste und vor 14 Tagen ein Waggon Roggen geliefert. Eine Lieferung reicht meist nur immer solange, bis die neue Sendung ankommt. Dadurch muss die ganze Zeit über eine Futtersorte gefüttert werden, was zu Vieherkrankungen führen kann.

In der Nacht vom 29. zum 30.5.1955 wurde von zwei Jugendlichen versucht, auf den MTS-Stützpunkt Möthlitz, [Kreis] Rathenow, [Bezirk] Potsdam, im Tanklager einen Brand anzulegen.

Im Brigade-Stützpunkt Zürchau der MTS Schmölln, [Bezirk] Leipzig, wurden im Geräteschuppen Hetzschriften unbekannter Herkunft gefunden.

Von der MTS-Leitung Nedlitz, [Bezirk] Potsdam, wurde beschlossen, dass ab 1.6.1955 kein Betriebsangehöriger mehr ohne Dienstausweis die MTS betreten darf.

Die Maschinenschlosser-Brigade erschien jedoch am 1.6.[1955] ohne Ausweis und wurde daraufhin vom Pförtner angesprochen. Die gesamte Brigade (fünf Kollegen) ging daraufhin wieder nach Hause und erschien den ganzen Tag nicht zur Arbeit.

Am 1.6.1955, gegen 15.40 Uhr, brannte bei einem Kleinbauern in Bischofswerda, [Kreis] Löbau, [Bezirk] Dresden, eine Scheune und der Dachstuhl des Wohnhauses nieder. Ursache: vermutlich Kurzschluss. Schaden: ca. 25 000 DM.

Ereignisse von besonderer Bedeutung

In der Gemeinde Weischlitz, Kreis Plauen, [Bezirk] Karl-Marx-Stadt, erkrankten 117 Personen an Trichinose,35 wovon 68 Personen in stationärer Behandlung sind.

Seitens des Kreisarztes und zwei weiteren Ärzten wird als Ursache der Erkrankung der Genuss von Wildschweinfleisch angegeben, welches von einem Fleischermeister des Ortes verkauft wurde. Der Fleischermeister wurde festgenommen.

Diese Massenerkrankung wird bereits vom Gegner ausgenutzt, indem das Gerücht verbreitet wird, dass das Fleisch aus der SU und China stamme.

Vom Feuerwehrstützpunkt Zehdenick, [Kreis] Gransee, [Bezirk] Potsdam, mussten zwei Genossen mit Verdacht auf Paratyphus ins Krankenhaus eingeliefert werden. Alle Genossen des Feuerwehrstützpunktes befinden sich in Quarantäne.

In Naumburg, [Bezirk] Halle, ist die Zahl der Erkrankten an spinaler Kinderlähmung im Jahre 1955 auf elf angestiegen.

Einschätzung der Situation

Die politischen Gespräche sind nach wie vor sehr gering und werden vorwiegend nur in fortschrittlichen Kreisen bzw. bei direkten Ansprachen geführt. Neben den vereinzelten Diskussionen über die Warschauer Konferenz, die Österreichfrage und jetzt über die Verhandlungen SU – Jugoslawien beschäftigt man sich vorwiegend weiterhin mit der KVP-Werbung.

Die Erfolge hierbei werden vielfach von negativen Erscheinungen überwogen. Das sind einmal die ablehnende Haltung vieler Jugendlicher und zum anderen auch Diskussionen über die Art und Weise der Werbung.

In der Industrie und auch in der Landwirtschaft tritt aufgrund verschiedener Mängel und Schwierigkeiten immer wieder örtlich begrenzt eine schlechte Stimmung auf.

Die Feindtätigkeit zeigte in den letzten Tagen keine wesentliche Veränderung auf. Die Flugblattverbreitung hält noch unvermindert an.

Anlage 1 vom 3. Juni 1955 zum Informationsdienst Nr. 2455

Gefälschte Schreiben

Mit zwei gefälschten Schreiben – einmal mit dem Absender des Kulturbundes und zum anderen mit dem der »Berliner Betriebsverwaltung« –, die an volkseigene Betriebe in der DDR versandt werden, wird versucht, die Schlagkraft unserer Kampfgruppen36 zu lähmen bzw. die Mitglieder der Kampfgruppen dahingehend zu beeinflussen, die ihnen gegebenen Waffen im »Ernstfall« gegen unsere Regierung anzuwenden.

Nach der üblichen Hetze gegen unsere Regierung und nach Verleumdungen über den Charakter unserer Kampfgruppen heißt es in dem gefälschten Schreiben vom Kulturbund, dass unsere Arbeiter die Kampfgruppe meiden, da sie mit deren Aufgaben nicht einverstanden seien. Danach wird aber andererseits gefordert:

»Doch Kollege, es gibt noch einen anderen Weg, ein anständiger Deutscher zu bleiben. Wenn Dich die hetzerischen Propagandisten in die Kampfgruppe drängen wollen und mit Entlassung usw. drohen, dann geh hinein, mach mit. Niemand wird es Dir unter dem großen Zwang und Terror übelnehmen. Doch erhalte Dir eine anständige Gesinnung und denke wie die meisten Deiner Leidensgenossen daran, dass in dem Moment, wo man Dich für volksfremde Interessen gegen deine Brüder hetzen und zum Brudermörder machen will, das Gewehr nicht loszugehen braucht. Die Geschichte ist reich an Erfahrungen, wo in solchen Momenten die Gewehre nach den Hetzern im Hintergrund gerichtet wurden. Du stehst mit deinem Handeln dann nicht allein. Tausende handeln ebenso, um später unbelastet vor das Weltgericht treten zu können. Selbst sowjetische Soldaten haben sich am 17. Juni 1953 geweigert, auf deutsche Arbeiter zu schießen – das wird ihnen nicht vergessen werden. Denk immer daran Kollege, Genosse, dann hast du den Sinn der Kampfgruppen in den volkseigenen Betrieben richtig erfasst.«

Das andere gefälschte Schreiben enthält vor allem üble Hetze gegen die Sowjetunion, und die Aufforderung zum Widerstand innerhalb der Kampfgruppen kommt darin wie folgt zum Ausdruck:

»Es gilt, von kleinen aktiven Fertigkeiten aus gesehen, wie beispielsweise die Kunst, das Ziel mit einem Schuss zu treffen, das gesamtdeutsche Ziel im Auge zu behalten. Und wer einmal Zielpunktnehmen gelernt hat, wird diese Kunst auch als Partisan des Friedens zum passenden Zeitpunkt anzuwenden verstehen. Denn es ist die Weisheit aller Zeiten, dass jede Waffe nach allen Seiten schießen kann. Ausschlaggebend ist der Wille, der den Waffenträger beseelt …

Darum, Kameraden: ›Werdet Mitglieder der betrieblichen Kampfgruppen!

Es wird euer Vorteil sein, denn schon jetzt gilt die gesamte KVP in den Augen unserer schmutzigen sowjetischen Freunde als äußerst unzuverlässig. Dieses Gefühl ist nur dann in Eurem Interesse nutzbringend zu verwerten, wenn Ihr sämtliche Mitglieder der Kampfgruppen werdet und so von Euch aus den Beweis erbringt, dass ihr aktive Partisanen des Friedens sein wollt. Eines Friedens, der nicht unter roter Flagge zustande kommt und die Versklavung der Menschheit zur Folge hätte.«

Das Schreiben schließt mit dem Aufruf: »Werdet Mitglied der betrieblichen Kampfgruppen! Lernt schießen! Bereitet Euch auf Eure eigene Befreiung vor.«

Mit dem Absender des Zentralvorstandes der GST (»i. A. Jacob,37 Sekretär«) wurden an alle Kreis- und Ortsleitungen der GST gefälschte Schreiben »Betrifft: Sonderverfügung für alle Gruppen der Gesellschaft für Sport und Technik« gesandt.

Neben der Anforderung einer genauen Aufstellung über die Ausrüstung der einzelnen Gruppen und eines Berichtes über Unterkünfte, Übungsanlagen, Schießstände, Ausbildung usw. wird eine »sofortige Diskussion« über die gegenwärtige Lage verlangt. Diese soll das Ziel haben, dass sich danach Mitglieder der GST zu den mit aufgeführten »Spezialformationen« melden.

Genannt werden dabei:

  • »a)

    Division der Bajonett-Nahkämpfer

  • b)

    Rote Garde der Todesflieger und Todestorpedos (Formation der lebenden Bomben)

  • c)

    Spezialabteilung der Unterwasser-Froschmänner

  • d)

    Atom-Entgiftungs-Spezialabteilung – Ausbildung in Karpin und Stern-Buchholz –«

Und anschließend heißt es weiter:

»Für die von a bis c aufzustellenden Abteilungen und Formationen ist im Allgemeinen eine zweijährige Ausbildung in der UdSSR mit anschließendem zweimonatigem Urlaub auf der Krim vorgesehen.«

In einem gefälschten Schreiben des »FDGB-Bundesvorstandes – Abt. Agitation – Presse«, was an »alle Agitatoren« zum selbstkritischen Studium gerichtet ist und sich mit Agitationsarbeit in den Betrieben beschäftigt, wird in übler Form gegen unsere Partei gehetzt. Ziel ist die Beweisführung, dass zwischen den Arbeitern und der Partei eine starke Kluft besteht und dass die Arbeiter der Partei keinen Glauben mehr schenken.

Unter anderem heißt es, dass »die Arbeiter die oft geisttötende Thematik unserer Schulungen, mit der unsere Funktionäre oft bis zur Lächerlichkeit unbeholfen stotternd und selbst unsicher, ihre Daseinsberechtigung nachzuweisen versuchen, berechtigt ablehnen. Der deutsche Arbeiter ist intelligenter als es der Partei lieb ist.« – Und, dass »die Arbeiter in der Diskussion nicht mehr sprechen, weil sie nichts mit dem Staatssicherheitsdienst zu tun haben wollen. Dafür denken sie umso schärfer und treffender.«

Das Hetzschreiben schließt mit folgenden Worten: »Dass sich die Wahrheit und der Drang zur wirklichen Freiheit über kurz oder lang trotz aller Widerstände und anscheinender Hoffnungslosigkeit doch durchsetzt, hast du ja an dem Beispiel Österreich gesehen. Auch der Canossagang der höchsten Sowjetführer zu Tito, der vor zwei Jahren noch als Verräter, Spion und Mörder beschimpft wurde, zeigt, dass man auch an der Quelle des Kommunismus erkannt hat, dass der bisherige Weg falsch war.

Bald wird auch wieder die Sonne der wirklichen Freiheit in unserer DDR scheinen. Verlass Dich darauf und denke immer daran.«

Mit dem Absender des Ministeriums der Finanzen (»gez. Rumpf38 Staatsekretär«) erhielten die volkseigenen Betriebe die Aufforderung, die von den Fachministerien verfügten Sparmaßnahmen in der Pressewerbung nicht bei den sozialistischen Presseorganen in Anwendung zu bringen.

Anlage 2 vom 2. Juni 1955 zum Informationsdienst Nr. 2455

Auswertung von Westsendungen

Die Sendungen über Fragen unserer Volkswirtschaft beschäftigen sich zurzeit noch mit der Annahme des Volkswirtschaftsplanes für 1955,39 wobei allerdings immer wieder besonders die Normenfrage in den Vordergrund gestellt wird.

Dabei hetzt man besonders, dass die Forderung von Partei und Regierung, die Rentabilität der Betriebe zu erhöhen,40 eine »verschleierte Normenerhöhung sei«.

Zum Beispiel sagt dazu RIAS:41 »Und so ist auch jede Verbesserung der Rentabilität eine im Grunde schon lange bekannte Angelegenheit, für die man in Pankow42 nur aus Furcht vor Protesten eine andere Bezeichnung gesucht und gefunden hat. In Wirklichkeit ist es nichts anderes als die alte Erhöhung der Arbeitsnormen.«

In der gleichen Sendung werden die Jugendlichen angeregt, bei Versammlungen über die Erhöhung der Rentabilität folgende Forderung zur Diskussion zu stellen:

»SED, BGL, GST, deutsch-sowjetische Freundschaft, Betriebsfunk und Betriebszeitung, Kontrollposten und SSD – da ließe sich einsparen. Und das wäre – unserer Meinung nach – auch ein Thema, das bei den Diskussionen über die Herstellung der Rentabilität jede FDJ-Gruppe in irgendeiner Form beschäftigen sollte.«

Zur Beeinflussung der Industriearbeiter meldet der »Sender Freies Berlin«43 im Zusammenhang mit den Normen:

»Der starke Widerstand der Arbeiterschaft in der Sowjetzone gegen die vom kommunistischen Gewerkschaftsbund eingeleiteten Diskussionen über die Notwendigkeit direkter oder indirekter Normenerhöhungen hat zur Auflösung einer größeren Zahl von Abteilungsgewerkschaftsleitungen in volkseigenen Großbetrieben geführt. Im Leuna-Werk, in den Buna-Werken, in den Stahlwerken Riesa und in Lauchhammer sowie im Karl-Liebknecht-Werk in Magdeburg haben sich die Gewerkschaftsfunktionäre geweigert, Versammlungen zur Diskussion der Normenerhöhung einzuberufen.«

In einer anderen Sendung beschäftigt sich der RIAS mit »Lohnrückstufungen«.

Nach der Hetze, dass in letzter Zeit in zahlreichen Fällen Lohnrückstufungen vorgenommen worden seien, führt RIAS einzelne Verordnungen an, auf die sich die Arbeiter berufen sollten. Unter anderem sagt er dazu: »… eine Lohnrückstufung unter gleichzeitiger Weiterbeschäftigung am alten Arbeitsplatz ist absolut unzulässig …«

Gleichzeitig weist er darauf hin, dass die in den VEB manchmal gegebene Begründung, dass sich ein Arbeiter in der Qualität verschlechtert habe, eine Rückstufung nicht rechtfertigen, da das in der »Verordnung über die Wahrung der Rechte der Werktätigen …«44 nicht vorgesehen sei und er sagt: »Daraus muss der Schluss gezogen werden, dass die Verschlechterung einer Qualifikation ohne Folgen für die Lohneinstufung bleiben soll.«

Sendungen zur Lage bei der Deutschen Reichsbahn haben nach wie vor hauptsächlich die Verleumdung zum Inhalt, das Maschinenpark, Anlagen usw. in einem derartig schlechten Zustand seien, dass nicht mehr von Betriebssicherheit und sicherem Reiseverkehr gesprochen werden könnte.

Zum Beispiel wurde in einer letzten Sendung des RIAS zur Frage der Hemmschuhe Stellung genommen und die Rangierer werden aufgefordert, einwandfreies Material zu verlangen, bei Maßabweichungen der Hemmschuhe die Arbeit abzulehnen und immer auf Einhaltung der einschlägigen Anweisungen Wert zu legen.

Im Zusammenhang mit der Dienstplanänderung45 wird versucht, die Eisenbahner weiterhin in Bewegung zu halten. Dazu dienen Meldungen über »Unruhen und Streikandrohungen und Kündigungen, z. B. in Erfurt, Görlitz, Magdeburg und Schwerin« und Behauptungen wie z. B., dass »auf allen Bahnhöfen die VP-Streifen verstärkt und mit Maschinenpistolen ausgerüstet werden«.

Zur Frage der Versorgung beschränken sich die Westsender wie im März des Jahres auf kleinere Meldungen über Schwierigkeiten in verschiedenen Kreisen und Bezirken, um dadurch zu Beunruhigungen Anlass zu geben und zu Hamstereinkäufen zu verleiten. Als besondere Mängel in der Versorgung werden immer wieder angeführt: HO-Butter, HO-Margarine, Zucker, Rindfleisch usw.

RIAS hetzt darüber hinaus in der alten Form, dass Schwierigkeiten auf die »Unfähigkeit« unserer Organe zurückzuführen seien, den Bedarf der Bevölkerung richtig zu ermitteln und zu befriedigen.

In diesem Zusammenhang fordert der Sender »Freies Berlin« auf, den Geschenkpaketverkehr nach der DDR, der infolge diesbezüglicher Verordnung nachgelassen habe, zu verstärken, da diese VO sowieso nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden.46

Auf dem Gebiet der Landwirtschaft setzt der Gegner seine Hetze gegen die LPG und VEG fort. Obwohl keine wesentlichen neuen Momente auftauchen, wird jedoch in der verschiedensten Form dem sozialistischen Sektor der Landwirtschaft Stellung genommen und versucht, die werktätigen Einzelbauern gegen denselben zu beeinflussen, was folgende Beispiele der letzten Tage zeigen.

Der Beeinflussung gegen die LPG dient ein Interview mit republikflüchtig gewordenen LPG-Mitgliedern aus den Kreisen Zerbst, welche u. a. berichten, dass sie sich durch ihren Eintritt in die LPG finanziell verschlechtert hatten und auch noch mehr Arbeitszeit aufbringen mussten als zu der Zeit, wo sie noch selbstständige Einzelbauern waren.

Mehrfach wird anhand von Verordnungen versucht, eine besondere Bevorteilung [schwer lesbar] der LPG und VEG zu beweisen, um die werktätigen Bauern zu beeinflussen. Zum Beispiel wird bei Kommentierung der Aufgaben der Landwirtschaft im Volkswirtschaftsplan 1955 hervorgehoben, dass die Aufgabenstellung für VEG weit geringer als für Einzelbauern sei, und dass die LPG überhaupt keine Richtzahlen hätten.

Ebenso heißt es in einer anderen Meldung, dass VEG aufgrund einer vertraulichen Anweisung des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft höhere Preise für landwirtschaftliche Produkte bezahlt erhielten als Privatbauern.47 Als Beispiel wird u. a. angeführt: VEG 0,40 DM für 1 kg Milch, Einzelbauer 0,20 DM für gleiche Menge bei gleicher Qualität.

Verleumdungen gegen LPG, VEG und volkseigene Mastanstalten enthält auch eine Sendung über die Schweinepest. Nachdem gehetzt wurde, dass die Veröffentlichung über Agententätigkeit in der Landwirtschaft48 nur dazu dienen sollte, die wahren Ursachen der Seuche zu vertuschen, heißt es, dass die VEG und LPG sowie die volkseigenen Mastanstalten die Herde der Seuchen seien und »dafür sorgten, dass die Seuchen in der DDR nicht erlöschen«.

Im Rahmen der Hetze gegen die Sicherungsmaßnahmen in der DDR spielte das V. Parlament der Freien Deutschen Jugend49 in Verbindung mit der KVP die entscheidende Rolle. Neben kleineren Kommentaren zu Verbandsfragen, Berufsausbildung u. a. beschäftigen sich die Westsender fast ausschließlich mit den auf dem V. Parlament gebrachten Darlegungen über das Verhältnis FDJ – KVP. Dabei wurden im Allgemeinen gegenüber der Hetze in den letzten Monaten keine neuen Argumente gebracht.

Charakteristisch aber für die geübte Hetze sind die einleitenden Worte zu einer Schlussfolgerung über das V. Parlament: »Das V. Parlament der FDJ hat seinen Auftrag erfüllt; es hat die Umwandlung der FDJ in eine Reservistenorganisation für die Einheiten der KVP und in einen Teil des Organisations-Apparates der SED vollzogen.«

Zur Sabotierung der KVP-Werbung gibt der RIAS folgendes Argument an FDJler heraus: »FDJ-Funktionäre z. B. weisen darauf hin, dass sie ja durch den Dienst in der KVP der gesellschaftlichen Arbeit verloren gingen. Was soll aus der Jugend werden, wenn ihre ideologischen Lehrmeister in den Kasernen hocken? Das macht die Werber verlegen. Oder eine andere Antwort, die oft zu hören ist, zunächst in Form von Fragen. Stimmt es, dass der Adenauer-Staat50 ein Terrorstaat ist, in dem keiner die Freiheit hat, zu tun und zu lassen was er will? Die Werber stimmen eifrig zu. Stimmt es, dass die DDR der einzige freie deutsche Staat ist, in dem es keinen Zwang gibt. Die Werber nicken notgedrungen mit dem Kopf. Also, dann versteht bitte, dass ich mich noch nicht entscheiden kann.«

Um die Bevölkerung gegen die KVP zu beeinflussen wird in verstärkten Maße über »Einschränkungen« berichtet, die die Bevölkerung infolge der KVP auf sich nehmen musste.

Genannt werden dabei »Wohnraumaktionen in Dresden«, »Beschlagnahme von Ackerland, Waldbeständen und Siedlergrundstücken«, »Schaffung von Sperrgebieten an der Ostsee«, »Übernahme von Erholungsheimen durch KVP« und anderes mehr.

Das gleiche Ziel verfolgt die Behauptung in einer Sendung des RIAS über den Haushaltsplan 1955, wonach »der Staatshaushalt ohne die Sozialversicherung mit einem Defizit von 39 Millionen Mark abschließt. Dieses Defizit wird also aus den Überschüssen der Sozialversicherung gedeckt, die ungefähr sechs Milliarden Einnahmen hat. Beiträge der Versicherungspflichtigen werden benutzt, um allgemeine Staatsausgaben zu decken, beispielsweise, um Kasernen zu bauen. Was würde die SED wohl dazu sagen, wenn die Bonner Regierung die Sozialversicherung missbrauchen würde, um den Verteidigungsbeitrag zu finanzieren.«

In einer Sendung über das Fernsehen in der DDR stellt der Sender »Freies Berlin« u. a. fest, dass vor allem in Thüringen und den Randgebieten von Berlin ein einwandfreier Empfang westlicher Fernsehprogramme möglich sei. Aus diesem Grund würden gerade in diesen Gegenden mehr Fernsehapparate benutzt als anderswo, »da es im Augenblick die zuverlässigste Brücke der Verbindung mit dem Westen« sei.

In Bezug auf die Schöffenwahlen51 hetzt der RIAS, dass diese nicht auf einer breiten demokratischen Grundlage gewählt worden seien, da sich nach veröffentlichten Zahlen in der »Neuen Justiz«52 nur ca. sechs Prozent der Wahlberechtigten der DDR an den Schöffenwahlen beteiligt hätten.

In einer »Erinnerungssendung zum 17. Juni 1953« heißt es beim Sender »Freies Berlin« u. a.: »Es ist uns sogar noch so frisch in Erinnerung, dass wir die gegenwärtige Situation in der Zone mit ihrer Lebensmittelknappheit, mit den Verschärfungen des politischen Kampfes gegenüber der Kirche, in den Schulen und Betrieben mit der Situation vor dem Aufstand vor zwei Jahren vergleichen und dabei fatale Ähnlichkeit feststellen können.«

Der Londoner Rundfunk53 bezeichnet die Demonstration54 gegen das Treffen der faschistischen Bären-Division55 als »eine weitere Kostprobe der Unliebsamkeiten« gegen Westberlin, die vor einiger Zeit angekündigt worden wären.

Der Sender »Freies Berlin« hetzt über diese Demonstration Folgendes: »Es ging der SED und den von ihr über die Sektorengrenze vorgetriebenen Störtruppen auch gar nicht so sehr darum, die Zusammenkunft der Bärenfreunde wirklich zu verhindern. Es ging ihr darum, einen propagandistisch nutzbar zu machenden Krawall mit der Westberliner Polizei herbeizuführen, möglichst mit ein paar Verletzten. Denn, was wirklich frühere Faschisten angeht, da ist die SED nicht kleinlich, wenn es sich z. B. um Generale in der Volkspolizei handelt oder um für die kommunistische Propaganda verwendbare ehemalige Fliegerkommandeure. Und wenn ehemalige Offiziere der Hitlerwehrmacht unter der Firma Nationale Front56 im Ostsektor zusammenkommen, dann lässt die SED ihre Störtruppe zu Hause.«

Andere Kommentare dazu beschäftigen sich wie die Westberliner Zeitungen mit der Frage, warum die Stupo57 nicht besser auf die Demonstration vorbereitet war.

Anlage 3 vom 2. Juni 1955 zum Informationsdienst Nr. 2455

Westdeutschland

Der Abschluss des Staatsvertrages mit Österreich hat in breiten Kreisen Westdeutschlands besondere Aufmerksamkeit gefunden. Trotz aller Manöver der Adenauer-Regierung und ihres Argumentes, dass eine ähnliche Regelung für Deutschland nicht möglich sei,58 mehren sich die Stimmen, die die Frage stellen, warum für Deutschland nicht derselbe Weg eingeschlagen werden kann.

Darüber hinaus wird festgestellt, dass nach dem Abschluss des Staatsvertrages mit Österreich die Diskussionen über die Notwendigkeit der Wiedervereinigung unseres Vaterlandes wieder in den Vordergrund getreten sind. Die Initiative der Sowjetunion wird begrüßt. Die Diskussionen lassen erkennen, dass immer mehr Menschen in Westdeutschland die verräterische Rolle von Adenauer erkannt haben.

Zwei Angehörige der Intelligenz brachten zum Ausdruck, dass sie die positive Lösung der Österreich-Frage begrüßen und für Deutschland die gleiche Lösung wünschen. Für die Zuspitzung der Lage sei allein Adenauer verantwortlich. Die Eile, mit der Adenauer die Urkunden hinterlegt habe, zeige, dass er gar nicht an eine eigene Politik denken darf, sondern eine amerikanische Politik machen muss.

»Vom Osten her droht keine Gefahr. Ein neutrales Deutschland sei für die Sowjetunion und auch für Deutschland die beste Lösung.«

Ein Student aus Bonn äußerte: »Der Abschluss des österreichischen Staatsvertrages ist das beste Beispiel für die Lösung der deutschen Frage. Wenn die beiden Regierungen in Deutschland nur wollten, müsste es zu einer Einigung der vier Großmächte auch in der Deutschlandfrage kommen.«

Westdeutsche Sportler erklärten: »Österreich hat nun seinen Staatsvertrag erhalten. Warum geht es dort und bei uns in Deutschland nicht? Wir wären auch froh, wenn die Einheit hergestellt und die Besatzungstruppen abziehen würden. Wir in Westdeutschland haben am meisten darunter zu leiden. Von den Errungenschaften in der DDR sind wir sehr begeistert.«

Nur ganz vereinzelt äußert man sich zu diesem Problem negativ.

So äußerten z. B. einige Bürger aus Frankfurt/Main, dass die Lösung der Österreich-Frage ein Verdienst Adenauers ist. Er habe durch seine »Politik der Stärke«59 Österreich freigekauft.

Ein Direktor aus Hamburg erklärte ausgehend von den Ergebnissen in der Österreich-Frage, dass sich in Kürze bezüglich der Wiedervereinigung Deutschlands einiges tun würde. DDR-Bürgern gab er den »Rat«, kein Geld auf die Banken und Sparkassen innerhalb der DDR zu bringen, sondern sich Sachwerte anzuschaffen, da die erste Frage der Wiedervereinigung das Währungsproblem sein würde.

In vielen Gesprächen diskutierten westdeutsche Bürger über ihre schlechte wirtschaftliche Lage, wobei Handwerker die besonders hohen Steuern ansprechen und Vergleiche mit der DDR ziehen. Arbeiter äußerten sich, indem sie ihre schlechte wirtschaftliche Lage aufzeigen und im Zusammenhang damit den Rücktritt von Adenauer fordern.

Zwei Handwerker äußerten: »Die Steuerlasten sind nicht mehr zu ertragen, wir wären froh, wenn wir auch eine Pauschalsteuer wie unsere Kollegen in der DDR bezahlen könnten. Wir sind Umsiedler60 aus Ostpreußen und man macht es uns sehr schwer, zumal wir eine andere Einstellung zur Politik Adenauers haben, als es erwünscht ist.«

Ein Bauarbeiter erklärte zur Lebenslage in Westdeutschland: »Die Steuern sind so hoch, dass es sich gar nicht lohnt Überstunden zu machen. Ich habe im letzten Monat bei einem Lohn von 500 DM über 100 DM Abzüge gehabt. Die Einrichtung der Offizierskasinos für die Amerikaner geht auf Kosten des deutschen Steuerzahlers. Die ganze Bande um Adenauer sollte endlich abtreten. Mit diesem Staat haben wir Arbeiter nichts gemein.«

Ein westdeutscher Jugendlicher sagte zur Stimmung unter der westdeutschen Bevölkerung: »Vor einem halben Jahr wurde in der Bundesrepublik viel über die Pariser Verträge61 und die Wehrgesetze diskutiert. Die Bevölkerung ist allgemein der Ansicht, dass Adenauer mit seiner konsequenten Haltung der Wiedervereinigung und dem Frieden ein Stück nähergekommen ist. Den Beweis sieht die Bevölkerung hauptsächlich darin, dass die Bundesrepublik die ›Souveränität‹ erhalten hat und die drei Alliierten hohen Kommissare durch Botschafter abgelöst wurden.«

Zwei ältere Beamte aus Köln erklärten zum Wehrdienstverweigerungsgesetz:62 »Jetzt wird das Gesetz der Wehrdienstverweigerung verabschiedet. Die Auslegung wird aber eine ganz andere sein, als sich mancher denkt. Der Wehrdienst soll nicht etwa von einzelnen Personen abgelehnt werden können, sondern nur von Organisationen. Diese Organisationen wird man dann schon rechtzeitig verbieten, wenn es darauf ankommt.«

Anlage 4 vom 3. Juni 1955 zum Informationsdienst Nr. 2455

Organisierte Feindtätigkeit

SPD-Ostbüro:63

  • Frankfurt/Oder: Kreis Strausberg 3 000;

  • Schwerin: Kreis Ludwigslust 2 100;

  • Halle: Kreis Bernburg 30;

  • Neubrandenburg: Kreis Neustrelitz 5 000;

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Zwickau 10, in den Kreisen Zschopau, Glauchau und Oelsnitz 100, in den Kreisen Klingenthal, Schwarzenberg und Auerbach 540;

  • Magdeburg 5: Kreis Haldensleben 1 000, Kreis Stendal 1 000, Kreis Wanzleben 4 000, Kreis Loburg 2 000, Kreis Genthin 2 000;

  • Potsdam: Kreis Nauen 70 000, Kreis Jüterbog 2 500, Kreis Zossen 1 000;

  • Gera: Kreis Rudolstadt und Greiz einige;

  • Cottbus 5 200: Kreis Senftenberg 50 000;

  • Dresden 15: Kreis Bautzen 50, Kreis Niesky 115;

  • Leipzig: Kreis Torgau 300.

NTS:64

  • Cottbus: Kreis Jessen 2 100;

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Glauchau 55, Kreis Rochlitz 15;

  • Dresden: Kreis Bautzen 20, Kreis Meißen 20, Kreis Riesa 20;

  • Potsdam 2 000: Kreis Zossen 10 000, Kreis Brandenburg 3 000;

  • Halle: Kreis Hohenmölsen 40, Kreis Köthen 7;

  • Suhl: Kreis Meiningen einige;

  • Leipzig: Kreis Oschatz 1 200, Kreis Torgau 30.

ZOPE:65

  • Magdeburg: Kreis Genthin 5 000, Kreis Stendal 30;

  • Suhl: Kreis Sonneberg 1 000;

  • Dresden: Kreis Niesky 3;

  • Rostock: einige.

KgU:66

  • Dresden: Kreis Niesky 5;

  • Karl-Marx-Stadt: Kreis Rochlitz 435;

  • Magdeburg: Kreis Genthin 140;

  • Halle: Kreis Sangerhausen 2 000;

  • Cottbus: Kreis Senftenberg 50 000.

FDP-Ostbüro:67

  • Halle: Kreis Zeitz 6.

DGB-Ostbüro:68

  • Halle: Kreis Sangerhausen 8, Kreis Hettstedt 30.

»Freie Junge Welt«

  • Potsdam: Kreis Zossen 450.

In Tschechischer Sprache:

  • Dresden: Kreis Dippoldiswalde 175.

Unbekannte Herausgeberzentrale:

  • Potsdam 1 500.

Bei den Hetzschriften handelt es sich meist um bekannte Exemplare, wobei sich der Inhalt noch immer vorwiegend mit Hetze gegen die KVP-Werbung befasst.

Im Bezirk Magdeburg, [Kreis] Loburg, traten in großen Mengen Flugblätter mit Hetze gegen die Neufestsetzung der Normen auf.

Im Bezirk Neubrandenburg, [Kreis] Prenzlau, wurden einige Flugblätter mit der Aufforderung zu einem neuen 17. Juni gefunden. (Diese Flugblätter sind mit Schreibmaschine geschrieben.)

Antidemokratische Tätigkeit

Auf der Rennstrecke des Leipziger Stadtparkes wurde auf den Asphalt mit Ölfarbe die Hetzlosung »Nieder mit der SED« geschmiert. (Am 4.6.[1955] findet ein Rennen statt.)

Auf der Tribüne an der Waldkurve wurde ein Hetzzettel mit der Aufschrift: »Vorwärts zum Generalstreik, erhebt Euch gegen den Kommunismus der DDR« gefunden.

Im städtischen Park in Klötze, [Bezirk] Magdeburg, war an einem Baum ein Hakenkreuz eingeschnitzt. In der letzten Zeit wurden in Klötze schon zweimal Hakenkreuze festgestellt.

In den letzten Tagen häufen sich Vorkommnisse, wobei VP-Angehörige tätlich angegriffen bzw. niedergeschlagen wurden.

Als Pförtner der städtischen Krankenanstalten von Erfurt in der Nacht vom 30.5. zum 31.5.1955, gegen 3.15 Uhr, auf den Hilferuf einer Frau seinen Arbeitsplatz verließ und auf die Straße trat, um nachzusehen, worum es sich handelte, wurde er von einer männlichen Person niedergeschlagen und verstarb kurze Zeit darauf. Der Täter konnte festgenommen werden.

Am 30.5.1955, gegen 23.00 Uhr, wurde ein VP-Hauptwachtmeister aus Halberstadt, [Bezirk] Magdeburg, von einem Angehörigen der KVP Dienststelle Klietz sowie einem Bauschlosser aus Halberstadt auf der Straße angerempelt und ohne jeden Grund niedergeschlagen, sodass er sich in ärztliche Behandlung begeben musste. Die beiden Beschuldigten hatten bereits am gleichen Tage eine halbe Stunde zuvor einen Kraftfahrer auf die gleiche Weise niedergeschlagen. Beide Täter wurden durch die Abteilung – K – festgenommen.

Am 30.5.1955 wurde ein ABV69 aus Westerengel, [Kreis] Staßfurt, gegen 2.30 Uhr, durch einen 27-jährigen Kraftfahrer (politisch nicht organisiert) auf der Straße niedergeschlagen. Der ABV musste sich in ärztliche Behandlung begeben, er befand sich nicht in Dienstausübung, sondern trug Zivilkleidung. Der Beschuldigte gibt an, dass er die Tat beging, da er durch den ABV vor einigen Jahren wegen Obstdiebstahl zur Rechenschaft gezogen wurde. Er wurde festgenommen.

Am 29.5.1955, gegen 1.30 Uhr, wurde ein VP-Wachtmeister vom VPKA Neubrandenburg bei seiner Streife von einer ihm unbekannten männlichen Person mehrmals auf den Kopf geschlagen, sodass er mehrere Minuten am Boden liegen blieb. Die heruntergefallene Mütze wurde von dem Unbekannten mit dem Fuß zur anderen Straßenseite geschleudert.

In Bautzen, [Bezirk] Dresden, wurde der Vorsitzende des Rates des Kreises abgelöst. Jetzt sind Gerüchte im Umlauf, dass er verhaftet worden sei und nach seiner Freilassung nach Westdeutschland geflüchtet ist.

Ein Gastwirt in Ronneburg, [Bezirk] Gera, verbreitet in seiner Gaststube, wo viele Kumpels verkehren, dass Kumpels von Oberschlema, welche in Ronneburg wohnen, erzählen, dass es an der Zeit ist, dass wieder einmal ein 17. Juni kommt, denn es wäre kein Mensch mehr zufrieden. Die Stimmung der Kumpels wäre sehr schlecht.

(Es liegt der Verdacht nahe, dass der Gastwirt von sich aus diese Hetze betreibt, er ist als Reaktionär bekannt.)

  1. Zum nächsten Dokument Zur Beurteilung der Situation in der DDR

    7. Juni 1955
    Informationsdienst Nr. 2456 zur Beurteilung der Situation in der DDR

  2. Zum vorherigen Dokument V. Parlament der FDJ in Erfurt (II)

    31. Mai 1955
    V. Parlament der Freien Deutschen Jugend in Erfurt (II) [Information M 6/55]